29 Oktober

Subkultur! - New Romantic

Kategorie: Hintergründe — Jahrgang: 20086 Kommentare

Der auch Rüschen­gruf­tie genannte Goth trägt vor­zugs­weise Hem­den mit Rüschen und seine Klei­dung ist mit reich­lich Spitze und Bro­kat ver­ziert. Er ähnelt den Dar­stel­lern neu­zeit­li­cher Vam­pir­filme, ohne selbst aber Vam­pir zu sein, Filme wie »Inter­view mit einem Vam­pir« kennt er aus­wen­dig. Der melan­cho­lischste aller Gothics liebt die depri­mie­rende und tief­schür­fende Musik. Er kauft schwarze Tapete, hat kei­nen Strom­an­schluss und ein Abo vom Ker­zen­groß­han­del. Sie lesen bei Rot­wein und Ker­zen­schein düs­tere Lite­ra­tur und zele­brie­ren ihr Dasein.  Mit dem Ein­bruch der Däm­me­rung wer­den sie aktiv, wenn die Sonne auf­geht mur­meln sie Flü­che. Als Begrün­der des Stils gilt Steve Strange, Kunst­stu­dent und Sän­ger der Band Visage, der sich in Lon­don 1978 einen Namen mit exzen­tri­schen Bowie-Partys machte, in die nur Gäste mit mög­lichst aus­ge­fal­le­nen und extre­men Out­fits Ein­lass hat­ten. Die New Roman­tics hör­ten Human Lea­gue und Span­dau Bal­let und hören nun Goe­thes Erben, Nick Cave und Lacri­mosa.

Quelle: The Blitz Kids

Quelle: The Blitz Kids

Ich emp­finde New Roman­tic als ursprüng­li­che Gothic­szene, da nie­mand zu Beginn der 80er von Gothic als sol­ches sprach, Wiki­pe­dia ist sich da nicht ganz sicher, aber eine end­gül­tige Defi­ni­tion wel­che Bewe­gung wie und wann und wor­aus ent­stand lässt sich mit Sicher­heit nicht defi­nie­ren, dazu war der Vul­kan der Jugend­be­we­gun­gen zu die­ser Zeit viel zu aktiv. New Wave war der all­ge­mein gül­tige Begriff der bro­deln­den Musik­be­we­gung die­ser Zeit. Ganz im Gegen­satz dazu defi­niert sich der New Roman­ti­ker über sein Out­fit, es han­delt sich also um eine Fashion Bewe­gung nicht unbe­dingt um ein Musik­genre. Bis heute wer­den Künst­ler wie Adam Ant, Span­dau Bal­let, Duran Duran und Visage der New Roman­tic Szene zuge­ord­net, nicht wegen ihrer Musik son­dern wegen ihres Stylings.

Die Bewe­gung der Punks, die Ableh­nung des Sys­tems und bre­chen von Kon­ven­tio­nen haben die Anhän­ger die­ser Szene gemein­sam. Ledig­lich die poli­ti­sche Atti­tüde ist lei­ser und aus der Unter­kon­ven­tio­nie­rung der Klei­dung wurde eine Über­kon­ven­tio­nie­rung, also über­trie­ben Chic. Im gegen­satz zu den Punks wirkte der Roman­ti­ker attrak­ti­ver, luxe­riö­ser, schö­ner und nar­ziss­ti­scher. Desi­gner aus die­ser Zeit, wie Vivi­enne West­wood, Colin Swift und Stevie Ste­wart grif­fen Mode­kon­zepte aus ver­gan­ge­nen Zeit auf und form­ten durch die Über­zeich­nung ein­zel­ner Stil­ele­mente einen neuen Look. So ist der Pira­ten­look zu die­ser Zeit schwer ange­sagt. Auch die Zeit der Renais­sance, das Mit­tel­al­ter und die frühe 30er Jahre ent­lie­hen der New Roman­ti­c­szene Stilelemente.

