Noch bevor der Punk Deutschland erreichte, überschwemmten harte Drogen die Republik wie eine dunkle Wolke. Erst schleichend, dann totgeschwiegen und bagatellisiert starben 1977 in Berlin 84 Menschen an einer Überdosis Heroin. Die Geschichte der Christiane Felscherinow1 ist nur eine von den vielen Tragödien dieser Zeit.
Auf einem Trödelmarktbesuch bin ich über eine Erstausgabe des Buches Wir Kinder vom Bahnhof Zoo gestoßen, meine eigene ist seit Jahren nicht mehr zu finden. Auch nach Jahren fasziniert mich immer noch die Eindringlichkeit der Bilder, die dieses Buch in meinem Kopf erzeugt, vielleicht ist es ein Grund dafür, dass ich niemals Interesse an Drogen hatte. Nach bereits 2 Wochen hatte ich erneut das Ende erreicht. Zur Abrundung meiner Eindrücke habe ich mir noch mal eine alte Aufnahme des gleichnamigen Films angeschaut, Grund genug also, von Christiane F., ihrem Leben, dem Buch und dem Film zu berichten. Bei meiner Recherche ist mir aufgefallen wie Präsent die Person Christiane F. auch heute noch ist. Neuerliche Skandale führen offenbar zu immer wieder zu neuen Interviews und Portraits.
Geschichte
Als Christiane nach Berlin-Gropiusstadt zieht, damit ihre Eltern einer Arbeit nachgehen können, scheint die Welt noch in Ordnung. Als der Vater arbeitlos wird und die Familie tyrannisiert beschließt Christianes Mutter den Vater zu verlassen und Christiane und ihre Schwester allein zu versorgen. Die Familie jedoch teilt sich, Christianes Schwester geht zurück zu ihrem Vater, während Christian bei ihrer Mutter aufwächst. 1974 kommt sie über ihre neu gewonnen Freunde, die alle aus einem sozial zerütteten Umfeld stammen, mit Drogen in Berührung. Aus dem Verlangen »dazuzugehören« wird schnell eine Drogenkarriere, die zunächst mit der klassischen Einstiegsdroge Marihuana beginnt, zu Medikamenten und LSD übergeht um letztendlich beim Heroin zu landen. Mit 13 Jahren setzt sich Christiane ihre erste Heroinspritze, im Alter von 14 Jahren beginnt Christiane damit, am Bahnhof Zoo der Prostitution nachzugehen um ihren steigenden Bedarf an Heroin zu finanzieren. Zusammen mit ihrem ebenfalls süchtigen Freund Detlef fällt sie immer tiefer in die Szene und den Strudel der Sucht. Nach zahlreichen gescheiterten Entzügen, erfährt sie durch die Zeitung das ihre beste Freundin Babsi mit 14 Jahren an einer Überdosis stirbt und beschließt, sich selbst den »goldenen Schuss« zu setzen. Der Versuch misslingt und Christiane überlebt, noch von einer Polizeistation bringt ihre Mutter sie zu ihren Verwandten in der Nähe von Hamburg.
Das Buch
Auf der Grundlage von Tonbandprotokollen schreiben die beiden Autoren Kai Hermann und Horst Rieck 1978 dieses vom Magazin Stern herausgebrachtes biographisches Buch. Es beschreibt dabei minutiös und in ungeschminkter Sprache die Geschichte der jungen Christiane und ihrer Freunde. Es entwickelt sich schnell zum Bestseller und wurde in unzählige Sprachen übersetzt2. Nachdem es kurz vor dem Beginn der 80er Jahre als Skandalbuch galt, entwickelte es sich schnell zum Standardwerk und erhielt auch im Schulunterricht einen festen Platz im Lehrplan. Das Buch erzählt dabei die Geschichte der Christian F. in minutiöser Reihenfolge und schildert die Ereignisse aus Sicht von Christiane. Immer wieder finden sich kurze Zwischentexte von Christianes Mutter, dem damaligen Leiter des Jugendzentrums, zuständigen Polizisten und Leitern der Drogenberatungsstellen. In der Mitte sind zudem noch einige Bilder zu finden, die Personen und Plätze visualisieren.
