3 Oktober

Subkultur! - Cybergothic

Kategorie: Hintergründe — Jahrgang: 2009132 Kommentare

CybergothicSchon die Über­schrift ist ver­wir­rend und kon­tro­vers zugleich. Cyber­goth lässt ver­mu­ten das es sich bei die­ser Jugend­kul­tur um einen direkt Able­ger der Gothic-Szene han­delt. Die Cyber­gothics sind aber eine Cross-Over Kul­tur, die sich aus vie­len unter­schied­li­chen Sti­len und Ein­flüs­sen zusam­men­setzt.  Visual Kei, Techno, Punk, Rive­thead1 und Gothic fusio­nie­ren beim Cyber zu einer neuen, rein äußer­lich und optisch inspi­rier­ten Sub­kul­tur. Die Anzahl der tat­säch­li­chen äußer­li­chen Gemein­sam­kei­ten zum Gothic sind sehr gering.

Der Klei­dungs­stil ist futu­ris­tisch und erin­nert wie beab­sich­tigt an ein far­ben­fro­hes End­zeit­sze­na­rio. Schwarz, das mit weiß oder grel­len Neo­far­ben akzen­tu­iert wird, ist typisch für die Anhän­ger die­ser Szene. Die Klei­dungs­stü­cke und auch die Schuhe sind reich­hal­tig mit Metall­be­schlä­gen ver­ziert. Beson­de­ren Ein­falls­reich­tum zeigt man bei der Wahl des Acces­soires, Schwei­ßer­bril­len (Gogg­les) gehö­ren zum guten Ton, ebenso wie Gas­mas­ken und lange Spitz­nie­ten. Ele­mente der Fetish-Bekleidung sor­gen für einen sehr kör­per­be­ton­ten und frei­zü­gi­gen Klei­dungs­stil mit Lack– und Latex-Bekleidung. Beson­de­res Augen­merk wird auf die Ver­zie­rung der Haare mit neon­far­be­nen Exten­si­ons und Cyberloxx2 gelegt, den Auf­wand den einige dafür betrei­ben ist bemer­kens­wert und erin­nert auch an die frü­hen Haar­spray und Styling-Orgien in der Wave und Grufti-Szene der spä­ten 80er. Cyber der neue­ren Gene­ra­tion ver­zich­ten mitt­ler­weile auf eine schwarze Basis und geben sich noch far­ben­fro­her (siehe Bild)

Auch Ein­flüsse der Visual Kei-, Anime-, und Manga-Szene sind zu beob­ach­ten, ver­wei­sen aber nicht wie ver­mu­tet auf eine Sze­ne­über­schnei­dung hin. Der Klei­dungs­stil der Cyber­gothics ist sze­ne­über­grei­fend und ledig­lich auf die Über­nahme von opti­schen Merk­male spe­zia­li­siert. Die Phan­ta­sie beim zusam­men­stel­len von Klei­dungs­sti­len hat auch eine starke DIY-Bewegung (Do-It-Yourself) unter den Mit­glie­dern her­vor­ge­bracht, die oft mit viel Hin­gabe und Zeit­ein­satz ihre Krea­tio­nen selbst ent­wer­fen und gestalten.

Musik

Cover von Army of Industrial DarknessDie Musik die­ser Szene ist ähnlich wie die Szene selbst von vie­len Rich­tun­gen beein­flusst. Oft­mals wird die Musik als Indus­trial bezeich­net, womit sie aber rein Sze­ne­histo­risch nichts zu tun hat. Es ist viel­mehr eine Wei­ter­ent­wick­lung des Techno oder Rave, die mit eini­gen Ele­men­ten des Indus­trial, des Gothics und des Dark-Wave ange­rei­chert wer­den. Die Musik ist schnell und tanz­bar, meist mit kei­nem oder sehr wenig Text oder Gesang, der dann zusätz­lich noch ver­zerrt wird, was aus den spä­te­ren expe­ri­men­tel­len Ent­wick­lung des Indus­tri­als stammt und viel­leicht die ein­zige musi­ka­li­sche Ver­wandt­schaft darstellt.

