18 Juli

Amphi 2011 - Schwarzer Karneval in Köln

Kategorie: Veranstaltungen — Jahrgang: 201132 Kommentare

Die möchten nur spielenAls ich ein paar Bekann­ten davon erzählte, dass ich am ver­gan­ge­nen Wochen­ende zum Amphi 2011 nach Köln fah­ren werde, ent­lockte ich ihnen den zyni­schen Kom­men­tar: »Du fährst also zum dei­nem schwar­zen Kar­ne­val nach Köln!«  Ich war bestürzt, ent­rüs­tet und zur Gegen­ar­gu­men­ta­tion bereit. Ich holte tief Luft und bereite mich dar­auf vor, einen län­ge­ren Vor­trag dar­über zu hal­ten, was Klei­dung und Sty­ling für mich bedeu­ten, als ich einen Augen­blick inne hielt und nachdachte.

Hat­ten sie denn wirk­lich Unrecht? Wie viel Wahr­heit schlum­mert in die­ser unbe­dach­ten Bemer­kung über das Fes­ti­val in der Domstadt?

Mit guten Vor­sät­zen und einer opti­mis­ti­schen Grund­hal­tung machte ich mich also auf, mög­li­che Vor­ur­teile aus­zu­räu­men und das Kli­schee des schwar­zen Kar­ne­vals zu ent­kräf­ten. Das diese Mis­sion zum Schei­tern ver­ur­teilt sein sollte, ahnte ich zu die­sem Zeit­punkt noch nicht.

Als ich gemein­sam mit Sabrina am Tanz­brun­nen saß und die fla­nie­ren­den Besu­cher des Fes­ti­vals betrach­tete, stol­per­ten meine Gedan­ken in die Ver­gan­gen­heit. Unwei­ger­lich stellte sich mir die Frage, ob es frü­her mög­lich gewe­sen wäre, dass Leute im wei­ßen Lack-Krankenschwester-Kostüm, Leute mit Wikinger-Mützen aus Stoff, Leute mit Jeck-is-Jut-Shirts, Leute mit neon­far­be­nen Plas­tik­haa­ren, Leute mit Uni­for­men oder Leute mit Schul­ter­dra­chen und Spongebob-Sweatshirts in der Darkwave-Disko auf­ge­taucht wären.

Mit fort­schrei­ten­der Uhr­zeit und stei­gen­dem Alko­hol­pe­gel schloss sich die Frage an, ob es damals schon so war, dass Gruf­ties ihren Müll in die Blu­men­beete schmis­sen, laut gröh­lend die Songs ihrer Bands ver­ulk­ten oder völ­lig besof­fen die Trep­pen run­ter tor­kel­ten. Ist es schon immer so gewe­sen, dass Leute mit Camouflage-Hosen und nack­tem Ober­kör­per durch den Regen stol­zier­ten und leicht beklei­dete Mäd­chen mit Plas­tikrö­cken bar­fuß über den mit Müll über­sä­ten Boden stapften?

Am Sams­tag­abend stehe ich fas­sungs­los vor dem Staa­ten­haus unter mei­nem Regen­schirm und beob­achte die her­aus­strö­mende schwarz-bunte Masse, die sich quä­lend lang­sam bis über­ra­schend schnell die fla­chen Stu­fen her­un­ter wälzt. Ange­hei­terte Frauen, die nicht mehr auf hohen Absät­zen lau­fen kön­nen, schlei­chen vor­sich­tig die Trep­pen hin­un­ter, wäh­rend der Regen bunte Rinn­sale in die Gesich­ter zau­bert. Druck­be­tankte und komatös anmu­tende Män­ner, stol­pern mit den Armen rudernd und nahezu koor­di­na­ti­ons­los in atem­be­rau­ben­der Geschwin­dig­keit die Stu­fen her­un­ter, wäh­rend ich dar­auf bedacht bin nicht von ihnen umge­rannt zu werden.

Amphi 2011 - SonnenuntergangAm Sonn­tag Nach­mit­tag ver­rich­tete ich gerade meine Not­durft, als sich am freien Pis­soir neben mir ein Mitt-Zwanziger-Bondage-Gruftie auf­baut, sei­nen halb vol­len Bier­be­cher auf dem Rand des Beckens plat­ziert und sich mit einer Hand an den Flie­sen abstützt um nicht den Weg des Was­sers ver­fol­gen zu müs­sen — oder, plum­per gesagt, nicht mit dem Kopf in der Kera­mik zu lan­den. Nach­dem er fer­tig ist, nimmt er noch auf der Toi­lette einen kräf­ti­gen Schluck aus sei­nem Becher, um die Toi­lette dar­auf­hin unge­wa­schen, aber selbst­zu­frie­den zu verlassen.

Nein, ich glaube das war damals nicht so. Aber schon höre ich die Stim­men der­je­ni­gen, die mah­nend dar­auf hin­wei­sen, dass sich die Zei­ten ändern und dass man nicht in der Ver­gan­gen­heit leben sollte. Womög­lich unken die ers­ten bereits im Stil­len: »Ja, ja, frü­her war alles bes­ser…« oder ver­mu­ten, ich würde meine eigene Jugend beschö­ni­gen um mich nicht mit neuen »Trends« und Gepflo­gen­hei­ten beschäf­ti­gen zu müssen.

Ich meine, wen soll sich die schwarze Nach­wuchs­ge­meinde denn auch zum Vor­bild nehmen?

Die Band Funk­haus­gruppe (Video), die bei ihrem Auf­tritt Plastik-Konfetti (Alaaf!) in Publi­kum feu­ert? Oder den Ansa­ger Herrn Ben­ecke, der sich damit brüs­tet alle Namen der Welle:Erdball Band­mit­glie­der als Tat­too auf dem Arm tra­gen? Oder sind es viel­leicht die »Lau­ten« (Win­ter­kälte oder Ago­no­ize) die Inhalt unter das größ­ten­teils leuch­tende Publi­kum streuen?  Nach dem Auf­tritt stellte selbst ein sicht­lich ver­wirr­ter Sven Fried­rich fest: “Hier liegt über­all son bun­tes Zeug auf der Bühne”.  Es gibt ein­fach Dinge, da pflichte ich Herrn Fried­rich bei, die gehö­ren nicht auf eine anstän­dige schwarze Bühne. Bun­tes Kon­fetti, das aus pyro­tech­ni­schen Appa­ra­tu­ren ins Publi­kum schießt, gehört defi­ni­tiv dazu.

Sind wir es viel­leicht sel­ber schuld, in den unzäh­li­gen Musik­sti­len und Bands der letz­ten 20 Jah­ren genau die Fal­schen aus­ge­sucht zu haben?

