4 Februar
Vom Klischee und seiner Geburt
Wie entsteht eigentlich so ein Klischee? Und vor allem, warum drängen sich immer mehr Jugendkulturelle Szene in das mediale Licht der Öffentlichkeit? Ein Klischee ist eine übertriebene Vorstellung der Realität, die häufig durch ein überbeanspruchtes Bild oder Stilmittel ausgelöst wird. Seitdem der visuelle Markt mit immer neuen Marotten einiger Menschen gefüttert werden will um die Zuschauer zu beeindrucken, rücken Jugendkulturelle Szenen wieder in der Vordergrund und werden ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt, obwohl sie das in der Regel ablehnen.
Neulich stolperte ich über folgende Anzeige: »Sexy Mädels für HOT5 (ProSieben) gesucht! Jetzt bewerben! […] Für die bekannte Kult-Rubrik »Hot5« bei ProSieben taff werden wieder Teilnehmerinnen im Alter von 18–29 Jahren aus ganz Deutschland gesucht! […] Die kommenden Ausgaben von HOT5 stehen jeweils unter einem Motto.»1
Hot 5 ist eine Rubrik die im Rahmen der Sendung taff gezeigt wird, bei der es um die weibliche Selbsteinschätzung und deren Wirkung auf Männer geht. Sie sollen ihre Wirkung auf Männer einschätzen, die sie dann in einem zweiten Schritt »ranken«. Ein Blick in die jüngste Staffel vom Dezember 2009 wirkt auf mich wie ein Fleischbeschau, bei dem sich die vorwiegend sehr jungen Mädchen von etwa gleichaltrigen Männern bewerten lassen. Die meisten davon sind nach eigenen Angaben in der Model-Branche tätig und versuchen vielleicht ihren Bekanntheitsgrad zur erhöhen oder ihren Geldbeutel zu bereichern, vielleicht auch aus Spaß an der Freude doch ohne sich ein genaues Bild davon zu machen welche Wirkung sie dabei auf den Zuschauer haben. Letztendlich bestimmt ja Regie und Produktion wie etwas dargestellt wird.
Das Motto der ersten Staffel lautet: »Hierfür suchen wir krass Tätowierte, Gepiercte, Rockerinnen, Punkerinnen, Gothic-Mädels und alle anderen, die optisch auffallen!»1 Hier wird also klargestellt, das es offenbar nur um Äußerlichkeiten geht.
Wenn ich mir Sendungen in diesem Stil ansehe fällt mir auf, das die Mädchen, die sich auf so einen Aufruf in der Regel melden eine Jugendkultur zum Stil degradiert haben und sich rein äußerlich in diese versetzen. Sie verkleiden sich. Sie tätowieren sich, weil sie es cool finden, sie piercen sich weil das viele so machen, sie sind Punk weil das gerade In ist und fühlen sich Gothic, weil das so schön Mysteriös erscheint. Vielleicht hegen sie die Hoffnung durch ihre gefühlte »Andersartigkeit« Aufträge zu bekommen oder Aufmerksamtkeit zu erhaschen, ich weiß es nicht. Doch hier wird der Grundstein für ein Klischee gelegt. Eine äußerliche Hülle repräsentiert für die Sendung eine Jugendkultur, eine Bewegung oder Lebenseinstellung. Dabei ist der Kern einer Jugendkultur genau anders herum, wenn wir uns die Äußerlichkeiten ansehen. Für die ist ihre Andersartigkeit nämlich keine Verkleidung sondern ein Teil ihres Lebens.
Das da nicht viel Inhalt rüberkommt dürfte wohl klar sein. Trotzdem werden sie vom Zuschauer als »stellvertretend für…« angesehen, denn man projiziert den Eindruck den man gewinnt auf andere, die »genauso aussehen«. Das was die Kandidatinnen in Interviews dann über sich erzählen, oder was man wie Sprechgesang unter eine solche Sendung schreibt rutscht in die selbe Schiene. Aus der Pro Sieben Sendung Styling-Tausch vom 04.02.2010: »…Und jetzt soll auch noch Gothic-Puder auf’s Näschen bzw. das Szenetypische Muster auf die Augen…« Ein Klischee ist geboren.
