25 Juni

Ist Dir nicht warm in den Klamotten?

Kategorie: Schwarze Szene — Jahrgang: 200913 Kommentare

Wie außer­ge­wöhn­lich schwarze Klei­dung im Som­mer ist brau­che ich den meis­ten Lesern nicht zu sagen, doch die dras­ti­sche Zunahme von merk­wür­di­gen Fra­gen nimmt pro­por­tio­nal mit der Tem­pe­ra­tur zu. »Ist dir nicht warm in den Kla­mot­ten? — Nein, das liegt an der Sonne.« Stan­dard­flos­kel in die­sen Tagen. Heute war wie­der so einer die­ser hei­ßen Tage und ich war mit kur­zer Hose, mei­nem schlabb­ri­gen Blackfield-Shirt 2008 und ein paar Ran­gers unter­wegs bis ich einen Bekann­ten traf, der mir eben diese Frage stellte. Schön das ich zwi­schen Bekann­ten und Freunde unter­schei­den kann und oben­drein auch noch ver­bal bewaff­net bin. Da mit ihr auch argu­men­ta­tiv gerüs­tet seid und den Unwis­sen­den eine Kerze in ihre Denk­höhle stel­len könnt, habe ich die 3 spe­ku­la­tivs­ten Fra­gen zur Farbe schwarz herausgepickt:

Mit schwarzen Klamotten schwitzt man mehr?

Mit flüch­ti­gem Blick ist es unlo­gisch im Som­mer schwarze Kla­mot­ten zu tra­gen. Man unter­stellt uns, wir schwar­zen wür­den mehr schwit­zen. Fakt ist, weiße Klei­dung wirft das heiße Son­nen­licht bes­ser zurück als schwarze Klei­dung. Fakt ist aber auch, das weiße Klei­dung das auch mit der Kör­per­ei­ge­nen Hitze macht, schwarze Klei­dung gibt die Kör­per­tem­pe­ra­tur bes­ser ab. Daher hält sich das Tran­spi­ra­ti­ons­ver­hal­ten die Waage, jetzt rein farb­lich. Grö­ße­ren Ein­fluss hat das Mate­rial und der Schnitt. Luf­tige Stoffe aus Baum­wolle oder Lei­nen eige­nen sich gut im Som­mer zu küh­len, so kann der Wind die Haut errei­chen und es ent­steht ein ange­neh­mer Kaminef­fekt.  Syn­the­ti­sche Stoffe sind Schwitz-O-Maten, sie sind nicht atmungs­ak­tiv, wer­den meist zu eng getra­gen und för­dern das Schwit­zen, egal ob schwarz oder weiß. Bei den Bedui­nen links im Bild hat die Klei­dung sogar 2-fache Wir­kung. Die lange und hoch­ge­schlos­sene Klei­dung schützt vor Sand (Sand­sturm), die wei­ten Kut­ten för­dern den Luft­zug inner­halb der Klei­dung und küh­len so bes­ser. Warum die Damen zudem noch ver­schlei­ert sind, brau­che ich wohl nicht zu erklären.

Schwarz macht schlank?

So ist es! Die Farbe schwarz wirft näm­lich keine Schat­ten auf der Haut, so sieht man kleine Pöls­ter­chen und Speck­rol­len nicht so deut­lich. Im Pro­fil wir­ken Bier­bäu­che übri­gens genauso groß, den die Farbe hat ihre Gren­zen. Der Effekt kann das ein oder andere Kilo aus­blen­den, hilft natür­lich nicht gegen star­kes Über­ge­wicht. Hier kommt dann wohl eher die Frage der per­sön­li­chen Ästhe­tik zum tra­gen. Außer­dem spielt uns das Auge einen zusätz­li­chen Streich, denn glän­zende Gegen­stände wir­ken für uns grö­ßer, dunkle Gegen­stände klei­ner, des­halb machen schwarze Nylon­strümpfe ein schlan­ke­res Bein und wer­den von den Frauen bevor­zugt, in der Phy­sik spricht man dabei von irgend­ei­nem Effekt, des­sen Namen ich mir nicht mer­ken kann.

Ist Schwarz ist die Farbe des Todes?

