5 Februar

Subkultur! - Industrials

Kategorie: Hintergründe — Jahrgang: 200916 Kommentare

irlogoTrägt vor­nehm­lich Carg­o­ho­sen und andere mit D-Ringen ver­zierte Klei­dungs­stü­cke, die stark an die Lade­flä­che eines Passat-Kombi erin­nern, gerne trägt er Ober­be­klei­dung mit der Dar­stel­lung von Zahn­rä­dern und Alt­deut­scher Schrift. Tanzt als Extre­mi­tä­ten­schwin­ger und braucht dazu oft eine eigene Bühne, da er sonst seine Mit­men­schen mit dem Her­um­wer­fen der Arme leicht ver­let­zen kann.  1975 auch Aus­druck einer Kunst­form hat die Szene ihren Namen vom gleich­na­mi­gen Plat­ten­la­bel Indus­trial Records. Von Laien oft­mals mit Krach ver­wech­selt gehört das expe­ri­men­tie­ren mit offen­sicht­lich unge­eig­ne­ten Gegen­stän­den als Instru­ment zur künst­le­ri­schen Frei­heit. Frü­her hörte man Ein­stür­zende Neu­bau­ten und Throb­bing Gristle, heute hört man eher KMFDM und Minis­try.

Rein Begriff­lich gese­hen, han­delt es sich bei Indus­trial nicht um eine Sub­kul­tur son­dern um eine Musik­genre, das Mitte der 70er ent­stand und von Bands wie Throb­bing Gristle und Ein­stür­zende Neu­bau­ten eta­bliert wurde. Es han­delt sich dabei um eine sehr expe­ri­men­telle Art von Musik deren Wur­zeln wohl im Avant­garde der Kon­zept– und Akti­ons­kunst zu suchen sind. SPK aus Aus­tra­lien han­tierte schon 1978 mit Flam­men­wer­fern auf der Bühne und pro­vo­zierte das Publi­kum auch mit dem ver­spei­sen eine Schaf­hirns1. Ramm­stein wirkt dage­gen wie Kindergeburtstag.

Eigent­lich möchte ich mich gegen die geläu­fige Bezeich­nung Indus oder Indus­tri­als weh­ren, doch erfreut er sich offen­bar größ­ter Beliebt­heit unter den jugend­li­chen Anhän­gern, der Zuge­hö­rig­keit ich eher in Rich­tung der EBM’ler len­ken würde, doch offen­bar ist die Begriff­lich­keit nicht nur Aus­druck der Musik, son­dern auch die gefühlte Art des Umfelds in der sich die Sze­n­e­mit­glie­der bewe­gen. Kurio­ser­weise tan­zen dann eben selbst­er­nannte Indus­tri­als nicht zur gleich­na­mi­ger Musik, son­dern eher zu Klän­gen von EBM oder Noize. Übri­gens ist Indus­trial auch eine Art sein Ohr zu pier­cen, wobei mir diese Ver­bin­dung immer noch schlei­er­haft ist.

Die­ser Arti­kel sollte daher nicht los­ge­löst von der Elec­tro­nic Body Music (EBM) betrach­tet wer­den und eher als Musik­rich­tung in den Köp­fen blei­ben. Eine Sub­kul­tur Indus­trial gibt es mei­ner Mei­nung nach nicht, es han­delt sich dabei um eine Musik­rich­tung, zu der die Prot­ago­nis­ten des EBM ver­meint­lich tan­zen. Der Voll­stän­dig­keit hal­ber und zur Auf­klä­rung suchen­der Anhän­ger sol­len diese Aus­füh­run­gen den­noch erhal­ten wer­den. Ein sehr auf­schluss­rei­chen, wenn auch schwer ver­ständ­li­chen Text fin­det sich bei Bir­git Richard unter dem Titel Die Indus­trial Culture-Szene. Die­ser beschreibt die Indus­trial Szene als sol­che und blen­det die Kom­mer­zia­li­sie­rung der sel­bi­gen aus.Vielen Dank an einen anony­men Kom­men­ta­tor für die­sen Hinweis.

(Bild­quelle: Indus­trial Records)
  1. Black Musik-Magazin: Indus­trial Music For Indus­trial People (Heft 19/2000) — Teil 2 — Seite 51 []

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Hintergründe
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16 Kommentare

  1. Woher stammt eigent­lich die Idee, aktu­elle Musik, die kaum etwas mit Indus­trial zu tun hat, als sol­chige zu bezeichnen?

