Zillo - Titelbild Ausgabe Juli 2012

Die ganze Wahrheit – Als der Zillo mich über Cyber-Gothic interviewte

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Zillo - Titelbild Ausgabe Juli 2012Zugegeben. Der Titel des Artikels ist ein wenig überzogen, erwartet man doch einen handfesten Skandal oder Verdrehung der Tatsachen als mich der Zillo für einen Artikel über das Thema „Cyber-Gothic“ interviewte. Nichts davon ist eingetreten. Und doch gibt es eine ganze Wahrheit, denn das, was in der Juli/August-Ausgabe zu lesen gab, ist nicht das vollständige Interview.

Es begann mit einer Nachricht von Daniel Dreßler, der als Autor für den Zillo tätig ist. Ich gebe zu, dass ich skeptisch war, erwartete ich eine oberflächliche Darstellung des Status Quo der Cyber-Szene. Ich wurde eines besseren belehrt. Die Fragen, die mich per E-Mail erreichten, hatten es in sich und zeigten, dass sich hier jemand ernsthaft und kritisch mit dem Thema auseinandersetzen möchte. Ich beantwortete alle Fragen und war gespannt, wie viel davon und in welchem Zusammenhang Daniel in seinem Artikel verarbeiten würde.

Das Ergebnis hat mich positiv überrascht, denn der Artikel versucht tatsächlich dem Phänomen „Cyber“ objektiv auf den Grund zu gehen.  Daniel hat Befürworter und Gegner der Szene zu Wort kommen lassen und so beiden Seiten dieser „Bewegung“ eine Plattform geboten. Der Artikel zeigt ein überraschend hohes Niveau, das ich zunächst nicht erwartet habe.  Sicher, ich bin in einigen Punkten nicht seiner Meinung, aber das muss ich auch gar nicht, denn ein solcher Artikel lässt immer Raum für die eigene Sicht der Dinge.

Ich möchte das Thema „Cyber Gothic“ mit diesem Artikel für mich abschließen, denn in zahlreichen Diskussionen hier im Blog wurde das Phänomen gründlich durchleuchtet. Im folgenden Interview und meinem Fazit zeige ich, warum ich das Thema abschließen möchte:

Daniel Dreßler: Was sind deiner Meinung nach die Ursprünge der Cyber-Bewegung?

Robert: Der stilistische und musikalische Ursprung der Cyber-Bewegung liegt meiner Ansicht nach in den frühen 90ern, als Rave und Techno Hunderttausende Menschen mit Neonpuscheln, Mundschutz und Schweißerbrillen zur Loveparade nach Berlin lockten. Etwa um das Jahr 2000 tauchten dann die ersten „Cyber-Gothics“ auf, die die äußerlichen Stilmerkmale der Raver und Gothics verbanden. Technoide Musikrichtungen, die zu diesem Zeitpunkt in der Szene bereits häufig gehört wurden, sorgten für die nötigen musikalischen Parallelen. Ob es Raver waren, die Gothic für sich entdeckten, oder Gothics waren, die Techno mochten, sei einmal dahingestellt.

Auszug aus dem Artikel „Cyber-Gothic“ von Daniel Dreßler – Quelle: Screenshot der Zillo Homepage

Daniel Dreßler: Cyber-Gothics werden in der schwarzen Szene regelrecht gescholten, weil sie nichts mit den Grundgedanken der Gothics zu tun haben. Kannst du diese Einstellung nachvollziehen, obgleich die schwarze Szene seit Anbeginn immer sehr offen für verschiedene Richtungen war?

Robert: Ich kann das durchaus nachvollziehen. Es geht im Prinzip um die Verteidigung der eigenen Schutzräume. Hier mischen sich zwei Dinge, die sich nicht vertragen können. Introvertiert trifft extrovertiert. Während sich der Gothic lieber mit geschlossenen Augen zu den Klängen und dem Text seiner Musik auf der nahezu dunklen Tanzfläche bewegt, möchte der mit Knicklichtern fuchtelnde Cyber exzessiv tanzen, seine „Moves“ darbieten und im Rampenlicht stehen.

Die musikalische Offenheit der Szene wurde ihr selbst zum Verhängnis, denn die Cyber nutzten die in der Szene aufstrebenden technoiden Musikrichtungen, um Fuß zu fassen. Die Cyber-Bewegung wuchs und für die Clubbetreiber war das damals der Zug, auf den sie aufspringen mussten, um ihren Umsatz zu steigern. Unter dem Begriff „Gothic“ auf Flyern und Party-Ankündigungen sind mittlerweile so viele unpassende Musikrichtungen vereint worden, dass der geneigte Gothic keinen Ort mehr findet, an dem er sich wohlfühlt.

Daniel Dreßler: Wie beurteilst du die Entwicklung der Cybers? Wird sich diese Bewegung etablieren, oder spricht nach ein paar Jahren keiner mehr darüber?

Robert: Ich halte diese Bewegung für eine Modeerscheinung, die ihren Zenit vielleicht schon überschritten hat. Es fehlte den Cybern immer noch an einer gemeinsamen Ideologie, einer Grundlage, die auch über die Musik und den Tanz hinaus funktioniert. Idealerweise werden sich Cyber und Gothic ausdifferenzieren und weiter in ihren eigenen Szenen entwickeln. Ob man dann in ein paar Jahren noch darüber spricht, wird davon abhängig sein, ob die Cyber es schaffen, sich eine eigenständige Szene aufzubauen.

Daniel: Kann man diese Entwicklung der Cybers nicht auch als logische Konsequenz einer Szene sehen, die seit ihren Anfängen immer kommerzieller geworden ist?

Robert: Es gibt in jeder Splittergruppe der Szene Leute, die nur konsumieren und solche, die ihre Outfits selbst basteln und kreativ sind. Die gibt es sicherlich auch in der Cyber-Szene. Deswegen würde ich nicht sagen, dass ausgerechnet die Cyber eine logische Konsequenz der Kommerzialisierung sind. Meiner Meinung nach sind sie vielmehr ein Resultat der Tatsache, dass „Gothic“ zum Modetrend mutiert und sich viele Gruppierungen hinzugesellen, die sich weder für die Ursprünge der Schwarzen Szene interessieren noch musikalisch oder vom Lebensgefühl her dazu passen.

Daniel: Welche positiven Eigenschaften kann man den Cybers zusprechen?

Robert: Ich will ehrlich sein. Bezogen auf das allgemeine Erscheinungsbild und Verhalten kann ich der Cyber-Bewegung keine positiven Eigenschaften zuordnen. Im Gegenteil. Auf der Tanzfläche habe ich Angst, erschlagen zu werden, die Musik, zu der sie sich bewegen, finde ich meist grausam und darüber hinaus stören sie mein ästhetisches Empfinden.

Daniel: Kann man eine Kultur, die sich allein auf eine – zugegeben diffuse – Endzeitästhetik reduziert nicht auch als subversiv bezeichnen? Ich sehe in dieser Bewegung oftmals Parallelen zur New Romantic Bewegung, die von den New Wavern ebenfalls aufs schärfste kritisiert wurde.

Robert: Ich empfinde weder die New Romantics noch die Cyber-Bewegung als subversiv. Beide Bewegungen haben es versäumt, ihre Form der Selbstdarstellung mit Inhalt zu füllen. Die einzigen Dinge, die bei der Cyber-Bewegung einer Endzeitästhetik entsprechen würden, sind doch ein Mundschutz mit „Biohazard-Symbol“, um vor einer vergifteten Atmosphäre zu schützen, die sogenannten „Schweißerbrillen“, die die Augen vielleicht vor dem Licht einer Atomexplosion bewahren sollen, und die farbigen Kontaktlinsen, die womöglich auf die Mutation durch radioaktive Strahlung anspielen. Neonfarbene Haarverlängerungen, bunte Puscheln, Plateauschuhe, Lackcorsagen und mit Metallringen verzierte Hosen gehören für mich nicht dazu.

Ein kurzes Fazit

Ich bin, wie gesagt, positiv überrascht. Der Artikel ist wirklich gut gelungen und zeigt auch mir einige neue Blickwinkel auf eine Szene, über die schon seit langem angeregt diskutiert wird. Ich möchte das Thema „Cyber-Szene“ damit auch eigentlich ein wenig auf Eis legen, denn meiner Meinung nach wurde alles darüber gesagt, was es zu sagen gab. Sollten zukünftige Entwicklung eine Änderung abzeichnen, wird Spontis natürlich wie gewohnt darüber berichten. Die intensive Diskussion hat vielleicht einigen zu Denken gegeben, die Zeit wird zeigen ob Cyber sich etabliert oder in Wohlgefallen auflöst. Spätestens dann, wenn das Interesse der Medien nachlässt, wird sich herausstellen ob aus der Modeerscheinung eine Szene wird, oder ob sie als buntes Kapitel der Gothic-Bewegung verhallt. Jüngste Beobachtungen auf Festivals und Partys bestätigen mich in meiner Ansicht, dass Cyber und Gothic sich immer weiter voneinander entfernen. Die optische Präsenz der „Knicklichter“ ist deutlich zurückgegangen, das bestätigen mir auch viele andere Szenemitglieder, mit denen ich mich darüber unterhalten habe.

Ich kann mich mit dem Zillo dennoch nicht anfreunden, auch wenn solche Artikel in mir die Hoffnung wecken, dass man einzelne Dinge endlich kritischer und objektiver beleuchtet werden.  Mein Dank geht an Daniel Dreßler, der einen wirklich lesenswerten Artikel zum Thema geschrieben hat und an Sascha Blach, den Chefredakteur des Zillo, der einer Veröffentlichung des Interviews zugestimmt hat.

Robert
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Marco

so einen artikel in der zillo? bin ehrlich erstaunt, denke aber wie du auch, dass der cyber-cultus seinen zenit überschritten hat und sich die leute nun andere kostüme suchen. leider verlassen sie aber nicht unsere szene. die neue spielwiese gothic, bietet doch so viel andere bereiche sich zu kostümieren

Ma’a as-salama Kara Ben Nemsi

Ian Luther
Gast
Ian Luther

Den Artikel hab ich gelesen. Ich frage mich jedes Mal, wieso ich mir dieses Käseblatt eigentlich noch kaufe. Aber Alternativen gibt es nicht. Orkus und Sonic finde ich noch schlechter und vor allem zu sehr an Metal gerichtet. Wieso kann es kein Magazin geben, das Spontis nahe kommt? :-)

Ian Luther
Gast
Ian Luther

Auf dem M’era konnte ich dieses Jahr die Cyber-Outfits an den Fingern abzählen. Es waren deutlich mehr Menschen mit Alien-Sex-Fiend-Shirts und Bauhaus bzw. Siouxsie anwesend. Ich lach mir ins Fäustchen und reibe mir die Hände… aber ich möchte nicht zu weit gehen, nachher ist das auch nur wieder eine Modeerscheinung ;-)

Death Disco
Gast
Death Disco

Vermutlich werden zu dem Thema noch ein paar Leserbriefe folgen (gibt es sowas überhaupt noch?). Zillo kaufe ich nicht mehr, der Hauptinhalt ist Grütze, die Schreiberlinge und Chefredakteure sind mir auch völlig fremd (ganz anders bei Rock Hard und Co., wo man ja immer wieder altbekannte Namen liest, die auf jahrzehntelange Erfahrung zurückblicken können).

