10 Juni

Christiane F - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Kategorie: Schwarze Leinwand, SubKultur! — Jahrgang: 200917 Kommentare

christianeNoch bevor der Punk Deutsch­land erreichte, über­schwemm­ten harte Dro­gen die Repu­blik wie eine dunkle Wolke. Erst schlei­chend, dann tot­ge­schwie­gen und baga­tel­li­siert star­ben 1977 in Ber­lin 84 Men­schen an einer Über­do­sis Heroin. Die Geschichte der Chris­tiane Fel­sche­ri­now1 ist nur eine von den vie­len Tra­gö­dien die­ser Zeit.

Auf einem Trö­del­markt­be­such bin ich über eine Erst­aus­gabe des Buches Wir Kin­der vom Bahn­hof Zoo gesto­ßen, meine eigene ist seit Jah­ren nicht mehr zu fin­den. Auch nach Jah­ren fas­zi­niert mich immer noch die Ein­dring­lich­keit der Bil­der, die die­ses Buch in mei­nem Kopf erzeugt, viel­leicht ist es ein Grund dafür, dass ich nie­mals Inter­esse an Dro­gen hatte. Nach bereits 2 Wochen hatte ich erneut das Ende erreicht. Zur Abrun­dung mei­ner Ein­drü­cke habe ich mir noch mal eine alte Auf­nahme des gleich­na­mi­gen Films ange­schaut, Grund genug also, von Chris­tiane F., ihrem Leben, dem Buch und dem Film zu berich­ten. Bei mei­ner Recher­che ist mir auf­ge­fal­len wie Prä­sent die Per­son Chris­tiane F. auch heute noch ist. Neu­er­li­che Skan­dale füh­ren offen­bar zu immer wie­der zu neuen Inter­views und Portraits.

Geschichte

Als Chris­tiane nach Berlin-Gropiusstadt zieht, damit ihre Eltern einer Arbeit nach­ge­hen kön­nen, scheint die Welt noch in Ord­nung. Als der Vater arbeit­los wird und die Fami­lie tyran­ni­siert beschließt Chris­tia­nes Mut­ter den Vater zu ver­las­sen und Chris­tiane und ihre Schwes­ter allein zu ver­sor­gen. Die Fami­lie jedoch teilt sich, Chris­tia­nes Schwes­ter geht zurück zu ihrem Vater, wäh­rend Chris­tian bei ihrer Mut­ter auf­wächst. 1974 kommt sie über ihre neu gewon­nen Freunde, die alle aus einem sozial zerüt­te­ten Umfeld stam­men, mit Dro­gen in Berüh­rung. Aus dem Ver­lan­gen »dazu­zu­ge­hö­ren« wird schnell eine Dro­gen­kar­riere, die zunächst mit der klas­si­schen Ein­stiegs­droge Mari­huana beginnt,  zu Medi­ka­men­ten und LSD über­geht um letzt­end­lich beim Heroin zu lan­den. Mit 13 Jah­ren setzt sich Chris­tiane ihre erste Hero­in­spritze, im Alter von 14 Jah­ren beginnt Chris­tiane damit, am Bahn­hof  Zoo der Pro­sti­tu­tion nach­zu­ge­hen um ihren stei­gen­den Bedarf an Heroin zu finan­zie­ren. Zusam­men mit ihrem eben­falls süch­ti­gen Freund Det­lef fällt sie immer tie­fer in die Szene und den Stru­del der Sucht. Nach zahl­rei­chen geschei­ter­ten Ent­zü­gen, erfährt sie durch die Zei­tung das ihre beste Freun­din Babsi mit 14 Jah­ren an einer Über­do­sis stirbt und beschließt, sich selbst den »gol­de­nen Schuss« zu set­zen. Der Ver­such miss­lingt und Chris­tiane über­lebt, noch von einer Poli­zei­sta­tion bringt ihre Mut­ter sie zu ihren Ver­wand­ten in der Nähe von Hamburg.