Tobi, den ich eben­falls hier getrof­fen habe, stellte fest, das zahl­rei­che Foto­gra­fen die­ses »Pro­blem« ver­schär­fen, in dem sie genau denen eine Prä­sen­ta­ti­ons­platt­form bie­ten wür­den, die dar­auf aus sind, eine eben sol­che ein­zu­neh­men.  »Echte Gruf­ties las­sen sich nicht foto­gra­fie­ren!« stellte auch Mike, ein Freund von Sabrina, ent­setzt fest. Da wer­den 2 Men­schen in Bun­des­wehr­uni­for­men foto­gra­fiert, die als ein­zige Abwand­lung des ori­gi­na­len Zustands des oliv­grü­nen Out­fits ein auf­ge­sprüh­tes Zahn­rad auf dem Rücken tra­gen, wäh­rend sich gleich schräg dahin­ter die Lin­sen um eine in schwarze Latex-Hose gehüllte Oben-Ohne-Klebebandnippel BDSM Fürch­ter­lich­keit scha­ren und sich die ver­sam­melte Presse an der grö­len­den Bierbecher-Fraktion aus den Nie­der­lan­den labt. Man kann ver­ste­hen, wenn die Mainstream-Blätter sämt­li­che Gothic-Festivals mit »Schwar­zer Kar­ne­val« umschrei­ben und Bekannte das Wort leicht­fer­tig in den Mund nehmen.

Es liegt nicht in mei­ner Natur nur zu meckern, denn auch in den Irren und Wir­ren des Gothic-Karnevals gibt es dunkle Per­len. Leute, die sich wohl­mög­lich genau die glei­chen Fra­gen stel­len und Pyro­ef­fekte und Flam­men­wände sit­zend und mit einem Spiel auf dem Handy gepflegt igno­rie­ren. Es ist an denen die mehr wis­sen dafür zu sor­gen, dass das ein oder andere fehl­ge­lei­tete schwarze Schaf auf den rech­ten Pfad zurück zu füh­ren. Denn wie Chris­tian von Aster in sei­ner Lesung bereits las: »Für die, die Nichts taten, ist in der Hölle immer ein Platz reser­viert.«

Nach­trag: Das Amphi hat mir, das kam im Bei­trag viel­leicht nicht so wirk­lich zum tra­gen, gut gefal­len. Die Künst­ler, Bands und Auf­tritte, die ich sehen wollte, habe ich gese­hen und fand sie groß­ar­tig. Alles wei­tere dazu fin­det sich in der kul­tu­rel­len Betrach­tung des Fes­ti­vals »Amphi Fes­ti­val 2011 — Gothic Kar­ne­val mit Schat­ten­bli­cken« von Sabrina Kir­napci.

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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32 Kommentare

  1. Umso schö­ner ist es, Men­schen wie dich oder andere Blogger/Twitterer zu tref­fen, die mir »jun­gem Hüp­fer« von die­sem Frü­her erzäh­len. Ich hatte jetzt beim Amphi wun­der­bare Fes­ti­val­be­glei­tung, die mir bei Kon­zer­ten von den Krupps und Nit­zer Ebb von Auf­trit­ten erzähl­ten, die statt fan­den, als ich noch nicht mal in Pla­nung war. Das ist fas­zi­nie­rend, dass es auch nach 25 Jah­ren noch immer einer Band gelingt, die Men­schen so zu fas­zi­nie­ren. Ich hoffe, dass einige der »neuen« Bands das in zehn Jah­ren auch noch schaffen.

    Dein ver­wirr­tes Gesicht war grandios :)

  2. Hm… klingt ja nich so toll… Aber lei­der hast du recht — war am WGT eigetn­lich genauso wie du es hier übers Amphi schilderst.

  3. Danke. Diese Beschrei­bung trifft nicht nur auf sol­che Ver­an­stal­tun­gen zu. Lei­der– aber Du sprichst mir aus der Seele… :/

  4. Ich kann Dei­nen Aus­füh­run­gen mühe­los fol­gen, weil ich vor zwei Jah­ren sel­ber auf dem Amphi war und es genau so schlimm emp­fun­den habe.
    Auf dem WGT finde ich es erträg­li­cher, weil sich das Publi­kum doch sehr auf­split­tet. Wenn man dort abends auf eine Batcave/Goth-Rock-Party geht, trifft man eben noch Leute in Schwarz mit Iro, Vogel­nest, Pikes und Netz­strumpf­hose und so gut wie keine Neon­lich­ter und Mit­tel­al­ter­pro­le­ten.
    Du sprichst außer­dem ein inter­es­san­tes und wich­ti­ges Fak­tum an: In der Tat fokus­siert sich die öffent­li­che Wahr­neh­mung gerade auf diese pein­li­chen Gestal­ten, die mit der Goth­szene oft gar nichts mehr zu tun haben. Auf diese Weise poten­zie­ren sich in der Szene Arche­ty­pen wie die blut­ver­schmierte Braut oder der neon­grüne Cyber­kas­per, sogar Leute in Tier­kos­tü­men tau­chen auf und alle den­ken: das ist also Goth … aha …
    Sogar die ver­meint­li­chen Sze­ne­ma­ga­zine betä­ti­gen sich als Mul­ti­pli­ka­to­ren sol­cher Moden. In der Bei­lage im Zillo zum WGT befin­det sich zum Bei­spiel kaum ein Bild, auf dem ich einen Grufti sehe. Statt des­sen wer­den Steam­punks, Cyber, blut­ver­schmierte Gestal­ten und Drag­queens abge­bil­det. Nichts gegen diese Leute, vor allem die Steam­punks sehen ver­gleichs­weise toll aus. Aber was hat das alles noch mit Goth zu tun????
    (Viel­leicht ist das Thema Szene-Mode auch mal ein schö­nes Thema für den Gothic-Friday?!)

  5. Ach, du sprichst mir rich­tig aus der Seele! :)
    Genau wegen den von dir beschrie­be­nen Zustän­den habe ich noch nie einen Fuß aufs Amphi-Festival gesetzt und habs auch wei­ter­hin nicht vor. Ähnlich schlimm finde ich das M´era Luna, das ja eigent­lich noch nicht mal eine halbe Stunde von mir ent­fernt liegt. Wenn ich schon allein bei den Bil­dern sehe, wer da jedes Jahr hin­fährt (das für mei­nen Geschmack miese Line-Up lasse ich mal außen vor), dann kommt mir eigent­lich nur eins in den Sinn:
    Fremd­schä­men!
    Und dann noch mei­nem Papa erklä­ren, der der Szene recht auf­ge­schlos­sen gegen­über steht, dass blut­ver­schmierte »Zombie-bräute«, neon­grüne Cyber, Leute in Tier­kos­tü­men nichts mit Gothic zu tun haben…da würd ich am liebs­ten sagen »Ach scheiß drauf, kein Bock mehr dar­auf Grufti zu sein, wenn man mit sowas in einen Topf gewor­fen wird»
    Und den­noch mach ichs nicht– viel­leicht weils für mich kein Kar­ne­val ist, weil ich viel Herz­blut da rein­ste­cke und immer noch Men­schen treffe die meine Mei­nung und Ansich­ten teilen.

