28 Januar

Porträt einer Ikone – Zu Gast im Kopf von Tim Burton

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Balloon Boy

Das eine ist ein Wesen mit riesigem Kopf, das andere der „Balloon Boy“

Eine dunkle Gefängniszelle. Das kleine, vergitterte Fenster ist unerreichbar fern. In ihr sitzt ein Mann in einem gestreiften Shirt und ohne Füße vor einem Zeichentisch, das einzige Licht, das ihn erhellt, ist das Gegenlicht seiner Zeichnung. Mit einem manischen Blick ist er tief und eifrig in der Auftragsarbeit gefangen. Er – das ist Tim Burton, das Gefängnis ist das „Animation Dept.“ (die einzige Randnotiz auf der ansonsten unbetitelten Zeichnung) von Disney. Der Zeichner ist Tim Burton selbst.

Diese im Jahr 1983 entstandene Selbstdarstellung ist nur eines von 10.000 kuratierten Werken, welche die Tim Burton-Sammlung enthält. Knapp 500 davon konnte man in der Tim Burton-Ausstellung des Max Ernst-Museums in Brühl betrachten. Die erste Überraschung befand sich schon vor dem Eingang: Eine lange Besucherschlange wartete am Museum auf Einlass – die Ausstellungsräume waren zu klein, um alle Besucher auf einmal hineinzulassen. Auffällig war der hohe Anteil diverser Subkulturen. Gothics, Emos, Punks und alles dazwischen war vertreten.

An dieser Stelle ein besonderer Dank an das Museum, welches die „rasenden Reporter von Spontis“ nicht nur an der Schlange vorbei lotste, sondern auch eine unglaublich spannende und informative Führung anbot. Doch warum sind die Werke von Tim Burton in Subkulturen (insbesondere der Gothicszene) so beliebt? Die Antwort darauf findet sich sowohl in seiner Biografie, als auch in seinem Stil, wobei letzterer die Konsequenz seiner Biografie ist.

Burton, der 1958 in Burbank, Kalifornien geboren wurde, entwickelte schon in jungen Jahren eine ausgeprägte Leidenschaft für Horror- und SciFi-Filme. Das Cornell Theatre bot ein „triple feature“ an, bei dem man für 50 Cent drei Filme hintereinander sehen konnte. Die dort gezeigten B-Movies übten einen großen Einfluss auf seinen Stil aus. Für den jungen Tim Burton waren sie aber zunächst eines: eine Flucht aus dem tristen, spießigen Vorstadtleben, welches er schon damals hasste.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass das Motiv der langweiligen Kleinstadt immer wieder in seinen Werken verarbeitet wird. Der Biografie-Spielfilm „Ed Wood“ ist daher nicht nur eine Hommage an den gleichnamigen Regisseur, sondern eine Verbindung der Vorstadttristesse mit seiner Leidenschaft für Filme. Dabei sticht eine Szene heraus, in der Ed Wood über seine Kindheit redet: „No. I’m from back east. You know, All-American small town… everybody knew everybody, I was a Boy Scout, my dad worked for the post office…“ Sounds like you lived in Grovers Corners“[…] Nah, ‚cause I had my comic books. And I read pulp magazines. And I listened to the radio dramas…“

Einerseits beschreibt er dabei direkt die Vorstadt, andererseits bezieht er sich mit „Grovers Corners“ auf die fiktionale Stadt aus „Our Town“, welche für das Sinnbild der heilen Welt steht. In anderen Filmen wird diese Vorstadtwelt dargestellt als eine Ansammlung gleich aussehender Häuser, deren Bewohner nach außen hin genauso austauschbar erscheinen. Bereits 1980 greift er dieses Thema bewusst in seinem nie erschienen Film „Trick or treat“ auf, bei dem ein kleiner Junge an Halloween um die Häuser zieht und hinter die Fassaden der heilen Welt blickt.