Das Buch

wir-kinder-vom-bahnhof-zooAuf der Grund­lage von Ton­band­pro­to­kol­len schrei­ben die bei­den Auto­ren Kai Her­mann und Horst Rieck 1978 die­ses vom Maga­zin Stern her­aus­ge­brach­tes bio­gra­phi­sches Buch. Es beschreibt dabei minu­tiös und in unge­schmink­ter Spra­che die Geschichte der jun­gen Chris­tiane und ihrer Freunde. Es ent­wi­ckelt sich schnell zum Best­sel­ler und wurde in unzäh­lige Spra­chen über­setzt2. Nach­dem es kurz vor dem Beginn der 80er Jahre als Skan­dal­buch galt, ent­wi­ckelte es sich schnell zum Stan­dard­werk und erhielt auch im Schul­un­ter­richt einen fes­ten Platz im Lehr­plan. Das Buch erzählt dabei die Geschichte der Chris­tian F. in minu­tiö­ser Rei­hen­folge und schil­dert die Ereig­nisse aus Sicht von Chris­tiane. Immer wie­der fin­den sich kurze Zwi­schen­texte von Chris­tia­nes Mut­ter, dem dama­li­gen Lei­ter des Jugend­zen­trums, zustän­di­gen Poli­zis­ten und Lei­tern der Dro­gen­be­ra­tungs­stel­len. In der Mitte sind zudem noch einige Bil­der zu fin­den, die Per­so­nen und Plätze visua­li­sie­ren.
Der Bahn­hof Zoo ist in der Zeit von 1970 bis 1980 zen­tra­ler Mit­tel­punkt der Ber­li­ner Dro­gen­szene, der Teu­fels­kreis aus sozia­len und per­sön­li­chen Pro­ble­men, Dro­gen­ab­hän­gig­keit, Kri­mi­na­li­sie­rung und Pro­sti­tu­tion scheint dabei unaus­weich­lich. Die para­do­xen Ver­hal­tens­mus­ter, die Chris­tiane F. hier beschreibt sind ein ein­drucks­vol­les Stil­mit­tel und ver­lei­hen dem Buch die nötige Aus­sa­ge­kraft. Die Art, wie Chris­tiane ihre Geschichte erzählt ist sehr ein­dring­lich man hat gleich das Gefühl mit­ten­drin zu sit­zen im Sumpf aus Elter­li­cher Ver­nach­läs­si­gung und der Wir­ren der eige­nen Jugend.

Der Film

christiane_f_wir_kinder_vom_bahnhof_zoo1981 ver­filmt Regis­seur Uli Edel das Buch. Die zeit­li­che Nähe zum Buch ermög­licht die unver­fälschte Wie­der­gabe der Ori­gi­nal­schau­plätze im Ber­li­ner Bezirk Neu­kölln und am Bahn­hof Zoo. Die damals noch unbe­kannte 15-jährige Natja Brunck­horst spielt dabei ein­drucks­voll die Rolle der Chris­tiane und ver­hilft der Figur zu einer beein­dru­cken­den Authen­ti­zi­tät. Die größ­ten­teils unbe­kann­ten Lai­en­dar­stel­ler, die Pro­du­zent Bernd Eichin­ger ein­setzt geben dem Film zudem noch eine wei­tere sehr bio­gra­phi­sche Kom­po­nente, da kei­nes der Gesich­ter in ande­ren Pro­duk­tio­nen auf­taucht und daher ein sehr glaub­haf­tes Milieu erzeu­gen.
Der Film erhielt die Unter­stüt­zung von David Bowie, des­sen Kon­zert für in Ber­lin für Chris­tiane ein Schlüs­sel­er­leb­nis war und zur ers­ten Berüh­rung mit Heroin führte. Die Sze­nen für den Film extra nach­ge­dreht und mit Archiv­auf­nah­men gemischt. Bowies Lied Heroes ist, obwohl es nicht spe­zi­ell für den Film geschrie­ben  wurde, eng mit der The­ma­tik verbunden.

Die sehr rea­lis­ti­sche Dar­stel­lung des Fixens, den Erleb­nis­sen mit den Frei­ern und dem Cold Tur­key3 , in denen Chris­tiane und Det­lef minu­ten­lang an eine Wand kot­zen um sich anschlie­ßend in ihrem eige­nen Erbro­che­nem vor Schmer­zen wäl­zen, »waren so noch nie im deut­schen Kino gezeigt wor­den und scho­ckier­ten eine ganze Eltern­ge­ne­ra­tion.»4 Bei der Auf­füh­rung in Groß­bri­tan­nien und in den USA wurde der Film stark geschnit­ten, da man einige Szene als Jugend­ge­fähr­dend ein­stufte.  Das die Frei­gabe ab 18 in den Staa­ten das Ziel­pu­bli­kum daran hin­derte den Film in sei­ner gan­zer Härte dar­zu­stel­len und damit den Film um sein wich­tigs­tes Stil­mit­tel beraubt, wird heute noch stark kritisiert.