Doch wie damit umgehen? Mittlerweile ist es ein Phänomen dieser Sendungen sich damit zu beschäftigen und der Quell der Menschen, die gerne daran teilnehmen scheint niemals zu versiegen. Ich denke man muss sich damit abfinden das es immer wieder einen Markt für so etwas gibt. Das ein oder andere löst die Zeit, denn der Fokus rückt immer wieder andere Dinge in den Vordergrund um den Zuschauer nicht zu langweilen und mit Einschaltquoten die Werbekunden nicht zu vergraulen. Kommunikation ist das Stichwort, erzählt euren interessierten Menschen von euch und gebt euch nicht verschlossen und arrogant, das ist nicht besonders hilfreich aber eben so weit verbreitet.
(Bildquelle: Admiralspalast Berlin via flickr.com)
- Quelle: Internetseite der Casting Agentur vom 04.02.2010 — Titel: Sexy Mädels für HOT5 (ProSieben) gesucht! Jetzt bewerben! [↩] [↩]
Veröffentlicht von Robert
Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch
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Kategorie: Schwarze Szene
Schlagwort: Castings, Gothic, Hot 5, Klischee


hat bereits 230 Kommentare abgegeben und schrieb am 7. Februar 2010 um 13:23:
Ah, Taff schon wieder … so langsam kann man die Uhr danach stellen wann mal wieder ein »Grufti-Bericht« bei denen auftaucht.
Mich wurmt es auch wie hier immer wieder auf Äusserlichkeiten degradiert wird, die entsprechend austauschbar ist, Probant wird vorgeführt daß man es angepasst-normal leichter hat, besser ankommt und eh alles viel tolliger ist.
Ich muss zugeben, mir sind Äusserlichkeiten wichtig. An mir selbst zumindest. Ich lege wert auf meine Klamotten, denn ich will mich in meiner Haut wohlfühlen. Ich mag Designerklamotten *lach* allerdings bin ich auch mein eigener Designer und Schneider ;)
Klar kreuze ich nicht mit Reifrock und gekalktem Gesicht bei nem Bewerbungsgespräch auf (als Beispiel) — nach Ansicht von einschlägigen Berichten müsste ich das ja eigentlich tun und mich dann wundern daß mich keiner nehmen mag — aber verkleiden kommt mir nicht in die Tüte, Kompromisse sind OK und auch notwendig manchmal, ich kann mich dafür aber auch in Nadelstreifen-Beinkleid und Bluse in freundlichem schwarz wohl in meiner Haut fühlen. Ich denke, das Gegenüber merkt auch wenn man sich für so einen Anlass dann wirklich komplett verdreht und verkleidet und ich kann mir nicht vorstellen daß das die bessere Wahl ist.
Auch wurmt mich der Umkehrschluss »Gothic = ranzig, schlabbrig und bäh« im Gegensatz zu der braungebrannten, modisch-stylischen »Model«-Tante.
Ansonsten kann ich nur wieder mal bemerken daß es schade ist daß viele Fernseh-Konsumenten solche »Berichte« für bare Münze hinnehmen, eigentlich ist heutzutage doch eh alles nur noch gestellt, wahrheitsverdeht und auf
Und die Schäfchen rennen hinterher … grad kam mir noch ein anderer Gedanke .. weil du schriebst daß ja auffällig viele Mädels angeblich Models sind, und stimmt, mir fiel das im Nachhinein auch auf. Ein Fall für Verschwörungstheoretiker?
Ich mein, auf dem gleichen Sender wie Taff läuft alle Jahre wieder diese »tolle« Model-Casting Sendung, und in anderen Formaten des besagten Senders sind Mädls die nach 08/15 Empfinden hübsch und erfolgreich dargestellt werden allesamt Models? Eine Form von Werbung? Ein Schelm wer böses dabei denkt, oder doch zu weit hergeholt?
