Wir Kinder vom Bahnhof Zoo – Das Leben der Christiane F.

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Christiane F. ist nicht nur ein Name und der Titel eines Buches, sondern auch Synonym für das Scheitern am Leben selbst. Noch bevor der Punk Deutschland erreichte, überschwemmten harte Drogen die Republik wie eine dunkle Wolke. Erst schleichend, dann totgeschwiegen und bagatellisiert starben 1977 in Berlin 84 Menschen an einer Überdosis Heroin. Die Geschichte der Christiane Felscherinow1 ist nur eine von den vielen Tragödien dieser Zeit.

Christiane F. jungAuf einem Trödelmarktbesuch im Juni 2009 bin ich über eine Erstausgabe des Buches Wir Kinder vom Bahnhof Zoo gestolpert, meine eigene Ausgabe zerfiel im Laufe der Zeit. Auch nach Jahren fasziniert mich immer noch die Eindringlichkeit der Bilder, die dieses Buch in meinem Kopf erzeugen. Vielleicht ist es ein Grund dafür, dass ich niemals Interesse an Drogen hatte. Nach bereits 2 Wochen hatte ich erneut das Ende der Geschichte erreicht. Um die Erinnerungen zu komplettieren, habe ich mir den Film nochmals angeschaut, der in meiner Jugend auch im Unterricht der Schule gezeigt wurde. Bei meiner Recherche ist mir aufgefallen, wie präsent die Person Christiane F. auch heute noch ist. Neuerliche Skandale führen offenbar zu immer wieder zu neuen Interviews und Portraits. Die jüngste Veröffentlichung ihres zweiten Buches „Christiane F. – Mein zweites Leben“ führte zu einer aktualisierten Neufassung dieses Artikels.

Eine zweifelhafte Karriere: 1968 – 1978

Als Christiane mit ihren Eltern aus dem schleswig-holsteinischen Nützen 1968 nach Berlin zieht, ist die Familie noch voller Träume von einer eigenen Heiratsvermittlung, die sie mithilfe der Berlinzulage2 gründen wollen. Als der Traum an der Realität zerplatzt, müssen sie aus der Altbau-Wohnung in Berlin-Kreuzberg in die Hochhaussiedlung Gropiusstadt umziehen. Christianes Vater ertränkt seine Frustration über den missglückten Start in Alkohol und tyrannisiert die Familie.

Erst als Christianes Mutter Klaus, einen Freund ihres Mannes, kennenlernt, bringt sie den Mut auf, ihren Ehemann zu verlassen um sich und ihre beiden Töchter vor der Aggressivität ihres Vaters zu schützen. Doch trotz aller Versuche scheitert der neue Mann in ihrem Leben daran, ein Teil von ihnen zu werden. Christianes Schwester zieht zurück zu ihrem Vater, Christiane selbst wird immer einsamer. Klaus ist ihr fremd und ihre Mutter findet kaum noch Zeit für ihre inzwischen 12-jährige Tochter. Christiane freundet sich mit Kessi, ihrer Klassenkameradin, an. Die Clique in die Christiane kommt, ist ihre Eintrittskarte in den Sumpf. Gemeinsam mit den meist älteren Jugendlichen raucht sie Haschisch und schwänzt die Schule. Alles nur, um dazuzugehören.

Die Clique nimmt ihr die Einsamkeit. Sie gehört dazu, bekommt die Anerkennung und Aufmerksamkeit, die sie zu Hause vermisst. Auf der Suche nach immer neuen Möglichkeiten, den ersehnten Rausch zu erleben, nimmt sie Medikamente wie Epherdrin oder Valium. Treffpunkt und Umschlagplatz ist die Berliner Diskothek „Sound“, in der Christiane regelmäßig verkehrt. Sie lernt den 16-jährigen Detlef kennen, der schon länger Heroin nimmt. Zunächst lehnt sie ab, Heroin zu nehmen, kann aber nicht mehr widerstehen, als die Medikamente immer mehr von ihrer Wirkung einbüßen. Weil sie Angst vor den Spritzen hat, zieht sie sich das braune Pulver durch die Nase. Christiane ist 13 Jahre alt.

Mit 14 Jahren lässt sie sich von einem Junkie ihren ersten Druck setzen. Die Heroinbeschaffung spielt nun eine zentrale Rolle in ihrem Leben, das sie inzwischen mit Detlef teilt. Sie beginnt damit, am Bahnhof Zoo der Prostitution nachzugehen. In einer verfallenen Wohnung lebt sie mit Detlef und ihren Freunden Bernd und Axel. Zwischen Schimmel, einem von Blutresten getränkten Teppichboden und ausgedrückten Zigarettenkippen erlebt sie ihr „Erstes mal“.

Christianes Mutter merkt lange nichts vom Leben ihrer Tochter, die Mischung aus Zeitmangel und Naivität nimmt ihr die Sicht auf die Realität. Als Christiane bei einer Klassenfahrt an Gelbsucht erkrankt und in eine örtliches Krankenhaus eingeliefert wird, schiebt sie alle Anzeichen auf das schnelle Wachstum und die Pubertät.

Christiane ist nun in einer neuen Clique, den Drogenstrichern. Immer mehr ihrer Freunde sterben. Babsi macht Schlagzeilen: „Sie war erst 14“ und ist damit Deutschlands jüngstes Drogenopfer3 Nur noch auf sich gestellt, zieht es Detlef und Christiane immer tiefer in die Sucht. Als Christianes Mutter ihre Tochter und Detleft nach 2 Jahren erstmal in ihrem Zimmer beim drücken erwischt, zwingt sie sie zu einem qualvollen Entzug. Doch die psychische Abhängigkeit hält sie fest in ihren Klauen, sie schafft es nicht ihr altes Leben hinter sich zu lassen. Völlig am Ende ihre Kräfte, lässt sich in eine Nervenklinik einliefern in der es aber nicht besser wird. Schließlich sieht Christiane keinen anderen Ausweg, als sich den „Goldenen Schuss“ zu setzen.