Der Bahnhof Zoo ist in der Zeit von 1970 bis 1980 zentraler Mittelpunkt der Berliner Drogenszene, der Teufelskreis aus sozialen und persönlichen Problemen, Drogenabhängigkeit, Kriminalisierung und Prostitution scheint dabei unausweichlich. Die paradoxen Verhaltensmuster, die Christiane F. hier beschreibt sind ein eindrucksvolles Stilmittel und verleihen dem Buch die nötige Aussagekraft. Die Art, wie Christiane ihre Geschichte erzählt ist sehr eindringlich man hat gleich das Gefühl mittendrin zu sitzen im Sumpf aus Elterlicher Vernachlässigung und der Wirren der eigenen Jugend.
Der Film
1981 verfilmt Regisseur Uli Edel das Buch. Die zeitliche Nähe zum Buch ermöglicht die unverfälschte Wiedergabe der Originalschauplätze im Berliner Bezirk Neukölln und am Bahnhof Zoo. Die damals noch unbekannte 15-jährige Natja Brunckhorst spielt dabei eindrucksvoll die Rolle der Christiane und verhilft der Figur zu einer beeindruckenden Authentizität. Die größtenteils unbekannten Laiendarsteller, die Produzent Bernd Eichinger einsetzt geben dem Film zudem noch eine weitere sehr biographische Komponente, da keines der Gesichter in anderen Produktionen auftaucht und daher ein sehr glaubhaftes Milieu erzeugen.
Der Film erhielt die Unterstützung von David Bowie, dessen Konzert für in Berlin für Christiane ein Schlüsselerlebnis war und zur ersten Berührung mit Heroin führte. Die Szenen für den Film extra nachgedreht und mit Archivaufnahmen gemischt. Bowies Lied Heroes ist, obwohl es nicht speziell für den Film geschrieben wurde, eng mit der Thematik verbunden.
Die sehr realistische Darstellung des Fixens, den Erlebnissen mit den Freiern und dem Cold Turkey3 , in denen Christiane und Detlef minutenlang an eine Wand kotzen um sich anschließend in ihrem eigenen Erbrochenem vor Schmerzen wälzen, »waren so noch nie im deutschen Kino gezeigt worden und schockierten eine ganze Elterngeneration.»4 Bei der Aufführung in Großbritannien und in den USA wurde der Film stark geschnitten, da man einige Szene als Jugendgefährdend einstufte. Das die Freigabe ab 18 in den Staaten das Zielpublikum daran hinderte den Film in seiner ganzer Härte darzustellen und damit den Film um sein wichtigstes Stilmittel beraubt, wird heute noch stark kritisiert.
Christiane Felscherinow heute
Das Buch und der Film enden damit, das Christiane auf dem Land in der Nähe von Hamburg lebt und dort seit 1,5 Jahren ein drogenfreies Leben führt. Sie versucht mit dem bürgerlichen Leben zurechtzukommen und beginnt eine Buchhändlerlehre. Doch die Vergangenheit holt Christiane immer wieder ein. Für ihre Mitarbeit an Buch und Film bekam sie im Laufe der Jahre fast 700.000 DM mit dem sie aus dem Gefängnis der Provinz ausbrach um das Geld zu verschleudern. Obwohl sie sich der Gefährlichkeit ihres Handelns bewusst ist, geht sie immer wieder in die Öffentlichkeit und wird vom Drogenjunkie zum Drogenstar.»5 Sie versuchte sich in verschiedenen Punkprojekten, spielt in einigen NDW Filmen mit, tourte durch die USA, lebte eine Zeit lang in Griechenland und in der Schweiz. 1982 bringt sie die Maxisingle »Final Church« heraus, indem sie ihre eigene Sucht ironisiert »Ick bin so süchtig«, singt sie da, »dein Lenkrad zu fühlen.»6
Eine Therapie machte sie nie, immer wieder wurde sie rückfällig und konnte den Teufelskreis nie wirklich verlassen, von den 2000€ die sie immer noch monatlich erhält konnte sie wenigstens der Kriminalität entfliehen. Sie ist Deutschlands unfreiwillige Fixerprinzessin, Symbol für eine weggeworfene Jugend und ein versautes Leben. »Hätte ich die Chance, dann würde ich das Buch ungeschehen machen oder es verbieten lassen.»7