Christiane Felscherinow heute

Christian FelscherinowDas Buch und der Film enden damit, das Chris­tiane auf dem Land in der Nähe von Ham­burg lebt und dort seit 1,5 Jah­ren ein dro­gen­freies Leben führt. Sie ver­sucht mit dem bür­ger­li­chen Leben zurecht­zu­kom­men und beginnt eine Buch­händ­ler­lehre. Doch die Ver­gan­gen­heit holt Chris­tiane immer wie­der ein. Für ihre Mit­ar­beit an Buch und Film bekam sie im Laufe der Jahre fast 700.000 DM mit dem sie aus dem Gefäng­nis der Pro­vinz aus­brach um das Geld zu ver­schleu­dern. Obwohl sie sich der Gefähr­lich­keit ihres Han­delns bewusst ist, geht sie immer wie­der in die Öffent­lich­keit und wird vom Dro­gen­jun­kie zum Dro­gen­star.»5 Sie ver­suchte sich in ver­schie­de­nen Punk­pro­jek­ten, spielt in eini­gen NDW Fil­men mit, tourte durch die USA, lebte eine Zeit lang in Grie­chen­land und in der Schweiz. 1982 bringt sie die Maxis­in­gle »Final Church« her­aus, indem sie ihre eigene Sucht iro­ni­siert »Ick bin so süch­tig«, singt sie da, »dein Lenk­rad zu füh­len.»6

Eine The­ra­pie machte sie nie, immer wie­der wurde sie rück­fäl­lig und konnte den Teu­fels­kreis nie wirk­lich ver­las­sen, von den 2000€ die sie immer noch monat­lich erhält konnte sie wenigs­tens der Kri­mi­na­li­tät ent­flie­hen. Sie ist Deutsch­lands unfrei­wil­lige Fixer­prin­zes­sin, Sym­bol für eine weg­ge­wor­fene Jugend und ein ver­sau­tes Leben. »Hätte ich die Chance, dann würde ich das Buch unge­sche­hen machen oder es ver­bie­ten las­sen.»7

christiane_f_19823Chris­tiane lebt seit 2005  in Tel­tow, im Süden Ber­lins. 1996 wurde sie Mut­ter eines Soh­nes, den Vater lernte sie auf einer Metha­don Aus­ga­be­stelle ken­nen zu dem sie aber heute kei­nen Kon­takt mehr hat, ebenso den Kon­takt zur Fami­lie hat sie nahezu voll­stän­dig abge­bro­chen. Ihr Leben ist auch heute immer noch ein Trüm­mer­hau­fen, sie hat es nie wie­der geschafft sich etwas neues auf­zu­bauen. Das Fun­da­ment ihres Lebens, die Jugend, ist zer­stört, unter­ge­gan­gen, aus­ge­löscht — wie wich­tig diese Zeit kann man am Leben der Chris­tiane F. able­sen. 2008 wird sie erneut Rück­fäl­lig und muss ihren Sohn in die Obhut des Jugend­am­tes geben.8 Sie ver­liert erneut den Halt und rutscht erneut in die Szene zwi­schen Kott­bus­ser Tor und Hausbesetzer-Milieu. Ende 2009 befin­det sie sich wie­der in einem Methadon-Programm, ver­bringt die inzwi­schen 47-jährigen ihre Wochen­en­den wie­der mit Sohn Elias und strebt ein Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung an.9

Immer wie­der tritt sie in die Öffent­lich­keit und erzählt bereit­wil­lig über sich und ihr Leben, zuletzt bei San­dra Maisch­ber­ger (siehe unten). Ihr Erzähl­stil ist immer wie­der fas­zi­nie­rend und zieht einen immer wie­der in sei­nen Bann, ihr Talent Bil­der in Köp­fen zu erzeu­gen ist wohl auch der Grund, das ein Buch über sie geschrie­ben wurde. Man erhält aber den Ein­druck, das es viel­leicht bes­ser wäre, sie würde sich end­lich zurück­zie­hen um das Ziel in ihrem Leben zu suchen. Sie wird nicht müde über die Ver­gan­gen­heit zu erzäh­len und schafft es offen­bar nicht aus­zu­bre­chen. Dro­gen­star ist wohl das tref­fendste Wort, ihre Sucht macht sie berühmt. Eine ein­zig­ar­tige Art von Abhän­gig­keit, denn ihre Berühmt­heit sorgt für ihren Unter­halt und ihre Sucht für ihre Berühmt­heit. Im Maisch­ber­ger Inter­view wird noch­mal deut­lich wie leicht man Chris­tiane argu­men­ta­tiv ins Leere lau­fen kann, wie schnell ihr Gebilde aus Grün­den und Recht­fer­ti­gun­gen zusam­men­bricht. (Inter­view ab 6:00)

