22 April

Subkultur! - Horrorpunk

Kategorie: Hintergründe — Jahrgang: 20097 Kommentare

Misfits_logo»Hor­ror­punk ist die per­fekte Mischung aus Punk-Rock, Rocka­billy, Gothic und Heavy Metal, gepaart mit der Atmo­sphäre klas­si­scher Hor­ror­filme und dem Trash-Faktor der 50er Jahre Grusel-Comics. Hor­ror­punk ist düs­ter und sub­ver­siv aber gleich­zei­tig lebens­be­ja­hend und ein Garant für gute Laune»1 Schöne Zusam­men­fas­sung, nicht von mir son­dern von Thors­ten Wilms, Chef von Fien­d­force Records, einem der bekann­tes­ten Label für das Hor­ror­punk Genre. Aber eins nach dem anderen.

Mit dem Punk der 70er Jahre wurde alles das ver­wurs­tet, was pro­vo­zierte und anders war. Als die eng­li­sche Band The Dam­ned 1976 in das Horn der Dilet­tan­tis­mus blie­sen und ihren Punk spiel­ten, brach­ten sie eine ganz neue The­ma­tik in die Musik, den Hor­ror. Inspi­riert durch alte Hor­ror­filme und B-Movies brach­ten sie nicht nur typi­sche musi­ka­li­sche Ele­mente unter, son­dern schmück­ten auch sich mit Ele­men­ten der Filme. Strei­fen wie Nos­fe­ratu (1922) oder auch TV-Serien wie The Muns­ters und die Addams Family (1964) wir­ken nach heu­ti­gen Maß­stäbe eher lus­tig, sollte aber ein­mal Stil­prä­gend für den Hor­ror­punk wer­den. 1977 grün­de­ten sich The Mis­fits2, bei denen sich all diese Dinge in einer ein­zi­gen Band mani­fes­tier­ten und damit den Grund­stein für das Genre Hor­ror­punk legten.

Punk, die Ursuppe für alle alter­na­ti­ven Musik­stile hatte einen neuen Able­ger. Anders als bei der eben­falls zu die­ser Zeit auf­kom­men­den Gothics (die hie­ßen damals noch nicht so) stand Trash im Vor­der­grund, nicht die Roman­tik, schwarz wurde in Form von Leder getra­gen und nicht in Samt. Denn Bands wie Sioux­sie & The Bans­hees und Bau­haus ent­wi­ckel­ten sich rein äußer­lich zwar ähnlich, gin­gen jedoch musi­ka­lisch in einer andere Rich­tung. Trotz­dem war die Schnitt­menge zwi­schen Hor­ror­punk und Gothic zu die­ser Zeit sehr stark, was die Auf­tritte der ver­schie­de­nen Bands im Batcave zeig­ten. Es wun­dert also nicht, das aus die­sen Gemein­sam­kei­ten wie­derum eine neue Sub­kul­tur ent­stand, die Batca­ver.  So könnte man heute sagen, das die Batca­ver die Brü­cke zwi­schen dem Hor­ror­punk und dem Gothic schla­gen, die Affi­ni­tät zur Hor­ror­the­ma­tik ist eben­falls bei den Psycho­bil­lys und Rocka­bil­lys zu finden.

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Hor­ro­punk, Gothic, Billy? Wie bitte? Gab es frü­her alles nicht, wenn über­haupt, so kann man den Begriff Dark­punk in eini­gen ein­schlä­gi­gen Maga­zi­nen aus die­ser Zeit nach­le­sen, in Deutsch­land meist Düs­ter­punks genannt. Die Kate­go­ri­sie­rung und Abgren­zung nach heu­ti­gem Stil fand erst viel spä­ter statt und sind eigent­lich nur Tri­but an den Drang zu Indi­vi­dua­lis­mus, nehme ich jeden­falls an, Augen­zeu­gen mögen mich in den Kom­men­tare kor­ri­gie­ren. Den Punk­rock und die Hor­ro­r­ele­mente haben jedoch alle erwähn­ten Sub­kul­tu­ren auf ihrem Plan. Die Hor­ror­strei­fen der 80er waren auch für mich sehr inspirierend.

Blitzkid

Blitz­kid

Als Erken­nungs­merk­mal wird das von den Mis­fits geführte Mas­kott­chen Crim­son Ghost geführt, der erst­mals in dem Film »Der Mann mit der Toten­maske« 1946 in Erschei­nung trat. Das typi­sche Out­fit des Hor­ror­punk ist zwar meist etwas bun­ter, dafür mit weni­ger Acces­soires aus­ge­schmückt als beim Goth von Heute. Ele­mente der Wave Szene sowie des klas­si­schen Punks wer­den ein­ge­setzt, aber nicht übernommen.