Doch die Dosis ist zu gering, um ihrem Leben ein Ende zu setzen. Als Christiane wieder einmal von der Polizei aufgegriffen wird, fasst sich ihre Mutter ein Herz und bringt sie zu den Großeltern nach Kaltenkirchen. Erstmal keimt Hoffnung auf, denn weit weg von ihrer alten Clique und dem gewohnten Umfeld macht sie ihren Hauptschulabschluss. Hier endet das Buch, dass als Reinfall begann und als Bestseller endete.

Herbst 1978: Der Druck einer Geschichte

Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof ZooAuf der Grundlage von Tonbandprotokollen schreiben die beiden Autoren Kai Hermann und Horst Rieck im Herbst 1978 ihr Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, dass erstmals in ungeschminkter und bildlicher Sprache das Leben einer jugendlichen Drogensüchtigen schildert. Horst Rieck lernt im Frühjahr 78 die damals 15-jährige Christiane bei einer Gerichtsverhandlung gegen einen pädophilen Mann in Berlin-Moabit kennen. Als er für einen Artikel das Mädchen interviewt, ist er fasziniert von ihren Geschichten und sagt später: „Sie erzählte quasi druckreif. Ich hatte das Gefühl, sie ist vollgesogen wie ein Schwamm.“ Er holt Kai Hermann mit ins Boot und entschließt sich, aus Christianes Geschichten ein Buch zu schreiben. Über drei Monate besuchen die Autoren Christiane bei ihrer Oma in Kaltenkirchen und lassen das Mädchen erzählen.

Das Buch erzählt dabei die Geschichte der Christiane F. in minutiöser Reihenfolge und schildert die Ereignisse aus ihrer Sicht. Immer wieder finden sich kurze Zwischentexte von Christianes Mutter, dem damaligen Leiter des Jugendzentrums „Haus der Mitte“, zuständigen Polizisten und den Leitern der Drogenberatungsstellen. In der Mitte sind zudem noch einige Bilder zu finden, die Personen und Plätze visualisieren. Der Bahnhof Zoo, von dem das Buch seinen Titel hat, ist in der Zeit von 1970 bis 1980 zentraler Mittelpunkt der Berliner Drogenszene.

Die paradoxen Verhaltensmuster, die Christiane F. hier beschreibt sind ein eindrucksvolles Stilmittel und verleihen dem Buch die nötige Aussagekraft. Die Art, wie Christiane ihre Geschichte erzählt ist sehr eindringlich man hat gleich das Gefühl mitten in der Geschichte zu sein. Für einige ist sie abschreckendes Beispiel einer ruinierten Jugend, für andere ein Idol für ein freies und selbstbestimmtes Leben.

Zunächst wird das Buch von vielen Verlagen abgelehnt, die Themen Kinderprostitution und Drogensucht waren nicht gefragt und wurde als unverkäuflich eingestuft. Mit einer im Magazin Stern veröffentlichten Artikelserie, die Auszüge aus dem Text lieferte und Hintergrundinformationen bot, ändert sich das völlig. Die Geschichte war in den breiten Öffentlichkeit angelangt. Das mediale Echo war gewaltig. Immer lauter werdende Kritiker befürchteten, dass Christiane als Antiheldin zum Idol einiger Jugendlichen werden würde und so beschloss der Stern, ein pädagogisches Begleitbuch in einer Auflage von 60.000 hauptsächlich an Schulen verteilen zu lassen.

Der Stern entscheidet sich dazu, das Buch in einer Auflage von 5.000 Stück bei Henri Nannen verlegen zu lassen, der sich alsbald in Lieferschwierigkeiten sieht, so schnell sind die Werke vergriffen. Das Buch entwickelte sich vom skandalträchtigen Realitäts-Report zum Unterrichtsstoff an vielen Schulen.

Deutschlands berühmtester Junkie wird erwachsen: 1978 – 1981

Christiane ist auf Bewährung, nachdem sie wiederholt gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen hat, 6 Monate muss sie die Füße stillhalten. Bei ihrer konservativen Oma beginnt sie ihren Hautpschulabschluss zu absolvieren. Als das Buch anfänglich scheitert, ist Christiane enttäuscht, doch als sie im Herbst 1978 ihr Gesicht auf dem Cover des Stern sieht, weiß sie, dass nichts mehr so sein wird wie früher. Sie beendet die Hauptschule und kann bei einer örtlichen Buchhandlung eine Lehre als Buchhändlerin beginnen.

Sie lernt den jungen Nikolai kennen, der sich genau wie Christiane in der ländlichen Provinz eingeengt fühlt. Gemeinsam fahren sie oft nach Hamburg um in der Markthalle erste Berührungen mit dem Punk zu machen. Christiane, die inzwischen ein Star ist, freundet sich mit Künstlern und Musikern der Hamburger Szene an. Nikolai, der den Sprung nicht schafft und seinen Wehrdienst in München absolviert, bleibt zurück. Christiane freundet sich mit Jäki Eldorado, Klaus Maeck, FM Einheit und Alfred Hilsberg an und fasst 1980 den Entschluss, nach Hamburg zu ziehen und mit den Vieren eine WG zu gründen.

Als Christiane 1980 volljährig wird, zieht sie nach Hamburg. 400.000 DM aus dem Verkauf des Buches ermöglichen ihr ein sorgenfreies Leben. Trotzdem führt sie ihre Lehre in einer Hamburger Filiale der Buchhandlung fort. Sie hilft im Plattenladen von Hilsberg aus und taucht tief in das Hamburger Nachtleben ein, als Deutschlands berühmtester Junkie genießt sie einen gewissen Promi-Status und lernt vieler Musiker und Bands kennen. Sie beginnt damit, sich mit Koks wach zu halten. Mit Alexander Hacke, dem Gitarrist der Einstürzenden Neubauten, beginnt sie eine Beziehung. 1981 verfilmt Bernd Eichinger die Geschichte von Christiane F. und macht das 19-jährigen Mädchen zu einem Weltstar.

