Schon die Überschrift ist verwirrend und kontrovers zugleich. Cybergoth lässt vermuten das es sich bei dieser Jugendkultur um einen direkt Ableger der Gothic-Szene handelt. Die Cybergothics sind aber eine Cross-Over Kultur, die sich aus vielen unterschiedlichen Stilen und Einflüssen zusammensetzt. Visual Kei, Techno, Punk, Rivethead1 und Gothic fusionieren beim Cyber zu einer neuen, rein äußerlich und optisch inspirierten Subkultur. Die Anzahl der tatsächlichen äußerlichen Gemeinsamkeiten zum Gothic sind sehr gering.
Der Kleidungsstil ist futuristisch und erinnert wie beabsichtigt an ein farbenfrohes Endzeitszenario. Schwarz, das mit weiß oder grellen Neofarben akzentuiert wird, ist typisch für die Anhänger dieser Szene. Die Kleidungsstücke und auch die Schuhe sind reichhaltig mit Metallbeschlägen verziert. Besonderen Einfallsreichtum zeigt man bei der Wahl des Accessoires, Schweißerbrillen (Goggles) gehören zum guten Ton, ebenso wie Gasmasken und lange Spitznieten. Elemente der Fetish-Bekleidung sorgen für einen sehr körperbetonten und freizügigen Kleidungsstil mit Lack– und Latex-Bekleidung. Besonderes Augenmerk wird auf die Verzierung der Haare mit neonfarbenen Extensions und Cyberloxx2 gelegt, den Aufwand den einige dafür betreiben ist bemerkenswert und erinnert auch an die frühen Haarspray und Styling-Orgien in der Wave und Grufti-Szene der späten 80er. Cyber der neueren Generation verzichten mittlerweile auf eine schwarze Basis und geben sich noch farbenfroher (siehe Bild)
Auch Einflüsse der Visual Kei-, Anime-, und Manga-Szene sind zu beobachten, verweisen aber nicht wie vermutet auf eine Szeneüberschneidung hin. Der Kleidungsstil der Cybergothics ist szeneübergreifend und lediglich auf die Übernahme von optischen Merkmale spezialisiert. Die Phantasie beim zusammenstellen von Kleidungsstilen hat auch eine starke DIY-Bewegung (Do-It-Yourself) unter den Mitgliedern hervorgebracht, die oft mit viel Hingabe und Zeiteinsatz ihre Kreationen selbst entwerfen und gestalten.
Musik
Die Musik dieser Szene ist ähnlich wie die Szene selbst von vielen Richtungen beeinflusst. Oftmals wird die Musik als Industrial bezeichnet, womit sie aber rein Szenehistorisch nichts zu tun hat. Es ist vielmehr eine Weiterentwicklung des Techno oder Rave, die mit einigen Elementen des Industrial, des Gothics und des Dark-Wave angereichert werden. Die Musik ist schnell und tanzbar, meist mit keinem oder sehr wenig Text oder Gesang, der dann zusätzlich noch verzerrt wird, was aus den späteren experimentellen Entwicklung des Industrials stammt und vielleicht die einzige musikalische Verwandtschaft darstellt.
Die Cyberszene hat demnach keinen eigenen Musikstil sondern freundet sich mit vielen Formen der elektronischen und tanzbaren Musik an. Techno, Future Pop, Trance, Elektro, Noise und Goa in einer meist etwas »düsteren« Variante. Der Tanzstil ist der Musik entnommen und zeigt sich oft rhythmisch und mit schnellen Arm und Beinbewegungen und ist auch so häufig in Rave-Kreisen anzutreffen.
Cyber + Gothic = Cybergothic?
Obwohl beide Subkulturen meist in der primären Grundfarbe schwarz tragen, haben sie wenig gemeinsam. Cybergoths verfolgen keine spezielle Ideologie wie es die Gothics tun. Eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, dem Tod, der Romantik, Mystik oder dem Okkultismus findet nicht statt. Während die Gothic-Kultur eine Vergangenheitsorientierte Bewegung ist, strebt man beim Cyber in die Zukunft und verkörpert die Phantasie der Anhänger, wie es einmal in einer Post-Apokalyptischen, Technoiden Welt aussehen könnte. Man verfolgt häufig die eigene Lust, Party zu machen, Spaß zu haben und sich in Szene zu setzen und teilt nicht das Lebensgefühl der Gothics. Aus diesem Grund wird diese neue Entwicklung auch nicht von den Gothics akzeptiert und häufig verspottet, man fürchtet um den intellektuellen Gehalt und verabscheut den reinen Party-Gedanken der Subkultur. Gerade dieser gravierende Unterschied macht es vielen schwer, die spöttisch als »Knicklichtgrufties« oder »Glühwürmchen« bezeichneten Menschen zu akzeptieren und ist vielfach Gelegenheit, die unterdrückten Revierkämpfe wieder zu aktivieren.
Cybers sind für alles Visionäre zu begeistern und konsumieren Endzeitorientierte Filme wie beispielsweise Matrix oder 28 Days Later und toben sich auch in Rollenspielen im Internet aus, in denen es meist um ein düsteres Endzeitszenario geht. Das oft verwendete Symbol Biohazard steht demnach auch für die Vorstellung, die Welt würde sich durch eine Biologische Verseuchung selbst vernichten.
Warum es letztendlich zur begrifflichen Verschmelzung beider Kulturen kam, lässt sich nicht abschließend betrachten. Publikationen in einschlägigen Magazinen und Medien können ebenso ausschlaggebend sein, wie die Tatsache, das sich die abebbende Wave– und Dark-Wave-Szene Ende der 80er auch in Richtung des Techno entwickelte und wohlmöglich Jahre später die neu aufgegriffenen Trends wieder in die Gothicszene trugen.
Ablehnung innerhalb der schwarzen Szene
Obwohl die schwarze Szene als tolerant und offen gilt, lehnen vor allem die Tradgoths diesen Einfluss ab. Als Begründung wird häufig genannt, das man das unreflektierte »bedienen« der Stile anderer Subkulturen uneigenständig findet und es bei der Cyberszene um eine rein modisch orientierte Bewegung handelt. Man vermutet, das die Überschwappende Rave-Szene dunkle Ableger in der Gothic-Szene etabliert hat3. Inhaltslosigkeit und Oberflächlichkeit wird ebenso häufig als Ablehnungsgrund genannt und mündet teilweise sogar in einen organisierten Aktivismus gegen dieses Bewegung (siehe Bild), da man die Werte der eigenen Szene für gefährdet hält. Die oberflächliche Party-Einstellung der Cybers ist Gift auf den Seelen der Gothics, die seit ihren Ursprüngen eben dieses Verhalten ablehnen.
Tatsache ist, das sich viele schwarzen Seelen ihrer Lebensgrundlage beraubt sehen, da reine Gothic-Treffpunkte wie es nunmal Festivals, Szeneläden und Discotheken sind, sich einem immer breiter werdenden Publikum öffnen müssen um überhaupt überleben zu können. Ein Trend wie den der Cyber scheint ein ideales Vermarktungsinstrument zu sein, optische Accessoires sind teilweise recht kostspielig und werden in großem Rahmen von den Anhänger konsumiert, die Musik ist größtenteils schnell und billig produziert und wie geschaffen zum Geld verdienen. Textliche Inhalte reduzieren sich auf verzerrte Parolen, die oft unter die Gürtellinie reichen.
Prinzipiell geht es bei diesem Konflikt also um die Technoisierung der Clubs und Festivals die mit einer Mischung aus Musikrichtungen möglichst viele Kunden locken möchten. Das die Musikrichtungen überhaupt nicht zusammenpassen wird in vielen Clubs hartnäckig ignoriert. Der Trend geht vermehrt wieder in Richtung einzelner Musikrichtungsorientierten Partys oder der Aufsplittung in verschiedene Bereiche einer Discothek. Ob beide Szene langfristig für ausreichend Umsatz sorgen können, ist bestimmend dafür, ob solche Veranstaltungen stattfinden. Zukunft ungewiss, Trennung vorprogrammiert?
(Bildquellen: Bren Dovgal@flickr.com (CC-by-nc), e_brand@flickr.com (CC-by-nc), Blacklive)
- engl. für »Nietkopf« und Übergangskultur der Post-Industrial-Szene deren Anhänger mit Tarnhemden, Feldjacken und Kampfstiefeln zu sehen sind. [↩]
- Bei den sogenannten Cyberloxx, die vielfach vertrieben werden, handelt es sich ursprünglich um Geschenkband aus den USA, dass man mit viel Hingabe in das vorhandene Haupthaar einarbeitet oder mittels Klammern im Haar befestigt. [↩]
- Aus den Kommentaren des Projekte jugendszene.com zum Thema Gothic [↩]



hat bereits 203 Kommentare abgegeben und schrieb am 3. Oktober 2009 um 21:03:
Oder man macht es wie ich: Das ganze Brötchen wegwerfen und nicht nur den Schimmel rausschneiden (soll übrigens gesünder sein). Warum mit einer Szene sympathisieren, die inzwischen zu einem großen Teil aus Cybern besteht sowie aus Leuten, denen die Toleranz (ob mit oder ohne Schreibfehler) aus allen Körperöffnungen quillt.
Die Cybers sind ja nun auch nicht mehr eine kleine Splittergruppe innerhalb der Szene, sie haben mehr das Verhalten von Viren angenommen die auch gern mal alte, schwarze Bekannte assimilieren.
Anmerkungen meiner besseren Hälfte:
Der Film heit »28 Days Later« (auch wenn Herr Weißhaupt deine Variante wohl besser fände) und Mutter Google hat zwar überall ihre Finger im Spiel, bei den lächerlichen Schweißerbrillen allerdings noch nicht, die heißen weiterhin Goggles.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 4. Oktober 2009 um 00:14:
Da hat sich wohl der Fehlerteufel eingeschlichen. Ich habe die beiden Fehler korrigiert (vielen Dank an die bessere Hälfte), die Entwicklung der Szene kann ich leider nicht korrigieren, auch wenn ich diese Assimilation gerne rückgängig machen würde.
Ähnlich wie Du halte ich die Toleranz für nicht unendlich dehnbar, richte meinen Argwohn aber gegen die Kommerzialisierung von allen möglichen Szenen, die meiner Meinung nach für viele negative Entwicklungen verantwortlich zu machen ist.
Hier liegt es doch an der Szene selbst, sich und ihren Lebensstil wieder selbst zu etablieren und sich als einer der wenigen Bewegungen wieder neu zu erfinden ohne die alten Werte zu verleugnen.
Aber darf ich deinen Kommentar und dein »anderes« Gravatar jetzt als Szeneaustritt bzw. Wechsel verstehen?
hat bereits 203 Kommentare abgegeben und schrieb am 4. Oktober 2009 um 07:37:
Szeneaustritt? Ja, würde sich sagen. Heißt nicht, dass ich nicht noch die gleiche Musik höre, gleich denke oder auf einmal in Bluejeans rumlaufe. Ich kann und will aber nicht mit einer Szene sympathisieren, bei der die Toleranz das Hirn verdrängt hat und die ansonsten nur aus Party-Volk mit Geschmacksverirrung besteht.
Szenewechsel? Nein, würde ich nicht sagen. Welche Szene sollte das denn sein? Szenen sind doch heute alle kaputt. Ich fühl mich aber irgendwie nicht in der Stimmung dazu mit ein paar anderen alten Säcken in schwarzen Klamotten im dunklen um ne Friedhofskerze zu sitzen und den Niedergang der Szene zu betrauern. Ich bin auch ehrlich gesagt zu faul um einen »Erwachet«-Propaghanda-Krieg zu führen. Ich setz mich lieber hin und lach Cybers, Toleranz-Konglomerate und was sonst noch so seine Schwimmversuche im eigenen geistigen Dünnschiss macht aus. Da hab ich irgendwie mehr Freude dran.
Was den Gravatar angeht: Das alte Bild war über ein Jahr alt und wie man sieht hab ich Iro gegen Bart getauscht. Da ist doch ein Wechsel legitim und sinnvoll, oder? Ist allerdings auch nur ein Schnappschuss und wenn ich ehrlich bin hab ich mich sogar mit Photoshop rasiert ;)
hat bereits 25 Kommentare abgegeben und schrieb am 4. Oktober 2009 um 17:11:
»Ähnlich wie Du halte ich die Toleranz für nicht unendlich dehnbar, richte meinen Argwohn aber gegen die Kommerzialisierung von allen möglichen Szenen, die meiner Meinung nach für viele negative Entwicklungen verantwortlich zu machen ist.«
Der Aussage kann man eigentlich zustimmen, aber Toleranz? Ich selbst habe vor allem die schwarze Szene bisher für recht intolerant empfunden. Die Menschen allein toleant in der Gruppe auftretend jedoch nicht. Schätze das ist einfach menschlich.
Das ist wohl auch der Grund weshalb ich mich eigentlich keiner Szene richtig zugehörig fühle.
Davon ab, netter Artikel über diese SUBkultu
hat bereits 162 Kommentare abgegeben und schrieb am 4. Oktober 2009 um 23:21:
Mit der viel gepriesenen Toleranz (oder der Abwesenheit derselben) hat das Thema in meinen Augen nur wenig zu tun. Ich hatte nie den Eindruck, dass die schwarze Szene sich durch ein besonderes Maß an Toleranz auszeichnet. Über die ach-so-intoleranten Normalos wird sich ebenso aufgeregt wie über Teilbereiche der eigenen Szene, sei es was neue optische Richtungen angeht oder bezüglich des Musikstils.
Problematisch finde ich hier viel mehr, dass das Gothic-Element einfach nicht mehr vorhanden ist. Man sehe sich insbesondere die Neue Deutsche Todeskunst an — Gothic-Inhalte und –Mentalität par excelence, wobei die Musik ja in der Regel garnichts mehr mit den Ursprüngen gemein hat.
Anders bei Cyber. Tiefe ist bestenfalls vorgetäuscht, öfter hört man Texte wie von einem pubertierenden Zwölfjährigen, der seine Eltern schocken will, indem er möglichst oft »ficken« sagt. Und dass die Klamotten oft jeglicher Düsternis entbehren ist ohnehin jedem klar.
Ich habe ja nichts dagegen dass die Leute machen was sie machen … ich kenne auch Cybers, die persönlich echt nett sind und teils sogar einen erstaunlich »guten« Musikgeschmack haben. Aber mit Gothic hat es halt nichts zu tun und sollte sich da entsprechend raushalten.
Nett finde ich in diesem Kontext diesen Fernsehbericht:
Hier geben die Damen und Herren Powerranger offen zu, dass es ihnen nur um Party geht und man eigentlich mit Gothic nichts zu tun hat.
Warum müssen sie dann unsere Clubs belagern, frage ich mich?
Leute, ich muss unbedingt einen detaillierten Text über Gothic schreiben… mir geht gerade so viel durch den Kopf — 250 Jahre Kunst– und Kulturgeschichte und so wenig Zeit… :)
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 5. Oktober 2009 um 12:00:
@Tears: Ein Wechsel ist natürlich legitim, es passte nur gerade gut zum Begriff des Szene-Austritts. Und deine »Westerwellische — Manipulation« lasse ich Dir jetzt mal durchgehen :) Hmm, deinen zweiten Absatz finde ich schwierig. Kann mich mit deiner Meinung nicht so richtig anfreunden, obwohl ich auch zugeben muss, das da was dran ist. Ich finde ein gewisses Zugehörigkeitsgefühl schon wichtig und möchte auch ein gewisses Identifikationpotenzial nicht vermissen. Vielleicht ordne ich mich da lieber auf die »Erwachet!« Seite ein, obwohl ich mich gelegentlich dabei erwischen, wie ich im kleinen Kreise (ohne Kerze) über den Niedergang der Szene jammere, das muss ich zugeben. Vielleicht schützt mich das vor einer endgültigen GEGEN-Haltung wie du sie repräsentierst. Frage: Schützt eine gewisse Form von Partizipation durch Kompromissbereitschaft nicht vor sozialer oder persönlicher Isolierung?
@Moonica: Ja so kann man das auch sehen. Mittlerweile ist der Deutsche ja toleranter gegenüber allem, als seine direkte europäischen Nachbarn. Letztendlich kann man verstehen, das man in seinem Rückzugsgebiet eine gewisse Intoleranz an den Tag legt, allein um diesen zu schützen. Ich habe den Bericht bewusst neutral und sachlich gehalten (oder es zumindestens versucht), aber dieses vermischen der Szene stößt mir sehr übel auf. Solange es aber Szene-Enthusiasten gibt, werden aber auch Rückzuggebiete nicht aussterben und eben auch nicht mein persönliches Zugehörigkeitsgefühl.
@von Karnstein: Völlig richtig, auf der einen Seite wird Toleranz gepredigt, auf der anderen selber Intoleranz ausgeübt. Ich denke, das ist wie Moonica schon sagt, einfach menschlich.
Die neue deutsche Härte oder auch Todeskunst ist meiner Meinung nach eine ebenso überflüssige Bezeichnung wie die neue Deutsche Welle, die man Anfang der 80er prägte.
Ich sehe das so: Die Subkultur der Grufties wurde seziert und alle enthaltenen Inhalte mit Steroiden zu eigenständigen »Szene« aufgepumpt. Diese Entwicklung haben wir allein der Musik-Industrie zu verdanken, meiner Meinung nach. Diese einzelnen Tumore können aber nicht ohne den Wirt existieren und werden irgendwann absterben oder den Wirt in die Tiefe reißen.