Christiane lebt seit 2005 in Teltow, im Süden Berlins. 1996 wurde sie Mutter eines Sohnes, den Vater lernte sie auf einer Methadon Ausgabestelle kennen zu dem sie aber heute keinen Kontakt mehr hat, ebenso den Kontakt zur Familie hat sie nahezu vollständig abgebrochen. Ihr Leben ist auch heute immer noch ein Trümmerhaufen, sie hat es nie wieder geschafft sich etwas neues aufzubauen. Das Fundament ihres Lebens, die Jugend, ist zerstört, untergegangen, ausgelöscht — wie wichtig diese Zeit kann man am Leben der Christiane F. ablesen. 2008 wird sie erneut Rückfällig und muss ihren Sohn in die Obhut des Jugendamtes geben.8 Sie verliert erneut den Halt und rutscht erneut in die Szene zwischen Kottbusser Tor und Hausbesetzer-Milieu. Ende 2009 befindet sie sich wieder in einem Methadon-Programm, verbringt die inzwischen 47-jährigen ihre Wochenenden wieder mit Sohn Elias und strebt ein Familienzusammenführung an.9
Immer wieder tritt sie in die Öffentlichkeit und erzählt bereitwillig über sich und ihr Leben, zuletzt bei Sandra Maischberger (siehe unten). Ihr Erzählstil ist immer wieder faszinierend und zieht einen immer wieder in seinen Bann, ihr Talent Bilder in Köpfen zu erzeugen ist wohl auch der Grund, das ein Buch über sie geschrieben wurde. Man erhält aber den Eindruck, das es vielleicht besser wäre, sie würde sich endlich zurückziehen um das Ziel in ihrem Leben zu suchen. Sie wird nicht müde über die Vergangenheit zu erzählen und schafft es offenbar nicht auszubrechen. Drogenstar ist wohl das treffendste Wort, ihre Sucht macht sie berühmt. Eine einzigartige Art von Abhängigkeit, denn ihre Berühmtheit sorgt für ihren Unterhalt und ihre Sucht für ihre Berühmtheit. Im Maischberger Interview wird nochmal deutlich wie leicht man Christiane argumentativ ins Leere laufen kann, wie schnell ihr Gebilde aus Gründen und Rechtfertigungen zusammenbricht. (Interview ab 6:00)
(Interview Teil 2 und Teil 3)
Und hier noch eine Reportage von Spiegel TV in denen einige von Christianes Leidensgenossen zu Wort gebeten werden und die ihre Geschichte nach der Buchveröffentlichung kurz und knapp nachzeichnen.
(Bildquellen: Einleitung, Buchcover, Christiane F. heute, Los Angeles 1982)
- Zum Schutz des damals jungen Mädchens wurde ihr Name geheimgehalten, im Herbst 1983 nahm sie an einer Promotour für den Film Wir Kinder vom Bahnhof Zoo durch die USA teil. Dabei offenbarte sie erstmals ihren vollständigen Namen. [↩]
- Französischen Version: »Ich, Christiane F., 13, drogenabhängig, Prostituierte« (»Moi, Christiane F., 13 ans, drogue, prostitue«) Russische Version: »Ich, meine Freunde und Heroin«. [↩]
- Der kalte Entzug hat seinen Namen von den Krämpfen, von denen die Betroffenen geschüttelt werden und die den Vergleich mit einem Truthahn (Turkey) zulassen. [↩]
- Zitat aus dem Stern in der Ausgabe Nr. 51/1989 [↩]
- Aus der Spiegel TV Reportage Mythos Crhistiane F. in der sie in einer Talkshow Anfang der 80er auftritt, in der auch einige Protagonisten der Geschichte zu Wort kommen. [↩]
- Aus der Spiegel Ausgabe 47/1982: Christiane F. macht Musik, vom 22.11.1982 [↩]
- Aus dem Artikel »Auf mir lastet ein Fluch« in der Onlineversion der FAZ vom 03.03.2008 in einem Gespräch mit Philip Eppelsheim [↩]
- Aus dem Artikel »Christiane F. — neuer Drogen-Absturz« im Hamburger Abendblatt vom 11.8.2008 von Birgit Bürkner [↩]
- Aus dem Interview mit Christianes Mutter »Mutter: Christiane F. auf gutem Weg« vom 20.11.2009 im BZ-Berlin [↩]



hat bereits 34 Kommentare abgegeben und schrieb am 10. Juni 2009 um 15:38:
Sehr schöne Zusammenfassung, die dazu geführt hat, dass ich mir das Buch gerade besorgt habe (bei Tauschticket). Wenn ich ein paar Jahre jünger oder älter wäre, hätte ich es vielleicht in der Schule gelesen, aber in den 90ern war da wohl eine Pause :)
hat bereits 30 Kommentare abgegeben und schrieb am 10. Juni 2009 um 19:46:
Wir haben auch damals den Film sowie das Lied von David verschlungen. Ich erinnere mich noch, dass wir 1985 uns bei einem Besuch auf der Funkausstellung abgesetzt haben, um dann die entsprechende Szene-Disko (der Name fällt mir leider spontan nicht ein)aufzusuchen.