Naja, ich weiß schon weswegen bei mir fast nur noch Arte und 3Sat läuft, immerhin sendet Arte »Mit Schirm, Charme und Melone« … was braucht man da die ollen Privaten *dreckig grins*
hat bereits 306 Kommentare abgegeben und schrieb am 7. Februar 2010 um 15:20:
Bei solchen Reportagen lehne ich mich immer grinsend zurück und denke mir, wie schön es doch ist, dass allein der geneigt Goth immer und überall als Galionsfigur der Szene herhalten darf und ich nicht zur Liga der »Grufties« gehöre. Ein sehr befreiendes Gefühl.
Man könnte jetzt auch recht bösartig argumentieren und sagen, dass jede Szene die Berichte bekommt die sie verdient. Frei nach dem Motto: »Stell´ dir vor, es gibt eine Reportage und keine® geht hin«
Aber ich weiß auch, dass eine komplette Szene nichts dafür kann, dass einige Portionsruhmversessene sich immer wieder genötigt sehen ihre Szeneweisheiten in die Medienlandschaft abzusondern.
Und zum Thema »Kommunikation ist das Stichwort«
Ich gebe mich gerne arrogant und verschlossen. Es ist einer meiner Erfahrungswerte, dass der interessierte Mensch kaum fragt. Höchstens nachfragt oder hinterfragt, was aber schon ein solides Wissen voraussetzt. Ansonsten ist es für ihn eine Begebenheit und nicht der Rede wert. Aber die, die von mir einen halben Selbstfindungsreport einschließlich Symboldeutung, Wesenstest und Lebensphilosophie abverlangen oder fragen »Sag´mal, bist du rechts«, tun dieses nicht aus Interesse, sondern um nur einmal kurzzeitig ihre Neugier zu stillen.
Davon einmal abgesehen, warum muss man sich erklären. Dann steht die eigene Aussage gegen die von BILD oder RTL oder in dem Fall Pro7 und kommt einem Kampf gegen Windmühlen gleich. Zudem fragt mich auch keiner wenn ich einen Anzug trage. Was der Knoten des Binders zu bedeuten hat und warum ich mich in ausgerechnet dieser Weste wohl fühlen würde. Das interessiert niemanden. Warum interessieren aber plötzlich der Tatzenkreuzanhänger darunter oder die Ledertreter.
Es ist ein Stil, ein Gedanke, eine Emotion eine Einstellung. Alles recht privater Natur und da haben Gäste keinen Zutritt. Davon einmal abgesehen. Gegenüber manch anderen, die ihren Stil innerhalb eines Quartals von Null auf Goth vom Zaun brachen, dauerte meine »Stilfindung« fast ein Jahrzehnt. Dass kann ich nicht in acht Sätze packen. Da ginge schon ein ganzer Abend drauf und dass dann nur gegen Bezahlung.
hat bereits 162 Kommentare abgegeben und schrieb am 8. Februar 2010 um 13:47:
Pro7 und taff, davon kann ich ja leider ein recht peinliches Liedchen singen… Nach meinem völlig verkackten Versuch mal was Gutes draus zu machen hab ich das alles derartig satt, dass ich gerade nicht mal weiß, ob ich mir das jüngste Machwerk überhaupt noch anschauen soll…
hat bereits 1742 Kommentare abgegeben und schrieb am 8. Februar 2010 um 16:28:
@Rosa: Danke für deinen ausführlichen Kommentar. Äußerlichkeiten sind dir wichtig, aber wenigstens füllst du sie mit Hintergrund und — was die ganze Sache noch positiv abrundet — viel Leidenschaft. Die Gothic Szene und auch, oder vor allem die Neo-Romantiker sind sehr ästhetisch orientiert was grundsätzlich ja sehr angenehm ist. Es darf nur nicht darauf reduziert werden. Zum Schlabberlock: Ganz ehrlich? Ich bin fast ein bisschen froh wenn wir als schlabbrig und hässlich gelten, wie schrecklich wäre es denn, wenn wir allen gefallen würden? Deshalb bin ich fast froh das Tussis sowas nicht tragen würden :)
@Guldhan: Kommunikation ist das Stichwort: Ein Teufelskreis? Vielleicht fragt der interessierte auch nicht, weil du dich arrogant und verschlossen gibst. Ich finde es umso wichtiger auch auf banale Fragen »bist rechts?« so zu antworten, das man zumindestens sich selbst nicht verleugnet. »Gar keine Antwort ist auch eine Antwort.« Gerade in ästhetischen Randzonen (Stichwort hier: Symbolik) sehe ich es als Pflicht an, seine Kontroversität zu erläutern und zumindestens für ein klares Statement zu sorgen. Natürlich verstehe ich auch, das das ein Kampf gegen Windmühlen ist, aber hätte das niemand getan, würde darüber auch nie berichtet.