Die Entwürfe zu diesem Film zeigen Menschen unter deren Hülle sich Monster verbergen. Bereits bei diesen Entwürfen entdeckt man die ersten Prototypen späterer, populärer Figuren. So befindet sich unter den Skizzen ein erster Entwurf Jack Skellingtons, der hier allerdings kein Strichmännchen ist, sondern ein kantiger, großer Mensch, mit Armen, die in Schlangenköpfen auslaufen. „The Waiter“, wie er auf der unbetitelten Skizze genannt wird, trägt zudem glotzende Schuhe mit scharfen Zähnen (vermutlich eine Anspielung auf Krokodilleder) zu einem Jackett mit Spinnenknöpfen und einer Fledermausfliege. Lediglich der Kopf ist unverwechselbar Jack.

Aus einem weiteren Charakter, „Trick or Treats“ The Gardener entwickelte sich später „Edward Scissorhands“ – Hauptfigur des gleichnamigen, bisher autobiografischsten Films. Dieser behandelt nicht nur die spießbürgerliche Kleinstadt, sondern auch Burtons Schwierigkeiten, Nähe zuzulassen. Edward, der durch seine Scherenhände nichts berühren kann, obwohl er dies gerne tun würde, kehrt nach einem kurzen Ausbruch in die Vorstadtwelt wieder in die entrückte Einsamkeit seines Schlosses zurück – da er trotz seiner Bemühungen nicht mit Menschen zusammenleben kann.

Der Museumsführer berichtete aus seinem Zusammentreffen mit Burton, dass dieser den Mitarbeitern zur Begrüßung die Hand gab, was ihm aber offensichtlich extrem unangenehm war, da er angespannt wirkte und zitterte. Dieses Verhalten zeigt Burton nicht nur gegenüber Fremden: Bis heute isst er an Sets an einem separaten Tisch, obwohl alle Beteiligten eines Films sich während der Drehzeit besser kennenlernen. In einem Interview sagte er: „Sometimes I feel like an alien who couldn’t relate to anyone or anything around me.“ Möglicherweise ist dies einer der Gründe, warum er immer wieder mit den gleichen Menschen dreht. Dies ist allerdings nur unsere Vermutung und nicht der einzige Grund.

Beim Betrachten der Skizzen für „Edward mit den Scherenhänden“ fiel auf, dass die Zeichnung von Edward Johnny Depp sehr ähnlich sieht. Was erstaunlich ist, da Burton, als er diese Zeichnung anfertigte, Johnny Depp gar nicht kannte, geschweige dann an ihn dachte, als er an der Figur arbeitete. Depp scheint einfach in seine Fantasiewelt zu passen. Ähnlich wie der verstorbene Vincent Price, den Burton sehr bewunderte. Dieser spielte nicht nur die Rolle von Edwards Erfinder, Burton widmete ihm den Stop-Motion-Film „Vincent“. Allerdings stellt Edward nicht nur Burtons Furcht vor Nähe dar: Edward ist ein kreativer Geist, der nie stillhalten kann. Ständig schneidet er Hecken zu prächtigen Skulpturen und später frisiert er unaufhörlich die ganze Nachbarschaft, jedoch schlägt der Versuch sich kreativ in einem Beruf auszuleben (Friseursalon) fehl, vergleichbar mit Burtons Zeit bei Disney.

Auch Burton kann nie stillhalten und ist ständig in Bewegung. Der Museumsführer erzählte uns, dass Burton bei seinem Besuch Knete, Kleber, Bastelpapier, Scheren und Farben wollte, da er immer eine Beschäftigung braucht. Das Museum bat ihn daraufhin, mit fluoreszierender Farbe eine kleine, spontane Zeichnung an die Wand zu bringen – was er auch tat. Die Pappteller, die man ihm gab, damit er seine Farben mischen konnte, verwendete er als Augen – eine Handlung die zeigt, dass Burton anscheinend anders denkt und vorgeht, als die meisten Menschen.

Burton soll einmal gesagt haben, dass er entweder im Knast oder in der Psychiatrie sitzen würde, wenn er nicht die Möglichkeit hätte, sich kreativ auszuleben.
Dieses Ventil öffnete sich bereits in seiner Kindheit: Schon in der Highschool schloß er sich einer Gruppe Kinoenthusiasten an, mit denen er seine ersten Super-8-Filme drehte. Hier experimentierte er bereits mit der Stop-Motion-Technik, mit der er bis heute am liebsten arbeitet. Mit ihr wollte er später den Film „Mars Attacks!“ umsetzen, der seine Begeisterung für SciFi-B-Movies am deutlichsten darstellt. Allerdings stellte sich heraus, dass der Film viel zu aufwendig ist, um ihn in Stop-Motion zu drehen. Burton musste daher auf Computeranimationen zurückgreifen. Die Figuren, die für das ursprüngliche Vorhaben hergestellt wurden, reihen sich im Museum zu den anderen bekannten Charakteren ein: Zwischen Emily, der Leichenbraut oder den Prototypen der Oompa-Lumpas.

