30 Dezember

Totenkult und Mobilfunk

Kategorie: Schwarze Szene — Jahrgang: 2008Keine Kommentare

highgate-cemetery-23Es ist noch nicht allzu lange her, dass ich ver­sprach, mich in mei­nem Blog mehr mit dem Tod zu beschäf­ti­gen. Doch bevor ich wie­der anfange in der Ver­gan­gen­heit zu schwel­gen, kon­zen­triere ich mich heute ein­mal auf die Neuzeit.

Die schäd­li­che Wir­kung von Mobil­funk­strah­lung gilt bis heute als umstrit­ten — unum­strit­ten ist, dass wir alle ein­mal ster­ben müs­sen. Wer Zeit sei­nes Lebens mit dem Handy ins Bett gegan­gen ist um auch bloß kei­nen Tweet zu ver­pas­sen oder den nächt­li­chen Feed seine Lieb­lings Blog­ger zu ver­fol­gen, wird damit sicher­lich auch Beer­digt wer­den wollen.

Das ame­ri­ka­ni­sche Bestat­tungs­un­ter­neh­men Hol­ly­wood Fore­ver berich­tet MSNBC, das sich immer mehr Men­schen wün­schen, mit Ihrem Handy begra­ben zu wer­den. Der New Yor­ker Anwalt John Jacobs ist vor drei Jah­ren an Bauch­spei­chel­drü­sen­krebs gestor­ben und trotz­dem immer noch über die Mail­box sei­nes Mobil­te­le­fon zu errei­chen. Das Handy wurde Jacobs als Grab­bei­gabe in den Sarg gelegt, seine Hin­ter­blie­be­nen bezah­len wei­ter­hin brav seine Tele­fon­rech­nung und lie­ßen auf sei­nem Grab­stein neben sei­nem Namen und den übli­chen Daten auch seine Han­dy­num­mer eingravieren.

Die Idee mit dem Handy hatte einer sei­ner Söhne, weil Papa die Gewohn­heit hatte, sich bei ihm, ande­ren Ver­wand­ten und engen Freun­den mehr­mals täg­lich tele­fo­nisch zu mel­den. Nach­dem sie auch die Witwe Marian Selt­zer von die­ser Idee über­zeugt hat­ten, wur­den die Akkus von Jacobs” Moto­rola T720 noch ein­mal voll gela­den und anschlie­ßend in den Sarg gelegt. Mitt­ler­weile ist die Mail­box ein Kon­do­lenz­buch für seine Frau, Ver­wandte und Besu­cher des Gra­bes die immer Nach­rich­ten an den ver­stor­be­nen hin­ter­las­sen um ihm so zu gedenken.

Seit etwa 5 Jah­ren ist ein Trend zu beob­ach­ten dem Toten Kom­mu­ni­ka­tive Geräte mit auf den Weg zu geben, sei es Head­sets, Black­berry oder ein PDA. Was in Ame­rika kein Pro­blem ist, könnte auch bald in Deutsch­land an der Tages­ord­nung sein, dem Spie­gel bestä­tigte der Ver­band Deut­scher Bestat­tungs­un­ter­neh­mer das Grab­bei­ga­ben die­ser Art pro­blem­los mög­lich seien.

qurified_messageIn Japan mar­kiert man die letzte Ruhe­stätte der Toten mit einem QR-Code ver­se­hen, den jeder Japa­ner mit sei­ner Han­dy­ka­mera ein­le­sen kann und so Zugang zu einem Foto­al­bum des Ver­stor­be­nen erhält und ihm eine Nach­richt hin­ter­las­sen kann.

Einen Flach­bild­schirm in den Grab­stein zu inte­grie­ren erscheint da schon fast wie ein alter Hut. Wie die Welt Online berich­tete, fei­erte diese Idee auf einem Tier­fried­hof in den Nie­der­lan­den Pre­miere und wur­den nun vom Bestat­ter Gla­ser auch in Deutsch­land ver­füg­bar gemacht.

Mich wun­dert eigent­lich nur die Tat­sa­che, das kein Auf­schrei durch die Rei­hen der Umwelt­schüt­zer gegan­gen ist, die sich über die Ver­schmut­zung des Erd­rei­ches durch tech­ni­sche Grab­bei­ga­ben Gedan­ken machen und schon ein­mal rein pro­fil­ak­tisch eine Stu­die in Auf­trag geben.

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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