Haben die eigentlich den genauen Wortlaut übernommen oder wurden Textstellen verändert?

Piet Noir
Gast
Piet Noir

Ansich ein schönes Interview nur finde ich den Satz: „Etwa um das Jahr 2000 tauchten dann die ersten „Cyber-Gothics“ auf, die die äußerlichen Stilmerkmale der Raver und Gothics verbanden. “

Ich habe noch nie so einen „Cyber“ gesehen, der Rave mit Gothic verband. Im weitesten Sinne kann man vllt sagen, dass sie Elemente des Rave mit Fetisch und der Electro-Szene verbanden. Wenn ich hier wieder den Schwarzromantiker, Batcaver, Goth Rocker und Alt-Waver neben einen „Cyber“ stelle, sehe ich da wirklich keine Verbindung.

Grabesmond
Gast
Grabesmond

Piet hat Recht; als ich anno 2004 die ersten Cyber in der Matrix gesehen habe, trugen die überwiegend Lackkleidung und Lackstiefel. Gut, die Schweißerbrille war schon ein fester Bestandteil des Outfits, genauso wie bunte Haarverlängerungen, aber Biohazard-symbole, Atemschutzmasken oder dies unsagbar häßlichen Schlabberhosen in Neonfarben war da noch nicht „angesagt“

Pitje
Gast
Pitje

Kaufe mir Zillo und Co. auch nur noch äußerst selten. Früher habe ich keine Ausgabe verpasst und kannte auch jeden Schreiber. Heute schrecken mich meistens schon die Titelbilder ab. Daran erkennt man in der Regel, wessen Plattenfirma mit einer fetten Anzeige die Lobhudelei aufs neue Album im Heft gekauft hat.

Leider verpennen die so genannten Szenehefte auch alle echten Trends. Jetzt, wo die Cyberszene abebbt, eine Reportage darüber zu bringen ist ja schon ein Witz. Postpunk-Revival, Witchhouse, Neofolk-Szene, Minimal-Boom, etc. fanden in Zillo, Orkus und Sonic Seducer so gut wie gar nicht statt.
Heute klicke ich mich lieber durchs Netz und informiere mich zum Beispiel hier bei Spontis, obwohl ich immer noch gerne bedrucktes Papier in Händen halte. Vielleicht solltest Du mal über eine Heftausgabe von Spontis nachdenken, Robert!

Death Disco
Gast
Death Disco

Zustimmung. Bis auf den Neofolk. Dirk Hoffmann schrieb ca. Mitte der 90er eine über mehrere Ausgaben hinweg verteilte Serie darüber. Auch bekamen Di6 oder Current 93 ihre Doppel- (und Dreifach)Seiten. Das ist natürlich schon 15 bis 20 Jahre her, als diese Musik eine erste Hochphase erlebte.

Letztlich war Zillo auch nur eine Zeitschrift der Indie-/Alternative-Szene, auch wenn es sich heute gerne als Gothic-Magazin darstellt. Gothic Rock/Dark Wave nahmen schon immer nur einen kleinen Teil des Heftes ein.

Pitje
Gast
Pitje

Naja, es gibt aber auch viele potenzielle Leser, die die Magazine nicht mehr kaufen, eben weil es nur noch Werbetexte zu aktuellen Bands sind, die eine starke Plattenfirma im Rücken haben. Und wenn der Kioskverkauf zurückgeht, weil die Leserschaft wegbricht, ist denen ja auch nicht geholfen.

Ich dachte eher an ein unkommerzielles Fanzine, wie es sie früher noch recht häufig gab. Da gäbe es bestimmt eine Menge Leute aus dem Spontis-Umfeld, mich eingeschlossen, die Beiträge liefern könnten. Aber dieser Blog hier macht sicherlich schon sehr viel Arbeit, da gebe ich Dir natürlich recht.

NorthernNephilim
Gast
NorthernNephilim

Rave ja aber von Techno war nie bunte Klamotten weder Schweißerbrille noch sonstwas das Kleidungsbild. Geh mal ins Berghain in Berlin :)

Ansonsten eine gedruckte Ausgabe von Spontis, würde ich derzeit ablehnen. Grund, bei jedem Monat dem Drucktermin, verkommt alles zum „Muss“, ick muss noch alle Artikel einklipmpern, muss noch alle Interviews machen, muss noch Bandfotos von xyz machen …………..

Einmal ein Jahr vielleicht wie die WGT Ausgabe evtl zu nem Kleinen Umkostenbeitrag das reicht.

Death Disco
Gast
Death Disco

Da muss ich vehement widersprechen. Techno House aka Tekkno war schon immer kunterbunt. Daher kommt doch das ganze Styling. Gasmasken, Mundschutze, Neonklamotten, Biohazard-Symbole… so rannten die Tekker/Raver zu Beginn der 90er durch die Disse. Manche trugen sogar Schläuche oder Haushaltsgeräte wie Staubsauger mit sich herum. Dazu noch ’ne Trillerpfeife und fertig war des Gruftis Feindbild No. 1. ;-)

Heimfinderin
Gast
Heimfinderin

Ich kann Death Discos Aussage nur unterschreiben. So sah´s aus Anfang der 90´er. Verdammt, ich wusste doch, ich habe das alles schon mal gesehen… XD

NorthernNephilim
Gast
NorthernNephilim

Weiß ja nicht woher ihr das kennt, aber zu Zeiten wo ich zu Robert Natus DJ Amok und Co sowie dem ganzen Zeugs aus Detroit in kleinen Kellergewölben unterwegs war gabs weder Gasmasken, staubsaugende Typen noch sonstwas und war in ganz normaler „Streetwear“ unterwegs. Und wenn ihr euch auf Loveparade und Co bezieht die hatte die letzten 5 Jahren ihres bestehens soviel Aussagekraft wie das heutige Mera Luna zum gemeinen Gruftie.

Heimfinderin
Gast
Heimfinderin

@ NorthernNephilim
Das habe ich schon öfter gehört von denjenigen, die damals in der Techno-Szene involviert waren. Aber dafür habe ich es von Gruftie-Seiten viel zu sehr von der Oberfläche aus gesehen, um es beurteilen zu können. Massiv wahrgenommen eben das bunte Gezuppel, das in den Dissen tanzte und stark an die Cybers von heute erinnert, durchaus zu vergleichen mit der Loveparade. Vermutlich verhielt es sich dort ähnlich wie heute auf den „Gothic“-Festivals – ein ursprünglicher, alternativerer Kern hat einen anderen Anspruch als das, was dann massentauglich an der Oberfläche und im Mainstream ankommt und wahrgenommen wird. Würde ich dem durchaus zugestehen, aber ich habe mich, wie gesagt, nie in den Tiefen des Techno bewegt, das war nicht unser. Die Subkulturen haben alle mit dem Übergang zum Trend an Substanz verloren. Das passiert immer. Avantgarde ist auch nur so lange Avantgarde, bis sie sich im Mainstream verloren hat.

Chris Juracid
Gast

Ein wirklich sehr guter Artikel! Ich persönlich würde das Jahr 2000 als ca.-Beginn der Cyberbewegung zwar als etwas zu früh empfinden (ausgelöst wurde das Ganze kommerziell im prinzip erst durch Agonoize’s „Koprolalie“ anno 2006 – woraus sich dann auch der typische Cyber von heute entwickelte), aber gut möglich, dass „prototypen“ auch schon weit zuvor das Ganze stilistisch aufgefasst haben. Technoider wurde Gothic ja bereits Ende der90er (unmittelbar nachdem die klassische Szene praktisch „tot“ war).

Die Art und Weise wie die Cyber tanzen hat durchaus Paralellen zu den 90er Technotätnzen auf LP, Mayday und Co. Da es in der technoszene aber schon seit einigen Jahren einen Minimalboom gibt (Minimal-techno, nicht Minimal-Wave…) hat sich dieser Tanz aber ziemlich verabschiedet. Die schnellen hektischen Bewegungen sind ein zeichen der 90er.

Die Urform des Techno, also Deitroit-Techno, hinterließ auch eher einen tranceartigen Tanzzustand, welcher dann eben ab Mitte der 90er durch die Ravebewegung ins Hektische abgelöst wurde. Die schnellen Bewegungen sind daher auch ein zeichen der 90er.

Um mal ein Beispiel für alle zu geben – dieser Song von 1994 kann man als Paradebeispiel für Rave-Sound der 90er nehmen:

(fällt euch was auf….? ;) )

Übrigens auch sehr gute und informative Kommentare hier von Pitje. Heimfinderin hat das Ganze dann wirklich zu einem guten, ehrlichen Schluß gebracht. ;)

Axel
Gast
Axel

@Pitje:
Unkommerzielle Fanzines? Das ist nix neues im Gothic-Bereich. Seit 2008 existiert das „Dark Feather“ Magazin, eben ein solches Magazin wo wir Journalistisch tätig sind und nicht marketingmännisch. Wir sind auch jederzeit offen für Schreiberlinge, die Beiträge beisteuern wollen. Schau mal rein: http://www.darkfeather.de

Zum Thema an sich:
Die Cybers kommen ja, wie so etliche Strömungen, aus England. Der Frank, der Betreiber der Blauen Stunde, mit dme ich mich häufiger mal länger unterhalte, hat schon mitte der 90er solche Cyber Goths in England gesichtet. Ich selbst habe zu diesem Thema eigentlich keine Meinung. Mir persönlich sind diese Cybers schlictweg egal. Habe nix mit denen zu tun…

Dass die Zillo allmählich anfängt wieder journalistischer tätig zu werden, freut mich. Denn das war es, was die Zillo früher in den 90ern mal ausmachte. Nun ist es auch so, dass es notwenig ist sich einen neues „Image“ zuzulegen. Die Auflagen der Zillo, Sonic Seducer und Orkus sind seit Jahren extrem niedrig und es gab auch schon Gerüchte, dass einer der Zeitschriften wohl dicht macht.

Letztens habe ich mal wieder die Orkus in der Hand gehabt und war erschüttert wie inhaltsleer das Blatt doch ist. Die Interviews sind alle nicht der Rede wert gewesen und die redaktionellen Texte sowas von kurz und beliebig…

Nochwas zum Thema Blog vs. Magazin:
Unterschätzt mal nicht wie viel Arbeit so ein Magazin macht! Es ist ja nicht nur das Schreiben und Interviews führen. Allein so ein Layout ist unwahrscheinlich zeitaufwendig. Und auch so gibt es im Hintergrund ne ganze menge organisatorische Dinge zu beachten. Nicht umsonst erscheint z.B. das Dark Feather alle drei Monate, obwohl wir mittlerweile ein gutes eingespieltes redaktionsteam sind. Es ist wirklich ne Heidenarbeit und wenn man das als Hobby macht beinhae nicht zu stämmen. Da ist so ein Blog einfach viel pflegeleichter…

Herbstlaubrascheln
Gast
Herbstlaubrascheln

Ich lasse von Zillo & Co auch die Finger; es steht schlicht und einfach zu wenig drin, was mich interessiert und teilweise bin ich auch immer wieder mal erstaunt, welche Bands in unseren „Szeneblättern“ denn so auftauchen, wenn ich mal welche in den Regalen stehen sehe…Wie auch immer.
Ansonsten: Das Interview bringt vieles auf den Punkt und das Thema dümpelt nicht nur belanglos an der Oberfläche dahin, von daher: Seien wir gespannt, was die Zukunft bringt.