(Inter­view Teil 2 und Teil 3)

Und hier noch eine Repor­tage von Spie­gel TV in denen einige von Chris­tia­nes Lei­dens­ge­nos­sen zu Wort gebe­ten wer­den und die ihre Geschichte nach der Buch­ver­öf­fent­li­chung kurz und knapp nachzeichnen.

(Bild­quel­len: Ein­lei­tung, Buch­co­ver, Chris­tiane F. heute, Los Ange­les 1982)
  1. Zum Schutz des damals jun­gen Mäd­chens wurde ihr Name geheim­ge­hal­ten, im Herbst 1983 nahm sie an einer Pro­mo­tour für den Film Wir Kin­der vom Bahn­hof Zoo durch die USA teil. Dabei offen­barte sie erst­mals ihren voll­stän­di­gen Namen. []
  2. Fran­zö­si­schen Ver­sion: »Ich, Chris­tiane F., 13, dro­gen­ab­hän­gig, Pro­sti­tu­ierte« (»Moi, Chris­tiane F., 13 ans, dro­gue, pro­sti­tue«) Rus­si­sche Ver­sion: »Ich, meine Freunde und Heroin«. []
  3. Der kalte Ent­zug hat sei­nen Namen von den Krämp­fen, von denen die Betrof­fe­nen geschüt­telt wer­den und die den Ver­gleich mit einem Trut­hahn (Tur­key) zulas­sen. []
  4. Zitat aus dem Stern in der Aus­gabe Nr. 51/1989 []
  5. Aus der Spie­gel TV Repor­tage Mythos Crhis­tiane F. in der sie in einer Talk­show Anfang der 80er auf­tritt, in der auch einige Prot­ago­nis­ten der Geschichte zu Wort kom­men. []
  6. Aus der Spie­gel Aus­gabe 47/1982: Chris­tiane F. macht Musik, vom 22.11.1982 []
  7. Aus dem Arti­kel »Auf mir las­tet ein Fluch« in der Online­ver­sion der FAZ vom 03.03.2008 in einem Gespräch mit Phi­lip Eppels­heim []
  8. Aus dem Arti­kel »Chris­tiane F. — neuer Drogen-Absturz« im Ham­bur­ger Abend­blatt vom 11.8.2008 von Bir­git Bürk­ner []
  9. Aus dem Inter­view mit Chris­tia­nes Mut­ter »Mut­ter: Chris­tiane F. auf gutem Weg« vom 20.11.2009 im BZ-Berlin []

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Schwarze Leinwand, SubKultur!
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17 Kommentare

  1. Sehr schöne Zusam­men­fas­sung, die dazu geführt hat, dass ich mir das Buch gerade besorgt habe (bei Tausch­ti­cket). Wenn ich ein paar Jahre jün­ger oder älter wäre, hätte ich es viel­leicht in der Schule gele­sen, aber in den 90ern war da wohl eine Pause :)

  2. Wir haben auch damals den Film sowie das Lied von David ver­schlun­gen. Ich erin­nere mich noch, dass wir 1985 uns bei einem Besuch auf der Funk­aus­stel­lung abge­setzt haben, um dann die ent­spre­chende Szene-Disko (der Name fällt mir lei­der spon­tan nicht ein)aufzusuchen.
    Robert, dein Bericht ist ein­fach super.

  3. @juliaL49: Schön das ich inspi­rie­rend wir­ken konnte. Auch schön das Du mich noch­mal an Tausch­ti­cket erin­nert hast, ich wollte mei­nen Account schon lange wie­der mal entstauben.

