28 Januar

Porträt einer Ikone – Zu Gast im Kopf von Tim Burton

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Balloon Boy

Das eine ist ein Wesen mit riesigem Kopf, das andere der „Balloon Boy“

Eine dunkle Gefängniszelle. Das kleine, vergitterte Fenster ist unerreichbar fern. In ihr sitzt ein Mann in einem gestreiften Shirt und ohne Füße vor einem Zeichentisch, das einzige Licht, das ihn erhellt, ist das Gegenlicht seiner Zeichnung. Mit einem manischen Blick ist er tief und eifrig in der Auftragsarbeit gefangen. Er – das ist Tim Burton, das Gefängnis ist das „Animation Dept.“ (die einzige Randnotiz auf der ansonsten unbetitelten Zeichnung) von Disney. Der Zeichner ist Tim Burton selbst.

Diese im Jahr 1983 entstandene Selbstdarstellung ist nur eines von 10.000 kuratierten Werken, welche die Tim Burton-Sammlung enthält. Knapp 500 davon konnte man in der Tim Burton-Ausstellung des Max Ernst-Museums in Brühl betrachten. Die erste Überraschung befand sich schon vor dem Eingang: Eine lange Besucherschlange wartete am Museum auf Einlass – die Ausstellungsräume waren zu klein, um alle Besucher auf einmal hineinzulassen. Auffällig war der hohe Anteil diverser Subkulturen. Gothics, Emos, Punks und alles dazwischen war vertreten.

An dieser Stelle ein besonderer Dank an das Museum, welches die „rasenden Reporter von Spontis“ nicht nur an der Schlange vorbei lotste, sondern auch eine unglaublich spannende und informative Führung anbot. Doch warum sind die Werke von Tim Burton in Subkulturen (insbesondere der Gothicszene) so beliebt? Die Antwort darauf findet sich sowohl in seiner Biografie, als auch in seinem Stil, wobei letzterer die Konsequenz seiner Biografie ist. Den ganzen Artikel lesen… »


29 Oktober

25 Jahre WGT: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig sucht Menschen, Moden und Musik

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WGT 1992

Das erste Wave-Gotik-Treffen in Connewitz 1992
(c) Philipp Hermisson

Für eine Ausstellung mit dem Thema „25 Jahre Wave-Gotik-Treffen“ sucht das Stadtgeschichtliche Museum in Leipzig Menschen, ihre Geschichten und Erinnerungsstücke. Mit der im Frühjahr 2016 eröffnenden Ausstellung möchte das Museum die Historie des WGT möglichst authentisch aufgreifen und darstellen. Jennifer Hoffert, die zusammen mit dem Museum die Ausstellung plant, hat mich angeschrieben und darum gebeten, den Aufruf zu verbreiten. Für sie geht mit dieser Zusammenarbeit ein Traum in Erfüllung, denn seit 2005 ist sie vom WGT begeistert. 2009 zog sie nach Leipzig und brachte während ihrer Tätigkeit für den Plöttner-Verlag zusammen mit Alexander Nym das Buch „Black Celebration – 20 Jahre Wave-Gotik-Treffen heraus. Jetzt möchte sie dem Museum dabei helfen, die Ausstellung möglichst authentisch vorzubereiten.

Selbstredend, dass ich zugesagt habe, zu helfen, schließlich würde ich selbst gerne so eine Ausstellung besuchen, in der das WGT und seine Besucher im Mittelpunkt stehen. Zum einen möchte ich also den Aufruf des Museumsteams verbreiten und zum anderen etwas über die Hintergründe der Ausstellung erfahren und wissen, warum gerade so ein Museum sich mit der – im Vergleich zur Historie der Stadt Leipzig – doch recht jungen Geschichte des Wave-Gotik-Treffens auseinandersetzt. Erfreulicherweise hat sich Ann-Kathrin Reichenbach vom Stadtgeschichtlichen Museum Zeit genommen, auf meine Fragen zu antworten.