CyberDaisy
Gast
CyberDaisy

Hallo an alle,

ich bin zufälligerweise auf den Artikel gestoßen und wollte jetzt auch mal meinen Senf dazugeben. ;)
Auch wenn der Artikel jetzt schon ein Jahr alt ist…hm…

Also ich bewege mich setzt seit 10 Jahren in der Schwarzen Szene und seit 5 Jahren rechne ich mich mehr der Cyberbewegung zu, obwohl ich da jetzt nicht so strikt trennen möchte, denn in der Gothicszene habe ich mich immer wohl gefühlt und da ich ein Faible für das Nähen von historisierter Kleidung habe, gibt es da auch noch genug Bezugspunkte.
Ich muss dem Artikel zustimmen; der Cyberbewegung mangelt es an „Inhalt“ und das hat mich von Anfang an enttäuscht, ich hätte da mehr erwartet. Ich finde das sehr schade, denn ich denke, dass die Cyberszene viele Chancen vertan hat. Den Endzeitgedanken finde ich genial, wo sonst als in der Cybersubkultur könnte man besser seine Vorlieben für Science-Fiction, (Natur-)Wissenschaft und Technologie besser zum Ausdruck bringen als hier?
Außerdem ergänzen sich doch Gothic und Cyber wunderbar: Gothic als den romantisierten Blick in die Vergangenheit und Cyber als den futuristischen Blick in die Apokalypse, erwachsen aus der Fehlnutzung von Technik?
Schaut man genauer hin, würde der Unterschied zwischen Gothic und Cyber doch gar nicht so wahnsinnig groß ausfallen: Themen wie Einsamkeit, Tod und Resignation könnte man auch in einem futuristischen Szenario finden.
Soweit die Theorie.
Was man stattdessen findet, ist leider ein Partyvolk, das sich mit Philosophie, Science Fiction und realer Wissenschaft im Durchschnitt so gut wie gar nicht befasst, ist zumindest mein Eindruck.
Das Styling ist bei den meisten auch nicht so ganz innovativ, obwohl man so viel machen könnte!
Aber mittlerweile geht es vielen nur darum, möglichst wenig anzuhaben und eigentlich schon nicht mehr nach Cybergoth, sondern nach „richtigem“ Raver auszusehen.
Und auch die Musik hat sich zum schlechten entwickelt. Es gibt so viele tolle, nicht ganz so bekannte Musikprojekte im Aggrotechbereich, die in den Clubs nie gespielt werden und wenn man sie sich wünscht, heißt es „haben wir nicht“.
Auch manches aus dem DarkAmbient-Bereich würde zur Cyberkultur gut passen.
Natürlich geht da dann kein Tanz, bei dem wild rumgefuchtelt wird.
Aber ich bin sowieso ein 90er-Kind, mich hat Trance geprägt und mich würde es nicht stören, wenn die Cybertänze etwas ruhiger werden.;)
Naja, ich find’s nur echt frustrierend, wenn ich mir auf einer „Goth“-Veranstaltung, auf der dann eigentlich nur Schranz läuft, anhören muss, dass die Electrotitel, die ich mir wünsche, „zu düster“ für die Veranstaltung sind…

In diesem Sinne…mal sehen, was die Zukunft bringt.
Ich hoffe, Cyber besinnt sich eines Besseren. :)

CyberDaisy
Gast
CyberDaisy

Hey Robert,

ja, vielleicht ganz gut, dass der Trend abebbt. Vielleicht kann Cyber so die Inhaltslosigkeit einmal füllen, wenn die, die aus Modegründen nur dabei sind, in andere Sparten wechseln und andere hinzukommen, die sich mehr Gedanken drum machen.
Sollen die anderen doch zum Steampunk (den Eindruck hab ich übrigens auch) gehen, für mich wäre es jedenfalls nichts. Ich bleib beim Cyber und sollte ich der letzte sein. ;)

CyberDaisy
Gast
CyberDaisy

Oh hey, ich glaube, du hast mich etwas missverstanden, ich habe gar nicht angenommen, dass du was gegen Cyber hast. Ich wollte dir eigentlich mehr zustimmen, dass ich auch sehe, dass viele Cyber in den Steampunk abwandern. Nur für mich persönlich wäre das eben keine Alternative. Ich fühle mich im Cyber pudelwohl. :)
Nur das Niveau der Leute ist eben manchmal…nicht so das, was ich mir vorstelle. Ich würde mir ein bisschen mehr von der Stimmung und der „Mentalität“ der Leute aus dem DarkAmbient-Bereich für die Cyberszene wünschen. Eine düsterere Cyberszene eben.

Na, das hoffe ich nicht, dass es soweit kommt.
Für ein Interview bin ich zu schüchtern. ;)

Mone vom Rabenhorst
Autor

Durch unser „Fernbleiben“ von der schwarzen Szene in den letzten 20 Jahren waren wir – nach unserem „Wiedereintritt“ in die Atmosphäre – doch ein wenig entsetzt, was sich optisch da so zusammengebraut hat in Sachen Cyber-Gothics.

Wir persönlich können dem Stil nichts abgewinnen, sind aber auf dem Standpunkt, jeder so wie er meint.

Roberts Interview bzw. seine Meinung zum Thema (gerade erst gelesen) finde ich sehr gut und auch nachvollziehbar.

Da das Nachtleben uns ja jetzt wieder hat, besuchen wir regelmäßig verschiedene Szene-Partys und Locations im Ruhrgebiet. Vielleicht freut es den ein oder anderen ja, daß sich z. B. in der Zeche Carl in Essen samstags die Anzahl der Cybers (optisch) auf hochgeschätzt 10 Leute beschränkt, bei gerammelt voller Hütte! ;-)

Anfang November fahren wir zur Matrix nach Bochum…. dort sollen angeblich (noch?) viele davon sein!? Wir sind gespannt. :-)

**************
Nachtrag!
Ich habe die letzten 20 Jahre eigenverantwortlich regelmässig alle 2 Monate eine kleine Zeitung (24 Seiten, ganz anderer Bereich –> Vereinsleben) hergestellt… ich kann gerne behilflich sein (schreiben, drucken), wenn Spontis so etwas mal in Angriff nehmen möchte. ;-)

CyberDaisy
Gast
CyberDaisy

Hallo an alle,

ich bin gestern auf ein paar Gedanken eines Cybers bezüglich unserer Thematik gestoßen und würde gerne wissen, was ihr davon haltet.
Könntet ihr mit dieser Sichtweise mitgehen?
Denn dann wären nicht die Cyber das eigentliche Problem, das viele Gruftis mit uns haben, sondern das, was man mit ihnen verbindet bzw. was mit einigen von uns einhergeht.
Diesen Gedanken hatte ich auch schon öfters und deshalb würde ich gerne mal eure Gedanken dazu hören.

„Cybergoth & schwarze Szene: Quo vadis?“

Der Artikel beginnt etwa ab der Hälfte des Gesamttextes der Seite.

Liebe Grüße,
CyberDaisy

Mone vom Rabenhorst
Autor

Da er Artikel grad nach oben „geschubst“ wurde…. nur eben ein Nachtrag zur Optik des Matrix-Publikums, von der man sagte, daß sei die „Cyber-Hochburg“.

Wir waren dort also Anfang November, bei gerappelt voller Hütte.

Es waren alle „Gruppierungen“ der Szene vertreten, grad weil auch kostenlos Solitay Experiments spielten, waren viele EBM’ler da.

Geschätzt jetzt …
50 % unauffällige schwarz gekleidete Menschen jeden Alters
10 % Lack/Leder/Netz-Damen und Herren
10 % EBM’ler
10 % Cyber, davon wirklich „gestylt“ vielleicht höchstens 10 Mann/Frau
2 Waver (Wuschelkopf und Outfit a la Robert Smith :-) )
2 Grufties (Bleichgesichter mit Kutten)

der Rest ganz normal gekleidete Leute (die hielten sich auch viel in der 80-er-Jahre Disko auf) und was es halt sonst noch so an optischen Gruppierungen (Metaller etc.) gibt.

Optisch war da niemand, der uns vom Hocker gehauen hat wie früher.

Wir finden das sehr schade…

Matrix an sich ist nett, aber mit dem Hin- und Hergerenne zwischen den Diskos, um immer die besten Songs zu hören, geht man sich selbst auf die Nerven. ;-). Und die Toiletten sind eklig. Für uns ist der Laden zu weit zum fahren, da haben wir das TIC deutlich näher. :-)

Death Disco
Gast
Death Disco

Der Blogeintrag scheitert schon an dem Glauben, Elektro sei „neu“ und „fremdartig“ für die alte „Schwarze Szene“. Er unterschlägt dabei völlig die Tatsache, dass düster-elektronische Musik ihre Hochzeit hatte, als eine Cyberszene noch gar nicht existierte. Genau genommen kam der Cyber-Trend zehn bis fünfzehn Jahre nach dieser Hochzeit auf.

Es ist schon erstaunlich zu sehen, dass man sich jahrelang über das Cyber-Thema unterhalten kann, ohne dass die betreffenden Szenemitglieder auch nur ein Gramm dazulernen. Ich kann es einfach nicht fassen, dass diese Leute immer noch ernsthaft glauben, sie bildeten sowas wie die Elektro- oder Industrial-Szene. Cyber-Szene und Elektro-Szene sind zwei total unterschiedliche Sachen. Langsam habe ich das Gefühl, dass Cybers wegen ihrer offensichtlich stark ausgeprägten Verständnissschwäche abgelehnt werden.

Was ist so schwer daran zu begreifen, dass Rave und Loveparade, die sich in der Cyberszene in der Musik, im Outfit und in der Party-Mentalität doch deutlich widerspiegeln, von eher traditionell ausgerichteten Grufties als DER Feind betrachtet wurden und augenscheinlich immer noch werden? Was für eine Haltung erhofft man sich denn aktuell? Gruppenkuscheln? Kollektives „Industrial-Dancing“ (schon mit der Bezeichnung wird man sich kaum Freunde machen können) zu Stromgitarre und Neofolk-Klängen als Zeichen der Versöhnung?

Manche Sachen passen einfach nicht zusammen. Ich mag zu meiner Hose auch keine pinken Oberteile tragen. Die mangelnde Fähigkeit, das zu erkennen, ist wohl das ausschlaggebende Problem.

