26 Mai

Pressestimmen zum Wave-Gotik-Treffen 2010

Kategorie: Schwarze Szene — Jahrgang: 201010 Kommentare

Nach­dem mein Bei­trag aus dem letz­ten Jahr so posi­tiv auf­ge­nom­men wurde, möchte ich auch die­ses Jahr kurz zusam­men­tra­gen, was die Presse so über das Pfingst­wo­chen­ende in Leip­zig zu berich­ten weiß. Die­ses Jahr sticht vor allem eine Per­son her­aus, Cor­ne­lius Brach, der als Pres­se­spre­cher der Tref­fen & Fest­spiel­ge­sell­schaft für Mit­tel­deutsch­land im Namen des WGT auf­tritt, der nahezu von allen Medien in immer glei­chen Flos­keln zitiert wird. Ein paar Pres­se­be­richte habe ich trotz­dem zusam­men­ge­tra­gen. Ich bin gespannt wel­che Fülle an Mate­rial noch in den nächs­ten Wochen ver­ar­bei­tet wird. Der Anzahl der Foto­ap­pa­rate und deren Aus­lö­se­häu­fig­keit müsste es dem­nächst nur so wim­meln von Auf­nah­men. Auch ich werde mich mit einem Bericht über das WGT in den nächs­ten Tagen anschlie­ßen um die Tage aus mei­nen Augen zu spie­geln und dabei in gewohn­ter Weise wie­der andere Wege beschrei­ten, als man es viel­leicht erwar­ten dürfte. Es gilt unglaub­lich viele Ein­drü­cke zu ver­ar­bei­ten, Zeit sich die Ein­drü­cke »pro­fes­sio­nel­ler« anzuschauen:

Die Leip­zi­ger Volks­zei­tung berich­tet: »Leip­zig. Nach vier Tagen ist am Mon­tag das 19. Wave-Gotik-Treffen (WGT) in Leip­zig zu Ende gegan­gen. Etwa 20.500 Besu­cher tauch­ten die Stadt vier Tage lang in schwarz. Knapp 200 Szene-Künstler mit ihren Dar­bie­tun­gen stan­den auf dem Pro­gramm des tra­di­tio­nel­len „Fami­li­en­tref­fens“, das jedes Jahr zu Pfings­ten tau­sende Anhän­ger düs­te­rer Musik nach Leip­zig zieht.«  und bringt damit die Sache sach­lich in ihre Zeitung.

Für die BamS schreibt eine »Repor­te­rin«: »Die Stadt ist ein gro­ßes Blei­chen­schau­haus. Dunkle Gestal­ten fla­nie­ren durch die Stra­ßen von Leip­zig, wer­fen böse Bli­cke wie Hand­küss­chen auf jeden, der ihnen begeg­net, las­sen ihre Ket­ten ras­seln, ihre schwar­zen Turm­fri­su­ren bil­den einen hüb­schen Kon­trast zu ihren weiß gepu­der­ten Gesich­tern. Von nun an gilt: Geis­ter­stunde rund um die Uhr […] Klar ist: Die Aus­rich­tung der Haare – ob nach vorn oder nach hin­ten tou­piert – sagt viel über die Geis­tes­hal­tung der Geis­ter aus. Auch die Länge des Klei­des hat mehr zu bedeu­ten als Bein­frei­heit.« Ist es nicht herr­lich wie die Pole­mik am Bei­trag zu zer­ren scheint um sich vom Ein­heits­brei der Bericht­er­stat­tun­gen abzu­he­ben? Nicht nur, das man von der Fri­sur auf die Geis­tes­hal­tung schließt, nein, offen­bar wer­fen wir auch allen Men­schen stän­dig böse Bli­cke zu. Auch ihre beharr­li­che Wei­ge­rung Sze­ne­be­griffe wenigs­tens halb­wegs rich­tig zu schrei­ben schei­tert gleich mehr­fach: »Es gibt Gothiks, Cyper Gothiks, Steam­punks, Rocka­bil­lys und unzäh­lige Unter­grup­pie­run­gen, die selbst den Pro­fis der Szene wenig bis gar nichts sagen.« Viel­leicht, liebe Repor­te­rin, viel­leicht wer­fen wir auch nur Dir böse Bli­cke zu, weil wir wis­sen was du in den nächs­ten Tagen in eine Zei­tung schreibst, die sich mei­ner Mei­nung nach nur zum ein­pa­cken von Glä­sern eig­net, nach­dem wir damit in unsere Zukunft geblickt haben als sie vor uns über den Tisch wanderten.