    Was den »klas­si­schen« Indus­trial anbe­langt, gibt es einen sehr lesens­wer­ten Text:

    http://www.birgitrichard.de/goth/texte/industrial.htm

    wel­chen ich nur zu gerne jedem als Pflicht­lek­türe ver­pas­sen würde, der mich irgendwo anspricht und sich dar­über beschwert, es spiele kei­nen Industrial.

    Wobei Throb­bing Gristle selbst auf dem Zug auf­springt, und das Label wel­ches den Namen prägt, letz­tes Jahr reak­ti­viert hat.

  2. Lie­ber Pseud­onym,
    ich gebe Dir voll­kom­men recht, viel­leicht ist das in mei­nem Bei­trag nicht ganz klar rüber­ge­kom­men. Indus­trial ist keine Sub­kul­tur son­dern eine Genre Rich­tung, das meiste was heute gespielt wird EBM, Dark­techno oder Elek­tro. Den Text von Frau Richard finde ich auch, wie alle ande­ren Texte von Ihr, sehr schwer ver­dau­lich — er ist aber sicher­lich einer der erklä­rens­ten. Ich werde ihn ent­spre­chend der Voll­stän­dig­keit in mei­nen Bei­trag auf­neh­men. Vie­len Dank.

  3. Ok danke für das offene Ohr! Was mir nur fehlt, wie kam es dazu, dass jetzt plötz­lich jeder behaup­tet er hört Indus­trial, obwohl diese Leute offen­sicht­lich nicht ein­mal bei Wiki­pe­dia den Begriff ein­ge­ge­ben haben^^?

  4. Gute Frage. Das die heu­tige Ver­wen­dung von Indus­trial nicht mehr zum ursprüng­li­chen Begriff und zur Bedeu­tung passt ist wohl ein schlei­chen­des Phä­no­men. Wäh­rend gele­gent­lich noch Ein­stür­zende Neu­bau­ten — Yü Gung als Klas­si­ker die Tanz­flä­chen beschallt, ste­hen eben diese T-Shirt bedruck­ten Indus­tri­als ver­wirrt in der Gegend herum. Ich denke einige der selbst­er­nann­ten Indus­trial haben den Begriff für sich adap­tiert weil sie Indus­trie­kin­der sind, auf­ge­wach­sen im Ruhr­pott. Ist aber nur ein Gedanke, kein Fakt. Natür­lich kann ein wei­te­rer Grund sein, das die Indus­tri­al­mu­sik immer wei­ter ver­wäs­sert wurde um kom­mer­zi­el­len Erfolg zu erzie­len und so viel­leicht Geld zu ver­die­nen. So wurde dann aus einer Indus­tri­al­band eine EBM Band.
    Oder es liegt an den lus­ti­gen Bril­len die einige tra­gen, bei denen es sich ja bekannt­lich um Schweis­ser­bril­len han­delt, die eigent­lich nur zum Löten in der Indus­trie gebraucht wur­den. Brille = Cool = Indus­trie = Indus­tri­als .… Ach, was weiß ich denn :)

  5. Also ich muss sagen, dass ich­vor den Indus­tri­als sehr gro­ßen Respekt habe. Ich beweun­dere sie.^^ Ich weiß auch nicht warum, aber der Ein­druck bleibt. Sie sind aber auch so ziem­lich die ein­zige Musik­gruppe der ich mit so viel Respekt begegne.

  6. huhu^^

    ich würde »indus­tri­als« aber nicht unbe­dingt als eigene Sub­kul­tur bezeich­nen.
    Sie sind ja eigent­lich nur die kleine Gruppe da in dem Video.
    Der Rest beeich­net sich da je eher noch als Gothic, Elec­tro oder Cyber.
    Und die Indus­tri­als würde ich da lei­der auch nur als typi­sches Klis­hee Bild neh­men. Denn, auch wenn ihr Slo­gan »no poser — just fri­ends« lau­tet, sind die meiß­ten von denen doch lei­der ziem­li­che Poser.
    Ich mein… »just frinds« — nein, du kannst nich zu uns, du bist nicht cool genug!
    bitte? ich ver­steh unter freun­den und kei­nen posern lei­der etwas ande­res.
    aber da spie­gelt sich dann ja auch wie­der die schreck­li­cher­weise auf­kom­mende Arro­gants­welle der szene wie­der.
    trau­rig aber wahr…

  7. @Abiz: Wofür bewun­derst du sie denn? Denn um eine Musik­gruppe im eigent­li­chen Sinne han­delt es sich ja nicht.

