30 April

Walpurgisnacht – Eine kleine Geschichte über Hexen, Bier und Maibäume

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Hextentanz - Ein Wandgemälde von Hermann Hendrich

Spätestens seit den Hörspielen mit Bibi Blocksberg sind Hexen keine ernst zu nehmende Gefahr für die Menschheit. Schon unseren Eltern vermittelte man mit “Verliebt in eine Hexe” Anfang der 60er Jahre ein ganz anderes Bild der Besenreiterinnen und brachte die Begriffe “Ehefrau” und “Hexe” in einen ganz neuen Zusammenhang. Spätere Versuche, den Hexen wieder einen finsteren Hauch zu verpassen, scheiterten mit Filmen wie “Die Hexen von Eastwick” und wurden durch Serien wie “Charmed – Zauberhafte Hexen” vollends zunichte gemacht.

Vor rund 400 Jahren war das anders. Vermeintliche Hexen wurden verfolgt, verhört und zum Tode verurteilt, weil sie sich auf nahe gelegenen Bergen trafen, um dort gemeinsam die Nacht zum 1.Mai zu zelebrieren. Dass es sich beim Blocksberg ausschließlich um den Brocken im Harz handelt, ist im übrigen ein Mythos1, im Grunde eignete sich jeder nahe gelegene Berg, um als Treffpunkt für mittelalterliche Hexen zu dienen.

Dabei ging es bei der Walpurgisnacht um nichts anderes als “ein biß­chen Diebs­ge­lüst, ein biß­chen Ram­me­lei2, also um Lebenslust und Freude mit Beltane und Walburga. Fraglich, ob damals jemand beim Feiern an die Kelten dachte,  die angeblich rituelle Liebesakte auf ihren Äckern durchführten, um ihre Fruchtbarkeit auf den Erdboden zu übertragen. Freude, Schweinskram und heidnische Feste waren der Kirche natürlich ein Dorn im Auge. Damals wurden die Hexen verbrannt, was heute natürlich nicht mehr so einfach funktioniert, dafür beeinflusst man unser Hexenbild mit einfallslosen Fernsehserien. Wie gemein.

Was ist geblieben von den Fruchtbarkeitsritualen? Nicht viel. Die meisten jungen Männer der regionalen Brauchtumspflege nutzen die Gelegenheit, ihrer Angebeteten einen kleinen Maibaum zu spendieren, für den im nahe gelegenen Wald unschuldige Birken verstümmelt werden. Wenn sie überhaupt dazu kommen, denn häufig trinken sich die jungen Männer so viel Mut an, dass es bei Gedanken bleibt, der dann wegen motorischer Unzulänglichkeiten im Keim erstickt wird. Der Kreis schließt sich, wenn man darüber nachdenkt, dass Bier im Mittelalter hauptsächlich in Klöstern gebraut wurde. Als die Kirche nämlich merkte, dass Hexenverbrennung zunehmend unpopulärer wurden, machte sie aus dem keltischen Fest der Fruchtbarkeit einen Maifeiertag in dem es nur darum ging, lustig geschmückte Äste vor Fenster unverheirateter Mädchen aufzuhängen, um sie zum heiraten zu animieren. Das Bier machte den potentiellen Bräutigam zwar mutiger und zügelloser, doch bei entsprechender Menge auch unfähig, Fruchtbarkeit überhaupt auszusprechen. Ein strategischer Schachzug der Kirche, endlich Zucht und Ordnung in den Sauhaufen Menschheit zu bringen!

Wen wundert es, dass neopagane Religionsformen wie Wicca auf dem Vormarsch sind? Kirchliche Regeln sind eben nicht jedermanns Sache, schon gar nicht, wenn es um Fruchtbarkeit geht. Aber liebe Hexen und Anhänger neuer Religionsformen, tut mir einen Gefallen und denkt bei der Ergründung keltischer Rituale an die Verhütung.

 

  1. Thomas P. Becker: Mythos Walpurgisnacht – “In den erfolterten Geständnissen der Menschen, die in die Mühlen der Hexenprozesse gerieten, tauchten, wie oben erwähnt, alle möglichen Orte auf. Darunter waren durchaus auch Berge, und manche von ihnen erhielten die Bezeichnung „Blocksberg“. Schon seit dem 1956 erschienenen Artikel „Blocksberg“ von Willerich Peuckert ist klar, dass unter dieser Bezeichnung nicht nur ein einziger Berg zu verstehen ist. Am bekanntesten davon sind zwei, einmal natürlich der Brocken im Harz, zum anderen aber auch ein Berg im Schwarzwald, der Kandel. Darüber hinaus gab es noch einen weiteren „Hexenberg“, der von regionaler Bedeutung als Versammlungsort der Hexen war: der „Heuberg“.“ []
  2. Johann Wolfgang von Goethe: Faust I – Nacht. Straße vor Gretchens Türe –  http://www.wissen-im-netz.info/literatur/goethe/faust/1teil/19.htm []

1 Kommentar

  1. Dabei ging es bei der Wal­pur­gis­nacht um nichts ande­res als »ein biß­chen Diebs­ge­lüst, ein biß­chen Ram­me­lei»

    Wenn es mir richtig in Erinnerung geblieben war, so war Goethe davon sichtlich inspiriert gewesen. Da es einen frühen ersten Entwurf seiner faustschen Walpurgisnacht gibt, den er selbst ein lebenslang in seinem Giftschrank gelassen hatte. Denn dieser war durchtränkt von opulenten orgienhaften Beschreibungen. Und unterlegt mit Worten, die für die damalige Zeit zu eindeutig zweideutig gewesen waren.
    Sodass er den Textabschnitt später nur verharmlost veröffentlichen sowie abdrucken ließ, um seinen Ruf nicht allzu sehr zu gefährden. Erst in der Neuzeit wurde das Fragment gefunden, doch seinem Ansehen hat es nicht wirklich geschadet. Aber heutzutage liest man ja auch Goethes Zeitgenossen de Sade ohne großes Aufsehen.

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