April 1981: Rebellen der Leinwand

Christian F. - Werbeplakat des FilmsEbenfalls 1978 tritt Bernd Eichinger in Erscheinung. Der junge Filmproduzent mit den radikalen Ideen wollte dem in Konkurs gegangenen Unternehmen „Constantin Film“ zu neuem Glanz verhelfen. Er setzte auf rebellische und kontroverse Konzepte, die das auf die Leinwand bringen sollten, was er bislang im Kino vermisste: das Lebensgefühl einer jungen, deutschen Generation. In dem Buch über Christiane F. fand er den notwendigen Zündstoff und das Lebensgefühl einer jugendlichen Generation, die in Tristess und Perspektivlosigkeit nur noch auf der Suche nach dem nächsten Rausch ist. Nach einigem Streitereien mit verschiedenen Regisseuren fand er 1981 in Uli Edel das passende Gegenstück zu seinen Ideen.

Die zeitliche Nähe zum Buch ermöglicht die unverfälschte Wiedergabe der Originalschauplätze im Berliner Bezirk Neukölln und am Bahnhof Zoo. Die damals noch unbekannte 15-jährige Natja Brunckhorst spielt dabei eindrucksvoll die Rolle der Christiane und verhilft der Figur zu einer beeindruckenden Authentizität. Die größtenteils unbekannten Laiendarsteller, die Produzent Eichinger einsetzt, geben dem Film zudem noch eine weitere sehr biographische Komponente, da keines der Gesichter in anderen Produktionen auftaucht und daher ein sehr glaubhaftes Milieu erzeugen. Thomas Haustein beispielsweise, der im Film Christianes Freund Detlef spielt, drehte danach nie wieder einen Film. In einem interessanten Interview im VICE-Magazin erzählt er von seiner Rolle, den Hintergründen und dem echten Detlef, den er nie kennengelernt hat.

Der Film erhielt die musikalische Unterstützung von David Bowie, dessen Konzert in Berlin für Christiane ein Schlüsselerlebnis war und zur ersten Berührung mit Heroin führte, als sie einem heroinabhängigen Freund dabei hilft, Geld für den nächsten Schuss zusammenzuschnorren. Die Szenen des Konzerts wurden für den Film extra nachgedreht und mit Archivaufnahmen gemischt. Ursprünglich willigte David Bowie ein, im Film mitzuspielen, doch als Eichinger nach New York flog um den dort gastierenden Bowie mit einem Filmteam aufzunehmen, wurde zeitgleich John Lennon erschossen. Das führte dazu, dass Bowie sich zunächst weigerte, aufzutreten. Erst eine von Eichinger engagierte Crew von Bodyguards konnte ihn dennoch dazu bewegen aufzutreten um so die authentischen Aufnahmen zu liefern.4 Bowies Lied Heroes ist, obwohl es nicht speziell für den Film geschrieben  wurde, eng mit der Thematik verbunden.

Die sehr realistische Darstellung des Fixens, den Erlebnissen mit den Freiern und dem Cold Turkey5 , in denen Christiane und Detlef minutenlang an eine Wand kotzen um sich anschließend in ihrem eigenen Erbrochenem vor Schmerzen wälzen, „waren so noch nie im deutschen Kino gezeigt worden und schockierten eine ganze Elterngeneration.6 Bei der Aufführung in Großbritannien und in den USA wurde der Film stark geschnitten, da man einige Szene als Jugendgefährdend einstufte.  Das die Freigabe ab 18 in den Staaten das Zielpublikum daran hinderte den Film in seiner ganzer Härte darzustellen und damit den Film um sein wichtigstes Stilmittel beraubt, wird heute noch stark kritisiert.

Vom einsamen Mädchen zu Deutschlands bekanntestem Junkie

Christiane Felscherinow heute

Christiane F. bei Maischberger
ARD Sendung „Menschen bei Maischberger“ – Christiane F.

Das Buch und der Film enden damit, das Christiane auf dem Land in der Nähe von Hamburg lebt und dort seit 1,5 Jahren ein drogenfreies Leben führt. Sie versucht mit dem bürgerlichen Leben zurechtzukommen und beginnt eine Buchhändlerlehre. Doch die Vergangenheit holt Christiane immer wieder ein. Für ihre Mitarbeit an Buch und Film bekam sie im Laufe der Jahre fast 700.000 DM mit dem sie aus dem Gefängnis der Provinz ausbrach um das Geld zu verschleudern. Obwohl sie sich der Gefährlichkeit ihres Handelns bewusst ist, geht sie immer wieder in die Öffentlichkeit und wird vom Drogenjunkie zum Drogenstar.“7 Sie versuchte sich in verschiedenen Punkprojekten, spielt in einigen NDW Filmen mit, tourte durch die USA, lebte eine Zeit lang in Griechenland und in der Schweiz. 1982 bringt sie die Maxisingle „Final Church“ heraus, indem sie ihre eigene Sucht ironisiert „Ick bin so süchtig“, singt sie da, „dein Lenkrad zu fühlen.8Eine Therapie machte sie nie, immer wieder wurde sie rückfällig und konnte den Teufelskreis nie wirklich verlassen, von den 2000€ die sie immer noch monatlich erhält konnte sie wenigstens der Kriminalität entfliehen. Sie ist Deutschlands unfreiwillige Fixerprinzessin, Symbol für eine weggeworfene Jugend und ein versautes Leben. „Hätte ich die Chance, dann würde ich das Buch ungeschehen machen oder es verbieten lassen.9

1989 ist sie zu Gast in Günther Jauchs Show „Na siehste“ und präsentiert sich deutlich näher zum Buch, dass sie „im Abstand von 1-2 Jahren immer mal wieder liest„. Christiane F. lebt zu dieser in Griechenland in einem ihr nahen Umfeld aus Aussteigern und Ausgestoßenen, eben solchen Menschen, die sich dem Apparat, wie sie es nennt, nicht gewachsen fühlen. Die Sehnsucht nach der Flucht vor dem, was die Gesellschaft ihr möglicherweise abverlangt, scheint ungebrochen. Ob ihre Aufenthalte in Südeuropa die Sehnsucht stillen, bleibt fraglich.

