11 Juli

Doku: Mein Leben in Schwarz – Echte Einblicke in die Gothic Szene?

Verfasst von Diskussion: 13 Kommentare

Mein Leben in Schwarz - Bei RonnyDonnerstag, 12. Mai 2016. Die Uhr zeigt viertel Neun, wie man hier sagt. Schon seit Minuten nestelt der auf dem Boden sitzende Ronny nervös an seinen Pikes herum. Schnallen auf, Schnallen zu – mal enger, mal weiter. Auf den Sitzgelegenheiten seiner Leipziger Wohnung, die einem Szene-Museum gleichkommt, lümmelt sich die versammelte und selbsternannte Grufti-Elite herum. Ein ortsansässiger Lieferdienst für italienische Spezialitäten wurde bereits mit dem Heranschaffen eines adäquaten Abendmahles beauftragt. Von einem mit einem Tuch bedeckten Sarg werden unablässig bereitgestellte Leckereien in die Münder geschoben. Möglicherweise hat Ronny sie kredenzt, um sie von den schlummernden verbalen Ergüssen zu bewahren, die eine gleich beginnende Dokumentation im Fernsehen auslösen könnte, in der er einer der Protagonisten ist. „Mein Leben in Schwarz“ lautet der Titel der Sendung im MDR, in der nicht nur Ronny über sich und sein Leben erzählt, sondern auch Matthias und Freyja alias Black Friday. Der Pizza-Bote klingelt. Es ist angerichtet. Zufriedenes schmatzen. Gleich geht es los…

Der Halbmond im Nachthimmel, eine Fledermaus und ein Friedhof, über den Nebelschwaden wabern. Ronny schreitet elegant durchs Bild: „Sie wirken düstern und geheimnisvoll mit ihren dunkel gerahmten Augen, dem bleichen Teint und den schwarzen Sachen – die Gothics.

Schon wieder eine Doku über die schwarze Szene? Der nächste zum scheitern verurteilte Erklärungsversuch? Ich könnte es mir jetzt leicht machen und nach den Unmöglichkeiten des Films suchen über die Protagonisten lästern, falsche Musikauswahl kritisieren oder fragwürdige Meinungen durch die argumentativen Wolf drehen. Mach ich aber nicht. Schließlich sind Ronny, Freyja und Matthias meine Freunde und irgendwie bin ich ja auch nicht ganz unschuldig daran, warum man gerade diese Menschen ausgewählt hat. Schon im Dezember 2015 erreicht mich eine Nachricht von Anna Schmidt von der Leipziger Film- und Fernsehproduktionsfirma „schmidtFilm“, in der sich mich bei der Suche nach geeigneten Protagonisten für ihren Film, den sie für den MDR dreht, um Hilfe bittet. „Die Personen sollten tatsächlich Goth sein, das als Lebenseinstellung haben, also nicht nur zum Wave Gothic Treffen oder Festivals mal verkleidet gehen.“ Nach reiflicher Überlegung sage ich zu, schreibe einige Leute aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis an und versuche so gut wie möglich Einfluss auf das mögliche Endergebnis zu nehmen. Jetzt ist auch für mich die Stunde der Wahrheit gekommen. Hat es geklappt?

Gothic und die Friedhöfe

Mein Leben in Schwarz - Ronny Rabe

Ronny in seinem düsteren Refugium: Seiner Wohnung.