    @Mysti: Du meinst sicher­lich das »Sounds«, da macht Chris­tiane jeden­falls ihre erste Erfah­run­gen mit Dro­gen, ich hoffe du wur­dest von die­ser Erfah­rung ver­schont. Mir war es lei­der nicht ver­gönnt das Ber­lin der 80er ken­nen­zu­ler­nen, meine Eltern war nie für Städ­te­rei­sen zu begeis­tern, daher habe ich einen Teil mei­ner frü­hen Jugend im Schwarz­wald verbracht ;)

  4. ich finde dises buch super! man sieht wie andere sich bei so einer situa­tion füh­len, das man wenn es so einen gibt sofort hilft!!!Ich würde es jeden emp­feh­len der biss­chen span­nung im Buch will!!!!!!!

    ich find zusam­men­fas­sung sehr gut und würde es jeden empfehlen!Und ich finde das es genau das rich­tige Buch ist für den der biss­chen span­nung haben will!!
    wenn man das­Buch ließt weiß man wie hilf­los diese Men­schen sind, das man da hil­fen muss!!!!!!

  5. @nina : pass gut auf dich auf, das du nicht auch eine ähnli­che gear­tete Karierre wie Chris­tiane einschlägst.

    Ansons­ten : Chris­tiane hat einen schlim­men Lei­dens­weg hin­ter sich und lei­der auch bis heute nicht ver­stan­den, was Sie sich und ande­ren (z.B. Ihrem Kind) damit antut, wenn Sie nicht Ihr Leben grund­sätz­lich umkrem­pelt. Ich habe Sie ein­mal in den acht­zi­gern am Kotti ken­nen­ge­lernt. Ich war damals auch kein Kind von Trau­rig­keit, war aber erschüt­tert, wie­weit Men­schen sin­ken kön­nen. Ich würde jedem, vor allem Jugend­li­chen emp­feh­len, das Buch zu lesen und ev. , im Gegen­satz zu Chris­tiane, eine Lehre draus zu ziehen.

  6. @nina: In der Tat ein bewe­gen­des Buch über die Abgründe des Men­schen. Man muss ihnen Hilfe anbie­ten, darf aber nicht ver­ges­sen, wer sie in diese Situa­tion gebracht, denn der ist der ein­zige der sie wie­der da raus holen kann.

    @Pantherchen: Da sehe ich ähnlich. Trotz des Alters der Geschichte ist sie heute immer noch aktu­ell. Bücher wie die­ses soll­ten viel­leicht Gegen­stand des Unter­richts wer­den (wenn sie es nicht schon sind). Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit und gemein­same Inter­es­sen fin­det man nicht nur im Alkohol/Drogen.

  7. ich habe dass buch vor jah­ren gele­sen und muss sagen es hat micih eher dazu ange­spornt dro­gen zu neh­men statt dass es abschre­ckend war weil ich mic hso in sie hin­ein­ver­set­zen konnte ich würde gerne mal mit ihr per­sön­lich reden .. sie tut mir so leid und meine mut­ter geht es ähnlich wie sie
    lg
    s

  8. @s: Auch wenn man sich in die Situa­tion hin­ein­ver­set­zen kann, habe ich für mei­nen Teil die Sinn­lo­sig­keit erkannt, die Situa­tion selbst mit der Ein­nahme von Dro­gen zu kom­pen­sie­ren. Auch wenn ein Anreiz da ist, sich weg­zu­bea­men um die Pro­bleme wenigs­tens eine Zeit lang zu ver­drän­gen, finde ich es doch wesent­lich anrei­zen­der aus der Situa­tion etwas zu machen. Aber das ist wohl bei jedem Men­schen anders, was auch sicher­lich Dein Grund gewe­sen sein könnte, viel­leicht soll­test du wirk­lich ein mal das Gespräch mit ihr oder ande­ren Betrof­fe­nen suchen, den Erfah­run­gen aus­zu­tau­schen ist die beste Quelle der Prävention.

  9. ich habe das buch grade erst gele­sen ,
    ich finde das es wirk­lich abschreckt dro­gen zu neh­men …!
    obwohl ich sel­ber erst 14 bin würde ich chris­tiane F. ein­mal sehen .
    auch wenn Sie nicht ganz aus der sucht raus­ge­kom­men ist find ich es toll das sie es wenigs­tens Pro­biert hat (oder probiert)da raus­zu­kom­men.
    ich kann sie ganz gut ver­ste­hen denn es ist sehr schwer aus einer sucht raus­zu­kom­men wenn der Kör­per davon abhän­gig ist.
    zu gerne würde ich noch mehr geschich­ten von ihr hören .
    & zugern würde ich noch ein buch von ihr lesen wol­len.
    Ich wün­sche ihr auf­je­den­fall viel erfolg.