CyberDaisy
Gast
CyberDaisy

@Death Disco: Beziehst du dich hier konkret auf meinen Post?
Hast du den Blogeintrag wirklich gänzlich gelesen?
Wo liest du denn da raus, dass „diese Leute“ glauben, dass sie die Elektro-oder Industrialszene bilden?

Außerdem: Nicht jeder „dieser Leute“ mag wirklich gerne stumpfen Aggrotech mit Texten wie „F*** mich“ usw. hören.
Beim diesjährigen WGT saß ich auch bei einer „Electro“-Party mit einem schon etwas älteren DJ zusammen und wir schüttelten nur unsere Köpfe, denn Electro war das nicht wirklich und mit „schwarz“ hatte das auch überhaupt nichts mehr zu tun…
Als ich mir dann etwas düstereren Electro gewünscht habe, hieß es nur „Geht leider nicht. Passt hier nicht so rein.“
Wenn es nicht so traurig gewesen wäre, hätte ich gelacht.
Und 80% der Leute, die zu dieser schranzartigen Musik getanzt haben, waren keine Cyber, sondern normales, gemischtes Schwarzvolk.
Und so etwas erlebe ich nicht nur beim WGT, sondern auch auf anderen Partys.
Warum kann man nicht mal z.B. Darkambient spielen, oder Noise?
Es gibt so tolle, düstere elektronische Musik, die meiner Meinung nach sehr gut mit Cyber zusammenpasst, Bands wie Vromb, Iszoloscope, Enduser…

Und was ich hier mal loswerden muss:
Ich finde diese latente Aggressivität deinerseits, aber auch von manchen anderen hier, echt schade und nicht zielführend.
Warum kann man nicht konstruktiver und respektvoller miteinander umgehen?
Hier schwingt leider oft so ein abwertender Tonfall mit, das finde ich teilweise etwas verletzend.

CyberDaisy
Gast
CyberDaisy

@Mone vom Rabenhorst:
Ich war noch nie in der Matrix, kenne nur ein paar Partybilder von der Homepage, aber ich habe einen ähnlichen Eindruck wie du: Die Leute geben sich mit dem Outfit immer weniger Mühe.
Und bei den „Cybern“ dort zählt wohl: Je weniger man anhat, desto besser.
Mir gefallen diese „Bikini-Cyber“ auch überhaupt nicht…frage mich echt, ob diese Leute gar kein Schamgefühl mehr haben…und diese „Amok-Hosen“-Fraktion zähle ich auch nicht als Cyber. Das geht doch alles viel zu sehr in die Hardstyle- oder Schranzrichtung und hat für mich nichts, aber auch gar nichts mit Cyber zu tun.
Und da würde ich mich auch freuen, wenn es nicht mehr so viele von dieser Fraktion und der entsprechenden Musik in den schwarzen Clubs geben würde…bzw. sollten sie sich dann wenigstens nicht als Cyber betiteln.

Wo ist der Cyberpunk? Wo sind die Sci-Fi-Endzeitsszenarios?
Wo Diskussionen über Mensch-Maschine-Interaktion, Genmanipulationen, Zukunftstechnologien, Raumfahrt?
DAS bedeutet für mich Cyber und ich weiß, dass sich auch andere Cyber mit diesen Themen beschäftigen und versuchen, ihre Interessen durch ihre Kleidung auszudrücken.

Death Disco
Gast
Death Disco

Wo liest du denn da raus, dass “diese Leute” glauben, dass sie die Elektro-oder Industrialszene bilden?

Der Eintrag zeigt doch ganz klar, dass der Verfasser das Aufkommen von Cyber und Elektro-Musik im Allgemeinen für untrennbar verwoben hält. Er geht sogar davon aus, dass Elektro mit den Cyber-Leuten in die Szene kam. Ich habe schon mehere solcher Diskussionen hinter mir und komme häufig zu demselben Ergebnis: Cybers sind erkenntnisresistent. Die fantasieren 24 Stunden lang, ohne auch nur ein Körnchen Wissen in ihre Argumentation einfließen zu lassen.

Außerdem: Nicht jeder “dieser Leute” mag wirklich gerne stumpfen Aggrotech mit Texten wie “F*** mich” usw. hören.

Wer ist nicht jeder? Einer von hundert? Anscheinend ist Dir der geschichtliche Teil ebenfalls entgangen. Kann das sein? Ohne dem Aufkommen des tekkno-lastigen, von Dir als „stumpfen Aggrotech“ bezeichneten Stils würde die Cyber-Szene gar nicht existieren. Sie ist nämlich das Produkt der stufenweise vorangetriebenen Ver-Trance-ierung der Schwarzen Szene. Genau deshalb ähnelt ihr Stil, ob Klamotten oder Tanz, dem der Rave-Szene und nicht dem der Wave-Szene. Daher halte ich es für reichlich sinnfrei, die Schranzer und Hardstyler als „unverwandt“ zu betrachten. Die sind euch kulturell näher als es Goth oder Industrial jemals sein wird.

Mit Dark Ambient oder Noise hatte der Cyber-Trend noch nie etwas zu tun.

Ich finde diese latente Aggressivität deinerseits, aber auch von manchen anderen hier, echt schade und nicht zielführend.

Hat schon alles seine Berechtigung. Aber den zweiten Teil finde ich schon interessanter: Welches Ziel, bitteschön? Ich weiß ja nicht, was Du Dir erhoffst, aber das Ziel vieler Schwarzer dürfte erreicht sein, wenn sich Cyber szene-extern verselbständigt hat. Auf Bruderkuss würde ich nicht hoffen…

CyberDaisy
Gast
CyberDaisy

Ich weiß echt nicht, wo du das rauslesen willst.
Ich kenne den Verfasser vom Mailen, der ist definitiv nicht unterbelichtet, wie du jetzt gerne alle glauben lassen möchtest.
Ich finde das eine Frechheit von dir, dass du sagst, Cyber wären erknenntnisresistent.
Als wären wir irgendwie dumm oder minderbemittelt! Sprich: Menschen zweiter Klasse! Geh mal in dich, was du da vom Stapel lässt!
Für den Verfasser gehören Electro und Cyber zusammen, ja, aber er hat NIE behauptet, Cyber wäre für die Entstehung von Electro verantwortlich, das ist totaler Bullshit!

Und nein, mir ist der geschichtliche Teil keineswegs entgangen! Was du mir hier unterstellst und zusammenfantasierst, ist ebenfalls eine Frechheit.
Ich meine nur, dass ich mir diese Einflüsse gerne für die zukünftige Entwicklung vorstellen kann!
Ich wünsche mir, dass Cyber „düsterer“ wird, so wie eben Robert auch nicht schlecht finden würde.

Und Aggressivität hat seine Berechtigung???
Bitte?? Für diesen Spruch müsstest du eigentlich aus dem Forum verbannt werden! Wie weit würdest du gehen? Kommt für dich dann körperliche Gewalt vielleicht sogar auch in Frage?? So was Asoziales!
Dir mangelt es total an Empathie und Menschlichkeit!
Du bist überhaupt nicht fähig, auf die Aspekte, die ich sonst noch geschrieben habe, einzugehen. Du suchst dir nur das raus, was dir am besten in den Kram passt und wo du schön rumstänkern kannst…
Aber hier im Internet kann man sich ja so wunderbar hinter irgendwelchen Nicknames verstecken, nicht wahr?
Da muss man ja nicht höflich und respektvoll sein, da kann man ja notfalls auch mal schön Frust abbauen und sich dann entspannt zurücklehnen…
Du armer, selbstgerechter Mensch.

Death Disco
Gast
Death Disco

Ach herjee, ohne weitere Worte…

CyberDaisy
Gast
CyberDaisy

War ja klar, dass dir nix Besseres einfällt. ;)

CyberDaisy
Gast
CyberDaisy

Nein, ernsthaft:

„Vergiss niemals, dass auf der anderen Seite ein Mensch sitzt!“

Death Disco
Gast
Death Disco

Und ein bisschen hat Cyber Daisy recht, du pickst Dir das raus, worüber Du dich auslassen kannst ohne auf den Rest einzugehen.

Lieber Robert, dem Blogeintrag entnehme ich vor allem zwei Dinge:

1.) Oben erwähnten Irrglauben bezüglich Elektro. Und der ist nun wirklich problemlos herauszulesen, ich zitiere:

„Es geht um den alten Streit zwischen alten und jungen Szeneteilen. Im Speziellen sind hier die Cyber- bzw. Elektroeinflüsse gemeint die mitlerweile ein fester Teil der Szene geworden sind. […] Mit unter ging es im Forum darum, wieso die Cyber oder allgemein die elektrolastigen Einflüsse abgelehnt werden…“

„Mittlerweile…“? „Ablehnung…“? Das zeugt nicht gerade von sonderlich viel Hintergrundwissen. Eben das ist doch aber einer der Faktoren, die permament zum Streit führen, allen voran die ausgiebig betriebene „Vergewaltigung“ des Industrial-Begriffs.

2.) die Annahme, die Schuld für die sogenannten „Reibereien“ würde bei irgendwelchen Hardstylern oder „Schranzlern“ liegen und nicht bei den Cyber-Leuten selbst. Und das finde ich nach all den Jahren des Debattierens, gelinde gesagt, ziemlich erkenntnisresistent.

„Und durch Party, Party, Party ziehen wir auch massig Menschen aus anderen Szenen hier rein, die nicht viel mit Gothic gemein haben bzw. einfach auch verdammt oberflächlich sind und sich nicht die Bohne dafür interessieren woher die Szene kommt und was vielleicht einmal ursprünglich mit bezweckt werden sollte. Spätestens jetzt wird aber auch klar, dass nicht die Cyber an sich der Feind sind.“

Als ob der durchschnittliche Cyber sich jemals für die Ursprünge von Gothic/Wave interessiert hätte… Aber es sind ja immer die anderen, denen die Schuld zuzuschreiben ist… Lächerlich. Der Eintrag versucht mit viel Underground-/Overground-Gerede von den eigentlichen Problempunkten abzulenken. Mehr erkenne ich daraus nicht.

„dann ist auch klar, dass wir Cyber weder der Ursprung des Problems sind noch dieses aus eigener Kraft lösen können.“

??? …

Guldhan
Autor

Vom ersten Eindruck her… ein wenig mehr Achtung vor dem Regelwerk der Interpunktion, oder überhaupt ein kurzes Gegenlesen, hätte dem Text gut getan. Aber das nur am Rande, schließlich steht es mir nicht zu, dahingehend den ersten Stein zu werfen. Doch damit etwas ernst genommen werden kann, sollte es zumindest vom Autor her mit dem nötigen Ernst betrieben werden. Und dieses kommt für mich nicht zu Stande, wenn sich der Artikel wie ein Schüleraufsatz unter Zeitdruck liest.

Davon mal abgesehen wüsste ich hierbei auch gar nicht, was ich bewerten könnte, da es bis auf ein paar in den Raum gestellte Fragen keine Inhalte gibt. Was ist die Aussage? Der Appell an Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit? Schön… doch womit wird dieser Appell gestützt, worin der Grund bewiesen. Mir persönlich fehlt der Tiefgang.