Uni­for­men wer­den zu Kos­tü­men, Stil­bruch zur Revo­lu­tion. Makeup für Män­ner wird zum Ele­ment eines neuen Lebens­ge­fühls. Gestor­ben ist die­ses Bewe­gung nie, son­dern sie lebt in vie­len ein­zel­nen klei­nen Able­gern wei­ter. So rich­tig modern und schwer ange­sagt war die Bewe­gung bis etwa 1983. Die Japa­ner haben dar­aus ihre ganz eigene Bewe­gung gemacht Visual Kei.

(Bild­quel­len:  The Blitz Kids)

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Hintergründe
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6 Kommentare

  1. Ja, nee … is klar, Papa.
    Jetzt weiß ich end­lich auch in wel­che Streich­holz­schach­tel ich neu­er­dings am bes­ten passe. Oder viel­leicht noch nicht ganz, da ja die Rede ist von sonst­wie­vie­len Sub­sub­kul­tu­ren. Grund­gü­ti­ger, hätt ich das bloß mal frü­her gewusst …

  2. PS.: Ich glaube, ich habe jetzt ein erns­tes Pro­blem. Durch die ganze Auf­split­te­rei in –zig Sub­sub­sub … kul­tu­ren hab ich jetzt wahr­schein­lich die Kleiderschrank-Inhaltsvielfalt eines jugend­li­chen Emos. Habt ihr mich trotz­dem noch lieb?

    *some­thing went ter­ri­bly wrong*

  3. Papa? Pfff. *dreht sich belei­digt weg* Eines der Merk­male jedes Sub­kul­turan­hän­ger ist die Tat­sa­che sich nicht ein­ord­nen las­sen zu wol­len :) Bis auf einige Aus­nah­men defi­nie­ren sich die meis­ten Sub­Sub­kul­tu­ren durch einen Musik­stil. Die Viel­falt kommt also viel­leicht auch von der Viel­falt der Musik­rich­tun­gen, die man so als schwarz oder Gothic bezeichnet.

  4. Das dem »Sich-Nicht-Einordnen-Lassen-Wollen« ist bei mir das »Drü­ber­ste­hen« über­ge­ord­net, sofern es sich um harm­lo­ses Zeug han­delt … *ätsch* Ich glaub, das ist eher ein Individualitäts-Wahn, der sich oft mehr in Begriff­lich­kei­ten als in Tat­sa­chen äußert.

    … dreh dich belei­digt weg und ich schrei dir hin­ter­rücks ins ohr: TSCHULLIGUNG!!!

    *alles klar, bruda?*

  5. Gute Ant­wort! Ehr­li­cher­weise muss ich zuge­ben das ich mich mit einer Selbst­ein­ord­nung auch schwer tue, was viel­leicht eben an die­sen tau­sen­den Schub­la­den lie­gen mag. Meine Hoff­nung: Frü­her oder spä­ter wan­delt sich der Indi­vi­dua­li­täts­wahn in ein Drü­ber­ste­hen, das Leben sei­nen eige­nen Stils. Bei dem einen frü­her bei ande­ren wie­der später :)

  6. Die einen brau­chen die ande­ren um sich eben von denen abgren­zen zu kön­nen. In der Puber­tät bestimmt ganz nütz­lich um die irgend­wie zu über­le­ben, aber irgend­wann wird das auf Dauer doch zu anstren­gend, denke ich mir.
    Mit Drü­ber­ste­hen meine ich übri­gens auch: Scheiß drauf, wenn´s dir (was weiß ich wie oft und wann und wieso) NICHT gelingt drü­ber­zu­ste­hen. Wen hat das zu jucken …?
    :D

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Trackbacks

  1. […] auch zu eini­gen inter­es­san­ten Rand­er­schei­nun­gen was Out­fit und Selbst­in­sze­nie­rung angeht. Als New Roman­tic bezeich­nete man die Welle der visu­el­len Außen­sei­ter, die sich selbst zur ästhe­ti­schen Avantgarde […]

  2. […] Sze­nen.  Und obwohl ich in mei­ner Arti­kel­reihe Sub­kul­tur! bereits kurz von den New Roman­tics geb­loggt habe, ani­mierte mich ein Video auf YouTube zu einer weitere […]