Wieso zum Hen­ker soll der Tod schwarz sein? Wie auch immer, der Schwarze Tod — oder auch Pest genannt — selbst wütete von 1347 bis 1353 und for­derte in Europa rund 25 Mil­lio­nen Todes­op­fer. Viel­leicht nannte man ihn schwarz, weil diese Farbe für die Dun­kel­heit steht, für das Mys­ti­sche und uner­klär­li­che und zu die­ser Zeit konnte man sich das Ster­ben der Leute nicht erklä­ren, da wur­den noch mun­ter ver­däch­tige Hexen ver­brannt weil man keine andere Erklä­rung hatte. Die Kir­che erklärkte im Laufe sei­ner Geschichte immer wie­der die Lit­ur­gi­sche Far­ben, die die Farb­wahl bei Fest­lich­kei­ten aller Art auf­zeigt. Schwarz ist dem­nach die Farbe der Trauer und soll an eini­gen kirch­li­chen Fei­er­ta­gen getra­gen wer­den, wie zum Bei­spiel Aller­hei­li­gen und Kar­frei­tag. Na gut, wenn wir ster­ben machen wir die Augen zu, was wir dann sehen ist schwarz. Inso­fern ist der Tod viel­leicht schwarz, aber wer will denn gleich so schwarz malen?

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Schwarze Szene
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13 Kommentare

  1. Hm, also wegen schwar­zer Klei­dung hätte mich noch kei­ner schief ange­schaut, zumin­dest hab ichs nicht gemerkt. ^^ (Liegt wohl auch daran, dass ich doch regel­mä­ßig mit Far­ben abmi­sche). Das mit der kör­per­ei­ge­nen Hitze und der dar­aus fol­gen­den nega­ti­ven Aus­wir­kung von hel­ler Klei­dung hab ich noch nie bedacht, hat aber was für sich und erklärt sicher eini­ges… und der schwarze Tod — hieß der nicht so wegen der sym­pa­thi­schen Farbe der weni­ger sym­pa­thi­schen Beu­len, die er hervorrief?

  2. Die bläulich-schwarzen Beule kom­men von geschwol­le­nen Lymph­ge­fä­ßen und sind sym­pto­ma­tisch für die Beu­len­pest, die nur eine Erschei­nungs­form ist. Bei Wiki­pe­dia kann man jeden­falls nach­le­sen, das es sich um eine Wort­schöp­fung im Sinne von düs­ter und böse han­delt, nicht um die Farbe.

    Die Bezeichnung "Schwarzer Tod" wurde im Mittelalter für diese Pandemie nicht verwendet - zeitgenössische Chronisten sprachen vom "großen Sterben" oder der "großen Pestilenz". Dänische und schwedische Chronisten des 16. Jahrhunderts verwendeten die Bezeichnung "schwarz" erstmals als Bezeichnung für den Ausbruch der Pandemie 1347, um das Furchtbare und Schreckliche dieser Seuche zu betonen. Schwarz wurde hier nicht im Sinne einer Farbe verwendet, sondern als Ausdruck eines besonders schrecklichen oder niederdrückenden, düsteren Erlebnisses.

  3. Dass die Sache mit den schwar­zen Kla­mot­ten eben nur so halb stimmt, erkennt man vor allem auch daran, dass sehr viele Wüs­ten­völ­ker schwarze Klei­dung tra­gen. Da müsste man ja eigent­lich den­ken, dass die total ver­rückt sind, aber dem ist eben nicht so. :)

  4. Inter­es­sant ist es auch mit der Haar­farbe. Im Nor­den blond und im Süden dun­kel. Da stand wohl auch die Wär­me­ab­gabe im Vor­der­grund.
    Obwohl mir (dun­kel­haa­rig) im Som­mer doch manch­mal der Kopf brennt.

  5. @Konna: Obwohl ich defi­ni­tiv für die Wüste nicht geeig­net bin. Wenn ich 24 Stun­den nichts zu trin­ken bekomme, werde ich unaus­steh­lich. Ich bin so eher der nor­di­sche Typ, nicht vom aus­se­hen son­dern von der Lei­den­schaft. Im Umkehr­schluss müsste dann weiße Klei­dung im Win­ter bes­ser funk­tio­nie­ren, da sie die Kör­per­wärme nicht so schnell hergibt.