Die Hauptaussage, dass die Szene die Cyber doof findet, weil diese als das Sinnbild einer Szenebanalisierung gelten… Veto. Aus meiner Sicht banalisiert(e) sich die Szene selbst mit freudigem Interesse, dafür bedarf es keine Cyber, das gelang schon anderen Sparten vor denen. Jedoch etablierte diese eine Mentalität, die in einer Unkultur inmitten der Subkultur gipfelte, die in solchen Maßen völlig neue Horizonte aufschlug. Sei es in optischer Ästhetik, in den Gebaren oder im musikalischen Fokus. Der Cyber schoss quer, wo er nur konnte. Und irgendwann kamen eben auch Querschläger zurück. Und wenn diese Pauschalisierung nun in Ungnade fällt, auch ich bin es eigentlich leid… doch fand ich den Artikel allzu niedlich. Ich glaube, ich spukte vor Jahren selber schon in solchen Cyberblogs herum, einfach um die Antworten zu finden, die wohl nicht einmal der geneigte Cyber gesucht hatte.

Eines noch, mir missfällt, dass innerhalb des Artikels die Begriffe »Goth« und »Schwarze Szene« wie zwei Synonyme gebraucht werden. Dagegen reagiere ich allergisch. Es spukt zwar der geneigte Gote zu offensichtlich in der Schwarzen Szene herum, aber nicht jeder (Teil) der Schwarzen Szene ist ein Goth. Frage die Elektrolastigen der Vorcyber-Epoche, die werden sich bei der Titulierung zumeist bedanken. Oder frag´ die geduldeten Mittelalterlichen, die verpönten -weil potenziell rechts- Neofolker oder die verirrten Metaller.

Zum Inhalt
…auch wenn ich gerade sehe, dass unser Death Disco schon die Punkte angesprochen hatte, die auch mir die Nacht seltsam vorkamen.

Im Speziellen sind hier die Cyber- bzw. Elektroeinflüsse gemeint die mitlerweile ein fester Teil der Szene geworden sind.

Elektroeinflüsse sind nicht erst mittlerweile ein fester Bestandteil der Szene geworden. Über jene Einflüsse wurde ich damals überhaupt erst auf diese schwarze Meute aufmerksam. Und ich kann ebenfalls schon auf mein »20jähriges Jubiläum« zurückblicken. Damals begann sich der Techno zu etablieren. Und ich hatte damals nicht gewünscht, dass mich dieser doch irgendwann in meinem musikalischen Rettungshafen einholt.
Somit ist es keine Haarspalterei. Der Autor sieht in Elektro eine enge Verbindung zum Cyber. Und zwar wirklich in der Art, dass mit dem Cyber elektronische Musik mittlerweile etabliert wurde. Und das ist faktisch völlig neben der Spur.

Unsere Cyberteletubbies waren eine Zeitlang omnipräsent. Vielleicht sind sie es sogar heute noch, keine Ahnung. Doch nur, weil man mit albernem Kopfschmuck -auf die Frage nach dessen Sinn habe ich bis heute noch keine Antwort bekommen- in den Clubs herumzappelt, heißt es nicht, dass man Teil einer Szene ist. Man wurde geduldet, weil man Geld in die Clubs und Festivals brachte und weil man manchmal Titel aufspielen ließ, bei denen nicht der Rest zum Rauchen vor die Tür flüchtete. Mit anderen Worten, der Teletubbie stellte sich zur schwarzen Meute. Zeigte als Zeichen der Gemeinsamkeit auf seine schwarzen Socken und nannte sich seitdem einen Teil der Gruppe. Zugegeben, er wurde nicht weggeschubst, aber hergewunken oder eingeladen… das wäre mir neu.

Mit unter ging es im Forum darum, wieso die Cyber oder allgemein die elektrolastigen Einflüsse abgelehnt werden

Nur der Cyber wird abgelehnt. Zumindest kann ich mich nicht erinnern, dass elektrolastiges Zeug jemals auf Ablehnung gestoßen wäre. Es sei denn, ein DJ war so närrisch, kurz mal EBM zu einem Abend der Schwarzromantik aufzuspielen.
In wieweit das elektronische beim Gotentum eine Rolle spielt, das kann ich nicht beurteilen. Aber innerhalb der Szene… so wie ich die Reaktion im Bekanntenkreis beurteilen kann, sehnt man sich wieder nach handfestem Elektro. Nach Musik außerhalb des Industrial-Dance-gerechten Plastikgedudels.

Erst einmal wurde geklärt wie groß denn die Bedrohung wirklich […] Geht es hier nur um Tuscheln mit vorgehaltener Hand oder reden wir hier von Bekämpfung und Verfolgung? […] Denn eins geht garnicht: “Wenn die Antipathie in Gewalt eskaliert!“

Das fand ich niedlich… Entschuldigung, aber wenn man das liest, denn glaubt man sich hier ja schon inmitten neuer Kreuzzüge. Der Cyber steht weder vor einem Schafrichter, noch vor einer Inquisition. Er steht vor Ablehnung. Nicht mehr und nicht weniger. Oder ziehen hier Schlägertrupps durch die Festivalzeltlager, mit einer ethnischen Säuberung im Auge. Oder wurden irgendwelche Teletubbies aus Clubs geprügelt? Genagelt an umgedrehten Kreuzen?
Und wenn manche bei ein paar barschen Worten gleich verschreckt nachfolgende Schläge erwarten, herrje, Welpenschutz war gestern. Es wird direkt und unverblümt Argumentiert. Aber das auch mit gutem Grund. Zum einen aufgrund der Leidenschaft, die manche mit ihrer Sparte verbinden. Und zum anderen anhand der Oberflächlichkeit die einem entgegengebracht wird. Man verfolge die hier dargebotenen Kommentare zu den Cyber-Artikel, ich wüsste nicht, dass ich in den Wortmeldungen der Teletubbies einen wirklich benennenswerten Content gefunden hätte.

wir Cyber sind bunt, sind auffallend, sind quitschig (nicht alle natürlich). Und durch Party, Party, Party ziehen wir auch massig Menschen aus anderen Szenen hier rein, die nicht viel mit Gothic gemein haben bzw. einfach auch verdammt oberflächlich sind und sich nicht die Bohne dafür interessieren woher die Szene kommt und was vielleicht einmal ursprünglich mit bezweckt werden sollte.

Und nun hätte ich gerne erklärt, wo in »bunt, auffallend, quitschig (nicht alle… natürlich) und Party, Party, Party« Tiefgang liegen soll. Wo findet man dort den Kerngedanken, den Stein, der auch nur ansatzweiße ins Relief des Schwarzvolkes, speziell ins Gotentum passen soll?
Dabei ist die Oberflächlichkeit der Geist, der gerufen wurde. Ein logischer Konsequent. Bunt, Quitsch, Party. Die Antithese zu den Jahrzenten der Szene. Und dann wird sich ernsthaft fragt, weshalb man auf Ablehnung stößt…? Unabhängig von der Argumentation mit Kostümierung und Tekker-Musik.

Spätestens jetzt wird aber auch klar, dass nicht die Cyber an sich der Feind sind. Sondern hier ist die Angst vor der Banalisierung der schwarzen Szene der Feind.

Veto. Der Cyber bleibt schon »Feind«. Eben der, der sich mit Begeisterung der Gesellschaft aufdrängt. Im Rausch des Egos seiner Profilneurose frönt. Auf öffentlichen Plätzen zu Tekker-Rhythmen zappelt, in Parks, Bahnhöfen, U-Bahnen, vor Schrankwänden und in Kinderzimmern. Wenn er in der Öffentlichkeit kein direktes Publikum vorfindet, dann muss es eben zu Youtube.
Der den ewig gleichen »Industrial-Dance« fuchtelt. Damit so ganz nebenbei das Erbe des Industrials, als Musik, parodiert und in der Öffentlichkeit die fixe Idee suggeriert, dass dieses Gekaspere wirklich das neue Goth sei.

Der Drang nach Selbstdarstellung. Offensichtliche Kostümierung (Cyber-Outfit). Das Leben im Zerrbild einer Realität (Ist der Cyber doch der Meinung, ein Sinnbild von Cyberpunk und Endzeit sein zu können), das reine Showgehabe (Tanzwettstreite außerhalb der Clubs, Knicklichter innerhalb dieser)… also ich finde dahingehend keine einzige Parallele zu sonstigen Sparten. Mittelalterliche, als Randerscheinung, kämen in manchen Punkte nahe ran, aber nicht in dieser Überspitzung.

oder aus anderen niederen Motiven Cyber ablehnen, aber nicht aus intellektuellen Gründen heraus. Und hier geht’s nicht darum ob man den Stil mag oder nicht. Das ist jedem selber überlassen. Sondern, dass man bewusst Menschen ausgrenzt verachtet und dergleichen nur weil sie nicht in das geliebte Schema passen was man vielleicht so aus oberflächlichen Motiven heraus gebildet hat.

Zum Thema Oberflächlichkeit. Seit mir die ersten Teletubbies begegneten und seit dem ich merkte, dass sich diese nicht nur verlaufen hatten und den ganzen Aufwand wirklich ernst meinten, seit dem versuchte ich Cyber zu verstehen. Das Warum und Wieso zu begreifen. Zu fragen. Und ich sage mit Absicht »versuchte« denn eines lernte ich in den Jahren: Antworten gibt es nicht. Allerhöchstens 0-8-15-Standsadphrasen, die selbst schon bei wikipedia stehen oder die sich jeder Depp binnen 15 Minuten über google zusammenkopieren kann.

Und wenn ich dann etwas mehr hinterfragte war Trotz die Antwort. Und was sagte mir das… Cyber ist eine leere Hülse, ist selbst die Oberflächlichkeit die es anprangert. Cyber ist weder Cyberpunk, noch ist es Endzeit. Da man mir bis heute nicht das Warum, Wie und Wodurch erklären konnte. Die Cyber sind allerhöchstens eine Disneyversion davon, eine Interpretation. Eine Utopie als versumpfte Spaßgesellschaft. Dann hört es auch schon auf.

Cyber ist Kitsch. Das geht schon alleine aus der Vielzahl der Pseudonyme hervor. Schlimm genug, dass ein ähnlicher Kitsch bei Goth-Jüngern betrieben wird, der ganzen »Bloody-Fallen-Fukking-Angles«. Nur haben die Cyber eben ihre »Tox1c-X-D4nce-B1tche5« Das alleine ist schon Teeniegehabe genug, um verboten zu werden.

Jedenfalls ist das Auftreten der Cyber ansich kein ernsthaftes Sinnbild des Szenarios, welches der Cyber gerne hätte. Und Kitsch gibt es in dieser Szene schon zu genüge. Da brauchte man keinen, der diesen neu erfindet. Zudem fehlt es dem Cyber an Wahrhaftigkeit, an Authentizität. Und das wurde von vielen sogar unterzeichnet. Das »Outfit« ist reines Partykostüm, Clubtracht, mehr nicht. Vielen sieht man ihre Sparte auch im Privatleben an. Weil es Persönlichkeit ist, eine Persönlichkeit, für die das Teletubbietum zu jung, zu partygeil und zu erregbar ist.

