20 Mai

Pressespiegel zum 25. Wave-Gotik-Treffen (Update)

Verfasst von Diskussion: 17 Kommentare

WGT Pressespiegel 2016 - Schreie im VergnuegungsparkAm Montag ist das 25. Wave-Gotik-Treffen zu Ende gegangen. Die heiseren Stimmen normalisieren sich wieder, die Augenringe verschwinden langsam vom blassen Teint und die meisten Frisuren gehorchen nun auch wieder der Schwerkraft. Ich habe mich nach dem wichtigsten Event der schwarzen Szene wieder hingesetzt, um die Pressestimmen zum Jubiläum einzufangen. Ernst zunehmende Berichterstattung gab es nur in wenigen Medien. Der öffentlich-rechtliche MDR und die Leipziger Volkszeitung (LVZ) tragen die Krone der Berichterstattung, unabhängig vom Gehalt der Beiträge, auch die BILD-Zeitung war mit von der Partie, während sich bei überregionalen Presseorganen immer wieder der gleiche (oder leicht abgewandelte) dpa-Artikel eingeschlichen hat.

Die LVZ vermeldet am Dienstag den 17. Mai mit 23.000 Besucher einen neuen Besucherrekord und die Erinnerungen an die langen Schlangen vor manchen Veranstaltungsorten erhärten diesen Eindruck. Auch das stadtgeschichtliche Museum und die Ausstellung „Leipzig in Schwarz“ profitiert vom Besucherandrang. Allein am Samstag sollen 2000 Besucher sich die Ausstellung angesehen haben, auch bei der Podiumsdiskussion im Museum, die wir am Freitag besuchten, gab es kaum noch Platz. Das phänomenal gute Buch zur Ausstellung scheint ebenfalls vergriffen zu sein. 

Besucherrekord!?

23.000 Besucher sollen dagewesen sein, ein neuer Besucherrekord? Gegenüber dem MDR äußert sich WGT-Sprecher Cornelius Brach: „Das Jubiläum hat wohl dazu geführt, dass so viele Leute zu uns gekommen sind. An manchen Orten wurden die Kapazitätsgrenzen erreicht: Weil zu viel Andrang war, wurden Einlassstopps verhängt. Das zeigt uns natürlich – viel größer darf das Festival gar nicht werden.

Neuer Besucherrekord

In der Ausgabe vom 14.06.2011 meldet die LVZ 26.000 Besucher des Wave-Gotik-Treffens

Merkwürdig, am 14. Juni 2011 – nach dem Ende des 20. Wave-Gotik-Treffens – meldet die LVZ 26.000 Besucher auf dem Festival, doch damals gab es keine Einlassstops an den Veranstaltungsorten. Was könnte also der Grund gewesen sein? Fakt ist, das sich die Landschaft der Veranstaltungsorte verändert hat. Werk II und Parkbühne sind beispielsweise nicht mehr Teil der WGT-Landschaft, was zu einer deutlichen Konzentration der Locations im Leipziger Norden geführt hat. Fakt ist außerdem, dass das schlechte Wetter viele Besucher in Konzerthallen und Veranstaltungsorte getrieben hat und das Parkanlagen, wie vor dem Parkbühne, wenig genutzt wurde. Warum das in den Artikel nicht erwähnt wird und wieso man trotz anderer Zahlen von einem Besucherrekord spricht, ist mir schleierhaft.

Nichts desto trotz möchte ich die Ansicht von Herrn Brach teilen: An manchen Orten wurden die Kapazitätsgrenzen überschritten und das Festival darf – mit der aktuellen Location-Landschaft – nicht größer werden. Dass ein Jubiläum zu mehr Besuchern führt, ist dagegen ein alter Hut. Ein alter Hut ist auch, das die Gruftis einen wichtigen Wirtschaftsfaktor zu Pfingsten ausmachen. Im Schnitt, so die Industrie- und Handelskammer gegenüber dem MDR, geben die Besucher 130 bis 150 Euro pro Tag aus. Die Ausgaben der WGT-Besucher liegen irgendwo zwischen 4,2 Millionen und 15 Millionen Euro. Mit schwarzem Eis, schwarzem Pizzateig und schwarzen Schaufensterauslagen versuchen die Händler den Extra-Euro zu verdienen, den sie sich von den Besuchern des WGT versprechen.

Das Kuriositätenkabinett

Über Facebook hatte ich Besucher der WGT und Leser von Spontis aufgefordert, ihre Schnappschüsse der Kuriositäten zu senden. Einige kamen der Aufforderung nach, die ich passend zum Thema „Ausgaben der WGT-Besucher“ beisteuern möchte. Vielen Dank an die Schnappschießer!