Ronny Rabe ist fasziniert von Friedhöfen. Für ihn Orte der Stille mit einer mystischen Ausstrahlung. Auf dem Leipziger Südfriedhof macht er gerne Spaziergänge ohne, dass etwas unheimliches dahintersteckt. Hier findet er Ruhe, nimmt sich Zeit, um sich mit der Vergänglichkeit auseinanderzusetzen.“ Die Kamera begleitet ihn bei seinem Spaziergang. Für Ronny gehört der Tod zum Leben dazu und damit auch die Auseinandersetzung mit eben diesem Thema. Matthias sieht die Sache auf dem Osnabrücker Hase-Friedhof ganz ähnlich: „Ich finde es ist einfach wichtig, dass man sich darüber im klaren wird, dass es irgendwann auch mal zu Ende sein kann. Wir wissen dass wir Leben, aber nicht, wann wir Sterben.“  Für ihn ein wichtiger Grund so zu leben, wie er es möchte und wie Freyja ergänzt: „Für mich ist die Erinnerung an den Tod eine gute Motivation ein interessantes und glückliches Leben zu leben.“ Mal ehrlich, lieber Leser und Friedhofs-Liebhaber, gibt es da noch etwas zu ergänzen? Für mich ist damit eigentlich schon alles gesagt. Statt dem Bewusstsein, das es irgendwann vorbei ist, davonzulaufen, gehen wir über den Friedhof, genießen die morbide Atmosphäre und die von Geschichten und Mystik geschwängerte Luft, um uns an der Tatsache zu erfreuen, dass wir noch kein Teil dieser Ausstrahlung sind.

Gothic und der Stil

Für Ronny ist das Styling wichtig, für ihn ist es mehr als ein Ritual, es ist ein Erkennungszeichen – Ausdruck einer Lebenseinstellung.“ Zustimmendes Nicken von den Sitzgelegenheiten. Als er vor seinem Schuhregal konstatiert: „Pikes kann man nie genug haben!„, spenden die weisen Sieben von der Grufi-Elite Szenenapplaus. Nach so viel Tiefgang eine gelungene Erholung in seichter Oberflächlichkeit. Provozieren möchte Ronny mit seinem Outfit nicht, für ihn ist das Schwarze der Tribut an das, was ihn ausmacht. Für Freyja ist das Äußere ein Ausdruck vom Inneren: „So ungeschminkt zeigt sich Freyja nie in der Öffentlichkeit. Auch nicht ihren Freunden. Denn ohne Make-Up fühlt sie sich fremd. Mit jeder Schicht, die sie aufträgt, kommt sie selber zum Vorschein. Sie kreiert ein Gesicht, das zu ihr passt.“ Abgesehen von den über 300.000 Youtube-Abonnenten, denen sie sich mit ihren Schminkvideos regelmäßig „ohne“ zeigt, stimmt das. Aber womöglich ist das vor der Kamera etwas anderes, als hinter der Kamera? Vielleicht verwechselt man in ihrem Fall auch den Exhibitionismus mit Selbstbewusstsein und kann sich nicht vorstellen, es mit einer eher schüchternen Person zu tun zu haben, die ihr zerbrechliches Inneres zu schützen versucht. Ob Freyja es uns verraten wird?

Ihre Geschichte

Matthias - Ein Grufti auf dem FahrradGlücklicherweise versucht man sich nicht in den immer wiederkehrende Aufarbeitungskursen über die Entstehung der Szene, sondern widmet sich eher den Geschichten der Menschen. Gute Idee. Leider können Ronny, Freyja und Matthias ihre ganz eigene Geschichte nur skizzieren, anstatt sie ausführlich zu erzählen. Ronny hat glücklicherweise den Gothic Friday genutzt, uns noch ein bisschen mehr über sich zu erzählen. Freyja nutzt die Gelegenheit, um über ihren YouTube-Kanal „Black Friday“ zu erzählen, der ihre Geschichte wohl besser und lebendiger erzählen dürfte, als eine statische Geschichte. Die Neuseeländerin findet übrigens, die deutsche Community (Szene) sei eine der besten der Welt, was ich hiermit unterschreibe. Ob es nun wirklich die „beste“ ist, bleibt dem persönlichen Geschmack überlassen, eine der aktivsten und größten ist sie allemal.

