15 Februar

Rosenmontag in Schottland - Up Helly Aa

Kategorie: Schwarze Szene — Jahrgang: 20105 Kommentare

Wikinger vor dem brennenden LangbootSchon bei Aste­rix und Obe­lix war klar, Men­schen mit unge­wöhn­li­chen Ver­hal­tens­wei­sen spin­nen. »Die spin­nen, die Schot­ten!« wäre Obe­lix wohl über die Lip­pen gerutscht, hätte er erfah­ren, dass die Schot­ten der Insel Shet­land erst ein Wikinger-Schiff bauen um es dann zu ver­bren­nen. Seit etwa 1870 fei­ern die Ein­woh­ner der Insel im Nor­den von Groß­bri­tan­nien das Up Helly Aa, das Feu­er­fest. Immer am letz­ten Diens­tag im Januar ver­klei­det man sich, taucht eine ganze Stadt in feu­ri­gen Schein, trinkt und fei­ert um als Höhe­punkt das zuvor auf­wen­dig gebaute Schiff den Flam­men zu opfern. So ähnlich wie der Rosen­mon­tag im Rhein­land, nur mit Feuer.

Sobald es dun­kel wird, wer­den in der Haupt­stadt Ler­wick die Later­nen abge­schal­tet, eine Signal­ra­kete ist das Zei­chen in der gan­zen Stadt die Fackeln zu ent­zün­den und das Schiff wird durch die Stra­ßen gezo­gen um es sei­ner fina­len Rolle zuteil wer­den zu las­sen. Auf dem Schiff sitzt der Gui­zer Jarl, der für den gan­zen Tag die zen­trale Rolle des Wikin­ger­häupt­lings ein­nimmt. Gemein­sam mit sei­nem 60-Mann star­ken Gefolge trägt er Sorge für den Schiffs­trans­port und das anschlie­ßende Feuer. Die Ein­woh­ner, sowie zahl­rei­che Tou­ris­ten und Anhän­ger des Fes­tes säu­men die Stra­ßen und geben dem Schiff und dem Häupt­ling das letzte Geleit, denn Vor­bild ist wohl das nor­di­sche Begräb­nis, bei dem ver­stor­bene Wikin­ger­häupt­linge immer mit ihrem Schiff ver­brannt werden.

Die ganze Stadt befin­det sich im dar­auf fol­gen­den Fest im Aus­nah­me­zu­stand. Tau­sende ver­klei­dete Wikin­ger stür­men die Taver­nen und Tanz­säle und unter­hal­ten sich und alle anwe­sen­den mit musi­ka­li­schen Tanz­ein­la­gen. Der dar­auf fol­gende Mitt­woch wurde vor­sorg­lich zum Fei­er­tag erklärt, den wenn die trink­fes­ten Schot­ten schon mal fei­ern, dann rich­tig.  Auf den Sei­ten von boston.com gibt es unter der schon legen­dä­ren Rubrik The Big Pic­ture — Fiery Euro­pean Fes­ti­vals einige wirk­li­che beein­dru­ckende Bil­der, von denen auch das Titel­bild stammt. Über die Bil­der des spa­ni­schen Fes­tes für Anto­nius den Gro­ßen erlaube ich mir jetzt kein Urteil, jeder Link­kli­cker wird wis­sen warum.

Beson­ders ein­falls­reich zei­gen sich auch die vie­len klei­nen Grup­pie­run­gen (Squads), die mit Sket­chen, Shows oder Tanz­ein­la­gen das Publi­kum begeis­tern. Irgend­wie erin­nert mich das alles an den hei­mi­schen Kar­ne­val nur eng­li­scher oder — ich ent­schul­dige mich — schot­ti­scher. Die Deu­tung der Tanz­gruppe Slan­ti­girt Flab­ley über­lasse ich dem Zuschauer.