  10. Schön das es immer noch »junge« Leute lesen. Und wenn dabei hän­gen­bleibt, das es wie bei Chris­tiane eine Ent­schei­dung für das Leben ist, umso bes­ser. »Nur mal aus­pro­bie­ren« funk­tio­niert eben nicht. »Ich kann jeder Zeit damit auf­hö­ren« ist in jeder Sucht ein Trugschluss.

    Wenn es was neues von Chris­tiane gibt, werde ich ver­su­chen davon zu berichten.

  11. ich glaube mit ein wenig men­schen­ver­stand ist zu erken­nen das jede gene­ra­tion sein extrem im bezug auf dro­gen hat.immer in einer per­son gebün­delt, damals chris­tiane f, dann kurt cobain und heute ist es ein ika­rus im film »ber­lin calling«(anschauen).
    also nicht das man das falsch ver­steht ich finde die the­ma­tik unwahr­schein­lich inter­es­sant und die geschichte chris­tiane f fes­selt mich.aber ich habe manch­mal das gefühl das es für leute, die um die wen­de­zeit gebo­ren sind, schwer is die umstände, zustände und lebens­ein­stel­lung eines dama­li­gen jugend­li­chen zu ver­ste­hen.
    ich emp­fehle euch das buch axo­lotl road­kill oder noch mehr(weils das ori­gi­nal ist) STROBO. glei­ches thema nur heute.

  12. @besastian: Ich glaube, sich in den »Zeit­geist« einer Gene­ra­tion hin­ein­zu­ver­set­zen ist genauso schwie­rig oder ein­fach, wie einen Men­schen zu ver­ste­hen, der völ­lig anders ist als man sel­ber oder wofür man sich hält … ^^).

    Mich fes­selte die Story von Chris­tiane F. Buch plus Film) erst­mals in den 90ern, quasi in mei­ner Jugend. Wie soll ich sagen, … auch wenn ich ver­ste­hen kann, dass es abso­lut übel sein kann, was ver­schie­dens­ten Leu­ten so pas­siert und was sie erlebt haben usw. … einen Grund dafür, sich in eine bewusst­seins­ver­än­dernde Sucht zu beför­dern, gibt es aus mei­ner Sicht nicht. Ich kann´s nach­voll­zie­hen, aber das kon­krete Ver­ständ­nis dafür fehlt mir. Daran möchte ich auch nichts ändern.

    Wie Chris­tiane F. im Laufe der Jahre mit all dem umge­gan­gen ist, finde ich ein­fach nur dane­ben. Es ist zu ein­fach, jetzt die Medien und die »der­zei­ti­gen« Umstände dafür ver­ant­wort­lich zu machen, wenn sie aus der Sucht nicht rauskommt/rauskommen will. Das Zau­ber­wört­chen heißt »Eigen­ver­ant­wort­lich­keit«. Dafür ist sie jetzt alt genug.

  13. @besastian: Ja, den Film habe ich auch gese­hen. Er spie­gelt, wie du schon erwähnst, das Extrem einer spä­te­ren Gene­ra­tion, obwohl ich die Inten­si­tät ver­misse der Bil­der ver­misse. Aber auf andere Art und Weise finde Ber­lin Cal­ling gleich­sam ein­drucks­voll und abschre­ckend zugleich. Das man das Bei­spiel nicht ein­fach so auf die heu­tige Zeit über­tra­gen kann ver­stehe ich. Viel­leicht ist Ber­lin Cal­ling pas­sen­der, denn ein­fa­che Schock­ef­fekte (wie in den 80ern) hel­fen heute nicht mehr. Womit kann man die Jugend heute noch scho­cken? Ich finde da geht Ber­lin cal­ling einen bes­se­ren Weg, denn wer würde nicht gerne zu Anfang des Films tau­schen? Die Dro­gen­pro­ble­ma­tik ist mei­ner Mei­nung nach auch nicht wirk­lich schlim­mer gewor­den, son­dern anders und viel­leicht sogar etwas besser.

    Gerade die Wende brachte ja einen ganz neuen Markt für Dro­gen aller Art. Der hier ent­stan­dene Nach­hol­be­darf war in jeder Hin­sicht unglaub­lich. Doch wo geht die Reise hin? Ich fürchte ja, das mit jedem neuen Jahr­zehnt alte Pro­bleme durch neue ersetzt werden.