Ein Fest der Verwandlung

Es geht um Umstyling, Metamorphosen, Verwandlungen und Kostüme, wenn man den Artikeln der Presse Glauben schenkt. Das Wave-Gotik-Treffen ist für viele Autoren ein Fest der Selbstinszenierung. Die Mopo24 unterscheidet das Treffen in 7 Stilrichtungen: Victorian Goth, Steampunk, Fetisch, Cybergoth, Gothic Rock, Festival-Fasching und Neofolk. „Hoppla! Diese WGT-Besucherin peitschte ein menschliches Pferd durch den Park. Fetisch- und bizarre Sex-Mode trifft man in der Schwarzen Szene häufig.“ So, oder so ähnlich, machen es auch viele andere Medien. So auch die Stuttgarter Zeitung oder auch die FAZ. Die meisten anderen Blätter beschränken sich auf ein paar Bilder. Das Goethe-Institut nimmt die Sache nicht so auf die leichte Schulter und begleitet für ihren Artikel „Manchmal würde ich gerne meinem Ich begegnen“ Niha-Céta, Cellistin der Band „Other Day“, über ihr WGT. „Die Outfits gehören zum Image der Band und des Musikgenres. Unabhängig davon kleidet und schminkt sich die Cellistin vor allem deshalb so aufwendig, weil es ihr einfach Spaß macht. Sie liebt die spezielle Ästhetik der Gruftis, die Möglichkeit, ihr eigenes Ding zu machen, viel selbst zu gestalten und sich selbst zu reflektieren.

Schreie im Vergnügungspark

Am Donnerstag wurde das Wave-Gotik-Treffen bekanntlich im Belantis-Freizeitpark eröffnet, dieses „Wagnis“, wie Cornelius Brach diese Eröffnungsfeier nennt, scheint geglückt zu sein, denn rund 10.000 Menschen haben sich vom Parkmaskottchen begrüßen lassen. Nicht nur Parkbetreiber und Besucher zeigten sich euphorisch, sondern auch eine Autorin der LVZ, die ihre Eindrücke schildert: „Mit Einsetzen der Dämmerung verschwinden die Wege in der Dunkelheit – viel zu helle Strahler blenden den Blick – aus Büschen und hinter Zäunen tauchen düstere Gestalten auf, reihen sich ein, werden mitgerissen, schwärmen aus, um sich zu vergnügen. Um 22.50 Uhr folgt das große Highlight des Abends. Ein Feuerwerk, das unspektakulär beginnt, um sich nach kurzem Anlauf in ein fulminantes Fest fürs Auge zu verwandeln. Die Fahrgeschäfte stehen in diesen zehn Minuten still, die schwarze Masse erstarrt wie erkaltete Lava. Alle Blicke richten sich gen Himmel. Es knallt so laut, dass der Boden zu vibrieren scheint. Minutenlang ergießt sich Goldregen in allen Formen über die Jubiläumsgäste. Immer wieder ertönt kollektives „Oooooh“ und „Aaaah“. Applaus erschallt, als das Ende des Feuerwerk gekommen zu sein scheint.

Auch die Live-Blogger vom MDR, die immer wieder berichteten, zeigten sich erstaunt über die Resonanz, gab es doch im Vorfeld viele kritische Stimmen. „Die Entscheidung der Veranstalter, die Eröffnung des 25. Festivals im Vergnügungspark Belantis zu feiern, stieß bei einigen in der Szene auf Hohn und Spott. Von Kindergeburtstag, Karneval und Kommerz war die Rede. Doch muss man zugeben, dass das Ganze tatsächlich ein wenig morbiden Charme in der Abenddämmerung versprüht. Von der Schiffsschaukel schallen auf jeden Fall begeisterte Angstschreie übers Gelände.

Aufwand und Nutzen

Obwohl die Berichterstattung in der Menge weniger geworden ist, hat die Qualität meiner Ansicht nach deutlich zugenommen. Die LVZ hat in der Printausgabe einen gewohnt hohen Output gezeigt, braucht sich aber auch Online nicht zu verstecken. Auf der Sonderseite „Schwarzes Leipzig“ hat man keine Mühen gescheut, das WGT und seine Besucher darzustellen. Auf einer äußerst hübsch anzusehenden Internetseite präsentiert man 5 Leipziger und gibt Einblick in ihre „schwarze Seele“. Mira Sommer: „Die Leipzigerin mag es düster, spaziert gern über Friedhöfe, um nachzudenken und ruhig zu werden. „Wenn ich mich mit dunklen Themen in einer kreativen und ästhetischen Weise auseinandersetze, macht mich das glücklich“, sagt sie. Goethes Faust lobt sie als „absolutes Fantasy-Werk“, das sie sogar auswendig gelernt hat. Auch für Tolkiens „Herr der Ringe“ begeistert sie sich und verkleidet sich oft – als Elbin. Dieses WGT will sie etwas Neues ausprobieren: einen Cross-over aus Mad Max und Goth. Ansonsten ist Sommer relativ offen, was die Genres angeht: Von Steampunk, Jugendstil, Viktorianisch, bis hin zum Goth der 1980er in seiner Reinform. In ihrem Kleiderschrank entdeckt man vielfältige Stile. „In der schwarzen Szene kann jeder machen, was er will“, so Sommer.

Der MDR hat bereits im Vorfeld des WGT fleißig gearbeitet und eine Dokumentarfilmerin beauftragt. Die Premiere am 12.05. (Donnerstag) habe wir mit einigen Freunden bei einem der Protagonisten geschaut. Eine wirklich gelungenen Doku, über die ich im Juni gesondert berichten werden, da dann eine verlängerte Fassung ausgestrahlt wird. Auch auf den Internetseiten des Senders gibt es eine ziemlich großartige Sonderseite zum Thema WGT, die so ziemlich das multimedial Informativste ist, was ich zum WGT gesehen habe. Wirklich gute Arbeit! Auch die Fernsehberichte sind zahlreich (bisher habe ich 6 zusammengetragen) auch wenn die Qualität eher durchwachsen ist, wenn man endlich diese „Ich-verwandel-einen-Redakteur-in-einen-Goth“ Geschichten bleiben lassen würde, wären sie sogar noch besser.