Die Cyber­szene hat dem­nach kei­nen eige­nen Musik­stil son­dern freun­det sich mit vie­len For­men der elek­tro­ni­schen und tanz­ba­ren Musik an. Techno, Future Pop, Trance, Elek­tro, Noise und Goa in einer meist etwas »düs­te­ren« Vari­ante. Der Tanz­stil ist der Musik ent­nom­men und zeigt sich oft rhyth­misch und mit schnel­len Arm und Bein­be­we­gun­gen und ist auch so häu­fig in Rave-Kreisen anzutreffen.

Cyber + Gothic = Cybergothic?

Cyber Gothic TokioObwohl beide Sub­kul­tu­ren meist in der pri­mä­ren Grund­farbe schwarz tra­gen, haben sie wenig gemein­sam. Cyber­goths ver­fol­gen keine spe­zi­elle Ideo­lo­gie wie es die Gothics tun. Eine Aus­ein­an­der­set­zung mit der Ver­gan­gen­heit, dem Tod, der Roman­tik, Mys­tik oder dem Okkul­tis­mus fin­det nicht statt. Wäh­rend die Gothic-Kultur eine Ver­gan­gen­heits­ori­en­tierte Bewe­gung ist, strebt man beim Cyber in die Zukunft und ver­kör­pert die Phan­ta­sie der Anhän­ger, wie es ein­mal in einer Post-Apokalyptischen, Tech­no­iden Welt aus­se­hen könnte. Man ver­folgt häu­fig die eigene Lust, Party zu machen, Spaß zu haben und sich in Szene zu set­zen und teilt nicht das Lebens­ge­fühl der Gothics. Aus die­sem Grund wird diese neue Ent­wick­lung auch nicht von den Gothics akzep­tiert und häu­fig ver­spot­tet, man fürch­tet um den intel­lek­tu­el­len Gehalt und ver­ab­scheut den rei­nen Party-Gedanken der Sub­kul­tur. Gerade die­ser gra­vie­rende Unter­schied macht es vie­len schwer, die spöt­tisch als »Knick­licht­gruf­ties« oder »Glüh­würm­chen« bezeich­ne­ten Men­schen zu akzep­tie­ren und ist viel­fach Gele­gen­heit, die unter­drück­ten Revier­kämpfe wie­der zu aktivieren.

Cybers sind für alles Visio­näre zu begeis­tern und kon­su­mie­ren End­zei­to­ri­en­tierte Filme wie bei­spiels­weise Matrix oder 28 Days Later und toben sich auch in Rol­len­spie­len im Inter­net aus, in denen es meist um ein düs­te­res End­zeit­sze­na­rio geht. Das oft ver­wen­dete Sym­bol Bio­ha­zard steht dem­nach auch für die Vor­stel­lung, die Welt würde sich durch eine Bio­lo­gi­sche Ver­seu­chung selbst vernichten.

Warum es letzt­end­lich zur begriff­li­chen Ver­schmel­zung bei­der Kul­tu­ren kam, lässt sich nicht abschlie­ßend betrach­ten. Publi­ka­tio­nen in ein­schlä­gi­gen Maga­zi­nen und Medien kön­nen ebenso aus­schlag­ge­bend sein, wie die Tat­sa­che, das sich die abeb­bende Wave– und Dark-Wave-Szene Ende der 80er auch in Rich­tung des Techno ent­wi­ckelte und wohl­mög­lich Jahre spä­ter die neu auf­ge­grif­fe­nen Trends wie­der in die Gothic­szene trugen.

Ablehnung innerhalb der schwarzen Szene

Halte deine Szene sauberObwohl die schwarze Szene als tole­rant und offen gilt, leh­nen vor allem die Trad­goths die­sen Ein­fluss ab. Als Begrün­dung wird häu­fig genannt, das man das unre­flek­tierte »bedie­nen« der Stile ande­rer Sub­kul­tu­ren unei­gen­stän­dig fin­det und es bei der Cyber­szene um eine rein modisch ori­en­tierte Bewe­gung han­delt. Man ver­mu­tet, das die Über­schwap­pende Rave-Szene dunkle Able­ger in der Gothic-Szene eta­bliert hat3. Inhalts­lo­sig­keit und Ober­fläch­lich­keit wird ebenso häu­fig als Ableh­nungs­grund genannt und mün­det teil­weise sogar in einen orga­ni­sier­ten Akti­vis­mus gegen die­ses Bewe­gung (siehe Bild), da man die Werte der eige­nen Szene für gefähr­det hält. Die ober­fläch­li­che Party-Einstellung der Cybers ist Gift auf den See­len der Gothics, die seit ihren Ursprün­gen eben die­ses Ver­hal­ten ablehnen.