Hor­ror­punk heute? Deutsch­land ist Dreh und Angel­punkt der Hor­ror­szene, liegt bestimmt an unse­rem mor­bi­den Grund­cha­rak­ter. Nach einer lange Durst­stre­cke erlebte das Genre Mitte der 90er ein Renais­sance, die sich auch in der Wie­der­ver­ei­ni­gung der Mis­fits 1995 spie­gelte, die sich 1983 eigent­lich auf­ge­löst hat­ten. Lei­der erschei­nen sie heute nur noch als Schat­ten ihrer Selbst, Hor­ror­punk wird von ganz ande­ren Bands wei­ter­ge­führt. Blitz­kid, Bal­zac und The Other3 hört man heute, vie­les spielt sich nach wie vor im Under­ground ab und das ist gut so. Die Hor­ror­punks sind eher links bis unpo­li­tisch ori­en­tiert und haben mit rech­ten Ten­den­zen wenig zu tun.

Kommt das Ei vor dem Huhn? In die­sem Fall ja, inspi­riert durch eine Frage in die­sem Kom­men­tar über­springe ich einen Arti­kel zum Punk und widme mich gleich einem art­ver­wand­ten Able­ger. Ein Arti­kel über Punk ist natür­lich in Arbeit (immer noch), aber schwie­rig, schließ­lich tut man sich schwer eine Hom­mage an den eige­nen Vater (oder Mut­ter) zu schreiben.


(Bild­quel­len: Wiki­pe­dia, Fien­d­force Records, Wiki­pe­dia)
  1. Aus einem Inter­view mit Thors­ten Wilms und dem Maga­zin Vamps­ter vom 25. März 2006 []
  2. The Mis­fits benann­ten sich nach dem gleich­na­mi­gen Film mit Mari­lyn Mon­roe und Clark Gable, der im deut­schen mit »Mis­fits — Nicht gesell­schafts­fä­hig« über­setzt wurde []
  3. The Other ist übri­gens die Band des Inter­view­ten Thors­ten Wilms, von dem das erste Zitat stammt []

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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7 Kommentare

  1. Ach­jaaaa die Mis­fits *seufz* Reden wir bes­ser nur drü­ber was sie damals gemacht haben und nicht womit sie eigent­lich in letz­ter Zeit in den Schlag­zei­len waren.

    An The Other bin ich damals gekom­men weil sie hier bei uns spiel­ten und ich dadurch spo­ra­disch Kon­takt zu deren ehe­ma­li­gen Bas­sis­ten hatte (Jetzt immer noch, aber er ist ja nicht mehr mit dabei).
    Live bei uns war ihr Kon­zert noch zwei­ge­teilt. Die erste Hälfte spiel­ten sie als Misfits-Coverband und die zweite als The Other. Ihre Ein­flüsse waren klar her­aus­hör­bar ;) Aber ich finds toll wenn das was die Mis­fits ange­fan­gen haben, wei­ter­ge­führt wird, wo sie selbst doch nicht mehr in der Lage dazu schei­nen. Danke für dei­nen Arti­kel hierzu :)

  2. Ich werfe ein­fach mal »Mur­der­dolls« und »Wed­nes­day 13″ ins Ren­nen. Geht wohl auch in die Rich­tung, und finde ich ziem­lich spaßig :)

  3. o.o Wenn wir schon beim rein­schmeis­sen sind…Chrimpson Ghosts..Blitzkid…^^

  4. @Ricarda: Man sollte auf­hö­ren wenn es am schöns­ten ist und ein­se­hen, das irgend­wann andere bes­ser machen. Über die jet­zige Situa­tion brau­chen wir wohl nicht mehr reden. Auch ich finde es toll, wenn Bands alte Stile gekonnt auf­grei­fen und weiterentwickeln.

    @Vizioon: Vie­len Dank für deine Ein­würfe und eins ist immer wich­tig: Spaß muss es machen, ernste Musik haben wir schon genug.

    @MuskelBieber: Yeah! Crmi­son Ghosts — Death from above, danke für den Tipp!

  5. Zu den Mis­fits … ich habe mich mal ein wenig dazu ausgelassen (:

    Dass viele der­zei­tig aktive Bands ihren musi­ka­li­schen Stil auf­grund des Main­streams ändern, weiß mitt­ler­weile jeder von uns. Bei­spiele hier anzu­füh­ren ist wohl überflüssig.

    Doch auf eine Band möchte ich ganz beson­ders eingehen.

    Seit mitt­ler­weile vie­len Jah­ren ver­folge ich die Akti­vi­tä­ten der („legen­dä­ren”) Horror-Punk-Band (The) Mis­fits. Klar muss man hier zwi­schen den „neuen” und den „alten” „Fits unterscheiden.