Düstere Lichtblicke

Freie Presse ChemnitzEinen Artikel habe ich euch vorenthalten. Er war so außergewöhnlich nachdenklich, dass ich ihn zunächst gar nicht mit „Presse“ in Verbindung gebracht habe, mein Fehler. Autor Tim Hofmann von der Freien Presse aus Chemnitz denkt in seinem Artikel „Freiheit im Dunkel“ einmal laut über die Szene nach und enthüllt schamlos die Unenthüllbarkeit der Gothic Szene. Vielleicht ist das der beste Satz zur Akzeptanz-Diskussion den ich seit langem gelesen habe:  „Natürlich hat auch die Gothic-Szene stets Akzeptanz eingefordert – nie aber für ihre Werte, sondern nur für die Existenz dieses Raumes. In der (sicher auch unbewussten Einsicht), dass Toleranz nicht miteinander funktioniert, sondern nur nebeneinander. Deshalb berühren sich in Leipzig nur Oberflächen.“ Genau so ist es und nur so kann auch begreifen, wie diese Szene funktioniert und auch nur so kann man ein Teil von ihr werden. Hofmann ist der Szene schon fast beängstigend nahe, dass man sich merkwürdig nackt neben seinen Worten vorkommt. Und irgendwie schwebt dann doch ein wenig Hoffnung mit, die Szene am Leben zu erhalten. Besser gesagt, sie wieder auferstehen zu lassen, denn die Szene ist bereits mehrfach gestorben, weil das Sterben ja nunmal ein Teil von ihr ist.

Gelassenheit darf nicht mit Resignation verwechselt werden, denn um einen Phönix aus der Asche zu hieven, braucht es Hände die helfen wollen. Und so schließe ich diese Presseschau mit dem schönsten Zitat aus einem der wenigen düsteren Lichtblicke:

Die individuellen Gründe, warum ein Mensch durch viel Fantasie und mitunter einiger Willenskraft sein Vergnügen auf einer Lebensseite suchen will und muss, die andere im Wesen als wenig vergnüglich empfinden, sind nicht selten schmerzhaft, sodass die Szene einer Selbsthilfegruppe nicht unähnlich ist: Man öffnet sich innen, um es nach außen nicht zu müssen. Deswegen besteht das WGT auch aus so viel Metaphorik und Mystik, was nichts daran ändert, dass das Verborgene ja auch vollkommen profan sein kann. Aber es ist eben auch dann im Zweifel persönlich schmerzhaft.“

17 Kommentare

  1. Vielen Dank für deine Zusammenfassung :).

    Mein letztes WGT ist mittlerweile 5 Jahre her, ich wohne mittlerweile deutlich weiter weg, weshalb die Anreise kein Katzensprung mehr ist … aber nach dieser Zusammenfassung bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich wirklich jedes Jahr an Pfingsten wehmütig sein sollte.

    Es kann sein, dass ich das einfach zu eng sehe, aber irgendwie wirkt das alles so, als würde das WGT von Jahr zu Jahr mehr zu einem „Dieses Jahr machen wir was Abgefahrenes – wir fahren zum WGT nach Leipzig“ für ach-so-schrille Familien und Freundeskreise werden. Ich fühl mich irgendwie ganz unwohl bei der Darstellung des diesjährigen WGTs, vor allem mit diesem Vergnügungsparkevent und so.

    Mh… klingt irgendwie, als würde das alles immer mehr am Sinn vorbeizielen. Irgendwie… schade.

  2. Ist die „Krone der Berichterstattung“ denn wirklich „unabhängig vom Gehalt der Beiträge“?

  3. …aber nach dieser Zusammenfassung bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich wirklich jedes Jahr an Pfingsten wehmütig sein sollte.

    Und genau da liegt das Problem vieler Berichterstattungen. Man präsentiert das Viktorianische Picknick, läuft einmal das Agra-Gelände entlang und bildet zum Großteil Besucher mit überaus auffälliger Kleidung (oftmals darf man getrost auch von Kostümen sprechen) ab. Zugegebenermaßen ist das auch eine Seite des WGTs. Aber eben nur eine. Und so wird – wie ich finde – ein falsches Bild gezeichnet. Würde ich meine Entscheidung, Jahr für Jahr nach Leipzig zu fahren, einzig aufgrund der durch die allgemeine Berichterstattung gelieferten Eindrücke fällen, würde diese eindeutig gegen das WGT ausfallen.

  4. Danke für diese Zusammenfassung!

    Zur Ausstellung im Stadtgeschichtlichen Museum: Es stimmt, das dazugehörige Buch ist bereits vergriffen. Laut einem Menschen im WGT Forum wurden aber auch nur etwa 1000 Exemplare gedruckt. Die MuseumsmitarbeiterInnen sagten mir jedoch, dass sie eventuell eine zweite Auflage drucken werden, so genug Leute Interesse (etwa auf facebook) daran bekunden.