Die Rhei­ni­sche Post star­tet einen bes­se­ren Ver­such: »Doch bei aller Ver­schie­den­heit der Fes­ti­val­gäste fällt vor allem deren Fried­lich­keit auf. Sie alle eint außer­dem die Liebe zur schwar­zen Farbe, die Sehn­sucht nach einer ande­ren Welt. Das »Anders­sein« wird hier zum Pro­gramm. Das sie damit aber auch pro­vi­zie­ren, ist den meis­ten Schwar­zen klar, neh­men es aber in Kauf.«

Focus Online zählt nicht auf eigene Recher­che, son­der lässt lie­ber die Prot­ago­nis­ten selbst zu Wort kom­men: »Eine Attrak­tion auf dem Tref­fen ist auch Till­mann Sie­bott aus Wup­per­tal. Der 40-Jährige ist mit einem ech­ten, 7,10 Meter lan­gen Lei­chen­wa­gen ange­reist. „Ich habe ihn in Kanada für 1000 Dol­lar gekauft“, erzählt er stolz. Auf der Tasche sei­nes schwar­zen Hem­des steht zwar „Bestat­tungs­un­ter­neh­men“, aber er sei eigent­lich Außen­dienst­ler, sagt Sie­bott. Er sei wegen der Musik da. Wie er die Atmo­sphäre auf dem WGT fin­det? „Ehr­li­che Ant­wort?“, fragt er zurück. „Hef­tig. Ich hätte nicht gedacht, dass es so viele sind. Wenn man das bru­tal aus­drückt, ist es das Okto­ber­fest der Schwar­zen.« Frage mich in die­sem Zusam­men­hang, was er die letz­ten Jahre gemacht hat wenn er nicht gedacht hat, das es so viele sind. Schließ­lich ist die Besu­cher­zahl mit 20.500 eher rückläufig.

Einen wirk­lich gelun­ge­nen Arti­kel gibt es in der Freien Presse zu lesen: »Den Kern des WGT bil­dete seit jeher eine gewisse Ernst­haf­tig­keit. Das Anders­sein der Gothic-Szene beruft sich dar­auf, den ver­dräng­ten Schat­ten der Gesell­schaft zu pfle­gen, sich mit den düs­te­ren, aber schon immer ebenso vor­han­de­nen wie ver­dräng­ten Nischen aus­ein­an­der­zu­set­zen: Tod, Trau­rig­keit, Schmerz. Dass man dar­aus auch bit­ter­süße Freu­den zie­hen kann, ist seit der Roman­tik nicht neu. Aber wie kann man dazu abfei­ern? Der Trick des Tref­fens: Ja, das geht, und der essen­zi­elle Kern bleibt davon unbe­rührt. […]

Um die Kar­ne­vals­ver­klei­dun­gen von jenen Kos­tü­men zu unter­schei­den, die für eine See­len­hal­tung ste­hen, bedarf es einer ein­ge­hen­de­ren Beschäf­ti­gung mit den jewei­li­gen Prot­ago­nis­ten, die das WGT aus dem Unter­grund her­aus immer wie­der zu einem Erleb­nis für die Szene machen — und zwar zu einem, zu dem der her­kömm­li­che Leipzig-Tourist eben kei­nen digi­tal­fo­to­gra­fi­schen Zugang fin­den kann. Nicht auf die Schnelle. Auf diese Weise hat das Tref­fen bei­des in einer fas­zi­nie­ren­den Sym­biose ver­eint: Eine akzep­tierte Ober­flä­che — und einen sub­kul­tu­rel­len Unter­bau von Insi­dern für Insi­der, des­sen Gehalt und Sinn­lich­keit längst nicht auf­ge­zehrt ist, weil er dann doch immer wie­der gespeist wird von den WGT-Pilgern selbst.« Ich möchte Tim Hof­mann an die­ser Stelle mei­nen auf­rich­ti­gen Bei­trag für die­sen Arti­kel zu kom­men lassen.