    @Mau: Indus­tri­als ist ein eta­blier­ter Begriff für die Anhän­ger die­ser Szene, jeden­falls hier in NRW. Cyber­gothics sind dabei eher eine spe­zi­elle Art sich zu klei­den. Aber du hast recht, es ist grenz­wer­tig die Indus­tri­als als eigene Sub­kul­tur zu bezeich­nen, wobei ange­merkt sein sollte, das es sich nicht allein um die dar­ge­stellte Gruppe im Video han­delt. Indus­trial ist (wie bereits ange­merkt) auch keine wirk­lich Musik­rich­tung, des­halb ist der Begriff sicher­lich etwas schwam­mig und nicht eindeutig.

    Arro­ganz ist doch auch nur eine Form von Selbst­schutz, oder nicht? Man möchte eben doch eli­tär blei­ben obwohl große Teile der schwar­zen schon im Main­stream ange­kom­men sind. Als man uns in den 80ern Waver nannte wur­den wir auch arro­gant genannt, weil wir uns in unse­rem klei­nen Kreise sehr wohl fühlten.

    Aber grund­sätz­lich gebe ich Dir voll­kom­men recht. Die Zwi­schen­mensch­li­che Arro­ganz ist sehr deut­lich gewor­den, es ist deut­lich schwe­rer gewor­den mit jeman­den ins Gespräch zu kom­men, weil man völ­lig däm­li­che Abgren­zungs­ver­su­che inner­halb einer Gemein­schaft unternimmt.

  8. @ Abiz: Es ist noch nicht allzu lange her, da wur­den Men­schen fest­ge­schnallt um sich nicht so zu bewe­gen. Die Appa­ra­tur die man in die­sem Zusam­men­hang kennt nennt sich »Elek­ti­scher Stuhl«. Mit ner Auto­bat­te­rie kann man übri­gens einen toten Frosch genau so zum tan­zen brin­gen. Falls du jetzt mit dem Kescher in der Hand zum nächs­ten Tüm­pel willst: Bitte nur mit toten Frö­schen pro­bie­ren :D

  9. @ Robert

    na ja…ich bin mir da nicht mehr so sicher, ob diese Art von Arro­ganz nur zum Selbst­schutz dient.
    denn man muss je inzwi­schen etli­che Kri­te­rien erfül­len um sich dann wie auch immer bezeich­nen zu dür­fen.
    Das ist dann ja die Begleit­er­schei­nung »True«. Ich glaube es rührt eher alles daher, dass sich man­che Men­schen dann für etwas Bes­se­res hal­ten, weil sie bestimmte Klei­dung tra­gen, bestimmte Musik hören usw…
    Lei­der sinkt damit auch immer mehr die Tole­ranz­grenze. Eigent­lich war die Szene mal sehr tole­rant…
    Inzwi­schen has­sen alle Schwar­zen die Punks und so gut wie jeden der ein biss­chen mehr Farbe trägt.
    Natür­lich ist für die Szene typisch, dass man viel oder fast nur aus­schliß­lich schwarz trägt, aber der Styl zeich­net sich doch auch durch eine bestimmte Aus­strah­lung und Esthe­tik aus…
    Ich finde es sehr schade, dass das Schub­la­den­den­ken hier jetzt auch greift.
    Und dass jeder sich für was bes­se­res hält. Die Leute soll­ten mal wie­der anfan­gen zu den­ken, anstatt den hal­ben Tag vorm Spie­gel zu stehn und sich Sor­gen zu machen, ob man true genug ist.

  10. @Tears: Deine Jugend ist ein ein­zi­ger mor­bi­der Scher­ben­hau­fen :) Tote Frö­sche zum tan­zen bringen…

    @Mau: Also zunächst ein­mal hasse ich keine Punks und nie­man­den der Farbe trägt. Auch halte ich mich per­sön­lich für nichts bes­se­res, aber ich gebe Dir recht — viele den­ken in diese Rich­tung. Jetzt wird es schwie­rig, wie weit darf die Tole­ranz gehen? Muss es eine all­um­fas­sende Tole­ranz sein, die jede neue Strö­mung und jede neuen Musik­stil und dem Män­tel­chen der schwar­zen ver­eint? Viel­leicht kann ich das an einem Bei­spiel ver­deut­li­chen. Wenn ich zu einer Gothic Party tan­zen gehe und mir dabei vor­komme wie in einem Tech­no­schup­pen in dem stumpfe und Mono­ton häm­mernde Bässe zu in Mega­phone gebrüllte Texte den Abend bestim­men, ist meine musi­ka­li­sche Tole­ranz jeden­falls überschritten.