Das faszinierende an der eigenen Stilfindung ist der Weg jedes einzelnen. Das finde ich immer spannend. Was war zuerst? Die Musik, die Leidenschaft für Okkultes, das Äußere oder einfacher Gruppenzwang. Spannend ist, was sich daraus entwickelt. Das man das nicht in 8 Sätze packen kann ist daher umso positiver.
@Karnstein: Guck es Die ruhig an, du wirst erkennen, es geht noch schlimmer. Dann Versuch war ehrenvoll und wurde nur durch Pro7 selbst vereitelt. Musstes du eigentlich was unterschreiben und irgendwelche vertraglichen Klauseln akzeptieren?
hat bereits 230 Kommentare abgegeben und schrieb am 9. Februar 2010 um 13:42:
Nein, gefallen müssen wir natürlich nicht allen, und das würde auch ich gewiss nicht wollen ;) ich seh das nur nicht von dem Standpunkt »schlabbrig und hässlich« sondern von einer gewissen Extravaganz, die sich Modepüppchen wohl nicht so trauen würden *g* das löst durchaus auch ein »ja wie rennt die denn rum« aus, wo ich den abfälligen Unterton in der Tatsache begründet sehe daß es eben nicht das obertopmodischste Klamott ist daß jetzt grade jede Tante anhat — »Mode« im sinne von das tragen was grade supertopaktuell ist, ist für mich persönlich eine Form des blind hinter etwas herrennen was einem fertig vorgekaut wird und wo man keinen eigenen Stil für benötigt.
Und auch aus dem Grunde bin ich ebenfalls der Meinung daß auch unter Schwarzkitteln eine Reduzierung nur auf Klamotten und Äusserlichkeiten genauso dämlich ist.
Grade Neo-Romantiker sind klar ein extremes Beispiel. Einerseits scheinen die Klamotten grade wieder etwas Aufschwung zu bekommen, andererseits häufen sich auch da die Leute die sich aus Spaß mal ein bissl verkleiden. Unterm Strich kann und will ich natürlich auch niemandem verbieten sich mal einen Reifrock an den Hintern zu hängen, da schau ich mir lieber sowas am WGT und im Club an als die halbnackte Tante mit Gürtelersatz um die Hüften und abgeklebten Nippeln, aber da greift wieder das Phänomen das Guldhan so schön als »von Null auf Goth« beschrieben hat, nur vielleicht mehr innerhalb der schwarzen Stil-Vielfalt. Morgen ist dann was anderes szeneintern in, und das Walleoutfit wird in die Kiste gepackt. Wenn man mal die Szene-bekannten Kataloge durchforscht dann findet man da inwzischen doch das gleiche Phänomen wie in der Mode der Normalos, nämlich: Mode. Nur halt ein bisschen dunkler, aber vom Prinzip her ist es nichts anderes als Mode.
