19 Juli

Horst 2009: Party, Pogo und Psychobilly

Kategorie: Schwarze Szene — Jahrgang: 2009Keine Kommentare

horst festival 2009Wie angekündigt fand am 18.07. und 19.07.2009 das Horst-Festival auf dem Platz der Republik in Mönchengladbach statt. Vorschusslorbeeren erntete es ja bereits von mir, weil es überhaupt stattfand und damit an das aus Finanzgründen eingestellte City-Movement anknüpfen sollte. Auf der Internetseite des Festivals hatte ich mir schon ein paar geschmackliche Happen besorgt und war besonders neugierig auf die Phantom Rockers, eine in Mönchengladbach gegründete Band die mittlerweile in den USA lebt. Als Mönchengladbacher sollte ein Besuch dieses Festivals wohl obligatorisch sein, oder?

Das Gelände Platz der Republik ist mehr oder weniger der Schulhof des technischen Berufskolleg und eine Außenstelle der Hochschule Niederrhein. Die Ankunft gestaltete sich unproblematisch, denn die Lage direkt hinter dem Hauptbahnhof ist als Verkehrsgünstig anzusehen. Der Platz war großräumig abgesperrt und am Eingang wachte ein Sicherheitsdienst, nicht etwa weil man Eintritt verlangte, sondern aus Sicherheitsgründen und natürlich damit Horst seine eigenen und durchaus günstigen Getränke verkaufen konnte. So wurde das Gelände auch über seine abgesteckten Grenze hinaus von zahlreichen selbstverpflegenden Schaulustigen belagert.

horst festival 2009 kleine bühneDas Fes­ti­val zeigte sich gut besucht, aber nicht bre­chend voll, was viel­leicht am unschlüs­si­gen Wet­ter gele­gen haben mag, denn zu kei­ner Zeit war man sich wirk­lich sicher ob es nicht jeden Augen­blick reg­nen würde. 2 Büh­nen, die sehr geschickt von ein­an­der getrennt waren, spielte ein brei­tes Par­al­lel­pro­gramm das sich durch alle Genre zog. So erwar­tete uns bei unse­rem Rund­gang Dr. Gonzo aus Gre­ven­broich mit Metal aus volls­ter Kehle, die man als durch­aus gelun­gen kenn­zeich­nen dürfte.

horst 2009 acoustic rocksObwohl sich einige Enthusiasten direkt vor der Bühne austobten, darf man die Stimmung eher als zurückhaltend bezeichnen. Überall waren Getränkewagen verteilt, die für die am Festivaleingang erhältlichen Wertmarken entsprechende Getränke zu günstigen Preisen anboten. Ein Becher Bier für 2€ und ein Becher Wasser für 1€ ist in diesem Rahmen nicht zu teuer und fließt direkt in die Kasse der Veranstaltung, die sich größtenteils aus den anwesenden Sponsoren zusammensetzt.

Für das leibliche Wohl wurde gesorgt, wenn auch das Angebot etwas zu schmal ausgefallen ist. Mit Würstchen im Brot oder Würstchen mit Pommes lockt man eben nicht alle anwesenden hinter dem Ofen hervor. Wir haben uns jedenfalls eine Wurst im Brötchen schmecken lassen dessen Ketchupauflage fast im Unglück geendet wäre. Jedenfalls wundert es mich nicht, das einige das Gelände kurz verlassen haben um beim Mc Doof oder beim Bäcker um die Ecke ein paar Euro zu lassen. Hier hätte man vielleicht noch etwas mehr anbieten können.

horst phantom rockersAuf der Haupt­bühne spiel­ten jetzt Acoustic Rocks aus Kre­feld, die mit ihrer ganz eige­nen Ver­sion im Stile von Limp Biz­kit vor allem die Hip-Hop begeis­ter­ten Zuschauer anspra­chen. Die Musik war gelun­gen und die Texte boten einen brei­ten Schnitt durch die Gesell­schaft­li­chen Theme, denn auch sozi­al­kri­ti­sches wur­den hier musi­ka­lisch sehr gut umge­setzt. Der Sound dürfte mei­ner Mei­nung nach etwas »dicker« sein. An Ideen, Talent und Enter­tain­ment man­gelt es den Jungs jeden­falls nicht.

horst festival 2009 wetterSehr interessant wurde dann der Auftritt der Phantom Rockers, die gleich einen furiosen Start hinlegten und mich auch gleich zu Bühne lockten. Psychobilly ist schon eine feine Sache, die rauhe Mischung aus Punk und Rock 'n' Roll ist eine fetzige Mischung die durchaus einige Szenen vor der Bühne versammeln kann. Mark Burke, der große kräftige mit dem großen und kräftigen Bass hat ein Billy Idol Organ, das sich aber leicht lädiert zeigt, dem Gesamteindruck aber keinen Abbruch tat.

horst pogo fuer anfaengerObwohl sich alle Musi­ker im fort­ge­schrit­te­nen Alter prä­sen­tier­ten (schließ­lich leb­ten die meis­ten in den 80er hier in Mön­chen­glad­bach) spielte sie schnell und nahezu ohne Pause. Dar­un­ter auch einige Cover-Hits wie You Spin me Round (Dead or Alive) oder auch Tain­ted Love (Soft­cell) die mich zum laut­star­ken mit­sin­gen ani­mier­ten. Über­haupt war ich schwer ange­tan von den Jungs da auf der Bühne, ehr­lich. Der Spon­tan ein­set­zende Pogo vor der Bühne wurde dann auch von der Band ange­feu­ert »Let´s play it again, i wanne see those fucking guys moving!« und war ein inter­kul­tu­rel­les Lehr­stück. Da musste die mitt­ler­weile bie­de­ren Ur-Punks im Normalo-Outfit den Jung­punks erst noch zei­gen, wie man sowas rich­tig macht und das es nicht um Schlä­ge­rei geht, son­dern um aus­ge­las­se­nes tanzen.

Fazit: Horst war die gelun­gene Neu­auf­lage des City-Movement und ein Beweis dafür, das Enga­ge­ment und Ein­satz zum Erfolg führt. Mön­chen­glad­bach braucht genau so etwas um wie­der etwas für die vie­len Jugend­li­chen und Stu­den­ten in der Umge­bung zu bie­ten. Horst 2010? Ich bin dabei.

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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    […] habe ich es ver­säumt einen anstän­di­gen Vor­schlag zu machen, obwohl auch meine Hei­mat einige inter­es­sante Bands her­vor­ge­bracht hat. Aber was soll’s auf­ge­scho­ben ist ja nicht aufgehoben. […]