Auch im Spie­gel beschäf­tigt man sich anläss­lich des Pfingst­spek­ta­kels mit der Szene und fragt: Was machen Gothics eigent­lich beruf­lich? »Aber was machen Gothics eigent­lich, wenn kein WGT ist? Gibt es ein nor­ma­les Leben neben der wavi­gen Wun­der­welt? Was zum Bei­spiel sind sie von Beruf? Auf­fal­lend oft hört man den Wunsch, ande­ren zu hel­fen, sich sozial zu enga­gie­ren. »Ich war schon immer gerne für andere da«, erzählt zum Bei­spiel Mari­ella Masel. Die 18-Jährige aus Ber­lin hat vor einem Jahr ein Prak­ti­kum als Kran­ken­pfle­ge­rin absol­viert, in der Neu­ro­lo­gie und Chir­ur­gie.« Ein net­ter Ver­such der Szene Mensch­lich­keit zu ver­lei­hen, der aber wie ein Rohr­kre­pie­rer in der Mün­dung sein Pul­ver ver­schießt und der beim Leser den Ein­druck ver­mit­teln könnte: Viel Rauch um nichts.

Immer­hin gibt es bei detektor.fm ein paar schöne Radio-Streams zum Wave-Gotik-Treffen, dar­un­ter auch ein Inter­view mit Cor­ne­lius Brach nebst einem Über­blick über die Stadt zum Pfingst­wo­chen­ende. Auch Alex­an­der Nym’s Buch »Schil­lern­des Dun­kel« wird bespro­chen, auf die Frage hin wie Rechts­ex­tre­mis­mus in der Szene ver­wur­zelt sein ant­wor­tet er: »Da muss man sich vor Augen füh­ren, das die Szene sich durch­aus auch als Eli­tär betrach­tet, das heißt man ver­sucht erst­mal einen gewis­sen Abstand zwi­schen sich und das nor­male, bunte Volk sozu­sa­gen zu legen. Dann hat man durch den Hang zur Roman­tik eine intrin­sisch regres­sive Kom­po­nente in der Szene ange­legt da sind natür­lich Anschluss­punkte für Anti­mo­der­nis­men und moderne Kri­tik vor­han­den, die sich dann in Rand­be­rei­chen auch einem Sozi­al­dar­wi­nis­mus annä­hern, den man durch­aus als rechts­ex­tre­mis­tisch bezeich­nen könnte…« Sel­ten habe ich einen so an den Haa­ren her­bei­ge­zo­ge­nen Zusam­men­hang zwi­schen Rechts­ex­tre­mis­mus und der Gothic Szene gehört, wie in die­sem etwas merk­wür­dig for­mu­lier­ten Satz, der mei­ner Mei­nung nach in Ansät­zen rich­tig erscheint, aber in der Kom­bi­na­tion eher in sich selbst zusam­men­bricht. Würde mich freuen wenn den mal einer für mich über­set­zen könnte. Das soll natür­lich nicht davon ablen­ken, das die Streams durch­aus gelun­gen sind.

Zu guter Letzt gibt es von Leip­zig Fern­se­hen noch ein Inter­view mit besag­ten Cor­ne­lius Brach, der von nahezu allen Medien in irgend­ei­ner Form zitiert wird. UPDATE: Wer mal so rich­tig herz­lich lachen möchte, dem sei ein tol­ler Bei­trag von Pro7 emp­foh­len, die die Vor­ur­teile gegen Gothic von zwei Damen aus Mün­chen direkt auf dem WGT tes­ten lie­ßen, solange die­ser noch Online ver­füg­bar ist. (Danke an Rosa Cha­ly­beia für den Tip)

(Bil­der­quelle: Die Bil­der stam­men aus einem Scan der Leip­zi­ger Volks­zei­tung, die ich mir vom Wochen­ende mit­ge­bracht habe)

Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Schwarze Szene
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10 Kommentare

  1. Ich weiß nicht, was du gegen den BamS-Artikel hast. Immer­hin hat die Bild einen Ruf zu ver­lie­ren und die Nische ihres jour­na­lis­ti­schen Niveaus zu ver­tei­di­gen. Somit mein Kom­pli­ment, denn diese schwere Auf­gabe wurde auch die­ses Mal sou­ve­rän gemeistert.