    Seit 1977 mach­ten sie mit Gleen Dan­zig (mitt­ler­weile mit sei­nem Musik­pro­jekt Dan­zig, vor­her mit Sam­hain aktiv) bis 1983 die ame­ri­ka­ni­sche Punk­szene unsi­cher. Hier­bei kre­ier­ten sie tat­säch­lich noch ihren eige­nen Stil. Oft von Hor­ror­the­men und B-Movies beein­flusste Texte, der legen­däre Crim­son Ghost als Mass­kott­chen und natür­lich nicht zu ver­ges­sen die bekannte Devi­lock als Haar­tracht mach­ten die Mis­fits schnell unverkennbar.

    Doch was ist gesche­hen? Nach einer Reunion durch Jerry Only (Bass) 1995 leb­ten die Mis­fits erneut. So sollte es zumin­dest sein.

    Mit neuem Sän­ger, Gitar­ris­ten und Schlag­zeu­ger, die übri­gens häu­fig wech­sel­ten, ging die Hor­ror­tour wei­ter. Doch dies­mal mit neuem Klang.

    Aus dem durch den 50er Pop gepräg­ten Gesang Dan­zigs, der auch als „Elvis from hell” oder „Evil Elvis” bezeich­net wird, und der schlech­ten, punk­ar­ti­gen Auf­nahme der Instru­mente durch feh­lende Mit­tel ist eine über­pro­du­zierte, metal­las­tige Instru­men­ta­li­sie­rung gewor­den beglei­tet von einem nicht mehr sehr Rock’n’Roll-angehauchtem Vokalisten.

    Gut, ich gestehe, ich bin von die­sen „neuen” Mis­fits beein­flusst und mit ihnen groß gewor­den. Erst spä­ter ent­deckte ich auch die „alten” Mis­fits für mich.

    Mei­ner Mei­nung nach muss hier zwi­schen zwei Bands unter­schie­den werden.

    Aber das soll nicht der Haupt­kri­tik­punkt mei­ner Notiz sein, nein.

    Die Mis­fits gel­ten als die Begrün­der des Hor­ror­punk und sind für viele neuere Bands ein gro­ßer Ein­fluss gewe­sen. Heut­zu­tage haben den Platz der Mis­fits Bands wie Blitz­kid mit sehr Pop-artigem Gesang oder the Other, die doch einen sehr har­ten Horror-Punk hin­le­gen, eingenommen.

    Doch was ist dabei aus den Mis­fits geworden?Nachdem nun Jerry Only eben­falls den Gesang über­nimmt, haben sie end­gül­tig ihren Stil ver­lo­ren. Der Gesang erin­nert immer mehr an diese Pop-Horror-Punk-Bands wie schon genannte Blitz­kid (nichts gegen Blitz­kid, ich stehe auf sie!), der Gitar­ren­sound hat sich erneut gewan­delt und erin­nert eben­falls weder an die alten, noch neuen Mis­fits, son­der genauso an neuere Bands die­ses Genres.

    Wo mein Pro­blem liegt? Bands dür­fen sich doch verändern?Natürlich! Aber ich finde es bit­ter, was aus einer der ein­fluss­reichs­ten Bands der Punk­ge­schichte (Jaha! Wer kennt denn bitte nicht den sti­li­sier­ten Toten­schä­del, der den Mis­fits seit der Hor­ror Busi­ness EP von 1979 als Logo dient) gewor­den ist. Sie neh­men kei­nen Ein­fluss mehr auf andere Bands, andere Bands neh­men Ein­fluss auf die Mis­fits. Sie haben sich eben­falls dem Main­stream des Horror-Punk ange­passt. Etwas, was sie frü­her nie getan hätten.

    Schade, schade.

  6. Pro­blem an der gan­zen Geschichte: Wo „Mis­fits“ drauf steht, ist nur noch sel­ten „Mis­fits“ drin. Jerry Only ver­sucht aus einem Band­na­men Kapi­tal zu schla­gen. Was sich heute als „Mis­fits“ prä­sen­tiert, ist aller­höchs­tens eine dritt­klas­sige Misfits-Coverband. Ehe­ma­lige Band­kol­le­gen sind davon auch alles andere als begeis­tert. Zurecht. Mitte der 90er hatte man mit Michale Gra­ves wenigs­tens noch einen Sän­ger, der die­ser Bezeich­nung wür­dig war und ist. Der heu­tige Zustand ist hin­ge­gen nur noch peinlich…

  7. Ich finde, dass der Arti­kel sehr auf­schluss­reich ist. All­ge­mein kann ich in den meis­ten Punk­ten voll­kom­men zustim­men. Es ist immer gut zu wis­sen was andere über die Horrorpunk-Szene den­ken und wie sie Ihre Ent­wick­lung wahr­neh­men. Bis bald, vor der Bühne!!! :-)

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