Robert, dein Bericht ist einfach super.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 12. Juni 2009 um 19:40:
@juliaL49: Schön das ich inspirierend wirken konnte. Auch schön das Du mich nochmal an Tauschticket erinnert hast, ich wollte meinen Account schon lange wieder mal entstauben.
@Mysti: Du meinst sicherlich das »Sounds«, da macht Christiane jedenfalls ihre erste Erfahrungen mit Drogen, ich hoffe du wurdest von dieser Erfahrung verschont. Mir war es leider nicht vergönnt das Berlin der 80er kennenzulernen, meine Eltern war nie für Städtereisen zu begeistern, daher habe ich einen Teil meiner frühen Jugend im Schwarzwald verbracht ;)
hat bereits 1 Kommentar abgegeben und schrieb am 14. Juli 2009 um 19:22:
ich finde dises buch super! man sieht wie andere sich bei so einer situation fühlen, das man wenn es so einen gibt sofort hilft!!!Ich würde es jeden empfehlen der bisschen spannung im Buch will!!!!!!!
ich find zusammenfassung sehr gut und würde es jeden empfehlen!Und ich finde das es genau das richtige Buch ist für den der bisschen spannung haben will!!
wenn man dasBuch ließt weiß man wie hilflos diese Menschen sind, das man da hilfen muss!!!!!!
hat bereits 2 Kommentare abgegeben und schrieb am 20. September 2009 um 12:40:
@nina : pass gut auf dich auf, das du nicht auch eine ähnliche geartete Karierre wie Christiane einschlägst.
Ansonsten : Christiane hat einen schlimmen Leidensweg hinter sich und leider auch bis heute nicht verstanden, was Sie sich und anderen (z.B. Ihrem Kind) damit antut, wenn Sie nicht Ihr Leben grundsätzlich umkrempelt. Ich habe Sie einmal in den achtzigern am Kotti kennengelernt. Ich war damals auch kein Kind von Traurigkeit, war aber erschüttert, wieweit Menschen sinken können. Ich würde jedem, vor allem Jugendlichen empfehlen, das Buch zu lesen und ev. , im Gegensatz zu Christiane, eine Lehre draus zu ziehen.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 20. September 2009 um 15:56:
@nina: In der Tat ein bewegendes Buch über die Abgründe des Menschen. Man muss ihnen Hilfe anbieten, darf aber nicht vergessen, wer sie in diese Situation gebracht, denn der ist der einzige der sie wieder da raus holen kann.