    Und was das mit „intel­lek­tu­el­ler Wort­wahl“ gespickte Zitat aus­sa­gen wollte kann ich teil­weise schon nach­voll­zie­hen. Denn eli­tä­res Den­ken inner­halb der Szene ist Fakt. Einige wer­den auch in einem sol­chen Nar­ziss­mus schwel­gen, dass sie sich für den Rubin inner­halb der Krone der Schöp­fung hal­ten. Und jene dar­aus ent­ste­hende Arro­ganz kann schon ein Den­ken aus­lö­sen, dass in sei­ner „Nie­de­res Wesen dient dem höhe­ren Wesen“-Struktur dem Grund­ge­dan­ken des Sozi­al­dar­wi­nis­mus nahe kommt. Aller­dings fängt das Zitat ab an den Boden zu ver­lie­ren. Denn der eli­täre Gedanke rich­tet sich meist pau­schal gegen die Rest­mensch­heit und hat mit poli­ti­schen, ras­si­schen oder sonst­wie NS-geeichten Ambi­tio­nen wenig am Hut.

  2. Ich habe in den letz­ten Tagen auch mal eine kleine Reise durch die Pres­se­land­schaft unter­nom­men. Beson­ders Spek­ta­ku­lä­res ist mir nicht auf­ge­fal­len. Kaum ein Repor­ter hat sich tat­säch­lich mal um eine R-e-p-o-r-t-a-g-e bemüht, im Sinne von Sich-Unterhalten, Inter­viewen, Nach­fra­gen. Kurze, wenig aus­sa­ge­kräf­tige Zitate von Cyber­goth X aka Zahn­arzt­hel­fe­rin Y aus Z über­wo­gen. Schade eigent­lich. Den Spiegel-Artikel zu »Was machen Gothics eigent­lich beruf­lich« fand ich vom Ansatz her ganz gut, von der Durch­füh­rung aber recht ober­fläch­lich. Ansons­ten haben mir die Arti­kel aus Rhei­ni­scher Post und Leip­zi­ger Volks­zei­tung ganz gut gefal­len. Außer­dem fiel mir auf, dass fast über all die glei­chen Fotos zu fin­den waren, von den paar­und­zwan­zig extre­mer gestyl­ten Men­schen. Ob da eine PRes­se­agen­tur einen ein­zi­gen Foto­gra­fen am Start hatte und der seine Bil­der an alle ande­ren wei­ter­ver­kauft hat?

    @Guldhan: Was das Elite-Thema angeht: Ja, ich denke auch, Gothic beruht ein Stück weit auf Abgren­zung. Man wird ja nicht unbe­dingt »schwarz«, nur weil man die Musik mag(auch wenn das allein oft aus­rei­chen mag), son­dern weil einen irgend­ein Ereig­nis auf die düs­tere Seite zieht, und eine Lebens­hal­tung begrün­det. Ein gewis­ses eli­tä­res Den­ken kann damit ein­her­ge­hen, das finde ich aber nicht per se pro­ble­ma­tisch, son­dern erst dann, wenn es in die von Dir beschrie­be­nen Denk­mus­ter mündet.

  3. Zu Nacht­gold:

    Was die Repor­ta­gen oder Zei­tungs­be­richte anbe­langt, so suche ich dahin­ge­hend erst gar nicht. Denn zu mei­ner Anfangs­zeit brauchte man das auch nicht, da das Thema „Schwarze Szene“ der Pres­se­welt noch schier unbe­kannt war. Zumin­dest im neu­tra­len Sinne. Somit ver­misse ich die­ses heute auch gar nicht.

    […]Außer­dem fiel mir auf, dass fast über all die glei­chen Fotos zu fin­den waren, von den paar­und­zwan­zig extre­mer gestyl­ten Men­schen. Ob da eine PRes­se­agen­tur einen ein­zi­gen Foto­gra­fen am Start hatte und der seine Bil­der an alle ande­ren wei­ter­ver­kauft hat?[…]

