26 September

The Cure - Rabenschwarz und total verrückt

Kategorie: Dunkle Vergangenheit, Schwarze Szene — Jahrgang: 20097 Kommentare

The Cure aus der Bravo 1984 klein

Die Entwicklung einer Szene spiegelt sich auch immer in der Szenetypischen Musik wieder. Magazine schreiben erst über die Bands und interessieren sich dann für den Stil, den die Musiker ihren Fans vorleben und der von diesen häufig kopiert wird. Mit ihrem 1984 erschienen Album The Top widmet sich auch wieder eine große deutsche Jugendzeitschrift der Band The Cure und deckt schonungslos Fakten auf, die uns auch heute noch schockieren.  Außerdem ist dieser Bericht auch die Einleitung einer kleinen Artikelserie zur Band The Cure und über die Fans und ihr Lebensgefühl, dem wir uns in einem der nächsten Artikel widmen. Den Text dieses Artikel muss man sich aber auf der Zuge zergehen lassen:

"Die Truppe auf der Bühne wirkt wie eine Trau­er­ver­samm­lung. Diverse bunte Schleif­chen in Robert Smith” (25, Gesang, Gitarre) kreuz und quer tou­pier­ten Schopf sind der ein­zige Farb­tup­fer im Raben­schwar­zen Bild von The Cure. Rosen­kränze, die die Jungs tra­gen und ein dickes Pries­ter­kreuz um Boss Roberts Hals sol­len den Fans wohl Ernst und Fei­er­lich­keit eines Cure-Gigs klarmachen.

Die sche­ren sich aller­dings wenig um die andächtig-gesammelte Stim­mung, mit der die Band zu Werke geht. Die schwar­zen Cure-Vögel unter­drü­cken mit äußers­ter Selbst­be­herr­schung jede Regung und Bewe­gung, wäh­rend sie ihren Schnellfeuer-Rhythmus und ihre glas­kla­ren psy­che­de­li­schen Töne aus ihren Instru­men­ten zau­bern

The Cure Die Punk-Priester aus der Bravo 1984"Wie beses­sen und ohne Rück­sicht auf fremde Füße machen die har­ten Mäd­chen und Jungs im Publi­kum ihrer Begeis­te­rung in wil­den Spring– und Tram­pel­tän­zen Luft. Echt heiß wird’s bei Sachen aus den alten Hardcore-Zeiten von The Cure vor vier oder fünf Jah­ren. Bier­fon­tä­nen aus herz­haft geschüt­tel­ten Dosen sprit­zen bei „Fire in Cairo” durch die Gegend, und leere Becher hageln in Rich­tung Bühne.

Doch Sän­ger Robert bleibt völ­lig cool, Fan-Rufe nach dem neuen Hit „Love Cats” beant­wor­tet er abschlä­gig — „oh, nein, immer das­selbe. Ich habe den Song ver­ges­sen. Wir spie­len keine Hits…”

Robert war immer schon ein sehr eigen­wil­li­ger Patron. Mit 15 wei­gerte er sich hart­nä­ckig, trotz guten Zure­dens sei­nes jet­zi­gen Cure-Partners Lau­rence Tolhurst (25, Tas­ten), anders als in Frau­en­klei­dern in der Schule sei­nes Hei­mat­or­tes Kew­ley zu erschei­nen. Prompt flog er raus. Nach einem Jahr Rum­hän­gen grün­dete er zusam­men mit Lau­rence The Cure als chao­ti­sche Freistil-Band, die haupt­säch­lich mit aus dem Schul­fun­dus „gelie­he­nen” Instru­men­ten spielte. Robert und Lau­rence, die bei­den Unzer­trenn­li­chen, bil­den heute den har­ten Kern von Cure. Lau­rence ist der zuver­läs­sige und nüch­terne, Robert der genial-verrückte Teil des Gespanns.

Seine Songs denkt er sich meist bei einem Fuß­bad in Milch aus. Die­ses Geheim­re­zept hat sich bewährt. Denn neu­er­dings schreibt Robert Tanz­heu­ler statt Punk-Orgien und lan­dete damit prompt in den Hit­lis­ten. Die übri­gen Cure-Musiker Paul Thomp­son (26, Tas­ten, Gitarre), Nor­man Fisher-Jones (23, Bass) und Clif­ford „Andy” Ander­son (25, Schlag­zeug) hol­ten sich Robert und Lau­rence für die LP-Aufnahmen und für die Live-Gigs

Fazit: Ein ganz furcht­ba­rer Bericht der vol­ler Pole­mik in all die Fur­chen schlägt, die den Cure-Fan auf­re­gen und die den Cure-Gegner bestä­ti­gen. Alte Hard­core Zei­ten? Stellt sich die Frage wie Hard­core hier defi­niert wird. Das Stück Fire in Kairo ist sicher­lich ein sehr frü­hes Werk, aber von Hard­core sicher­lich noch Mei­len ent­fernt. Die neue pop­pige Schiene die hier mit dem Stück Love­cats in Ver­bin­dung gebracht wird, ist sicher­lich nicht das Beste der Stü­cke, mar­kiert aber auch einen wich­ti­gen Mei­len­stein der Ent­wick­lung. Die erste Band in der die Bei­den spiel­ten nannte sich übri­gens noch gar nicht The Cure son­dern Malice, von der Schule flog er nicht wegen den Frau­en­klei­dern son­dern weil er mit eben diese Band die Aula der Schule vewüs­tete1 und ob sich Smith tat­säch­lich die Songs beim Fuß­bad in Milch aus­denkt schürt wohl eher die Phan­ta­sien der Fans und ist nicht wirk­lich beleg­bar. Aber was soll’s. Schließ­lich ist es genau das, was den Arti­kel heute so amü­sant macht.