Videominute 14:14 – Schallendes Gelächter. Ronnys Sofa bebt. Ein Grufti auf dem Fahrrad! So sieht man Matthias nicht alle Tage. Auch für mich, der gut und gerne 200 Videos mit Gothics gesehen hat, tausende Bilder im Kopf hat und meint, alles zu kennen eine absolute Neuerung. „Man merkt dann schon, man schwimmt gegen den Strom“, so Matthias, „und man merkt auch schon, es wäre manches einfacher würde man jetzt normal aussehen würde.“ Nur zu ungerne würde der Osnabrücker einen leichteren Weg einschlagen und dabei seine Individualität verlieren. Diesen Preis ist er nicht bereit zu bezahlen. Und so fragt man sich nach dem Schmunzeln schon, wie weit man selbst gehen würde und ob man nicht hier und da sogar einen Schritt zu weit gegangen ist. Und ja, ein bisschen Neid vor der Courage hat man dann schon. Wie weit würdet ihr gehen?

Gothic – Klischees und Symbole

Sonnenklar. Also eher Mondhell, dass Ronny zur Eröffnung des Themas grinsend aus seinem Sarg steigt, von dem wir gerade Leckereien und Pizza gegessen haben. „Ein paar Klischees muss man ja haben!“ – und Selbstironie, das stellt auch die Stimme aus dem Off fest. Bei Ronny ist sie damit an der richtigen Adresse. Er mag kein grelles Licht, hüllt seine Wohnung in Schwarz und fährt zum Urlaub nach Gran Canaria. Da muss er selbst ein wenig schmunzeln.

Mein Leben in Schwarz - Freyja

Freyja kam aus Neuseeland nach Deutschland um das WGT zu besuchen. Sie ist geblieben. Wie könnte man deutlicher für die hiesige Szene sprechen?

Freyja mag es ausgefallen und mystisch. Wie viele Gothic trägt auch sie viel Schmuck mit religiösen, okkulten oder mystischen Symbolen. Eine sehr extravagante Mode mit wirksamen Schockeffekten, die auch der Selbstinszenierung dienen.“ Matthias hält sich damit auch ganz bewusst andere Menschen vom Leib, denn er ist mit 16 aus der Kirche ausgetreten und hat mit Religion nichts am Hut, obwohl er seinem Schutzengel vertraut. So sind umgedrehte Kreuze und andere Symbole für ihn ein Schutzpanzer und gewollte Provokation, wie er zugibt.

Die Fledermäuse, die eigentlich Flughunde sind und sich über Ronnys Kopf im Leipziger Zoo runterhängen lassen, seien verbindende Elemente der Szene. Gemeint ist das mysteriöse und das geheimnisvolle, dass (fast) alle Splittergruppen der schwarzen Szene vereint und sich wie ein roter Faden durch die Subkultur ziehen.

Gothic und der Alltag

Sind soziale Berufe typische Gothic-Berufe? Diese Frage wird gleich zu Anfang aufgeworfen, denn Ronny ist Altenpfleger und die Kamera begleitet ihn ein Stück durch seinen beruflichen Alltag. Ich würde mich nicht zum gleichen Ergebnis führen lassen, wie die Dokumentation. Denn das Thema des Gothic-Fridays „Schwarzarbeit“ zeigt deutlich, dass es auch viele andere Berufe gibt, die von Gruftis ergriffen werden. Sowieso unterscheidet sich der Alltag von Gothics nicht von dem der „Normalen“. Geld wächst nicht auf Bäumen, das Essen fliegt nicht in den Mund und Schlaf ist die notwendige Regenerierungphase zur Selbsterhaltung.

Das Goth sein

Dreh und Angelpunkt des Szenelebens ist die Szene selbst. In Discotheken, auf Lesungen, Konzerten, Festivals und Ausstellungen. „Die Szene hat eine vielfältige Kultur.“ Dem pflichte ich bei, auch wenn die Szene sich das erst im Laufe der Jahre erarbeitet hat. Am Anfang war eben doch nur die Musik. „Es sind Freidenker. Es sind Leute, die versuchen sich ihre Welt zu schaffen.“ sagt Christian von Aster, den das Kamerateam in der Kreuzmühle im Harz besucht, der sich mittlerweile seit 16 Jahren in und um die Szene bewegt und die interessantesten Menschen in dieser Szene getroffen hat. „Dieses freie Denken, dieses ohne Scheuklappen agieren – ich würde die Leute jetzt auch nicht als genuin Gruftis bezeichnen, es ist hald immer der Versuch eine Schublade zu schaffen, was letztendlich verständlich ist, weil man damit umgehen muss.

