30 April

Subkultur! - Wicca

Kategorie: Hintergründe — Jahrgang: 201110 Kommentare

Subkultur - WiccaMagi­sche Kreise, Pen­ta­gramme und heid­ni­sche Feste im fah­len Licht des Mon­des? Schrul­lige Hexen die Bar­fuß um den Schein des knis­tern­den Feu­ers tan­zen oder doch etwa eine mur­melnde Gemeinde Bedeu­tungs­schwan­ge­rer Men­schen? Und was zum Teu­fel hat das alles über­haupt mit Gothic zu tun?

Ein­lei­tung: Spon­tis ist nicht gerade der Quell neu­re­li­giö­ser Bewe­gun­gen oder neu ins Leben geru­fe­ner Natur– und Mys­te­ri­en­re­li­gion, da liegt es nahe, sich pro­fes­sio­nelle Hilfe zu holen. Daher habe ich Rosa Cha­ly­beia gebe­ten, einen pas­sen­den Bei­trag für die Reihe Sub­kul­tur! zu ver­fas­sen und war mehr als glück­lich, dass Sie zustimmte. Rosa beschäf­tigt sich schon seit gefühl­ten Ewig­kei­ten mit allem was mys­te­riös, reli­giös oder heid­nisch ist und im Laufe ihrer Kar­riere in der schwar­zen Szene viele Erfah­run­gen dazu gesam­melt. Bis jetzt kenne ich nie­man­den, der auf die­sen Gebie­ten fun­dier­te­res Wis­sen zu bie­ten hätte.

An die­ser Stelle möchte ich ein paar Worte über Wicca ver­lie­ren, auch wenn diese „Bewe­gung“ mit Gothic erst mal nichts zu tun hat, heute ver­schrän­ken sich an die­sem Punkt die Sze­ne­gren­zen oft­mals. Mag es am natür­li­chen Inter­esse des gemei­nen Gothics für okkulte Dinge lie­gen ;) — oder an der Suche nach ande­ren Wegen als die aus­ge­tre­te­nen Pfade eta­blier­ter Reli­gio­nen, wenn es darum geht die Welt auf spi­ri­tu­el­lem Wege zu erfahren.

Was ist Wicca?

Venus von WillendorfDabei han­delt es sich um eine neo­pa­gane Reli­gi­ons­form die sich auf uralte vor­christ­li­che Tra­di­tio­nen beru­fen soll. Zumin­dest ist das das was manch nai­ver Wicca gerne glau­ben mag und stel­len­weise so auch als unver­rück­bare Wahr­heit dar­ge­stellt wird. Als „Beweis“ wer­den dafür häu­fig pri­mi­tive Kunst­ge­gen­stände her­an­ge­zo­gen, wel­che Frau­en­fi­gu­ren mit über­zo­gen weib­li­chen Run­dun­gen und schwan­ge­rem Bauch zei­gen. Diese sol­len die große Göt­tin – die Erd­mut­ter dar­stel­len, doch das ist nicht wis­sen­schaft­lich ein­wand­frei bewie­sen und ledig­lich Spe­ku­la­tion. Nicht zuletzt sorgte die Bezeich­nung als Venus­fi­gu­ri­nen die auf die Ent­de­cker die­ser Skulp­tu­ren im 19. Jahr­hun­dert zurück­geht für Falschaus­le­gung, diese beruht ledig­lich auf opti­sche Asso­zia­tio­nen mit der römi­schen Lie­bes­göt­tin, kei­nes­wegs aber auf eine beleg­bare Göttinnendarstellung.

Tat­sa­che aber ist, dass Wicca in der Mitte des 20. Jahr­hun­derts von Gerald Brous­seau Gard­ner ins Leben geru­fen wurde.

Gerald Brousseau GardnerGard­ner wurde am 13. Juni 1884 in Eng­land gebo­ren. Zunächst als Betrei­ber einer Tee-Plantage in Cey­lon tätig, zog er dann nach Malay­sien, wo er sich für die alten magi­schen Kulte der Ein­ge­bo­re­nen inter­es­sierte und spä­ter ein Buch über die magi­sche Ver­wen­dung von Waf­fen in die­sen Kul­ten verfasste.

Wie­der in Eng­land lebte er in New Forest und schloss sich dort einem Geheim­bund soge­nann­ter Erb­he­xen1 an – dem New Forest Coven, in den er 1939 initi­iert wurde.