@Pantherchen: Da sehe ich ähnlich. Trotz des Alters der Geschichte ist sie heute immer noch aktuell. Bücher wie dieses sollten vielleicht Gegenstand des Unterrichts werden (wenn sie es nicht schon sind). Gruppenzugehörigkeit und gemeinsame Interessen findet man nicht nur im Alkohol/Drogen.
hat bereits 1 Kommentar abgegeben und schrieb am 1. Oktober 2009 um 14:54:
ich habe dass buch vor jahren gelesen und muss sagen es hat micih eher dazu angespornt drogen zu nehmen statt dass es abschreckend war weil ich mic hso in sie hineinversetzen konnte ich würde gerne mal mit ihr persönlich reden .. sie tut mir so leid und meine mutter geht es ähnlich wie sie
lg
s
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 1. Oktober 2009 um 15:31:
@s: Auch wenn man sich in die Situation hineinversetzen kann, habe ich für meinen Teil die Sinnlosigkeit erkannt, die Situation selbst mit der Einnahme von Drogen zu kompensieren. Auch wenn ein Anreiz da ist, sich wegzubeamen um die Probleme wenigstens eine Zeit lang zu verdrängen, finde ich es doch wesentlich anreizender aus der Situation etwas zu machen. Aber das ist wohl bei jedem Menschen anders, was auch sicherlich Dein Grund gewesen sein könnte, vielleicht solltest du wirklich ein mal das Gespräch mit ihr oder anderen Betroffenen suchen, den Erfahrungen auszutauschen ist die beste Quelle der Prävention.
hat bereits 1 Kommentar abgegeben und schrieb am 25. November 2009 um 15:46:
ich habe das buch grade erst gelesen ,
ich finde das es wirklich abschreckt drogen zu nehmen …!
obwohl ich selber erst 14 bin würde ich christiane F. einmal sehen .
auch wenn Sie nicht ganz aus der sucht rausgekommen ist find ich es toll das sie es wenigstens Probiert hat (oder probiert)da rauszukommen.
ich kann sie ganz gut verstehen denn es ist sehr schwer aus einer sucht rauszukommen wenn der Körper davon abhängig ist.
zu gerne würde ich noch mehr geschichten von ihr hören .
& zugern würde ich noch ein buch von ihr lesen wollen.
Ich wünsche ihr aufjedenfall viel erfolg.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 29. November 2009 um 17:11:
Schön das es immer noch »junge« Leute lesen. Und wenn dabei hängenbleibt, das es wie bei Christiane eine Entscheidung für das Leben ist, umso besser. »Nur mal ausprobieren« funktioniert eben nicht. »Ich kann jeder Zeit damit aufhören« ist in jeder Sucht ein Trugschluss.
Wenn es was neues von Christiane gibt, werde ich versuchen davon zu berichten.
hat bereits 1 Kommentar abgegeben und schrieb am 13. März 2010 um 00:24:
ich glaube mit ein wenig menschenverstand ist zu erkennen das jede generation sein extrem im bezug auf drogen hat.immer in einer person gebündelt, damals christiane f, dann kurt cobain und heute ist es ein ikarus im film »berlin calling«(anschauen).
also nicht das man das falsch versteht ich finde die thematik unwahrscheinlich interessant und die geschichte christiane f fesselt mich.aber ich habe manchmal das gefühl das es für leute, die um die wendezeit geboren sind, schwer is die umstände, zustände und lebenseinstellung eines damaligen jugendlichen zu verstehen.
ich empfehle euch das buch axolotl roadkill oder noch mehr(weils das original ist) STROBO. gleiches thema nur heute.
hat bereits 39 Kommentare abgegeben und schrieb am 25. März 2010 um 20:19:
@besastian: Ich glaube, sich in den »Zeitgeist« einer Generation hineinzuversetzen ist genauso schwierig oder einfach, wie einen Menschen zu verstehen, der völlig anders ist als man selber oder wofür man sich hält … ^^).
Mich fesselte die Story von Christiane F. Buch plus Film) erstmals in den 90ern, quasi in meiner Jugend. Wie soll ich sagen, … auch wenn ich verstehen kann, dass es absolut übel sein kann, was verschiedensten Leuten so passiert und was sie erlebt haben usw. … einen Grund dafür, sich in eine bewusstseinsverändernde Sucht zu befördern, gibt es aus meiner Sicht nicht. Ich kann´s nachvollziehen, aber das konkrete Verständnis dafür fehlt mir. Daran möchte ich auch nichts ändern.