Hochzeit - Matthias und Freyja 2Matthias und Freyja zelebrieren ihr Zugehörigkeitsgefühl zur Szene mit ihrem Aussehen und ihr Zusammengehörigkeitsgefühl mit ihrer Hochzeit. Vor der Kamera. Erstaunlich, wie sehr die Beiden für die Entscheidung, ihre Hochzeit so „in Szene“ zu setzen innerhalb der Szene angefeindet wurden, da erscheinen die Anfeindungen der „normalen“ Gesellschaft doch eher klein und unbedeutend. Einen intimen Moment mit allen teilen? Liegt da der Fehler? Das was einem wichtig erscheint auf einem Silbertablett den Zuschauern zum Fraß vorwerfen? Nun ja, Menschen die so etwas schreiben, während sie ihr Mittagessen bei Facebook posten, kann ich nicht ernst nehmen. Sicherheitshalber war ich dann mal bei der Hochzeit dabei. Nur damit alles glatt geht. Ist klar, oder? Besonders gruftig ist das sicherlich nicht und mit der Szene hat das auch nichts zu tun. Aber muss es das denn?

Die Osnabrück-Touristin im Abspann hat jedenfalls keine Berührungsängste mit unserer Subkultur, auch wenn für sie festzustehen scheint, nie ein Teil davon zu werden. Muss es aber auch nicht, wir sind eben alle ein bisschen besonders und Abgrenzung ist unsere Natur.

Fazit

Als der Abspann läuft, entspannt sich Ronny sichtlich. Die verbalen Schelten bleiben aus. Die Grufti-Elite scheint satt und zufrieden. Ronny, Freyja und Matthias haben ihre Sache sehr gut gemacht und Anna Schmidt, die Filmemacherin, das Thema gekonnt und liebevoll umgesetzt. Hier wurde nichts vorgeführt oder zur Schau gestellt, keine Partei ergriffen und keine Wertung formuliert, selbst Erklärungsversuche blieben erstaunlich dezent – einfach nur ein Doku, die die Szene ein Stück weit so zeigt, wie sie ist. Verrückt, besonders, individuell, morbide, entrückt, ein bisschen egozentrisch, ein bisschen extravagant, ein bisschen introvertiert. Kein Freizeitspaß für Gelangweilte, die ihr Leben aufpeppen wollen. Auch Szeneintern wird das Ergebnis wohlwollend zur Kenntnis genommen, gelegentliche Unkenrufe der chronisch Unzufriedenen verhallen im Äther der sozialen Netzwerke. Der Titel verspricht nicht zuviel. Die Doku bleibt ein echter Einblick in die Gothic-Szene.

Nach(t)gedanken:

Ich frage mich, in wie weit wir als „Szene“ für unsere Außenwirkung verantwortlich sind. Im Grunde genommen sind wir nur für uns selbst verantwortlich. Was die Medien aus dem Phänomen unserer Subkultur macht, sollte uns völlig egal sein. Und bitteschön, wenn sie Bilder von todessehnsüchtigen, schwarz gekleideten Trauergestalten zeichnen wollen, sollen sie das machen. Verkleidete Pferde, Orks und Elfen? Menschen an Hundeleinen und blutverschmierte Zombie-Kopien? Ja, warum denn nicht? Ich weiß ja, das es anders ist. Sich nachher über schlechte Dokus aufregen ist sowieso einfacher und entspricht eher der deutschen Meckerkultur. Gelten wir eben als harmlose Kostümierte, die einmal jährlich und Karnevalsartig durch Leipzig ziehen und die freundlich in die Kamera lächeln, wenn irgendwo eine Linse aufblitzt.