    Optisch ist mir das Aus­se­hen der Leute rela­tiv egal, ich finde es per­sön­lich schön, wenn sich jemand nicht aus dem Kata­log der gro­ßen Ver­sen­der bedient son­dern etwas eige­nen Style in die Sache bringt und Kla­mot­ten geschickt kom­bi­niert und aufwertet.

  11. @robert

    nee­ein, nein, nein :-D
    ich sag ja auch lange nicht, dass jeder so ist.
    aber selbst die meiß­ten aus mei­nem bekan­net­nkreis füh­ren sich des öfte­ren mal so auf. Und klar, das mit der Musik in den Dis­co­the­ken kann ich auch iwo nach­voll­zei­hen, auch wenn das so in etwa mein Musik­ge­schmack ist.
    Ich denk mal, die läuft ein­fach so oft, weil man da am bes­ten noch drauf »tan­zen« kann.
    Aber zb die Ver­ei­ni­gun­gen von wegen »halte deine Szene sau­ber«.
    was ist denn dage­gen ein­zu­wen­den, dass man­che es für schick hal­ten, sich Gar­ten­schläu­che in die Haare zu machen? :-D
    Mir gefällt auch nicht jeder Trend, aber des­we­gen fange ich doch nit an die Laute iwie zu dis­ki­mi­nie­ren.
    Ich finde das sehr schade.

    Ich weiß ja nicht, (kenn mich hier nit aus >.<) ob hier jemand schwarzesglück.de kennt, aber die mehr­heit da ist into­le­rant gegen:

    - kor­pu­len­tere Leute
    – jün­gere Leute
    – Cyber/ Indus­tri­als etc
    – ein­fach nur so arrogant

    und das finde ich sehr schade, denn so lernt man ja auch schließ­lich keine neuen Leute ken­nen, wenn man gegen alles und jeden Vor­ur­teile hat.

  12. schwarzesglück.de ist eher ne Com­mu­nity vol­ler jun­ger, dicker Cybers / Indus­tri­als die mehr blöd als arro­gant sind. Ich und into­le­rant? Ja ver­dammt! Tole­ranz ist was für Mut­ter­söhn­chen und Idio­ten -> Defi­ni­tion von Tole­ranz mal nachschlagen.

  13. Indus­trial ist durch­aus eine Jugend­kul­tur mit eige­nen Ver­an­stal­tun­gen (siehe Druck­emp­fin­den Fes­ti­val), aber eben nicht modisch defi­niert. Hier steht die »Musik« im Vor­der­grund (Klas­si­scher Indus­trial, Power Elec­tro­nics, Dark Ambi­ent usw.).

    Was diese Cyber-Hüpfer damit zu tun haben sol­len, erschließt sich auch mir nicht. Wenn die mei­nen, sich als »Indus­tri­als« bezeich­nen zu müs­sen, wäre ich zumin­dest so bos­haft, sie dafür aus­zu­la­chen. Aner­kannt wer­den sie damit jeden­falls nicht. ;)

  14. @Mau + Tears: Eure Erfah­run­gen mit »schwar­zes Glück« berei­ten mir Sor­gen in Bezug auf euer Sozi­al­ver­hal­ten :-D

    @Death Disco: Klas­si­scher Indus­trial als sol­ches ist aber sel­ten anzu­tref­fen, schon eher Power-E und das von Dir ange­spro­chene Dark Ambi­ent. Throb­bing Gristle wol­len ja nächs­tes Jahr ein neues Album her­aus­brin­gen, auf das ich sehr gespannt bin. Ob hier Indus­trial neu oder erneut defi­niert wird finde ich sehr span­nend.
    Das Druck­emp­fin­den war mir bis jetzt unbe­kannt, vie­len Dank für den Tipp!

  15. Wenn wir »Indus­trial« im ursprüng­li­chen Sinne (wie von Monte Cazazza / Throb­bing Gristle defi­niert) ver­ste­hen, ist der Begriff selbst ein wenig über­holt, behaupte ich ein­mal.
    Ich denke, dass das Genre heut­zu­tage wohl am ehes­ten als »Avant­garde« bzw. »Expe­ri­men­tal« zu ver­ste­hen ist — und das im posi­tivs­ten Sinn.