Tim Burton: Ein kreatives Lebenswerk

Tim Burton Junk Girl

Auch die Sozialpädagogin weiß grade nicht, wie die Altersfreigabe dieser Spielzeuge ist: Junk Girl

Tim Burton beschränkt sich jedoch nicht nur auf sein Schaffen als Regisseur und Produzent: Im Museum finden sich unzählige Skizzen, Bilder und Skulpturen. Während seiner Zeit an der High School gewann er einen Zeichenwettbewerb für eine Anti-Müllkampagne. Die Grafik „Crush Litter“ schmückte daraufhin für zwei Monate die Fahrzeuge der Müllabfuhr. Die ersten Zeichnungen und Comics waren dabei weit entfernt von seinem jetzigen Stil: Sie erinnern mit ihren knolligen Nasen stark an Don Martins Zeichnungen im Mad Magazine. Eine andere Acrylzeichnung aus dieser Zeit mit dem Titel „Saucer and Aliens“ greift durch die Landung der Untertassen und den dinosaurierähnlichen Wesen, die aus Eiern schlüpfen nicht nur das SciFi und B-Movie-Thema wieder auf, sondern zeigt auch eine deutliche Anspielung auf Hieronymus Bosch.

Mit 17 Jahren schreibt und illustriert er das Kinderbuch „The Giant Zlig“, welches er an Disney schickt. Dieses Buch wird allerdings abgelehnt, da es zu sehr an Dr. Seuss erinnerte. Nichtsdestotrotz erhielt Burton durch das Engagement seiner Kunstlehrerin ein Stipendium für das California Institute of Arts – eine von Walt Disney gegründete Kunstakademie.
Beim Betrachten seiner Mitschriften konnte man wieder deutlich seine innere Unruhe erkennen: Statt sich beispielsweise auf den klassischen Akt zu konzentrieren, kritzelte Burton kleine Comics in seine College-Kladde. Hinzu kommt wohl auch, dass er sich erst relativ spät für Kunst im Allgemeinen interessierte. Erst die bereits erwähnte Kunstlehrerin brachte ihn dazu, sich näher mit Kunst, insbesondere dem Expressionismus, auseinanderzusetzen. Andere Kunststile lernte er im Studium kennen, sein Interesse weckten sie allerdings auch später nicht.

Nach dem Studium arbeitete Tim Burton als Trickfilmzeichner bei Disney, wo er u.a. bei „Cap und Capper“ mitwirkte. Jedoch konnte er sich nicht mit dem niedlichen Disneystil identifizieren. Eigene Kreationen, wie bspw. sein Zahlenbuch „Numbers“ lehnte Disney ab, da die Zahlen als kleine Monster dargestellt wurden, was man damals (1982) als ungeeignet für Kinder empfand. Heute, in Zeiten von „Monster AG“ und „Shrek“ ist so etwas kaum denkbar. Man kann also durchaus sagen, dass Burton seiner Zeit voraus war. Allerdings wurde nicht per se alles abgelehnt, was Burton kreierte: Für den damals neu gegründten Disney-Channel inszenierte er eine bizarre Version von „Hänsel und Gretel“. Er besetzte alle Rollen mit asiatischen Schaupielern, die in einer kunterbunten, gleichzeitig verstörenden Kitschwelt das grimm‘sche Märchen darstellten. In diesem Film tauchen die typischen Elemente auf, die man mit Burton in Verbindung bringt: schwarz-weiße Streifen, die einen Wald darstellen, Spiralen und groteske Stop-Motion-Figuren, die die Kinder zwingen wollen, sie zu essen. Das bizarre Werk wurde durchaus gesendet – zur späten Stunde an Halloween. Einmal. Und dann nie wieder. Verständlicherweise. (Warum dieser Film zumindest einmal gezeigt wurde, das Buch „Numbers“ aber abgelehnt wurde, ist auch uns ein Rätsel.)

