13 Juli

Pfingstgeflüster 2011: Weißt du noch, auf dem WGT?

Kategorie: Schwarze Szene — Jahrgang: 20114 Kommentare

Ganze Foto­ar­chive von Bil­dern ver­mö­gen es nicht, alle Erin­ne­run­gen an die Pfingst­tage in Leip­zig fest­zu­hal­ten. Auf den Fest­plat­ten vie­ler Besu­cher schlum­mern unbe­nannte, digi­tale Oasen, deren Zuord­nung im Laufe der Jahre immer wei­ter ver­blasst, per­sön­li­che Erleb­nisse wer­den in den Köp­fen abge­legt und schaf­fen nie den Sprung zum reflek­tie­ren­den Wort.

Die Bericht­er­stat­tung in Medien und Zei­tung ebbt ebenso schnell ab, wie sie einst als Flut der Infor­ma­tio­nen die Strände über­spülte und glänzt dabei nicht immer durch den Wil­len, das Tref­fen in sei­ner gan­zen Pracht zu prä­sen­tie­ren. Das Pfingst­ge­flüs­ter möchte diese Lücke fül­len: »Aus dem Wunsch her­aus, das unver­gleich­li­che, wäh­rend der Pfingst­tage in Leip­zig vor­herr­schende Flair für uns und andere län­ger zu bewah­ren und die Schwer­mü­tig­keit zu mil­dern, ent­stand die Idee, einen umfas­sen­den Rück­blick mit groß­for­ma­ti­gen Bil­dern, Stim­men und Stim­mun­gen und Schil­de­run­gen per­sön­li­cher Erleb­nis­sen zu gestal­ten.»1

2005 wurde das Pfingst­ge­flüs­ter gebo­ren. Zum nun­mehr sechs­ten mal ver­sucht Mar­cus Rietzsch eben die­ses Gefühl zu kon­ser­vie­ren, indem er in Eigen­re­gie und nur ein paar Wochen nach Ende des Tref­fens, das Maga­zin her­aus­bringt. Ähnlich wie bei vie­len wei­te­ren Publi­ka­tio­nen ist er dabei in der Lage eine Viel­zahl von authen­ti­schen Stim­men ein­zu­fan­gen, die ihre per­sön­li­che und eigene Sicht der Dinge zu Papier bringen.

Am 25. Juli erscheint nun nach viel lei­den­schaft­lich und auf­op­fe­rungs­vol­ler Arbeit das Pfingst­ge­flüs­ter für 2011. In 14 Bei­träge wird ver­sucht, neben einem Blick auf das jüngst ver­gan­gene Tref­fen, auch einen Blick auf 20 Jahre WGT zu wagen um her­aus­zu­fin­den, was aus dem welt­weit größ­ten Tref­fen die­ser Art gewor­den ist.

Dabei ist es Rietzsch gelun­gen, auch bis­lang unge­hörte Stim­men zum Tref­fen ein­zu­fan­gen und den Wor­ten eine Platt­form zu bie­ten. So ist es ihm gelun­gen, den sonst so schweig­sa­men Initia­tor des WGTMichael Brun­ner zu ver­gan­ge­nen Zei­ten einige Worte abzu­rin­gen. Alex­an­der Nym geht der Frage »Schwarz­bun­ter Kar­ne­val oder unter­grün­di­ges Kul­tur­er­leb­nis?« nach und auch der Ober­bür­ger­meis­ter der Stadt Leip­zig kommt zu Wort. Die Voll­stän­dige Beschrei­bung ist verheißungsvoll:

Präsentiert werden Einblicke in die Arbeiten der im Rahmen des Wave-Gotik-Treffens lesenden und ausstellenden Künstler wie beispielsweise Christian von Aster, Klaus Märkert, Ronald Galenza, Sara Horwath und Sebastian Rühl. Ein ausführlicher Beitrag über die Gäste des WGT mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen – teils großformatig – verdeutlichen den Facettenreichtum der Szene und interessante Meinungen stellen die Vielfalt aber auch die Gemeinsamkeiten der Besucher dar. Farbige Konzertfotografien von Andreas Liem und Michael Küper erinnern an unvergessliche Auftritte und geben einen kleinen Ausschnitt der auftretenden Künstler wieder. Michael Brunner, der Initiator des WGT, berichtet u.a. von „vergangenen Zeiten”, dem Aufwachsen in der DDR und dem Enthusiasmus aller in den ersten Jahren mit der Organisation des Treffens Betrauten. Einzigartige fotografische Augenblicke aus der Vergangenheit des Treffens – eingefangen von Gerd Lehmann, dem Schöpfer der Gestus-Kalender – erfreuen das Auge. Zusätzlich gibt ein Text über das Schaffen des Fotokünstlers interessante Einsichten. Außerdem widmeten wir uns dem Menschen Gustav Mahler. Eine umfangreiche Presseschau von Robert Forst auf 20 Jahre WGT-Berichterstattung ist ebenso enthalten wie ein Gespräch mit dem Sänger der allerersten beim WGT aufgetretenden Band „Age Of Heaven”. Alexander Nym, Herausgeber und Autor der Bücher „Schillerndes Dunkel” und „Black Celebration“ berichtet von seinem persönlichen Treffen inklusive der Frage: „Schwarzbunter Karneval oder untergründiges Kulturerlebnis?“. „Love Like Blood”, die nach über einem Jahrzehnt Abstinenz wieder eine Konzertbühne betraten, um sich gebührend zu verabschieden, kommen ebenso zu Wort wie der Oberbürgermeister der Stadt Leipzig, Burkhard Jung. Guldhan riskiert einen bittersüßen Blick auf das Damals und das Heute. Ein Beitrag der Dramaturgin Bettina Bartz über die Oper „Elektra” runden die diesjährige Ausgabe ab.

Auf­merk­sa­men Lesern wird nicht ent­gan­gen sein, dass auch Guld­han und meine Wenig­keit die Ehre zu Teil wurde, einen Bei­trag für das Maga­zin schrei­ben zu dür­fen. Wer jetzt schon einen klei­nen Blick ris­kie­ren möchte dem sei der Vor­ge­schmack als PDF emp­foh­len (5 MB). Über die Inter­net­seite des Pfingst­ge­flüs­ters und per Bestel­lung über den Buch­han­del oder in ein­schlä­gi­gen Sze­ne­shops kann das Heft zum Selbst­kos­ten­preis von 8,90€ bestellt wer­den, dabei möchte ich beto­nen, das Preis in kei­ner Rela­tion zum eigent­li­chen Wert des Hef­tes steht, son­dern in ers­ter Linie die Selbst­kos­ten der aktu­el­len Aus­gabe trägt. 750 Hefte wer­den erschei­nen, wer sich ein Exem­plar sicher will, sollte sich jetzt schon eins bestellen.

Mar­cus Rietzsch, der sein Licht so gern unter den Schef­fel sei­ner Gast­au­to­ren stellt, macht die­ses Maga­zin aus einem Antrieb her­aus, die ich nicht nur bewun­dere, son­dern die mir auch den aller­höchs­ten Respekt ein­flößt, denn wer schon mal einen klei­nen Blick unter die Haube eines sol­chen Hef­tes wer­fen durfte, kann sich sicher­lich gut vor­stel­len, wie viel Arbeit so etwas berei­ten kann. Es müs­sen Gesprä­che geführt, Inter­views auf­ge­schrie­ben, Bil­der gemacht und unzäh­lige E-Mails geschrie­ben wer­den um die Auto­ren immer wie­der an einen Zeit­plan zu erin­nern. Ein Lay­out muss geschaf­fen wer­den, die Auf­tei­lung bestimmt und Bil­der ergänzt wer­den. Rietzsch arbei­tet nicht gewinn­ori­en­tiert, son­dern zum Selbst­kos­ten­preis und ist damit ein lei­den­schaft­li­cher Fels in der Bran­dung der Kommerzialisierung.