    Damit geht auch ein Thema ein­her, dass ich sehr ver­mes­sen finde. Und zwar fin­det man auf den Fotos, wie du schon sag­test, immer nur die auf­se­hen­er­re­gen­den Para­dies­vö­gel. Ich weiß nicht, ob es nor­mal ist, dass einem Pres­se­fo­to­gra­fen nur immer das Extrem inter­es­siert oder zu inter­es­sie­ren hat, aber ich würde dar­auf bedacht sein, mehr den Ein­druck von der Masse fest­zu­hal­ten. Ist zu min­dest von der jour­na­lis­ti­schen Qua­li­tät her pro­fes­sio­nel­ler, als nun dem gemei­nen Leser vor­zu­gau­keln, dass jeder so durch Leip­zig fla­niert. Bzw. diese Klei­dungs­ex­tro­ver­tier­ten den nor­ma­len Sze­ne­durch­schnitt stel­len. Aber wahr­schein­lich ist der eigent­li­che Durch­schnitts­schwarze in sei­ner Art zu mono­ton und unspek­ta­ku­lär geworden.

  4. Was die über­all glei­chen Bil­der angeht — gekauf­ter Con­tent macht halt biss­chen weni­ger Arbeit als sel­ber Pho­to­gra­phen und Repor­ter rum­schi­cken, und das dann nach­her zu Arti­keln zu ver­ar­bei­ten.
    Ich hab zB am vic­to­ria­ni­schen Pick­nick zwei Typen mit schwei­ne­teu­ren Objek­ti­ven gefragt, für wel­ches Maga­zin sie knip­sen wür­den, und die Ant­wort war — für den dpa. Leute die sol­che Rohre mit sich rum­schlep­pen sind ent­we­der extrem ver­sierte und gut betuchte Hob­by­leute, oder Pro­fis. Ers­te­res ist sel­ten. Jeden­falls — kein Wun­der daß deren Bil­der dann bei meh­re­ren gro­ßen Maga­zi­nen dop­pelt und drei­fach auftauchen.

    Zum Stich­wort »Elite«: was mich immer mas­sivst annervt ist, daß offen­bar zwi­schen »abgren­zen« und »eli­tär« nie wirk­lich unter­schie­den wird. Klar will auch ich mich abgren­zen, und das auch optisch aus­drü­cken, aber das heißt noch lange nicht daß ich mich als bes­ser oder eli­tär ver­stehe, eher irgendwo auf glei­cher Ebene, aber eben abge­grenzt, oft wie ein Alien das auf dem fal­schen Pla­ne­ten abge­la­den wurde. Darin sehe ich nichts eli­tä­res. Ich hoff das kommt rich­tig an ;) ist immer etwas schwie­rig sowas in Worte zu fas­sen. Letz­ten­des kann ich auch hier wie­der nur von mir selbst spre­chen, viel­leicht sehen andere Schwarz­trä­ger das tat­säch­lich eher »eli­tär«, aber ich finde, man muss da die ange­spro­chene Unter­schei­dung schon machen da Abgren­zen und Elite-Denken halt eben nicht iden­tisch sind.

    Um den Berich­ten noch ein paar Dinge hin­zu­zu­fü­gen, habe ich hier ein Fund­stück von mei­nem »Lieblings«-*hust*-Sender:

    http://www.prosieben.de/tv/taff/video/clip/23744-gothic-treffen-1.1724599/

    Ich emp­fehle eine Tisch­platte bereit zu hal­ten um bei Bedarf rein­bei­ßen zu können …

    Sams­tags bin ich in ein Team vom Leip­zig Fern­se­hen gera­ten, nach­dems ein loka­ler Sen­der war hab ich auch keine grö­ße­ren Beden­ken gehabt, bin aber den­noch etwas froh daß ich in kei­nem der bis­he­ri­gen Clips auf­ge­taucht bin:

    http://www.leipzig-fernsehen.de/default.aspx?ID=5883&search=1&searchstring=wgt

    Beste Grüße von einem der kras­sen Klamottenextremisten ;)

  5. UPDATE: Ich habe 2 wei­tere Arti­kel auf­ge­nom­men, dar­un­ter einen äußerst gelun­ge­nen Arti­kel der frei­en­presse (Unbe­dingt lesen!) und einen von Spiegel-Online, der Erwar­tungs­ge­mäß ausfällt.