    @funkygog: Hmm. Klingt erst­mal schlüs­sig, obwohl es mir fast etwas zu weit ent­fernt scheint, man könnte den Gedan­ken ja noch wei­ter­spin­nen, denn warum sind die Afri­ka­ner schwarz?

  6. Mir fällt da grad die Geschichte beim Ein­kauf unse­res Fern­se­hers mit Sound­an­lage ein. Der Ver­käu­fer ließ uns die Wahl zwi­schen einer schwar­zen und wei­ßen Anlage. Stof­fel und ich, die in ent­spre­chen­der Klei­dung ein­kau­fen waren, frag­ten den Ver­kau­fer mit fra­gen­den Blick:« War die Frage ernst gemeint?«

    Wie heißt es doch so schön? Wir tra­gen solange schwarz, bis etwas dunk­le­res erfun­den wird. In die­sem Sinne, etwas luf­ti­gere Klei­dung um die ein oder andere Speck­rolle zu ver­ste­cken. *g*

  7. Ich werde auch immer von den Farb­en­trä­gern (die meist noch mehr schwit­zen als ich) belä­chelt und mit den Wor­ten bedacht »was trägst du bei dem wet­ter auch schwarz«.

    Habe die letz­ten Jahre die Som­mer­mo­nate über­lebt und werde das auch zukünf­tig tun.

    Zu den Afri­ka­nern, dass hat uns unsere Grund­schul­leh­re­rin mal erklärt (keine Ahnung ob das stimmt) Die Haut baut mit der Zeit eine stär­kere Pig­men­tie­rung zum Schutz gegen die Sonne auf, weil die Son­nen­strah­len bei dun­kel pig­men­tier­ter Haut nicht so durch kommt.
    Daher bräu­nen wir auch in der Sonne-> Schutzfunktion.

    Wenn man das dann über vie­le­vie­le­vie­le­viele und noch mehr Gene­ra­tio­nen betrach­tet, fes­tigt sich diese Pigmentierung.

  8. @Mysti: Der Ver­käu­fer hat es doch nur gut gemeint :) Schließ­lich erhält die Kon­trast­farbe weiß immer mehr Ein­zug in der Gothic-Szene und die Wände in mei­ner und eurer Woh­nung sind schließ­lich auch nicht schwarz :)

    @Ricarda: Klingt wirk­lich logisch. So etwas habe ich naaaa­tür­lich auch gelernt. Ganz bestimmt sogar, ich kann mich nur nicht mehr dran erin­nern :) Ja, die Farb­en­trä­ger sind ein lus­ti­ges Völk­chen. Dort hält man figur­be­tonte syn­the­ti­sche Mate­ria­lien für chic, auch wenn der eigene Kör­per nach etwas ande­rem schreit. Das erin­nert mich irgend­wie an die 70er.

  9. ich weiß noch. in irgend nem land ist weiß die Farbe der Trauer. ich glaub das war Asien.

  10. Völ­lig rich­tig Äwe (was heißt eigent­lich Äwe?), habe bei Wiki­pe­dia gese­hen, das man Thai­land in wei­ßer Farbe trau­ert. Andere Län­der, andere Sit­ten. Würde mich inter­es­sie­ren ob es in Thai­land Gothics gibt und wel­che Farbe die tragen ;)

  11. @ Robert. Äwe ist mein Spitz­name. eigent­lich heiße ich Ewa. Naja aber immer wenn die Jungs besof­fen sind, schreien die Äwe, weil die sich nicht mehr rich­tig arti­ku­lie­ren kön­nen. und bei dem äwe sind wir nun geblieben.

    ach thai­land ist das also gewe­sen. ich glaub ich hab das bei gali­leo gesehn, indem es um die frage ging, wes­halb dort die Wasch­ma­schie­nen nicht weiß wären. Oo lus­tige sache.

    Aber goth gibts da bestimmt auch. Womög­lich mehr Visus. kA

  12. @Äwe: Dein Spitz­name oder Nick­name beruht also auf dei­nem rich­ti­gen Namen der von besof­fe­nen Jungs arti­ku­liert wird? Lässt das jetzt tief bli­cken? :D Ich habe mir das jetzt, ein 3/4 Jahr nach dei­nem Kom­men­tar noch­mal auf der Zunge zer­ge­hen lassen.

  13. Na das ist es doch wert, wenn man(n) so lange über mei­nen Spitz­na­men grübelt.

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