1 April

Improve Everywhere: Beerdigung am ersten April

Kategorie: Schwarze Szene — Jahrgang: 20098 Kommentare

Beerdigung

Schön das der erste April end­lich vor­bei ist, auf­ge­setzte Späße auf Kos­ten ande­rer sollte nicht nur an einem Tag des Jah­res breite Zustim­mung fin­den. Das Team von Improve Ever­y­where ist bekannt für seine sorg­fäl­tig auscho­reo­gra­fier­ten Flashmo­bähn­li­chen Atta­cken auf unschul­dige Pas­san­ten. Mit wit­zi­gen und spek­ta­ku­lä­ren Aktio­nen konn­ten sich die Macher einen fes­ten Platz in mei­nem heiß begehr­ten Feed-Reader ergat­tern. Das eine Beer­di­gung nicht immer im engs­ten Kreis der Fami­lie statt­fin­den muss, ist nicht nur hier ein Begriff. Was aber wenn plötz­lich 30 wild­fremde Men­schen der Beer­di­gung eines guten Freun­des bei­woh­nen? Aus einer lang­wei­li­gen Beer­di­gung ein Ereig­nis machen, das allen Trau­ern­den noch lange im Gedächt­nis blei­ben wird?

In Mexiko wäre das nicht wei­ter schlimm, denn nir­gendwo sonst wird eine Beer­di­gung bun­ter, lau­ter und schril­ler gefei­ert. Aber in der west­lich beein­fluss­ten Rest­welt? Ein durch­aus inter­es­san­ter Ansatz, den sich die 30 Prot­ago­nis­ten aus­ge­dacht haben, auch wenn es sich letzt­end­lich als April­scherz her­aus­ge­stellt hat. Denn es erschien doch zu absurd, eine wild­fremde Beer­di­gung zu stür­men, spä­tes­tens bei den Kame­ras hätte man stut­zig wer­den sol­len. Wer aber einen Blick in die Kom­men­tare wirft stellt schnell fest, das es neben vie­len Anhän­gern auch Kri­ti­ker auf den Plan ruft, die allein die Idee schon wie­der für unmög­lich hal­ten. Es bleibt also ein durch­aus gelun­ge­ner April­scherz mit einer ein­deu­ti­gen Mes­sage, Trauer ist ein Teil unse­res All­tags und muss nicht immer auf die glei­che Weise zele­briert werden.

(Bild­quelle: Improve Ever­y­where)

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Schwarze Szene
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8 Kommentare

  1. Ich finde das nicht sehr wit­zig, allein die Ein­schät­zung »lang­wei­lig«. Trauer ist für Außen­ste­hende oft lang­wei­lig, aber die geht es auch abso­lut nichts an. Trauer ist etwas sehr per­sön­li­ches, naja, viel­leicht auch kul­tu­rel­les, aber ich bin kein Mexi­ka­ner. Wenn ein Flashmob bei der Beer­di­gung mei­ner Groß­mut­ter auf­ge­taucht wäre, dann würde ich mit sehr gro­ßer Freude jedes Mit­glied des Mobs bei der Staatsanwaltschaft/Polizei kun­dig machen wol­len. Und nicht wohlwollent!

  2. Trauer hat vor allem etwas indi­vi­du­el­les und ist wohl auch abhän­gig von den jewei­li­gen Lebens­um­stän­den. Als meine Mut­ter nach lan­ger Krank­heit gestor­ben ist, habe ich die Trauer anders emp­fun­den als eine Bekannte, deren Mut­ter einige Jahre spä­ter bei einem Ver­kehrs­un­fall ums Leben kam. Wäh­rend die Liebste bei Ihr aus dem Leben geris­sen wurde, hatte ich Zeit mich auf die­ses Ereig­nis vor­zu­be­rei­ten. Unsere Gemein­sam­keit, den Tod unse­rer Mut­ter haben wir also ganz unter­schied­lich empfunden.

    Ein sol­ches FlashMob auf einer Beer­di­gung eines mei­ner Liebs­ten zu fin­den, würde ich auch nicht wit­zig fin­den, ich glaube darin sind wir uns einig. Ich für mei­nen Teil finde aber auch den soge­nann­ten »Lei­chen­schmaus« der im Anschluss an viele Beer­di­gun­gen hier­zu­lande statt­fin­det mehr als ekel­haft. Fei­er­tage die der Toten Geden­ken sol­len halte ich ebenso für über­flüs­sig, denn Men­schen die mir etwas bedeu­tet haben, blei­ben immer ein Teil mei­nes Lebens.

    Du sag­test: »Trauer ist etwas sehr per­sön­li­ches, naja, viel­leicht auch kul­tu­rel­les…« Das erste stimmt unein­ge­schränkt. Das der Tod und seine Zele­brie­rung sich kul­tu­rel­len Gepflo­gen­hei­ten unter­wirft ist aber ein mei­ner Mei­nung nach aner­zo­ge­nes Mys­te­rium unse­rer Gesell­schaft. Sicher­lich sind die Grund­sätze die glei­chen, aber ich lehne es ab mich allen auf­er­leg­ten Dog­men zu unter­wer­fen, warum müs­sen in Deutsch­land Tote so bestat­tet wer­den wie es jemand vor­schreibt? In sol­chen Fäl­len wünschte ich, ich wäre Mexikaner.