CyberDaisy
Gast
CyberDaisy

Zugegeben, der Artikel ist an manchen Stellen nicht ganz glücklich geschrieben und entweder der Autor weiß es tatsächlich nicht besser, oder er hat einfach gar kein Talent, sich auszudrücken.
Bezüglich der Rechtschreibung und Interpunktion muss ich ihn aber ein bisschen in Schutz nehmen: Der Gute ist – soweit der Stand, als ich ihn kennenlernte – Naturwissenschaftler und oft, natürlich nicht immer, haben technik- und naturwissenschaftlich Begabte nicht ganz so das Talent, zu schreiben, formulieren und Kommata zu setzen.

Vielleicht habt ihr auch alle Recht und ich habe einfach nur eine ganz andere Auffassung von Cyber, was es MIR persönlich bedeutet und mindestens 99,9% der restlichen Cyber teilen diese nicht und fallen in die Stereotypen, die ihr beschreibt.
Ich weiß es nicht, denn ich selber kenne kaum einen Cyber. Ich komme aus einer Gegend, in der es zur Cyber-Hochzeit vielleicht insgesamt 6 Cyber gab. Mittlerweile bin ich dort der einzige.
Ich fand das zwar immer ein bisschen schade, aber es war nie ein großes Problem, denn ich hatte und habe viele andere Freunde in der schwarzen Szene, die mich schätzen und sich freuen, mich zu sehen, wenn ich wieder mal eine Party in der Heimat besuche.
Dass ich Cyber bin, war nie für einen meiner schwarzen Freunde ein Problem und wir unterscheiden uns eigentlich kaum, nur eben in der Kleidung, die für mich auch absolut keine Verkleidung ist. Ich liebe einfach Science Fiction und mit meiner Kleidung komme ich eben meiner „Traumwelt“ ein wenig näher.

Vielleicht wäre ich in euren Augen auch gar kein Cyber?(!)
Von der Optik wohl schon, aber von allem was ihr hier über die Cyber schreibt, muss ich sagen, dass das absolut nicht auf mich zutrifft.
Ich habe nie in meinem Leben irgendein dummes Tanzvideo gemacht oder in öffentlichen Parks/am Bahnhof „abgezappelt“, ich gehe nur äußerst selten auf Party und ich bin ganz gewiss kein Selbstdarsteller, sondern ein eher introvertierter, recht friedlicher und melancholischer Mensch und meide Menschengruppen. Stattdessen setze mich lieber mit einer Person etwas abseits vom Trubel und habe dafür ein tiefergehendes Gespräch, als wenn in einer großen Runde jeder mal einen Brocken einwirft – und das egal ob beim Mittagessen in der Mensa oder auf einer Party.

Ich möchte gern einfach akzeptiert und respektiert werden, wie ich bin, auch als Cyber. Im realen Leben war das bisher kein Problem, aber im Internet erlebt man manchmal schlimme Anfeindungen. Ein Erlebnis habe ich noch schmerzlich in Erinnerung. Ich bin noch nie so übel beschimpft worden, nur weil ich in einer schwarzen Community es wagte, ein Foto von mir als Cyber reinzusetzen.
Der Verfasser dieser Beschimpfungen war sich auch nicht einmal zu schade, sich hinter einer angeblichen Tourette-Störung zu verstecken und dies als Entschuldigung für seine verbalen Entgleisungen anzugeben. Ah ja…
Das ist natürlich keine physische Gewalt, kein „Kreuzzug“, wie weiter oben geschrieben steht…aber es ist Gewalt, verbale. Und die kann verdammt weh tun. Vor allem, wenn man nichts dafür kann. Wenn einem keine Chance gegeben wird, aufgrund seines Äußeren. Wenn man einfach nur in einer Community interessante, offene Menschen kennenlernen möchte.

An dieser Stelle ein Danke an Robert für seine Worte.
Wie er angedeutet hat, bin ich wohl auch bestimmt um 10-15 Jahre jünger als der Durchschnitt der Schreiberlinge hier.
Aber mal vom Alter abgesehen: Jeder hat das Recht darauf, gut behandelt zu werden. Irgendwann in den Anfängen des Internets gab es auch mal eine Netiquette oder so…leider wird der Ton im Netz auch allgemein immer rauer.
Vielleicht bin ich da auch ein wenig sensibel. Aber so ist das eben, die Menschen sind unterschiedlich und man sollte auf seine Wortwahl achten, damit man niemanden verletzt…

Letztendlich denke ich, dass ich von Cyber, was es für mich bedeutet, einfach ein ganz anderes Bild im Kopf habe, als es der Realität entspricht; es ist ein Idealbild, wie ich es schön fände und das ich schon genau so für mich lebe…Ich denke, der Autor sieht das ähnlich…so verstehe ich den Blog jedenfalls…aber so ist das eben, jeder zieht andere Interpretationen für sich heraus.
Es ist vielleicht ein „Was-wäre-wenn-Cyber“-Szenario, das mir vorschwebt und das ich mir für die Zukunft wünsche.
Ob das realistisch ist, sei mal dahingestellt.
Ich mache jedenfalls so weiter, wie bisher und ich kenne niemanden persönlich, der sich an mir in der Kombination aus Person+Cyberklamotte je gestört hätte.
Im Gegenteil habe ich schon Leute kennengelernt, die Cyberoutfits im Allgemeinen scheußlich finden, aber meinten, an mir sähe das doch ungewohnt gut aus und ich würde ihnen gefallen. Das zu hören fand ich wirklich nett.

Guldhan
Autor

Es gilt hier auch zu Differenzieren. Gewalt oder Aggression hin oder her. Wenn hier zum Thema harte Kritik fällt -und wenn ich mich recht erinnere, dann ist öfters scharfe Kritik gefallen- dann gegen den Cyber als dritte indirekte Person, als Gruppe. Das sollte dabei beachtet werden. Wer sich davon persönlich angegriffen oder beleidigt fühlt, nun, der sollte sich überlegen, ob er sich weiterhin einer solchen Debatte stellen mag oder das alles viel zu unreflektiert und mit viel zu wenig Abstand sieht.

Und was ich damals in diversen Foren sah, das war ein begeistertes Ereifern über die Schmähworte der Szene. Forenbeiträge über Forenbeiträge handelten im Grunde nur zwei Themen ab:

– Die schwarze Szene ist doof, weil sie uns nicht mag, das macht uns ganz traurig, wir haben denen doch nichts getan und wollen doch nur dabei sein, sind wir doch auch im Herzen Goten

oder

– Die schwarze Szene ist doof, weil sie uns nicht mag, diese ach so toleranten, die gestrigen, wir sind ohnehin die Zukunft, wer braucht diese Schwarzen

Das waren so die beiden hauptsächlichen Standpunkte. Während nebenher ein paar Belesene versuchten, das Wesen des Cyberpunk auf die Cyber zu münzen oder man sich darüber unterhielt, was an der Marke »Amok« nun besonders schick sei und wo man die besten Haarteile herbekommt.

Wenn man den Altersdurchschnitt innerhalb der Cyber sah, dann ergab das alles auch irgendwie Sinn. Denn es kamen die typischen postpubertären Gebaren zum Vorschein. Oder anders gesagt, beim Umgang mit Kontras oder Kritik merkte man denen schon das Durchschnittalter an.
Wenn ich da bei mir zurückschaue. Zählen sollte, wie oft ich ein Nazi oder Fascho oder eine Zecke genannt wurde, wie oft ans Auto oder vor meine Stiefel gespukt wurde oder mir Schläge angedroht worden waren… oder im belustigenden Sinne, wie oft ich von unbekannten alten Säcken auf der Straße mit »Kamerad« gegrüßt wurde, aber das gehört dazu.
Man bricht mit der Norm, spielt mit Provokation, selbst wenn man es nun gar nicht mehr darauf anlegt. Und Provokation provoziert nun einmal großflächiger als nur im positiven Sinne.

Natürlich gab es ein paar Exemplare, die bei der damaligen »Haltet unsere Szene sauber« -Aktion oder bei Anti-Cyber-Kampagnen über die Stränge schlugen. Doch den Emos erging es auch nicht besser. Und wenn ich wieder von mir ausgehen darf. Ich fand das Motto gut. Bin ich doch ein Verfechter der Spartentrennung; da bekennender »Musikfaschist«
Diese Gegend war vom Clubsterben betroffen, das heißt, der Weg zum Club kostete einige Zeit auf der Autobahn, kostete Sprit, Eintritt sowieso und war zudem ein seltenes Gut geworden.
Und wenn ich zu »Dark Wave, EBM, Industrial, Elektro« fahre, nur um einem Rudel Cyber dabei zuzusehen, wie diese mit ihren Knicklichtern zu scheußlicher Proll-Mukke á la Agonoize oder Tekker-Gedudel herumzappeln… ganz ehrlich, dann fühle ich mich verarscht und bekomme sehr schnell sehr schlechte Laune.
Und dann darf ich mir von denen noch anhören: »Dann gehe doch weg, mache doch dein Eigenes, wenn es dir nicht gefällt!«
Das ist eine Überheblichkeit und Anmaßung, als wenn ich in einen Gotenabend hineinplatzen würde, mich über die Gothmusik aufregte, meine Kumpels mitbrächte und die Nacht nur mit Elektrokrach füllen würden. Um zudem jeden Schwarzkittel, der sich mal zum zufällig deckungsgleichen Titel auf die Fläche traut, niederzustampfe.
Diese Mentalität würde ich als unhöflich erachten. Und jene Unhöflichkeit lastet den Cybern seit jeder an. Und es passt zum Alterschnitt, passt zu der Sparte, die in den Rüpeljahren steckte. Ob sie Ursache dafür oder nur Resultat des ganzen waren, das vermag ich nicht zu beurteilen. Schätzungsweise etwas von beiden.

Somit sitze ich dann genervt in den Clubs, versuche mich von der schlechten Musik abzulenken und beobachte diese Teletubbies. Studiere deren Gesten, deren Auftreten, deren Klimper- und Baumelkram. Und frage mich, in welchen Statuten des Cyberpunks und der Endzeitstudien derartige Vorlagen zu finden sein.
Keine Ahnung wo, somit möchte ich fragen. Fragen, warum derjenige diese Hosen oder den Rock trägt, warum er sich wie ein vermeintlich typischer Sci-Fi-Kämpfer anzieht, obwohl er Oberarme hat, wie ich Handgelenke. Warum jeder diese Schläuche und Plastikgürtel auf den Schädel knotet… und so weiter.
Und bekomme nur eine Antwort: »Ja, Endzeit, Radioaktivität, Atomkrieg und blah.« Und dann sage ich: »Leute, dort geht es um das nackte üerleben, um perfekte Anpassung. Pragmatismus, sonst geht man in jener Utopie drauf. Schaut euch im Spiegel an, außerhalb des Schnüffelstückes besitzt ihr nur Kram am Körper der euch zur perfekten Zielscheibe macht.«… »Ja, Cyberpunk… Cyberkrieg.«, bekomme ich dann höchstens noch hinterher geworfen und damit beginnt der Kreis von neuem.
Anfangs war das frustrierend. Später verstand ich, es lohnt sich die Mühe nicht. Denn Idee und Auftreten begingen nur eine zurechtgebogene Scheinverbindung. Was man den Cybern aber nicht sagen konnte, da sich diese dadurch beleidigt fühlten.
Und das es nur Mode gewesen ist, das scheint der offensichtliche Rückgang zu beweisen. Ich kannte vor einigen Jahren indirekt einige Cyber. Wer davon heute noch so drauf ist… keiner. Es war nur eine Jugendsünde, eine kurze Phase.