    Und wenn Leute sich mit Kunst­blut besu­deln, BW-Uniformen tra­gen, als Steam­pun­ker rum­ren­nen, sich neon­far­bene Fahr­rad­schläu­che in die Haare bas­teln, sich Plüsch­dra­chen auf die Schul­ter pap­pen usw. dann mag das viel­leicht krea­tiv sein– aber es hat für mich nichts mit Gothic zu tun.

    PS: Was den Alko­hol­kon­sum in frü­he­ren Zei­ten betrifft, da weiß ich von Urge­stei­nen hier aus Han­no­ver dass das nicht unbe­dingt weni­ger war :D da wurde auch viel gebechert.

  6. Ich wusste ja tief im Inne­ren schon irgend­wie, dass ich nichts verpasse…

  7. Jawoll! Lei­der. Nach mei­nem 1. Besuch beim AMPHI letz­tes Jahr war ich genauso ernüch­tert, auch wenn ich schon über vie­les hin­weg­sehe und tole­riere. Aber dort ist ein­fach die geballte Ladung und man kann nicht weg — wie das beim WGT mög­lich ist. Mir waren das zu viele »Wee­ken­ders« und was mir auch nicht gefal­len hat war die eine After­show­party, die es da nur gibt. Da wird man 23 Uhr in die­sen Circus-Rundling gesperrt und muss(te) Ronan Har­ris beim Auf­le­gen zuhö­ren. Das war nur mit lie­ben Freun­den im Vor­raum und ja, nur mit Alko­hol zu ertra­gen. Es ist halt alles sehr ein­ge­schränkt auf eine bestimmte Form von Gothic-Festival, die ich jetzt nicht so prä­fe­riere. Da geht es auf dem Mera Luna dann doch irgend­wie noch »ehr­li­cher« zu, falls jemand weiß was ich meine. Mit dem WGT kann man das AMPHI gar nicht ver­glei­chen — dazwi­schen lie­gen aus mei­ner Sicht Wel­ten. Würde nur wie­der hin­ge­hen, wenn eine mei­ner Ham­mer­lieb­lings­bands spie­len würde. Das war die­ses Jahr aber nicht der Fall. Und dafür ist es eigent­lich auch »gut«: das AMPHI zieht als eines der gro­ßen Electro-Festivals eben doch auch mal die eine oder andere Band in die Nähe, die sonst vllt. eher nicht hier spie­len würde.

  8. Trau­rig, aber wahr.
    Der Bei­trag hätte auch zu 100% dem WGT gel­ten kön­nen.
    Ja, auf dem WGT kann man flüch­ten. Aber die Orte an denen man ver­nünf­tige Gothen fin­det wer­den von Jahr zu Jahr weni­ger. Beson­ders schwie­rig wird es, wenn sich der eigene Musik­ge­schmack nicht mit dem Men­schen­ge­schmack ver­ei­nen lässt. Ich werde mir wohl im nächs­ten Jahr die Kon­zerte nach dem Publi­kum und nicht nach den Bands aus­su­chen müs­sen um ein schö­nes WGT zu erleben.

    Was ich aller­dings kri­ti­sie­ren muss: Deine Beschrei­bung der »Nicht-Gothen« ist doch recht ober­fläch­lich. Du hast damit zwar nicht unrecht. Aber sol­che Gestal­ten gab es vor 10+ Jah­ren auch schon. … nur mit den Unter­schied, dass es damals im Cha­rak­ter noch Gothen waren und nicht — wie heute — besof­fene Karneval-Clowns. Es gibt genauso „nor­mal” schwarz Geklei­dete die sich auf­füh­ren wie o.g. Clowns. Wir hat­ten gefühlte 200 davon um unse­ren Zeltplatz. :-(

  9. Ich denke, dass man sich davon ver­ab­schie­den muss, die gro­ßen Fes­ti­vals als Zusam­men­künfte der Szene zu betrach­ten. Die jewei­li­gen Line-ups locken Men­schen aus diver­sen (alter­na­ti­ven?) Sze­nen an. Fei­er­volk, das auch auf kom­plett szen­e­fremde Fes­ti­vals geht.

    Vor eini­gen Jah­ren war ich das letzte Mal beim M’era Luna in Hil­des­heim. Ich habe die Besu­che die­ses Fes­ti­vals (Ende der 90er noch als Zillo-Festival titu­liert) immer sehr genos­sen. Immer? Nun gut, bei den letz­ten Besu­chen haben die nega­ti­ven Ein­drü­cke lei­der deut­lich zuge­nom­men. Zu oft fühlte ich mich an Fasching und Bal­ler­mann erin­nert. Ok, es bleibt ja jedem selbst über­las­sen, wie er fei­ern möchte, aber ich habe meine Gründe, warum ich mei­nen Urlaub nicht auf Mal­lorca ver­bringe und Kar­ne­vals­ver­an­stal­tun­gen meide. Wenn ich dann auf dem Zelt­platz eines Fes­ti­vals mit Schla­ger beschallt werde, mir Men­schen in Kos­tü­men ent­ge­gen­kom­men oder Besu­cher mit lan­gen Stroh­hal­men um einen Eimer sit­zen, fühle ich mich so gar nicht wohl. Dann macht ein Besuch sol­che eines Fes­ti­vals auch kei­nen Sinn mehr. Ist die Szene in der Mitte der Spaß­ge­sell­schaft ange­kom­men? Nun ja, die Frage lässt sich nicht ein­deu­tig beant­wor­ten. Hier kommt es wohl dar­auf an, wie man die Szene definiert.

    Ich war immer ein lei­den­schaft­li­cher Fes­ti­val­gän­ger. Lange habe ich mit mir gerun­gen. Soll ich das Amphi besu­chen? Aber auch hier haben die nega­ti­ven Ein­drü­cke des letz­ten Jah­res die Ober­hand behal­ten. Plötz­lich inmit­ten einer neon­bun­ten Tanz­for­ma­tion zu ste­hen, hat mich doch ziem­lich scho­ckiert und gezeich­net. Ebenso die After­show­party, die genauso hätte auch bei der Love­pa­rade oder einer ande­ren Tech­no­ver­an­stal­tung statt­fin­den kön­nen. Der Umstand, dass mir das Ganze ein­fach zu voll war, tat sein Übri­ges, um mich in die­sem Jahr gegen einen Besuch des Amphis zu entscheiden.