Tat­sa­che ist, das sich viele schwar­zen See­len ihrer Lebens­grund­lage beraubt sehen, da reine Gothic-Treffpunkte wie es nun­mal Fes­ti­vals, Szenelä­den und Dis­co­the­ken sind, sich einem immer brei­ter wer­den­den Publi­kum öffnen müs­sen um über­haupt über­le­ben zu kön­nen. Ein Trend wie den der Cyber scheint ein idea­les Ver­mark­tungs­in­stru­ment zu sein, opti­sche Acces­soires sind teil­weise recht kost­spie­lig und wer­den in gro­ßem Rah­men von den Anhän­ger kon­su­miert, die Musik ist größ­ten­teils schnell und bil­lig pro­du­ziert und wie geschaf­fen zum Geld ver­die­nen. Text­li­che Inhalte redu­zie­ren sich auf ver­zerrte Paro­len, die oft unter die Gür­tel­li­nie reichen.

Prin­zi­pi­ell geht es bei die­sem Kon­flikt also um die Tech­noi­sie­rung der Clubs und Fes­ti­vals die mit einer Mischung aus Musik­rich­tun­gen mög­lichst viele Kun­den locken möch­ten. Das die Musik­rich­tun­gen über­haupt nicht zusam­men­pas­sen wird in vie­len Clubs hart­nä­ckig igno­riert. Der Trend geht ver­mehrt wie­der in Rich­tung ein­zel­ner Musik­rich­tungs­ori­en­tier­ten Par­tys oder der Auf­split­tung in ver­schie­dene Berei­che einer Dis­co­thek. Ob beide Szene lang­fris­tig für aus­rei­chend Umsatz sor­gen kön­nen, ist bestim­mend dafür, ob sol­che Ver­an­stal­tun­gen statt­fin­den. Zukunft unge­wiss, Tren­nung vorprogrammiert?

(Bild­quel­len: Bren Dovgal@flickr.com (CC-by-nc),  e_brand@flickr.com (CC-by-nc),  Black­live)

  1. engl. für »Niet­kopf« und Überg­angs­kul­tur der Post-Industrial-Szene deren Anhän­ger mit Tarn­hem­den, Feld­ja­cken und Kampf­stie­feln zu sehen sind. []
  2. Bei den soge­nann­ten Cyberloxx, die viel­fach ver­trie­ben wer­den, han­delt es sich ursprüng­lich um Geschenk­band aus den USA, dass man mit viel Hin­gabe in das vor­han­dene Haupt­haar ein­ar­bei­tet oder mit­tels Klam­mern im Haar befes­tigt. []
  3. Aus den Kom­men­ta­ren des Pro­jekte jugendszene.com zum Thema Gothic []

Diesen Artikel weiterempfehlen:

Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Hintergründe
Schlagwort: , , , ,

Verwandte Artikel

132 Kommentare

  1. Oder man macht es wie ich: Das ganze Bröt­chen weg­wer­fen und nicht nur den Schim­mel raus­schnei­den (soll übri­gens gesün­der sein). Warum mit einer Szene sym­pa­thi­sie­ren, die inzwi­schen zu einem gro­ßen Teil aus Cybern besteht sowie aus Leu­ten, denen die Tole­ranz (ob mit oder ohne Schreib­feh­ler) aus allen Kör­per­öff­nun­gen quillt.

    Die Cybers sind ja nun auch nicht mehr eine kleine Split­ter­gruppe inner­halb der Szene, sie haben mehr das Ver­hal­ten von Viren ange­nom­men die auch gern mal alte, schwarze Bekannte assimilieren.

    Anmer­kun­gen mei­ner bes­se­ren Hälfte:
    Der Film heit »28 Days Later« (auch wenn Herr Weiß­haupt deine Vari­ante wohl bes­ser fände) und Mut­ter Google hat zwar über­all ihre Fin­ger im Spiel, bei den lächer­li­chen Schwei­ßer­bril­len aller­dings noch nicht, die hei­ßen wei­ter­hin Goggles.