Die Frage, warum die unsere Club’s belagern ist einfach geklärt. Weil dort »Ihre« Musik gespielt wird. Electro und Pseudo-Industrial, NDH und NDT gehört doch schon heute in jede Playlist der Möchte-Gern-DJ’s. Außerdem sind unsere Club’s die einzigen, wo man als Cyber noch toleriert wird (womit wir wieder beim Thema Nr.1 wären), wobei ich wieder frage warum die dann nicht in Techno– oder Raveclubs rumhängen, da wären sie sicherlich besser aufgehoben.
hat bereits 203 Kommentare abgegeben und schrieb am 5. Oktober 2009 um 12:43:
Isolierung… nun, das mag für viele wohl die härteste Strafe sein, ich ziehe sie aber einen Leben zwischen Vollidioten vor. Death before Dishoner… oder so ähnlich :D
Mit einer »Erwachet«-Haltung beißt du dir nur unnötig die Zähne aus. Klar, es gibt natürlich noch genug Leute die das sehen wie du oder ich. Ich will auch nie behauptet haben mit niemandem aus der Szene mehr zu tun haben zu wollen. Das ist doch aber ein kleiner Prozentsatz.
Hab ich eigentlich mal erwähnt, dass Stagnation mir oft lieber ist als Fortschritt?
hat bereits 162 Kommentare abgegeben und schrieb am 6. Oktober 2009 um 00:38:
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich dich richtig verstehe, Robert…
Wenn ich von »neuer deutscher Todeskunst« spreche, dann denke ich vor allem an »Goethes Erben«, »Lacrimosa« und »Das Ich« (gab’s da noch mehr?)…
Und alles was ich sagen wollte war:
Deren Musik steht nicht in direkter der Tradition der schwarzen Musikstile der 80er — »Lacrimosa« ist mehr Symphonic Rock/Metal, »Das Ich« recht klar Elektro, und »Goethes Erben« einfach nur ihr eigenes theatralisches Ding.
Und dennoch sind sie in meinen Augen nicht minder gothic (oder wörtlich betrachtet vielleicht noch mehr) als die Leute, die 10–15 Jahre früher die Dark Wave losgetreten haben.
Sie waren auf eine gewisse Weise etwas völlig Neues, haben sich aber andererseits noch in gewissen Maßstäben bewegt und sind meiner persönlichen subjektiven Meinung nach eher eine Bereicherung der schwarzen Szene gewesen. Hier war Entwicklung Bereicherung.
Anders bei Cyber. Hier werden diese gewissen Maßstäbe nicht mehr erfüllt. Hier war Entwicklung Verwässerung.
Ähnlich argumentieren könnte man auch gegen die »Mittelalter«-Ecke, zugegeben (und ich wäre nicht wirklich enthusiastisch dabei, sie zu verteidigen), aber da Retrospektive und besonders auch die romantisierte Mittelaltervorstellung an sich klassische Gothic-Elemente sind, bin ich hier eher gewillt, ein Auge zuzudrücken.
@Tears:
Wo wohnst du denn, dass du es schaffst NICHT zwischen Vollidioten zu leben? ^^ Davon gibt’s in der Szene doch auch nicht mehr als außerhalb (aber ernsthaft: Lebst du zufällig im Ruhrpott? Von da habe ich schon gehört, dass die schwarze Szene quasi nicht mehr existiert und praktisch komplett von der Neonszene verdrängt wurde.)
Da wo ich mich konkret in der Szene bewege (was primär natürlich heißt: Clubs/Discos) gibt’s weder Partyvolk mit Geschmacksverirrung, noch Leute bei denen die Toleranz das Hirn verdrängt hätte. Man muss nur sorgfältig sondieren und aussortieren ^^
hat bereits 203 Kommentare abgegeben und schrieb am 6. Oktober 2009 um 03:12:
Großraum Karlsruhe. Nun, ich schaffe es natürlich nicht, mich vollständig von Vollidioten fernzuhalten. Irgendwann muss ich mich mal mit Lebensmitteln eindecken und da gibt es auch gelegentlich Leute, wo schimmelndes Brot mehr Gehirn besitzt. Ich halte mich aber grundsätzlich so wenig wie möglich unter Menschen auf, selektiere die Leute mit denen ich mich abgebe stark und in einem Club war ich schon ne halbe Ewigkeit nicht mehr.
In wie weit die schwarze Szene hier den Bach runter ist kann ich also nur noch teilweise beurteilen. Wie gesagt: Ich zähle mich auch nicht mehr dazu. Ok, die meisten meiner Bekannten in meinem Alter sind ebenso »schwarz« oder auch »ex-schwarz« und somit zeigt sich schon ein Hang in diese Richtung. Ich kann aber auch aufm Bolzplatz Fußball spielen ohne gleich Fan eines Bundesliga-Vereins zu sein, oder? :D
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 6. Oktober 2009 um 14:18:
@von Karnstein: Ok, vielleicht muss ich das trennen. Vor allem bei NDT geht es mir primär um die Bezeichnung, während es bei der NDH quasi um alles geht. Hier werden Schubladen gebaut, wo wieder alles mögliche reingestopft wird. Wenn ich mich nicht ganz irre, war es sogar der Zillo, der damit angefangen hat über für die Bands die du schon genannt hast und « Relatives Menschsein«, »Endraum« oder auch »Illuminate« ein neues Mäntelchen zu finden. Ähnliches gilt für die NDH, in der aber die meisten Bands für meinen Geschmack Vollnullen sind (bspw. Rammstein), der aber auch wieder Bands eingeordnet werden, die meiner Ansicht da nichts zu suchen haben.
Sicher, eine spannende Entwicklung diese NDT, es geht mir dabei aber hauptsächlich um das Etikett. Ich empfand die Musik von Das Ich und Goethes Erben immer schon als Bereicherung für die schwarze Musik, ebenso die Strömungen der Mittelalter– oder Neofolkmusik, obwohl man auch hier nicht alles über einen musikalischen Kamm scheren kann. Und das auch, obwohl es sich dabei natürlich um eine totale romantisierung des Mittelalters handelt und Neofolk zum politischen Instrument verkommen ist, aber dazu gibt es demnächst einen eigenen Artikel :)
@Tears: »Stillstand ist der Tod« hat man mal gesagt, obwohl ich das nicht 100%ig für mich übernehmen würde, ein gewissen »Festhalten« an bewährten Dingen gehört dazu, deswegen teile ich deine Ansicht, das manchen Stagnation erwünscht ist.
Rein von der Region muss ich von Karnstein recht geben, hier bei uns im Ruhrpott ist wirklich alles voller Knicklichtgrufties, Party’s in schwarzer Qualität gibt es recht selten und nicht in der selben dichte, wie es offenbar in seiner Umgebung stattfindet.
Ja, der Fußballvergleich :) Klar kannst du auf dem Bolzplatz spielen ohne ein Fan zu sein, aber ohne die Mitgliedschaft zu einer Gruppe wird die kaum jemand mitspielen lassen :) Da kannst du lieber wie Forrest Gump Tischtennis mit Dir selbst spielen. Ich würde das aber als sehr schade empfinden und Dir wohl anbieten die hochgestellte Seite runterzuklappen um mit dir zu spielen.
hat bereits 162 Kommentare abgegeben und schrieb am 6. Oktober 2009 um 19:05:
Dann sind wir uns ja weitestgehend einig, was das Musikalische angeht ^^
Diese »Neue Deutsche Härte« war für mich immer ein Etikett für moderne Spielarten des Metal, die in deutscher Sprache daherkamen. Von daher habe ich sie eigentlich nie so richtig in die schwarze Szene gesteckt.
Der Wikipedia-Artikel steckt auch ASP in diese Kategorie, was mir ja jetzt mal so garnicht schmecken will :)
Mit dem Szeneleben ist das aber auch an sich schon so eine Sache…
Ich bin bekennender und leidenschaftlier Goth/Grufti/Waver/wasauchimmer, und das bin ich geschminkt und aufgebrezelt im Club genau so wie in Gammelklamotten auf der Couch. Ich kenne Goths, die auch garnicht in Clubs gehen, also garnicht an dem scheinbaren Zentrum des Szenelebens teilnehmen. Aber sind sie deshalb keine Goths? Sind sie deshalb nicht in der »Szene«?
Auf der anderen Seite gibt es Leute wie beispielsweise mein Bruder, der neben metallischem auch gerne alte Gothmusik und Folk hört, sich fast nur schwarz kleidet und gerne mit mir auf Darkwave-Partys geht, aber sich einer »Szene« nicht beiordnen will.
Summa summarum: »Szene« ist letztlich Auslegungssache und Nomenklatur und im Endeffekt eigentlich auch überhaupt nicht wichtig, für das, was man als Goth (oder was auch immer) lebt.
Finde ich zumindest ^^
hat bereits 242 Kommentare abgegeben und schrieb am 9. Oktober 2009 um 12:55:
Also in einem meiner Lieblingsclubs wurden kürzlich erst die Cybers ausquartiert, haben ihre eigene Party bekommen und somit ist die alteingesessene Veranstaltung weitestgehend frei von Düstertechno und neon.
Ein anderer Club hier hatte eh schon immer getrennte Veranstaltungen für unterschiedliche Musikrichtungen, bis auf einen Abend im Monat wo eigentlich alles laufen sollte, an manchen Abenden ists aber doch sehr Düstertechno-lastig (was zwei Bekannte und mich mal dazu veranlasst hat mit einer Polonaise durch die Tanzfläche für ne Runde gute Musik zu protestieren … man stelle sich einen Alt-Grufti und zwei Reifrockweiber vor die kaum voran kommen weil sie sich gegenseitig immer wieder auf die Säume latschen :D)
Zumindest bei uns scheint sich da langsam was zu tun. Vielleicht erreicht die Enwticklung ja auch andere Regionen im Lauf der Zeit :)
Mirwegen darf jeder ja tun und lassen was er mag, ich muss es deswegen ja nicht toll finden. Und wenn ich mitbekomme daß Neons bei alteingesessenen Veranstaltungen über die Musik herziehen, dann ists im Interesse aller Beteiligten das schlicht und ergreifend aufzutrennen und jedem seinen Raum zu geben.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 9. Oktober 2009 um 16:05:
@von Karnstein: Ein schöner Schlusssatz. Szene ist doch schließlich da, wo man möchte. Gerade die schwarze, besonders die Grufti-Szene ist eine eher zurückgezogene Bewegung in der das schöne der Einsamkeit gelebt wird, dazu sind nicht unbedingt soziale Kontakte notwendig, auch wenn ich es persönlich schade finde, denn wie du schon richtig sagst ist Szene nunmehr auch eine Modewort geworden. Die wirklich schwarzen Seelen bleiben unter der mittlerweile glänzenden Oberfläche verborgen.
@Rosa Chalybeia: Eine sehr positive Entwicklung in deinem Stammtempel, zumal ich mir gerade vorstelle, wie der Protest untergeht während ihr über eure Säume stolpert. Ich hoffe natürlich, dass der Trend auch weiter in die Republik schwappt und das die »Trennung« anständig vollzogen wird. Wenn ich das ganze noch weiterspinnen darf: Vielleicht etablieren sich dann auch wieder tiefgründigere Bands und nicht noch weitere Belanglosigkeiten. Aber das sind fromme Wünsche :)
hat bereits 143 Kommentare abgegeben und schrieb am 18. Dezember 2009 um 01:44:
ASP sind dort, wo sie hingehören: Pseudo-Gruft-Schlager mit Rammstein-Gitarren. Da kannste auch Unheilig mit reinklatschen.
Ansonsten kann ich nur sagen, dass die NDT im Prinzip nur auf musikalische Elemente zurückgriff, die auch schon in den 80er Jahren im Wave-Umfeld existierten. Synthie-Wave hört man zum Beipiel bei Relatives Menschsein oder bei Mental Inqusition, Neoklassisches bei frühen Das Ich, die sogar stark durch die Einstürzenden Neubauten beeinflusst wurden, Goethes Erben hatten immer so einen kabarettistischen Einschlag, den gab es auch schon in den 80ern bei den Sex Gang Children oder bei The Vyllies. So fremd ist das Genre gegenüber anderen Wave-Genres also nicht.
Lacrimosa ist ein Streitthema. Wären die nicht so vom Zillo gepusht worden, würde die heute kein Schwein kennen. Mehr Schlager als NDT. Der Gothic-Bezug kam hauptsächlich durch das Image von Tilo Wolff (hätte der mit Jeans und Hemd auf der Bühne gestanden, wären faule Tomaten geflogen). Und hier habe ich ihn bewundert. Keiner bekam in den 90s sein Outfit besser hin als Schlager-Tilo. ;)
Warum es die Gothic-Szene eigentlich nicht mehr gibt, ist einfach zu erklären: ihre Untergrüppchen können sich nicht einmal selbst riechen. Batcaver gegen Todeskünstler oder gegen die Neoklassik-Hoschis. Aufspaltung in Motto-Partys. Es herrscht doch überhaupt kein wirklicher Zusammenhalt und jede dieser Untergruppen hält sich für die ultimative Verkörperung von Goth. Die neonbunten Raver-Hoschis lachen sich während dessen ins Fäustchen.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 18. Dezember 2009 um 15:49:
@Death Disco: Ein wahrer Kommentar! Dieser interne Kleinkrieg zwischen den verschiedenen Splittergruppen ist wirklich extrem nervig, aus dem die »Raver-Hoschis« wohlmöglich noch profitieren. Diese ästhetische Kräftmessen (wer ist gruftiger als ich) hat man aus anderen Kulturen importiert und erschien unausweichlich seit dem eine immer größer Masse anspricht und in den Begriffsballon »Gothic« alle mögliche Musikrichtungen presst, die da nun wirklich nichts zu suchen haben.
Wie siehst du in diesem Zusammenhang die Zukunft? Ich denke das Problem wird sich noch weiter verschärfen, bis zu einem großen aufbrechen (wenn nicht schon längst geschehen) kommt. Aus Motto-Partys werden dann Clubs zusammengeschustert, die sich aufgrund mangelndem Zusammenhalts wieder auflösen. Genau wie du denke ich, das hier mir Zusammenhalt zwischen den eigentlich verwandten Grüppchen herrschen sollten. Denn Waver, Batcaver und Grufties haben schon rein musikalisch eine Verwandschaft. Den Phänomen NDT und NDH geht es eben wie der NDW in den frühen 80er. Es sind Modeerscheinungen für eine breite Masse, der man vorgaukelt man wäre besonders Hart und Tot damit sich das Publikum damit identifiziert. Vielleicht geht es ja den Strömungen wie der NDW, sie werden bis zum Tode hochgespritzt um dann in die Lächerlichkeit zu versinken.
hat bereits 143 Kommentare abgegeben und schrieb am 19. Dezember 2009 um 16:40:
Na ja, die Neue Deutsche Todeskunst betrifft das nicht. Die war ja eigentlich nur ein kurzlebiges Phänomen der 90er, dessen Hochphase ca. 1994 vorüber war. Außer Leichenblass und Explizit Einsam ist mir keine weitere Band bekannt, die heute noch in diesem Genre beheimatet ist (Other Day vielleicht noch?). Schon Ende der 90er war dieses Phänomen gegessen, was einfach am Wandel des Zielpublikums liegt. Waschechte Gruftis starben ab Mitte der 90er nämlich langsam aber sicher aus und wanderten ab.
Anders ist das mit der Neuen Deutschen Härte, die — mal abgesehen von der Namensverwandtschaft — nichts mit der Neuen Deutschen Todeskunst zu tun hat. Die NDT war ganz klar ein Dark-Wave-Genre mit Bezug zur 80er Dark-Wave-Musik (Endraum waren zum Beispiel eingefleischte Joy-Division-Fans). Die Neue Deutsche Härte fußt hingegen auf Deutschrock und Crossover-Musik. Da standen Oomph! Pate oder eben Die Krupps in ihrer Techno-Metal-Periode. Rammstein standen dann im Mittelpunkt und Gruppen wie Eisbrecher, Megaherz, Unheilig, ASP und sogar Umbra et Imago sind dann auf den Zug aufgesprungen. Diese Musik hat, wie gesagt, nichts mit Gothic oder Wave zu tun. Noch nicht einmal mit Industrial im eigentlichen Sinne. Denn oft wird Laibach als Inspiration herangezogen. Die wiederum hatten ihre Industrial-Phase jedoch bereits Ende der 80er hinter sich gelassen, daher kann man Industrial nicht als Einfluss gelten lassen. Kurzum: die Neue Deutsche Härte ist nichts Szene-eigenes, sondern etwas von außen in die Szene Hineingedrücktes. Das gilt auch für den Mittelalterrock. Und zu dieser Musik ist ein neues Publikum entstanden, das für mich nichts mit Gothic verbindet. Das sind »Post-Goths« und »Mallgoths« bzw. bilden sie irgendetwas Zusammenhangloses ohne Bezug zur Wave-Musik.
Gothic war Ende der 90er, wie oben schon geschildert, vorbei, ganz egal, ob man das nun auf Gothic Rock bezieht, auf den Heavenly-Voices-Kram oder auf Genres wie NDT oder Synthie-Wave à la The Eternal Afflict. Zu dieser Zeit boomten erwähnte Rammstein, Marilyn Manson, HIM und diese ganzen Symphonic– und Mittelalter-Metal-Grüppchen à la Nightwish und Svbway to Sally auf der einen Seite und auf der anderen dieser techno-beeinflusste Elektro-Kram von VNV Nation, Funker Vogt, usw. Spätestens 1998 wurde der Grundstein für den Misthaufen gelegt, mit dem wir uns heute herumplagen müssen. Eine fette Walze, der man nichts mehr in den Weg stellen kann. Cybers sind letztlich nichts anderes als eine Begleiterscheinung dieses techno-verseuchten Elektro-Booms. Future Pop und Hellektro zählen dann auch zu deren Vorlieben.