Christiane F. - 1983Christiane lebt seit 2005  in Teltow, im Süden Berlins. 1996 wurde sie Mutter eines Sohnes, den Vater lernte sie auf einer Methadon Ausgabestelle kennen zu dem sie aber heute keinen Kontakt mehr hat, ebenso den Kontakt zur Familie hat sie nahezu vollständig abgebrochen. Ihr Leben ist auch heute immer noch ein Trümmerhaufen, sie hat es nie wieder geschafft sich etwas neues aufzubauen. Das Fundament ihres Lebens, die Jugend, ist zerstört, untergegangen, ausgelöscht – wie wichtig diese Zeit kann man am Leben der Christiane F. ablesen. 2008 wird sie erneut Rückfällig und muss ihren Sohn in die Obhut des Jugendamtes geben.10 Sie verliert erneut den Halt und rutscht erneut in die Szene zwischen Kottbusser Tor und Hausbesetzer-Milieu. Ende 2009 befindet sie sich wieder in einem Methadon-Programm, verbringt die inzwischen 47-jährigen ihre Wochenenden wieder mit Sohn Elias und strebt ein Familienzusammenführung an.11

Immer wieder tritt sie in die Öffentlichkeit und erzählt bereitwillig über sich und ihr Leben, zuletzt bei Sandra Maischberger (siehe unten). Ihr Erzählstil ist immer wieder faszinierend und zieht einen immer wieder in seinen Bann, ihr Talent Bilder in Köpfen zu erzeugen ist wohl auch der Grund, das ein Buch über sie geschrieben wurde. Man erhält aber den Eindruck, das es vielleicht besser wäre, sie würde sich endlich zurückziehen um das Ziel in ihrem Leben zu suchen. Sie wird nicht müde über die Vergangenheit zu erzählen und schafft es offenbar nicht auszubrechen. Drogenstar ist wohl das treffendste Wort, ihre Sucht macht sie berühmt. Eine einzigartige Art von Abhängigkeit, denn ihre Berühmtheit sorgt für ihren Unterhalt und ihre Sucht für ihre Berühmtheit. Im Maischberger Interview wird nochmal deutlich wie leicht man Christiane argumentativ ins Leere laufen kann, wie schnell ihr Gebilde aus Gründen und Rechtfertigungen zusammenbricht. (Interview ab 6:00)

(Interview Teil 2 und Teil 3)

Und hier noch eine Reportage von Spiegel TV in denen einige von Christianes Leidensgenossen zu Wort gebeten werden und die ihre Geschichte nach der Buchveröffentlichung kurz und knapp nachzeichnen.

Artikelsammlung (wird aktuell erweitert)

(Bildquellen: Einleitung, Buchcover, Christiane F. heute, Los Angeles 1982)

Einzelnachweise

  1. Zum Schutz des damals jungen Mädchens wurde ihr Name geheimgehalten, im Herbst 1983 nahm sie an einer Promotour für den Film Wir Kinder vom Bahnhof Zoo durch die USA teil. Dabei offenbarte sie erstmals ihren vollständigen Namen.[]
  2. Die „Zitterprämie“ war zu Mauerzeiten ein Zuschuss für in West-Berlin beschäftigte Arbeitnehmer um dem dort herrschenden Mangel an Arbeitskräften entgegenzuwirken. Die 8%-ige steuerfrei Zulage auf den Bruttolohn wurde 1971 eingeführt und erst am 31. Dezember 1994 wieder eingestellt[]
  3. Babette „Babsi“ Döge starb am 19. Juli 1977 im Alter von 14 Jahren an einer Überdosis Rauschgift. „Babette Döge, 14, stichelte sich die winzige Morphium-Kanüle, Kaliber 18, in die linke Hand. Als man sie fand, waren die Fingerkuppen, so der Befund, „leicht vertrocknet“, die Nagelbetten grau-blau angelaufen. Die Einwegspritze steckte noch in der Vene.“ – Der Spiegel 1/1978[]
  4. Aus der Biografie „BE“, die von Eichingers Witwe geschrieben wurde. Nachzulesen ist diese Anekdote auch in einem Artikel der „Welt“ vom 9. September 2012: http://www.welt.de/kultur/kino/article109091317/Heldenerzaehlung-einer-trauernden-Witwe.html []
  5. Der kalte Entzug hat seinen Namen von den Krämpfen, von denen die Betroffenen geschüttelt werden und die den Vergleich mit einem Truthahn (Turkey) zulassen.[]
  6. Zitat aus dem Stern in der Ausgabe Nr. 51/1989[]
  7. Aus der Spiegel TV Reportage Mythos Crhistiane F. in der sie in einer Talkshow Anfang der 80er auftritt, in der auch einige Protagonisten der Geschichte zu Wort kommen.[]
  8. Aus der Spiegel Ausgabe 47/1982: Christiane F. macht Musik, vom 22.11.1982[]
  9. Aus dem Artikel „Auf mir lastet ein Fluch“ in der Onlineversion der FAZ vom 03.03.2008 in einem Gespräch mit Philip Eppelsheim[]
  10. Aus dem Artikel „Christiane F. – neuer Drogen-Absturz“ im Hamburger Abendblatt vom 11.8.2008 von Birgit Bürkner[]
  11. Aus dem Interview mit Christianes Mutter „Mutter: Christiane F. auf gutem Weg“ vom 20.11.2009 im BZ-Berlin[]
Robert
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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juliaL49
Gast
juliaL49

Sehr schöne Zusammenfassung, die dazu geführt hat, dass ich mir das Buch gerade besorgt habe (bei Tauschticket). Wenn ich ein paar Jahre jünger oder älter wäre, hätte ich es vielleicht in der Schule gelesen, aber in den 90ern war da wohl eine Pause :)

Mysti
Gast

Wir haben auch damals den Film sowie das Lied von David verschlungen. Ich erinnere mich noch, dass wir 1985 uns bei einem Besuch auf der Funkausstellung abgesetzt haben, um dann die entsprechende Szene-Disko (der Name fällt mir leider spontan nicht ein)aufzusuchen.
Robert, dein Bericht ist einfach super.

nina
Gast
nina

ich finde dises buch super! man sieht wie andere sich bei so einer situation fühlen, das man wenn es so einen gibt sofort hilft!!!Ich würde es jeden empfehlen der bisschen spannung im Buch will!!!!!!!

ich find zusammenfassung sehr gut und würde es jeden empfehlen!Und ich finde das es genau das richtige Buch ist für den der bisschen spannung haben will!!
wenn man dasBuch ließt weiß man wie hilflos diese Menschen sind, das man da hilfen muss!!!!!!