1946 lernte er Aleis­ter Crow­ley ken­nen, und wurde in den Ordo Tem­pli Ori­en­tis initi­iert, der zu dem Zeit­punkt unter Crow­leys Lei­tung stand – ein zere­mo­ni­al­ma­gisch ori­en­tier­ter Orden von west­li­chen Mystikern.

1949 ver­öf­fent­lichte er mit Zustim­mung des Covens sei­nen zwei­ten Roman High Magic’s Aid, in dem in fik­tio­na­ler Form die Grund­züge der spä­te­ren gard­ne­ria­ni­schen Tra­di­tion bereits beschrie­ben wer­den. Die Rituale sind hier noch sehr durch Crow­ley und die west­li­che Zere­mo­ni­al­ma­gie beein­flusst. Ein wei­te­res Gerücht besagt, dass Crow­ley das „Buch der Schatten“((Ein Buch in dem alle Rituale eines Covens gesam­melt wer­den, heute auch Bezeich­nung für das pri­vate Notiz­buch in dem jede Hexe ihre Zau­ber­sprü­che und Rituale ein­trägt.)) mit allen Ritua­len sogar kom­plett für Gard­ner schrieb.

Heute noch geht das viel zitierte Oberste Hexen­ge­bot: „Do what ye wilt, an it harm none — Tue was Du willst aber schade nie­man­dem!“ streng genom­men auf Aleis­ter Crow­ley zurück, der in sei­nem „Liber Al Vel Legis“ — das Buch des Geset­zes 1904 bereits auftaucht:

AL I:40: Do what thou wilt shall be the whole of the Law.
„Tue was du willst, soll sein das ganze des Gesetzes.“
AL I:57: Love is the Law, love under will.
„Liebe ist das Gesetz, Liebe unter Willen.“2

Man sagt auch, dass High Magic’s Aid aus­schlag­ge­bend dafür war, dass 1951 der „Witch­craft Act“, der das Ver­bot der Aus­übung von Hexe­rei regelte, abge­schafft wurde – aber viel­leicht fand der moderne Mensch es auch nur lang­sam lächer­lich an miß­mu­tige alte Schrul­len zu glau­ben, die auf Besen durch die Gegend fliegen …

1953 wird Doreen Vali­ente in Gard­ners Coven initi­iert, sie über­schreibt viele der von Crow­ley beein­fluss­ten Pas­sa­gen in Gard­ners Buch der Schat­ten mit Tex­ten die vom Göt­tin­nen­kult geprägt sind.

1954 legt er mit der Zeit­schrift „Witch­craft Today“ den Grund­stein für das, was im Fol­gen­den „Gard­ne­rian Wicca“ genannt wird. Gard­ner war beken­nen­der Nudist und ent­spre­chend Ver­fech­ter der Ritual­aus­übung „im Him­mels­kleid“ (eng­lisch: sky­clad) – also nackt, und scheute offen­bar auch nicht vor Vor­füh­run­gen sexu­al­ma­gi­scher Prak­ti­ken zurück, wes­we­gen Doreen Vali­ente und andere Schü­ler den Coven ver­lie­ßen und eigene Tra­di­tio­nen ins Leben riefen.

Gerald Gard­ner ver­starb am 12. Februar 1964 auf einer Schiffs­reise auf dem Weg Rich­tung Libanon.

Heute gibt es nahezu unzäh­lige Tra­di­tio­nen die eben auf Gard­ners Wicca basie­ren und sich wahl­weise beim kel­ti­schen, ger­ma­ni­schen römi­schen oder grie­chi­schen Göt­ter­ka­non bedie­nen, sowie scha­ma­nis­ti­sche Ein­flüsse mit auf­neh­men. Eine davon ist „Seax-Wica„ — die sich auf angel­säch­si­sche Mytho­lo­gie beruft und von Gard­ners Schü­ler Ray­mond Buck­land for­miert wurde.

Buck­land trug auch dazu bei, Wicca in den USA zu ver­brei­ten –  sein Buch „Buck­lands Com­plete Book of Witch­craft“ fin­det sich auch in mei­nem Bücher­re­gal.  Zuge­ge­ben — für einen Lacher ist es immer wie­der gut, was aber an der Art liegt wie es geschrie­ben ist ;)

Der Begriff „Wicca“ stammt aus dem Angel­säch­si­schen, mit der Bedeu­tung „Zau­be­rer“ oder „Hexe“, das eng­li­sche Wort für „Hexe“ — „witch“ kommt eben­falls daher. Gard­ner ver­wandte zunächst die Form „Wica“ in sei­nen Büchern für die Anhän­ger sei­ner neu­heid­ni­schen Reli­gion, spä­ter wurde das Wort als „Wicca“ auch gene­rell für den Kult gebräuchlich.