Selbst das Batcave-Revival ab 2001, mit Grüppchen wie Cinema Strange und Co., kann am Dahinsterben der Gothic-Kultur nichts mehr ändern. Dazu ist Batcave/Tradgoth in der heutigen Zeit nicht einflussreich genug (die Vertreter dieser Gattung verbuchten in den 80s Chartplazierungen — heute ein Ding der Unmöglichkeit). Und Batcaver sind es, die am Ende auch die letzten Vetreter der gotischen Gattung sein werden. Alles andere, das sich heute »Gothic« schimpft, hat mit dem Gothic der 80er und 90er nichts mehr zu tun. Mallgoths eben, verirrte Raver oder Mosh-Kids. Darüber kann auch keine schwarze (?) Kleidung hinwegtäuschen.
hat bereits 162 Kommentare abgegeben und schrieb am 19. Dezember 2009 um 20:22:
Bezüglich ASP muss ich dir vehement widersprechen, Death Disco.
Sicher, die Musik hat nicht viel mit Dark Wave oder Gothicrock zu tun, und generell ist das Ganze natürlich zu einem großen Teil Geschmackssache.
Aber »gothic« im traditionelleren Sinne des Wortes (traditioneller als die Szene) sind sie ohne jeden Zweifel und klar und objektiv definierbar — die ganze Geschichte um den schwarzen Schmetterling ist eine einzige große Gothic Novel, und wenn man es mal ganz streng und traditionell und kultur-/kunstwissenschaftlich betrachtet sind ASP dadurch ein gutes Stück weit mehr Gothic als es die Sisters oder Bauhaus sind (wenngleich ich persönlich sie bevorzuge).
Ich finde also sehr wohl, dass eine solche Band in der »Gothic«-Szene richtig aufgehoben ist — zumal du ihre musikalische Bandbreite auch deutlich kleiner darstellst als sie ist — in der Tat umfasst sie fast alles, was die moderne schwarze Szene zu bieten hat; und ihre Wurzeln liegen keineswegs im wie-auch-immer-gearteten rockigen Bereich sondern in der gemäßigten und entspannt-untechnoiden Elektronik (man höre sich mal das komplette erste Album an, nicht nur »Und wir tanzten«).
Und ganz so schwarz (welch Ironie) kann ich auch nicht sehen, was die Szene angeht.
Das von dir erwähnte »Batcave-Revival«, das ja in erster Linie durch amerikanische Deathrock-Bands vorangetrieben wurde und wird sehe ich im Gegenteil als ersten Schritt in die richtige Richtung — und zwar nach hinten, aber mit dem Blick nach vorn.
Cinema Strange (die es im Übrigen auch schon seit den frühen 90ern gibt) finde ich da sehr repräsentativ, da sie deutliche Bezüge zu den Wurzeln der Szene haben, ohne ein bloßes Reenactment zu veranstalten — ebenso Scary Bitches und Diva Destruction. The Frozen Autumn und die von Robert ausgegrabenen Leichenliebe sind weitere gute Beispiele für moderne Bands mit traditionellem (wavigem) Sound.
Oder in eine andere Richtung gehend: Z.B. Emilie Autumn ist es gelungen, einen gänzlich neuen Sound zu kreieren, der mir dennoch als voll und ganz schwarz einleuchten will — dabei bedient sie sich unter anderem auch mal tatsächlicher Industrial-Klänge und greift teils bewusst und konkret Gothicthemen auf.
Zur Optik von Tilo Wolff muss ich dir auf der anderen Seite ebenso vehement beipflichten — einen unglaublich guten Stil pflegte dieser Mann und pflegt ihn noch immer ^^
hat bereits 143 Kommentare abgegeben und schrieb am 19. Dezember 2009 um 21:29:
Ich bin eher stil-orietiert. Das heißt, dass ich seit den 90ern den Gothic-/Wave-Bereich in seinen stilistischen Formen von 1979–2009 analysiere und daraus durchaus ableiten kann, was Gothic/Wave ist. Alle Stile waren letztlich schon in den 80ern vorhanden bzw. wurde in diesem Jahrzehnt der Grundsteine für viele Spielarten gelegt. Manche erlebten ihre Blütezeit erst in den 90ern, usw.. Wie auch immer.
Kleiner Denkanstoß: ASP mögen Gothic-Themen haben. Die haben aber auch zig Metal-Bands. Sind die nun auch Gothic? War Venom eine Gothic-Band, weil sie teils von den Gothic Novels inspiriert wurde? Mercyful Fate? Oder irgendwelche Black-Metal-Hoschis, die durch Lovecraft und andere Horror-Autoren beeinflusst wurden? Sicher nicht. Ich geh hier, wie gesagt, gnadenlos den stilistischen Weg und sage: ASP haben im Gothic-/Wave-Umfeld nichts verloren. Das ist „n bissel Dance Music und ein wenig Proll-Rock-Geschrammel Marke Rammstein. Die Texte sind dabei völlig zweitrangig.
Den Trubel um Emilie Autumn kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen. Ich halte sie ebenso für ziemlich irrelevant. Ein von Sonic Seducer– und Orkus gepushtes Häschen, klassik-inspiriert, manchmal folk-orientiert, ein bisschen New Age gibt es auch, gewürzt mit langweiligem Elektronik-Geblubber und ein paar Techno– und R’n’B-Anleihen (gemeint ist Contemporary R’n’B). So klang ihr früher Sound. Heute versucht sie auf ihrer Violine Heavy Metal zu spielen. Ganz ehrlich: die Frau ist meiner Meinung nach vollkommen überbewertet, hat absolut nichts Neues erfunden und kann mir mit ihrem eklektischen Soundbrei herzlich gestohlen bleiben. Das einzige, das sich bei der Dame vermarktet, ist das Image. Ein bisschen Schminke und nackte Brüste… sowas kommt immer an. Für ihre Miniplayback-Shows auf der Bühne interessiert eh keiner. Gothic oder Industrial kann ich dort letztlich mit der Lupe suchen. Wer da letztere Stile heraushört, möge mir bitte Track-Beispiele liefern. Ich höre da zwar elektronische Musik, die in modernere Elektro– und Electronica-Gefilde steuert. Das ist aber auch schon alles. ;)
hat bereits 328 Kommentare abgegeben und schrieb am 26. Januar 2010 um 09:27:
Es ist übrigens nicht nur die alte »Reinblut-Goth-Elite«, welche bei den Szeneteletubbies den Kopf schüttelt. Dafür besitzen diese das Glück, dass sie noch Orte oder Clubs aufsuchen können, deren akustische und atmosphärische Untermalung den Cybern zu unspaßig ist.
Aber wenn man sich als Altveteran des Dark Wave, EBM oder Industrial dahingehende Abende raussucht, so finde man für diese Gestalten kein „Wir müssen leider draußen bleiben“-Schild.
Stattdessen werden einem die Ohren mit derartig dekadenter Musik gefüllt, die ich früher schon in den Anfängen des Techno oder Raves verachtete. Und bei der ich weiß, dass Mitte der 90er der DJ dafür kollektiv abgestraft wurde. Aber damit sich des Messer auch so richtig dreht, sieht man diese Interpreten immer mehr mit den altwürdigen Musikkategorien in Verbindung gebracht. Somit traut man sich schon gar nicht mehr die Worte EMB oder Industrial ungezwungen auszusprechen, da die Assoziation der Masse einem einfach zu wider wird. Vor allem, wenn es diese so verstehen, als möge man diese technoziden bzw. cybergothgerechten Klangverbrechen.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 26. Januar 2010 um 18:07:
@Death Disco: Zunächst zu deinem ersten Kommentar. Zur NDH stimme ich dir vollkommen zu, obwohl daraus einige wirklich interessante Bands entstanden sind, die sich eher Genreübergreifend bewegen. Das die Mittelalterthematik von außen in die Szene gedrückt wurde kann ich aber leider so nicht bestätigen.
Schon mit den ersten Mittelaltermärkten, denen viele schon immer offen gegenüber gestanden haben wuchs auch das Interesse an mittelalterlicher Musik, die ja durchaus auch Verwandschaften zum Neo-Folk zeigt, der in den 90er auch von einige abwandernden Grufties schätzen gelernt wurde. Ich denke hier gibt es zu viele Querverweise als das man behaupten könnte das Mittelalter sei hineingedrückt worden.
Das kuriose an der Gothic-Szene ist, das sie schon oft für tot erklärt wurde und doch weiter im Untergrund schwelt. Als sich Mitte der 80er viele der alten Bands auflösten, oder Ende der 80er als die Wiedervereinigten Bands teilweise in den Pop wanderten und dann auch wieder untergingen. Oftmals kommen die Impulse aus dem kleinen Rest der Szene selbst. Ob nun die Batcaver das letzte Überbleibsel einer sterbenden schwarzen Szene sind lassen wir mal dahingestellt. Viel schlimmer ist es jedoch, das die breite Masse sich diesen Begriff geschnappt hat und ihn unter allem möglichem vermarktet, was Dir uns mir aufstößt.
@Karnstein: Ja soweit kann ich das nachvollziehen und zustimmen. Zwei Dinge finde jedoch Diskussionswürdig: Zum einen die Gothic-Novels und des Kunsthistorische, lyrische oder Inhaltliche Bezug zur Geschichte ist ein Phänomen das meiner Meinung nach erst später in die Szene getragen wurde, als sich das »Gothic-Ding« so etwa ab ’83 verselbstständigt hat und die Fans begannen sich mit den Bezügen die die Bands namen selbst auseinandersetzten und einer daraus entstehenden Leidenschaft verfielen.
Zum anderen: Mit Emilie Autumn kann ich leider auch nichts anfangen und finde nicht das die Dame etwas schwarzes an sich hat, die könnte sich wegen mir gleich neben David Garret auf die Bühne stellen. Die passt für mich nicht in mein schwarze Bild.
@Guldhan: Das ist aber regional sehr unterschiedlich, ich muss mich beispielsweise für eine traditionelle Abwechslung fast 1 Stunde ins Auto setzen (Zwischenfall-Bochum), aber rein gedanklich gebe ich Dir recht. Das Stichtwort DJ finde ich hier auch sehr interessant. Heute spielen doch viele immer den selben Kram und die gleich Mischung ohne neue Platten mit ins Programm zu nehmen und die Leute mit etwas neuem zu überraschen. Ich glaube das 50% der DJ’s in sogenannten »Szene-Schuppen« durch eine vollautomatische Playlist ersetzt werden könnten.
hat bereits 328 Kommentare abgegeben und schrieb am 27. Januar 2010 um 22:01:
Die Club– wie Konzertmentalität ist interessanter Weise ebenfalls regional abhängig. Und kann ganz grob sogar in Ost und West unterschieden werden. Diese Erfahrung machte ich bei meinen Wanderschaften und diese Erfahrung teilen mir öfters Kumpels mit, bzw. wurde von diversen Interpreten bestätigt.
Die Clubdichte hat hier gegenüber den 90ern nachgelassen, aber die Fahrt in die Stammlokale hält sich mit 40 Minuten Autobahn in Grenzen. Ansonsten teste ich mich wieder tiefer in die »Schwarzhochburg« Sachsen hinein. Neben NRW kann man sich dort noch am besten austoben.
Mich würde einmal interessieren, was Cybern den Anreiz gab, in dieser Szene rumzuspuken. Die Abwandlung der elektronischen Musik um 2000 hin zum technoziden? Oder wurde die Musik so, weil solche Gestalten neue und bessere Abnehmer waren. Ich weiß nur, dass ich diese Teletubbies vor 10–12 Jahren noch nicht rumleuchten sah.
Auch wenn mich gerade diese Stilvielfalt noch an der schwarzen Szene fasziniert, so muss man ja nicht alle Dödel einladen. Was kommt als nächstes? Der Bad-Groove-Goth, Funk Body Musik –schlimm genug, dass TBM schon zum geflügelten Wort wurde– oder Hip-Hop´ndustrial bzw. Hopstrial.
hat bereits 10 Kommentare abgegeben und schrieb am 1. Februar 2010 um 10:21:
Misch” ich mich mal dazwischen. Hm, ich werde in Clubs seltsamerweise immer dumm angeschaut, von allen, ob von Romantikern oder Knicklichtern. Ein weiterer Grund, mich von derartigen Events fernzuhalten. ;-)
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 1. Februar 2010 um 11:43:
@Guldhan: Hier fällt immer wieder das Stichwort »Loveparade«, denn als die 2004/05 ausgefallen ist gab es einen enormen Zuwachs von Cyber-Gothics. Das ist aber nur ein Eindruck, kein belegbarer Fakt. Dazu kommt, das über Zeitschriften, Festivals und Club massiv elektronische Einflüsse in die schwarze Kultur gestreut wurden (vielleicht als gedacht Erweiterung des Darkwave) um ein breiteres Publikum anzusprechen.
@ShainaMartel: Ans komisch angeguckt werden solltest du Dich aber mittlerweile gewöhnt haben :) Immerhin ist das doch ein gutes Zeichen für deine Individualisierung, oder?
hat bereits 10 Kommentare abgegeben und schrieb am 1. Februar 2010 um 11:52:
Es wundert mich eben einfach, dass ich mit durchschnittlichen Vertretern dieser Szene, ob schwarz oder bunt, nie wirklich zurechtkomme ;)
hat bereits 328 Kommentare abgegeben und schrieb am 1. Februar 2010 um 13:48:
Die Loveparade ist ein interessanter Aspekt. Für mich kam das alles nur recht plötzlich, was wohl auch damit zusammenhängt, dass ich ab 2000 für längere Zeit nicht mehr so aktiv im sog. Szeneleben stand.
Meine Theorie ist, dass »unser Jahrgang« in seiner Jugend noch anders geprägt wurde. Ich glaube dieses Argument klang hier schon an. Wenn ich mich mit anderen unterhielt, so wurde als musikalischer Einstieg verdächtig oft die Musik der 70er, 80er bzw. eben punklastiges angegeben. Oder Depeche Mode bzw. The Cure als reinste Klischeebilder der Einstiegsdroge. Die jüngere Generation, heutige 18-25jähige, wurden über MTV oder VIVA verstärkt durch die darin auftretende elektronische Musik (Techno, House, Rave, usw.) geprägt. Eine Sympathie, die dann natürlich auch mit in die Szene gebracht wurde.
Außerhalb irgendwelcher Antipathien wäre es jedenfalls interessant, dem großflächig nachzugehen. Gerade der Wandel innerhalb der Musik, da diese doch einen Stützpfeiler dieser Szene darstellt. Möglich, dass es auch eine allzu subjektive Erfahrung ist, aber die elektronische Musik in den 90er Jahren –abgesehen vom Syndipop– stellte bewusst einen Kontrast zu jener Klangart dar, der sie heute freudig angehört. Beste Beispiel und Liebling innerhalb der Cybergothics ist dabei »Soman« Oder man vergleicht einfach einmal Alben diverser Interpreten von 1995 und 2005.
hat bereits 16 Kommentare abgegeben und schrieb am 18. März 2010 um 17:54:
So. Jetzt mal ein Kommentar von so einem halben »Teletubbie«, wie ihr es nennt.
Ich find allgemein diese ganze Diskussion Gothic vs. Cyber recht interessant und würde diesbezüglich euch gern ein paar Fragen stellen bzw eventuell sogar Denkanstöße geben.
Erstmal jedoch zu meiner Persönlichkeit:
Unerwarteter Weise hab ich im letzten Jahr mich immer mehr mit Technoider Musik anfreundin können, obwohl meine Wurzeln -»schwarze Szenetechnisch« betrachtet — eher bei dem PseudoGoth-Kram alâ ASP lagen. Ich denke das ist eher Generationsbedingt, mit was für Musik man da als erstes in Kontakt kommt.
Nichtsdestotrotz hab ich dennoch die Ursprünge gesucht, gefunden und für mich entdeckt, so dass mir auch »richtige« Gothicklänge wohlwollend durch meine Ohren hallen.
Ich bin musikalisch ziemlich vielfältig und leb das auch beim weggehen aus. Allerdings würde ich niemals auf die Idee kommen, im Cyberoutfit zu „ner Batcave-Veranstaltung zu gehen, da ich es schlichtweg als unpassend erachte.
Für mich allein zu hause zurückgezogen prävestinier ich auch lieber ruhigere, leicht melancholische Klänge, Kunst und Literatur sind mir auch alles andere als Fremdworte. ;)
Nun, da das ganze kein Lebenslauf werden soll einfach mal die Frage an euch:
Ist es mir verboten, nur weil ich ab und an, in einigen Zeiten mehr, in anderen mal weniger, »raven« gehe trotzdem mit der schwarzen Szene und vorallem deren Ursprünge zu symphatisieren?
Ich kann durchaus Unmut nachvollziehen, wenn »Bunteleuchtviecher« schwarze Partys belagern, jedoch hab ich es nie so krass erlebt, wie oben geschildert. In meiner alten Heimat kammen alle mit einander aus (Okay, Cyber’s wurden zwar belächelt, aber nichtdestotrotz kam man gut aus und es konnten ohne Probleme alle mögliche Musikstile an einem Abend gespielt werden). Nach meinen Umzug in die Hauptstadt Deutschlands hab ich hier nur erlebt, dass die Partys tatsächlich getrennt sind.
Ansonsten noch was: Tatsächlich betrachten sich auch viele der vermeintlichen Cybergoth’s auch gar nicht als solche, sondern nur als Cyber. Und auf Technoevents sind sie teilweise auch anzutreffen, auch wenn einigen die Musik zu fröhlich ist.