Pantherchen
Gast
Pantherchen

@nina : pass gut auf dich auf, das du nicht auch eine ähnliche geartete Karierre wie Christiane einschlägst.

Ansonsten : Christiane hat einen schlimmen Leidensweg hinter sich und leider auch bis heute nicht verstanden, was Sie sich und anderen (z.B. Ihrem Kind) damit antut, wenn Sie nicht Ihr Leben grundsätzlich umkrempelt. Ich habe Sie einmal in den achtzigern am Kotti kennengelernt. Ich war damals auch kein Kind von Traurigkeit, war aber erschüttert, wieweit Menschen sinken können. Ich würde jedem, vor allem Jugendlichen empfehlen, das Buch zu lesen und ev. , im Gegensatz zu Christiane, eine Lehre draus zu ziehen.

s
Gast
s

ich habe dass buch vor jahren gelesen und muss sagen es hat micih eher dazu angespornt drogen zu nehmen statt dass es abschreckend war weil ich mic hso in sie hineinversetzen konnte ich würde gerne mal mit ihr persönlich reden .. sie tut mir so leid und meine mutter geht es ähnlich wie sie
lg
s

oli
Gast
oli

ich habe das buch grade erst gelesen ,
ich finde das es wirklich abschreckt drogen zu nehmen …!
obwohl ich selber erst 14 bin würde ich christiane F. einmal sehen .
auch wenn Sie nicht ganz aus der sucht rausgekommen ist find ich es toll das sie es wenigstens Probiert hat (oder probiert)da rauszukommen.
ich kann sie ganz gut verstehen denn es ist sehr schwer aus einer sucht rauszukommen wenn der Körper davon abhängig ist.
zu gerne würde ich noch mehr geschichten von ihr hören .
& zugern würde ich noch ein buch von ihr lesen wollen.
Ich wünsche ihr aufjedenfall viel erfolg.

besastian
Gast
besastian

ich glaube mit ein wenig menschenverstand ist zu erkennen das jede generation sein extrem im bezug auf drogen hat.immer in einer person gebündelt, damals christiane f, dann kurt cobain und heute ist es ein ikarus im film „berlin calling“(anschauen).
also nicht das man das falsch versteht ich finde die thematik unwahrscheinlich interessant und die geschichte christiane f fesselt mich.aber ich habe manchmal das gefühl das es für leute, die um die wendezeit geboren sind, schwer is die umstände, zustände und lebenseinstellung eines damaligen jugendlichen zu verstehen.
ich empfehle euch das buch axolotl roadkill oder noch mehr(weils das original ist) STROBO. gleiches thema nur heute.

MischaSoleil
Gast
MischaSoleil

@besastian: Ich glaube, sich in den „Zeitgeist“ einer Generation hineinzuversetzen ist genauso schwierig oder einfach, wie einen Menschen zu verstehen, der völlig anders ist als man selber oder wofür man sich hält … ^^).

Mich fesselte die Story von Christiane F. Buch plus Film) erstmals in den 90ern, quasi in meiner Jugend. Wie soll ich sagen, … auch wenn ich verstehen kann, dass es absolut übel sein kann, was verschiedensten Leuten so passiert und was sie erlebt haben usw. … einen Grund dafür, sich in eine bewusstseinsverändernde Sucht zu befördern, gibt es aus meiner Sicht nicht. Ich kann´s nachvollziehen, aber das konkrete Verständnis dafür fehlt mir. Daran möchte ich auch nichts ändern.

Wie Christiane F. im Laufe der Jahre mit all dem umgegangen ist, finde ich einfach nur daneben. Es ist zu einfach, jetzt die Medien und die „derzeitigen“ Umstände dafür verantwortlich zu machen, wenn sie aus der Sucht nicht rauskommt/rauskommen will. Das Zauberwörtchen heißt „Eigenverantwortlichkeit“. Dafür ist sie jetzt alt genug.

MischaSoleil
Gast
MischaSoleil

@Robert: Ja, da hast du recht, die eigentlichen Probleme sind nicht weg, wenn man den Abstand zu den Drogen findet. Das meine ich ja. Drogen lösen keine Probleme und ihr Fehlen kann das dann auch nicht. Das muss man anders angehen. Am besten bevor man lange genug auf´s Nachdenken verzichten kann, weil der Gruppenzwang, die Neugier oder sonstwas „im Weg“ sind. Nicht alle Drogen machen sofort abhängig, man muss schon eine Weile auf eine Sucht „hinarbeiten“. Ich glaube nicht, das es etwas nützt, wenn ich jemandem, der gar nicht wirklich aus dem Drogensumpf raus will, sonstwie lange Verständnis für alles entgegenbringe, insbesondere für das ganze „Aber …“, das eigentlich nur dafür sprechen soll, genauso weiterzumachen wie bisher. Wer´s schaffen will, braucht professionelle Hilfe, z. B.: https://web2.cylex.de/suche/drogenabh%C3%A4ngige

Hoffe mal, der Link funktioniert.

Lisa
Gast
Lisa

Hab vor das Buch zu lesen, hab angst das ich dann alpträume habe.. :(

soll ich es jetzt tun oder nicht?

nadja
Gast
nadja

Ich kenne den Film und das Buch seit meiner frühesten Jugend und muss leider gestehen, dass ich zu der nicht gerade kleinen Gruppe junger Menschen zähle, die vielleicht sogar durch den Film eher von dieser ganzen szene etc. fasziniert waren und dann auch irgendwann selbst diesen Weg gegangen sind.
Es gibt viele, die sagen das diese Veröffentlichung ein zweischneidiges Schwert war. Heute vielleicht nicht mehr, aber damals als das Buch und Film rauskamen, war die Welt noch nicht so ganz anders als heute.
Jedenfalls kann ich mich an viele Mädels errinnern, die plötzlich rumgelaufen sind im stil a la christiane F. es hatte auch etwas verruchtes, etwas was einen neugierig gemacht hat, was ist dieses gefühl was diese jungen menschen dazu bringt sich so darauf einzulassen.