In den USA wurde Wicca auch von Prot­ago­nis­ten wie Zsuz­s­anna Buda­pest und Miriam Simos (unter dem Pseud­onym Star­hawk) wei­ter ver­brei­tet. Buda­pest war Begrün­de­rin des soge­nann­ten „Dia­nic Wicca“, einer sehr femi­nis­tisch gepräg­ten Tra­di­tion. Beide Damen haben selbst Bücher ver­fasst, von Buda­pest sind eben­falls einige in mei­nem Regal zu fin­den die an sich sehr gut geschrie­ben sind, nur steht »Z« für mei­nen per­sön­li­chen Geschmack zu stark auf der radikal-feministischen Seite.

Wicca-Altar

Wicca-Altar

Einen Boom erfuhr die Hexe­rei Ende der 80er bis Anfang der 90er. Maß­geb­lich auch durch Ver­öf­fent­li­chun­gen von Auto­ren die sich an das breite Publi­kum rich­te­ten – nament­lich Sil­ver Raven­wolf, von der es eine Buch­reihe über die Hexen­kunst gibt, sowie Scott Cun­ningham.

In Deutsch­land gibt San­dra, die Hexe aus Mün­chen, ihr Wis­sen in ver­schie­de­nen Büchern preis — die mit 13 Jah­ren auch meine erste Berüh­rung mit Magie dar­stel­len, obwohl San­dra keine Anhän­ge­rin des Wicca ist.  Ich muss auch zuge­ben, dass mich die Frau optisch, mit ihren schwar­zen lan­gen Samt­klei­dern und zig­tau­send Sil­ber­ket­ten, immens fas­zi­niert hat.

Immer mehr Auto­ren tau­chen auf die lus­tige Zau­ber­sprü­che in Buch­form ver­öf­fent­li­chen, Mut­ter Bei­mer von Nebenan nennt sich eine Hexe, weil sie ein paar faden­schei­nige Zau­ber­sprü­che in der Küche absol­viert hat, die Wicca die in den alten Coven sit­zen stöh­nen ent­setzt auf.  Esoterik-Läden schie­ßen wie Pilze aus dem Boden, in denen man sich rundum ein­de­cken kann, von Ker­zen über aller­lei Ritual­zu­be­hör wie Kelch und Athame((Dolch der ritu­ell ver­wen­det wird um Ener­gien zu diri­gie­ren — kei­nes­wegs aber um Lebe­we­sen danie­der zu meu­cheln ;) . Im Wicca ist der Griff oft schwarz und die Schneide beid­sei­tig geschliffen.))

Die wach­sende Popu­la­ri­tät der Neuen Hexen hatte aber auch ihre Schat­ten­sei­ten. So tra­ten mit den Auto­ren auch ver­mehrt fin­dige Geschäf­te­ma­cher auf, die auf den Trend auf­spran­gen um leicht­gläu­bi­gen Men­schen das Geld aus der Tasche zu zie­hen und auch etli­che der bereits bekann­ten Auto­ren ent­wi­ckel­ten eine gewisse Geschäfts­tä­tig­keit. Die spä­ten Bücher von San­dra sind bei­spiels­weise nahezu nichtssagend.

»Hexe Thea« setzt dem Gan­zen die Krone auf und gibt Bücher mit Ritua­len her­aus, für die man — angeb­lich — unbe­dingt Zuta­ten und Requi­si­ten aus ihrem eige­nen Laden benö­tigt. Für gutes Geld bie­tet sie »Hexen­aus­bil­dun­gen« an und ver­brei­tet Leh­ren die mit Wicca nur recht ver­dreht noch etwas gemein haben — und so zieht sie sich den Unmut von Wic­cas und Neu­hei­den zu.

Auch das Fern­se­hen wurde auf die Hexen auf­merk­sam, die Serie „Char­med“ führte 1998 zu einer Explo­sion von Jung­he­xen, Pro7 gab eben­falls ein Buch mit klei­nen Zau­ber­ri­tuäl­chen her­aus das als „Buch der Schat­ten“ titu­liert wurde – und in den Foren der Neu­hei­den rollte man genervt die Augen wegen tau­sen­der elf­jäh­ri­ger „Pipers“ und „Pho­ebes“ die ler­nen woll­ten, wie ihre Seri­en­vor­bil­der zu zau­bern und Dämo­nen zu vermöbeln.