  2. Da hat sich wohl der Feh­ler­teu­fel ein­ge­schli­chen. Ich habe die bei­den Feh­ler kor­ri­giert (vie­len Dank an die bes­sere Hälfte), die Ent­wick­lung der Szene kann ich lei­der nicht kor­ri­gie­ren, auch wenn ich diese Assi­mi­la­tion gerne rück­gän­gig machen würde.

    Ähnlich wie Du halte ich die Tole­ranz für nicht unend­lich dehn­bar, richte mei­nen Arg­wohn aber gegen die Kom­mer­zia­li­sie­rung von allen mög­li­chen Sze­nen, die mei­ner Mei­nung nach für viele nega­tive Ent­wick­lun­gen ver­ant­wort­lich zu machen ist.

    Hier liegt es doch an der Szene selbst, sich und ihren Lebens­stil wie­der selbst zu eta­blie­ren und sich als einer der weni­gen Bewe­gun­gen wie­der neu zu erfin­den ohne die alten Werte zu verleugnen.

    Aber darf ich dei­nen Kom­men­tar und dein »ande­res« Gra­va­tar jetzt als Sze­ne­aus­tritt bzw. Wech­sel verstehen?

  3. Sze­ne­aus­tritt? Ja, würde sich sagen. Heißt nicht, dass ich nicht noch die glei­che Musik höre, gleich denke oder auf ein­mal in Blue­jeans rum­laufe. Ich kann und will aber nicht mit einer Szene sym­pa­thi­sie­ren, bei der die Tole­ranz das Hirn ver­drängt hat und die ansons­ten nur aus Party-Volk mit Geschmacks­ver­ir­rung besteht.

    Sze­ne­wech­sel? Nein, würde ich nicht sagen. Wel­che Szene sollte das denn sein? Sze­nen sind doch heute alle kaputt. Ich fühl mich aber irgend­wie nicht in der Stim­mung dazu mit ein paar ande­ren alten Säcken in schwar­zen Kla­mot­ten im dunk­len um ne Fried­hofs­kerze zu sit­zen und den Nie­der­gang der Szene zu betrau­ern. Ich bin auch ehr­lich gesagt zu faul um einen »Erwachet«-Propaghanda-Krieg zu füh­ren. Ich setz mich lie­ber hin und lach Cybers, Toleranz-Konglomerate und was sonst noch so seine Schwimm­ver­su­che im eige­nen geis­ti­gen Dünn­schiss macht aus. Da hab ich irgend­wie mehr Freude dran.

    Was den Gra­va­tar angeht: Das alte Bild war über ein Jahr alt und wie man sieht hab ich Iro gegen Bart getauscht. Da ist doch ein Wech­sel legi­tim und sinn­voll, oder? Ist aller­dings auch nur ein Schnapp­schuss und wenn ich ehr­lich bin hab ich mich sogar mit Pho­to­shop rasiert ;)

  4. »Ähnlich wie Du halte ich die Tole­ranz für nicht unend­lich dehn­bar, richte mei­nen Arg­wohn aber gegen die Kom­mer­zia­li­sie­rung von allen mög­li­chen Sze­nen, die mei­ner Mei­nung nach für viele nega­tive Ent­wick­lun­gen ver­ant­wort­lich zu machen ist.«

    Der Aus­sage kann man eigent­lich zustim­men, aber Tole­ranz? Ich selbst habe vor allem die schwarze Szene bis­her für recht into­le­rant emp­fun­den. Die Men­schen allein toleant in der Gruppe auf­tre­tend jedoch nicht. Schätze das ist ein­fach menschlich.

    Das ist wohl auch der Grund wes­halb ich mich eigent­lich kei­ner Szene rich­tig zuge­hö­rig fühle.

    Davon ab, net­ter Arti­kel über diese SUBkultu

  5. Mit der viel geprie­se­nen Tole­ranz (oder der Abwe­sen­heit der­sel­ben) hat das Thema in mei­nen Augen nur wenig zu tun. Ich hatte nie den Ein­druck, dass die schwarze Szene sich durch ein beson­de­res Maß an Tole­ranz aus­zeich­net. Über die ach-so-intoleranten Nor­ma­los wird sich ebenso auf­ge­regt wie über Teil­be­rei­che der eige­nen Szene, sei es was neue opti­sche Rich­tun­gen angeht oder bezüg­lich des Musikstils.