    @MischaSoleil: Sie hat ein­fach nicht dazu­ge­lernt, oder ihr fehlt ein­fach die nötige Kraft oder der Wille und viel­leicht auch die Über­zeu­gung sau­ber zu blei­ben. Men­schen die Dro­gen neh­men haben mei­ner Mei­nung nach sowie eine fal­sche Bezie­hung zu sich selbst und ver­su­chen das mit Dro­gen zu kom­pen­sie­ren oder zu über­spie­len. Wenn man dann von den Dro­gen Abstand fin­det, heißt das ja nicht auto­ma­tisch, das die Pro­bleme mit sich selbst gelöst sind. Meis­tens kom­men sie erst recht wie­der — und wie im Falle von Chris­tian F. — und wer­den mit bewähr­ten Mit­teln gelöst.

  14. @Robert: Ja, da hast du recht, die eigent­li­chen Pro­bleme sind nicht weg, wenn man den Abstand zu den Dro­gen fin­det. Das meine ich ja. Dro­gen lösen keine Pro­bleme und ihr Feh­len kann das dann auch nicht. Das muss man anders ange­hen. Am bes­ten bevor man lange genug auf´s Nach­den­ken ver­zich­ten kann, weil der Grup­pen­zwang, die Neu­gier oder sonst­was »im Weg« sind. Nicht alle Dro­gen machen sofort abhän­gig, man muss schon eine Weile auf eine Sucht »hin­ar­bei­ten«. Ich glaube nicht, das es etwas nützt, wenn ich jeman­dem, der gar nicht wirk­lich aus dem Dro­gen­sumpf raus will, sonst­wie lange Ver­ständ­nis für alles ent­ge­gen­bringe, ins­be­son­dere für das ganze »Aber …«, das eigent­lich nur dafür spre­chen soll, genauso wei­ter­zu­ma­chen wie bis­her. Wer´s schaf­fen will, braucht pro­fes­sio­nelle Hilfe, z. B.: http://web2.cylex.de/suche/deutschland/ort-/plz-/l1cy1-d_ort1cy1–plz1cy1-_name1cy1-drogenabh%E4ngige-s1.html

    Hoffe mal, der Link funktioniert.

  15. Hab vor das Buch zu lesen, hab angst das ich dann alp­träume habe.. :(

    soll ich es jetzt tun oder nicht?

  16. Ja, unbe­dingt. Alb­träume basie­ren auf Bil­dern im Kopf, beim lesen des Buches erschafft man seine eigene Bil­der ohne die des Films zu kopie­ren, daher denke ich das Alb­träume hier nicht so häu­fig sind. Natür­lich soll­test du über das Buch spre­chen, deine Gedan­ken zum gele­se­nen mit­tei­len. Die Geschichte von Chris­tiane F. ist ein ein­dring­li­ches Bei­spiel für die Fol­gen der Dro­gen­kon­sums, die bei ihr bis heute zu spü­ren sind. Das ist keine »Laune« oder »Lust« der man sich hin­gibt, das ist mir bei dem Lesen des Buches klar geworden.

  17. Ich kenne den Film und das Buch seit mei­ner frü­hes­ten Jugend und muss lei­der geste­hen, dass ich zu der nicht gerade klei­nen Gruppe jun­ger Men­schen zähle, die viel­leicht sogar durch den Film eher von die­ser gan­zen szene etc. fas­zi­niert waren und dann auch irgend­wann selbst die­sen Weg gegan­gen sind.
    Es gibt viele, die sagen das diese Ver­öf­fent­li­chung ein zwei­schnei­di­ges Schwert war. Heute viel­leicht nicht mehr, aber damals als das Buch und Film raus­ka­men, war die Welt noch nicht so ganz anders als heute.
    Jeden­falls kann ich mich an viele Mädels err­in­nern, die plötz­lich rum­ge­lau­fen sind im stil a la chris­tiane F. es hatte auch etwas ver­ruch­tes, etwas was einen neu­gie­rig gemacht hat, was ist die­ses gefühl was diese jun­gen men­schen dazu bringt sich so dar­auf einzulassen.

    Ich habe einen ähnli­chen Lebens­lauf, war aller­dings etwas älter als ich anfing, 18 jahre. auch im zusam­men­hang mit einer sehr inten­si­ven Bezie­hung zu einem Junkie.