Doch woran glauben Wicca eigentlich wirklich?

Göttin Diana mit Hirsch

Göt­tin Diana mit Hirsch

Wicca ist ein­deu­tig eine Reli­gion3, die Anhän­ger glau­ben an eine Große Göt­tin die sich in der Natur in ver­schie­de­nen Erschei­nungs­for­men zeigt. Sie ist ein­mal die „Große Mut­ter“ — die Erde aus der wir alle geschaf­fen sind und zu der wir wie­der gehen, aber auch die Mond­göt­tin die durch den Lauf des Mon­des ver­kör­pert wird – der zuneh­mende Mond ist das junge Mäd­chen, der Voll­mond die schwan­gere reife Frau, der abneh­mende Mond die alternde Weise, und bei Neu­mond wird sie wie­der­ge­bo­ren. Auch beim Mythos der Nor­nen fin­det sich ein ganz ähnli­cher Symbolismus.

Gegen­part der Göt­tin ist der gehörnte Gott – Pan oder Cer­nun­nos (für den es ebenso meh­rere Namen aus unter­schied­li­chen Pan­the­ons gibt) . Er wird mit dem Lauf der Sonne in Ver­bin­dung gebracht.

So bringt die große Göt­tin ihn zur Winter-Tagundnachtgleiche am 21. Dezem­ber zur Welt, an Licht­mess, zum 1. Februar wird er quasi voll­jäh­rig, als Sym­bol dafür wer­den die Tage nun län­ger als die Nächte und im Hoch­som­mer zum 31. Juli stirbt er, sym­bo­lisch wenn das Korn geern­tet wird als „Korn­gott“ — denn er opfert sich dafür, dass die Men­schen den Win­ter über­le­ben und genug Nah­rung haben.

Einige Wur­zeln des Wicca lie­gen also durch­aus im bür­ger­li­chen Aber­glau­ben ver­gan­ge­ner Jahr­hun­derte, als man man­gels Wis­sen jeden Win­ter dafür betete, dass die Tage im Früh­jahr wirk­lich wie­der län­ger wur­den, und nicht solange immer kür­zer durch gött­li­chen Unmut, dass die Welt in ewi­ger Nacht ver­sank. Viele Rituale und Zau­be­reien die heute unter „Hexen­tum“ ver­brei­tet wer­den sind sol­che Volks-Zaubereien die man auch als „nie­dere Magie“ bezeich­net – oft­mals kleine Rezept­chen die dem Lie­bes­le­ben för­der­lich sein sol­len, Geld­se­gen anzie­hen oder für die Gesundheit .

Jah­res­lauf

Der Jahreskreis

Der Jah­res­kreis

Wicca ist daher eine sehr natur­ver­bun­dene Reli­gion die sich an den Ver­än­de­run­gen der Natur im Jah­res­lauf ori­en­tiert. Aber auch am Mond­lauf – zu Voll­mond fei­ert man den soge­nann­ten Esbat und bedankt sich bei der Gro­ßen Göt­tin für alles was im ver­gan­ge­nen Monat gesche­hen ist und spricht Wün­sche für den nächs­ten Monat aus.

Man fei­ert acht Jah­res­feste, und das Hexen­jahr beginnt an Sam­hain, dem 31. Okto­ber. Der Main­stream kennt die­sen Ter­min als „Hal­lo­ween“. Lus­ti­ger­weise fin­den sich unab­hän­gig vom Wicca Beweise dafür, dass die­ser Tag in vie­len Kul­tu­ren der Tag zum Geden­ken der Toten ist.

Am 21. Dezem­ber ist Yule – die längste Nacht des Jah­res in der die Göt­tin ihren Sohn, den gehörn­ten Gott zur Welt bringt. Bri­gid ist am 1. Februar, man spürt, dass die Tage wie­der län­ger wer­den und fei­ert das Son­nen­licht das lang­sam über die Dun­kel­heit des Win­ters Ober­hand gewinnt. Tag­und­nacht­glei­che ist dann am 21 März, hier hal­ten sich Licht und Fins­ter­nis die Waage, die Natur erwacht –Ostara

Beson­ders bekannt ist die Wal­pur­gis­nacht, an der in mei­nem Hei­mat­kaff auch g’standene Chris­ten rie­sige Holz­hau­fen abfa­ckeln. Man bit­tet in die­ser Nacht um Frucht­bar­keit fürs Land und Vieh – oder auch im eige­nen Haus … Wicca nen­nen die­ses fest Bel­tane. Zur Som­mer­son­nen­wende – Litha – am 21. Juli ist der längste Tag des Jah­res. Man fei­ert den Über­fluss der Natur der hier auf sei­nem Höhe­punkt ist, lässt es sich gut gehen.