    @Guldhan: Danke für deine Erklä­rung, jetzt lich­tet sich der Nebel all­mäh­lich. Sicher, eli­tär gibt man sich gerne, lei­der sind die Grenze zu Arro­ganz sehr dünn. Für mich übri­gens das große Manko inner­halb der Szene selbst. Immer­hin sind wir uns einig, das der Rechts­ex­treme Bezug mehr als lächer­lich ist :)

    @Nachtgold: So habe ich das auch emp­fun­den, lang­wei­li­ger Con­tent über­wiegt und lässt gute Arti­kel zu Per­len ver­kom­men. Die Bil­der blei­ben die glei­chen wie im letz­ten Jahr und schmü­cken immer wie­der ver­schie­dene Arti­kel (dpa/ap) Einen wirk­li­chen Bericht oder Repor­tage, wie du schon gesagt hast, gibt es nicht. Das wer­den wir dann wohl über­neh­men müs­sen. Und das ist ganz neben­bei erwähnt auch ganz gut so.

    @Rosa: Vie­len Dank für die tol­len Links, von ich den Pro7 Bericht bereits auf­ge­nom­men habe. Rein Kame­ra­tech­nisch fand ich es schon unglaub­lich in wel­cher Fre­quenz auf dem WGT foto­gra­fiert wurde. War man ent­spre­chend zurecht­ge­macht, hatte man kaum eine Chance ohne Bild davon­zu­kom­men — aber wem erzähle ich das? Sich optisch abzu­gren­zen hat erst­mal nichts damit zu tun eli­tär zu sein, die­ser Unter­ton kommt erst dadurch, das man sich auch so gibt. Wer pro­pa­giert denn das wir eli­tär sind? Die Presse und zahl­rei­che Auto­ren, die das so emp­fun­den haben und viel­leicht die Skep­sis die man ihrem Wir­ken ent­ge­gen­brachte damit ver­wech­selt haben. »Warum spricht kei­ner mit mir? Die mei­nen wohl sie wären was bes­se­res!« — Lei­der ist das mitt­ler­weile auch unter­ein­an­der ange­kom­men. Dar­über aber spä­ter mehr…

  6. Also der Arti­kel von der Freien Presse ist wirk­lich ein Gold­stück, der trifft in allen Facet­ten den Nagel auf den Kopf. Ist echt schön auch mal sowas zu lesen, wo sich die ewig wie­der­ho­len­den, zusam­men­ge­kauf­ten Arti­kel grö­ße­rer kom­mer­zi­el­ler Maga­zine gegen­sei­tig anöden.

    Zum leid­gi­gen Thema Knipp­ser: heuer wars echt noch schlim­mer als sonst. Gut, ich weiß ja daß ich, als Extrem­auf­tak­ler ent­spre­chend Kame­ras anziehe, und ich hab nichts dage­gen wenns höf­lich und respekt­voll von­stat­ten geht, nur ab nem gewis­sen Punkt fühlt man sich dann doch als zum Abschuss frei­ge­ge­bene Attrak­tion, zB an der Moritz­bas­tei heuer wars teil­weise über die Schmerz­grenze hin­aus. Ich weiß, tun kann man nichts, aus­ser Auf­wand run­ter­fah­ren, aber ich fände es für mich sehr schade wenn ich die 4 Tage am Stück nicht so selbst­ver­ständ­lich in mei­nen Mons­terr­o­ben rum­lau­fen könnte. Ich will mich nicht gene­rell auf­re­gen übers »Geknipst wer­den« — irgend­wie gehört es bei manch einer Optik auch wie­der dazu, aber wie gesagt — wenns nicht mehr auf einem respektvoll-menschlichen Niveau abgeht geht auch mir der Hut hoch.
    Mit dir, Robert, hab ich das zwar vor Ort schon live bere­det, ich will das hier nur noch mal offi­zi­ell dazu set­zen. Soll auch kein Rum­mo­sern sein, nur eine Bemer­kung dazu.
    Was ich auch schon oft erfah­ren musste ist, daß man auto­ma­tisch als »arro­gant und abge­drif­tet« bezeich­net wird, wenn man so rum­läuft, dabei tue ich mir oft hart von mir aus Leute anzu­re­den obwohl ich wirk­lich gerne neue Leute treffe und ken­nen­lerne. Und das geht nicht mir allein so son­dern auch vie­len Bekann­ten von mir. Für die Presse ists natür­lich auch sen­sa­ti­ons­för­dern­der, in diese pseudo-elitäre Bre­sche rein­zu­sprin­gen, da Otto Nor­mal­bür­ger sich mit so einer Vor­lage noch ein Stück mehr über die beklopp­ten Freaks auf­re­gen kann. Siehe auch das hei­tere Grufti-Beruferaten. Ja was wol­len »wir« den sonst tun? Ich behaupte mal, das anders-sein von ernst­haf­ten Sze­ne­an­hän­gern zeigt sich auch weni­ger durch krasse Lebens­um­stände, son­dern im Den­ken und Emp­fin­den — sprich, in einer fei­ne­ren Nuance die viele über­se­hen (wol­len), mate­ri­ell gese­hen müs­sen auch Gruf­ties ihren Lebens­un­ter­halt auf­brin­gen, Essen ein­kau­fen und sich um die Fami­lie küm­mern. Da ist es auch wie­der medi­en­wirk­sa­mer, mit dem Zei­ge­fin­ger auf »uns« zu deu­ten und hämisch zu ver­kün­den daß »die« nach dem WGT genauso nor­ma­len lang­wei­li­gen Jobs nach­ge­hen. Für den Fall daß Otto Nor­mal­bür­ger ins­ge­heim nei­disch drauf ist daß sich manch einer die eine oder andere Extravan­ganz erlaubt die gesell­schaft­lich nicht so akzep­tiert ist, und das viel­leicht auch gern mal möchte, aber sich nicht traut. Muss beru­hi­gend sein wenn man dann durch die super­ob­jek­ti­ven Medien a la Bild­zei­tung (ich denke an den Arti­kel vom letz­ten Jahr) dann auf­de­cken daß eigent­lich alle die tota­len Lang­wei­ler sind, wenn man die schwarze Fas­sade weg­nimmt nach dem Festival.