  10. Wenn ich das alles so lese stelle ich hier mit offi­zi­ell die Frage, wer ein klei­nes Fes­ti­val kennt, bei dem man allein­schon den mus­ki­ali­schen Geschmack der Leute trifft, die kein Inter­esse an »Utz-Utz-Utz-Fick-Mich-Utz-Utz-Utz« haben. :>

  11. @GatheredPain: Bzgl. WGT kann ich Dir nicht ganz bei­pflich­ten. Meine – natür­lich sub­jek­ti­ven – Ein­drü­cke fal­len anders aus. Es gibt doch einige „Rück­zugs­orte“, die sich so teil­weise auch erst in den letz­ten Jah­ren „gebil­det“ haben. Fel­sen­kel­ler und die When-We-Were-Young-Partys bei­spiels­weise haben etwas ursprüng­li­ches. Ebenso war es bei Lesun­gen oder im Pan­theon ange­nehm „schwarz“.

    @ASRianerin: Das Noc­turnal Cul­ture Night Fes­ti­val in Deut­zen kommt zwar auch nicht kom­plett ohne schwarze Tech­no­bands aus, über die ich aber getrost weg­sehe und mich den inter­es­san­ten Künst­lern wie DAF, Kir­lian Camera, Mer­ci­ful Nuns, 32Crash, No More, Whi­s­pers In The Shadow oder Ordo Rosa­rius Equi­li­brio widme. Doch das wich­tigste ist hier die Atmo­sphäre: ent­spannt und unauf­ge­regt. Ohne Faschings­kos­tüme und Neon­far­ben (zumin­dest bisher).

    @gendalus: Natür­lich hast Du recht, dass man ein Buch nicht nach sei­nem Ein­band beur­tei­len sollte. Doch gestal­tet das Äußere nicht die all­ge­meine Atmo­sphäre zu einem gro­ßen Teil mit? Und war die „schwarze Szene“ nicht ein­mal als ein Gegen­pol zur schrill-bunten Spaß­ge­sell­schaft zu ver­ste­hen? Ich möchte nie­man­dem sein Recht auf schrill-bunte Auf­tritte abspre­chen. Jeder soll über sich und seine Hand­lungs­weise frei ent­schei­den. Es sollte aber auch im Bereich des Mög­li­chen lie­gen, Auf­tre­ten und Hand­lungs­weise ande­rer zu kri­ti­sie­ren und sein Unwohl­sein zum Aus­druck zu brin­gen. Was ich hier­mit mache. Ich fühle mich ein­fach zwi­schen Neon­far­ben etc. ein­fach nicht so rich­tig wohl, spie­gelt es doch die „unge­liebte“ Spaß­ge­sell­schaft wider…

  12. Ich denke durch das Aus­se­hen der Cybers etc., der Musik die heute Techno ist und nur als EBM oder Indus­trial feh­le­ti­ket­tiert ist und die Tat­sa­che, dass man wahr­nimmt (und hier­bei möchte ich dar­auf hin­deu­ten, dass die Wahr­neh­mung durch indi­vi­du­elle und soziale Fak­to­ren beein­flusst wird, wes­halb ich bewusst das Wort »wahr­neh­men« gewählt habe), dass es diese Leute sind, die sich wie Bal­ler­mann­pro­le­ten auf­füh­ren, fühlt man sich als Gru­fite ein­fach am fal­schen Platz und, auf gut Deutsch gesagt, auch irgend­wie ver­arscht.
    Das sind ein­fach Bil­der die man von einem sol­chen Fes­ti­val nicht erwar­tet und die dem gan­zen ein­fach die Atmo­sphäre nehmen.

    Diese Aus­sa­gen bzgl. des Äuße­ren der ande­ren sind ein schma­ler Grat.
    Einer­seits ist man sich durch­aus bewusst, dass das nicht alles ist und dass die Innere Hal­tung zählt, doch ande­rer­seits gehört für viele eine gewisse Ästhe­tik eben dazu, die eigent­lich weit weg von Neon­far­ben und ent­blöß­ten Brüs­ten ist. Und wie bereits erwähnt, viele machen dann die Erfah­rung, dass sich Men­schen mit die­sen Äußer­lich­kei­ten grobe Fehl­tritte erlau­ben. Natür­lich ist das ledig­lich die All­tags­theo­rie eines jeden Ein­zel­nen, aber ich muss ganz ehr­lich sagen, ich ertappe mich auch oft dabei, wie ich mir gedank­lich die Frage stelle, ob da nicht wirk­lich irgend­wie ein Zusam­men­hang besteht…

  13. Hi,

    also ich finde einige Sachen in dem Pos­ting bemer­kens­wert. Bei eini­gen Sachen kann ich gut mit­ge­hen. Ich habe auch ein ziem­li­ches Pro­blem mit den Leu­ten, die sich auf dem Fes­ti­val zusau­fen und dann ohne Rück­sicht auf andere dort ein­fach die Sau raus­las­sen. Wir hat­ten sol­che Leute zum Bei­spiel, als wir zur Warm-Up-Party gelau­fen sind und in der Schlange stan­den. Die woll­ten ein­fach mal vor allen ande­ren rein, waren empört, dass sie auch wie alle ande­ren Schlan­ge­ste­hen müs­sen… Lei­der zel­te­ten die auch noch zwei Zelte wei­ter… Gerade der gegen­sei­tige Respekt vor­ein­an­der in der Szene ist da ein­fach mal abhan­den gekom­men. Und das gibt es dann auch immer wie­der in der Besu­cher­In­nen­menge vor den Büh­nen. Drän­geln, ohne Rück­sicht auf Ver­luste, tor­kelnde Typen, die zwei Meter zu bei­den Sei­ten brau­chen um über­haupt vor­wärts zu kom­men usw.

    Was ich aber weni­ger ver­ste­hen kann, ist diese Abnei­gung gegen die Leute die hier auf­grund ihres Aus­se­hens als andere hin­ge­stellt wer­den. Die Gothic Szene ist eine mitt­ler­weile große Szene gewor­den, die sich aus­dif­fe­ren­ziert hat und dabei ver­schie­dene Stil­rich­tun­gen ent­wi­ckelt hat, nicht nur was Musik angeht, son­dern auch Klei­dung usw. Und an sich habe ich damit auch wenig Pro­bleme. Ich mag für mei­nen Teil mag keine Mit­tel­al­ter­mu­sik und mir liegt diese ganze Mit­tel­alt­er­fas­zi­na­tion ziem­lich fern. Aber ich kann mich damit arran­gie­ren. Ich würde auch nie Cyber­kla­mot­ten anzie­hen, aber habe kein Pro­blem damit, wenn Leute mit Cyber­lo­cken durch die Gegend lau­fen und ihre Cyber­tänze auf­füh­ren. Ich habe kein Pro­blem mit den EBM-Menschen… (Das ein­zige Pro­blem was ich habe sind die Men­schen in Uni­form, die mei­nen die SS wie­der auf­füh­ren zu müs­sen) Warum ich damit keine Pro­bleme habe ist ganz ein­fach, es sind abso­lute Ober­fläch­lich­kei­ten. Denn was heißt es denn bitte, wenn Men­schen in Cyber­lo­cken durch die Gegend lau­fen?? Nichts, außer, dass sie die­sen Stil mögen und viel­leicht, dass sie eine bestimmte Musik­rich­tung bevor­zu­gen. Nicht mehr und nicht weni­ger. Alles andere sind erst­mal ober­fläch­li­che Zuschrei­bun­gen. Und Leute auf­grund ihres Aus­se­hens zu ver­ur­tei­len war bestimmt nie eines der Ziele der »wah­ren Gothics«. Und das soll­ten die, die »mehr wis­sen« auch wissen.