    Zum „Erster Tag im Freizeitpark“ Video:
    Dass die Besucher, die vor Ort befragt wurden, ergo schon im Belantis waren die Idee, das Eröffnungsevent dort zu machen gut fanden ist nicht wirklich überraschend. Dass das Ziel 1992 allerdings die Akzeptanz der Szene in der Gesellschaft gewesen sein soll wäre mir neu.

    Zu den Besucherzahlen:
    Ich hatte das Gefühl die Stadt sei insgesamt weniger schwarz, was aber vermutlich vor allem dem Wetter zuzuschreiben ist. Allerdings ist mir aufgefallen, dass auch die frühen Konzerte nur 17 oder auch schon um 16 Uhr sehr gut besucht waren, etwas das ich von früheren WGTs anderes in Erinnerung hatte. Von Einlassstops habe ich glücklicherweise nur gehört bzw. einige beeindruckend lange Schlangen beobachtet.

  5. Hallo Robert, zunächst mal: ein schöner Blog, den ich gern verfolge! Auf dem WGT berichteten übrigens ein älterer Herr, der seit ein paar Jahren aus Minden anreist und die Szene erst neu entdeckt hat, und ein jüngerer Metaller recht begeistert von der Eröffnung in Belantis (ein Freund des Metallers ist dort zum ersten Mal mit der Achterbahn gefahren:). Ich selbst war nicht auf der Eröffnungsfeier, weil mich die lange Schlange vor dem Bustransfer auf der Agra abgeschreckt hat. Aber warum ich eigentlich schreibe: Gern würde ich wissen, welche Erkenntnisse denn die Veranstaltung „Entkommerzialisierung der Gothic Szene“ gebracht hat, gab es da eine rege Diskussion? Wird das irgendwie weiterverfolgt? Viele Grüße von einer Leipzigerin!

  6. @Tialda: Das sollte dieser Pressespiegel nicht aussagen. Das WGT ist immer noch ein großartiges bis ziemlich tolles Event, das es in dieser Form einzigartig macht. Daran ändert auch die Sichtweise der Medien nichts. Sollen sie doch schreiende „Gruftis“ auf der Achterbahn beobachten, mir ist das eigentlich ziemlich egal. Ich habe wieder einmal gesehen, dass viel mehr stattfindet und passiert, als dargestellt wird und genau das macht es doch auch aus, oder? Du musst nicht in die Innenstadt oder zur Moritzbastei, diese Orte kann man ganz prima meiden.

    @((tim)): Ich wollte damit zum Ausdruck bringen, dass MDR und LVZ eine Menge über das WGT berichtet haben ohne direkt auf die Qualität der einzelnen Beiträge einzugehen, denn die Wahrnehmung ist meiner Ansicht nach subjektiv. So fand ich das Angebot vom MDR tatsächlich ziemlich gelungen bis großartig, während die LVZ mit Leuten beschäftigt hat, die ich nicht zur Szene zählen würde. Ich gebe zu, dass ich da etwas verschwurbelt geschrieben habe.

    @Marcus: Wie bereits erwähnt, sehe ich das ganz genauso. Andere Artikel, die im Laufe der nächsten Zeit erscheinen, sollen genau das auch zeigen. Die Presseschau ist lediglich eine Presseschau, nichts weiter.

    @Levi: Eine Akzeptanz in der Gesellschaft war den Gründern des WGT eigentlich völlig egal. Die wollte sich treffen, Musik hören und feiern. Erst als das Treffen immer weiter gewachsen ist und die Zusammenarbeit mit der Stadt und seinen Bürgern unausweichlich erschien, hat man um Akzeptanz gebuhlt, einfach, um das Treffen in dieser Form stattfinden zu lassen. Hat ja auch geklappt, wie man sieht. Vielleicht sollte man an der Stelle wieder ein wenig zurück zu den Wurzeln ;) Ich bin mir sogar fast sicher, dass es eine zweite Auflage des Buches geben wird, allein schon um der Verlängerung bis Juli gerecht zu werden und alle Interessierten zu bedienen. Es ist eben ein gutes Buch ;)

    @Mokey: Zu der Diskussion „Entkommerzialisierung der Gothic Szene“ kann ich leider nichts sagen, ich habe daran nicht teilgenommen. Ehrlich gesagt halte ich davon auch nichts. Fakt ist, ohne Kommerzialisierung kein Treffen in dieser Form. Es geht um Einnahmen, Ausgaben und Bilanzen, ohne ein Bewusstsein dafür enden wir im nächsten Chaos WGT. Ich für meinen Teil habe auch nichts dagegen, dass mit der Szene Geld verdient wird, diesen Bereich kannst du einfach nicht für Dich zurückgewinnen. Wo ein Markt ist, gibt es ein Angebot. 25.000 Gruftis zu erklären, ihr dürft nichts davon kaufen, weil es kommerziell ist, fruchtet nicht. Ich glaube jedoch, wir könnten uns einfach wieder ein bisschen mehr einigeln und manche Angebote einfach nicht nutzen. Doch das ist das Problem. Du hast keine homogene Masse mehr, sondern Individualisten die das Recht haben wollen, Belantis gut zu finden, die sich ihr Outfit zusammenkaufen möchten und die schwarzen Ketchup auf ihre Pommes haben wollen. Rausschmeißen? Die Lösung ist wohl eine Szene in der Szene :)

  7. Eine Akzeptanz in der Gesellschaft war den Gründern des WGT eigentlich völlig egal.

    In einem 2011 geführten Interview hat uns Michael Brunner aber genau das berichtet. Man wollte sich nicht mehr verstecken. Ziel war es unter anderem, die große Ablehnung durch die Gesellschaft zu bekämpfen. In Anbetracht der Anfeindungen, die Gruftis Anfang der 1990er-Jahre teilweise ausgesetzt waren, durchaus ein nachvollziehbarer Wunsch.