    Da die ursprüng­li­chen Prot­ago­nis­ten schon längst das pro­vo­ka­tive Ele­ment abge­baut haben, bzw. sich nicht damit iden­ti­fi­zie­ren — denn unter Pro­vo­ka­tion wird heut­zu­tage offen­bar haupt­säch­lich Laut­stärke und nicht-aufgelöste/erklärte Ver­wen­dung von Nazi­sym­bo­lik ver­stan­den — fehlt dem Genre ein wenig die Grundlage.

    Was frü­her undenk­bar war — eine Ver­qui­ckung der Gothic– und Industrial-Bewegung (bei­des sind/waren bitte Bewe­gun­gen, keine Jugend­be­we­gung und keine Musik­rich­tung), hat über­ra­schen­der­weise gut funk­tio­niert, wohl auch aus der gerin­gen Größe bei­der Sze­nen in den spä­ten Acht­zi­gern, daher sieht man auch viel mehr Goths auf rei­nen Industrial-Veranstaltungen. Und ich muss sagen, das sind mir die liebs­ten Leute in der Szene. Das jähr­li­che High­light ist dabei das Wro­claw Indus­trial Fes­ti­val. Wer ein­mal dort war, wird diese spe­zi­elle Atmo­sphäre und das Publi­kum lieben!

    Mit »Tan­zen« hat Indus­trial übri­gens grund­sätz­lich ein­mal wenig zu tun, in eini­gen Fäl­len natür­lich schon (»Adre­na­lin«, »United« von TG, »Con­tact« und spä­te­res SPK-Material, Esple­ndor Geo­me­trico viel­leicht), aber eher ver­stehe zumin­dest ich Indus­trial in ers­ter Linie als expe­ri­men­tel­len, kon­struk­ti­vis­ti­schen Ansatz… eine phi­lo­so­phi­sche Punk-Variante viel­leicht, ohne rhyth­mi­sche Basis.

    Indus­trial hat sich auch sehr stark mit der expe­ri­men­tel­len EBM-Fraktion ver­mengt — ich glaube daher kommt auch der Irr­tum im Neo-Industrial (der eigent­lich Dark Techno/Aggro/Harsh ist).
    Wo Skinny Puppy, Front Line Assem­bly oder á;grumh… pha­sen­weise von beat­ba­sier­ten Kom­po­si­tio­nen weg zum expe­ri­men­tel­len Noise gin­gen, hat sich eine Quer­ver­bin­dung auf­ge­tan, die dann auf­ge­grif­fen und völ­lig ohne Grund­lage wei­ter­ge­führt wurde.

  16. @Scrag!: Schö­ner Kom­men­tar. Der Begriff­li­chen Erwei­te­rung zu »Avant­garde« und »Expe­ri­men­tal« kann ich zustim­men, Indus­trial wurde als Genre durch komi­sche Musik ver­drängt. Ich möchte dem Genre durch die­sen Arti­kel auch nur ein wenig die Farbe ein­hau­chen, die es ein­mal hatte.

    Etwas ande­rer Mei­nung bin ich bei der Frage nach »Bewe­gun­gen«, han­delt es sich mei­ner Mei­nung nach bei »Gothic« um eine Jugend­be­we­gung, die auf­grund ihrer Wei­ter­ent­wick­lung zu Bewe­gung mutierte, gerade vor dem Begriff »Gothic« der in die­sem Zusam­men­hang erst ent­stan­den ist. Beim Indus­trial im klas­si­schen Sinne bin ich mir aller­dings unsi­cher, dazu fehlt mir das Hin­ter­grund­wis­sen. Ob Gothic nun eine Musik­rich­tung ist, die Stand Alone funk­tio­niert, las­sen wir ein­mal dahin­ge­stellt. Als musi­ka­li­scher Begriff erlangte »Gothic« aber immer wie­der den Sta­tus eine Oberbegriffes.

    Tan­zen ist zu »ech­tem« Indus­trial aller­dings schwie­rig, das gebe ich zu, einige Aus­nah­men, wie bereits von Dir erwähnt, sind durch­aus tanz­bar, das meiste dient aber dem Umstand, sich mit­ten auf der Tanz­flä­che von Musik beschal­len zu las­sen die hin­ein­kriecht und ein­sam macht ;)

    Ich bedanke mich für dei­nen wirk­lich gehalt­vol­len Kom­men­tar und würde gerne mehr von Dir lesen :)

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