2 Juni

Pressestimmen zum Wave-Gotik-Treffen 2009

Kategorie: Schwarze Szene — Jahrgang: 20095 Kommentare

Wäh­rend unzäh­lige Hel­fer noch damit beschäf­tigt sind die Büh­nen abzu­bauen und die Plätze wie­der in ihren Ursprungs­zu­stand zurück­zu­ver­set­zen, buh­len die Bericht­er­stat­ter der Presse um Auf­merk­sam­keit. Da ich lei­der nicht dabei gewe­sen bin, fasse ich das 18. Wave-Gotik-Treffen mit den Pres­se­stim­men für euch zusam­men und lasse das von Kai­ser­wet­ter belohnte WGT Revue passieren.

Der MDR berich­tet in sei­ner Radio­sen­dung Figaro von einem fried­li­chen Fest der rund 20.000 Anhän­ger der schwar­zen Szene und erwähnt sehr löb­lich die Neue­run­gen, wie die Fried­hofs­füh­run­gen und das umfang­rei­che Kin­der­pro­gramm in einem sehr posi­ti­ven Licht.

Leip­zig Live das Szen­e­por­tal der Leip­zi­ger Volks­zei­tung war­tet mit eini­gen Brand­ak­tu­el­len Videos auf. Das Vik­to­ria­ni­sche Pick­nick auf der Wiese vor dem Park­schlöss­chen ist eine sehr gelun­gene und recht neue Spiel­art mit alten Ele­men­ten. Die Neo-Romantiker ver­sam­meln sich hier um sich und ihre meiste selbst­ge­schnei­der­ten Kos­tüme zu prä­sen­tie­ren. Es ist fas­zi­nie­rend zu sehen, mit wel­cher Hin­gabe hier am äuße­ren gefeilt wird und eine ange­nehme Abwechs­lung für das D-Ring geschwän­gerte Auge des schwar­zen Besu­chers. Im Heid­ni­schen Dorf am Tor­haus Dölitz fei­ert die Mit­tel­al­ter­szene der schwar­zen Gemeinde sich und ihre Art das Mit­tel­al­ter zu betrach­ten. Die Ein­drü­cke aus der Leip­zi­ger Innen­stadt sind gewürzt mit kur­zen Inter­views  der Besu­cher, die das WGT ein­hel­lig als größ­tes Ereig­nis der Szene prä­sen­tie­ren. Die Fra­gen an die Leip­zi­ger Bür­ger sind da dif­fe­ren­zier­ter, klar das die Geschäfts­leute das ganze posi­tiv sehen, Gothic sind fried­lich und eine Spur deka­dent was natür­lich die  Kas­sen füllt, die Bür­ger und Tou­ris­ten zei­gen sich ver­wirrt bis ange­tan vom schwar­zen Trei­ben. (Anm.: Liebe Dame im schwar­zen Bla­zer und dem Lila Ober­teil: Gothic ist keine Frage des Alters son­dern der Über­zeu­gung.)

WGT Eintrittskarte

Die Zeit Online fasst sich deut­lich kür­zer, bemerkt aber ganz rich­tig, das die Alters­spanne immer grö­ßer wird — was natür­lich die logi­sche Kon­se­quenz einer Jugend­be­we­gung aus den frü­hen 80er ist, zu dem schlampt man hier auch noch mit der Recht­schrei­bung, den wie ein Kom­men­ta­tor rich­tig bemerkt schreibt man Addam´s Family mit zwei d. Die Maga­zine Focus und Spiegel-Online bekle­ckern sich nicht mit Ruhm, die Bericht­er­stat­tung wirkt ober­fläch­lich, aber die Begriff­lich­kei­ten sit­zen, man hat dazu­ge­lernt, der Auf­hän­ger des Spie­gels: Auf­fal­len mit Kunst­blut und Dor­nen­krone wirkt wie sein ver­wen­de­ter Begriff künst­lich. Das jetzt oft Men­schen aus der Szene zitiert wer­den könnte daran lie­gen das die Auto­ren selbst eigent­lich nicht wis­sen, was sie schrei­ben sol­len — muss aber nicht so sein. Wenigs­tens eine Zei­tung, wenn nicht sogar DIE Zei­tung beschäf­tigt sich ganz seriös mit den Beru­fen der Gruf­tis.

Eine schöne Serie Mein ers­tes WGT besteht mitt­ler­weile aus fünf Tei­len (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5) die im Leip­zi­ger Inter­net­ma­ga­zin zu lesen sind. Sehr offen und direkt geschrie­ben ver­strömt der Bericht tat­säch­lich den Charme eines Erst­lings­be­such, bei dem sich sicher­lich der ein oder andere wie­der­fin­den wird auch wenn der feh­len­den Back­ground schon im Vor­feld sit­zen sollte.