Der 31. Juli ist Lugh­na­sadh — Ern­te­dank. Das Korn wurde ein­ge­holt, der Korn­gott opferte sich für die Men­schen und man dankt ihm und der Natur für deren Gaben. Die Herbst-Tagundnachtgleiche — Mabon — mar­kiert den Abschnitt des Jah­res wo es in die unge­wisse, fins­tere Jah­res­zeit hinab geht.

Klingt alles doch ein biss­chen christ­lich, oder? Ja, defi­ni­tiv, Wic­cas und Neu­hei­den pochen nicht sel­ten dar­auf, dass die Chris­ten die alten Feste der Bau­ern in vor­christ­li­cher Zeit ver­ein­nahmt haben um die Bevöl­ke­rung leich­ter von neuen Glau­ben zu überzeugen.

Tat­säch­lich fin­den sich in vie­len frü­hen Kir­chen auch noch sehr heid­ni­sche Sym­bo­li­ken, auch ein Fall von Pen­ta­gram­men in einer eng­li­schen Kir­che ist mir bekannt, oder Frat­zen vom „grü­nen Mann“.

Wicca ist trotz­dem keine »Ur-Religion«, wie roman­ti­sie­rend oft gesagt wird. Ver­satz­stü­cke aus altem Volks­glau­ben und diver­sen vor­christ­li­chen Göt­ter­ka­nons sind zwar vor­han­den, aber nichts an Wicca ist wirk­lich eine Rekon­struk­tion eines vor­christ­li­chen Glau­bens, eher eine Neu­in­ter­pre­ta­tion. Das macht die Sache nicht schlech­ter oder bes­ser als andere Reli­gio­nen. Und mei­ner Erfah­rung nach kön­nen auch Neu­hei­den extrem ver­bohrt und fun­da­men­ta­lis­tisch sein. Reli­gion ist eine per­sön­li­che Sache, auch wenn ich heute am Wicca — eben wegen der reli­giö­sen Kom­po­nente — für mich per­sön­lich nichts mehr fin­den kann, so sei es jedem selbst über­las­sen, wel­chen spi­ri­tu­el­len Pfad er gehen möchte.

Wer sich aber ernst­haft für die­ses Thema inter­es­siert, aber nicht vor hat sich einem Coven anzu­schlie­ßen – was auch ich nie getan habe – dem emp­fehle ich die­ses Buch:

Marian Green — Das geheime Wis­sen der Hexen, da es abseits von lus­ti­gen klei­nen Lie­bes­he­xe­reien wert­frei und sogar rela­tiv undog­ma­tisch den Kern des Neu­hei­den­tums wie­der­gibt. Zum Abschluss gibt es aus mei­nem Büch­lein noch eine kleine Hexe­rei — frei­lich mit Augenzwinkern.

»Das Geschenk«

Nimm eine Kor­del — am bes­ten aus Natur­fa­sern — in einer Farbe die zu Dei­nem Wunsch passt (z.B. rot für Lie­bes­dinge, gelb fürs Geld, grün für die Gesund­heit … ). Die Kor­del sollte lang genug sein, dass Du sie um den Bauch oder das Hand­ge­lenk bin­den kannst.

Ent­zünde Ker­zen und Räu­cher­werk, nimm die Kor­del und knüpfe 9 Kno­ten hin­ein, beginne in der Mitte und setze die rest­li­chen Kno­ten abwech­seln auf jeder Seite. Bei jedem Kno­ten stellst Du Dir vor, wie Dein Wunsch in Erfül­lung geht und sprichst:

Binde Dir die Kor­del um und nimm sie nicht ab bis zum nächs­ten Abend.