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25 August

Radio: Kult um den Totenkopf – Der Tod ist unser Gefährte

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Totenschaedel - Marcus Rietzsch

Sind Totenschädel in Mode gekommen?
(c) Marcus Rietzsch

Das Radio ist ein unterschätztes Medium, ebenso wie der Totenkopf. Verdammt zur Berieselung unserer Sinne fristen die meisten Radios ein trauriges Dasein in Autoradioschächten, verkümmern als Radiowecker zum schlimmsten Geräusch-Erzeuger der Morgens oder versuchen das Blubbern und Zischen der Kochtöpfe als Küchenradios zu überspielen. Glücklicherweise haben Internet, und die Renaissance des Walkman in Form von Handys und Mp3-Playern dafür gesorgt, dass sich einige wenige wieder ein wenig Zeit nehmen zuzuhören. So machte mich Todesrodler Jan auf eine Sendung des Deutschlandfunks aufmerksam, die sich mit der Gothic-Szene auseinander gesetzt hat. „Vom Subversiven zum Mainstream“ beschäftigt sich mit dem Symbol des Totenkopfes, das einst als Mahnung vor dem Tod galt, und nun zum Fashion-Symbol geworden ist.

Ein Sendung, die auch mich zum Nachdenken brachte. Es ist Fakt, dass Totenköpfe, Skelette und Gebeine niemanden mehr erschrecken, genau wie viele andere Symbole – die vom Mainstream aufgesaugt wurden – auch. Es stellt sich die Frage, wie die Symbole der Abgrenzung heute aussehen? Schwarze Klamotten reichen nicht, soviel ist schon mal klar, heute müssen schwere Geschütze aufgefahren werden, um sich seine Abgrenzung zu erhalten. Den ganzen Artikel lesen… »


25 Juni

Das Kriminalhaus in der Eifel

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Es gibt Ereignisse, die treiben selbst hartgesottene Großstadt-Gruftis an verregneten Wochenenden aus der Höhle hinaus. Über Wälder und Felder durch Gegenden, in denen man weder tot noch lebendig begraben sein möchte – direkt hinein in die Vulkaneifel, die zugegebenermaßen einen ziemlich coolen Namen hat. Dann ein Ortsschild: Hillesheim. Der eingefleischte Grufti denkt sofort ans Mera Luna und sinniert: Ich streiche das „L“ und wünsche mir ein „D“! Doch dann geschah das Unerwartete. Wir sahen das hier:

Dieser Spur mussten wir nachgehen. Was wir herausfanden, war gemütlich, liebevoll gemacht und unbedingt empfehlenswert. Das Kriminalhaus in Hillesheim besteht aus dem Café Sherlock und dem Deutschen Krimiarchiv. Im Keller des Hauses befindet sich wohl noch eine Buchhandlung, die wir aber nicht besucht haben. Wir statteten zunächst dem Sherlock einen Besuch ab.  Den ganzen Artikel lesen… »


21 April

Augenlust Ausstellung – Fotografieren aus Leidenschaft

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Augenlust - Marcus RietzschFrüher nahm man sich viel mehr Zeit zum Fotografieren. Fuhr man in seinen wohl verdienten Sommer-Urlaub, hatte man eine kleine Kamera dabei und 2, oder vielleicht 3 Filme mit jeweils 36 Bildern. Die Motive waren stets gut ausgesucht, für Gruppenbilder positionierte man sich penibel und achtete darauf, dass die Sonne im Rücken stand. Berühmte oder Beeindruckende Bauwerke wurden nicht einfach im vorbeigehen abgelichtet, sondern konzentriert in Szene gesetzt. Der Film war viel zu schade und die anschließende Entwicklung der Bilder viel zu teuer um alles dem Zufall zu überlassen. Trotzdem war die Spannung groß, wenn man die entwickelten Fotos vom Studio abholte. Hatte alles geklappt? Habe ich die Bilder verwackelt? Ist irgendwo der eigene Daumen zu sehen?