Nicht mir mir. Dann versuche ich lieber – auch wenn der Kampf aussichtslos erscheint – ein wenig Einfluss auf solche Dokus zu nehmen, wenn ich kann und darf. Ein winzig kleiner Versuch, der Szene ihr Authentizität wiederzugeben. Ein skeptischer Versuch die Filmemacher von den kostümierten Selbstdarstellern wegzuzerren. Es ist ein Versuch, die Szene wieder zu etwas besonderem zu machen. 100 gefühlte Dokus, die sich darum drehen, dass wir alle harmlos sind, nicht beißen, völlig normal und total ungefährlich für Geist und Seele sind haben doch irgendwie dafür gesorgt, dass jeder sich vom „dunklen Style“ der Szene angezogen fühlt. Man muss sich ja nur anders anziehen und schon ist man Gothic. Hat Petra Muster im Fernsehen gesehen, da hat sich der Moderator in so einem Szene-Laden einfach so in einen Gothic verwandelt!

Die Folge ist jeder Jahr auf dem WGT zu sehen und erhitzt die Gemüter immer aufs Neue. Dabei sind wir auch ein bisschen selbst dafür verantwortlich. Und genau deswegen werde ich auch weiterhin den einsamen Retter mimen, der versucht den Fokus auf Menschen wie Ronny, Matthias, Freyja, Valentin Winter, Etme Funk und die anderen zu lenken, die alle ein bisschen absonderlich, morbide und verrückt sind. Auf eine mir angenehme und daher massenUNtaugliche Weise.

13 Kommentare

  1. Nun ist das Video auch hier gelandet .
    Sehr erfreut das das Video jetzt hier vorgestellt wird, bin ich eigentlich nicht , dennoch danke ich Robert für seine gewählten Worte , sein positives Feedback und ich hoffe , ich kann ohne „geschändet“ werden , nächstes Jahr wieder beim Spontis Treffen dabei sein ^V^
    Ich muß als erstes gleich mal sagen , dass bitte nicht jedes gesagte Wort auf die Goldwaage gelegt werden soll und für mich , dies eine einmaliges “ Erlebinss“ war – wobei es auch noch andere Anfragen gab , welche ich aber abgelehnt habe.
    Ich habe der Reportage damals zugestimmt , da es keine RTL scheiße ect. war/ist , welche nur auf Sensation aus sind. Auch will und kann ich die Szerne nicht erklären , es ist lediglich ein Einblick in mein Leben und ich bin nur einer von vielen .
    Der 12. Mai in meinem Wohnzimmer war wirklich ein aufregender Tag für mich . Zum Glück wurde ich am Ende der Reportage nicht geteert und gefedert – wie vorher angekündigt ;-) .
    So, dass war es ersteinmal von meiner Seite aus .
    Ich wünsche Euch viel Spaß beim gucken ,schmunzeln , lästern ;-) usw.

  2. Ich habe die Doku gesehen und fand sie ziemlich gut, verglichen mit dem, was man sonst zu sehen bekommt. Manchmal habe ich das Gefühl, dass für solche Reportagen ausgerechnet die Leute genommen werden, die für die Szene eher nicht für repräsentativ sind, oft ziemlich einen an der Klatsche oder alternativ ein extremes Geltungsbedürfnis haben, nur weil man etwas möglichst Extremes sucht. Das war hier nicht der Fall.

    @Ronny Ich denke, Du mußt Dir keine Sorgen machen, Du kommst auf jeden Fall extrem sympathisch rüber und verkörperst zumindest für mich durchaus die bessere Seite der Szene. Vielen Dank, dass Du Dich bereit erklärt hast, da mit zu machen und so ein besseres Licht auch auf den Rest der Szene zu werfen!

  3. Ich schließe mich Victor von Void zu 100% an.

  4. „Schon seit Minuten nestelt der auf dem Boden sitzende Ronny nervös an seinen Pikes herum.“

    GELOGEN!!! Es war locker fast ne Stunde! :-)

    Nett geschrieben, gefällt mir.