    Sorry — ich merke, ich werde zynisch ;) und hab schon wie­der mehr geschrie­ben als ich vorhatte ;)

    Also zum Schluss noch ein Berichterstattungs-Fundstück daß bis auf klei­nere Kli­schees auch ganz OK ist:

    http://www.news.de/gesellschaft/855058137/mozart-fuer-gruftis/1/?igpage=40

  7. @Rosa: Die Eigen­schaf­ten Arro­ganz oder auch die Bezeich­nung ein Freak zu sein schützt doch die Nor­ma­len Bür­ger davor seine kleine heile Welt auf den Kopf zu stel­len. Es ist ein­fach abzu­stem­peln anstatt zu ver­ste­hen, du weißt sel­ber wie schwer es ist, jeman­den halb­wegs ver­ständ­lich zu machen was wirk­lich dahin­ter­steckt und der sich kein Stück in der Mate­rie aus­kennt. Lei­der basie­ren dar­auf auch viele Jour­na­lis­ti­sche Arbei­ten, wie man oft genug lesen kann. Aber ehr­li­cher­weise muss ich zuge­ben, das ich die Mis­sion den Nor­mal­bür­ger zu infor­mie­ren auf­ge­ge­ben habe. Für den All­tag habe ich mir einige Plat­ti­tü­den zurecht­ge­legt, die sicher­lich Arro­gant wir­ken.
    Viel mehr ver­su­che ich die zu errei­chen, die tat­säch­li­ches Inter­esse zei­gen und mit denen man sich im idea­len Fall auch mal über Ansich­ten und Mei­nun­gen aus­tau­schen kann.

    Man kann nicht mehr tun, als Bereit­schaft zu zei­gen die unin­for­mier­ten zu infor­mie­ren. Die meis­ten sehen doch nur das, was sie sehen wol­len und was am bes­ten in ihr eige­nes Welt­BILD passt. Ich appel­liere dem­nach für eine gewis­sen Grund­ar­ro­ganz dem Unwil­li­gen gegen­über und for­dere aber Gleich­zei­tig für den Abbau von Schran­ken untereinander.