  1. Mar­cus Rietzsch in: Black Cele­bra­tion — 20 Jahre Wave-Gotik-Treffen, Jen­ni­fer Hof­fert / Alex­an­der Nym, Plött­ner Ver­lag 2011, S. 131 []

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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4 Kommentare

  1. Das Pfingst­ge­flüs­ter ist eine Insti­tu­tion und als sol­che hand­lungs­prä­gen­der und zur Refle­xion anre­gen­der Akteur des schwar­zen Lebens­stils! Ich freue mich schon sehr auf die neue Aus­gabe und schreibe nach der Lek­türe einen Leser­brief zu euren Beiträgen :-)

  2. Ich muss geste­hen, dass ich vor dem Ange­bot keine Ahnung von jenem geflüs­ter­ten Nach­ruf hatte. Zum einen, da ich damals gerade in dem Jahr wie­der beim WGT Stel­lung bezo­gen hatte, an dem die Aus­gabe aus­setzte.
    Und zum ande­ren, da man so etwas sel­ten im Vor­bei­ge­hen erfährt. Da sol­che Eigen­in­itia­ti­ven gerne vom all­ge­mei­nen Rum­mel igno­riert wer­den. Völ­lig zu unrecht, aber wer heut­zu­tage nicht mit dem Mega­phon auf dem Platz auf und nie­der springt und laut­hals »Hier stehe ich« durch den Ver­stär­ker dröh­nen lässt, fin­det kaum noch Gehör.

    Ebenso ver­blüfft war ich über die Ansamm­lung gro­ßer Namen, die schon das eine oder andere Wort inner­halb des Pfingst­ge­flüs­ter gelas­sen hat­ten. Und eine wun­der­bare Ein­heit mit der eben­falls darin befind­li­chen »Stimme von nebenan« bilden.

    Jeden­falls bin ich auf die Aus­gabe gespannt Vor allem, da darin die von mir hoch­ge­schätz­ten Gerd Leh­mann und Chris­tian von Aster prä­sent sind. Und ich bald die Weis­hei­ten des Spontis-Wortführers auch in gedruck­ter Form vor mir lie­gen haben werde.

  3. @tobikult: Leser­briefe finde ich toll! Jetzt mal ganz ehr­lich, das geht doch in unse­ren schnell­le­bi­gen und mecker­ge­wohn­ten Zeit total unter! Wer macht sich denn noch wirk­lich die Mühe zu schrei­ben, wenn ihm etwas gefällt? Ein­fach so, ohne die Aus­sicht auf kos­ten­lose Pro­dukt­pro­ben und Gratispackungen.

    @Guldhan: Wie immer tref­fen deine Worte in gewohn­ter Manier den Kern der Sache. Auch ich bin über­rascht, einen Text von Dir lesen zu dür­fen. Gedruckt, für die Ewig­keit, zum in der Hand hal­ten. Ich freue mich sehr. »Völ­lig zu unrecht, aber wer heut­zu­tage nicht mit dem Mega­phon auf dem Platz auf und nie­der springt und laut­hals »Hier stehe ich« durch den Ver­stär­ker dröh­nen lässt, fin­det kaum noch Gehör.« Und wenn dann jemand diese Metho­den benutzt wird er dann doch eher belä­chelt, als erhört.

  4. Beim Lesen der Zei­len auf die­ser Seite bin ich sicher­lich etwas rot gewor­den. Ich fühle mich über­aus geschmei­chelt. Aber was wäre das Pfingst­ge­flüs­ter ohne seine groß­ar­ti­gen Gast­au­to­ren und –foto­gra­fen? Ich bin glück­lich und dank­bar, wie­der­holt Men­schen gefun­den zu haben, die meine Lei­den­schaf­ten tei­len und eigene Gedan­ken vor­treff­lich für das Pfingst­ge­flüs­ter zu Papier gebracht haben.

    @Guldhan: An ein Mega­phon habe ich bis­her noch gar nicht gedacht. Aber in Erman­ge­lung eines Mega­phons und der nöti­gen Zeit wäh­rend der Pfingst­tage und dar­über hin­aus der Abnei­gung im Ram­pen­licht stel­len zu müs­sen, werde ich die­sen Bekannt­ma­chungs­an­satz wohl nicht wei­ter verfolgen.

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  1. […] ich bereits ange­kün­digte, etwas über das Pfingst­ge­flüs­ter zu schrei­ben, möchte ich nun end­lich die […]