  8. @Marcus: Tatsächlich? Nun, vielleicht meinte Brunner auch eher Toleranz, ich bin mir unsicher in wie weit die Begriffsdefinitionen hier greifen. Akzeptanz, dass man sich trifft, ja – doch darüber hinaus? Ich denke es ging, wie du sagst, um die Anfeindungen Anfang der 90er durch Neonazis und sonstige intolerante Gruppierungen. Nicht um eine allumfassende Akzeptanz der Andersartigkeit, oder?

  9. Erst einmal vielen Dank an Tim für den schönen Artikel. Das trifft es eigentlich ziemlich gut – es hat sich in der Sicht von außen im Wesentlichen geändert, dass man kein satanistischer Katzen- und Kinderfresser mehr ist, sondern der nette schwarze Karnevalist von nebenan. Und da das sympathisch ist, machen viele mit. Aber das hat glücklicherweise so wenig mit der Wirklichkeit zu tun wie vorher schon.

    Darum kann ich auch über solche Berichte nur schmunzeln. Glaubt ihr Uninitiierten ruhig, dass das, was ihr da schreibt, ein gutes Bild von der Szene ist. Zeigt das doch nur, dass es nicht jeder versteht, und das ist selbstverständlich eine positive Eigenschaft. Man sollte sich davon aber wirklich nicht abschrecken lassen. Das WGT bietet noch genügend Freiraum für diejenigen, die sich dem ganzen Quatsch nicht widmen wollen. An denen man die Verkleidungskünstler sowieso nicht sieht.

    Allerdings fällt die Eröffnungsveranstaltung bei mir ehrlich gesagt unter die Kategorie „So blöd, dass es wieder gut ist“, wie Tim auch jemanden in seinem Artikel zitiert hat. Wäre ich schon Donnerstag angereist, ich hätte wohl vorbeigeschaut.

    Ich bestätige auch eher das Gefühl, dass mehr los war, insbesondere bei den Konzerten. Dass die auch früh voll waren, liegt aber mMn auch daran, dass durchaus bekanntere Bands (Triarii, Dornenreich, Backworld) früher als weniger bekannte spielten.

    Und das Argument der Entkommerzialisierung finde ich gerade, was das WGT angeht, einfach nur albern. Die Karte ist immer noch günstig und vor allem gibt es keine unsäglichen Sponsorings auf Karte, Bändchen oder neben den Bühnen. Das hat man auch nicht mehr so oft.

    Nachtrag: In der gedruckten Version der LVZ war die letzten Jahre häufig ein Artikel von Alexander Nym, dem man angemerkt hat, dass er weiß, wovon er schreibt. Anscheinend werden aber lieber blöde Klickstrecken als so etwas online gestellt.

  10. In der Agra wurden wir beim Schlendern von einer Dame angequatscht, die eine Firma vertrat, die schwarze Creme und Zahnpasta anbietet. Man könnte es auch gleich an mobilem Spiegel und Waschbecken vor Ort ausprobieren, meinte sie. Wir lehnten höflich ab und gingen unserer Wege. Ich fragte meine Begleitung hinterher, ob ich noch hätte sagen sollen, wie sinnlos ich derlei finde. Sie meinte, es würde eh nix bringen, solange sich genügend andere „Begeisterungsfähige“ fänden. Ich gab ihr Recht.