Auf der anderen Seite begiebt man sich auch innerhalb der Szene als neo-Romantik-Fuzzi in die Gefahr von anderen Schwarzkitteln als oberflächlich und aufmerksamsgeil abgestempelt zu werden. Sicher, die Leute gibt es auch, und ich bin auch bei anderen Neo-romantikern auf das Klischee reingefallen, nach Kontaktaufnahme haben sich viele als sehr nette, aufgeschlossene Leute entpuppt.
Und da kommen wir wieder zur Kommunikation. Ich hab auch die Erfahrung gemacht daß es doch etliche Neidhammel gibt die sich hinterrücks das Maul zerreißen, ohne jemals ein Wort mit einem gewechselt zu haben. Und dann gibt es auch wieder die Leute die einen mal anschreiben oder real ansprechen, und da hab ich einige sehr schöne Bekanntschaften gemacht und Klischeedenken beseitigen können. Aber ich kann natürlich nicht jeden Lästerer rausfischen und aufn Kaffee einladen um ihm zu zeigen wie ich als Person eigentlich bin. Wer sich dann nicht dafür interessiert soll mirwegen weiter rummosern, ist ja nicht mein Blutdruck der da in die Höhe schnellt *g*
Das Prinzip geht genauso auf der Strasse mit Buntvolk. Klar kann man selbts nicht Gott und die Welt anquatschen und sich erklären, aber wenn jemand auf einen zukommt und sich nur ein bisschen dafür interessiert — das können sehr tolle Gespräche werden. Und auch da kann man Klischees im größeren Maße ausräumen.
Die Sache soll und kann natürlich nicht so weit gehen daß man rumphilosophiert über Details und Symbole, im Sinne des tieferen Sinnes Binderknotens ;) wenn man sich für einen gewissen Stil interessiert dann zuerst gan oberflächlich weil man es schön findet. Und dann kommt daß man sich selbst wohl drin fühlt. Der Rest wächst im Sinne der eigenen Entwicklung und Stilfindung irgendwie zusammen. Ich bin auch nicht mit Reifrock auf die Welt gekommen *g* daher klar, die eigene Geschichte ist wohl immer eine längere Sache — ich könnte da auch Bände füllen, wenn ich genaueres dazu sagen müsste, aber so gewisse Eckdaten reichen für den Interessierten auf der Strasse auch aus. Der muss nicht wissen welchen tieferen Sinn ich in weißem Make-Up sehe, zumal ich so eh nicht auf der Strasse alltags rumlaufe, aber ich kann grob anreißen warum die Farbe schwarz — ich erinnere mich nur eben an einen Satz aus wieder mal einer grusligen Doku wo ein Szenegänger genau danach gefragt wurde und geantwortet hatte er wüsste das nicht, könnte ja genauso gelb sein, weil ist doch eigentlich wurscht *hüstel* — und warum ich lieber altmodischen Gehrock trage statt supermoderne Mode — da muss man nicht aufs kleinste Detail eingehen. Die wirklich persönlichen Dinge erfahren die wenigsten, egal ob Buntvolk oder Schwarzvolk.
hat bereits 162 Kommentare abgegeben und schrieb am 9. Februar 2010 um 16:45:
Nein, keine Klauseln, Verträge oder irgendsoetwas… Sie haben mich nur stundenlang begleitet und interviewt, die Teile mit Infos über Historie und Inhalte weggeschmissen, und die betont, wo ich Oberflächllichkeiten plappere.
Aber Hauptsache man sieht mich beim Schminken und ich wirke so richtig schön steif und wahnsinnig ernst, wie ich mich so darüber auslasse wie lebhaft das in der Hopperdisko ist (es war mitten in der Nacht, nach etwa 12 Stunden nervigen Dreharbeiten, und dann werde ich auch noch mit Hip-Hop zugemüllt… klar, dass mir das dann gegen den Strich geht… meine ungünstige Wortwahl ärgert mich da sehr, bin doch eigentlich selbst eher lebhaft…).