  1. Quelle: Aus einem Inter­view mit Robert Smith mit der Zeit­schrift Visi­ons, Aus­gabe 105 []

Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Dunkle Vergangenheit, Schwarze Szene
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7 Kommentare

  1. Mua­haha, furcht­bar. Furcht­bar amü­sant XD
    Mir fällt auf, mir gefällt die Farb­ge­sta­lung der Maga­zine von damals viel bes­ser. Ich glaub ich häng mir den Arti­kel in die Küche, kann ich dann immer lesen wenn ich mich auf­mun­tern muss *g*

    Freue mich auf die nächs­ten Artikel.

    LG

  2. Mir fiel auch spon­tan die Gestal­tung auf. Hat so einen Schü­ler­zei­tung Charme. Gefällt mir.
    Damals hat man noch mit Schere gear­bei­tet und nicht »gepho­to­sh­opt»
    Die Anek­dote mit Milch-Fußbad hat was.
    Meine Lieb­lings­zeile ist:
    »Denn neu­er­dings schreibt Robert Tanz­heu­ler statt Punk-Orgien«

  3. @Atanua: Immer wie­der gerne. Ich erwarte dem­nächst eine grö­ßere Lie­fe­rung von Recher­che­quel­len, die ich nach ent­spre­chen­der Sich­tung und Sor­tie­rung naht­los anschlie­ßen werde, auf das Dir das Lachen in dei­ner Küche nicht so schnell ver­ge­hen möge.

    @funkygog: Stimmt, auch Fan­zines hatte zu die­sem Zeit­punkt eine äußerst pri­ckeln­den Cha­rak­ter. Für eine Schü­ler­zei­tung hat es an unse­rer Schule nie gereicht, schade eigent­lich. Wäre sicher­lich eine tolle Erin­ne­rung gewe­sen.
    Bei den aktu­el­len Milch­prei­sen könnte man es sich tat­säch­lich mal über­le­gen, seine Füße in Milch zu baden, viel­leicht hilft es ja gegen irgendwas :)

  4. Scho­ckie­rende Details, die ich hier von mei­nem per­sön­li­che Melancholie-Gott erfah­ren muss :D
    Viel scho­ckie­ren­der finde ich es aber, dass die Bravo es schein­bar schon immer geschafft hat, der­art mit lee­ren Wort­hül­sen um sich zu schmei­ßen, dass die Aus­sage letzt­lich gleich null ist und man zu einem Event auch fünf Arti­kel hätte schrei­ben kön­nen … oder wahl­weise fünf Events mit den glei­chen pau­scha­len Wor­ten glattbügeln…

    Tses… ich glaube ich mache mir jetzt mal einen bru­ta­len alten Hardcore-Punk-Klassiker an … »A Forest« oder »One Hund­red Years« oder sowas :)

  5. Das macht die Bravo so span­nend für mich. Denn tat­säch­lich habe (zumin­des­tens ich) die Sachen damals für voll genom­men. Es ist inter­es­sant wel­chen Ein­fluss die Bravo auf die Ver­brei­tung von Sze­nen, Sti­len und Musik­rich­tung hat/hatte. Dabei finde ich es umso wich­ti­ger, die Arti­kel nicht unkom­men­tiert ste­hen zu las­sen son­dern das Netz dazu zu nut­zen, denn inter­es­sier­ten mehr Infor­ma­tio­nen und Kom­men­tare zu bieten.

    Auch mich treibt die Lust gerade in die Arme der Cure-Hardcore Zeit. Purer Hard­core!

  6. Pah, das kann ich top­pen… nicht nur alter Cure-Hardcore, son­dern auch noch »ras­sis­tisch« :D
    http://www.youtube.com/watch?v=SQ4m5u016Mo

  7. Uuuh! Du bist ja ein sub­ver­si­ves Ele­ment der ers­ten Reihe. Was kön­nen denn jetzt die Ara­ber dafür?

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  1. […] Bravo-Artikel über The Cure aus dem Jahre 1984, den ich bei Spon­tis fand und der nun neben dem Pos­ter vom Kon­zert im Februar 08 hängt. Damit ich […]

  2. […] wenn­gleich auch dem dama­li­gen Zeit­geist ent­spricht. In mei­ner jüngst erschie­nen Arti­kel­be­trach­tung The Cure — Raben­schwarz und total ver­rückt wurde euch ja schon näher gebracht, was es mit The Cure aus Sicht der Bravo über­haupt auf sich […]