27 März

SO36 - 30 Jahre ohne Mauer sind genug!

Kategorie: Schwarze Szene — Jahrgang: 20091 Kommentar

SO36 Berlin

Geschichts­träch­ti­ger Boden die­ses SO36. Als eines der Kno­ten­punkte der deut­schen Punk und New Wave Szene erlangte der nach dem Ber­li­ner Post­be­zirk benannte Ver­an­stal­tungs­ort zu inter­na­tio­na­lem Ruhm. Eigent­lich jede Band, die zu die­ser Zeit etwas zu sagen haben wollte, konnte nicht vor­bei.  Als Ver­an­stal­tungs­ort nahm das SO36 am 13. August 1978 mit einem zwei­tä­gi­gen Mau­er­b­au­fes­ti­val ((Zum iro­ni­schen Geden­ken an den Bau der Ber­li­ner Mauer am 13. August 1961) sei­nen Betrieb auf, bei dem unter ande­rem Male, S.Y.P.H., DIN-A-Testbild, PVC und Mit­tags­pause auf­spiel­ten. Nach zahl­rei­chen Besit­zer­wech­seln und einer 3 jäh­ri­gen Haus­be­set­zung wurde das SO36 1987 von der Poli­zei geräumt. Erst 1990 wurde der Laden reno­viert und hat sich bis heute zu einem Zen­trum der Ber­li­ner Kul­tur­szene ent­wi­ckelt, in dem immer wie­der neue musi­ka­li­sche Strö­mun­gen ihre Geburts­stunde fei­ern. Der Film So war das SO 36 spie­gelt das Bild der Zeit von 1979 bis 1984 wohl am besten.

Jetzt, wo das SO36 erwach­sen gewor­den ist, soll es geschlos­sen wer­den. Nach über 30 Jah­ren geht den Nach­barn nun der Lärm auf den Geist, eine Auf­lage zu Lärm­re­du­zie­rung der Stadt Ber­lin erfor­dert einen tie­fen Griff in den Geld­beu­tel, den sich die Betrei­ber nicht leis­ten kön­nen. Schall­schutz­mauer kos­ten Geld und sol­len daher durch einen Spen­den­auf­ruf SO36 bald ohne SO36? zusam­men­ge­tra­gen wer­den um den alt­ehr­wür­di­gen Ver­an­stal­tungs­ort vor der Schlie­ßung zu bewahren.

Inter­es­san­ter­weise spie­gelt diese Nach­richt eine Ent­wick­lung wie­der, die auch auf die ganze Repu­blik über­tra­gen wer­den könnte, denn nach­dem die öffent­lich Hand Alt­bau­ten und ganze Stadt­teile hat brach lie­gen las­sen, ent­wi­ckelte sich dort die Jugend, brachte die ärmli­chen Stadt­teile ins Gespräch und sorg­ten für Zünd­stoff. Jetzt, wo Alt­bau­woh­nen wie­der schwer in Mode gekom­men ist, hat sich das einst ärmli­che Bild Kreuz­bergs gewan­delt. Heute wird es als Sze­ne­vier­tel gehan­delt und lockt Men­schen in seine Kern­sa­nier­ten Woh­nun­gen und Häu­ser, die es cool fin­den in der Szene zu woh­nen. Und weil die ja Nachts schla­fen wol­len, hat die Szene bit­te­schön Nachts die Klappe zu hal­ten. Ergeb­nis? Nahezu nicht umzu­set­zende Auf­la­gen zwin­gen die Päch­ter der Szene zur Auf­gabe. Sehr inter­es­sant in die­sem Zusam­men­hang ist das Fazit eines Ber­li­ner Geschichts­ver­eins, der die Lage viel­leicht noch etwas bes­ser auf den Punkt bringt. (via Sehn­sucht nach Dreck)

Die­sen Trend erkenne ich stell­ver­tre­tend für jede mir bekannte Stadt und lässt nur ein Fazit zu: Die Szene ist nicht dort, wo Szene drauf­steht, son­dern wo Szene statt­fin­det und das bleibt dem Ober­fläch­li­chen Auge ver­bor­gen. Bewe­gun­gen in einer Moment­auf­nahme fest­zu­hal­ten bedeu­tet Still­stand und da liegt dann wohl der Hund begra­ben. »No Tears for the Crea­tures of the Night…«.

(Bild­quelle: So36.de)

Diesen Artikel weiterempfehlen:

Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Schwarze Szene
Schlagwort: , ,

Verwandte Artikel

1 Kommentar

  1. SO36, as made famous by Kil­ling Joke on their first album…

Schreibe einen Kommentar

Hilfe bei der Kommentareingabe?