  11. Nachdem ich die Berichterstattung gesehen habe hat es mich zunächst gefreut, dass sowohl die Kommentare von Passanten sowie auch die Kommentare der Kommentatoren sich bemühen die Szene nicht negativ abzuurteilen. Wie das urteil und die Darstellung zu der sie dann kommen gefällt ist eine andere Sache.
    Dennoch hab ich das Gefühl, das das Bild das sie zeichnen, so oberflächlich es auch meist bleibt viele facetten der szene dann eben doch ganz gut trifft. Denn egal zu welchem Szene treffen man geht ein großer teil gefällt sich einfach gerne selbst in schwarz. Auch wenn die Musik die einem gefällt dann schlussendlich ziemlich gleich klingt wie das Radiogedudel mit einer etwas tieferen stimme oder ein bisschen dramatischeren texten.
    Früher hat mich das oft sehr gestört, da zu den besten Zeiten in den meisten Clubs oder auf den meisten Partys dann halt doch schwarz angemalter Mainstream lief und die Mehrheit auch in jeden anderen Club der Stadt gepasst hätte. Andererseits, denke ich dass gerade diese masse, die schwarzen Ketchup kaufen möchte die Szene für die Mehrheit akzeptabel macht und die Bilanzen der Clubbesitzer dazu bewegt den Club weiter laufen lassen zu können. Gerade dieser Kommerz macht die Szene populär und akzeptabel das ganze Szenesterben wird gerade dadurch verhindert dass sie manchmal leider ziemlich ausgehöhlt wird. Aber ohne diese Aushöhlung wäre sie inzwischen vermutlich viel deutlicher gestorben und das Wgt sowie viele Clubs in denen zur zeit auch sehr viel gut Musik läuft und auch sonst immer mal wieder gute Musik lief würden vermutlich nicht mehr existieren.
    Zudem freue ich mich sehr darüber, dass man sich durch diese „der sympathische Karnevalsgrufti von nebenan“ Mentalität inzwischen selbst in den Dörfern in baden Württemberg oder Bayern ohne angst und mit deutlich weniger Verachtung schwarz (in jeder form) anziehen kann.
    Daher bin ich mit der Berichterstattung eigentlich sehr zufrieden besonders mit dem blick auf die ersten berichte bei denen ganz klar von satanischen ritualen etc. die Rede war.
    OK ich hab die Szene jetzt etwas auf Musik und kommerzielle Treffpunkte reduziert aber auch fernab von Bilanzen ermöglicht es einem bei einer 30 köpfigen schwarzen Gruppe die sich stets am selben fleck trifft dann doch noch einfacher einige mit den selben Ideen, den selben ästhetischen Vorlieben und einem ähnlichen Musikgeschmack zu treffen als gäbe es nur die 5 oder vlt. auch 15 die zwar besser passen aber von denen dann halt doch niemand grade da ist wenn man vorbei läuft.

  12. Meine Sicht deckt sich mit der Mehrheitsmeinung hier. Auch wenn (oder gerade weil) mein erlebtes WGT sich mit dem in der Presse (durchaus positiv) dargestellten WGT nicht deckt, ist es für mich jedes Jahr eine Reise wert. Ohne die kommerzielle Blase drumrum, gäbe es auch die kleinere Blase im Kern nicht. Pfingsten in Leipzig kann ich erscheinen, und vom riesigen Angebot die für mich passenden Dinge herauspicken. Das ist einmalig und wie ich finde auch das Erfolgsrezept. WGT ist nicht einfach da um konsumiert zu werden (aber auch das ist möglich), sondern es ist so, wie jeder Einzelne es sich macht.

    Nichtsdestotrotz interessiert es mich, was bei der Podiumsdiskussion „Entkommerzialisierung“ für Sichtweisen besprochen wurden. Ich wollte eigentlich hin, hab es dann aber doch nicht geschafft. Vllt. findet sich ja hier noch jmd., der dabei war und berichten mag.

    Allerdings finde ich, ist auch hier jeder frei, sich selbst zu entkommerzialisieren. Es ist wie überall. Du kannst niemanden ändern, außer dich selbst.

    Noch ein Wort zum Belantis…
    Ich hatte das Glück, dank persönlichem Shuttle, das Abendteuer Belantis zu erleben. Für mich war das Flair des WGT auch dort umgesetzt. Jeder wie er will, was er will, wieviel er will. Es gab Möglichkeiten sich zu treffen und sich zu unterhalten. Musikalisch wurden die breit gefächerten Geschmäcker bedient und wer wollte, konnte die Fahrgeschäfte nutzen. Positiv auffällig fand ich, dass die Selbstdarsteller fehlten. Schwarz, authentisch und praktisch war dominant. Das fand ich sehr sympathisch…

  13. Was die Entkommerzialisierungsdiskussion betrifft, melde ich auch großes Interesse an. Wenn es da jemanden gibt, der das Ganze mitgehört hat, oder gar aufgenommen, und mit uns teilen könnte, hätte der Mensch sich einen grooooßen Keks verdient ^^.

  14. @Irmin:

    Und das Argument der Entkommerzialisierung finde ich gerade, was das WGT angeht, einfach nur albern. Die Karte ist immer noch günstig und vor allem gibt es keine unsäglichen Sponsorings auf Karte, Bändchen oder neben den Bühnen. Das hat man auch nicht mehr so oft.

    Ja, so ist es. Es wäre einfach blauäugig das eine zu wollen ohne das andere zu akzeptieren. Kommerzialisierung ist auch untrennbar mit Konsum verbunden und solange die meisten Festivalbesucher nur konsumieren wollen, bleibt auch die Kommerzialisierung nicht aus.

    @Gruftfrosch: Die „bunten“ Schafe wirst du nie los. Kein WGT in absoluter Schwärze, Tiefgründigkeit und kommerzfreier Patchouli-Blase. Daher gebe ich Deiner Begleitung ebenfalls recht. Es bringt nichts, egal wie elitär du Dich gibst ;)

    @Phil:

    die Szene für die Mehrheit akzeptabel macht und die Bilanzen der Clubbesitzer dazu bewegt den Club weiter laufen lassen zu können

    Auch das stimmt, leider nur bedingt. Langfristig ist dieses Konzept zum Aussterben verurteilt. Die Mehrheit kommt, wegen der Minderheit und ihrer Musik. Überwiegt die Mehrheit, sucht sich die Minderheit andere Rückzugsorte. Die Mehrheit wird immer intensiver bedient und bleibt irgendwann aus, weil die prägende Minderheit wegbleibt. Ich hoffe, man konnte mir folgen.