Ich habe einen ähnlichen Lebenslauf, war allerdings etwas älter als ich anfing, 18 jahre. auch im zusammenhang mit einer sehr intensiven Beziehung zu einem Junkie.

Das Elternhaus spielt eine sehr grosse rolle dabei, ob jemand die innere Bereitschaft mitbringt sich in diese Lage zu bringen. nicht Schuld -aber Ursache.
Ich habe eine Therapie gemacht , war fast 10 jahre clean, habe 2 Jungs geboren -geheiratet und dann ein Haus gebaut. diese situation, war letztendlich die Ursache für einen folgenschweren Rückfall, Hausbau ist oft eine Belastung auch für eine Ehe-mehr will ich nicht dazu schreiben.
Ich bin dann ins Methadon programm gegangen, in dem ich mich heute noch befinde.
Leider hat meinem ausstieg aus dem program ein reitunfall mit der folgenden Querschnittlähmung einen strich durch die rechnung gemacht. Körperliche Schmerzen, Spastiken etc. werde so gut durch das Methadon unterdrückt, das jeder Entzug mich dazu zwingen würde andere, mit viel mehr Nebenwirkungen behaftete, medikamente zu nehmen. dadurch habe ich es bis jetzt nicht geschafft damit aufzuhören, leider. Ansonsten bin ich aber ein ganz normaler Bürger.

Ich erzähle dies um mitzuteilen, das das Leben manchmal ganz eigene regeln hat. und eine sucht ist nicht wie eine Jacke die man einfach auszieht, man trägt sie das ganze leben mit sich und hat damit zu kämpfen.
Niemand der dies nicht erfahren hat sollte sich anmaßen darüber zu urteilen. schon garnicht sind solche menschen böse oder schwach – es kostet sehr viel kraft mit diesem süchtigen teil seiner selbst sein leben zu leben- es ist eine krankheit, die sich keiner selbst ausgesucht hat.
Wenn wir nicht Heroin genommen hätten, wären wir vielleicht magersüchtig geworden oder hätten irgendeinen anderen weg gewählt. tatsache ist das ich erst durch meine therapie und meiner langen arbeit an mir zu dem menschen geworden bin der ich jetzt bin und weiss warum und wieso ich so bin. und trotzdem habe ich diese jacke immer noch in meinem schrank hängen, ich ziehe sie nur nicht mehr an.
das methadon mag ein ersatz sein, aber mein leben ist in geordneten bahnen, durch das methadon kann ich gut leben – auch mit meiner behinderung. Ich weiss nicht wie ich es sonst geschafft hätte, aber ich bin jetzt 42 Jahre alt und lebe – lebe gut mit meiner familie in unserem haus und habe vor alt zu werden mit oder ohne methadon, wer weiss.
es gibt sehr viele christianes und sehr viele leben zwischen euch allen ohne das ihr es merkt, weil nicht jeder in der gosse landet und sein leben nicht in den griff kriegt. Jörg Bökem vom Spiegel ist auch so jemand!!!

Bridget
Gast
Bridget

Als ich ‚Christiane F‘ zum ersten Mal gelesen habe, hatte ich gerade angefangen, Heroin zu druecken. Das Buch hat mich nicht geschockt, sondern angeturnt – wie fast alle so genannten ‚Antidrogenfilme/Buecher‘. Ich habe 25 Jahre lang Heroin genommen(mainlining und dragon chasing) und sehe auch aus heutiger Sicht, dass das Problem primaer in einer rigiden Drogenpolitik liegt. Drogenkonsum ist so alt wie die Menschheit – ob es sich dabei um Pot, H, Coke oder Alkohol handelt, ist voellig irrelevant. Solange eine verfehlte Drogenpolitik das nicht akzeptiert, wird sich die Situation nie aendern.
Und was die ‚Tragik‘ des Drogenkonsums betrifft, ich glaube Christiane F. waere die Erste die zugibt, dass Drogen durchaus Spass machen. Was mich betrifft, ich wuenschte, ich haette 10 Jahre frueher augehoert; missen moechte ich diese Zeit nicht, besonders nicht die ersten 7 Jahre (ich bin nicht ‚clean‘ und werde es wohl auch nie werden; Methadon ist ein trauriger Ersatz; ansonsten bleibe ich beim Pot rauchen – dafuer trinke ich keinen Alkohol – es ist einfach nicht mein Ding).

Jedem Tierchen sein Plasierchen, jedem/r Buerger/in sein Recht auf Rausch. Was immer dich anturnt. Legalise drugs!!

Lara
Gast
Lara

Ich habe dieses Buch gelesen als ich 13 war und muss sagen, dass dieses Buch eher insperierte als mich warnte. Es kommt wohl immer darauf an, welche Lebensumstände um einen sind. Glücklicherweise habe ich nie mehr als Hasch angerührt und das auch nur des Buches wegen. Ich wollte mich auch wegkicken. Doch mehr wollte ich nicht. Ich wünwche allen Abhängigen, die davon weg wollwn, alles erdenklich gute

sba
Gast
sba

Pantherchen schrieb am 20. September 2009 um 12:40:
… Ich würde jedem, vor allem Jugendlichen empfehlen, das Buch zu lesen und ev. , im Gegensatz zu Christiane, eine Lehre draus zu ziehen.

Ganz im ernst: einige Kommentare hier indizieren das Gegenteil. Und ironischer Weise gehen sie damit genau mit dem Konform, was ich immerwieder im Pädagogik-Seminar hören muss: Die Schüler sollen in den wertevermittelnden Fächern ihre ganz eigenen Schlussfolgerungen aus dem dargebotenen Stoff ziehen. Ein entsprechendes Problem ergibt sich für die Darstellung. Ich habe selber in anderem Zusammenhang erlebt, dass Formulierungen, die man für Abschreckend hält (im Fall Christiane F vrmtl. Autoren und Verlag) für Leser zustimmungsfähig aussehen. Dann kann der Text natürlich nicht das erreichen, was er wollte.