    Ich finde die Frage müsste sich stel­len, ob es nicht eher das Ver­hal­ten bestimm­ter Leute ist, was nicht in die Szene passt; oder bes­ser, was wir in der Szene nicht wol­len. So die homo­pho­ben Kom­men­tare von HONEY oder die frau­en­feind­li­chen Sprü­che von Ben­ecke… Das sind Pro­bleme die für die Szene wich­ti­ger sein soll­ten, als über das Aus­se­hen bestimm­ter Leute her­zu­zie­hen… Denn schluss­end­lich kommt es dar­auf an wie Men­schen mit­ein­an­der umge­hen. Und wenn ich in die Kom­men­tare schaue, dann geht es doch eher darum, dass Leute sich scheiße ver­hal­ten und nicht, dass sie doof aus­se­hen.
    Dazu gehört dann eben auch die Frage wie stark sich die Szene von Nazis abgrenzt. Da finde ich ein Amphi, mit all der Kri­tik die ich am Amphi habe, um eini­ges bes­ser als ein Fes­ti­val, was es nicht mal schafft sich von Nazis zu dis­tan­zie­ren. An der Stelle hat die Szene doch viel grö­ßere Pro­bleme als Cyber­lo­cken oder Vikingerhelme…

  14. Also erst­mal net­ter Bei­trag, schön geschrie­ben …
    Aber es hört sich tat­säch­lich nach »frü­her war alles bes­ser … « an.
    Ich mein wo ist das Pro­blem das Amphi hat nicht den Anspruch ein Gothic /Grufti / wie auch immer Fes­ti­val zu sein (wie zb WGT). Wenn da Feind­Flug im Line-Up steht kann ich damit rech­nen das da gefühlte 25000 Uni­for­mierte rum ren­nen (teils recht gut gemacht teils nur bil­lige BW-Uniformen). Dazu muss man kein Pro­phet sein und wenn da Aggo­no­ize steht dann ren­nen da auch Unmen­gen an Leu­ten mit Kunst­blut rum etc … Ich mein das ist alles Schwarze-Zene hat sich so halt Ent­wi­ckelt. Die sagen ja auch nicht das sie Gruf­ties sind und wen irgend wo Umbra spielt oder Zer­a­phine wer­den dort auch keine mit Blut besprüh­ten Zom­bies durch ren­nen … Klar gibt es Sachen die man nicht ver­ste­hen muss wie das mit dem Müll war sehr dre­ckig auch der Zelt­platz sah aus wie Sau aber naja und getrun­ken wird halt über all …

  15. Mög­li­cher­weise hat mon­tra­vont Recht. Wenn man sich die Band­aus­wahl anschaut, muss man damit rech­nen, dass so ein Publi­kum auf­taucht. Dark­wa­ver, Batca­ver oder Oldschool-Grufties wer­den sich durch das Line-up nicht ange­spro­chen fühlen.

    Des­halb denke ich, dass es tat­säch­lich an den Ver­an­stal­tern liegt, die sich nicht auf ein Kon­zept fest­le­gen und Lesun­gen, Zer­a­phine und Dio­rama mit Kir­mes­stän­den, Ago­no­ize, Tral­lala und dann noch mit Plastik-80er-Musik und Mit­tel­al­ter­bands mischen. Auf so einem klei­nen Gelände wie dem Tanz­brun­nen kann man da — anders als auf dem WGT — nicht aus­wei­chen. Wir haben es ja ver­sucht. In der Halle wur­den wir hier­mit beschallt:

    http://www.youtube.com/watch?v=03bOFwgn0MM

    Drau­ßen wurde das hier geboten:

    http://www.youtube.com/watch?v=1hWQimiwguM

    Das schallt übers ganze Gelände und ich per­sön­lich bekomme davon auf Dauer Kopf­schmer­zen. Und zwi­schen­durch dann immer nur die klei­nen »Inseln« — sprich die Pro­gramm­punkte, die etwas in die Tiefe gin­gen. Viel­leicht sind sol­che Fes­ti­vals ein­fach nix für Leute, die — zuge­ge­ben in »Früher-war-alles-besser-Manier« — die zurück­hal­ten­dere Art mit etwas Tief­gang und weni­ger Show mögen.

  16. Oh je. Mich hat Dein Arti­kel auch ans WGT erin­nert, wobei sich das ja anschei­nend sehr lang­sam wie­der ins weni­ger Furcht­bare ent­wi­ckelt. Da bin ich ganz froh, dass ich es nicht zum Amphi geschafft habe. Ich habe auch Fotos vom Black­field Ende Juni gese­hen und mir wurde ein biss­chen anders. Dort lief unter ande­rem ein Mensch in einem rie­si­gen Hello-Kitty-Kostüm aus Lack (?) herum. Wie oft der wohl foto­gra­phiert wurde?
    Ein Freund von mir meinte mal zu dem Thema, man müsse sich halt sowohl einen gewis­sen Idea­lis­mus als auch ein gepfleg­tes Maß an Into­le­ranz erhal­ten, um als Szene nicht ganz »aus­zu­fran­sen«. Ich neige dazu, ihm zuzustimmen.

    Oder man nimmt es mit Humor, wie einige Batca­ver am WGT vor der Agra, die Bon­bons gewor­fen und geju­belt haben, wenn jemand her­aus­lief, der nach Kar­ne­val aus­sah. Die Leute, die gemeint waren, haben sich wohl meis­tens gefreut und mitgejubelt.

    Ich bin mal gespannt, wie das Publi­kum am Apo­ca­lyp­tic Fac­tory Fes­ti­val sich so zusam­men­set­zen wird, aber ich gehe mal von »ziem­lich ange­nehm« aus.

  17. Vie­len Dank für eure Kommentare!

    Sicher, es geht mir tat­säch­lich darum, etwas über­spitzt dar­zu­stel­len, wie ich das mir gebo­tene Bild emp­fand. Mon­tra­vont hat sicher­lich recht, wenn er das musi­ka­li­schen Rah­men­pro­gramm für die Mischung ver­ant­wort­lich macht, es ging mir jedoch nie darum, einen Schul­di­gen zu fin­den. Ich sehe auch nicht den Ver­an­stal­ter als Sün­den­bock, denn letzt­end­lich möchte der den Tanz­brun­nen ja fül­len, was ihm auch die­ses Jahr gelun­gen ist. Ver­bes­se­rungs­be­darf gibt es aller­dings an der Abfolge der Bands, stel­len­weise waren ein­fach keine Rück­zugs­mög­lich­kei­ten vorhanden.