    Stirbt die Szene sonst? Ich glaube nicht. Sie schrumpft möglicherweise drastisch was zur Folge haben wird, dass auch die großen Festivals ihr Programm überdenken müssen (wie es da Mera Luna bereits schon macht). Am Ende: Einige wenige gute Parties, die Gruftis über weite Entfernungen anlocken, ein kleiner verschworener Kreis von Leute die selbst was auf die Beine in Feten-Atmosphäre auf die Beine stellen und Festivals, auf denen vielleicht 4 von 50 Bands gut sind. Wie früher :D

    @strangeplant, Svartur Nott: Die Podiumsdiskussion können wir uns sparen. Ich bin gerade sehr angeregt, in den nächsten Tagen einen Artikel zu verfassen, da machen wir dann unsere eigene Diskussion ;)

  15. Ich war nicht auf dem WGT, melde mich aber mal trotzdem zu Wort.

    Eine Entkommerzialisierung wird vermutlich niemals stattfinden, denn es gibt immer Augaben für ein Festival im Vorfeld, die ja dann wieder eingenommen werden müssen, wenn der Veranstalter keine roten Zahlen schreiben will. Ansonsten sind wir, wie Robert schon richtig sagte, beim Chaos-WGT Nr. 2.
    Die verschiedenen Dokus zeigen nun einmal den Schnitt durch die Oberfläche der heutigen schwarzen Szene, Tim Hoffmans Artikel ist ein schöner Kontrast dazu. Wer wirklich Herzblut in die Szene und sein eigenes Schwarzsein steckt,über Verkleiden und „Jemand-anderes-sein-wollen“ hinauswächst, wird möglicherweise in die Tiefe tauchen und eines Tages sagen können: „Ja, ich bin schwarz. Es ist sowohl mein Lebensstil als auch meine Lebenseinstellung.“

  16. Ich halte nicht viel von einer Diskussion ums Szenesterben. Ich bin seit längerer Zeit „schwarz“ und denke, dass mich dies mit den meisten die hier mitlesen verbindet. Die Existenz einer schwarzen Szene hingegen halte ich für ein Definitionsproblem: Was der einzelne unter „schwarz“ und „Szene“ versteht unterscheidet sich doch in großem Maße. Ich beobachte dies bereits im engen Bekanntenkreis, während sie für mich „alive and well“ ist sprechen andere vom sterben der Szene und wieder andere davon, dass es für sie nie ein Szene gab. Und wie soll solch ein Konstrukt auch sterben? Das denkbare ist auch und immer wirklich; so lange es Menschen gibt, so lange gibt und gab es auch ihr „schwarzes“ Ebenbild.
    Vielleicht hat der Benecke recht, der sagt, „schwarz“ ist der, der das „Schwarze“ sehen kann, denn für „normale“ bleibt es unsichtbar.

    Die Eröffnungsveranstaltung im Belantis-Park empfand ich als interessante Idee: Das „einschwärzen“ einer Hochburg der Konsum- und Spaßgesellschaft hatte etwas postapokalyptisches und etwas subversives an sich – gelingen konnte es jedoch nur aufgrund der großen Zahl der Teilnehmer. Das Besondere der Atmosphäre des Treffens wirkte hier und verwandelte den Park in etwas surreal anderes, wie meine Begeleitung sagte, die Aura eines Ortes entsteht nicht nur durch den Ort und die ihm innewohnenden Energien allein, sondern durch den gemeinsamen Seelenzustand, den Gleichklang der Seelen, der Atmosphäre/Ausstrahlung/Aura formt bzw. zum Ausdruck bringt. So war es für mich auch und wieder eine metaphysische Erfahrung, die eine Welt des Alltags hinter sich zu bringen half und es ermöglichte wieder ins eigene Herz zu sehen. „Han ich geslâfen und enweiz es nit?“ war das Gefühl, dass dieser erste Abend in mir weckte. Ich denke auch Hofmann fasst dies in seinem Artikel gut zusammen: „Der Park war schlicht erfüllt von jenem gedämpften, seltsamen Treffen-Flair, dessen Faszination auch Leipzig seit Jahren verfallen ist und dessentwegen die Stadt dem WGT letztlich auch ihren Tourismus-Preis verlieh und eine Sonderschau im Stadtmuseum organisierte.“ Von Herzen zustimmen kann ich seiner Aussage, dass: „Natürlich … auch die Gothic-Szene stets Akzeptanz eingefordert [hat] – nie aber für ihre Werte, sondern nur für die Existenz dieses Raumes. In der (sicher auch unbewussten Einsicht), dass Toleranz nicht miteinander funktioniert, sondern nur nebeneinander. Deshalb berühren sich in Leipzig nur Oberflächen.“ Für Problematisch halte ich hingegen die Aussage „echten Gruftis“ kleideten sich „“normalschwarz““. Dies ist Humbug, ein jeder putzt sich zum Hochfeste heraus, wer echter Grufti ist und wer nicht, lässt sich am wenigsten an der dort getragenen Kleidung festmachen, weder meine selbstgenähten Klamotten noch die gekauften meiner Begleitung, weder mein aufwendiges „Geschmink“ noch ihr dezentes Kalkweiß bestimmen den einen oder anderen von uns zu „echten Gruftis“, im anglo-amerikanischen Raum spricht man hier von der „no true scotsman fallacy“. Was den oft bemängelten fehlenden Nachwuchs angeht – ja, es ist nicht mehr die Zeit in der junge Menschen in Schwärmen in die Szene strömen – aber erinnert euch zurück, wer von damals ist denn geblieben? Wer schreibt und liest noch heute des Nachts in kleinem Kreise Gedichte? Wer der Gefährten ist noch da? Ist es nicht vielmehr so, dass nicht der Nachwuchs mangelt, sondern dass nur noch wenige in unsere Mitte finden, diese aber eher die bleibenden sind? Und doch man lernt beständige „neue“ kennen, und das ist wohl eine der Essenzen des Pfingsttreffens. So das war es dann auch zu Hofmann, es soll keine Rezension werden.