  3. Erst ein­mal mein Bei­leid was Deine Mut­ter angeht.
    Zum Thema »Lei­chen­schmaus«: In den Fäl­len, in denen ich sowas mit­ma­chen mußte, emp­fand ich es nicht als allzu schlimm, da sich posi­tiv an den Ver­stor­be­nen erin­nert wurde. Ich ver­mute aber auch, daß da jede Ver­an­stal­tung anders aus­fällt.
    Toten­ge­denk­tage: Ja, Quatsch, geht mir nicht anders, ich erin­nere mich nicht mehr oder weni­ger als an jedem ande­ren Tag.
    Und das kul­tu­relle ist ein heik­les Thema, grund­sätz­lich ermög­licht es wohl einen Rah­men, in dem man sich zu bewe­gen hat. Was genau stört Dich denn an »unserer«?

  4. Viel­leicht habe ich das falsch for­mu­liert, mit dem Rah­men meinte ich ein gewis­ses Umfeld der Sicher­heit. Das gibt ja jede Kul­tur vor. Und das finde ich grund­sätz­lich nicht schlecht. Auch wie­der, weil jeder sei­nen eige­nen Umgang mit Trauer hat. Der eine fin­det sei­nen Weg damit umzu­ge­hen, der andere braucht einen Rah­men, man könnte auch Regeln sagen.
    Meine letzte Frage aus mei­nem letz­ten Bei­trag war somit auch nicht pro­vo­ka­tiv gemeint, son­dern ganz offen, mich stört –rein per­sön­lich– die sal­bungs­vol­len Anspra­chen der Pfarrer-innen, weil ich wenig Bezug zur Reli­gion habe.

  5. Ich habe deine Fra­gen nicht pro­vo­ka­tiv emp­fun­den, gerne erkläre ich Dir näher was ich meine.

    Mich stört, was Kir­chen und Kom­mu­nen aus der Tod und der Beer­di­gung gemacht haben, näm­lich ein Geschäft. Ich habe nichts gehen einen ethi­schen Rah­men einer Bestat­tung, der auch ich mich anschließe. Aber ich stelle mir einige Fra­gen: Hat die Kir­che vor­zu­ge­ben wie jemand Beer­digt wird? Darf es ein Gesetz geben, das den Umgang mit der Asche sei­nes Liebs­ten regle­men­tiert? Warum muss ich auf einem öffent­lich Fried­hof bestat­ten und das auch noch für viel Geld?

    Es gibt aber auch eine sozi­al­kri­ti­sche Kom­po­nente. Ich habe lei­der schon eini­gen Beer­di­gun­gen bei­woh­nen müs­sen und zu mei­nem Ent­set­zen fest­stel­len müs­sen, das Trau­ernde immer mit einer Erwar­tungs­hal­tung den ande­ren Men­schen begeg­nen und völ­lige Unver­ständ­nis zei­gen, wenn man auf seine Art Abschied neh­men möchte. Weil ich bei der Beer­di­gung mei­ner Mut­ter nicht weinte wurde ich gefragt: Warum weinst du nicht? Ver­misst du deine Mut­ter nicht?

    Rah­men und Regeln sind sicher nichts schlech­tes, aber die meis­ten die­ser Regeln und Rah­men wer­den von Leu­ten gemacht, die nicht am wür­de­vol­len Able­ben unse­rer Liebs­ten inter­es­siert sind, son­dern nur an der Umset­zung ihrer Reli­gion oder am Fül­len ihrer Kassen.

  6. Was das sozi­al­kri­ti­sche angeht, stimme ich mit Dir abso­lut überein. Es steht nie­man­dem zu, anhand von Trä­nen über den Trau­er­grad zu urtei­len. Grund­sätz­lich nicht.
    Über den Rest denke ich noch mal nach, was nicht bedeu­ted, daß ich zu einer ande­ren Mei­nung komme!

  7. Tja, es ist echt nicht ein­fach… Ich meine, gewisse Regeln sollte es geben. Ich hätte kei­nen Spaß daran, wenn z.B. mein Nach­bar seine Oma/Frau/was-auch-immer in sei­ner Woh­nung ver­rot­ten läßt oder in sei­nem Gar­ten ver­gräbt. Des­we­gen finde ich Fried­höfe nicht schlecht. Warum das um die 5.000 Euro kos­ten muß (das nimmt man so als mini­ma­len Durch­schnitt an) ist mir auch nicht klar. Klar ist mir aber auch, daß da nie­mand für den Spaß arbei­tet. Also will und muß er Geld ver­die­nen.
    Müßte mal schauen, ob es Daten zur Kos­ten­struk­tur gibt…

  8. Selbst­ver­ständ­lich. Eine verot­tende Lei­che in der Woh­nung über mir fänd ich auch nicht pri­ckelnd, dahin sollte meine Ableh­nende Hal­tung auch nicht gehen. Fried­höfe, Toten­stät­ten, Grab­mä­ler, Gruf­ten oder Tem­pel sind sicher­lich schöne Plätze. Lei­der bleibt eine Beer­di­gung immer öfter einer »wohl­ha­ben­den« Kli­en­tel vor­be­hal­ten. Eine Beer­di­gung kos­tet hier schon mal rund 3000€ für die Grab­nut­zung und die Fried­hofs­ge­büh­ren, dazu kom­men unzäh­lige andere Kos­ten, ich sollte dar­über mal mit mei­nem Vater spre­chen und dann bloggen :)

    Warum kann ich die Asche mei­ner ver­stor­be­nen Ange­hö­ri­gen nicht in mei­nem Gar­ten vergraben?

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