Diejenigen, die sich tatsächlich den Stempel Cybergoth aufdrücken lassen, sind entweder vollidioten, für die ihr Techno auch »Industrial« ist oder halt eben Leute wie ich, die einen weiteren Horizont als nur das Technoide oder nur das schwarze haben.
Allerdings muss auch ich gestehen, dass ich mich Frage, wer zum Teufel auf die Idee kam diese »Bewegung« so zu taufen.
Die ursprüngliche Ravekultur hat im übrigen auch eine Schnittmenge mit der schwarzen Szene: Die Toleranz. Und da sind ähnliche Sorgen der Anhänger erkennbar: Störende vermeintliche Neuanhänger, die sich scheinbar nicht mit den »wahren Werten« identifizieren wollen.
Stichwort Kommerzialisierung: Diese findet meiner Ansicht nach eigentlich bei so ziemlich jeder etwas populärer gewordeneren Szene bzw. Subkultur statt.
Ich ab auch schon Cyber’s gegen eben jene Wettern sehen/hören.
ICh bin mir sicher, dass ich irgendwas vergessen hab, aber vielleicht fällts mir wieder ein.
Soweit erstmal mit besten Grüßen,
Das Risen
hat bereits 162 Kommentare abgegeben und schrieb am 18. März 2010 um 20:31:
Als erster mal direkt eine knappe direkte Antwort:
Nein, natürlich ist es dir NICHT untersagt mit traditionelleren Manifestierungen der schwarzen Szene zu sympatisieren. Das ist selbstverständlich niemandem untersagt — wenn sich jemand dafür interessiert und es ihm gefällt, dann ist das schön und gut, egal ob es ein Techno-Jünger, ein Hip-Hoppser oder ein Volksmusik-Fan.
Nur darf man dann nicht behaupten, dass A etwas mit B zu tun hätte, nur weil man beides mag.
Ich kenne und mag Cyber, das hat nichts mit den Menschen an sich zu tun, auch wenn ich mit dem ganzen Stil subjektiv so meine Probleme habe. Und Gothic-Stimmungen und –Motive kann es auch in aggressiver elektronischer Musik geben (siehe Das Ich oder Stillste Stund), aber szenemäßig betrachtet kann man faktisch einfach sagen: Cyber ist nicht Gothic. Das ist einfach so.
Den Begriff »Cyber-Goth« finde ich also einfach nicht sinnvoll.
Auf schwarzen Partys haben sie ebenso wenig oder viel zu tun, wie die oben erwähnten fiktiven Hip-Hopper oder Volksmusik-Fans — ich sage nicht, dass man sie rausschmeißen sollte oder sonstwas. Aber sie sind einfach nicht die schwarze Szene, und die von ihnen konsumierte Musik ist zu 90% nicht gothic.
Dein Standpunkt ist also im Prinzip genau meiner — und sehr erfrischend so etwas von einem Cyber zu lesen (nicht von einem Cyber-Goth ^^). Techno ist nicht Industrial — auch sehr wahr und die zweite falsch angewendete Nomenklatur in diesem Kontext, die mir so oft auf den Geist geht.
Wenn mehr Cyber so wären wie du, hätte ich jedenfalls weniger Grund, mich zu ärgern :)
hat bereits 16 Kommentare abgegeben und schrieb am 18. März 2010 um 21:35:
Nur um das richtig zu stellen: Ich ordne mich auch keines Wegs bei den Cybers ein, deswegen hab ich ja oben bewusst das präfix »halb« vor dem Teletubbie verwendet. ;D
Sagen wir, ich hab mit ihnen eine gemeinsame Schnittmenge, ebenso wie mit der Wave– oder halt eben auch Ravekultur. (Wow, das zweitemal innerhalb 2 Posts das ich das Wort Schnittmenge benutze.)
Und ohya, du glaubst gar nicht wie sehr ich mich immer wieder dadrüber aufregen, was neuerdings so alles »Industrial« sei.
Ich hab auch nie den Anspruch erhoben, das musikalisch »Cybergeballer« Gothic sei — das ist es nämlich genausowenig, wie es Industrial ist.
Die von dir genannten Bands kenn ich auch, aber wie du schon schriebtest, letztendlich sind es nur noch die Motive, die auf die Musik umgeschrieben wurden.
Anfänglich hatten die Bands der Cyberszene auch tatsächlich noch ähnliche Motive wie die des Post-Industrial, vielleicht stammt daher dieser doch sehr seltsame Trugschluss von vielen.
Die schwarze Szene hat sich teilweise ja von sich aus zu düsteren Technoiden Klängen entwickelt, was wiederum dazu führt, dass halt eigentliche »DunkelRave-Gestalten« wie Cyber an entsprechenden Partys wohlfühlen. Das dann die Musik der Clubs sowie die produzierte Musik aus vermutlich kapitalistischen Gründen dann auch noch auf »uns Glühwürmchen« (ich schließ mich ja nicht vollkommen aus) umgemünzt ist, führt ganz klar zu einer Abwärtsspirale des Niveaus.
Insofern kann ich voll und ganz den Unmut verstehen.
Deswegen trag ich »buntere« Klamotten nur zu entsprechenden Partys auf, wo dies angebracht ist.
Die restliche Zeit lauf ich im freundlichen schwarz rum, insofern ist Cyber auch für mich nichts weiter als eine Partyzene — schwarz angehaucht im Denken hingegen ist da was anderes. (Wie gesagt, »Schnittmengen«).
Und jetzt mal Hand aufs Herz: Idioten gibts überall. Vielleicht bei Knicklichtnutzern mehr als woanders, denn wenn man eh schon nur eine reine Partykultur darstellt, werden ja nirgendswo Niveautechnische Grenzen gesetzt (was sich wieder zur Musik reflektieren lässt).
Aber genauso musst ich mir auch schon auf Wave-Veranstaltungen anhören, »dass ich Kind doch ins Bett gehen solle, da is in meinem Alter ja unmöglich wär, dass ich tatsächlich die Musik mitfühlen könne« (ich war zu dem Zeitpunkt 18).
Was ich halt letztendlich möchte, ist –obwohl ich durchaus die Argumente schwärzerer Leute verstehe-, dass auch gesehen wird das das Cyberdasein bei vielen nur ein kleiner Teil der Persönlichkeit ist und einige ihre Wurzeln in der Zeit und Szene haben, wo Gothic schonmal für Tod erklärt wurde. ;)
Es ist halt ne seltsame Crossover-Bewegung, bei der aber von den wenigstens tatsächlich beasichtigt wird, die Gruftieszene zu verdrängen. Die meisten sehen halt so aber bloß nicht, das sie mit ihrem Technoblingbling mitunter auch z.b. eine schwarzromantische Stimmung richtig versauen können.
Und nun, die die das so sehen fallen nicht auf, da sie so wie ich entweder auf »Szeneeigenen-« oder Raveevents zu finden sind, oder halt in passender Kleidung Gothicevents besuchen– wenn ihnen die Musik gefällt.
So, genug Romane geschrieben für heute.
hat bereits 328 Kommentare abgegeben und schrieb am 18. März 2010 um 22:32:
Zu »TheRisen«
[…]Allerdings würde ich niemals auf die Idee kommen, im Cyberoutfit zu ‘ner Batcave-Veranstaltung zu gehen, da ich es schlichtweg als unpassend erachte. […]
Im Prinzip hast du Recht, das geht auch nicht gegen dich, sondern an die Allgemeinheit dieses Denkens. Denn ich kontere plump mit der Frage: Warum nicht?
Wenn ich diesen Stil lebe, mich mit diesem identifiziere, spricht nichts dagegen. Es sei denn, ich lebe es mit dem Karnevalsgedanken. Sehe den Stil als Verkleidung, als Maskerade und wechsle ihn wie Unterwäsche. Ich passe mich keiner Richtung an, bleibe wie ich bin, egal in welchem Umfeld ich mich bewege. Weil ich mir sonst allzu verkleidet vorkommen würde und sofortiges Unwohlsein aufkäme. Somit ist es mir egal, ob die restlichen Anwesenden in mir ein abendfüllendes Gesprächsthema fanden, weil meine Erscheinung so gar nicht zur Norm des gewählten Abends passte. Außerhalb der Arbeitszeit sehe ich keinen Grund seinen Stil zu verleugnen. Vorausgesetzt man fand ihn.
Das ist einer meiner großen Kritikpunkte des Cybertums. Deren Erscheinung ist so exzentrisch, so exzessiv, dass man sich wirklich nur noch zu gebenden Anlässen maskiert. Beste Beispiel sind diese albernen Haarteile…diese Pseudodreads. Als ich Bock auf Dreads hatte, lies ich die Haare wachsen und bearbeitete die Strähnen dann mit einem Eisenkamm. Dauert zwar länger, aber ist wenigstens nicht so gestellt. Am Ende kommt man noch auf den Gedanken von Maskenbildnern die Glatzenimitate zu klauen, weil man an dem Abend mal Lust auf Kahlschlag hat, sich aber nicht traut.
[…]In meiner alten Heimat kammen alle mit einander aus […]
Natürlich kommt man miteinander aus. Mehr oder weniger. Und für Schlägereien ist die Szene im Großen und Ganzen zu friedfertig. Aber sie können einen indirekt die Stimmung verderben. Und das nicht nur des Aussehens wegen, sondern weil diese einen allgemeinen Musikwunsch hegen, der allzu sinnentladen und nervig daher kommt. Man erfragt beispielsweise beim DJ alte :w:-Klassiker. Kurz darauf stürmen drei Cyber auf ihn zu und was wird gespielt, technozider Mumpitz von Ratzingers späterer Schaffensperiode. Das drückt mir echt auf die Stimmung. Denn würde ich diese Musik mögen, so wäre ich Raver geworden und/oder würde bei der Loveparade wie ein Primat von der Straßenlaterne schaukeln.
[…]Ansonsten noch was: Tatsächlich betrachten sich auch viele der vermeintlichen Cybergoth’s auch gar nicht als solche, sondern nur als Cyber. […]
Ein Aspekt, den ich schon von vielen Cybern hörte. Und um so mehr frage ich mich: Was wollen die dann hier? Wollen die wirklich nur ihre Technofreunde mit diesen dumpferen Klängen beeindrucken? Damit angeben wie „evil“ sie sind?
[…]Die ursprüngliche Ravekultur hat im übrigen auch eine Schnittmenge mit der schwarzen Szene […] Störende vermeintliche Neuanhänger, die sich scheinbar nicht mit den “wahren Werten” identifizieren wollen.[…]
Dieses wird man in jeder Subkultur antreffen, die alt genug ist, um schon eine dritte Generation hervorgebracht zu haben. Werte die sich die Begründer zu eigenen machten gehen über die Jahre verloren oder verschwinden einfach im demografischen Wandel dieser Szene. Denn gegenüber der Bevölkerung funktioniert diese noch als Pyramide.
[…]Die meisten sehen halt so aber bloß nicht, das sie mit ihrem Technoblingbling mitunter auch z.b. eine schwarzromantische Stimmung richtig versauen können. […]
Das ist nicht der Punkt. Zumindest für mich. Schwarzromantische Stimmungen können so oder so durch viele andere Szenewesen zerstört werden. Sei es durch Ausgelassenheit, Humor oder Aggression innerhalb von Musik bzw. Text. Der Punkt weshalb ich Techno(zides) so mag, ist einfach die Dekadenz der Musik ansich. Diese plump monotone Klangsteppe. Keine Höhen, keine Tiefen, keine Ecken, keine Kanten. Der Titel beginnt, plätschert über Minuten hin, obwohl man nach den ersten 10 Sekunden schon weiß, was die ganzen Bestandteile sein werden. Es ist ein einfacher Rhythmus. Im Prinzip nur Rhythmus, bei dem man weder das Gefühl hat, dass Liebe zur Komposition in diese Musik gelegt wurde, noch das der Interpret bis zu letzt und bis zum leisesten Hintergrundgeräusch getüftelt hatte. Ehrlich gesagt klingen mache Titel so, wie ich es nach einem viertel Jahr Übung auch hinbekommen könnte. Keine monotone Aggression oder Atmosphäre, sondern einfach nur hohler Lärm, wenn überhaupt. Das ist der Punkt. Die edle Essenz der Musik, wie sie beispielsweise stellenweise in der Musik vom angesprochenen »Das Ich« zu finden ist, geht allmählich gänzlich verloren. Und der Pöpel freut sich dabei. Er applaudiert und schaut einen bei der Begeisterung für alte Klassiker von Anno 1993 ebenso ungläubig wie mitleidig an, als wäre man der Opa, der vom Krieg erzählt.
Zu »von Karnstein«
[…]Und Gothic-Stimmungen und –Motive kann es auch in aggressiver elektronischer Musik geben (siehe Das Ich oder Stillste Stund)[…]
»Das Ich« ist aggressiv? Ich würde sagen „tanzbar“ und energisch, aber aggressive elektronische Musik fängt für mich beispielsweise erst hier an. Aber das ist wohl auch eine Frage der Toleranzgrenze.
[…]Aber sie sind einfach nicht die schwarze Szene, und die von ihnen konsumierte Musik ist zu 90% nicht gothic.[…]
Welche Musik ist den »gothic« Wenn ich den Goth-Musik-Anteil meiner CD-Sammlung so betrachte, dann könnten dahingehend höchsten die alten Goethes Erben-Platten und Janus hineinfallen. Der Rest tummelt sich in Kategieren wie DarkWave, EBM, Crossover, Industrial, Neofolk, Military Pop, DarkAmbient und weiß der Geier. Aber alles davon ist ebenfalls nicht gothic. Vielleicht ist das auch meinerseits ein Missverständnis bzgl. der Begriffsdefinitiv, aber Gothics sind nur ein Teil des schwarzen Gewusels, wenn auch vielleicht der ursprüngliche, aber heutzutage nicht mehr alleiniges Sinnbild und Maß der Szene. Somit ordne ich nicht nach Stil sondern nach Mentalität. Und nach meiner Erfahrung passt der Durchschnittscyber von der Mentalität her in diese Szene, wie der Islam nach Europa. Oder wie das Christentum ins Morgenland, wem dieses Gleichnis politisch korrekter erscheint.
hat bereits 162 Kommentare abgegeben und schrieb am 19. März 2010 um 12:45:
Zum Thema Verkleiden denke ich an sich ebenso wie Guldhan:
Im Prinzip fände ich es ehrlicher, wenn Cyber auch auf Batcave-Veranstaltungen ihre Cyberklamotten tragen würden. Ich für meinen Teil kleide mich beispielsweise größtenteils eher romantisch-historisierend, also im Alltag wie auch auf Partys, und da unterscheide ich bei letzteren jetzt nun wirklich nicht, ob ich auf eine allgemein-modern-schwarze Party gehe oder auf eine punkige Oldschool-Party.
Das Argument zieht aber nur dann so richtig, wenn man hinter Cyber etwas Tiefergründigeres sehen würde und es nicht als Party-Gag ansieht. Die Cyber die ich kenne laufen so ausschließlich auf Partys herum. Keiner von ihnen spiegelt das irgendwie in seiner Alltagskleidung wieder.
Zum Thema Auskommen, Stimmung versauen, etc.:
Da kann ich mich an eine Begebenheit erinnern, als ich in einem dieser typischen Läden war, die sich für schwarz halten, aber ein viel zu hohes Maß an Techno spielen und die Knicklicht-Fraktion in der Überzahl ist.
Die Unterschiede und Aversionen sind da nur zu deutlich zu spüren, aber als auf einmal einige besoffene Prolos aufgetaucht sind (Format »Kirmesbursche und Böhse-Onkelz-Fan«), die gröhlend auf der Tanzfläche angefangen haben ihre nackten Ärsche zu entblößen — da waren Cyber und Gruftis plötzlich vereint auf einer Seite. Das fand keiner lustig, ging jedem zu weit, und jeder wollte sie raus haben.
Da habe ich gemerkt, dass es wohl zumindest tendenziell vielleicht noch sowas wie eine Schnittmenge gibt, einfach insofern, dass sowohl Cyber als auch Gothic ziemlich ästhetisch geprägte Szenen sind (wie auch immer das subjektiv aussehen mag).
@Guldhan:
Wo Aggressivität anfängt ist sicherlich Interpretations– und Geschmackssache. Ich empfinde innerhalb der elektronischen schwarzen Musik um 1990 herum »Das Ich« z.B. weit aggressiver als »Psyche«. Aber ich finde, da muss man nun wirklich nicht ans Haare-spalten gehen ^^
Zum Begriff »Gothic« pflege ich den Standpunkt, dass man ihn sehr klar umreißen und definieren kann, wenn man sich traditionellere Manifestationen des Gothic anschaut — die Literatur der Romantik (mit der dieser Begriff anfing in dieser Form benutzt zu werden) gab Themen, Klischees und Stimmungen vor, die in den folgenden Jahrhunderten immer wieder aufgegriffen, weiter verfeinert, ausgebaut und auf andere Kunstgebiete übertragen wurden — Malerei, Film, Musical, Musik. Die frühe Szene hat diese Stilmittel oft sehr konkret benutzt (ob bewusst oder nicht ist eine andere Frage) und daher in meinen Augen mit »Gothic« das absolut richtige Etikett erhalten.
Dieses Etikett ist aber eben nicht der Musik der frühen schwarzen Szene vorbehalten. Auch Musik, die damit garnichts zu tun hat, kann im traditionellen Sinne absolut gothic sein, wenn z.B. Motive oder auch nur Stimmungen von Verzweiflung und Trauer, Morbidität und seelischen Abgründen aufgegriffen werden.