Christian
Gast
Christian

Guten Morgen,

ich habe mich mal durch die Kommentare gewühlt, gefragt, ob ich was dazu beitragen möchte, soll oder kann, und kann mein persönliches Gefühl zum Thema „Cybergothics“ eigentlich kaum treffender beschreiben als Guldhan:

Natürlich gab es ein paar Exemplare, die bei der damaligen »Haltet unsere Szene sauber« -Aktion oder bei Anti-Cyber-Kampagnen über die Stränge schlugen. Doch den Emos erging es auch nicht besser. Und wenn ich wieder von mir ausgehen darf. Ich fand das Motto gut. Bin ich doch ein Verfechter der Spartentrennung; da bekennender »Musikfaschist«
Diese Gegend war vom Clubsterben betroffen, das heißt, der Weg zum Club kostete einige Zeit auf der Autobahn, kostete Sprit, Eintritt sowieso und war zudem ein seltenes Gut geworden.
Und wenn ich zu »Dark Wave, EBM, Industrial, Elektro« fahre, nur um einem Rudel Cyber dabei zuzusehen, wie diese mit ihren Knicklichtern zu scheußlicher Proll-Mukke á la Agonoize oder Tekker-Gedudel herumzappeln… ganz ehrlich, dann fühle ich mich verarscht und bekomme sehr schnell sehr schlechte Laune.
Und dann darf ich mir von denen noch anhören: »Dann gehe doch weg, mache doch dein Eigenes, wenn es dir nicht gefällt!«
Das ist eine Überheblichkeit und Anmaßung, als wenn ich in einen Gotenabend hineinplatzen würde, mich über die Gothmusik aufregte, meine Kumpels mitbrächte und die Nacht nur mit Elektrokrach füllen würden. Um zudem jeden Schwarzkittel, der sich mal zum zufällig deckungsgleichen Titel auf die Fläche traut, niederzustampfe.
Diese Mentalität würde ich als unhöflich erachten. Und jene Unhöflichkeit lastet den Cybern seit jeder an. Und es passt zum Alterschnitt, passt zu der Sparte, die in den Rüpeljahren steckte. Ob sie Ursache dafür oder nur Resultat des ganzen waren, das vermag ich nicht zu beurteilen. Schätzungsweise etwas von beiden.

Den mehr oder weniger ironisch gemeinten Stempel „Musiknazi“ habe ich mir auch schon abholen dürfen vor ein paar Jahren. Dabei geht es sich eigentlich um etwas ganz anderes. Ich könnte natürlich jetzt auch hingehen, und gerade den Cyberleuten mit ihren jungen Jahren jegliches Kultur- und Musikverständnis, und „Geschmack“ absprechen, aber ich glaube das wäre vielleicht zu weit gegriffen. Wenn ich mir überlege was ich „in dem Alter“ für einen Schrott gehört habe teilweise… Jugendsünden, kein Ding, geht alles klar.

Allerdings finde ich die Penetranz von manchen Cyberleuten einfach nur noch langweilig und nervig. Hier wird seit Jahren versucht eine Spass-Kultur in die Szene zu integrieren, die auch meiner Meinung nach so mit der Einstellung gar nichts in dieser Subkultur verloren hat. So unter dem Motto „Wir sind jetzt da weil wir es können, haltet die Klappe und schaut uns beim Industrial Dance zu, ihr habt doch alle keine Ahnung wie man feiert, wir zeigen euch das jetzt mal“.

Aber darüber könnte ich mich auch stundenlang aufregen ;)

Axel
Gast

Das haben aber die Cybers nicht für sich alleine gepachtet. Wenn ich mir anschaue was andere für Wein, Absinth oder Met am Abend in sich reinbechern, dass ist auch nicht sonderlich gesund. Und ich werde dann regelmäßig schief angeschaut, weil ich kein Alkohol trinke. Überhaupt könnten die Szene-Locations nicht mal was gesundes anbieten? Will sich ja nicht jeder mit dem Alkohol die Nieren versauen. Und Süßkram wie Cola kommt mir auch nicht in den Magen. Ich mein, andere Locations schaffen es doch auch sich von den Getränken her breiter aufzustellen, wenn ich hier beispielsweise an unser schönes Weltecho denke…

Das ist doch ne nette Marktlücke. Szene-Locations mit gesunden Getränken wie frisch gepresster Apfelsaft und Veggie-Menu. Ich mein, es gibt soviele Grufties, die Veggies sind, da wundert mich das schon, warum die Locations nur ungesundes anbieten.

CyberDaisy
Gast
CyberDaisy

Weltecho?
He Axel, bist du aus Chemnitz? =)

Marco
Abonnent
Marco

nix gegen Veggis..aber das passt alles so… Axel du bist ein lebendes Klischee

ein Veggie Menü für ne Gruftidisse ist genauso bizarr wie ne Bockwurst

ps. warst du eigentlich schon mal in einer disco?

Axel
Gast

Jep, Daisy. Ich bin sogar hier geboren! :-)

Und an die Meckerliese über mir? Mach mal ne Umfrage unter Grufties was die so essen. Da sind sehr viele ernährungsbewusste Leute dabei. Und ich rede ja nicht nur von Discos. Gibt ja noch mehr Locations. Wenn es Absintherien gibt, wieso nicht gruftige Veggie-Bars? Warum bekomme ich in der Moritzbastei nur so Alibi-vegetarische Speisen?

Das ist alles nicht viel bizarrer als diese komischen Absintherien die derzeit überall aus den Boden sprießen…

Axel
Gast

P.S. Ich bin ja ganz froh, dass man bei der Blauen Stunde immer ein liebevoll gestaltetes Buffet hat. Denn Tanzen macht im zunehmenden Alter hungrig. :D

(Ansonsten bleibe ich, bis auf dem B-Plan Discos eher fern. Gibt ja genug abschreckende Beispiele wie das Ding dort im Südbahnhof)

Marco
Abonnent
Marco

bestreitet alles keiner..nur das es wieder mit mahnenden unterton aus deinem mund kommt ist bizarr.

wo waren wir stehen geblieben= böse label böse festivals… böse cola, böser alk, böses fleisch ….

ich hab in meinem freundeskreis viele veggis und auch alkverschmäher , aber kann mich nicht entsinnen, dass jemals einer deswegen schief angeschaut wurde.
wir kommen aus der gleichen stadt, besuchen angeblich die gleichen clubs, veranstaltungen aber immer nur du wirst von irgendwelche leuten wegen irgendwas schief angeschaut?? bitte lass mich dich und deine ansichen bizarr finden :)

Axel
Gast

Wahrscheinlich habe ich wohl die falschen Leute hier kennengelernt. Denn in Leipzig beispielsweise habe ich solche Erfahrungen nicht. Vielleicht. Ist Du ja tatsächlich anders. Lass uns mal treffen, vielleicht verstehen wir uns sogar ja ganz jut. ;-)

Ach ja, ich tippsel das hier gerade alles schnell im iPad ein. Den „mahnenden Unterton“ interpretierst Du nur rein. Wenn ich mahne, liest sich das anders, glaub mir… :-)

Marco
Abonnent
Marco

oh … nee das würdest nicht aushalten…ich rauche..ich trinke… vielleicht klinke ich mir auch was ein :)
dein seelenheil wäre echt gefährdet

Guldhan
Autor

Nun, ich habe auch erst recht spät mit Alkohol angefangen; aus gesundheitlichen Gründen. Und schief angeschaut wurde ich damals wegen meiner Abstinenz nie. Ich war nur meist der, der dann wieder Richtung Heimat fahren durfte. Es spricht jedenfalls wirklich nicht für das Umfeld, wenn man deswegen hochgenommen wird.

Und… nichts für ungut, aber ich will in keinem Club stehen, mit einem Kännchen Kräutertee in der einen und einem Tofuwürstchen in der anderen Hand; eingewickelt in ökologisch abbaubarem Papier. Wenn ich in einem Club stehe, dann will ich nicht über meine innere Harmonie nachsinnen, oder mit anderen über den Wert der Werte Dialogisieren.
Dann will ich mich zu derben Krach abreagieren. Pogen, wüten, stampfen. Im optimalen Fall sehen, dass meine bessere Hälfte Spaß hat. Und wenn man irgendwann nicht mehr kann, oder mal das Shirt ausringen muss, dann stolpert man kurz raus zum Auto, spült mit Energy-Dink durch und weiter geht es.

Vielleicht nicht die gesündeste Art. Aber die beste Art, sich mal lebendig und frei zu fühlen. In einem Refugium aus Rhythmus, Energie, aus Melodie, Takt und Leidenschaft zu stehen. Man existiert für sich und dabei möchte mir mal irgendwelches Nachsinnen über körperliche Momentan-Zerstörung so absolut egal sein.

Mone vom Rabenhorst
Autor

Guldham…. hört sich gut an.
Und ein bisschen was Essen zwischendurch! Geht alles! ;-)

Siehe:

http://tic-club.de/

CyberDaisy
Gast
CyberDaisy

Danke Robert. Du wirst mir immer sympathischer, als du es ohnehin schon für mich bist.
Deinem Kommentar stimme ich vollstens zu.
Genau die gleichen Fragen stelle ich mir auch.

Death Disco
Gast
Death Disco

Die armen Lämmchen aber auch. Lassen sich von den pöhsen Veranstaltern an der Leine herumführen wie dressierte Hunde. Ja, wir können die Cyberfraktion „verurteilen“. Es sei denn, wir haben es wirklich mit einer ganz besonderen Spezies zu tun, die weder selbständig denken noch handeln kann. Dann spreche ich natürlich umgehend mein Beileid aus…

Axel
Gast

Abstinenz ist nie ein guter Weg. Denn dann wird der freie Platz nur von jemand anderen besetzt werden. Den Veranstaltern kann man eigentlich auch keine Vorwürfe machen. Denn mit einer Party wo Wave gespielt wird, wird man eher die ältere Generation erreichen. Das sind dann die, pauschal gesagt, die sich mit zwei Gläsern am Abend begnügen und so wird eine Veranstaltung auch nicht refinanziert. So verdreht das klingt, aber Haupteinnahmequelle ist der Alkoholverkauf. Also richtet man sich an die Partyleute. Ich war mal mit so einer bei uns Im B-Plan zur New Wave Romantic Party. Das ist noch so eine Veranstaltung wo Wave und 80er gespielt wird. Die wurde mit der Musik und alles nicht warm und fande das echt öde und langweilig – Originalzitat: „Die Musik hat mir zuviel Melodie“. Klar, dass man sich dann denen anpasst um irgendwie über die Runden zu kommen. Wäre der B-Plan kein städtischer Jugendclub tagsüber, würden die Veranstaltungen die dort abends gelegentlich stattfinden auch nicht möglich sein, da es ein Verlustgeschäft wäre.