  5. Überwiegend eine ganz schöne Doku. Natürlich teilt man nicht immer die Ansichten aller Protagonisten aber muss man ja auch nicht. Es kommt gut rüber, dass das alles individuelle Einblicke sind, Beispiele wie schwarzes Szeneleben aussehen kann. Noch ein paar mehr davon und das Bild in den Medien wird etwas runder.
    Der Robert kann sich ruhig noch öfter einmischen. Die Sendung mit der Bettina Böttinger fand ich auch nicht schlecht (auch wenn mir die Alexandra besser gefallen hat als der Valentin, hahaha).

    @Victor von Void: Also ganz ehrlich, rein von den Mengenverhältnissen fürchte ich ja eher, dass traurigerweise Freyja, Matthias und Ronny nicht der repräsentative Teil der heutigen Szene sind, so sehr man sich das vielleicht anders wünschen würde.

    @Ronny: ich hab hier nun schon mindestens den zweiten Kommentar von dir dazu gelesen, der extrem entschuldigend anmutet. Ist dir im Nachgang peinlich, dass du dort mitgewirkt hast oder bist du nur verunsichert was für Reaktionen kommen? Dafür besteht gar kein Grund, finde ich. Wer dich nicht mit aller Gewalt falsch verstehen will, der wird merken, dass du deine persönliche Einstellung schilderst und nicht versuchst die ganze Szene zu erklären.

  6. Mein einziger Kritikpunkt: Ich weiß ja, die Haare, aber beim Radfahren, besonders im Straßenverkehr, sollte man einen Helm tragen! ;)

  7. Na, ein dichtes „Haarpolster“ könnte ja ebenfalls einen schützenden Effekt haben ;-)

  8. @Ronny: Auch wenn du das ein wenig bedauerst, es war unausweichlich, dass die Doku nun auch hier auftaucht. Erstens: Mit allen Protagonisten bin ich befreundet. Zweitens: Bisher habe ich alle ernst zu nehmenden Versuche etwas von der schwarzen Szene ins Fernsehen zu bringen, unter die Lupe genommen. Und drittens: Bin ich ja auch ein Stück weit dafür verantwortlich, dass es soweit gekommen ist.

    Das ich positive Worte gefunden habe, war auch nicht schwer Ronny. Du hast es auf eine herzlich, warme und fast leichtfüßige Art geschafft Dich authentisch zu zeigen. So wie du bist und so wie du lebst und liebst. Allein das wäre schon Szenen-Applaus wert, wenn es nicht zu dem auch noch äußerst gruftig war, wie Du Dich repräsentiert hast. Ich konnte mir keine besseren „Darsteller“ vorstellen als Dich, Freyja und Matthias.

    Dass der MDR einige Schnipsel aus der Doku zu Deinem und meinem Unmut in anderen Formaten verwurstet hast, liegt wohl in der Natur der Sache und scheint mir fast unvermeidlich. Es ist ärgerlich. Ja. Aber letztendlich verpuffen die Schnipsel im Nirvana. Die Doku bleibt, als fertiges und in sich geschlossenes Werk.

    Was in den sozialen Netzwerken abgeht, ist einfach nur lächerlich. Neider, Klugscheißer, Meckerziegen und Spinner. Die bringst du natürlich mit so einer Doku auf den Plan. Aus dem Sarg erheben? Die eigene Hochzeit filmen lassen? In die Schule mit DER Frisur? Wer meckern will, findet was. Ich habe nichts zu meckern und ich denke, die meisten deiner echten Freunde sind auf Deiner Seite. Die Goldwaage lasse ich im Schrank, logisch. Die meisten Leser vielleicht auch den Duden zu meinem Artikel ;)

    @Fledermama: Bei den Haaren und der Menge Haarspray brauchst du keinen Helm mehr. :-)

    @Julius: Ich werde mich, wenn ich gefragt werde, auch weiterhin einmischen. Dann aber eher in Kontraproduktiver Hinsicht. Der Szene ihr Gesicht zurückgeben. Den Erklärbär und „Wir sind doch alle normal“ Filter lasse ich eingepackt. Wer meinen Blog schon länger liest wird festgestellt haben, dass ich anfangs genau das gemacht habe. Mache ich nicht mehr. Denn mit jedem „Stino“ der sich in schwarzen Klamotten und mit Hundeleine „Gothik“ fühlt und neben mir auf der Tanzfläche zappelt bröckelt der Schutzraum „Szene“ ein wenig. Darauf habe ich keinen Bock mehr ;)