Ent­zünde dann wie­derum Ker­zen und Räu­cher­werk, öffne den ers­ten Kno­ten — vom Kor­d­elende begin­nend. Stelle Dir wie­der vor wie Dein Wunsch in Erfül­lung geht und sprich:

»Mein Wunsch wird in Erfül­lung gehen«

Binde Dir die Kor­del wie­der um und wie­der­hole das Ganze bis Du beim letz­ten Kno­ten in der Mitte ange­kom­men bist. Löse ihn wie oben beschrie­ben, danach pus­test Du ein­mal kräf­tig auf die Kor­del und sprich:

»Mit der Kraft der Luft ent­lasse ich die­sen Zau­ber an das Universum!«

Die Kor­del wird nun bis zum nächs­ten Tag sicher ver­staut — nicht mehr umge­bun­den, dann ver­gräbst Du sie an einem Ort wo sie unge­stört in der Natur ver­rot­ten kann.

Viel Spaß damit:)

Eure Rosa

Wei­ter­füh­rende Links:

(Bild­quel­len: damselfly58 | CC by-nc-de, Venus von Wil­len­dorf: Mat­thias Kabel | CC by-sa , Wicca-Altar: Dra­go­noak via Flickr| CC by-nc-nd, Diana mit Hirsch: Wiki­me­dia Com­mons | CC by-sa)

  1. Erb­he­xen haben ihr Wis­sen und ihre Fähig­kei­ten durch Fami­li­en­tra­di­tion bekom­men. Nicht sel­ten nur von weib­li­chen Fami­li­en­mit­glie­dern wei­ter­ge­ge­ben. Sagen sie. Bei etli­chen selbst­er­nann­ten Erb­he­xen dürfte das aber wohl eher Show sein. []
  2. http://tguild.oto.de/libri/Liber_Al.htm []
  3. 1994 in USA offi­zi­ell als Reli­gion aner­kannt []

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Veröffentlicht von

Kalkleiste und Reifrocktante mit viel zu vielen Interessen: geschreiben wird über alles was mich irgendwie fasziniert, interessiert oder nicht aus dem Kopf gehen will. Das geht von Nerdkram über Okkultismus über Technik über Musik über Geschichte über ... und zwischendrin nähe ich auch ganz gerne :D Du findest mich auch .

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10 Kommentare

  1. Den Arti­kel heute zu ver­öf­fent­li­chen war doch Absicht! :P
    Hoch interessant :)

    In dem Sinne ein fro­hes Beltane! :)

  2. Ja, wirk­lich inter­es­sant — ein gelun­ge­ner Gast­bei­trag. Auch ich habe bis­lang Wicca nicht ver­stan­den, bzw. was genau dahin­ter­steckt. Gut auf­ge­schlaut, Rosa!

    Ich wusste z.B. bis­her den gehörn­ten Pan nicht ein­zu­ord­nen und auch nicht, dass er in die­ser Reli­gion der männ­li­che »Haupt-Gott« ist. Ebenso neu war mir, dass Wicca über­haupt eine Reli­gion ist. Den­noch, auch mit Hexe­rei und Zau­be­rei kann ich nichts anfan­gen, und für jeg­li­che Form von „Gott­heit” fehlt mir der Glaube. Das ein­zige, woran ich glaube, ist dass die Natur alles geschaf­fen hat und unser Schick­sal und Leben beein­flusst — in dem Maße wie wir die Natur beeinflussen.

  3. Vie­len Dank :)

    Ergän­zend noch dazu gesagt: ich bin keine Wicca, in Jugend­ta­gen habe ich mich zwar mal ein paar Jähr­chen in diese Rich­tung bewegt gehabt, aber heute kann auch ich mich mit Reli­gion wel­cher Art auch immer nicht mehr anfreun­den. Ich würde schon sagen daß ich rela­tiv spi­ri­tu­ell ver­an­lagt bin und gerne über die Welt und phi­lo­so­schwafle ;) — aber Reli­gio­nen sind mir per­sön­lich gerade des­we­gen zu eng im Den­ken, weil sie ein recht ein­ge­fah­re­nes Dogma haben. Wer sich inner­halb eines sol­chen Dog­mas spi­ri­tu­ell wohl fühlt — dem rede ich frei­lich nicht rein, genau­so­we­nig wie ich es mag »mis­sio­niert« zu werden.

    Was Wicca anbe­langt — gerade der Hexen-Boom und die damit auf­tau­chen­den Kommerz-Bücher aus der Hausfrauen-Eso-Ecke haben den reli­giö­sen Chra­ka­ter von Wicca arg ver­wäs­sert, wer­ben doch nicht sel­ten Auto­ren von Mach­wer­ken mit reich­lich skur­ri­len Zau­ber­sprüch­lein mit dem Begriff weil er eh schon im Gespräch ist.