    Pro­ble­ma­tisch finde ich hier viel mehr, dass das Gothic-Element ein­fach nicht mehr vor­han­den ist. Man sehe sich ins­be­son­dere die Neue Deut­sche Todes­kunst an — Gothic-Inhalte und –Men­ta­li­tät par exce­lence, wobei die Musik ja in der Regel gar­nichts mehr mit den Ursprün­gen gemein hat.

    Anders bei Cyber. Tiefe ist bes­ten­falls vor­ge­täuscht, öfter hört man Texte wie von einem puber­tie­ren­den Zwölf­jäh­ri­gen, der seine Eltern scho­cken will, indem er mög­lichst oft »ficken« sagt. Und dass die Kla­mot­ten oft jeg­li­cher Düs­ter­nis ent­beh­ren ist ohne­hin jedem klar.

    Ich habe ja nichts dage­gen dass die Leute machen was sie machen … ich kenne auch Cybers, die per­sön­lich echt nett sind und teils sogar einen erstaun­lich »guten« Musik­ge­schmack haben. Aber mit Gothic hat es halt nichts zu tun und sollte sich da ent­spre­chend raushalten.

    Nett finde ich in die­sem Kon­text die­sen Fernsehbericht:

    Hier geben die Damen und Her­ren Power­ran­ger offen zu, dass es ihnen nur um Party geht und man eigent­lich mit Gothic nichts zu tun hat.
    Warum müs­sen sie dann unsere Clubs bela­gern, frage ich mich?

    Leute, ich muss unbe­dingt einen detail­lier­ten Text über Gothic schrei­ben… mir geht gerade so viel durch den Kopf — 250 Jahre Kunst– und Kul­tur­ge­schichte und so wenig Zeit… :)

  6. @Tears: Ein Wech­sel ist natür­lich legi­tim, es passte nur gerade gut zum Begriff des Szene-Austritts. Und deine »Wes­ter­wel­li­sche — Mani­pu­la­tion« lasse ich Dir jetzt mal durch­ge­hen :) Hmm, dei­nen zwei­ten Absatz finde ich schwie­rig. Kann mich mit dei­ner Mei­nung nicht so rich­tig anfreun­den, obwohl ich auch zuge­ben muss, das da was dran ist. Ich finde ein gewis­ses Zuge­hö­rig­keits­ge­fühl schon wich­tig und möchte auch ein gewis­ses Iden­ti­fi­ka­ti­on­po­ten­zial nicht ver­mis­sen. Viel­leicht ordne ich mich da lie­ber auf die »Erwa­chet!« Seite ein, obwohl ich mich gele­gent­lich dabei erwi­schen, wie ich im klei­nen Kreise (ohne Kerze) über den Nie­der­gang der Szene jam­mere, das muss ich zuge­ben. Viel­leicht schützt mich das vor einer end­gül­ti­gen GEGEN-Haltung wie du sie reprä­sen­tierst. Frage: Schützt eine gewisse Form von Par­ti­zi­pa­tion durch Kom­pro­miss­be­reit­schaft nicht vor sozia­ler oder per­sön­li­cher Isolierung?

    @Moonica: Ja so kann man das auch sehen. Mitt­ler­weile ist der Deut­sche ja tole­ran­ter gegen­über allem, als seine direkte euro­päi­schen Nach­barn. Letzt­end­lich kann man ver­ste­hen, das man in sei­nem Rück­zugs­ge­biet eine gewisse Into­le­ranz an den Tag legt, allein um die­sen zu schüt­zen. Ich habe den Bericht bewusst neu­tral und sach­lich gehal­ten (oder es zumin­des­tens ver­sucht), aber die­ses ver­mi­schen der Szene stößt mir sehr übel auf. Solange es aber Szene-Enthusiasten gibt, wer­den aber auch Rück­zug­ge­biete nicht aus­ster­ben und eben auch nicht mein per­sön­li­ches Zugehörigkeitsgefühl.

    @von Karn­stein: Völ­lig rich­tig, auf der einen Seite wird Tole­ranz gepre­digt, auf der ande­ren sel­ber Into­le­ranz aus­ge­übt. Ich denke, das ist wie Moo­nica schon sagt, ein­fach menschlich.