Tragic Toys for Girls and Boys 1

Tim Burtons Vorstellung von Spielzeug: The Boy With Nails in His Eyes

Die Stilelemente blieben jedoch bestehen und wurden sein Markenzeichen. Allerdings wiederholen sich einige Elemente, da diese das geeignete Handwerk sind, um seine Ideen auszudrücken. Er verwendet bspw. oft sehr bewusst ein Schachbrettmuster, um damit beklemmende Perspektiven zu erzeugen. Ähnlich verhält es sich mit Strichmännchenfiguren: Durch die Reduktion auf das Minium lassen sich die Stimmungen der Figuren besser darstellen. Bei anderen Elementen kann er nicht benennen, warum er sie verwendet. Auf die Frage, was die Spirale zu bedeuten hat, konnte er keine Antwort geben. Er zeichnet sie einfach, weil sie ihm immer wieder in den Sinn kommt.

Ein weiteres, immer wiederkehrendes Element sind Feiertage. „Nightmare before Christmas“, „Edward mit den Scherenhänden“ aber auch „Sleepy Hollow“ sind dahingehend die klassischen Werke, die Weihnachten und Halloween beinhalten. Feste und Feiertage haben für Burton eine ganz besondere Bedeutung, da diese den Alltag durchbrechen und die Highlights des Jahres darstellen. Die immer gleich aussende Vorstadt wird geschmückt, Gerichte, die sonst nicht gegessen werden, werden zubereitet etc. – einerseits ist er fasziniert von diesem, ihm willkommenen, Ausbruch aus der Langeweile. Andererseits betrachtet er die Feiertage in seinen Werken auch immer mit einem spöttischen Unterton. So gestaltete er eine kleine Holzhütte, in der die Figur „Stainboy“ sitzt. Der kleine Raum wird mit wechselnden Farben beleuchtet und blickt man von links hinein sieht man den schmuddeligen Jungen, der in einer schmuddeligen Wohnung vor seinem Weihnachtsbaum sitzt. Doch ändert man den Blickwinkel erkennt man, dass die Wände nicht einfach nur schmuddelig sind, sondern blutbeschmiert – die dazugehörige Leiche liegt im nächsten Zimmer: Frohe Weihnachten!
Diesen Zynismus und viel Wortwitz findet man in einigen seiner Werke. In Anlehnung an die Figur „Mothra“ aus japanischen Horrorfilmen, welche auch durch Puppentrick zum Leben erweckt wird, zeichnete er das Monster „Mothera“ – ein Muttermonster, welches an seinen unzähligen, tentakelartigen Armen diverse Haushaltsgeräte als Ausläufer und am Schwanz die Kinder hat. Sein Wortwitz zieht sich mal mehr, mal weniger versteckt durch all‘ seine Werke. Ein gutes Beispiel ist hierbei die Szene mit der „whipped cream“ in Charlie und die Schokoladenfabrik.

Tim Burton und seine Werke: Was ist unser Fazit?

Max Ernst Museum Brühl des LVR

Foto: Hans-Theo Gerhards / Max Ernst Museum Brühl des LVR

Insgesamt ist erkennbar, dass sich als Themenkomplex immer wieder die (selbstgewählte) Isolation als roter Faden durch seine Werke zieht. Ebenso wie die manchmal erfolgreiche, manchmal erfolglose Flucht daraus durch Freundschaft und Familie. Einen Weg, den er auch selbst immer wieder versucht zu gehen – mit dem Resultat, dass er nun zum vierten Mal verheiratet ist.
Burtons Figuren zeichnen sich dadurch aus, dass sie in einer langweiligen Welt herausstechen, anecken, auffallen. Seine Welt ist eine Welt der Außenseiter und vermutlich ist dies neben seines düsteren und bizarren Stils einer der Hauptgründe, weshalb seine Werke insbesondere in Subkulturen so beliebt sind.
Nach der Ausstellung ist uns klar geworden, weshalb sich so vieles in seinen Werken wiederholt: Sie haben viel mehr Tiefe, als wir zunächst annahmen. Nach der Ausstellung haben wir mit dem neuen Wissen ein paar Tim Burton Filme gesehen und dadurch fielen uns viele Details auf, die wir vorher nicht erkannt hätten: Parallelen zu seinem Leben oder die vielen versteckten Wortwitze.
Besonderen Dank möchten wir dem Max-Ernst-Museum Brühl des LVR  aussprechen, sowie Herrn Dr. Christian Peitz, dessen kurzweilige Führung (weitab von gewöhnlichem drögen Vortrag) durch das Museum es erst ermöglichte das Phänomen „Tim Burton“ in seiner Vielschichtigkeit zu erfassen.