    Es geht mir vor allem darum — und Guld­han ließ es schon anklin­gen — um die Ver­wand­lung zur ober­fläch­li­chen Masse einer bun­ten Spaß­ge­sell­schaft, deren Ziel es ist, sich 2 Tage lang gepflegt abzu­schie­ßen und durch mög­lichst lächer­lich wir­ken­den Kos­tüme einen Fun­ken Auf­merk­sam­keit zu erre­gen. Das kann und sollte nicht das Ziel sein.

    Der schwar­zen Szene ist auf fatale Art und Weise einer der gemein­same Nen­ner abhan­den gekom­men, die Ableh­nung der »nor­ma­len« Gesell­schaft, die sich am Wochen­ende in den Tanz­tem­peln der Stadt zu bil­li­gen Cock­tails in einen Rausch schießt um den All­tag zu ertra­gen. Wenn sich so eine Ver­an­stal­tung anfühlt wie ein Schüt­zen­fest, oder eine Kar­ne­val­s­party, auf der es mei­ner Mei­nung nach um einen Rausch­zu­stand in Ver­klei­dung geht, dann haben wir etwas falsch gemacht. Ich habe nichts gegen Alko­hol, über­haupt keine Frage, aber in mei­nem schwar­zen Umfeld wis­sen die meis­ten damit umzugehen.

    Wobei ich »schwarz« in den Vor­der­grund rücken möchte. Krankenschwester-Kostüme, rote Lack­uni­for­men und mit Blut bespren­kelte weiße Hem­den gehö­ren nicht dazu, eine Gewisse Intol­ranz, da gebe ich bei­spiels­weise Anja recht, sollte man sich erhal­ten. Was soll denn das? Wenn wir es nötig haben, uns inner­halb der Szene durch neue Unmög­lich­kei­ten und knal­lige Farb­spiele zu über­trump­fen, dann haben so man­che Mit­glie­der nichts von dem ver­stan­den, was die Szene aus­machte oder aus­ma­chen sollte. Das ist meine Mei­nung. Und den­noch: Die Szene, so wie ich sie meine, exis­tiert. Über­all, ver­streut und in klei­nen, meis­ten stil­len Orten.

    Nicht das mich jemand falsch ver­steht, ich mag Fes­ti­vals wie die­ses. Sie sind ein will­kom­me­ner Anlass Freunde aus ganz Deutsch­land zu tref­fen, gemein­sam den Klän­gen der »guten« Bands zu lau­schen und noch bis tief in die Däm­me­rung über die Sinn­haf­tig­keit von Irgend­et­was zu reden. Man lernt even­tu­ell neue Bands und neue Leute ken­nen, bekommt einen Über­blick und hat die Mög­lich­keit ein Samm­lung von Szene-Shops sein Geld in den Rachen zu wer­fen und die Kla­mot­ten anzu­pro­bie­ren. Ich mag auch das Amphi. Es ist in Köln, also direkt um die Ecke, die Loca­tion ist toll und der Ein­tritts­preis geht in Ordnung.

  18. Jetzt habe ich den Tag über mit immer grö­ßer wer­den­den Bauch­schmer­zen diese Ein­träge ver­folgt und bin nun sehr froh, dass am Ende doch noch ein posi­ti­ver Gesamt­ein­druck vom Fes­ti­val übrig geblie­ben ist.

    Für mich war die Ver­an­stal­tung näm­lich die (längst über­fäl­lige) Mög­lich­keit, Per­sön­lich­kei­ten, die schon seit Lan­gem ein wich­ti­ger Bestand­teil mei­nes Lebens sind, ken­nen­zu­ler­nen oder zumin­dest aus nächs­ter Nähe zu betrachten.

    Von der Vor– und Aus­stel­lung Annie Bertram’s »Obso­lete Angels« über die Kon­zerte von Zer­a­phine, Clan of Xymox, Deine Lakaien und Sub­way to Sally bis hin zu den Leu­ten vom Black Demon Radio oder den Jungs von Out of Line.
    Robert und Sabrina, sowie all die fan­tas­ti­schen Men­schen, mit denen ich mich über ihre Lei­den­schaf­ten unter­hal­ten konnte.

    Und ich hätte nicht gedacht, wie ver­zau­bernd der Dom bei Nacht sein kann, wenn man noch total unter Strom vom Fes­ti­val zurück zum Hotel spaziert.

  19. Also was das pho­to­gra­phie­ren betrifft, bin ich der Mei­nung, wer ein Photo machen will der soll. Ich wurde auch so eini­ges Mal pho­to­gra­phiert, mal mit Erlaub­nis, mal ohne zu fra­gen, und ich denke ich bin des­we­gen nicht weni­ger Gruf­tie. Viel eher stö­ren mei­nes Emp­fin­dens nach Leute die gezielt nur dar­auf aus sind pho­to­gra­phiert zu werden.

    Wegen den Rück­zugs­or­ten auf dem WGT, in mei­nem Fall die When we were young Party, kann ich nur zustim­men, da is es groß­ar­tig ursprüng­lich, hab mich gefühlt, als wäe ich in das 89er Video rein­ge­fal­len :D

  20. Bin eher durch Zufall auf die Seite gesto­ßen, habe aber diverse Bei­träge inter­es­siert, zum Teil auch amü­siert, mei­nen Gehirn­win­dun­gen als Nah­rung vorgeworfen. 

    Daß die Szene nicht mehr das ist, was sie ein­mal war; daß sie regel­recht ver­saut ist und (ich nehme mir ob diver­ser Erleb­nisse her­aus, das zu behaup­ten) der Groß­teil der gerade im Erwach­se­nen­al­ter ange­kom­me­nen Neu­an­kömm­linge weder die der Szene eigent­lich zugrunde lie­gen­den Ansich­ten ver­in­ner­licht oder ver­stan­den haben noch den Auf­wand betrei­ben, sich damit zu befas­sen, dürfte mitt­ler­weile doch bekannt sein. Es ist eine Begleit­er­schei­nung der heu­ti­gen Zeit und der heu­ti­gen Gesell­schaft, daß sie die­ser Tage gar die Kraft hat, eine Szene zu beein­flus­sen, die sich ihr eigent­lich ent­ge­gen­stel­len möchte. Der Feind im eige­nen Bett — oder: Die Revo­lu­tion frißt ihre Kin­der. Heute bezeich­net man sich schon als Schwarz, nur weil man die damit ver­bun­dene Musik hört oder die Klei­dung so toll fin­det. Schwarz­sein ist zur Zeit eben lei­der »in«. Viel mehr ist da nicht, Hin­ter­grund­wis­sen und Inhalt schei­nen ver­pöhnt. Und es gip­felt darin, daß »Vor­bil­der« es uns vor-machen bzw. diese Ent­wick­lung nicht nur unter­stüt­zen son­dern gar zu for­cie­ren schei­nen: Stich­wort Unhei­lig… Oder die auf dem dies­jäh­ri­gen auf­spie­len­den Kir­lian Camera, die aus dem PF-Klassiker »Com­for­ta­bly Numb« eine stu­pide Stampf-Techno-Nummer machen und ihn damit gna­den­los der zu trans­por­tie­ren­den Aus­sage berau­ben. Oder Welle:Erdball, die rotz­frech das Sachsenring-Logo zitieren…