    Die neue deut­sche Härte oder auch Todes­kunst ist mei­ner Mei­nung nach eine ebenso über­flüs­sige Bezeich­nung wie die neue Deut­sche Welle, die man Anfang der 80er prägte.

    Ich sehe das so: Die Sub­kul­tur der Gruf­ties wurde seziert und alle ent­hal­te­nen Inhalte mit Ste­ro­iden zu eigen­stän­di­gen »Szene« auf­ge­pumpt. Diese Ent­wick­lung haben wir allein der Musik-Industrie zu ver­dan­ken, mei­ner Mei­nung nach. Diese ein­zel­nen Tumore kön­nen aber nicht ohne den Wirt exis­tie­ren und wer­den irgend­wann abster­ben oder den Wirt in die Tiefe reißen.

    Die Frage, warum die unsere Club’s bela­gern ist ein­fach geklärt. Weil dort »Ihre« Musik gespielt wird. Elec­tro und Pseudo-Industrial, NDH und NDT gehört doch schon heute in jede Play­list der Möchte-Gern-DJ’s. Außer­dem sind unsere Club’s die ein­zi­gen, wo man als Cyber noch tole­riert wird (womit wir wie­der beim Thema Nr.1 wären), wobei ich wie­der frage warum die dann nicht in Techno– oder Rave­clubs rum­hän­gen, da wären sie sicher­lich bes­ser aufgehoben.

  7. Iso­lie­rung… nun, das mag für viele wohl die här­teste Strafe sein, ich ziehe sie aber einen Leben zwi­schen Voll­idio­ten vor. Death before Dis­ho­ner… oder so ähnlich :D

    Mit einer »Erwachet«-Haltung beißt du dir nur unnö­tig die Zähne aus. Klar, es gibt natür­lich noch genug Leute die das sehen wie du oder ich. Ich will auch nie behaup­tet haben mit nie­man­dem aus der Szene mehr zu tun haben zu wol­len. Das ist doch aber ein klei­ner Prozentsatz.

    Hab ich eigent­lich mal erwähnt, dass Sta­gna­tion mir oft lie­ber ist als Fortschritt?

  8. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich dich rich­tig ver­stehe, Robert…
    Wenn ich von »neuer deut­scher Todes­kunst« spre­che, dann denke ich vor allem an »Goe­thes Erben«, »Lacri­mosa« und »Das Ich« (gab’s da noch mehr?)…
    Und alles was ich sagen wollte war:
    Deren Musik steht nicht in direk­ter der Tra­di­tion der schwar­zen Musik­stile der 80er — »Lacri­mosa« ist mehr Sym­pho­nic Rock/Metal, »Das Ich« recht klar Elek­tro, und »Goe­thes Erben« ein­fach nur ihr eige­nes thea­tra­li­sches Ding.
    Und den­noch sind sie in mei­nen Augen nicht min­der gothic (oder wört­lich betrach­tet viel­leicht noch mehr) als die Leute, die 10–15 Jahre frü­her die Dark Wave los­ge­tre­ten haben.

    Sie waren auf eine gewisse Weise etwas völ­lig Neues, haben sich aber ande­rer­seits noch in gewis­sen Maß­stä­ben bewegt und sind mei­ner per­sön­li­chen sub­jek­ti­ven Mei­nung nach eher eine Berei­che­rung der schwar­zen Szene gewe­sen. Hier war Ent­wick­lung Bereicherung.

    Anders bei Cyber. Hier wer­den diese gewis­sen Maß­stäbe nicht mehr erfüllt. Hier war Ent­wick­lung Verwässerung.

    Ähnlich argu­men­tie­ren könnte man auch gegen die »Mittelalter«-Ecke, zuge­ge­ben (und ich wäre nicht wirk­lich enthu­si­as­tisch dabei, sie zu ver­tei­di­gen), aber da Retro­spek­tive und beson­ders auch die roman­ti­sierte Mit­tel­al­ter­vor­stel­lung an sich klas­si­sche Gothic-Elemente sind, bin ich hier eher gewillt, ein Auge zuzudrücken.