8 Kommentare

  1. Hmm… nachdem ich in den letzten Jahren einige Tim-Burton-Filme gesehen habe (z.B.. Charlie & die Schokoladenfabrik, Corpse Bride, Ed Wood, Edward mit den Scherenhänden, Sleepy Hollow) kann ich zumindest für mich sagen, dass seine Filme mich leider überhaupt nicht anprechen. Sie sind mir leider zu überdreht bzw. skurril. Es mag z.T. ganz nette optische Aspekte geben, aber das allein reicht mir nicht, um einen Film zu mögen. Also falle ich wohl etwas aus dem Raster, was Schwarze und Vorlieben für Tim Burton-Werke betrifft ;-)
    Dennoch ein interessanter Artikel über die Hintergründe dieses Mannes!

  2. Also ich für meinen Teil mag die Filme, die ich bisher von Mr. Burton gesehen habe (speziell Sleepy Hollow & Sweeney Todd), aber das war es dann für mich auch schon, es sind für mich nur sehr gute Filme von einem unter vielen Regisseuren.

    Den Artikelschreibern vielen Dank für die Hintergründe. Nebenbei, wenn ich sein beschriebenes Verhalten Revue passieren lasse, einnert mich das irgendwie ein wenig an zwanghafte Handlungen, eines Autisten nicht unähnlich. Mag aber nur ein nebensächlicher, und bitte nicht als wertend zu verstehender Eindruck gewesen sein. Meine Symphatie und Anerkennung für sein Schaffen hat der Herr. Möge er noch lange unter uns weilen.

  3. Hi!

    Ich mag Tim Burton-Filme im Allgemeinen sehr (Charlie und die Schokoladenfabrik allerdings fand ich durchwachsen). Allein schon diese märchenhafte Ästhetik der Bilder und Figuren spricht mich sehr an. Die Werke sind schon auch kitschig irgendwie aber auf eine sehr eigene und abgedreht-geniale Art. Beim Anschauen tauche ich ab in eine ganz eigene Fantasywelt mit liebevollen Details und skurillen Charakteren, garniert mit einer kindlichen Verspieltheit (auch dann, wenn es böse wird). Tim Burton schafft es, bei mir eine ganz eigene Stimmung zu erzeugen. Einfach schaurig-schön und durchaus auch inspirierend. Und „burtonesk“ ist für mich eine gängige Vokabel, wenn ich die Arbeiten anderer Künstler sehe, die sich offenbar auch inspirieren ließen bzw wenn ich mich persönlich beim Betrachten an Burton-Filme erinnert fühle.

    Dunkle Grüße! :)
    Melle

  4. Für mich ist Tim Burton einer der inspirierendsten Menschen überhaupt. Seine Kunst begleitet mich schon mein ganzes Leben und hat mich stark beeinflusst, vor allem was meine Vorstellung von Ästhetik angeht. Neben seinen großartigen Werken kann ich mich auch sehr gut mit Burton als Mensch identifizieren.

    Ich erinnere mich noch gut, wie ich als 4-jähriges Mädchen Edward Scissorhands angeschmachtet und seitdem eine große Vorliebe für wild toupiertes Männerhaar habe ;) Ich denke, dass diese frühkindlichen Eindrücke mich sehr geprägt haben und sicher einer der Gründe dafür sind, warum ich zur Gothicszene gefunden habe.

  5. @Tanzfledermaus: Filme sind ja auch immer persönlichen Vorlieben unterworfen, daher auch nicht pauschal als gut oder schlecht zu bewerten. Finde ich jedenfalls. Bei Tim Burtons Filmen steht auch (für mich) daher meist die Ästhetik im Vordergrund, da seine Filme ja immer zwischen Komödie, Drama, Thriller oder Horror wechseln und sich daher nicht ganz einfach zuordnen lassen.