    Daß groß ange­legte Fes­ti­vals u.ä. zum Schau­lau­fen benutzt wer­den, ist dann eine logi­sche Folge. Von mir aus, las­sen wir den Kin­dern ihren Spaß. Solang man sich der eige­nen Ansich­ten bewußt ist und noch in den Spie­gel schauen kann: Omnius tem­pus habent — alles hat seine Zeit! Und so bin ich guter Hoff­nung, daß auch diese Mode-Erscheinung ver­geht. Trotz allem geht auch mir das berühmte Mes­ser in der Tasche auf, wenn ein O-Ring getra­gen wird, allein weil er so »schön aus­sieht«. Oder wenn (vor allem durch weib­li­che Jung­spunde) Uni­for­men (oder deren Teile) wie die der Natio­na­len Volks­ar­mee oder der Roten Armee spa­zie­ren getra­gen und auf diese Art und Weise ent­ehrt wer­den. Sol­che Leute würde auch ich sehr gern sofort aus der Szene verbannen!

    Noch kon­kret zum Amphi: Das Gelände ist gemie­tet, die Ver­pfle­gung fremd­be­trie­ben. Klar, daß der Der­je­nige darin eine Geld­druck­ma­schine sieht. Und wer dem Betrei­ber nicht zu Reich­tum ver­hel­fen will, der schafft es wie ich mit gesun­dem Wil­len auch, die Aus­ga­ben in diese Rich­tung zu mini­mie­ren. Zudem: Es gab eine kos­ten­lose Trink­was­ser­ver­sor­gung — nicht unbe­dingt selbst­ver­ständ­lich, hat mich aber auch über beide Tage gebracht. — Das Alko­hol­pro­blem ist mir per­sön­lich gar nicht so »über den Weg gelau­fen«. Viel­leicht die berühmte »sub­jek­tive Wahrnehmung«. 

    Dar­über hin­aus noch ein Hin­weis dem Autor: Das Amphi ist kein Gothic-Festival, son­dern ein Tref­fen für die gesamte schwarze Szene… 

  21. Ohhh man…du sprichst mir wirk­lich total aus der Seele.Ich habe die­ses Jahr weder das WGT noch das Amphie besucht und bei dem Mera Luna bin ich mir auch nicht so sicher :/
    Ich bin noch real­tiv frisch in der Szene(1 1/2 Jahre) und mich haben defi­ni­tiv ganz andere Aspekte ange­zo­gen als die­ses ganze bunte Zeugs.Ich kann damit ein­fach nichts anfangen,vorallem mit den Cybern.Die sehen für mich aus als wären sie von der Love­pa­rade übrig geblie­ben und wol­len die Kla­mot­ten nicht ver­kom­men las­sen ;)
    Ich war sehr glück­lich das es bei uns auf dem Zita viel­leicht einige ver­irrte gab,aber im Gro­ßen und Gan­zen war es so wie ich mir ein Sze­ne­fes­ti­val vorstelle.(kann aber auch an dem Line Up gele­gen haben)
    Ich wüder mich freuen wie­der mehr die »alte« Szene zu sehen und darin umherzuwandeln.

  22. »Dar­über hin­aus noch ein Hin­weis dem Autor: Das Amphi ist kein Gothic-Festival, son­dern ein Tref­fen für die gesamte schwarze Szene… »
    @servon: Vie­len Dank für die Zün­dung die­ser Dis­kus­si­ons­ra­kete. Da bean­trage ich doch mal beim Chef­re­dak­teur einen eige­nen Post zu »Gothic«, »Grufti(e)« und »Schwarz«. Gerne mit Teil 2 zu »Szene«, »Sub­kul­tur« und »Life­style«. *freufreufreu

  23. Puuuh, das ist doch alles mehr oder weni­ger wie erwar­tet und ich habe eigent­lich nichts hin­zu­zu­fü­gen was (beson­ders von Robert, Tobi und Sabrina) nicht schon geschrie­ben wor­den wäre…
    Ich für mei­nen Teil finde mich ein­fach lang­sam damit ab, dass all diese Men­schen (Cyber, Mit­tel­al­ter­prolls, Bondage-Nachwuchs, etc.) ein­fach im Gro­ßen und Gan­zen eine andere Szene sind.
    Ich gehe kaum noch in Clubs wo ich mit sowas kon­fron­tiert werde, auf Fes­ti­vals schon gar­nicht, und lebe lie­ber … naja, nicht direkt in der Ver­gan­gen­heit, aber in einer klei­nen und über­schau­ba­ren Szene die kein gro­ßes Pro­blem damit hat zuzu­ge­ben, dass frü­her ein­fach wirk­lich alles bes­ser war ;)

  24. Hallo.

    Sol­che Ver­an­stal­tun­gen sind — wie die Szene mitt­ler­weile selbst — eine Massenveranstaltung.

    Nach­dem die Masse der Gesell­schaft mei­ner Mei­nung nach nun mal aus Dreck­bä­ren besteht, wun­dert es mich nicht sehr, sie auch hier vorzufinden.

    Dar­aus resul­tie­rend gibt es meh­rere Mög­lich­kei­ten, seine Kon­se­quen­zen zu ziehen.

    - Ich halte mich wei­ter­hin dort auf, muß mich aber in regel­mä­ßi­gen Abstän­den auf­re­gen.
    – Ich bin dort, aber mir ist das alles egal/blende es aus.
    – Ich bleibe fern.

    Letzt­end­lich bleibt es jedem selbst über­las­sen, ob bzw. wie er die Szene unter­stüt­zen will.

  25. @Sheik Yer­bouti: Für mich hast Du es damit ziem­lich gut auf den Punkt gebracht. Ich schließe mich an und wähle bei Anwe­sen­heit einer sehens­wer­ten Band die mitt­lere Vari­ante und ansons­ten die letz­tere. Die ers­tere wählt man, wenn man die Erfah­rung gerade gemacht hat und es erst­mal raus muss ;o).

