Der auch Rüschengruftie genannte Goth trägt vorzugsweise Hemden mit Rüschen und seine Kleidung ist mit reichlich Spitze und Brokat verziert. Er ähnelt den Darstellern neuzeitlicher Vampirfilme, ohne selbst aber Vampir zu sein, Filme wie »Interview mit einem Vampir« kennt er auswendig. Der melancholischste aller Gothics liebt die deprimierende und tiefschürfende Musik. Er kauft schwarze Tapete, hat keinen Stromanschluss und ein Abo vom Kerzengroßhandel. Sie lesen bei Rotwein und Kerzenschein düstere Literatur und zelebrieren ihr Dasein. Mit dem Einbruch der Dämmerung werden sie aktiv, wenn die Sonne aufgeht murmeln sie Flüche. Als Begründer des Stils gilt Steve Strange, Kunststudent und Sänger der Band Visage, der sich in London 1978 einen Namen mit exzentrischen Bowie-Partys machte, in die nur Gäste mit möglichst ausgefallenen und extremen Outfits Einlass hatten. Die New Romantics hörten Human League und Spandau Ballet und hören nun Goethes Erben, Nick Cave und Lacrimosa.
Ich empfinde New Romantic als ursprüngliche Gothicszene, da niemand zu Beginn der 80er von Gothic als solches sprach, Wikipedia ist sich da nicht ganz sicher, aber eine endgültige Definition welche Bewegung wie und wann und woraus entstand lässt sich mit Sicherheit nicht definieren, dazu war der Vulkan der Jugendbewegungen zu dieser Zeit viel zu aktiv. New Wave war der allgemein gültige Begriff der brodelnden Musikbewegung dieser Zeit. Ganz im Gegensatz dazu definiert sich der New Romantiker über sein Outfit, es handelt sich also um eine Fashion Bewegung nicht unbedingt um ein Musikgenre. Bis heute werden Künstler wie Adam Ant, Spandau Ballet, Duran Duran und Visage der New Romantic Szene zugeordnet, nicht wegen ihrer Musik sondern wegen ihres Stylings.
Die Bewegung der Punks, die Ablehnung des Systems und brechen von Konventionen haben die Anhänger dieser Szene gemeinsam. Lediglich die politische Attitüde ist leiser und aus der Unterkonventionierung der Kleidung wurde eine Überkonventionierung, also übertrieben Chic. Im gegensatz zu den Punks wirkte der Romantiker attraktiver, luxeriöser, schöner und narzisstischer. Designer aus dieser Zeit, wie Vivienne Westwood, Colin Swift und Stevie Stewart griffen Modekonzepte aus vergangenen Zeit auf und formten durch die Überzeichnung einzelner Stilelemente einen neuen Look. So ist der Piratenlook zu dieser Zeit schwer angesagt. Auch die Zeit der Renaissance, das Mittelalter und die frühe 30er Jahre entliehen der New Romanticszene Stilelemente.
Uniformen werden zu Kostümen, Stilbruch zur Revolution. Makeup für Männer wird zum Element eines neuen Lebensgefühls. Gestorben ist dieses Bewegung nie, sondern sie lebt in vielen einzelnen kleinen Ablegern weiter. So richtig modern und schwer angesagt war die Bewegung bis etwa 1983. Die Japaner haben daraus ihre ganz eigene Bewegung gemacht Visual Kei.




hat bereits 28 Kommentare abgegeben und schrieb am 11. September 2009 um 04:09:
Ja, nee … is klar, Papa.
Jetzt weiß ich endlich auch in welche Streichholzschachtel ich neuerdings am besten passe. Oder vielleicht noch nicht ganz, da ja die Rede ist von sonstwievielen Subsubkulturen. Grundgütiger, hätt ich das bloß mal früher gewusst …
hat bereits 28 Kommentare abgegeben und schrieb am 11. September 2009 um 04:15:
PS.: Ich glaube, ich habe jetzt ein ernstes Problem. Durch die ganze Aufsplitterei in –zig Subsubsub … kulturen hab ich jetzt wahrscheinlich die Kleiderschrank-Inhaltsvielfalt eines jugendlichen Emos. Habt ihr mich trotzdem noch lieb?
*something went terribly wrong*
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 11. September 2009 um 21:13:
Papa? Pfff. *dreht sich beleidigt weg* Eines der Merkmale jedes Subkulturanhänger ist die Tatsache sich nicht einordnen lassen zu wollen :) Bis auf einige Ausnahmen definieren sich die meisten SubSubkulturen durch einen Musikstil. Die Vielfalt kommt also vielleicht auch von der Vielfalt der Musikrichtungen, die man so als schwarz oder Gothic bezeichnet.
hat bereits 28 Kommentare abgegeben und schrieb am 11. September 2009 um 22:14:
Das dem »Sich-Nicht-Einordnen-Lassen-Wollen« ist bei mir das »Drüberstehen« übergeordnet, sofern es sich um harmloses Zeug handelt … *ätsch* Ich glaub, das ist eher ein Individualitäts-Wahn, der sich oft mehr in Begrifflichkeiten als in Tatsachen äußert.
… dreh dich beleidigt weg und ich schrei dir hinterrücks ins ohr: TSCHULLIGUNG!!!
*alles klar, bruda?*
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 12. September 2009 um 14:47:
Gute Antwort! Ehrlicherweise muss ich zugeben das ich mich mit einer Selbsteinordnung auch schwer tue, was vielleicht eben an diesen tausenden Schubladen liegen mag. Meine Hoffnung: Früher oder später wandelt sich der Individualitätswahn in ein Drüberstehen, das Leben seinen eigenen Stils. Bei dem einen früher bei anderen wieder später :)
hat bereits 28 Kommentare abgegeben und schrieb am 13. September 2009 um 21:23:
Die einen brauchen die anderen um sich eben von denen abgrenzen zu können. In der Pubertät bestimmt ganz nützlich um die irgendwie zu überleben, aber irgendwann wird das auf Dauer doch zu anstrengend, denke ich mir.
Mit Drüberstehen meine ich übrigens auch: Scheiß drauf, wenn´s dir (was weiß ich wie oft und wann und wieso) NICHT gelingt drüberzustehen. Wen hat das zu jucken …?
:D