    @Savartur Nott: Man könnte dann sicherlich auch von „Inselbegabung sprechen“, denn die würde ich dem verrückten Burton durchaus zusprechen. Sweeny Todd ist ein schwieriger Film, den ich wegen seiner Ästhetik verehre und mit dessen Geschichte ich vertraut bin. Erstmals in einem Penny Dreadful veröffentlicht, hat die Story ja mittlerweile eine ganz eigene Dynamik entwickelt.

    @Melle: Klingt jetzt komisch, aber Burton Filme sind die einzigen Filme, bei denen ich nicht knabbern kann. Das liegt (denke ich) daran, dass sie jeden meiner Sinne beeindrucken und ich keinen untätigen Sinn befriedigen muss. Klingt jetzt wirklich komisch, ist aber wirklich so ;)

    @Nenia: Dann danke ich dem Tim und dem Johnny für ihre Hilfe aus Dir einen Grufti gemacht zu haben. Anfang der 90er legte der Film ja eine ganz eigene Ästhetik fest und prägten sicherlich auch die Szene in ihrer Erscheinung. (Ähnlich wie bei „The Crow“) In den Folge-Jahren kam der „Bondage-Look“ ja schwer in Mode.

  6. Jetzt habe ich mir auch mal Zeit nehmen können, den Bericht ganz und in Ruhe zu lesen.

    Danke an die Autoren für die Eindrücke, so wie das klingt, hätte ich das irgendwie auch sehr gerne sehen wollen.
    Daß Burton ein bisschen „anders“ tickt, wusste ich bereits, aber wie genau – damit hab ich mich bislang noch nicht weiter befasst, ich muss gestehen, nach diesem Beitrag ist mir der gute Mann ein ganzes Stück sympathischer geworden, und das aus den Gründen weswegen die meisten anderen Leute wohl eher das genaue Gegenteil empfinden würden, teilen wir doch ganz offensichtlich einige „Macken“, die im Grunde nicht gerade als „gesellschaftsfähig“ gelten.

    „Edward mit den Scherenhänden“ war auch mein erster Burton-Film, wie alt ich da war, weiß ich nicht mehr genau, hat aber auch nachhaltigen Eindruck hinterlassen, besonders aber wohl wegen des Bildes des Sonderlings, der sich in der miefigen Kleinstadt wiederfindet. Noch etwas das ich irgendwie nachvollziehen kann …

    Danach hat es eine Weile gedauert bis ich auf Burton zurückgekommen bin, ganz unbewusst eben – mir fiel auf daß viele Filme die mich einfach vom Gesamteindruck besonders angesprochen haben, Burton zu verdanken sind.
    Wieso hat hier eigentlich noch niemand „Beetlejuce“ genannt *g*? Der gehörte auch zu den Filmen die mich schon ganz früh fasziniert hatten.
    Jedenfalls, wenn ein Name dann oft genug bei den eigenen visuellen Vorlieben auftaucht, schaut man sich etwas bewusster nach weiteren Werken um, die animierten hab ich jedoch lange gemieden – einfach weil ich zuerst generell dieses Genre nicht besonders mochte, aber man springt irgendwann auch über seinen Schatten und findet einen ganzen Haufen wundervoller Ergänzungen zum burton’schen Kosmos.

  7. Freut mich, dass der Artikel gut ankam. Im Grunde könnten wir nach dem Mueseumsbesuch noch viel mehr über Tim Burton schreiben. Besonders interessant wäre hierbei Burtons Schaffen bei Walt Disney. Es ist ein spannender Widerspruch, da Disney die heile, saubere Vorstadtwelt als Ideal immer wieder in seiner Vision verarbeitet hat. Burton hingegen war diese zuwider. Das barg entsprechend viel Konfliktpotential.
    Wir haben gerade bei Arte eine Doku über Disney gesehen und in diesem Kontext wird Burtons Werk noch einmal interessanter.

  8. Vielen Dank ihr beiden für den interessanten Bericht.
    Auch mir ist der Herr jetzt um einiges sympathischer geworden.
    Beim nächsten Mal werde ich die Filme von ihm, die ich hab sehr viel genauer gucken.

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