11 November

Vom Hoppeditz und anderen Traditionen

Kategorie: Hintergründe — Jahrgang: 2008Keine Kommentare

Hop­pe­ditz Denk­mal Karlsplatz

Der 11. Novem­ber ist ein ereig­nis­rei­cher und sehr rhei­ni­scher Tag. Es gibt kaum einen Tag an dem so viele Tra­di­tio­nen und Gebräu­che, Wör­ter und Begriffe benutzt wer­den wie an die­sem Tag. Übri­gens erschien am 11. Novem­ber 1954 der zweite Teil der Herr der Ringe Tri­lo­gie von Tol­kien und die ehe­ma­li­gen Alli­ier­ten fei­ern den Vete­rans Day, Wiki­pe­dia ist schon ganz schön informativ.

Der Hop­pe­ditz, wird jedes Jahr mit dem Beginn der Kar­ne­vals­ses­sion, dem 11. Novem­ber um 11:11 zum Leben erweckt. Vom Pferd des Rei­ter­stand­bil­des von Jan Wel­lem auf dem Düs­sel­dor­fer Markt­platz hält er seine lus­tige und bis­sige Eröff­nungs­rede und läu­tet damit die neue Kar­ne­vals­ses­sion ein. Der Erz­schelm war ver­wandt mit Till Eulen­spie­gel und Nach­fahre des Hof­nar­ren. Auf jeden Fall war er vor­her schon in der rhei­ni­schen Fast­nacht bekannt als Hans­wurst. Er genoß in Düs­sel­dorf so hohes Anse­hen, daß ihm 1841 auf dem Karl­platz sogar ein Denk­mal gesetzt wurde, dort blieb es aller­dings nur bis 1860.

Kar­ne­val. In die­ser Zeit mutiert man vom Bröck­chen der Sub­kul­tur zum aner­kann­ten Mit­glied der Gesell­schaft weil viele Mit­men­schen den Gruf­tie oder den Punk als Trä­ger eines Kos­tü­mes sehen. »Guck mal, der hat sich als Pun­ker ver­klei­det!« Doch bevor sich der gemeine Bür­ger ans Aus­trei­ben des Win­ters begibt, muss die­ser erst­mal begin­nen und der Brei aus christ­li­chen Fei­er­ta­gen und Absatz­ori­en­tier­ter Gewinn­erzie­lung durch­lau­fen wer­den, der nicht etwa in einem besinn­li­chen Weih­nachts­fest endet, son­dern viel zu oft in einem Kos­um­rausch. Kin­der war­ten auf den Weih­nachts­mann nicht auf´s Christkind.

Kon­sum­rausch. Am 11. Novem­ber ist auch noch der Mar­tins­tag, Fei­er­tag eben jenes Mar­tin von Tours der mit dem Bett­ler sei­nen Man­tel teilte und im Alter von 81(!) Jah­ren starb, was zu die­ser Zeit wohl Rekord­ver­däch­tig gewe­sen sein dürfte. Ein Fest an dem die Kin­der mit selbst­ge­bas­tel­ten Later­nen durch die Stra­ßen zie­hen, Lie­der sin­gen und jedes Jahr auf´s neue die Geschichte spie­lend erle­ben und ein knis­tern­des Mar­tins­feuer die Gemü­ter der anwe­sen­den erhellt. Die ollen Gänse, die Ster­ben müs­sen weil sie Herrn von Tours im Stall ver­ra­ten haben tun mir ja fast ein biss­chen leid, dass sie für die Feh­ler ihrer Vor­fah­ren vor 1600 Jah­ren immer noch gera­de­ste­hen müssen.

Natür­lich ist sel­ber­ma­chen, nicht ver­klei­den, sin­gen und Ehren­amt Gift für den Umsatz, des­halb haben die füh­ren­den Indus­trien sich zusam­men­ge­schlos­sen und kur­zer­hand Hal­lo­ween bei uns ein­ge­führt. Der ist in den USA ja schon durch eine umfang­rei­che Pro­dukt­pa­lette erschlos­sen, bie­tet sich gera­dezu an und wer hat´s erfun­den?  Die Idee dazu habe die Iren nach Ame­rika gebracht.

Jetzt zie­hen bei uns seit dem 5. Novem­ber täg­lich Mar­tins­um­züge und Kin­der sin­gen mit gebas­tel­ten Later­nen ihre Lie­der. Erstaun­li­cher­weise ken­nen Kin­der ja keine Inte­gra­ti­ons­pro­bleme oder Berüh­rungs­ängste und war ich um so erstaunt, das die tür­ki­schen Kin­der der Gruppe vor mei­ner Tür text­si­cher und laut­stark in Erin­ne­rung geblie­ben sind. Kin­der an die Macht!

(Bild­quelle: Bio­gra­fie des Hop­pe­ditz, Düs­sel­dor­fer Kar­ne­vals­ko­mi­tee)

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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