  9. Danke für den Bericht auch über die Doku.
    Da ich nunmal schon durch meinen Beruf viel mit normalen Menschen zu tun habe und mir anhören durfte „ich würde mich ja ziemlich an dem Gruftiding festzuhalten“. Hab ich eben doch mal die Dokumentation weitergeleitet an eben Jene Person und an ein paar der Marokkaner.
    Ich mag den Eindruck, den sie an die Leute vermittelt hat.
    Ich verstehe, dass du unsicher bist/warst Ronny, aber musst du nicht. Du vermittelst den Eindruck, der mich am Anfang so in Richtung dieser Subkultur gezogen hat. Sympathisch, sensibel und Klug^^

  10. Hmm ..mir gehen gerade Fragen und Gedanken zu dem Artikel von Robert durch den Kopf und die Frage „Wie weit würde ich gehen ?“
    Ich frage mich ,bin ich Gothic genug für diese Szene obwohl ich meine Haare nicht mehr hochstyle,keine Pikes mehr trage ( habe ich übrigens noch nie ) und mich nicht mehr schminke?
    Kann ich mich noch dazu zählen ,auch wenn ich nur noch selten auf die Club Parties gehe,weil ich mich zu alt fühle ,auch wenn die Szene in Hamburg sehr altersgemischt ist ?
    Gehöre ich dazu ,obwohl ich mit der klassischen dunklen Literatur nichts anfangen kann ,weil mein Wesen eher schlicht ist ?
    Ich habe heute morgen gerade einen Artikel vom TeamRock gelesen ,wo stand *Gothic ist nicht meine Religion ,und ich gehöre nicht dazu ,weil ich das als Rebellion sehe.Sondern ich gehöre dazu ,weil es mein Stamm ist *
    Ich hätte das heute morgen noch blind unterschrieben ,aber nach Roberts Bericht bin ich wieder an dem Punkt angekommen ,wo ich mich selber gerade mal noch als Mitläufer bezeichnen würde
    Ich bin schon so lange dabei ,das ich eigentlich sagen würde ,ich kann nicht ohne ,aber ich bin älter geworden und habe von vielem Abstand genommen ,aus persönlichen ,wie auch gesundheitlichen Gründen.
    Reicht meine Liebe für das Dunkle noch aus,um dazu zu zählen ? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht .
    Diese Gedanken setzen natürlich voraus ,das man überhaupt dazu gehören möchte .Oder etwas /jemanden /eine Gemeinschaft sucht ,wo man sich zugehörig fühlt
    Im Übrigen arbeite ich als MTA für Labor,mit Blut ,jeden Tag und 5 Jahre in der Patho ,wo ich jeden Tag mit Bestattern und dem Tod zutun hatte ,aber auch mit dem Leben .

  11. Im Grunde ist das die Frage danach, wann man teil einer Subkultur / Gruppierung ist. Weil die anderen Mitglieder dieser Subkultur einen als Mitglied erkennen und akzeptieren? Weil man sich selbst dazu zählt? Weil man gewisse Kriterien erfüllt, die definitorisch der Gruppierung zugeordnet ist?
    Die Antwort auf diese Frage hängt sicher auch sehr davon ab, was man als wesentlichen Bestandteil der „Szene“ betrachet. Musik? Themen? Kleidung? Eine Mischung? Am Ende steht sicher auch die Frage, wie wichtig ist es einem sich als Teil einer Gruppe zu begreifen oder als solcher begriffen zu werden? Ganz am Ende ist es schlicht und ergreifend eine identitäre Frage und gerade bei solchen Gruppierungen herrschen viele unterschiedliche Meinungen vor, die Ausdifferenzierung der Szene macht es da nicht gerade leichter, da sich diese verschiedenen Stilrichtungen nicht immer grün sind.