    Das Eltern­haus spielt eine sehr grosse rolle dabei, ob jemand die innere Bereit­schaft mit­bringt sich in diese Lage zu brin­gen. nicht Schuld –aber Ursa­che.
    Ich habe eine The­ra­pie gemacht , war fast 10 jahre clean, habe 2 Jungs gebo­ren –gehei­ra­tet und dann ein Haus gebaut. diese situa­tion, war letzt­end­lich die Ursa­che für einen fol­gen­schwe­ren Rück­fall, Haus­bau ist oft eine Belas­tung auch für eine Ehe-mehr will ich nicht dazu schrei­ben.
    Ich bin dann ins Metha­don pro­gramm gegan­gen, in dem ich mich heute noch befinde.
    Lei­der hat mei­nem aus­stieg aus dem pro­gram ein reit­un­fall mit der fol­gen­den Quer­schnitt­läh­mung einen strich durch die rech­nung gemacht. Kör­per­li­che Schmer­zen, Spas­ti­ken etc. werde so gut durch das Metha­don unter­drückt, das jeder Ent­zug mich dazu zwin­gen würde andere, mit viel mehr Neben­wir­kun­gen behaf­tete, medi­ka­mente zu neh­men. dadurch habe ich es bis jetzt nicht geschafft damit auf­zu­hö­ren, lei­der. Ansons­ten bin ich aber ein ganz nor­ma­ler Bürger.

    Ich erzähle dies um mit­zu­tei­len, das das Leben manch­mal ganz eigene regeln hat. und eine sucht ist nicht wie eine Jacke die man ein­fach aus­zieht, man trägt sie das ganze leben mit sich und hat damit zu kämp­fen.
    Nie­mand der dies nicht erfah­ren hat sollte sich anma­ßen dar­über zu urtei­len. schon gar­nicht sind sol­che men­schen böse oder schwach — es kos­tet sehr viel kraft mit die­sem süch­ti­gen teil sei­ner selbst sein leben zu leben– es ist eine krank­heit, die sich kei­ner selbst aus­ge­sucht hat.
    Wenn wir nicht Heroin genom­men hät­ten, wären wir viel­leicht mager­süch­tig gewor­den oder hät­ten irgend­ei­nen ande­ren weg gewählt. tat­sa­che ist das ich erst durch meine the­ra­pie und mei­ner lan­gen arbeit an mir zu dem men­schen gewor­den bin der ich jetzt bin und weiss warum und wieso ich so bin. und trotz­dem habe ich diese jacke immer noch in mei­nem schrank hän­gen, ich ziehe sie nur nicht mehr an.
    das metha­don mag ein ersatz sein, aber mein leben ist in geord­ne­ten bah­nen, durch das metha­don kann ich gut leben — auch mit mei­ner behin­de­rung. Ich weiss nicht wie ich es sonst geschafft hätte, aber ich bin jetzt 42 Jahre alt und lebe — lebe gut mit mei­ner fami­lie in unse­rem haus und habe vor alt zu wer­den mit oder ohne metha­don, wer weiss.
    es gibt sehr viele chris­tia­nes und sehr viele leben zwi­schen euch allen ohne das ihr es merkt, weil nicht jeder in der gosse lan­det und sein leben nicht in den griff kriegt. Jörg Bökem vom Spie­gel ist auch so jemand!!!

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  1. […] zurück zu Babsi. Beim hören des Tex­tes hatte ich eine Ver­mu­tung. Ich erin­nerte mich an das Buch Chris­tiane F — Wir Kin­der vom Bahn­hof Zoo. Christiane’s beste Freun­din Babsi (Babette D.) starb am 19.7.1977 im Altern von 14 Jah­ren an […]

  2. […] Chris­tiane F. macht Musik. 1982 bringt sie die Sin­gle »Gesund­heit!« her­aus und nutzt die Popu­la­ri­tät die aus dem Buch und dem Film resul­tierte. »Ich bin so süch­tig, dein Lenk­rad zu füh­ren.« Ilse Rup­pert, die zahl­rei­che und groß­ar­tige Bil­der aus die­ser Zeit auf ihrer Inter­net­seite und bei Face­book ver­öf­fent­licht,  foto­gra­fierte sie 1982 in Ham­burg. Ein Thea­ter Direk­tor sagte über die Foto­gra­fin:  »Her Pho­to­graphs have the beauty of Dreams and the Cru­elty of Night­ma­res.« «Vor­he­ri­ger Arti­kel­Bernd sucht: Hal­lo­ween Hor­ror High­school »Nächs­ter Arti­kel­Spon­tis Wochen­schau #39 […]