Naja, aber 50 Euro und ein herzliches Dankeschön hab ich bekommen…
In der Uni habe ich gerade heute mittag im Rahmen eines Seminars »The Gothic Tradition« (hauptsächlich Literatur der letzte 250 Jahre) einen Vortrag gehalten zu Entstehung von Gothrock, Dark Wave und der Subkultur, deren Entwicklung bis heute, und die Bezüge zu klassischer Gothickunst.
Kam sehr gut an (wenn auch »Bela Lugosi’s dead« einige Leute zumindest mal zu überraschen schien) — vielleicht müsste man sowas einfach mal in größerem Rahmen aufziehen und daraus einen Dokufilm machen (ein guter Freund von mir ist freiberuflicher Filmemacher)… dann ab auf YouTube und beobachten…
Sicherlich würde auch daran aus der Szene Kritik geübt werden, weil Faktor XYZ nicht so dargestellt wurde wie Person ABC das gerne hätte, aber es wäre sicherlich 100 mal besser als dieser ganze Pro7-Rotz, den einfach immer Leute machen, die schlichtweg keine Ahnung von der Materie und zu wenig Sendezeit haben.
hat bereits 306 Kommentare abgegeben und schrieb am 9. Februar 2010 um 17:42:
zu Robert:
Es ist sogar möglich, dass ich damit den Teufelskreis selbst rotieren lasse. Vor allem da ich innerhalb einer mir unbekannten Gesellschaft stark ins introvertierte Verhalten abgleite, wirke ich auch mit geschlossenem Mund und neutralem Sinn schon arrogant. (Was mir unlängst wieder bestätigt worden war) Aber warum den ersten Eindruck enttäuschen ;)
Aber mal ernsthaft. Ich habe nichts gegen einen böseren Ruf, nur sollte dieser sauber bleiben und somit werde ich einen Teufel tun und irgendwelche Gerüchte hinsichtlich einer Rechtsgesinnung wachsen und gedeihen lassen. Aber je nach Tonfall antworte ich auch schon einmal mit den Worten der betagten Herren von Laibach, die fast hinterhältig erklärten: »Wir sind genauso rechtsgerichtet, wie Hitler Maler war«
Das Problem ist nur, dass der Gesprächspartner bei einem »Nein, ich bin nicht rechts« automatisch ein »Ja, ich bin links« versteht. Was ich aber, trotz diverser Sympathie, ebenfalls verneine. Wodurch sich dieser zumeist genötigt sicht, einen anschließend zum Gefangenen in einer Debatte über die Gefahr vermeintlichen Unpolitischseins werden zu lassen. Wobei ich das auch nicht bin, aber erkläre das mal.
Im Grunde bin ich ja bereit mich kurz zu erklären. So hatte ich schon viele putzige Unterhaltungen aufgrund meines alten »Gott hasst mich«-Schriftzuges am Rucksack. Und um beim ersten Beispiel zu bleiben: Ich sage dann schon, dass das Tatzenkreuz weder braun noch bundeswehrbunt ist, sondern eben rot. Und das nicht symbolisch, sondern optisch. Was dann allerdings ein rotes Tatzenkreuz bedeutet, dass kann derjenige selbst nachschlagen, sofern es ihn wirklich so stark interessiert.
Wir mussten uns damals unser Szenewissen auch »erarbeiten« und das damals ohne Internet, ohne Massenmedienhaltung und mit nur einem X-tra –glaube das war der in Karlsruhe– Warum soll man es also heute den Menschen so einfach machen, wenn sie gerade mal 5 Minuten Zeit bei Wikipedia verbringen müssen, um schon mit den gröbsten Klischees und Vorurteilen brechen zu können. Gäbe es noch immer kaum neutrales Nachschlagewerk, so würde ich natürlich auch bereitwilliger erzählen.