  12. @Hexenstern: Es ist völlig normal, dass nach einem längeren Dasein in „Schwarz“ die Inszenierung zum Alltag wird, wenn ich das mal so ausdrücken darf. Das Äußere, die Ästhetik, Musik, Inhalte und Lebensgefühl sind längst ein Teil von einem Selbst geworden, so das man nicht unbedingt auf visuelle Reize setzen möchte, um seine Zugehörigkeit zu demonstieren. Ab diesem Punkt gehörst du nicht nur dazu, sondern bist ein Teil dieser Subkultur, weil du das, was Dir wichtig ist, was du schön findest und was dich ausmacht unterschwellig an dein Umfeld abgibst. Schön ist es, wenn man sich trotzdem gelegentlich Inszeniert, um der alten Zeiten Willen und vor allem – um den Grund seiner „Mitgliedschaft“ wieder einmal zu spüren.

    Und natürlich, mit dem Alter ändern sich die Ankünpfungspunkte zu schwarzen Subkultur oder besser gesagt, die Schnittmengen, wenn auch die musikalische Liebe als gemeinsamer Nenner betrachtet werden könnte. Wenn du jung und schön und unabhängig bist, ist Styling Dein Ausdruck, Provokation dein zweiter Vorname. Später hast du Dich dann genug bewiesen und körperliche Veränderung gemischt mit steigenden Befindlichkeiten engen Deine Ausdrucksmöglichkeiten stark ein. Dann konzentrierst du Dich auf das „andere“ der Szene – das diese glücklicherweise zu bieten hat.

    @Flederflausch: Das fatale an Subkulturen und Gruppierung ist, dass eine Dazugehörigkeit meist von Außen definiert wird. Ich glaube du gehörst irgendwie dazu, wenn du auf die Frage ob du dazugehörst, vehement verneinst. :-) Ganz nüchtern betrachtet würde ich tatsächlich einen gewissen Kleidungsstil als essentiell betrachten, da er nicht nur als äußere Abgrenzung funktioniert, sondern auch als ästhetische Zugehörigkeit. Dass das 2016 nicht nur kompromissloses Schwarz sein muss, ist der Zeit geschuldet. Wenn du Dein Äußeres so anpasst, wie es die Szene vorgibt, sei es weil es Dir gefällt oder weil du gewollt dazugehören willst, gehörst du dazu.

    Die Frage ist, ob du bleibst. Denn das geschieht nur, wenn Inhalte, Musik, Lebensgefühl und meinetwegen Weltanschauung ebenfalls zur Dir passen. Schätze ich jedefalls ;)

  13. @ Robert: Grundsätzlich würde ich dir zustimmen, aber:

    Wenn Subkulturen eine Gegenkultur zur Gesamtkultur mit eigenen Werten und Normen darstelllen, dann ist diese Orientierung doch eigentlich selbst gewählt. Zumal Identitäten ja auch eine Selbstzuschreibung beinhalten und Subkulturen immer auch irgendwie etwas damit zu tun haben, dass man auf der Suche nach Gemeinsamkeiten ist. Meiner Meinung nach zumindest hat Identität viel mit Selbstverständnis zu tun – eine Fremdzuschreibung muss man ja nicht in die Selbstbeschreibung integrieren.
    Auch was die Kleidung betrifft gebe ich dir irgendwo Recht. Das drängt dann aber eben wieder die Frage auf. Was ist mit denen, die sich nicht hauptsächlich schwarz kleiden? Oder nur zu bestimmten Gelegenheiten? Solchen denen die Kleidung egal, aber die Musik wichtig ist? Worauf ich hinau will: Ich finde man kann die Grenzen nicht so statisch definieren und die Entwicklungen und Ausdifferenzierungen machen die ganze Sache offener – oder schwammiger, je nach dem.
    Und drin oder draussen – dazwischen gibt es noch mehr würde ich behaupten. Teinehmende, Mitläufer, Sympathisanten etc.

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