    Dabei hat Wicca einige Ansätze die ich recht sym­pa­thisch finde — immer­hin ist es eine recht natur­ver­bun­dene Reli­gion. Man könnte auch sagen, daß die Ver­än­de­run­gen die die Natur im Lauf des jah­res durch­macht, durch Göt­tin und Gott per­so­ni­fi­ziert wer­den, Wicca ach­ten nicht sel­ten auf Umwelt­schutz da unser Pla­net für sie genauso die Große Göt­tin dar­stellt, die dem Men­schen Lebens­raum und Nah­rung gibt, der mensch aber zer­stört sie und nimmt ihr oft mehr als ihm zustünde.
    Frei­lich, für sol­che Über­zeu­gun­gen muss man kein Wicca sein, aber das ist ja auch wie mit dem schwarz tra­gen — es ist ein Weg seine Unzu­frie­den­heit mit der Gesell­schaft und sei­nen Pro­test aus­zu­drü­cken, aber umge­kehrt heißt es nicht daß es mit­ten­drin nicht auch mal einen knall­bunt ange­zo­ge­nen Men­schen gibt der eigent­lich genauso denkt.

    Magie — das ist ein wei­tes Feld. Wei­ter als nur zu sagen: das ist rea­li­täts­frem­der Schwach­sinn oder im ande­ren Extrem blind­lings dran glau­ben. Ich »glaube« nicht an Magie — aber das ist ein ande­res Thema das sehr sehr weit­läu­fig sein kann. Ich gehe hier mal aus Zeit­grün­den (unter ande­rem) auch nicht wei­ter drauf ein, falls sich noch Inter­esse zeigt werde ichs aber gerne tun :)

  4. Ja, „sym­pa­thisch” ist die natur­ver­bun­dene Seite durch­aus — auch die Göt­ter sind es irgend­wie. Aber mir geht es da wie Dir: Reli­gio­nen sind nichts für mich. Das kam im Bei­trag auch schon gut rüber und Du hast auch gut deut­lich gemacht, wie viel ich nenne es mal »Schar­la­ta­ne­rie« oder »Hausfrauen-Hexerei« da unter­wegs ist… aber ich muss auch ehr­lich sagen: es ist nicht mein Feld, in dem ich mich aus­kenne. Durch Dei­nen Bei­trag aber immer­hin mal biss­chen reingeschnuppert.

  5. Auch ich bin nun end­lich schlauer gewor­den. Es war schon fatal von mir über­haupt anzu­neh­men ich könnte das Thema selbst­tä­tig angrei­fen. Als Rosa Cha­ly­beia im Arti­kel zu 10.000 Hexen in Deutsch­land davon begann über Wicca zu schrei­ben, war mir klar, dass es nie­mand ande­ren geben würde, der bes­ser geeig­net wäre. Vor allem im Hexen­mo­nat April.

  6. Ein inter­es­san­ter Bericht, der mich ein wenig in die Mate­rie der Wic­cas trans­por­tiert hat. Diese üppige Frau in Ton (zumin­dest so eine ähnli­che) hab ich doch schon mal irgendwo im Museum gese­hen, die gab´s wohl schon in »Massenproduktion«?

    Dazu fällt mir die­ser skur­rile selbst­er­nannte Hohe­pries­ter in Lon­don ein — David Far­rant — der sich nicht nur Ende der 70er einen Namen als Vam­pir­jä­ger auf dem High­gate Ceme­tery gemacht hat, son­dern der auch jähr­lich in der Halloween-Nacht — nunja — eigen­tüm­li­che Initia­ti­ons­ri­tuale für »Virgin-Wiccas« orga­ni­siert…
    http://www.thesun.co.uk/sol/homepage/news/article69185.ece

    So kann man tat­säch­lich jeden Glau­ben — an was auch immer– auf seine eigene Art und Weise inter­pre­tie­ren und aus­le­ben ;-) Und es soll tat­säch­lich Leute geben, die das auch noch mitmachen…

  7. Es gibt Men­schen die viel mehr sehen, viel mehr spüren,viel mehr hören, viel mehr fül­len und viel mehr empf­lin­den als die dur­schnitt­li­che Masse. Erst wenn man bereit ist dies zu akzep­tie­ren könnte man Kom­men­ta­ren geben und sich über Hexe­rei in wel­che Form auch immer äußern. Das ratio­na­les Den­ken, die Logik oder wel­che Inter­pre­ta­tion auch immer ver­sucht wird sol­che Pheno­mene zu erklä­ren, ist genau so ver­lo­gen wie die viel zu viele möchte gern Hexen sein.