    Noch eines zum Besucherrekord: Ja, 26.000 wurde gemeldet. Im Museum war dann von nur 20000 die Rede. 23000 ist daher ein neuer Rekord. Ich habe aber den Eindruck, dass bei den Zahlen verschiedene Methoden der Zählung vorliegen, verkaufte Karten, gezählte Besucher (manche Locations) also Bändchenlose und Bändchenträger entweder in einen Topf geworfen werden oder getrennt betrachtet, oder ominöse Hochrechnungen und Bauchgefühl kursieren.

    Pressestimmen: Es scheint sich nach nur wenigen Jahrzehnten eine Niveau einzupendeln, dass knapp über dem der bekannten Fischverpackung „Bild“ liegt. Grundsätzlich gut so, im wesentlichen aber erwartbar und eher uninteressant. Interessant hingegen, dass ich einen Artikel über Pressestimmen kommentiere und mich darüber ereifere, dass in diesem die Presse zur Stimme kommt. „Ich mag deine Logik“ wurde mir dazu schon mal gesagt – nehm‘ ich ;)

    Zu den Kommentaren:
    @Phil: „Früher hat mich das oft sehr gestört, da zu den besten Zeiten in den meisten Clubs oder auf den meisten Partys dann halt doch schwarz angemalter Mainstream lief und die Mehrheit auch in jeden anderen Club der Stadt gepasst hätte.“ Ich gebe zu, dass ich eher nicht so der Clubgeher bin, aber so schlimm war es doch noch nie. Ich für meinen Teil habe in Clubs – wenn ich denn mal hingehe immer interessante und nicht Mainstreamige, durchaus eckige und kantige Menschen getroffen. Zugegeben… wenn ich irgendwo hin gehe, dann sind es meist eher seltsame untergrundige Veranstaltungen… aber auch ich bin manchmal in Großclubs wie dem Shadow unterwegs. o.O
    @Irmin: „Glaubt ihr Uninitiierten ruhig, dass das, was ihr da schreibt, ein gutes Bild von der Szene ist.“ Es gibt einen Initiationsritus für Gruftis echt jetzt? Warum weis ich davon nichts? Und das wo ich schon in die seltsamsten Gemeinschaften initiiert wurde (z.B. katholische Krische o.O) ;)
    @Tialda: „Es kann sein, dass ich das einfach zu eng sehe, aber irgendwie wirkt das alles so, als würde das WGT von Jahr zu Jahr mehr zu einem “Dieses Jahr machen wir was Abgefahrenes – wir fahren zum WGT nach Leipzig” für ach-so-schrille Familien und Freundeskreise werden.“ Ja, siehst du. Bei der blauen Stunde hab ich von so etwas nichts gemerkt, im Gegenteil es war für meinen Geschmack und hier scheiden sich oft die Geister, wieder einmal enorm „gruftig“. Auch bei den Lesungen hatte ich den Eindruck, das wir unter uns waren. HeiDo war wie immer gemischt, aber das ist schlicht zu erwarten Agra habe ich wie jedes Jahr bis auf einmal „shoppen gehen“ (wo war eigentlich der Steinklang-Stand?) gemieden und kann daher keine Aussage darüber treffen. Schmerzlich vermisst (auch wie immer) meine geliebte Parkbühne und den „alten“ Volkspalast mit den geilen Séparée-Liegestühlen. Der Neue ist aber auch eine ordentliche und untersichige Location.

  17. @Marcus: Tatsächlich? Nun, vielleicht meinte Brunner auch eher Toleranz, ich bin mir unsicher in wie weit die Begriffsdefinitionen hier greifen. Akzeptanz, dass man sich trifft, ja – doch darüber hinaus? Ich denke es ging, wie du sagst, um die Anfeindungen Anfang der 90er durch Neonazis und sonstige intolerante Gruppierungen. Nicht um eine allumfassende Akzeptanz der Andersartigkeit, oder?

    Der komplette Artikel, der auf einem Interview mit Michael Brunner aus dem Jahr 2011 gründet und im selbigen Jahr im Pfingstgeflüstr erschienen ist, kann nun übrigens auch online nachgelesen werden:

    https://issuu.com/t-arts/docs/2005-2015/42

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