So schreibt ASP moderne Rockmusik mit Geschichten, die auch schon vor 150 Jahren als Gothic Novel durchgegangen wären. Stillste Stund mit ihren düster-theatralischen Themen schlagen da in einer sehr ähnliche Richtung und mir würde auch Bands einfallen, die nun wirklich überhaupt GARnichts mit der schwarzen Szene zu tun haben, die sich teils bei der Gothic-Tradition bedient haben (Metallicas »Enter Sandman« etwa).
Im Gegenschluss hat natürlich heute nicht mehr alles in der schwarzen Szene etwas unmittelbar mit Gothic zu tun (und das finde ich auch garnicht so schlimm). Aber ein Grundmaß an Düsternis zumindest sollte schon gegeben sein, ebenso wie ein wenig Tiefe. Und das ist bei den meisten von dir genannten Stilrichtungen ja schon in irgendeinem Maß gegeben.
Außerdem will ich mich nun wirklich nicht zu Dr. Goth aufspielen, der definiert was darf, und was nicht. Ich sage nur, dass die Definition recht konkret und recht objektiv möglich ist, und Dinge wie z.B. »Agonoize« durch jedes wie auch immer geartetes Raster fallen.
hat bereits 16 Kommentare abgegeben und schrieb am 19. März 2010 um 15:21:
So, da ich eigentlich am putzen bin nur ein kurzes Kommentar meinerseits:
Eben da das Cybertum jeglicher Tiefgründigkeit und Ideologie entbehrt, denke ich das der Karnevals vergleich sehr passend ist.
Letztlich ist es nämlich nichts anderes: Verkleiden und Party machen, wenn auch auf andere Weise.
Und eben wegen fehlender Ideologie kann ich mich auch definitiv nicht im Alltag damit identifizieren — warum auch?
Es gibt zwar gewisse Thematiken wie z.B. Endzeitszenarien die in der Szene anklang finden, aber dies ist nichts, was man wirklich in die Alltäglichkeit tragen kann.
Aber ich kenn es durchaus auch von anderen schwarzen Strömungen aus, dass da durchaus Menschen dabei sind, die sich nur auf Partys, Events und Konzerten entsprechend kleiden und am Tag bunt ist — man nehme hier als sehr offensichtliches Beispiel mal die Mittelalterszene.
Alltäglich betrachtet ordnet man mich wohl auch grob in die schwarze Szene ein aufgrund meines Aussehens, was mir eigentlich noch mit am Liebsten ist.
Vielleicht eben weil viele, vor allem der anfänglichen Cyber, irgendwo Wurzeln in eben jener Szene hatten kam es vielleicht zu diesem — wie schon mehrmals festgestellt — unpassenden Begriff »Cybergoth« — durch die steigende Popularität findet das ganze natürlich auch Anklang bei Personen aus Techno– und Ravebereichen, Kulturen, denen es eh hauptsächlich um die Party geht. Raver laufen ja auch nicht tagsüber in Neonfarben rum.
Letztendlich stellt sich mir sowiso noch die Frage, warum es nötig sei, sich entsprechend seiner Ansichten 24/7 zu kleiden.
Von meiner Seite aus, obwohl auch dies nur eine persönliche Meinung ist, müsste ich mir eher unehrlicher vorkommen, wenn ich als »Halb-Cyber« rumrenne und nicht umgekehrt.
Ansonsten nochmal ein Spruch, der sehr gut auch meine Meinung zu dem Thema widerspiegelt: »Neon ist nicht das neue Schwarz«.
Ich Persönlich komm aber dennoch damit aus, zu gegebenen Anlässen »neon« zu tragen, ebenso wie ich zu gegebenen Anlässen — sehr gern sogar — Anzüge trage.
Edit: Als elektronisch und aggresiver empfind ich z.B. auch schon Lass Mich von Deine Lakeien. Wie gesagt, ich denke, dass dies auch eher Subjektiv ist.
hat bereits 328 Kommentare abgegeben und schrieb am 20. März 2010 um 15:54:
Zu »von Karnstein«
Wenn man mit »gothic« eine gewisse Grundstimmung und Grundmentalität benennt, so kann ich das nachvollziehen und stimme dem zu, dass diese Grundsubstanz den Unterschied zur Cyberkultur darstellt. Natürlich möchte ich in einem Club auch nicht die ganze Zeit betroffen nachsinnen und rezensierend über tiefsinnige Musik grübeln, sondern auch einmal bei dumpf-brachialen Klängen den Teletubbies zeigen, dass manche gerne mehr machen möchten, als nur mit den Ärmchen zu fuchteln. Aber ein gewisser Anspruch sollten schon gepflegt werden, da hast du völlig Recht. Und dieser ist bei wumpscuts »Soylent green« beispielsweise mehr vorhanden, als bei Agonoizes »Schaufenstzerpuppenarsch« oder bei Somans Einheitspiepsbrei. Und selbst Kategorien, welche sich auch nur so halb der Szene zuordnen lassen wollen /oder gelassen werden wollen, wie beispielsweise der Neofolk oder ganze Militarypop-Sektor, besitzen eine Mentalität die der Gesamtstimmung gleichkommt.
Zu »The Risen«
[…]Und eben wegen fehlender Ideologie kann ich mich auch definitiv nicht im Alltag damit identifizieren – warum auch? […]
Kommt man sich dabei nicht leer vor? Ich kann es zumindest nicht nachvollziehen, wie man etwas so aussagekräftiges wie das äußere Erscheinungsbild, ganz sinnfrei zur Schau stellen kann. Wenn sich doch die Cyberkultur anderseits so ernst nehmen will und mir bei youtube mittels »Cyber/Industrialdance-Videos« so heitere Minuten beschert.
[…]Letztendlich stellt sich mir sowiso noch die Frage, warum es nötig sei, sich entsprechend seiner Ansichten 24/7 zu kleiden.[…]
Es ist nicht nötig, seine Art des Kleidens in »ständiger Bereitschaft« zu halten. Wer das so sieht oder es als solches auffasst, sollte die »Bereitschaftsklamotten« schnell wieder bei ebay reinstellen. Denn dieser landet wieder beim Karnevalsgedanken.
Ich kann über zwei Denkmuster innerhalb der Szene nur den Kopf schütteln: Wochenendgrufts und Uniformitätsverfechter. Beide missachten für mich den eigentlichen Grundgedanken auf recht unverschämte Weise. Wochenendegrufts in ihren xtra-Klamotten, bei denen im Rücken noch halb das Preisschild steckt und bei denen man sich wundert, warum die Ledertreter selbst nach drei Jahren noch wie eben gekauft aussehen. Die ungeschminkte Wahrheit eröffnet sich einem dann unter der Woche, wenn man diese beim Feierabendeinkauf in Bluejeans mit weißen Sneakers und rosa Hemdchen lustwandeln sieht.
Und Uniformitätsverfechter, die mir erzählen wollen, dass ich mindestens das standardisierte Schwarzshirt, die Schwarzhose, die Schwarzfrisur und die Schwarzstiefel brauche, um im Club nicht Spießruten zu laufen. Und die mich mit großen Augen ansehen, weil ich in weißer Kleidung keinen farballergischen Ausschlag bekomme.
Keine® soll sich verkleiden. Ich frage mich eh, wer diesen Wahngedanken jemals säte. Wenn mir im Club einer in Jeansweste und mit Turnschuhen zu Dive rumwütet, weil er es toll findet und mit dem Denken im Kopf hineinpasst, dann gesell ich mich zu ihm. Warum sollte er sich für den Abend extra umziehen, wenn es nicht seiner Mentalität entspricht. Ebenso, wie ich es nicht verstehe, warum sich manche nur auf Kurzzeitgothic trimmen, aber im Kopf nur Blümchen haben und sich nicht trauen, außerhalb der Clubmauern etwas davon preiszugeben.
Der persönliche Stil ist bei mir nur selten eine bewusste Suche. So nehme ich die Art der Kleidung gar nicht mehr als alternativ wahr. Es erinnern mich nur ab und zu allzu skeptische Blicke daran, dass ich doch nicht der Norm entspreche und nur eine unachtsame Armbewegung ausreicht, um als Vertreter einer schmalgeistigen politischen Richtung zu gelten. In den Jahren, die ich in dieser Szene rumspringe und sie mal mehr und weniger mochte, durchlief meine Erscheinung einen Wandel, der für mich durch die Anzahl an Jahren und durch sein Schleichen mehr zur Normalität wurde. Der Kleiderschrank gibt, bis auf besagte Anzüge, nichts anderes mehr her, als (para oder pseudo)militärische Klamotten. Meine Kleidung ist keine Provokation, wie manche es denken werden, sie ist keine Anspielung und kein sonstiges bewusst eingesetztes Stilmittel zum Kundtun irgendwelcher Lebensansichten. Sondern sie der Stempel der einen Lebensansicht, den ich meinem Umfeld aufdrücken muss, weil ich mich sonst hinter einer Scheinfassade verstecken würde. Mein Auftreten ist der poetisch verklärte »Spiegel der Seele« Somit ist es für mich trivial wie unbewusst und ich müsste es um weitere, aber dann schon heikle, Elemente ergänzen, wenn ich für mich noch provozieren wollte. Es herrscht also kein Bereitschaftsgedanke. Es herrscht nur das zufriedene Gefühl, dass dieser Stil, der sich über etliche Jahre entwickelte, das ist, was mich ausmacht. Und dieses wird jedem so gehen, der aus einer gewissen Lebenseinstellung heraus auf diese Szene aufmerksam wurde. Und nicht meinte, dass ihn die Szene formte.
[…]Aber ich kenn es durchaus auch von anderen schwarzen Strömungen aus, dass da durchaus Menschen dabei sind, die sich nur auf Partys, Events und Konzerten entsprechend kleiden und am Tag bunt ist – man nehme hier als sehr offensichtliches Beispiel mal die Mittelalterszene. […]
Es gibt auch genug in der Gothic-Garde welche sich für gewisse Veranstaltungen noch einmal mehr aufbrezeln. Und auch richtig gewandete Mittelalterliebhaben können nicht unbedingt immer im vollen Harnisch oder Lehnsherrgewand in der Tram hocken. Das ist natürlich richtig. Denn nicht nur Cyber pflegen ein alltagsuntaugliches Extrem ihrer Erscheinung. Auch manche Industrialjünger sollten ihre Uniform außerhalb der befriedeten Clubgelände lieber im Schrank lassen.
Aber beispielsweise Mittelaltermarktsgängern sieht man es an, ob sie sich auch privat in der schwarzen Szene bewegen oder nicht. Das eine muss ja nicht das andere bedingen. Und es mag jetzt vielleicht eine radikale These sein, aber man sieht es den Leuten an, ob sie hier sind, weil sie für ihr Denken einen gleichgeschalteten Pool vorfanden oder weil sie einfach nur die Oberflächlichkeit geil finden. Sei es die der Mode, Musik, der Fleischbeschau oder des Schminkens. Denn mehr als alle Äußerlichkeiten verraten Worte und Blicke ob jemand »gothic« ist oder nicht. Und die, die es sind, werden sich selbst in 30 Jahren noch über irgendwelche neuen Strömungen ereifern, während der Rest einfach stilmäßig weiterzog, weil es ihm keinen Spaß mehr machte oder sie werden sich wieder gesellschaftstauglich Normalisierte und als Biedermänner ihre Jugendsünde belächeln.
hat bereits 162 Kommentare abgegeben und schrieb am 20. März 2010 um 19:00:
Kann dem Ganzen nur zustimmen. Zur Abwechslung mal sogar ohne Einschränkung :)
hat bereits 242 Kommentare abgegeben und schrieb am 20. März 2010 um 21:42:
Nein, zu Guldhans Kommentar kann man echt nicht viel hinzufügen.
Was diese Aussage angeht:
[…] … oder sie werden sich wieder gesellschaftstauglich Normalisierte und als Biedermänner ihre Jugendsünde belächeln. […]
so ist das eine Meinung die ich nicht nur Teile sondern auch schon selbst beobachtet habe.
Allerdings muss ich dazu setzen daß Wochenendgruftie auch nicht gleich Wochenendgruftie ist. Mir hat es da sonst auch immer die Zehennägel hochgerollt bis ich vor 3 Jahren am WGT mal ein Mädel kennengelernt habe die das schwarz zwar nicht konsequent durchzieht, aber es als eine Facette ihrer Persönlichkeit ansieht die eben auch ihren Anteil an Aufmerksamkeit möchte, bisweilen. Sie kam mit der Einstellung auch recht authentisch rüber, aber sie kannte sich dennoch mit der Musik und allem gut aus und sah das nicht als reine Partymache an.
Vielleicht kann man so jemanden auch nicht als klassischen Wochenendgruftie bezeichnen, ich finde die Einstellung aber auch ganz OK so. Was die Klamotten angeht so ist die Dame selbst mit Nadel und Faden am Werk und hat sich doch auch einiges an Gedanken dazu gemacht.
Noch zu ergänzen sei die Sichtweise von wem der beim Auftakeln für Abends gerne arg viel Aufwand betreibt, und damit nicht grade alltagstaugliche Klamotten mag.
Nicht zur Rechtfertigung, allein zur Ergänzung der ganzen Überlegungen.
Einerseits bedauere ich schon daß die moderne Kleidung so wenig schönes, edles und aufwendiges mehr an sich hat. Durch die Massenproduktion hat heutzutage Kleidung auch nicht mehr den Stellenwert wie zu Zeiten wo alles von Hand genäht wurde und an Zierkram oft unglaublicher Aufwand betrieben wurde. Ein Aufwand der sich heute in der Massenproduktion trotzdem nicht lohnen würde, auch wenn man maschinell schneller ein ganzes Kleid besticken kann als früher wo unzählige Stickerinnen über so einem Teil saßen.
Da war Kleidung noch Wertanlage, wurde weitervererbt und oft aufgetragen und an die neuen Modestile angepasst bis wirklich nichts mehr ging.
Heute geht man in den Laden, holt sich das neueste modische Teil, das im Jahr drauf wieder »out« ist, die alten Sachen kommen weg. OK das ist etwas verallgemeinernd ausgedrückt, zugegeben, allerdings empfinde ich die moderne Modewelt nunmal so, und auch eine so groß angewachsene Szene wie die »Schwarze« ist von Modeströmungen natürlich inzwischen auch geprägt. Hat für mich auch nichts mit der Einstellung zu tun, und da ist der Punkt wo ich eben zu meiner Nähmaschine greife und mach was ich machen kann. Mir sind so meine selbstgemachten Sachen auch bei weitem mehr Wert als Sachen aus dem Laden.
Kleiner Abschweif — zurück zu den Alltagsuntauglichen Klamotten — ich hätte sicher kein Problem alltags in Reifröcken rumzurennen. Nur im modernen Alltag sind die Dinger bei aller Liebe einfach zu unpraktisch. Und jeden Tag 2 Stunden Zeit nehmen um sich sorgfältig einzukalken (aka weiß schminken :D) — naja, das würd auch keiner lang durchziehen.
Ich leg aber Wert darauf daß auch meine Abendgarderobe eben keine Kostümierung ist. Ich bin da auch recht konsequent und zu 85% in Reifrock und gekalkt auf Veranstaltungen unterwegs. Auch wenns nur die Düsterdisse nebenan ist für die sich keiner groß den Aufwand machen mag — aber ich mag. Weil ich mich wohl dadrin fühle, Aufmerksamkeit ist eher unwichtig, ich würds auch tun wenn es keinen Deut auffällig wäre. Ich nutze nur jede Gelegenheit mich so aufzutakeln aus die ich kriegen kann.
Beispielsweise wenn ich ne miese Woche hatte dann gibts nichts erholsameres als am Freitag abend sich nach allen Regeln der Kunst aufzubretzeln, und da es für die eigenen vier Wände auch schad wäre dann geht man passenderweise gleich so raus.
Bei meinen Alltagsklamotten lasse ich auch die Begeisterung für historische Mode gern einfließen, und/oder versuche das ganze in meinem Sinne androgyn zu halten, da ich die Sachen auch selber nähe kann ich tun und lassen was ich will. Momentan und in Absehbarer Zeit werde ich auch von Berufswegen nicht zu Kompromissen gezwungen sein, bzw gehe ich davon aus daß ein etwas ungewöhnlicheres Aussehen sogar gut ankommt *g*
Was ich umgehkehrt nur auch immer schade finde ist, wenn man als Vertreter des sehr aufwendigen Neoromantik-Stils auch pauschal in die Poser-Ecke gesteckt wird. Natürlich gibt es die durchaus auch, aber ohne sich mal mit den Individuen unterhalten zu haben ist es schwer zu sagen was die persönlichen Hintergründe sind — echte Aufmerksamsgeilheit oder die Freude dran sich ungehemmt auszuleben. Immerhin leben wir in einer Zeit wo man doch recht frei ist sich so auszuleben — klar, berufliche Kompromisse mal abgesehen.
Als fazit: was zählt ist Authentizität und Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Trag ich am WGT mal ein Rokokokleidchen weils irgendwie chic ist und ich das auch mal testen mag, sonst aber nen völlig anderen schwarzen Stil habe, dann ist das geauso Verkleidung wie der Wochenendgrufti der untertags dann in 08/15 Kluft rumspringt. Und sowas merkt man. Ausprobieren ist ja auch ne gute Sache, ich bin auch nicht im Reifrock und weißem make-Up in die Szene gestolpert, das sind Sachen die sich halt auch entwickeln und wo auch Austesten dazu gehört. Schätze aber mit einer gewissen Reife kommt man bei sich an, und das drückt sich auch in der Optik aus. Jeder nach seinem persönlichen Ding. Und Reife hat mit dem Alter auch nicht unbedingt was zu tun, sondern wohl eher damit wie man mit sich zufrieden ist und sich soweit gefunden hat daß man in sich stabil ist.