Wie Christiane F. im Laufe der Jahre mit all dem umgegangen ist, finde ich einfach nur daneben. Es ist zu einfach, jetzt die Medien und die »derzeitigen« Umstände dafür verantwortlich zu machen, wenn sie aus der Sucht nicht rauskommt/rauskommen will. Das Zauberwörtchen heißt »Eigenverantwortlichkeit«. Dafür ist sie jetzt alt genug.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 26. März 2010 um 16:34:
@besastian: Ja, den Film habe ich auch gesehen. Er spiegelt, wie du schon erwähnst, das Extrem einer späteren Generation, obwohl ich die Intensität vermisse der Bilder vermisse. Aber auf andere Art und Weise finde Berlin Calling gleichsam eindrucksvoll und abschreckend zugleich. Das man das Beispiel nicht einfach so auf die heutige Zeit übertragen kann verstehe ich. Vielleicht ist Berlin Calling passender, denn einfache Schockeffekte (wie in den 80ern) helfen heute nicht mehr. Womit kann man die Jugend heute noch schocken? Ich finde da geht Berlin calling einen besseren Weg, denn wer würde nicht gerne zu Anfang des Films tauschen? Die Drogenproblematik ist meiner Meinung nach auch nicht wirklich schlimmer geworden, sondern anders und vielleicht sogar etwas besser.
Gerade die Wende brachte ja einen ganz neuen Markt für Drogen aller Art. Der hier entstandene Nachholbedarf war in jeder Hinsicht unglaublich. Doch wo geht die Reise hin? Ich fürchte ja, das mit jedem neuen Jahrzehnt alte Probleme durch neue ersetzt werden.
@MischaSoleil: Sie hat einfach nicht dazugelernt, oder ihr fehlt einfach die nötige Kraft oder der Wille und vielleicht auch die Überzeugung sauber zu bleiben. Menschen die Drogen nehmen haben meiner Meinung nach sowie eine falsche Beziehung zu sich selbst und versuchen das mit Drogen zu kompensieren oder zu überspielen. Wenn man dann von den Drogen Abstand findet, heißt das ja nicht automatisch, das die Probleme mit sich selbst gelöst sind. Meistens kommen sie erst recht wieder — und wie im Falle von Christian F. — und werden mit bewährten Mitteln gelöst.
hat bereits 39 Kommentare abgegeben und schrieb am 26. März 2010 um 21:04:
@Robert: Ja, da hast du recht, die eigentlichen Probleme sind nicht weg, wenn man den Abstand zu den Drogen findet. Das meine ich ja. Drogen lösen keine Probleme und ihr Fehlen kann das dann auch nicht. Das muss man anders angehen. Am besten bevor man lange genug auf´s Nachdenken verzichten kann, weil der Gruppenzwang, die Neugier oder sonstwas »im Weg« sind. Nicht alle Drogen machen sofort abhängig, man muss schon eine Weile auf eine Sucht »hinarbeiten«. Ich glaube nicht, das es etwas nützt, wenn ich jemandem, der gar nicht wirklich aus dem Drogensumpf raus will, sonstwie lange Verständnis für alles entgegenbringe, insbesondere für das ganze »Aber …«, das eigentlich nur dafür sprechen soll, genauso weiterzumachen wie bisher. Wer´s schaffen will, braucht professionelle Hilfe, z. B.: http://web2.cylex.de/suche/deutschland/ort-/plz-/l1cy1-d_ort1cy1–plz1cy1-_name1cy1-drogenabh%E4ngige-s1.html
Hoffe mal, der Link funktioniert.
hat bereits 4 Kommentare abgegeben und schrieb am 9. Januar 2011 um 11:37:
Hab vor das Buch zu lesen, hab angst das ich dann alpträume habe.. :(
soll ich es jetzt tun oder nicht?