    @Tears:
    Wo wohnst du denn, dass du es schaffst NICHT zwi­schen Voll­idio­ten zu leben? ^^ Davon gibt’s in der Szene doch auch nicht mehr als außer­halb (aber ernst­haft: Lebst du zufäl­lig im Ruhr­pott? Von da habe ich schon gehört, dass die schwarze Szene quasi nicht mehr exis­tiert und prak­tisch kom­plett von der Neon­szene ver­drängt wurde.)
    Da wo ich mich kon­kret in der Szene bewege (was pri­mär natür­lich heißt: Clubs/Discos) gibt’s weder Par­ty­volk mit Geschmacks­ver­ir­rung, noch Leute bei denen die Tole­ranz das Hirn ver­drängt hätte. Man muss nur sorg­fäl­tig son­die­ren und aussortieren ^^

  9. Groß­raum Karls­ruhe. Nun, ich schaffe es natür­lich nicht, mich voll­stän­dig von Voll­idio­ten fern­zu­hal­ten. Irgend­wann muss ich mich mal mit Lebens­mit­teln ein­de­cken und da gibt es auch gele­gent­lich Leute, wo schim­meln­des Brot mehr Gehirn besitzt. Ich halte mich aber grund­sätz­lich so wenig wie mög­lich unter Men­schen auf, selek­tiere die Leute mit denen ich mich abgebe stark und in einem Club war ich schon ne halbe Ewig­keit nicht mehr.

    In wie weit die schwarze Szene hier den Bach run­ter ist kann ich also nur noch teil­weise beur­tei­len. Wie gesagt: Ich zähle mich auch nicht mehr dazu. Ok, die meis­ten mei­ner Bekann­ten in mei­nem Alter sind ebenso »schwarz« oder auch »ex-schwarz« und somit zeigt sich schon ein Hang in diese Rich­tung. Ich kann aber auch aufm Bolz­platz Fuß­ball spie­len ohne gleich Fan eines Bundesliga-Vereins zu sein, oder? :D

  10. @von Karn­stein: Ok, viel­leicht muss ich das tren­nen. Vor allem bei NDT geht es mir pri­mär um die Bezeich­nung, wäh­rend es bei der NDH quasi um alles geht. Hier wer­den Schub­la­den gebaut, wo wie­der alles mög­li­che rein­ge­stopft wird. Wenn ich mich nicht ganz irre, war es sogar der Zillo, der damit ange­fan­gen hat über für die Bands die du schon genannt hast und « Rela­ti­ves Mensch­sein«, »End­raum« oder auch »Illu­mi­nate« ein neues Män­tel­chen zu fin­den. Ähnli­ches gilt für die NDH, in der aber die meis­ten Bands für mei­nen Geschmack Voll­nul­len sind (bspw. Ramm­stein), der aber auch wie­der Bands ein­ge­ord­net wer­den, die mei­ner Ansicht da nichts zu suchen haben.

    Sicher, eine span­nende Ent­wick­lung diese NDT, es geht mir dabei aber haupt­säch­lich um das Eti­kett. Ich emp­fand die Musik von Das Ich und Goe­thes Erben immer schon als Berei­che­rung für die schwarze Musik, ebenso die Strö­mun­gen der Mit­tel­al­ter– oder Neo­folk­mu­sik, obwohl man auch hier nicht alles über einen musi­ka­li­schen Kamm sche­ren kann. Und das auch, obwohl es sich dabei natür­lich um eine totale roman­ti­sie­rung des Mit­tel­al­ters han­delt und Neo­folk zum poli­ti­schen Instru­ment ver­kom­men ist, aber dazu gibt es dem­nächst einen eige­nen Artikel :)

    @Tears: »Still­stand ist der Tod« hat man mal gesagt, obwohl ich das nicht 100%ig für mich über­neh­men würde, ein gewis­sen »Fest­hal­ten« an bewähr­ten Din­gen gehört dazu, des­we­gen teile ich deine Ansicht, das man­chen Sta­gna­tion erwünscht ist.

    Rein von der Region muss ich von Karn­stein recht geben, hier bei uns im Ruhr­pott ist wirk­lich alles vol­ler Knick­licht­gruf­ties, Party’s in schwar­zer Qua­li­tät gibt es recht sel­ten und nicht in der sel­ben dichte, wie es offen­bar in sei­ner Umge­bung stattfindet.