Heute ist das anders. Beim Spaziergang durch die fremde Stadt ist die Kamera immer griffbereit. Alles wird gnadenlos abfotografiert, der Auslöser als Abzug einer Maschinenpistole. Von einer eindrucksvollen Kirche entstehen schnell einmal 50 Bilder, schließlich kann man Sie ja nachher am heimischen Rechner aussortieren. Wenn man dann Lust hat. Kreativität entsteht allenfalls dabei, die Bilder zu benennen in Ordner zu sortieren und seinen Freunden unkommentiert zur Verfügung zu stellen. Schaut mal wie schön es hier war! Den ganzen Artikel lesen… »


7 Februar

The Open Community – Gothic in Australien

von Kategorie: Theater und AustellungenDiskussion: 4 Kommentare

Bestimmt sind wieder die Briten schuld. Als die USA ihre Unabhängigkeit durchsetzte, suchte die britische Regierung 1787 nach Möglichkeiten, sich von unliebsamen Inselbewohnern zu trennen, vornehmlich von Menschen aus der Unterschicht, die für jede Kleinigkeit in Strafkolonien gesteckt wurden. Praktisch, dass James Cook ein paar Jahre vorher den australischen Kontinent entdeckte und ihn für die britische Krone reservierte, vielleicht warf er damals ein Handtuch über einen Liegestuhl. Das weit entfernte und nur von ein paar unwichtigen Eingeborenen bewohnte Land wurde zur Strafkolonie. Im Januar 1788 erreichten dann die ersten 11 Schiffe mit Siedlern und Verurteilten den Kontinent und gründeten Sydney.

Anyway. Rund 200 Jahre später dann der nächste brillante Schachzug der Briten, durch geschickte Infiltration wurde Gothic ein Teil der australischen Gesellschaft… Das ist natürlich Unsinn. Die Subkulturen der späten 70er und frühen 80er verbreiteten sich überall. Australische Gothics jedoch, stellen in diesem Blog eine unterrepräsentierte Minderheit dar. Daher bin ich dankbar, dass mich Pixella Panik auf einen Link aufmerksam machte. Den ganzen Artikel lesen… »


2 März

Woyzeck von David Bösch – Wahnsinnig gut!

von Kategorie: Theater und AustellungenDiskussion: 3 Kommentare

Die Handlung des StückesDie Bühne im Siegener Apollo Theater wird durch einen eisernen Vorhang von der Zuschauertribüne abgeschirmt. Das Licht geht aus, das Publikum verstummt. Es ist stockdunkel. Die Tür des Seiteneingangs öffnet sich. Eine Kreatur hinkt in den Raum, raucht und bleibt vor dem eisernen Vorhang stehen. Sie sieht aus wie eine Mischung aus Mumie und Brandon Lee in „The Crow“. Sie ist mit einer Lichterkette umwickelt und wird so zum einzigen Blickpunkt in der Finsternis des Raums. Sie referiert über viehische Vernunft und vernünftige Viehigkeit und pustet den Vorhang auf.

„Meine Herren, meine Herren! Sehen Sie die Kreatur, wie sie Gott gemacht.

Die erste Szene zeigt Woyzeck, der mit gigantischen Schnüren durch eine Haube an der Decke festgemacht ist. Die Szene erinnert mich an Giger-Bilder. Das Bühnenbild ist schlicht und düster – fast gänzlich schwarz, gekrönt von einem riesigen Loch, über dem der Himmel liegt, den niemand sehen kann. Der Doktor beleidigt Woyzeck und quält ihn mit Stromstößen, bis Woyzeck schließlich zusammenbricht.

Nein, ich möchte natürlich keine Nacherzählung dieses Theaterstücks schreiben. Aber allein der Einstieg dieser Woyzeck Inszenierung von David Bösch war ein Meisterstück. Die Charaktere im Stück sind abgerissen, melancholisch, desillusioniert, kalt, verrückt. Man bekommt den Eindruck, in eine surrealistische Science-Fiction-Welt zu schauen. Ich habe auf Youtube ein Video  der Aufführung gefunden: Den ganzen Artikel lesen… »