Ich hatte da schon viele Diskussionen mit den DJs aus der Umgebung hier… Die würden am liebsten alle was anderes spielen, dann würde aber kaum mehr einer kommen. Also denen kann man als letztes die Schuld geben, da das Üublikum das Programm bestimmt. Schuld, wenn man soweit gehen mag, sind eher die Verflechtungen zwischen Labels und Zines. Ich rede da ja nicht nur von den großen. Auch kleine Webzines lassen sich für Rezensionsmaterial und freien Eintritt nur allzugern vor den Karren spannen. Bevor ich damals das Dark Feather entdeckt habe, wo ich ja sehr viel gelernt habe und meinen eigenen Stil erst richtig entwickeln konnte (wofür ich den Holger auch bis heute dankbar bin!), habe ich mich wirklich bei mehreren Zines versucht. Immer wieder hieß es „das passt hier nicht rein“, „das ist viel zu lang und liest niemand“ oder auch „wir ertrinken hier anMaterial von unseren Werbepartner und du machst nur diesen unbekannten Kram“. Kurz gesagt: für wirklichen Musikjournalismus ist da kein Platz und für kritische Beiträge erst recht nicht, weil dann die Werbepartner rumzicken. Meine Abneigung gegen Labels kommt wirklich nicht von ungefähr. Es gibt einige gute, aber die meisten halten nix von unabhängiger Berichterstattung.

Und genau das ist das Problem: durch eben diese Verstrickung zwischen Labels, Zines und vielen Veranstaltern wird ein Zerrbild aufgebaut, der a) nicht wirklich die musikalische Vielfalt repräsentiert, die wir hier haben und b) werden da eben die Menschen beeinflusst. Wie will man denn auch wissen, dass es noch was anderes gibt, wenn man ständig dieselben Nasen sieht?

In den letzten Jahren wurde eben diese Ravemusik sehr stark gepusht. Das setzt sich dann natürlich auch in den Clubs fest, weil diese Art von Musik nachgefragt wird.

Das heißt aber nicht, dass es nicht auch andere Menschen gibt. Es gibt einen recht großen Markt für klassische Wave-Musik oder Genres wie Neoklassik und Post-Rock. Nur bräuchten die Labels und Zines auch Mut diese Genres zu stärken, das passiert aber nicht, dann man sich davon kein Gewinn verspricht. Und so bleibt es beim Status Quo. Deswegen wäre es ja auch gut, wenn diese ganze Gothic-Mode so langsam ausklingen würde, damit dann auch die Leute, die nur Geld verdienen wollen, weiterziehen und den Leuten Mit Idealen Platz machen.

Ja, das klingt wieder wie die übliche Leier von mir. Aber genau das sind die Erfahrungen aus den letzten Jahren und Auch Quintessenz vieler Gespräche mit Künstlern und DJs. Wie gesagt, denen kann man als letztes nen Vorwurf machen…

Und es ist auch unsinnig Leute wie Daisy „Schuld“ an diese Entwicklung zu geben. Weil es destruktiv ist.

mela
Gast
mela

[An dieser Stelle denke sich jeder, der es glaubt verdient zu haben, einen bissigen Kommentar an sich gerichtet.]

Eigentlich mag ich zu der Diskussion nichts beitragen, entweder bin ich zu jung oder zu disjunkt zur Cyberszene.
Aber dieser Satz stieß mir bitter auf:

Der Gute ist — soweit der Stand, als ich ihn kennenlernte — Naturwissenschaftler und oft, natürlich nicht immer, haben technik- und naturwissenschaftlich Begabte nicht ganz so das Talent, zu schreiben, formulieren und Kommata zu setzen.

Ganz dickes fettes Veto. Naturwissenschaftler werden in ihrer Ausbildung drauf gedrillt, sich exakt auszudrücken. Und dabei werden Interpunktion und Rechtschreibung nicht außen vor gelassen. Ich habe den Blogbeitrag nicht gelesen, sondern nur die Zitate hier und mein erster Gedanke war, dass es durch mangelnde Interpunktion wirklich unschön zu lesen ist. Und ich bin das Feindbild eines jeden Sprachwissenschaftlers ;)

Ian von Nierenstein
Gast

Ganz neutral betrachte ich eher einen Rückgang der Cyber. Nun gut, ich bin nicht so oft abends unterwegs und bei uns in der Stadt ist es eher so, dass Cyber (wenn überhaupt) in einen speziellen Club gehen, der von den Grufties an sich eher gemieden wird und mein „Stamm“-Club zumindest bei schwarzen Events nur rein schwarz gewandetes Club-Volk beherbergt. Leider werden dort zunehmend auch Electro- und House-Events angeboten, was allerdings den Rubel rollen lässt – Techno-Fraktion = Kohle, leider auch Drogen, was die schwarzen Events finanziell entlastet. Unglücklicherweise ist der neue Teilhaber „bunt“ und versucht vehemend die schwarzen Events abzusetzen – bringen ja keine Kohle – so wurde vor ein paar Tagen erst eine Veranstaltung, die sich seit 2003 zur Traditions entwickelt hat, abgesetzt. Wir hoffen alle sehr, dass es im Rahmen einer neuen Location dieses schöne Event irgendwann wieder geben wird, denn Prometheus legt wirklich gut auf und bisher wurde ich nie auch nur ansatzweise enttäuscht.

CyberDaisy
Gast
CyberDaisy

@mela: Was man gelernt bekommt und was man dann tatsächlich fähig ist auch anzuwenden, das sind zwei völlig verschiedene Dinge.
Wofür gibts z.B. für Diplomarbeiten Freunde, die man das noch mal korrekturlesen lässt?
Außerdem gibt es Regelungen fürs Zitieren, Gestaltungsrichtlinien…klar kann man auch mit dem Regelkatalog vor seiner BA sitzen und das Schritt für Schritt umsetzen und sobald das Ganze dann getippt ist, auch schon wieder vergessen, wie man es ohne Hilfe beim nächsten Mal macht…geht mir ganz genauso.

mela
Gast
mela

Wofür gibts z.B. für Diplomarbeiten Freunde, die man das noch mal korrekturlesen lässt?

Bestimmt nicht, damit diese den Satzbau und die Interpunktion und Rechtschreibung korrigieren.
Die Abschlussarbeiten, die mir vorgelegt wurden (Bachelor, Diplom) habe ich auf Inhalt und Tippfehler korrigiert. Da war dann vielleicht ein Tippfehler pro Seite, maximal. Und ich lehne mich mal so weit aus dem Fenster zu behaupten, dass Mathematik und Informatik zu den technischen/naturwissenschaftlichen Bereichen gehört.
Und aus eigener Berufserfahrung kann ich auch sagen, dass sich Informatiker, wenn sie Anwendersupport betreiben (müssen), sich ein Bein ausreißen beim Verfassen einer Email, damit sie sprachlich korrekt und verständlich ist.
Letzten Endes ist es vermutlich aber ein Anspruch an einen selber. Ich hake auch – vor allem aber, da ich die neue Rechtschreibung nie lernen musste (so alt bin ich dann doch, dass ich mein Abi noch mit der alten schreiben durfte) – und entscheide dann oft nach Gefühl.
Ich meine mich zu erinnern, dass Robert mal meinte, er ließe Sabrina drüber blicken, bevor er was veröffentlicht. Ich empfinde das als Respekt seinen Lesern gegenüber, dass er einen Artikel liefern will, der inhaltlich und sprachlich ansprechend ist.

Mone vom Rabenhorst
Autor

Zum Umsatz in den Locations:

Die Zeche Carl in Essen (1. Sa. im Monat) und das FZW in Dortmund (3. Sa. im Monat) haben das Glück, daß sie 2 Floors anbieten. Auf dem einen gibts ElektroBumBum und auf dem anderen Floor viel „Altes und Gemischtes“ aus dem schwarzen Bereich.

Ich könnte jetzt aber nicht sagen, daß bei dem einen oder anderen Floor mehr Alkohol verkauft werden würde. An jedem Floor sind Bars und oft gibts an beiden kleine Warteschlangen.

Beide Locations sind „nur“ Veranstaltungsorte mit „dieser einen Party“ im Monat, ansonsten bieten sie andere Kulturveranstaltungen für Gott und die Welt quer Beet an.

Das TIC (MH) und der Kulttempel (OB) mit jeweils einer Tanzfläche regeln das mit dem Publikum über verschiedene Programme. Dort sollte man sich vorher informieren, ob mehr 80-er oder Gemischtes oder EBM gespielt wird. Knicklichter, ups, sorry ;-), Cyber sind im TIC nicht gewünscht, das steht schon auf der HP. Wenn sich wirklich mal einer dorthin verirrt, dann sind sie normal schwarz gekleidet. (Man erkennt sie nur an dem Tanzstil.) Hält man halt etwas Abstand… ;-)

Das TIC als „feste Location“ für das Schwarzvolk hat es also nicht einfach, schon gar nicht an o. g. 2 Samstagen, wo dann das Publikum fehlt. Sehr oft ist es leider nur übersichtlich besucht, bei ALLEN verschiedenen Programmen. Habe ja schon mal die Befürchtung geäußert, daß ich mir Sorgen um die Existenz mache… (Grad, wo WIR ja jetzt wieder regelmäßig weg gehen… ;-) ).

Ich denke nicht, daß es einen soooo extremen Unterschied zwischen den Trinkgewohnheiten der „Elektroleute“ und den „Alten“ gibt. Hier habe ich ja schon oft gelesen, daß der gemeine Gote angeblich den ganzen Abend an einem Sektchen nippen würde…… ;-). Meist nippt doch nur der, der fahren muß. Und da laufen dann (so wie in meinem Fall immer ;-) ) auch ein paar Kaffee und Cola Lights auf.

Richtig zuballern tun sich doch nur vereinzelte Leute denk ich – in BEIDEN Bereichen.

mela
Gast
mela

@Mone vom Rabenhorst…: Heiligabend auch im TIC?
Ich liebäugle ja damit, die Fahrt auf mich zu nehmen.

Mone vom Rabenhorst
Autor

Mela,
wir „feiern“ zwar kein Weihnachten, nutzen diese freien Tage aber für ein Familientreffen. Man sieht sich halt nur zwei, drei Mal im Jahr. Dafür sind diese Tage bei uns dann reserviert.
Gerne ein andermal. :-)
Bin fast jedes WE da IM MOMENT, je nach Programm halt.

Nachtrag: Ich seh auf der HP im Dezember für Heiligabend gar kein Programm?? ;-)

mela
Gast
mela

Nachtrag: Ich seh auf der HP im Dezember für Heiligabend gar kein Programm?? ;-)

Was daran liegen könnte, dass ich den 25.12. meinte :)