  8. Ich will nur ergän­zen, dass ich die­ses mal sehr posi­tiv über­rascht war von der LVZ (Leip­zi­ger Volks­zei­tung). Die hat­ten in den letz­ten Jah­ren fast nur Leute abge­bil­det, die mit Gothic nix zu tun hat­ten, aber schöne Kar­ne­vals­kos­tüme tru­gen: letz­tes Jahr oder vor­letz­tes hat­ten sie eine, die hatte einen durch­sich­ti­gen Regen­man­tel an, dar­un­ter nix und Lack­stie­fel. War natür­lich total gothic! *lol*. Dies­mal waren es diese 4 Non-Extreme aus’m Ruhr­pott glaube ich, die sie über das ganze WGT beglei­tet haben. Gothics wie Du und ich ;o)) die ein­fach nur sym­pa­thisch waren und denen auch noch etwas düs­tere Ideo­lo­gie, lan­ges Dabei­sein bei der Szene und Gothic-Lebensstil anzu­mer­ken war. Nicht nur so mal was Grel­les ange­zo­gen und dann hof­fent­lich foto­gra­fiert wer­den oder das cyber­bunte Par­ty­volk, das unsere Szene seit Ende der Love­pa­rade über­schwemmt. Also dies­mal hat die LVZ mal wirk­lich in die Szene biss­chen rein­ge­horcht. Haben sie zwar bis zum 19. WGT gebraucht, aber es geht doch!

    Ganz krass ist ja der »Lei­chen­blass nach Leipzig«-Bericht von Sat1. Da fällt mir nix mehr dazu ein. Doch, ein Zitat dar­aus: »Wo habt ihr Euch ken­nen gelernt?« wird dort ein Gothic-Pärchen gefragt. Sie so »Naja, beim Fasching. Ich war Teu­fel­chen und er…« ich weiß schon gar nicht mehr. Da hab ich schon nur noch zuckend am Boden gelegen…**dong**

  9. @Robert: sicher — wer seine Vor­ur­teile bestä­tigt sehen möchte, fin­det Mit­tel und Wege dies zu tun. Ich kenne es wenn man gegen Wände redet, letz­lich mache ich sowas — also das Auf­klä­ren wol­len — wenn dann nur bei Leu­ten die mir halb­wegs etwas bedeu­ten und nahe ste­hen. Ansons­ten — wer mich auf der Strasse anspricht und inter­es­siert ist, der bekommt ent­spre­chend Ant­wort, ich muss sagen daß sol­che Gesprä­che meist sehr posi­tiv waren. Ansons­ten ist mir tat­säch­lich recht wurscht was andere über mich so den­ken könn­ten oder tat­säch­lich tun. Manch­mal kommt aber eben eine all­ge­meine Gran­tig­keit hoch, beim Anse­hen oder lesen sol­cher voll­be­scheu­er­ten »Berichte« — wider bes­se­ren Wis­sens ;) — was der Zuschauer sehen will, das kriegt er auch, gerne mit Zurecht­bie­gen der Fak­ten und For­mu­lie­run­gen die den Zuschauer bestä­ti­gen in sei­ner Mei­nung. Und daran wird sich von­sei­ten diver­ser Pri­vat­sen­der sicher nichts ändern, die brau­chen ja die Ein­schalt­quo­ten.
    Ich kann dir also wie­der mal nur zustim­men :) — gerade auch wenn es darum geht »unter­ein­an­der Schran­ken abzu­bauen« — wie du es for­mu­liert hast.

    @shan_dark: besag­ten Sat1-»Bericht« hab ich im letz­ten Jahr schon gese­hen. Die Prot­ago­nis­ten, bzw Küma, treibt sich recht gern und bereit­wil­lig in sol­chen Repor­ta­gen und Quatsch-Formaten der Pri­vat­sen­der rum, der dürfte da schon so ziem­lich alles mit­ge­nom­men haben was es in dem Bereich gibt, ich emp­fehle Youtube mit dem Namen zu füt­tern — aber auf aus­drück­lich eigene Gefahr *g*

    BZW mal was ande­res: bist du auch bei Natron und Soda? Irgend­wie kommt mir dein Nick­name bekannt vor ;)

  10. @shan_dark: Es gibt immer wie­der Zei­tun­gen und Redak­tio­nen, die auf das was ihre Leser sagen auch hören. Sind zwar lei­der immer noch die Aus­nahme, aber es bes­sert sich. Wenn es nach mir gehen würde, gäbe es 90% weni­ger Berichte über sol­che Ver­an­stal­tun­gen. Lie­ber möchte ich gar nicht dar­über lesen, als nur schlechtes :)

    @Rosa: Nur für Dich noch ein wei­te­res Schätz­chen von dem bekannt renom­mier­ten Maga­zin RTL Exclu­siv. http://www.youtube.com/watch?v=g0viMlvjvQc

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