So. Ich hoff ich hab nicht zu viel geblubbert *g* so drei Stunden Schlaf nach nem netten Tanzabend und heut ausnahmsweise mal früh raus müssen, schlaucht … das Glas Rotwein macht auch nicht grade fitter, ich geh ins Bett :D
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 20. März 2010 um 22:41:
Ich verneige mein Haupt. Erstmal vielen Dank für die großartigen Kommentare, die ich selten in einer solchen Qualität erlebt habe. Meine Eindrücke kann ich am besten wie folgt beschreiben: Nach dem lesen aller Kommentare (insbesondere der letzten von Guldhan, The Risen, von Karnstein und Rosa Chalybeia) saß ich vor diesem Eingabefeld, schaute den blinkenden Cursor an und wusste nicht, was dem noch hinzuzufügen wäre. Nach bangen Minuten kam ich zu folgendem Ergebnis: Nichts.
Viele eurer Worte werfen aber ein neues interessantes Licht auf das, was wir die schwarze Szene nennen und regen mich an, das in anderer Form zu verarbeiten, ich werde mir aber erlauben den ein oder anderen Kommentar zu zitieren, das habt ihr nun davon.
hat bereits 328 Kommentare abgegeben und schrieb am 21. März 2010 um 00:52:
[…]ich werde mir aber erlauben den ein oder anderen Kommentar zu zitieren, das habt ihr nun davon.[…]
Für den Fall, dass es mich erwischt, sollte noch einmal auf die Rechtschreibung geachtet werden. Denn wie ich beim Überfliegen der Kommentare merkte, stand bei mir die Übermüdung –trotz Rechtschreibkontrolle– einer ordnungsgemäßen Orthografie im Wege…
hat bereits 1 Kommentar abgegeben und schrieb am 11. April 2010 um 11:11:
Auch bei dieser Diskussion kam die Frage auf, was denn die Cyber eigentlich im »Gruftclub« zu suchen hätten. Eigentlich ist die Antwort recht einfach: Die Cyberszene in Deutschland ist innerhalb der Schwarzen Szene entstanden.
Egal ob »Cyber« an sich stilistisch gesehen mit Gothic etwas zu tun hat oder nicht(was übrigens auch eines der Themen ist, die in der Cyberszene immer wieder kontrovers diskutiert wird), sind alle Leute, die zur ersten »Cybergeneration« in Deutschland gehören, schon vorher in die Gruftclubs gegangen und haben »schwarze« Musik gehört, was eigentlich alle auch heute noch machen. Hier haben sie Bekanntschaft mit Projekten wie »Hocico« und Ähnlichem gemacht und haben ihre Vorliebe für elektronische Tanzmusik entdeckt.
Die schwarzen Clubs sind die Geburtsstätte der Cyberbewegung in Deutschland.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 11. April 2010 um 15:13:
@Guldhan: Selbstverständlich, auch wenn ich mich nicht als Lektor vor dem Herren betrachtet, denn trotz einer Affinität zu eigenen Sprache spielt mir die Grammatik und Rechtschreibung auch immer wieder Streiche.
@Baumgarten: Völlig richtig Baumgarten, die Diskussion entbrennt auch eher um die Masse von Cybern die die Clubs als reines Partyvolk belagern und damit der Szene (auch der Cyber-Szene) ihrer Grundlage berauben. Die Cyber sind aus der schwarzen Szene entstanden und waren meiner Meinung nach auch zunächst eine Bereicherung der schwarzen Welt. Doch durch breiten Zuwachs aus Partywilligen Jugendlichen mit dem Spaß am verkleiden oder ausprobieren ist es mittlerweile zu einer eigenen Bewegung mutiert. Discobetreiber konzentrieren sich hier auf die breitere Masse und ehemalige »Gruftlclubs« werden zum Cybertempel.
Daher auch die Ablehnung, die Gothics fühlen sich ihrer Rückzugsorte und Versammlungsstätten beraubt. (siehe aus Festivals oder ähnliches) Cyber ist ja mittlerweile eine vollständig eigene Bewegung geworden, die sich immer mehr vom Gothic löst.
hat bereits 4 Kommentare abgegeben und schrieb am 12. April 2010 um 11:11:
Hallöchen und besteste grüße aus österreich :D
erstmal danke für diesen genialen blog, hilft mir über jede noch so langweilige vorlesung hinweg ;)
Vorerst möchte ich klarstellen, dass ich 20 bin, mit 16 über die cyberkultur die schwarze szene entdeckt habe. Als ich dann das erste mal joy division hörte, wurde ich neu geboren und sehe mich heute in einem bereich zwischen batcave und (ja ich weiß, für mein alter anmaßend und arrogant) tradgoth.
Allerdings muss ich sagen dass ich nach wie vor cyberboomboom höre, auch wenn ich mir (anders als fast alle »cybers« die ich kenne) der tatsache bewusst bin, dass das eben nicht viel mit gothic zu tun hat…
es schmerzt mich, zu sehen wie cyber sich selbst als kern der szene empfindet, und die medien das auch noch in die welt hinaustragen… als ich im herbst 2009 aufgegruftet meine neue fh betrat, wurde ich sofort angesprochen: »he bist du ein cybergothic«? Szenefremden ist in immer größerem Maße wirklich nicht bewusst, dass es gothic ohne das »cyber« dran gibt… und das unglaubliche ist: die Szeneanhänger des cyber tun irgendwie alles, um das zu fördern… Ich bin sehr für Einflüsse neuer Mode oder neuer musik, und ich finde, dass viel von dieser cybermusik durchaus eine bereicherung darstellen KÖNNTE, wenn sie nicht so arrogant und oberflächlich die szene überfahren würde…
Es it wie mit dem Begriff »industrial«: hat genau NICHTS mit Cyberboomboom zu tun, aber jeder glaubt das… Und große, bahnbrechende künstler wie throbbing gristle werden einfach vergessen, weil jeder nur noch von »industrial« als technomukke spricht…
Ich könnte cyber als teil der szene herzlichst behgrüßen, wenn seine anhänger sich der wurzeln der schwarzen kultur und der position des cyber innerhalb der kultur bewusst wären… UND vor den Massenmedien respektvoll und demütig dieses Bewusstsein aussprechen würden, statt sich in Monopolansprüche kaufen zu lassen…
abschließend nochmal danke für diesen blog und die möglichkeit, hier mitdiskutieren zu können!
macht weiter so!
alex
hat bereits 242 Kommentare abgegeben und schrieb am 13. April 2010 um 13:18:
Ich denke auch, Cyber an sich würde an sich sehr wohl in die Szene passen, allerdings gehe ich von anderen Voraussetzungen aus. Mir fehlt der »Punk« am Cyber, der Rost und der Dreck, das wirklich post-apokalyptische, ich bin selbst ein großer Science Fiction Fan, und insbesondere das Unter-Genre Cyberpunk hats mir angetan, deswegen ist mir der Cyber-Stil nicht nur wegen der party-lastigkeit vieler seiner Anhänger suspekt, sondern auch weil ich partout kein Neon und keine Fellpuscheln damit verbinde *hust*, wenn man sich aber zB William Gibsons Meisterwerke durchliest so sind die eben durchaus sehr düster, meine Lieblings-Kurzgeschichte — »Fragmente einer Hologramm-Rose« (aus dem Band »Cyberspace«) ist so wunderschön traurig und melancholisch, für mich vom Grundton genauso »Gothic« wie eine alte Kurzgeschichte aus der schwarzen Romantik. Und das würde philosophisch eigentlich doch wieder reinpassen in das große schwarze etwas das sich heute Gothic nennt. Es sind immer mal wieder Künstler in den Bereich abgedriftet, man denke beispielsweise an die beiden Alben von Cassandra Complex namens »Cyberpunx« und »Wetware«. Und da kann man ja nun nicht behaupten daß es sich da um Finstertechno handelt. Auch Kraftwerk als Elektro-Pioniere haben immer stilistisch mit Elementen gespielt die für mich total Cyberpunk sind.
Der Cyberpunk als Literatur-Genre ist zudem auch ein Kind der 80er.
Von daher hätte das ganze durchaus einen interessanten Hintergrund haben können … ich frage mich wie viele Cybers den Namen »William Gibson« eigentlich wirklich kennen …
Von über-arroganten Vertretern der Cybers hab ich aber auch schon genügend gehört, ich muss sagen ich hätte es mir mit Anfang 20 und neu in der Szenelandschaft nie getraut zu einem Alteingesessenen zu gehen und den dumm anzumachen, vonwegen was die noch hier suchen. Mir selbst ist das nicht passiert, aber einige Bekannte haben ab und an solche Geschichten erzählt.
hat bereits 4 Kommentare abgegeben und schrieb am 18. April 2010 um 17:23:
@ schwarze Rose
Ja das ist richtig, ich fühle mich bei dem »richtigen cyber« (wozu ich beispielsweise Matrix zählen würde) immer auch etwas an Steampunk erinnert… Das neue Cyber ist überhaupt mehr Visu und Cosplay, oder? ich meine den po-mo-japanischen rave-Einfluss kann man nicht leugnen…
Bezüglich der Musik, muss ich schon feststellen, dass seit jeher ein Unterschied bestand, zwischen dem, was GOTHIC IST, und dem was GOTHS HÖREN… Gothic sind zwei stile: gothic rock und gothic punk, die beide ERST SPÄTER so benannt und klassifiziert wurden… Aber wenn ich heute (wie auch immer es vor 20 jahren war, weiß ich nciht :P) den »80ies & dar classics-floor« unserer lokalen Schwarzdisko betrete, wird da von siouxsie bis ultravox alles gespielt… und ultravox ist jetzt auch nicht soooo gruftig schwarz… aber ich würde auch nie auf die idee kommen, herzugehen und zu sagen »hey das ist gothic!« weder bei dead or alive, noch bei agonoize… das problem ist nur, dass du dauernd zu hören bekommst, irgenwas wäre gothic– industrial, oder so… ich mag cyberboomboom-mukke ABER sie soll ehrlich genug sein, zuzugeben, dass sie einfach techno-tanzmusik ist… ich meine, ist cradle of filth gothic, nur weil ich damals die 5 lokalen urgruftis bei nem radle-konzert gesehn habe?
hat bereits 162 Kommentare abgegeben und schrieb am 19. April 2010 um 06:14:
Ultravox hat sicherlich an sich auch nicht so waaahnsinnig viel mehr mit Gothic zu tun als irgendwelche Cybermucke — zugegeben.
Es ist nur halt so, dass vor allem in Deutschland die schwarze Bewegung von Anfang an neben »englischem« Gothic auch generell den ganzen New-Wave-Bereich abdeckte, auch die weniger düsteren Sachen. Man war eben kein Goth, sondern ein Waver.
In englisch-sprachigen Foren dagegen wird man teilweise fast gevierteilt, wenn man elektronische Dark-Wave-Musik wie Clan of Xymox oder die frühen Crüxshadows als Goth bezeichnet.
Worauf ich eigentlich hinaus will? Weiß ich nicht mehr — es ist früh/spät und mir gingen gerade diese Gedanken durch den Kopf… ^^
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 20. April 2010 um 16:17:
@Angelus Casuarius: Danke für deinen Kommentar, es freut mich zu lesen wie du das ganze als »Szenebestandteil« siehst. Vielleicht kommt so doch noch ans Tageslicht, das Cyberkultur nicht nur aus leuchtenden Knicklichtern und monotoner Musik besteht. Was ich persönlich sehr begrüßen würden, den vor allem Szenen mit Inhalt finde ich interessant, weil sie uns etwas zu erzählen hat und etwas symbolisiert, was andere nicht sehen.
Rein musikalisch spielt sich Gothic eher beiläufig zu dem ab, was heute als Szene angesehen wird. Was in den 80er Hauptbestandteil und Ursprung der Szene war, ist heute mit allerlei Einflüssen vermischt und hat sich in zahlreichen weitere Genre fortgepflanzt. Ultravox ist beispielsweise dem New Wave zuzordnen, aus dem (Karnstein beschreibt es bereits) aus dem Waver herauswuchsen. Ich habe das damals immer sehr subjektiv empfunden. Ich fand den ganze Boy George und Visage Kram viel zu bunt, obwohl ich die Musik mochte und habe mich eher an Depeche Mode, The Cure und den Sisters orientiert. Uns war nie bewusst WAS wir waren, ende der 80er. In der Lehre hörte ich dann erstmals von Wavern und Darkwave.
@Rosa: Hast du Neuromancer gelesen? Würde mich interessieren ob das, was der geistige Vater des Cyberpunks interessant und zugänglich ist, so dass auch ich einen Einblick in verborgenen Welten erhaschen kann.
Arrogante gibt es aber auch genügend unter den schwarzen, ich würde fast sagen, mittlerweile gehört eine Arroganz fast zu Szene dazu. Dabei schützen sich die Arroganten ja nur davor, das jemand hinter die bunt-schwarze Fassade blickt. Schade eigentlich.
@Karnstein: Crüxshadows sind meiner Meinung Future-Popper, Neo-New-Waver oder Darkwaver, wie du es gerne hättest. Mit Gothic in meinem Sinne, haben die nicht viel zu tun. Machen aber teilweise sehr gute Stücke und sind für einen Ohrwurm immer zu haben. Deception ist beispielsweise sehr geil und zu unrecht als zu poppig verschrien.
hat bereits 242 Kommentare abgegeben und schrieb am 21. April 2010 um 11:24:
@Angelus Casuarius: Ja, die Matrix ist Cyberpunk pur, aber wirklich nur der erste Film, die Sequels würde ich wenn überhaupt nur am Rande dazu zählen. Oder nehmen wir einen absoluten Klassiker: Bladerunner.
Inwiefern die japanischen Einflüsse sich auf den Stil der Cybers auswirken — da hab ich noch nicht weiter drüber nachgedacht, aber sicher ist da was dran, viele Stilelemente sind aber genauso 1:1 von der langsam in den Kommerz abstürzenden Techno-Bewegung der End-90er übernommen worden. Musikalisch wie optisch.
@Robert: jau, die Neuromancer-Trilogie steht im Bücherregal, schon mehrfach gelesen. Sollte ich vielleicht mal wieder raus holen …
Allein der erste Satz ist schon bombig:
Der Himmel über dem Hafen hatte die Farbe eines Fernsehers, der auf einen toten Kanal geschalten war
Wo die ScienceFiction vorher fast vorherrschend optimistisch und Technik-verherrlichend war, wurde es mit dem Cyberpunk dann deutlich dreckiger und finsterer. Da sind Menschen Cyberspace– und Drogenabhängig und werden mit Implantaten zu halben Robotern. Letztenendes ists natürlich Geschmackssache ob man SciFi mag, ich finde aber man muss es selbst gelesen haben, lässt sich im Ganzen sehr schwer beschreiben so.
Als witziges Detail am Rande beschreibt Gibson in einem Buch der Trilogie eine Jugend-Gruppe die die »Draculas« genannt werden, und entsprechend gekleidet rumlaufen *g*
Zwengs Musik und Gothic an sich: eigentlich ist es doch eh so gut wie unmöglich »Gothic« auf eine bestimmte Musikrichtung zu münzen. Will man damit auf das raus was in den 80ern musikalisch die Wurzeln waren, landet man beim Wave und Postpunk. Und auch heute finde ich nicht daß es eine bestimmte Subströmung in der dunklen Musik gibt die man eindeutig als Gothic bezeichnen könnte, oder?
hat bereits 162 Kommentare abgegeben und schrieb am 21. April 2010 um 21:02:
Robert:
Ich schrieb ja auch explizit »die frühen Crüxshadows«. Aktuellerer Kram wie »Birthday« ist natürlich nichts anderes als Future-Pop (wobei es mir noch immer besser gefällt als z.B. VNV Nation oder sowas). Besonders aber das erste Album »Telemetry of a Fallen Angel« von 1995 mit Songs wie »Marylin, my Bitterness«, »Monsters« oder »Jackal Head« ist in meinen Augen schlicht und einfach Dark Wave (das hervorragende »Deception« ebenso, das dürfte nur unwesentlich jünger sein).
hat bereits 328 Kommentare abgegeben und schrieb am 23. April 2010 um 08:43:
Interessant, was hier wieder alles an Wortmaterial auftaucht, wenn man einmal ein paar Wochen wegbleibt ;)
Die Cyberkultur hätte wirklich eine Bereicherung werden können, dem pflichte sogar ich bei. Das Problem ist nur, dass diese vor lauter einstem Individualismus ganz uniform wurden. Und Uniformität gibt es in dieser Szene zum Leitwesen wirklich schon genug. Da braucht man kein Rudel mit derart optischer Dominanz, welche die stilistische Gleichschaltung dadurch umso mehr hervorhebt. Der anfängliche Mut der Cyber ist abgeebbt. Wenn ich mir diese wandelnde Leuchteigenwerbung in den Clubs so ansehe, dann sehen diese wirklich alle gleich aus. Sämtliche Bestandteile/Bauteile wirken wie von einem Aufguss und das stößt meine Sympathie ab.