Mir selber haben die nackten Fakten gereicht, um von der Verwendung von Substanzen abzusehen, die den körperlichen und vor allem geistigen Verfall vorantreiben. Und da der Apell an die Gefühle als Leser offenbar nicht verlässlich ist, wird mein Unterricht ggf. entsprechend aussehen.

bridget
Gast
bridget

bez. SBA – ich nehme an, du bist Deutschlehrer. Ich kann den letzten Satz ‚Und da der Apell……..aussehen‘ – was meinst du damit?
Natuerlich wird jeder andere Schlussfolgerungen ziehen – die Idee das ein Buch wie das der Christiane F. abschrecken soll, ist fuer mich absurd. Ich erinnere mich an einen sogenannten Antidrogenfilm namens H4 der Ende der Siebziger im Spaetprogramm lief. Mein Freund und ich sind danach – nach Mitternacht – zum Dealer gefahren. Normalerweise haetten wir bis zum naechsten Morgen gewartet.
Die Schluesse, die wir folgern, wenn wir einen Film oder ein Buch sehen, sind immer abhaengig von unseren persoenlichen Werten. Nur weil 90% irgendwas fuer richtig halten, wird es dadurch nicht wahr.

bridget
Gast
bridget

Mit wenigen Ausnahmen (Nadja!) sind die meisten Kommentare unglaublich herablassend. Wir haben da das ganze Spektrum von ‚ich verstehe ja, das Junkies Probleme haben‘ bis hin zu ‚die wollen ja nicht wirklich aufhoeren‘ ist alles vertreten. Die meisten scheinen aber zu denken, dass das Leben von Junkies irgendwie exotisch ist und sich voellig ausserhalb der Lebenserfahrung der meisten abspielt. In den meisten Faellen ist das nicht der Fall. Drogenkonsum/Sucht sind nur ein weitere Facette des Lebens der meisten, die Drogen nehmen. Eine Facette, die das Leben aber schwieriger macht. Eine Verbesserung des Lebens der meisten, die irgendwie mit Drogen involviert sind, koennte man leicht durch die Legalisierung aller Drogen (oder zumindest kontrollierte Abgabe von Heroin, Legaliserung von Cannabis etc.) erzielen.

Beier
Gast
Beier

Die Politiker sind schuld,das so mancher Fixer auf der Strasse elendig zu grunde geht.Warum gibt man nicht alle Drogen Frei?.Dann hat jeder sauberen Stoff.Zumal die Droge Heroin,für den Körper nicht Toxisch ist.Mich kotzt an,das mit Drogen Milliarden gemacht werden,und gute Menschen am gepanschten Stoff zugrunde gehen,nur weil da einige Vollidioten spiziell aus den usa das so wollen.

Sina
Gast
Sina

Hallo,
Ich will mich unbedingt äußern. Ich bin 29 und seit meinem 16ten Lebensjahr Drogenabhängig. Mit 15 hab ich das Buch zum ersten mal gelesen. Und mich auch prostituiert, als ich noch nicht auf H war, weil ichs im Buch, im Film einfach so spannend und toll fand.

Heute bin ich fast 30, bin durch die Hölle und zurück und das des öfteren, doch von der Faszination des Buches bin ich noch immer nicht weg. Bin mittlerweile total vereinsamt. Habe nur meine Familie – zum Glück, die immer noch hinter mir steht, was sicher auch ein Grund ist, dass ich noch am Leben bin. Wenn niemand an Dich glaubt, auch Familie ist es schwerer denk ich. Aber von der Faszination des Buches bin ich noch immer nicht weg. Dazu gleich mehr.

In dieser meiner Einleitung liegt auch für mich eine traurige Wahrheit,nämlich dass das Buch mich inspiriert hat,es hat mich noch neugieriger gemacht,ja angeturnt,wie hier auch jemand schrieb.

Was mir nicht so bewusst war,u.was etwas beruhigend ist,ist die Tatsache hier zu lesen,u.an aanderen Stellen,dass das Buch bei VIELEN einen Eindruck hinterliess,der sie noch näher an die Drogen,die Szene,usw.brachte.
Bin auch der Meinung,dass es viel vom ELTERNHAUS abhängt,ob und in welcher Form man auf so ein Buch reagiert-ohne den schwarzen peter an die Eltern nur jetzt abgeben zu wollen.
Klar ist bei Sucht eine psychische Erkrankung im Vorfeld-ach damit solln sich die Psychologen befassen.

Ich stiess heute im TV auf die Talkshow Lanz,wo die Sxhauspielerin des ChristianeF Films war,u.sofort ging ich an den PC,sah mir die Filme an von der echten christiane F,also die Reportagen,ich bekam Suchtdruck-das bedeutet für die dies nicht wissen:Lust zu Konsumieren.
Tja,und jetzt sitze ich da.
Es ist erstaunlich,dass ich ja weiss,wie schlimm der Drogenstrich ist,der Entzug,u.dass das wahre Leben sich nicht wie in Filmen abpsielt.
Und dennoch,diese Frau, Christiane,dieser ganze Mythos,lassen sogar mich zweifeln,ob es nicht doch vieles einfach auch geil war.Denn man erinnert sich immer am liebsten an die schönen seiten des konsums,und blendet dabei das Negative völlig aus.- oder geht es nur mir so,weil viele hat der Film,das Buch Gottseidank abgeschreckt;
Zum schluss noch,ich wurde nicht durch den Film abhängig,doch ich bin eine von denen,die wie manche Punk hören,Fan einer Gruppe werden,u.manisch werden,so wurde ichs von einem Drogenfilm,der mich in meiner Sucht dann zu einem Groupie machte.

ok es ist spät,u.merke mich auszudrücken wird schwerer,darum sag ich jetzt Gute Nacht

Würde mich über Nachrichten freuen.