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 9. Januar 2011 um 15:12:
Ja, unbedingt. Albträume basieren auf Bildern im Kopf, beim lesen des Buches erschafft man seine eigene Bilder ohne die des Films zu kopieren, daher denke ich das Albträume hier nicht so häufig sind. Natürlich solltest du über das Buch sprechen, deine Gedanken zum gelesenen mitteilen. Die Geschichte von Christiane F. ist ein eindringliches Beispiel für die Folgen der Drogenkonsums, die bei ihr bis heute zu spüren sind. Das ist keine »Laune« oder »Lust« der man sich hingibt, das ist mir bei dem Lesen des Buches klar geworden.
hat bereits 1 Kommentar abgegeben und schrieb am 23. April 2011 um 01:57:
Ich kenne den Film und das Buch seit meiner frühesten Jugend und muss leider gestehen, dass ich zu der nicht gerade kleinen Gruppe junger Menschen zähle, die vielleicht sogar durch den Film eher von dieser ganzen szene etc. fasziniert waren und dann auch irgendwann selbst diesen Weg gegangen sind.
Es gibt viele, die sagen das diese Veröffentlichung ein zweischneidiges Schwert war. Heute vielleicht nicht mehr, aber damals als das Buch und Film rauskamen, war die Welt noch nicht so ganz anders als heute.
Jedenfalls kann ich mich an viele Mädels errinnern, die plötzlich rumgelaufen sind im stil a la christiane F. es hatte auch etwas verruchtes, etwas was einen neugierig gemacht hat, was ist dieses gefühl was diese jungen menschen dazu bringt sich so darauf einzulassen.
Ich habe einen ähnlichen Lebenslauf, war allerdings etwas älter als ich anfing, 18 jahre. auch im zusammenhang mit einer sehr intensiven Beziehung zu einem Junkie.
Das Elternhaus spielt eine sehr grosse rolle dabei, ob jemand die innere Bereitschaft mitbringt sich in diese Lage zu bringen. nicht Schuld –aber Ursache.
Ich habe eine Therapie gemacht , war fast 10 jahre clean, habe 2 Jungs geboren –geheiratet und dann ein Haus gebaut. diese situation, war letztendlich die Ursache für einen folgenschweren Rückfall, Hausbau ist oft eine Belastung auch für eine Ehe-mehr will ich nicht dazu schreiben.
Ich bin dann ins Methadon programm gegangen, in dem ich mich heute noch befinde.
Leider hat meinem ausstieg aus dem program ein reitunfall mit der folgenden Querschnittlähmung einen strich durch die rechnung gemacht. Körperliche Schmerzen, Spastiken etc. werde so gut durch das Methadon unterdrückt, das jeder Entzug mich dazu zwingen würde andere, mit viel mehr Nebenwirkungen behaftete, medikamente zu nehmen. dadurch habe ich es bis jetzt nicht geschafft damit aufzuhören, leider. Ansonsten bin ich aber ein ganz normaler Bürger.
Ich erzähle dies um mitzuteilen, das das Leben manchmal ganz eigene regeln hat. und eine sucht ist nicht wie eine Jacke die man einfach auszieht, man trägt sie das ganze leben mit sich und hat damit zu kämpfen.
Niemand der dies nicht erfahren hat sollte sich anmaßen darüber zu urteilen. schon garnicht sind solche menschen böse oder schwach — es kostet sehr viel kraft mit diesem süchtigen teil seiner selbst sein leben zu leben– es ist eine krankheit, die sich keiner selbst ausgesucht hat.
Wenn wir nicht Heroin genommen hätten, wären wir vielleicht magersüchtig geworden oder hätten irgendeinen anderen weg gewählt. tatsache ist das ich erst durch meine therapie und meiner langen arbeit an mir zu dem menschen geworden bin der ich jetzt bin und weiss warum und wieso ich so bin. und trotzdem habe ich diese jacke immer noch in meinem schrank hängen, ich ziehe sie nur nicht mehr an.
das methadon mag ein ersatz sein, aber mein leben ist in geordneten bahnen, durch das methadon kann ich gut leben — auch mit meiner behinderung. Ich weiss nicht wie ich es sonst geschafft hätte, aber ich bin jetzt 42 Jahre alt und lebe — lebe gut mit meiner familie in unserem haus und habe vor alt zu werden mit oder ohne methadon, wer weiss.
es gibt sehr viele christianes und sehr viele leben zwischen euch allen ohne das ihr es merkt, weil nicht jeder in der gosse landet und sein leben nicht in den griff kriegt. Jörg Bökem vom Spiegel ist auch so jemand!!!