Ein weiterer Punkt, welcher mit der allgemeinen Szenementalität kollidiert, ist vermutlich das Selbstdarstellungsbild der Cyber. Auf den Gedanken kam ich letztens, als ich mich bei youtube wieder über die Elemente des Cyberdance informierte. (Damit ich beim nächsten Clubbesuch aufpassen konnte, ob die Vertreter auch wirklich alles richtig machen) Jedenfalls sucht man Lehrvideos zum »Gothdance« oder »EBM-Stomp« vergebens. Einfach aus dem Grund, weil diese gar nicht diesen Drang verspürt jedem Depp vor dem Monitor ihre Persönlichkeit aufzudrängen. Und aufgrund der Tatsache, weil es dem Schwarzvolk völlig egal ist, wie es auf der Tanzfläche rumturnt. Der Cyber ist da anders. Er tritt in den Wettbewerb, er lernt und perfektioniert seine Bewegungen, der lässt den Einheitsschritt wieder aufleben und tut sein Wesen jedem kund, selbst wenn es keinen interessiert. Und wäre womöglich sogar begeistert, wenn D! Soost eine Choreografie erarbeiten würde. Wie hier schon gesagt wurde, so ist der Club ein Refugium für den Standardschwarzen. Ein Ort des Rückzuges und der Tag das Allgegenwärtige seiner Szenezugehörigkeit. Ich glaube, beim Cyber ist das umgekehrt. Da ist der Tag wieder der Rückzug aus dem Szenealltag der Clubnacht. So eine Kontroverse in der Einstellung stößt sich automatisch ab.
Zum Thema Arroganz. Arroganz und Intoleranz sind auch Wesensmerkmale, die mir nicht unbekannt sind. Bezogen auf meine Persönlichkeit. Gebe ich auch offen zu. Denn ohne Arroganz und Intoleranz würde hier zum Beispiel auch kein einziger Kommentar stehen (müssen). Ich kritisiere gerne die Cyberkultur, wenn die Kritikpunkte für mich auch wirklich zu kritisieren sind. Ebenso kann mich auch gerne ein Cyber als elitären Reaktionär abstempeln. Man darf kritisieren, darf auch arrogant wirken. Solang man sich dieses als Gegenschall auch gefallen lassen kann und dann, ohne beleidigt zu tun, in einen konstruktiven Dialog der Kritik und Argumente überleiten kann.
Zum Thema Cyberpunk: Ein stößt mir ebenso bitter auf, wenn diese sauber geleckten edel-rein-Cyber meinen in sich die Elemente des Cyberpunk zu vereinen und diesen Begriff für sich beanspruchen. Denn Cyber hat mit Punk ungefähr so viel zu tun wie Karneval und ist im Grunde auch eine Beleidigung für die Weltanschauung und Grundphilosophie des Cyberpunk.
Wie Rosa Chalybeia schon schrieb, entstand der Cyberpunk aus der Hoffnungslosigkeit, der Endzeit, in der das Provisorium herrscht und die Pragmatik das Maß der Ästhetik setzt. Der Cyberpunk kennt kein Glitzer und kein Leucht; keinen optischen Schabernack und unnützen Zierrat; kein Schrill und kein Grell. Jeder Protagonist dieser Art könnte dabei recht schnell dem Untergang geweiht sein. Ein gutes neuzeitliches comichaftes Beispiel für Cyberpunk ist für mich auch der Film »The Gene Generation«
Wären die Cyber einfach weniger verkitscht und mehr in diese Anschauung geschlendert, so hätte es eine für mich recht edle Stilsymbiose abgegeben. Vielleicht kommt daher meine Skepsis. Einfach nur aus der Enttäuschung, dass dieser Stil das Punk ausgrenzte, anstatt es zu verinnerlichen. Und neue Uniformität setzte, anstatt die alte zu brechen. Sowie eine neue Elite schuf, anstatt der alten einfach nur den Stinkefinger zu zeigen.
hat bereits 162 Kommentare abgegeben und schrieb am 23. April 2010 um 19:42:
»Jedenfalls sucht man Lehrvideos zum »Gothdance« oder »EBM-Stomp« vergebens.«
Sag das nicht zu laut… mir spuken da schon seit geraumer Zeit ein paar Ideen durch den Kopf, bei denen ich mir noch nicht ganz sicher bin, ob der gemeine Cyber die Ironie überhaupt verstehen würde… ^^
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 26. April 2010 um 08:07:
@Rosa: Klingt auf jeden Fall nach spannender Lektüre, wie ich meinen viel zu vollen Buchleseplan abarbeite muss ich erst noch rausfinden. Auch heute gibt es noch musikalisches, was eindeutig Gothic klingt. Freilich mag kaum noch eine Band damit identifiziert werden. Nehmen wir beispielsweise Leichenliebe, die Untoten oder auch Veljanov, die sind für mich jedenfalls eindeutig dort einzuordnen. Aber letztendlich hast du Recht, Gothic ist mal eine Musikrichtung gewesen und ist heute Oberbegriff für eine Vielzahl von Einflüssen, für meinen Geschmack zu viele Einflüsse.
@Karnstein: Das wäre doch mal eine spannende Idee, ich denke selbst die meisten Goth’s selbst würden diese Ironie nicht verstehen. Solange kann man sich ja an diesem Video ergötzen :)
@Guldhan: Willkommen zurück. Der Expressionismus der Cyber-Tänzer ist tatsächlich eine Mischung aus aufdringlich und lebensgefährlich. Hier vermisse ich vor allem das grundlegende Element der Gothic-Bewegung, die Melancholie in Musik, Text und Bewegung. Es geht nur darum, wie du schon sagst, um »Moves« wer hat die coolsten, wer kann es am besten? Das war lustigerweise einmal einer der Gründe mich für die Gothic-Szene zu interessieren, denn hier gab es sowas zunächst nicht.
Zum Cyperpunk: Das schwierige ist meiner Meinung nach, das die Protagonisten selbst die Grenzen verwischen. Während es durchaus Cybers mit SciFi-Bezug zu geben scheint, gibt sich die andere und gleich Uniformierte Hälfte dem Konsum hin. Nicht denken, erleben. Hier hast du völlig recht, man hat eine Chance versaubeutelt. Das ist Steampunk näher am Cyber-Gedanken als man zunächst vermuten dürfte.
hat bereits 4 Kommentare abgegeben und schrieb am 10. Mai 2010 um 13:15:
naja das »punk« in »punk« ist ja auch nicht selbstgemacht… das wort punk geht weit zurück (ich glaube erstmals in der literatur bei shakespeare, obwohl mir dessen definition jetzt entfallen ist)… punk hat sich das »punk« genauso entlehnt, wie cyberpunk, steampunkt, etc… drum würd ich jetzt auch nicht so sagen, dass es cyberpunk nix mit punk zu tun hat, denn das legt nahe, dass punk der ursprung des begriffes ist…
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 10. Mai 2010 um 16:35:
@Angelus Casuarius: Völlig richtig, das Wort Punk wurde erstmals von Shakespeare benutzt. (Vielleicht ist dieser Beitrag für dich interessant) Vielmehr liegt es an der Kombination der Worte, die sie in einen neuen Kontext setzen. Cyberpunk hat mit Punk im Jugendkulturelle Sinne nicht viel zu tun, sondern lediglich im Style. Bricht man das ganze auf das Wort herunter (in diesem Fall Punk) mag das schon stimmen, obwohl auch Shakespeare das sicherlich nicht so gemeint hat ;)
hat bereits 2 Kommentare abgegeben und schrieb am 20. Mai 2010 um 00:45:
ich weiß nicht ob es jetzt vielleicht zu spät kommt auch zu allem noch etwas zu schreiben aber ich hab diese interessanten diskussionen leider erst jetzt entdeckt und wollte, wie immer, auch meine meinung dazu äußern. ich hab jetzt nicht ganz alle beiträge gelesen darum verzeiht mir wenn ich sachen anspreche die schon beantwortet wurden.
ich bin grad mal 20 jahre jung. erst seit 4 jahren in der sogenannten schwarzen szene und bin über bands der »neuzeit« in die »szene« gekommen. musikalisch hör ich fast alles von goth-rock, wave, industrial, EBM, noise, NDT, Horrorpunk bis hin zu eben auch die erst seit den 90ern bestehenden musikrichtungen wie future pop, dark-elektro, harsh-elektro etc.
ja ihr denkt zwar wahrscheinlich das ich eh nicht viel ahnung von der szene habe, aber ich hab mich in der kurzen zeit auch viel mit fast jedem aspekt der szene befasst. und ich kann ja auch nichts dafür das ich nicht in den 70ern geboren wurde^^
ich bezeichne mich selbst nicht als cyber oder cyber-goth (was für mich übrigends in kombination auch keinen sinn macht da es keinen bezug zwischen gothic und cyber gibt) ich bezeichne mich einfach als anhänger der schwarzen szene. und das sollte man auch unterscheiden. klar hat cyber nichts mit gothic zu tun. aber gothic ist eben auch nur ein teil der nicht wirklich zusammfassbaren szene. es hat sich alles entwickelt und eben auch die elektronische musik. die schon immer teil der szene war. und die technowelle in den 90ern hat eben nunmal die elektronische musik beeinflusst. auch die in der szene. das es mittlerweile viele bands aus dem so genannten hellekto umfeld gibt, die inhaltlich nichts wertvolles zu sagen haben (obwohl es ja auch viele bands gibt die auf gesang verzichten und dadurch alles noch uneigenständiger wird) ist fakt. nur gibt es auch lieder die lyrisch vielleicht nichts neues oder hochintellektuelles bieten aber trotzdem wie hier angesprochen »düster« sind. hier wird oft geschrieben das die cybers dann eben in einen technoclub gehen sollen. ja es gibt sicherlich viele die auch normalen techno hören. aber ich zum beispiel (und da bin ich nicht alleine) finde die musik dort gefällt mir nicht und das es eben tanzmusik sein soll die verbindung zur szene hat. und das ist ja mittlerweile so das cyber zur szene gehört. und dafür muss cyber eben nichts mit gothic zu tun haben da die szene eben vielseitig ist. weil ich mich eben in der szene wohlfühle. und eben nur in der szene. ich fühl mich nicht wohl wenn ich neben 100 total bunten menschen steh und mir musik anhören muss die mir nicht gefällt. weil die musik die heutzutage als hellektro bezeichnet wird meiner meinung nach eben nicht genauso klingt wie stinknormaler techno. das man die musik niemals industrial nennen darf ist dabei selbstverständlich. und wegen den 100 total bunten menschen — ich weiß das es einige, oder auch mehrere gibt die extrem bunt rumlaufen und dann eben in besagte clubs oder auf festivals gehen. für mich macht das auch keinen sinn da dort total der bezug zum »schwarz sein« abhanden kommt. nur wenn man schwarz trägt und dazu ein,höchstens zwei andere farben trägt ist das nicht gleich ein verbrechen. solang es nicht ausartet. ich finde halt schwarz sollte immernoch deutlich überwiegen. und dann ist das outfit auch nicht mehr als geschmack, dem einen gefällt’s dem anderen nicht. dann bleibt nur noch die musik. ich halte persönlich von trennung nichts da ich nunmal an jeder »szenetypischen« musik gefallen gefunden habe. (bis auf mittelaltersachen) viel mehr wäre ich dafür das es tage gibt an denen eben spezielle, ich nenn es mal mottos laufen aber sonst grundsätzlich eben doch alle zusammen in einen club gehen. dafür müsste es ein umdenken bei den clubbesitzern und den dj’s geben welches ein relativ harmonisches zusammensein erlaubt. sprich abwechslungsreiches musikprogramm wo eben auch jeder was davon hat. dann werdet ihr die cybers los die wirklich nur auf die bum-bum musik aus sind und leute wie ich, die zwar den stil und die musik lieben, aber trotzdem auch die anderen teile der szene lieben können ihren spaß haben ohne böse blicke zu bekommen, weil mal wieder ein agonoizelied dem anderen folgt. und was festivals angeht: wenn es festivals geben würde die speziell für cybers wären, weil dort eben dann nur agonoize,combichrist und co. auftreten, dann würdet ihr aber trotzdem noch cybers auf den anderen festivals wiedertreffen da es viele gibt, die sich eben allgemein zur szene dazuzählen, sich dort wohl fühlen und die ästhetik und musik lieben. dann kann euch nur noch das aussehen stören und da gilt immernoch: wem’S nich gefällt, der soll wegschauen. ich will auch so manche person in einem ganzkörperkondom nicht sehen aber mich stört’s nicht, denn für mich geht es auf festivals oder in clubs nur ums sogenannte feeling, freunde, spaß, musik usw. und da haben nunmal alle die gerne auf festivals wie das m’era luna gehen, eins gemeinsam: sie fühlen sich dort einfach am wohlsten. so sollte es ja auch sein. und wegen des, als verkleidung angesehen stils wollte ich auch nocht was sagen. es gibt von jeder gruppierung in dieser szene, menschen die im privaten nicht so herumlaufen wie auf festivals/in clubs. das nur auf die cybers zu beziehen ist falsch. klar versteh ich keinen dieser wochenend-Grufties/cybers/etc. die sonst rumlaufen wie der durchschnittsmensch. aber nur weil man sich für veranstalltungen mehr zurecht macht als privat, hat es nichts mit verkleiden zu tun. ich mach mich auch nur groß fertig mit den von euch gehassten sachen, wie haarteil oder goggles wenn ich feiern gehe oder auf ein festival. privat lauf ich deswegen aber nicht bunt rum oder so. sondern schwarz wie immer. nur eben ohne große accesoires. letztendlich muss man einsehen das dass cybertum mittlerweile dazu gehört und auch nicht einfach wieder aus der szene verschwinden wird. ich versteh warum man es nicht abkann, das durch diesen trend in der szene, clubs und festivals immer technoider werden. nur gegen die reine anwesenheit und bei gerechterer musikauswahl von dj’s und veranstaltern dürfte eigentlich nicht mehr so eine große abneigung bestehen. da wären wir nämlich dann wieder bei der tolleranz. und wenn alles gerecht laufen würde, sollte die auch cybers gegenüber da sein. und wir (ich sag jetzt mal wir, weil man mich eh so bezeichnen würde) wir können im grunde nicht so viel dafür das es alles so ist wie es ist (clubtechnisch). das liegt bei den veranstaltern und besitzern. eins muss ja zuerst im club dar gewesen sein. der cyber oder die cybermusik. und meiner meinung nach war es die cybermusik. und dann ist es legitim wenn dann leute kommen,die eben DIESE musik mögen die nur DORT in solchen clubs gespielt wird. zum thema tolleranz. ich kann mit dem ganzen mittelalterzeugs zum beispiel genauso wenig anfangen wie ihr mit cyber. aber ich finde trotzdem nicht das solche leute oder solche musik nicht dazu gehört. ich geh auch auf mittelaltermärkte auf festivals. trotzdem muss mir die mode und musik nicht gefallen.
so das war nun sehr sehr viel aber das wollt ich mal loswerden. hoffe die ein oder andere person nimmt sich die zeit und liest sich meinen beitrag durch und schreibt vielleicht auch noch was dazu weil ich einfach gerne an diskussionen teilnehme, zu themen die mir wichtig sind.
bis dahin, grüße Sascha
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 28. Mai 2010 um 12:07:
@reactor defect: Zunächst denke ich von niemanden das er keine Ahnung hat, dieses Vorurteil habe ich mir schon eine ganze Weile aus dem Kopf geschlagen :)
Erstmal Danke für deinen ausführlichen Kommentar. Ich denke hier kommen ein paar wesentlich Dinge zur Sprache die allein genommen richtig sind, aber im Zusammenhang schwierig zu deuten sind. Rein musikalisch gebe ich Dir recht, durch die Einflüsse des Techno sind die elektronischen Grundlagen des EBM beispielsweise heute in neuer Form präsent und ein Teil der schwarzen Szene so wie du sie nennst. Ich denke aber, das lässt sich eben nur rein musikalisch so anwenden, denn das was die Gothic-Szene für mich ausmacht, ist bei der Cyberkultur überhaupt nicht vorhanden. So bleiben einzig und allein musikalische parallelen.
Ich selber kann es nachvollziehen, wenn man sich über die Präsenz der Cyber aufregt, teile aber nicht den selben harten Kurs gegen diese Subkultur, sondern vielmehr gegen die Organisatoren von Parties, die sich alles mögliche auf die Fahnen schreiben um Publikum anzuziehen. Das dadurch Szenen innerhalb einer gesamtszene (hier schwarze szene) aufeinanderprallen, die so nicht zusammengehören, scheint unausweichlich. Wie erfolgreich Themenkorrekte Partys sein können, zeigen einige Beispiel aus der Republik, die leider immer noch zu dünn gesäht sind. Wenn ich auf eine »Gothic-Party« gehe, habe ich eine Erwartungshaltung, zu der Hellelektro, Cyber oder was auch immer definitiv nicht passt. Da macht für mich die Stimmung kaputt. So wird es sicherlich auch bei »euch« sein.
Letztendlich sehe ich hier die Szene selbst im Handlungsbedarf. Partys aus der Szene für die Szene, das funktioniert immer besser, Vernetzung und Internet machen es möglich. Ich habe nichts geben Cyber’s als Mensch oder Person, sondern nur gegen die Musik die sie hören.
Cyberkultur und Gothickultur passen einfach nicht zusammen, auch wenn hier gemeinsame Wurzeln liegen. Ich muss nicht jeden neuen Trend tolerieren, schon gar nicht wenn er mir nicht gefällt. Das geht aber dann gegen Discothekenbetreiber, Festivalveranstalter, Zeitschriftenverlage und Mailorder-Shops und nicht gegen die Mitglieder der Szene.
Vielleicht sollte man davon Abstand nehmen die »anderen« dafür verantwortlich zu machen was einem an irgendeiner Veranstaltung nicht gefällt, sondern die Veranstalter selbst, die sich Gothic auf die Fahnen schreiben und dann einen musikalischen Cocktail bieten, der nicht nur furchtbar schmeckt, sondern auch noch sehr explosiv wirken kann.