Alles liebe

und Kopf hoch wems wie mir geht

ionic
Gast
ionic

Es hat mich einfach so überkommen. Ist meine persönliche Zusammenfassung dieses unglaublich emotionalen Themas!!

poetry-impressions for the h-times

so be the first and never the last
try the h and get a cast
never loose the days
always catch the nights
listen to the sound in your ear
never forget the dying cry that you hear
swimming in the morphine bays
feeling the bloody glorious fights
dirty is the fuck
dirty is the end

hippycat
Gast
hippycat

ja, der Film turnt an. Ich war 25 Jahre drauf – und meine Probleme fingen an als ich aufgehoert habe. Ich konnte auf H arbeiten, aber ohne H macht es mir Angst – und ich bin immer noh auf 100ml Methadon.
‚Heroin cures everything except itself‘

Markus
Gast
Markus

Ich kam als Teenager kurz nach Veröffentlichung von Buch und Film in den frühen 80er Jahren mit der Lebensbeichte von Christiane in Kontakt und erinnere mich daran, wie sehr beide Medien schon damals polarisierten. Es gab Mitschüler, die bei Vorführung des Films im Rahmen des Unterrichts angesichts des Gezeigten den Raum verlassen mußten oder gleich vor der Leinwand kollabierten. Andere waren beeindruckt, bei einigen – auch bei mir – weckte der Film sogar eine gewisse Neugier. Berlin, dieses unbekannte Wesen, so fern, so unerreichbar, so (politisch) umstritten, so geheimnisvoll, so underground, so lebendig. Nicht wenige junge Menschen in Westdeutschland werden Christiane damals darum beneidet haben, zu dieser Zeit an diesem Ort gewesen sein zu dürfen, während sie selbst, wie ich auch, irgendwo in einem Provinznest im Exil aufwachsen mußten und für Freiheiten, die in einer Metropole wie Berlin längst Alltag und gewöhnlich waren, jeden Tag auf’s Neue kämpfen. Meine gebundene Ausgabe habe ich immer und immer wieder verschlungen, bis sie zuletzt regelrecht „zerlesen“ war und auseinanderfiel. Drogen haben mich aber noch nie interessiert.

Beim Lesen des Artikels kam mir der Gedanke, wie ähnlich sich im Prinzip die Drogenszene der 70er und die Anfang der 80er entstehende „schwarze Szene“ gewesen sind. Beide Szenen eint wohl die Unfähigkeit, die Nichtbereitschaft und/ oder die Ablehnung, sich mit dem – oben so treffend „Apparat“ benannten – System zu arrangieren und sich einen Platz in ihm zu suchen oder den vorgesehenen oder zugewiesenen Platz hinzunehmen und dort zu funktionieren. Während sich die Generation von Christiane F. erhoffte, sich in einem eigentlich unfassbaren, weil maximal verwundbaren Alter mit Betäubungsmitteln der trostlosen Realität und Perspektive entziehen zu können, waren es in der darauf folgenden Generation gleichaltrige Jugendliche, die dasselbe frühe Bewußtsein für ihre perspektivlose Existenz entwickelten, für Drogen aber nicht schwach genug waren oder nicht selbstzerstörerisch genug. Deren Eskapismus waren dann vielfach schwarze Kleider, spitze Schuhe, wilde Frisuren und die Flucht in den bittersüßen Trost und die Romantik, die bisweilen die gesellschaftlich damals tabuisierten Welten von Trauer, Verzweiflung, Vergänglichkeitsbewußtsein bieten. So wie die zweifellos vorhandene, aber bewußt ausgeblendete Popularitãt von Drogen in den 70ern und 80ern gesellschaftliches Tabu waren.

In einem anderen Beitrag auf Spontis las ich vorhin eine Diskussion darüber, warum es heute keine nennenswerten Jugendkulturen mehr gibt und sich keine neuen mehr entwickeln, obwohl es zu Protest, Widerstand, Auflehnung gerade seit der Jahrtausendwende wohl jede Menge Anlaß gibt. Die Droge, das Heroin dieses, noch nicht alten Jahrhunderts sind das Überangebot an Möglichkeiten an den temporären Trostspendern Konsum und Selbstdarstellung.

Die Faszination, die von Christiane Felscherinows Lebensbeichte ausgeht liegt für mich in deren erbarmungsloser Authentizität. Die ist dem Apparat nämlich schon lange, lange abhanden gekommen.

Tanzfledermaus
Autor

Die Droge, das Heroin dieses, noch nicht alten Jahrhunderts sind das Überangebot an Möglichkeiten an den temporären Trostspendern Konsum und Selbstdarstellung.

Eine überaus interessante These! Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass da etwas dran sein könnte. Die Jagd und wohl z.T. auch schon Sucht nach „Likes“ und „Followers“ scheint heutzutage für viele der absolute Kick zu sein.

The Drowning Man
Gast
The Drowning Man

Während sich die Generation von Christiane F. erhoffte, sich in einem eigentlich unfassbaren, weil maximal verwundbaren Alter mit Betäubungsmitteln der trostlosen Realität und Perspektive entziehen zu können, waren es in der darauf folgenden Generation gleichaltrige Jugendliche, die dasselbe frühe Bewußtsein für ihre perspektivlose Existenz entwickelten, für Drogen aber nicht schwach genug waren oder nicht selbstzerstörerisch genug. Deren Eskapismus waren dann vielfach schwarze Kleider, spitze Schuhe, wilde Frisuren und die Flucht in den bittersüßen Trost und die Romantik, die bisweilen die gesellschaftlich damals tabuisierten Welten von Trauer, Verzweiflung, Vergänglichkeitsbewußtsein bieten.

Haha..mal ehrlich..das klingt mir jetzt aber ein bisschen zu naiv. Jeder Mensch ist nun mal individuell und eben auch ziemlich facettenreich. „Innerhalb der Szene“ gab es seinerzeit auch schon Leute die Drogen konsumiert haben und auch ziemlich selbstzerstörerisch unterwegs waren. Bei den Bands kann man das sogar noch deutlicher sehen..The Cure (in der Pornography Phase), Sisters, The Birthday Party und noch ne grosse Menge mehr hatten alle was mit irgendwelchen Rauschmitteln. Gerade deshalb waren viele ja auch so düster, psychedelisch und teilweise durchgeknallt. Das romantische Idealbild wurde dann später dazugedichtet. Es ist ja nicht so, dass ich mich damit nicht anfreunden kann..aber die Realität sah dann doch teilweise ein bisschen anders aus…“Szene-Zugehörigkeit“ hin oder her..wie..jeder Mensch macht trotzdem was er meint machen zu müssen.