  26. Und ich fande die Band­aus­wahl die­ses Jahr fürs Amphi so gut…
    Naja war aber fast klar, dass es auch bei vie­len guten Bands so kommt…

  27. So, jetzt möchte ich auch meine beschei­dene Mei­nung zu die­sem Thema abgeben.

    Wie schein­bar so viele andere hier auch, kann ich per­sön­lich den gan­zen »Knick­lich­tern« nichts abge­win­nen. Aber hier denke ich mir »Leben und Leben las­sen!«.
    Auch Leute, die sich mit Vor­satz die Lich­ter aus­schie­ßen und das dann als »Spaß« ver­ste­hen finde ich unmög­lich. Aber solange sie dann ein­fach besof­fen in der Ecke lie­gen und nicht pöbeln… von mir aus.
    Was ich aber als viel pro­ble­ma­ti­scher ein­stufe, ist die schein­bar feh­lende Abgren­zung zum rech­ten Spek­trum, da schließe ich mich Gen­da­lus an. Mir sind auf dem Amphi tat­säch­lich zwei, drei Uni­for­men auf­ge­fal­len, die ganz klar der SS zuzu­ord­nen waren (es fehl­ten nur die ver­rä­te­ri­schen »Runen«). Da bekomme ich wirk­lich das kot­zen.
    Und wenn hier einige das WGT erwäh­nen… gerade der Ver­an­stal­ter des WGT fällt hier nega­tiv auf. In den letz­ten Jah­ren gab es ja mehr als einen Grund, sich über die Nähe zur rech­ten Szene auf­zu­re­gen (Band-Eklat, »schwarze Sonne«, ein offen­sicht­lich »brau­ner« Mit-Veranstalter).
    Ich würde mir wirk­lich wün­schen, das sich die all die »wah­ren« Schwar­zen mit die­sem Thema aus­ein­an­der­set­zen, als sich über Klei­der­ord­nun­gen zu streiten.

  28. @karambolage

    Das ist ganz sicher ein Thema, das beschäf­ti­gen sollte und das natür­lich schwe­rer wiegt als opti­sche oder musi­ka­li­sche Aspekte. Doch ein ein­zi­ger Arti­kel kann nicht alle Aspekte beleuch­ten. Die von dir erwähn­ten Punkte wur­den zum Bei­spiel hier ange­spro­chen und diskutiert:

    http://www.spontis.de/vernetzt/gastbeitrage/schwarz-braun-sind-auch-wir/

    http://www.spontis.de/ansichtssache/wgt-2011-gezielte-provokation-eines-unpolitischen-treffens/

    http://www.spontis.de/schwarze-szene/leichtfertiger-umgang-mit-symbolen-rechter-ideologien/

    Es gibt eben zahl­rei­che Ent­wick­lun­gen in der Szene, die Grund zur Dis­kus­sion lie­fern. Für mich per­sön­lich gehö­ren Musik und Ambi­ente auch dazu.

  29. @orphi

    Danke für die Links. Da ich nur zufäl­lig über den Arti­kel gestol­pert bin, waren mir die ande­ren Arti­kel unbe­kannt.
    Natür­lich kann ein ein­zel­ner Arti­kel nicht alles leis­ten, das ist mir schon klar. Ich finde es nur bemer­kens­wert, das in den Kom­men­ta­ren dazu ein inter­es­san­ter Aspekt auf­ge­grif­fen wird und dann kei­ner mehr dar­auf ein­geht. Schein­bar stö­ren sich die Leute eher an Schnaps­lei­chen und »Text­mar­kern« als am rech­ten Gesin­del >provokation/off<

  30. @karambolage: In der Regel ist das nicht so. Doch rech­tes Gesin­del haben sich genauso in die Szene geschli­chen, wie Schnaps­leich und Text­mar­ker, daher ist der Kern des Pro­blems gleich. Falsch ver­stan­dene Tole­ranz und feh­lende Refle­xion neuer musi­ka­li­scher Strö­mun­gen. Ein Arti­kel wie die­ser soll pola­ri­sie­ren und genau die ange­regte Dis­kus­sion aus­lö­sen, die hier geführt wird.

    Ich finde es sehr gut, wenn Kom­men­ta­to­ren sol­che Aspekte anspre­chen, denn das ist wich­tig und rich­tig, noch wich­ti­ger ist, das dann Men­schen wie du die­sen Aspekt her­aus­pi­cken und beleuchten.

    Ein Arti­kel kann nie­mals alles sagen, daher ist es wich­tig, auf ein­zelne Sache immer wie­der ein­zu­ge­hen, auch wenn die Ver­glei­che uner­wünsch­ter Strö­mun­gen zunächst als unpas­send erschei­nen. Des­halb: Immer wei­ter so kom­men­tie­ren und Fra­gen stel­len, Hin­ter­gründe beleuch­ten oder eige­nen Sicht­wei­sen schil­dern, nur so wird aus einem Kom­men­tar eine Diskussion.

  31. Hast es echt tref­fend for­mu­liert! Ganz ehr­lich.… MICH ent­setzt das teil­weise so sehr, dass ich mich kaum noch wirk­lich dar­auf freue, zu die­sen gothic-catwalk-events zu gehen.…ja, schade dass das „eigent­li­che” ver­lo­ren geht bei viiiie­len jün­ge­ren leuten.…

  32. @Robert:
    Auch ich finde, das der Aus­tausch im End­ef­fekt wich­ti­ger ist, als der Arti­kel, der eben die­sen ange­regt hat. Aller­dings muss man sich auch bewusst sein, das man hier nie zu einem wirk­li­chen Ende gelan­gen kann, dazu ist der Aus­tausch nicht »direkt« genug. Dabei würde mich eine Dis­kus­sion zu die­sem Thema wirk­lich reizen.

    Lei­der ist es eine trau­rige Tat­sa­che, das es rechte Grup­pie­run­gen immer wie­der schaf­fen, sich in unter­schied­lichs­ten Sze­nen zu eta­blie­ren. Auch wenn es nur Min­der­hei­ten sind, so ist es erst recht nötig, das sich die Masse sen­si­bi­li­sie­ren lässt und immer wie­der Zei­chen gegen braune Kame­ra­den setzt. Der offene Brief von diver­sen Künst­lern (u.a. ASP) zu dem WGT-Drama ist da ein Anfang.

    Aber um noch ein­mal zum Aus­gangs­thema zurück zuge­lan­gen… ich habe auch die­ses Jahr das Amphi genos­sen. Eben wegen sei­ner Viel­falt! Das Line-up ist schon recht lange bekannt gewe­sen und so konnte sich bereits im Vor­feld jeder sein Bild machen, wel­ches Publi­kum ihn dort erwar­tet.
    Gereizt hätte mich die­ses Jahr nur noch das Black­field, aber aus mone­tä­ren Grün­den habe ich diese Pla­nung ruhen lassen :-(

    Nächs­tes Jahr könnte es aber dann durch­aus pas­sie­ren, das auch ich das Amphi mei­den werde. Das liegt dann aber nur am Line-up, denn außer Mono Inc. ist bis­lang nichts für mei­nen Geschmack dabei… (Gott bewahre mich vor den Zom­bies der »Sis­ters of Mercy«!!!).

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