Würde mich freuen, wieder von Dir zu lesen.
hat bereits 16 Kommentare abgegeben und schrieb am 29. Mai 2010 um 11:46:
Huh — hier steht ja auch wieder einiges neues. ;D
Also, zum Selbstdarstellungsdrang der Cyberszene, betrefflich Videos auf Youtube und co: Finde ich schrecklich. Ich verfolg” insgesamt eher das Motto »Dance to express, not to impress«.
Wobei mir da aber auch am Rande einfällt, dass viele der Durchschnitts-Schwarzträger auch einen leicht gesteigerten Darstellungsdrang haben, zumeist im Bereich der Fotographie. Hier findet bloß glücklicherweise kein Wettbewerberb statt.
Zum Thema Konsum, Konsum, Konsum der Cyberkultur nocheinmal 2 kurze Sätze. Nun, wie soll man sagen. »X-Tra-X-Ich-kauf-mir-alles-zusammen-und-bin-so-cool« haben bei mir kein großes Ansehen und bei einigen Bekannten eben so. Selbergebasteltes verhindert auch, dass alle gleich aussehen. ;)
So, da ich grad im Zeitstress bin diesmal nichts längeres von mir.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 31. Mai 2010 um 18:57:
Ja, den gesteigerten Drang zur Selbstdarstellung kann man in seiner Endblüte auf dem WGT beobachten. Hier scheint es ein regelrechtes »Hot or not« zu geben, bei dem die Teilnehmer ihre eigene Qualität dadurch messen, wie oft und von wem sie fotografiert werden. Man versucht durch immer absurdere Experimente weiterhin Interessant zu bleiben, das ist meiner Meinung seit ein paar Jahren aus dem Ruder gelaufen. Normale Entwicklung? Ich weiß es nicht, momentan scheint mir die Gothic-Szene vor Einflüssen nur so überzulaufen, bin gespannt was daraus wird :)
hat bereits 4 Kommentare abgegeben und schrieb am 4. Juni 2010 um 02:41:
»Eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, dem Tod, der Romantik, Mystik oder dem Okkultismus findet nicht statt.«
hier begehst du einen fehler. natürlich ist dieser punkt nicht mit der cyberkultur verbunden, da es sich — wie du richtig beschrieben hast — um eine optische bzw. oberflächliche »kultur« handelt.
aber dies schließt die »Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, dem Tod, der Romantik, Mystik oder dem Okkultismus« definitiv nicht aus.
dieser abschnitt nimmt dem artikel leider die erhoffte objektivität — du stellst eine abwertende these auf die jeglicher grundlage entbehrt.
ich für meinen teil habe mich bereits früh mit dem tod auseinander setzen müssen, bedingt durch meine eltern sammelte ich früh erste erfahrungen im bereich des okkultismus. mit 12 flammte mein interesse für diesen wieder auf, später erweiterte sich das spektrum über theologisches/mystisches und psychologisches interesse, auch in bereiche die selbst in unsere szene selten wirklich bekannt sind (z.b. suffismus). dabei beließ ich es nicht nur beim sammeln von theoretischem wissen. seit 2006 werde ich nun als »cyber« kategorisiert — und auch wenn ich mich bewusst von einigen mitgliedern der jüngeren cybergeneration distanziere (ja, so einige von denen benehmen sich absolut daneben und sind definitiv mit schuld an unserem ruf) ist es für mich unbegreiflich, wie man eine gruppierung aufgrund ausschließlich oberflächlicher merkmale beschuldigen und zeitgleich die eigene offensichtliche oberflächlichkeit verleugnen kann. ist dies nicht genau das vorgehen des so genannten spießbürgertums?
ich kann euch einfach nur raten den nächsten »cybergoth« der euren weg kreuzt nicht direkt weg zu kategorisieren, sondern ihn so kennen zu lernen wie ihr jemanden kennen lernen würdet der einem »akzeptierten dresscode« folgt. ob es sich bei der person um eine interissante person handelt oder eben nicht solltet ihr im rahmen eines gespräches schnell beurteilen können.
was die musikalische entwicklung betrifft — ist diese den wirklich auf die cyberkultur zurück zu führen? wer sich einfach mal objektiv umschaut wer diese musik »nutzt« sollte sehr schnell eine antwort auf diese frage finden…
hat bereits 4 Kommentare abgegeben und schrieb am 4. Juni 2010 um 15:26:
rein zufällig bin ich auf eure interesante diskusion gestoßen.
hab mir jetzt mal alles durchgelesen kann L’s aussagen soweit zustimmen ich selbst bin auch cyber. wobei ich die endung gothik bewusst wegnehme daa wie oben schon gesagt die szene in ihrer jetztigen form nichts mit dem »grufti« wie man ihn kennt gemeinsam hat.
was mich persöhnlich immer sehr gewundert hat ist die tatsache das, wenn man die wurzeln der cyberszene auser acht lässt, wir immernoch mit den gothiks in eine schublade gesteckt werden. für ausenstehende mag das vieleicht nicht so ganz klar sein muss man zugeben. dennoch unternahmen die medie ja schon so eine art aufklärungsversuch für diese szene. man nimmt den galileo szenereport zum thema cyber oder dort fälschlicher weis cybergoth bezeichnet. der bericht ist schon einige jahre alt damals war der große »cyberboom« wenn man es so bezeichnen will. leider wurden in diesem bericht überwiegend neulinge befragt was den anschein erwekt das wir nichtsweiter als hole kleine partykinder sind wie ich finde. soo mal als denkanstoß gedacht könnte das auch mit ein grund für die ablehnung ausenstehender gegenüber dieser szene sein. ^^
dieser drang zur selbstdarstellung wurde ja auch schon angesprochen. in diesem fall muss ich euch zustimmen. es einfach nur lächerlich wenn man sich die ganzen industrial dance videos auf youtube etc. mal anschaut :D wobei der größte witz wohl die bezeichnung industrial ist ^^ da komm ich immerwieder ins schmunzel :)
»dance to express, not to impress« dem kann ich wohl nur beipflichten ^^
jedoch muss ich feststellen das dieses ganze cyberboomboom ^^, wie es so treffend bezeichnet wurde auf derartigen veranstaltungen immer in die dark-wave schublade gepackt wird. da denk ich dann immer an die armen gruftis die man vereinzelt sieht und sich dan über die musik wundern. natürlich gibt es auch veranstaltungen wie zum beispiel das ddt bei der dann auch wirklich die dementsprechende musik zu hören ist.
ich finde es eigntlich schade wie sich die cyberszene entwickelt. ich hätte mich auch gerne in einer mehr nach dem cyberpunk orientirten szene gesehn. jedoch ist der große zuwachs der cyberszene segen und fluch zugleich. die ganz grund idee wurde durch die nennen wir sie mal kleinen kinder die sich verkleiden um party zu machen fast restlos zugrunde gerichtet. ich meine gut wir sind sehr modeorientiert das muss ich zugeben ^^
trotzdem artet es allmälich zimlich aus wenn man sich mal, wie schon angesprochen das WGT ansieht.
ich habe meine wurzeln in der schwarzen szene bin dann etwa 2 jahre nach dem großen cyberboom eingestigen. dennoch muss ich sagen das mir die entwicklung auch nicht besonders gefällt mir wäre es lieber ohne diese abneigung zwischen unserer beder szenen. ich befürchte jedoch das die durch die kommerziel geförderte zugänglichkeit zum cybercult bald auch die letzte gruftidisco zum, wie ihr so schön sagt glühwürmchennest wird ^^
hoffe ich konnte euch interesanten denkstoff bieten und hab nichts wichtiges vergessen ^^
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 4. Juni 2010 um 15:59:
@L: Geht man von individuellen Einstellung aus, hast du natürlich recht. Mein Artikel — und die darin enthaltene Aussage — bezieht sich auch in erster Linie auf die Jugendkultur als solches und nicht auf die persönlichen Erfahrung seiner Mitglieder. Verallgemeinerung und Kategorisierung kann alle Facetten einer Jugendkultur nie wirklich gerecht werden. Die These finde ich dahingehend auch nicht abwertend. Im Prinzip gibst du Dir die Antwort schon selbst.
Objektivität ist eine Illusion. Ich würde nie den Anspruch erheben wirklich Objektiv zu sein, letztendlich basiert das neben entsprechenden Quellen auch auf meinen eigenen Erfahrung. Das ich damit — beispielsweise Dir — nicht allen gerecht werden kann, liegt in der Natur der Sache. Deshalb freue ich mich auch immer über Kommentare wie Deins, die vielleicht ein individuelle Ansicht darstellen, die sich nicht unbedingt mit den allgemeinen Merkmalen des Artikels deckt.
@rouven: Betrachtet man »Cyber« losgelöst von seinen Wurzeln, hätte sie sicherlich das Zeug zu einer eigenen Jugendkultur (wenn sie das nicht schon ist) und genau das ist ja auch mein Ansinnen. Ich möchte verdeutlichen das Cyber-Goth einfach nicht (mehr) stimmt, das es sich um zwei eigene Kulturen mit gemeinsamen Wurzeln aber völlig unterschiedlich Ausrichtungen handelt. Rein Thematisch beschäftigen sich die Gothics ja eher mit Vergangenheit, während die Cyber in Richtung Zukunft streben. Momentan halte ich die Cyberszene (bis auf ein paar Individuen abgesehen) auch für eine Partykultur, es liegt an EUCH diese mit Inhalt zu füllen und beispielsweise dem Zukunftsaspekt der eigenen Szene etwas mehr Gestalt zu verleihen.
Das ein (mein) Beitrag nicht allen Anhängern dieser Szene gerecht werden kann liegt in der Sache selbst, ich werde aber versuchen ihn dahingehend immer wieder zu verbessern. Dazu ist es natürlich unerlässlich weiter zu kommentieren, vielen Dank dafür.
hat bereits 4 Kommentare abgegeben und schrieb am 4. Juni 2010 um 22:59:
@Robert:
Natürlich kann man die These …sage wir, »sehr allgemein betrachtet« so stehen lassen. Allerdings könnte man sie dann auch für so ziemlich jede andere Splittergruppe innerhalb der Szene anführen die sich bereits entwickelte zumal sich der »schwarze Lebensstil« so einiger auf schwarze Kleidung beschränkt. Diese »Oberflächlichkeit« ist kein Phänomen der Cyberkultur. Es ist ein Phänomen der Szene — und deshalb meiner Meinung nach hier deplaziert.
Was allerdings eine tatsache ist, ist das ein — ich sag der Einfachheit halber einfach mal »Modecyber« — sofort auffällt, während ein »Modegoth« vorerst in der Menge untergeht — wodurch natürlich das Bild einer recht Inhaltslosen Bewegung entstehen muss — solange die Betrachtenden nicht in der Lage sind nicht der Norm entsprechenden Menschen unvoreingenommen zu begegnen. Das dramatische in dieser Geschichte ist, das man ohne diese Eigenschafft wohl kaum in der so genannten »schwarzen Szene«, in welcher Untergruppierung auch immer, gelandet wäre — was wiederum zu dem Schluss führt das selbst ehemals »besondere« Menschen sich früher oder später ihren Tunnelblick verdienen und sich genau betrachtet nahtlos ins Spießbürgertum einreihen könnten. Dagegen ist sicherlich niemand gefeit, einer der gründe warum ich häufiger das gespräch mit »Cyber-gegnern« suche…mit dem Ergebniss das ich mich mit so einigen von denen wunderbar verstehe — Geschmäcker sind eben verschieden. Leider sind die meisten von denen die ich bisher kennen gelernt habe eben keine Menschen die schlicht und einfach ehrlich ihre Meinung äußern, sondern Mitläufer die sich der Anti-Haltung der Masse angeschlossen haben ohne einen persönlichen Standpunkt entwickelt zu haben. In meinen Augen ist es irrelevant, ob jemand radikal oder liberal gegen »unsere bewegung« (dicke Anführungszeichen, es gibt ein verdammt starkes schisma innerhalb der cyberkultur) eingestellt ist, relevant ist nur ob die Person über das was sie aussagt nachgedacht hat oder eben nicht.
@Rouven:
Ach ja, die Videos. ^^
Wenn Jemand sich die Mühe macht eine Art Tutorial zu erstellen finde ich das Lobenswert, unabhängig von der Qualität des Tutorials. Tanzen lernt man auf der Tanzfläche, doch es kostet Überwindung es dort zu erlernen wenn man völlig unerfahren ist — ein Schritt den ich damals überwinden musste, welcher neueren Generationen vereinfacht wird. Über all diese »ich zeig mal was ich kann« Videos amüsiere ich mich recht gern. Ihren Sinn habe ich bisher allerdings noch nicht so ganz verstanden…ebenso wie den Trend sich selbst diverse Titel zu verleihen. Vielleicht kann ich diesen Punkt aber auch nicht objektiv beurteilen da man als erster Cyber einer Kleinstadt in dieser nach 4 Jahren einfach bekannt ist und ich damit quasi meinen eigenen, wenn auch sehr kleinen Titel besitze ohne mich dafür groß ins Rampenlicht rücken zu müssen. ^^
Interissant ist generell der Unterschied zwischen den einzelnen Regionen. Ich selbst bin derzeit froh das meine Ausbildung mir gerade noch genug Zeit lässt um die regionalen Events zu besuchen — aber bevor dem so war viel mir auf, dass die Aufspaltung der einzelnen Splittergruppen in Großstädten größer ausfällt als in Kleinstädten, in denen die einzelnen Gruppierungen auf ein ander angewiesen sind um auf eine Teilnehmerzahl zu kommen, durch die ein Event nicht zum finanziellem Fiasko wird. Es mag sein, das die Szene kränkelt — aber vorrangig in den Großstädten. Ich empfehle euch mal die Events erreichbarer Kleinstädte zu besuchen damit ihr nach vollziehen könnt was ich meine.
hat bereits 4 Kommentare abgegeben und schrieb am 5. Juni 2010 um 00:07:
@Robert:
ja das stimmt wohl wenn wir etwas an der überwiegenden inhaltlosigkeit tun wollen dann müssen wir selbst anpacken. werd mich morgen sowieso im DDT befinden da kann ich diesen gedankengang mal in die runde werfen.
deinen versuch dieses thema neutral zu behandeln finde ich übrigens sehr gelungen. es freut mich zu sehen das wir nicht von allen leuten so verhasst sind wie es immer scheint :)
werde auf jeden fall fleisig weiter komentieren und meinen beitrag leisten ^^
@L:
jaa so ein tutorial ist eine nette sache ^^
ich muss gestehen ich hab mir auch das ein oder andere video angekukt bevor ich es selbst versucht habe. im idealfall kennt man jemanden der daa schon etwas erfahrener ist und einem vieleicht etwas zeigt. wenn ich mal so an meine anfänge denke, muss ich sagen das ich sehr viel darauf geachtet habe was die anderen über meinen tanzstil, kleidung etc. sagen. natürlich hat es anfangs sehr witzig ausgesehn ^^ asber irgnedwann kümmert es einen nichtmehr was die anderen denken und dan gehts ganz gut. man muss sich eben nur überwinden.
deinen vergleich zwischen den einzelnen splittergruppen finde ich sehr interesant. ich komme beispielsweise aus der nähe von freiburg. die cyberfraktion dort ist klein, man kennt sich alle und man weis sofort wenn mal jemand neues auftaucht. daher ist es bei uns sehr familiär wie ich finde. im gegensatz dazu hab ich schon oft im raum stuttgart erlebt wie sich einzelne »tanzgruppen« verfeindet gegenüberstehen. natürlich immer mit dem hintergrund die anderen wären nur mainstream und sie wären ja die elite ^^
generell scheint der cyber an sich sichselbst gerne einen elitestatus anzuheften. ob bei einzelnen nun verdient oder nich stell ich mal jetzt hier in den raum denke da hat jeder seine eigenen erfahrungen gemacht.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 5. Juni 2010 um 08:14:
@L: Auch muss ich Dir leider zustimmen. Die Oberflächlichkeit ist in viele weitere Bereiche der Szene vorgedrungen, ich wünschte es wäre anders. Denn die Grundintention der Gothic-Szene war (und teilweise ist sie noch) der Inhalt, das was sie verkörpert, mit welcher Symbolik sie sich schmückt und was Künstler und Musik darstellen wurde stets diskutiert und hinterfragt. Die Oberflächlichkeit ist kein Alleinstellungsmerkmal der Cyberkultur, da gebe ich Dir recht. Doch (noch) ist es, das man sie dort am häufigsten antrifft.
Abgesehen von der Szene ist Oberflächlichkeit auch ein menschliches Problem das auf unsere gesamt Gesellschaft zutrifft. Zumal ich anmerke möchte, das ich diese Aussage im Artikel nicht getroffen habe, sondern du selbst in deinem Kommentar. Den Satz »Eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, dem Tod, der Romantik, Mystik oder dem Okkultismus findet nicht statt.« möchte ich vielleicht mit den Worten »im Regelfall« ergänzen. Individuelle Erfahrung wie Deine mit eingeschlossen.
@Rouven: Wie schon bei »L« kommentiert würde ich meine Meinung dahingehend gerne verändern und würde mich freuen, wenn du weiterhin Kommentierst, damit ich entweder meine Meinung verteidigen oder ändern kann :)
Seine Aussage trifft dennoch zu, denn in der Gothic-Kultur ist die Auseinandersetzung mit dem Tod nicht an persönliche Erfahrungen gekoppelt sondern bezieht sich eher auf den alternativen Umgang damit. Ich würde mir wünschen, wenn die Cyber-Kultur ihren eigenen Weg findet und dieser Artikel bald nicht nur Verallgemeinert sondern vielleicht komplett überholt ist. Nur zu gerne würde ich meine Meinung komplett ändern — die nötige Basis bringt man ja schon mit.