Auch in der Blo­go­sphäre regen sich erste Geis­ter. Fox­xi­baer vom Fox­xi­blog schreibt in sei­nem drei­tei­li­gen WGT Tage­buch wie er sich von einer Taube erschreckt wurde: »Als Ers­tes hatte mich eine Taube erschreckt, von der ich zunächst annahm sie sei künst­lich. Als ich mir die »Skulp­tur« dann aus der Nähe anschauen wollte, bewegte sich das Biest plötz­lich.« So ein Weichei ;)

In sei­nem Arti­kel Patchouli­po­li­zei schreibt VEB Wort­feile sehr tref­fend: »da wünscht sich die geplagte nase gerne eine patchouli­po­li­zei, die alle par­f­um­fla­kons bei der ankunft beschlag­nahmt und am ein­laß ledig­lich trop­fen­weise wie­der kon­trol­liert abgibt. vie­les wird ein­fach zu dick auf­ge­tra­gen, um auf­zu­fal­len. anämi­sches weiß im gesicht, bunte röh­ren auf dem kopf, gestal­ten zwi­schen anor­exie (sen­sen­mann) und adi­po­si­tas (rubens­ro­man­tik)

Für Bil­der würde ich jetzt ein­fach mal unver­bind­lich flickr.com vor­schla­gen, das wird es sicher­lich bald 1000 neue Bil­der geben. Das Bild von der Ein­tritts­karte stammt übri­gens von Julia.

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Schwarze Szene
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5 Kommentare

  1. Da ich regel­mä­ßig Spiegel-online lese, und ich es eigent­lich für ein gut gemach­tes Online-Nachrichten-Magazin halte, muß ich ihm dies­mal vor­hal­ten, nur sehr ober­fläch­lich recher­chiert zu haben. Mög­li­cher­weise fällt es Außen­ste­hen­den etwas schwer, sich mit der Szene zu befas­sen, aber etwas mehr Mühe dürfte man sich doch geben. Auch wenn ich der Mei­nung bin, daß das WGT auf­grund der »dra­ma­ti­schen« Bericht­er­stat­tung auch zum Schau­lau­fen außer­ge­wöhn­lich gestyl­ter Per­sön­lich­kei­ten wird. Auch die BILD berich­tete, was ich recht lus­tig fand, auch wenn ein komi­scher Nach­ge­schmack blieb.

  2. Auch der Express berich­tet drü­ber, doch nicht gerade so toll : Fotos gucken ! Das Mega-Grufti-Treffen in Leip­zig — sexy und abgedreht

    Oder, dies­mal ohne Link : Die irren Fans von Dr. Made

    Ganz tolle Berichterstattung.

  3. @Vizioon: Lei­der heißt es auch hier viel zu oft: Lasst uns mal schnell ein paar Zeile dazu raus­hauen. Nichts gutes, Haupt­sa­che wir haben drü­ber berich­tet. Nach­rich­ten bei Spiegel-Online schwan­ken immer sehr (offen­bar je nach Autor). Auch wenn es schwer fällt sich mit der Szene zu befas­sen, sollte man den­noch ver­su­chen objek­tiv zu berich­ten und nicht in Pole­mik zu verfallen.

    @Sebastian: Tolle Über­schrift :) Hier wird ein­mal mehr deut­lich (auch an den Bil­der), das es sich offen­sicht­lich um gekauf­ten Con­tent han­delt, denn die Bil­der glei­chen sich und der Text ist eben­falls wie aus einem Guss. Die irren Fans von Dr. Made kannte ich noch nicht, werde mich gleich mal reinlesen ;)

  4. @ Robert: Gekauf­ter Con­tent wird in vie­len Medien immer mehr, glaube ich. Jeden­falls wenn man Ste­fan Nig­ge­meier glau­ben darf, der immer mal wie­der sol­che Bei­träge bringt und Bei­spiele zeigt wel­che Zei­tun­gen wort­ge­nau die glei­chen Arti­kel bringen.

  5. Das ist wirk­lich trau­rig, wohl­mög­lich aber auch unaus­weich­lich. Wenn man bedenkt wie sehr die klas­si­sche Print-Presse durch die Mög­lich­kei­ten des Net­zes unter Beschuss steht, ist es nicht ver­wun­der­lich das man die Qua­li­tät auf lange Sicht nicht mehr hal­ten kann. Man sollte mei­nen, das öffnet eine Lücke für guten Nischenjournalismus.Davon ist aber noch viel zu wenig zu sehen.

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