  8. Wenn das Wesen der Hexe­rei wirk­lich vor­han­den ist, dann muss es wie alles andere auch den Natur­ge­set­zen gehor­chen. Da nichts exis­tie­ren kann, was sich über diese fun­da­men­tale Gesetz­mä­ßig­keit stellt.
    Und nichts auf die­sem Pla­ne­ten ist logi­scher als das Zusam­men­spiel inner­halb der Natur. Ergo: Hexe­rei muss einer Logik fol­gen und kann somit mit Logik ergrün­det werden.

    Auch würde ich ratio­na­les Den­ken bei der Erklä­rungs­fin­dung und Hob­by­he­xen nicht in glei­cher Weise ver­lo­gen schimp­fen.
    Natür­lich halte ich auch sehr viel von Möch­te­gerns. Und jede, die mal kurz »Char­med« sah, einen Fluch aus­spre­chen kann oder ein Buch besitzt, mit dem sie Lie­bes­zau­ber bei Voll­mond brauen kann, braucht mir gegen­über nicht mit ihrem selbst­er­nann­ten Hexen­we­sen zu prahlen.

    Doch ratio­na­les Den­ken ist nicht ver­lo­gen. Es ist eine ehr­li­che Art um Din­gen auf den Grund zu gehen. Zumal diese Art ihrer­seits emo­ti­ons­los und unei­gen­nüt­zig agiert. Ohne die­ses Den­ken gäbe es kaum Wis­sen und sämt­li­ches würde noch immer als Glau­bens­frage dahin­ve­ge­tie­ren.
    Und ohne Wis­sen wäre das Hexen­we­sen vor dem Heute längst aus­ge­stor­ben. Denn auf Glau­ben kann kaum etwas aufbauen…abgesehen von der Kir­che, aber auch die wuss­ten wie sie es zu machen hatten.

  9. Da muss ich Guld­han zustim­men — ich bin zwar jemand der so seine per­sön­li­chen Erfah­run­gen mit Magie hat, aber blin­der Glau­ben ist hier fehl am Platze, sogar gefähr­lich. Ich bin auch der Mei­nung, Magie folgt den Natur­ge­set­zen und einer gewis­sen Logik. Nur kennt die Mensch­heit noch nicht alle Natur­ge­setze so gut daß soge­nannte »über­sinn­li­che« Phä­no­mene nach unse­ren der­zei­ti­gen Stand wis­sen­schaft­lich erklärt wer­den kön­nen, aber es würde mich nicht wun­dern wenn es irgend­wann ein­mal ginge — die Magier der west­li­chen Orden reden nicht von unge­fähr von der »hei­li­gen Wis­sen­schaft«. Nur der Weg dahin ist noch sehr sehr lang. Wir sind im tech­ni­schen Bereich durch­aus weit gekom­men, an ande­ren Stel­len fehlts der Mensch­heit dafür enorm.
    Ratio­na­les Den­ken ist gerade bei okkul­ten Din­gen mehr als wich­tig, zu schnell gewinnt sonst der blinde Glaube über­hand der zwang­haft an allen Ecken und Enden das Über­ir­di­sche sucht und sehen mag. Der Typus leicht­gläu­bi­ger Mensch ist in Eso-Kreisen weit ver­brei­tet und mei­ner Mei­nung nach schlim­mer als der Hardcore-Skeptiker der pau­schal an gar­nichts glaubt.

    Der Typus »Ich glaub alles« ist dann frei­lich auch gefun­de­nes Fres­sen für so Über­ge­schnappte wie Far­rant — aus Madame Mels Link. Wobei man dazu auch sagen muss daß die »Sun« ver­gleich­bar mit der deut­schen »Bild« ist.
    Trotz­dem — noch ein Grund pro Ver­stand auch in okkul­ten Dingen.

  10. »Wie die Lan­dung so der Flug!« Alte Flie­ger– Hexen-Weisheit

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  1. […] und Lebens­lust ein Fest der Frucht­bar­keit, was bei neu­heid­ni­schen Strö­men wie dem Wicca beson­dere Beach­tung erhält. Mit­tel­al­ter­li­che Quel­len bele­gen, das in der Nacht […]