Das Squad aus dem Jahre 1906Auch der lokalkri­ti­sche Unter­ton, den man vom rhei­ni­schen Kar­ne­val gewohnt ist, kommt nicht zu kurz. Wäh­rend des gesam­ten Umzugs ver­teilt der Gui­zer Jarl ein ker­ni­ges Feu­er­werk der Wort und wet­tert gegen Obrig­keit, Bür­ger­meis­ter und Öffent­lich­keit. Die­ses »rebel­li­sche« Ver­hal­ten hallt natür­lich in den zahl­rei­chen Dar­bie­tun­gen der Teil­neh­mer wie­der. Ob das Fest nun Geschichts­his­to­risch mit dem aus­trei­ben der Win­ter­geis­ter ver­wandt ist oder nicht, diese Form der Brauch­tums­pflege gehört auf jeden Fall wei­ter­ge­tra­gen. Auf den eng­li­schen Sei­ten der Ver­an­stal­tung Uphellyaa.org gibt es zahl­rei­che Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen und Bil­der ver­gan­ge­ner Zei­ten, unter ande­rem auch eins aus dem Jahre 1906, das einen Squad zeigt.  Das dies­jäh­rige Wet­ter mit Regen und Wind konnte die Enthu­si­as­ten des Fes­tes eben­falls nicht stop­pen, weiß auch der BBC zu berich­ten. Ganz erstaun­lich finde ich auch die Tat­sa­che, das die meis­ten Bärte die ich zu sehen bekomme, echte Bärte sind. Offen­bar ist man auf einer der nörd­lichs­ten Inseln Groß­bri­tan­ni­ens haa­ri­ges gewohnt und bis zum skan­di­na­vi­schen Fest­land ist es auch nicht mehr weit. Für die krie­ge­ri­schen Wikin­ger von 793 bis 1066 wäre das sicher­lich eine Hul­di­gung gewesen.

Es gibt jedoch einige Punkte, die sich vom rhei­ni­schen Kar­ne­val unter­schei­den. Es wer­den keine Süßig­kei­ten unter dem Volk ver­teilt und tra­di­tio­nell neh­men keine Frauen am Umzug teil, man beruft sich dar­auf, das es sowas bei den Wikin­gern auch nicht gege­ben hat. Sagt man(n).

(Bild­quelle: boston.com — The Big Pic­ture | Uphellyaa.org)

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Schwarze Szene
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5 Kommentare

  1. Bleibt nur anzu­mer­ken, dass der Rest von Schott­land durch die Bank weg eine unkar­ne­va­lis­ti­sche Zone ist.
    Hier ist nix. Gar nix. Keine Kamelle, keine Strü­ß­jer, nix.
    Ich hatte mal spa­ßes­hal­ber eine Polo­näse ange­fan­gen, was aber nur grau­sam ver­wirrte Bli­cke mei­ner Umwelt nach sich zog.

    Merke: kommst du aus dem Rhein­land, geh zur Kar­ne­vals­zeit ent­we­der zurück oder nach Lerwick.

    Gree­tings fae Scotland

    die Kings­i­ze­fairy

  2. @Kingsizefairy: Alaaf! Helau! Halt Pohl! So geht es jetzt schon bekannt­lich einige Tage, heute ist der große Umzug in der Stadt, bei dem ich mich wie­der mit Essen bewer­fen lasse. Manch­mal wünschte ich, eine Reise stünde bevor und würde mich ins Aus­land füh­ren und wenn ich dann eine Reise mache, wün­sche ich mich zurück. Eine Fatale Situation.

    Übri­gens: Schö­nes Blog! Und Grüße auf die Insel :)

  3. *lol* Das Video der Tanz­gruppe ist köst­lich :) Über die­sen Brauch wusste ich bis­her gar­nix, danke Dir für die­sen Bei­trag … Freu lernt immer gerne dazu.

  4. Um ehr­lich zu sein, an genau Dich und dei­nen Mann hatte ich dabei auch gedacht.

  5. *laut­lach* … wie kommt das nur? ;)

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