Zumal das alles selten auf Gegenliebe stößt, was mich ebenfalls grantig stimmt. Man hält einen langen Monolog über die Faszination der Musik, die emotionale Verbundenheit mit den Symbolen oder das unpolitische Verständnis hinsichtlich der »ästhetischen Randzonen« (den Begriff muss ich mir merken) und macht dann den Fehler zurückzufragen. Dann wird man mit zwei Sätzen stehen gelassen: »Ist eben gerade in« und »Es gefällt mir halt«
Der extravagante Gesell muss sich immer erklären können, aber dem »normalen« Konsumenten soll man seine Unfähigkeit zur Eigendefinition nachsehen. Wenn mir ein HipHoper oder Emo nicht seine Sicht des Warum und Wieso erklären kann, dann ist der für mich nur ein Werbeopfer. Davon beobachte ich hier allerdings auch schon zu viele.
hat bereits 1742 Kommentare abgegeben und schrieb am 10. Februar 2010 um 18:41:
@Rosa: Ich finde es sehr faszinierend wie du die Sache mit den DIY-Augen beleuchtest (Do-it-Yourself) und Mode aus den Katalogen auf ihren eigentlich Sinn reduzierst. Ich habe prinzipiell nichts gegen Katalog-Ware und ziehe mir für mich »modische« Sache heraus und versuche die mit anderen schwarzen Stilen zu meinem persönlichen Stil zu erheben. Für einen ausgeprägten DIY-Sinn fehlt mir eindeutig das Geschick und der Wille, deshalb kannst du meiner Anerkennung sicher sein. Es ist Mode, da stimme ich Dir vollkommen zu, man muss sie nur zu nutzen wissen und nicht jedem lächerlichen Katalog-Trend hinterherlaufen. Ich habe einen Heidenspaß daran möglichst kuriose Klamotten aufzutreiben und die in meinen schwarzen Stil einfließen zu lassen. Fündig werde ich meistens im Ausland oder auf Trödel– oder Flohmärkten.
Die Gothic-Szene hat in den letzten Jahren viel Zulauf bekommen und ist zu einem sehr potentiellen Markt verkommen, den eben diese Kataloge bedienen und sehr viele Wochenend-Grufties finden es nur klasse sich schwarz zu verkleiden und zwischen den anderen zu technoiden Klängen abzufeiern. Für den Beobachter sehen wir dann alle gleich aus, obwohl man echte »Szene-Gänger« teilweise am Outfit unterscheiden kann.
Die Neo-Romantik war eigentlich immer schon ein Teil der Szene und wurde in den frühen 80er durch die Filme und geschriebenen Vorlagen inspiriert. Die New Romantics trieben das auch farblich auf die Spitze und explodierten Nachher zu buntem Konfetti. Die Neo-Romantiker greifen eben diese Elemente der Vergangenheit auf um kompensieren diese auf ihren eigenen Stil.
@Karnstein: Deinen Beitrag für die Uni habe ich schon bei dir gesehen, aber dazu später mehr. Immerhin hast du 50€ Schmerzensgeld dafür bekommen was man Dir angetan hat. Ich meine wenn man dich näher kennenlernt hat das Bild bei Pro7 so gar nichts mit Dir zu tun, in diesem Fall wären wir wieder bei der von Rosa angesprochenen Kommunikation. Man kennt dein Gesicht, aber nicht Dich.
@Guldhan: Ich finde einen Aspekt deines letzten Abschnittes sehr spannend: Ist nicht gerade die Tatsache, das wir in der Lage sind unser Outfit mit Inhalt und Bedeutung zu füllen, das was uns von den »Ist eben gerade in« Menschen unterscheidet? Ich beobachte dieses Phänomen vor allem in der schwarzen Szene, das hier viele Dinge Bedeutungsschwanger sind obwohl natürlich der größte Teil der Träger damit nicht anfangen kann. Ich meine die Leute die wissen warum man sich »totschminkt«,warum das Kreuz umgedreht ist, und welche Bedeutung das Templerkreuz hat. Das Wissen woher etwas kommt mit dem man sich kleidet oder schmückt ist unbezahlbar und zählt für mich bei der schwarzen Szene zu »Szenewissen«. Aber du hast völlig recht, gerade in Zeiten von Wikipedia und Internet ist es nachlässig und unverzeihlich sich bei Neugier auf ein Gerücht zu verlassen.