    Ja, der Fuß­ball­ver­gleich :) Klar kannst du auf dem Bolz­platz spie­len ohne ein Fan zu sein, aber ohne die Mit­glied­schaft zu einer Gruppe wird die kaum jemand mit­spie­len las­sen :) Da kannst du lie­ber wie For­rest Gump Tisch­ten­nis mit Dir selbst spie­len. Ich würde das aber als sehr schade emp­fin­den und Dir wohl anbie­ten die hoch­ge­stellte Seite run­ter­zu­klap­pen um mit dir zu spielen.

  11. Dann sind wir uns ja wei­test­ge­hend einig, was das Musi­ka­li­sche angeht ^^
    Diese »Neue Deut­sche Härte« war für mich immer ein Eti­kett für moderne Spiel­ar­ten des Metal, die in deut­scher Spra­che daher­ka­men. Von daher habe ich sie eigent­lich nie so rich­tig in die schwarze Szene gesteckt.
    Der Wikipedia-Artikel steckt auch ASP in diese Kate­go­rie, was mir ja jetzt mal so gar­nicht schme­cken will :)

    Mit dem Szen­ele­ben ist das aber auch an sich schon so eine Sache…
    Ich bin beken­nen­der und lei­den­schaft­lier Goth/Grufti/Waver/wasauchimmer, und das bin ich geschminkt und auf­ge­bre­zelt im Club genau so wie in Gam­mel­kla­mot­ten auf der Couch. Ich kenne Goths, die auch gar­nicht in Clubs gehen, also gar­nicht an dem schein­ba­ren Zen­trum des Szen­ele­bens teil­neh­men. Aber sind sie des­halb keine Goths? Sind sie des­halb nicht in der »Szene«?

    Auf der ande­ren Seite gibt es Leute wie bei­spiels­weise mein Bru­der, der neben metal­li­schem auch gerne alte Goth­mu­sik und Folk hört, sich fast nur schwarz klei­det und gerne mit mir auf Darkwave-Partys geht, aber sich einer »Szene« nicht bei­ord­nen will.

    Summa sum­ma­rum: »Szene« ist letzt­lich Aus­le­gungs­sa­che und Nomen­kla­tur und im End­ef­fekt eigent­lich auch über­haupt nicht wich­tig, für das, was man als Goth (oder was auch immer) lebt.
    Finde ich zumindest ^^

  12. Also in einem mei­ner Lieb­ling­s­clubs wur­den kürz­lich erst die Cybers aus­quar­tiert, haben ihre eigene Party bekom­men und somit ist die alt­ein­ge­ses­sene Ver­an­stal­tung wei­test­ge­hend frei von Düs­ter­techno und neon.
    Ein ande­rer Club hier hatte eh schon immer getrennte Ver­an­stal­tun­gen für unter­schied­li­che Musik­rich­tun­gen, bis auf einen Abend im Monat wo eigent­lich alles lau­fen sollte, an man­chen Aben­den ists aber doch sehr Düstertechno-lastig (was zwei Bekannte und mich mal dazu ver­an­lasst hat mit einer Polo­naise durch die Tanz­flä­che für ne Runde gute Musik zu pro­tes­tie­ren … man stelle sich einen Alt-Grufti und zwei Reif­rock­wei­ber vor die kaum voran kom­men weil sie sich gegen­sei­tig immer wie­der auf die Säume lat­schen :D)

    Zumin­dest bei uns scheint sich da lang­sam was zu tun. Viel­leicht erreicht die Enw­tick­lung ja auch andere Regio­nen im Lauf der Zeit :)
    Mir­we­gen darf jeder ja tun und las­sen was er mag, ich muss es des­we­gen ja nicht toll fin­den. Und wenn ich mit­be­komme daß Neons bei alt­ein­ge­ses­se­nen Ver­an­stal­tun­gen über die Musik her­zie­hen, dann ists im Inter­esse aller Betei­lig­ten das schlicht und ergrei­fend auf­zu­tren­nen und jedem sei­nen Raum zu geben.

  13. @von Karn­stein: Ein schö­ner Schluss­satz. Szene ist doch schließ­lich da, wo man möchte. Gerade die schwarze, beson­ders die Grufti-Szene ist eine eher zurück­ge­zo­gene Bewe­gung in der das schöne der Ein­sam­keit gelebt wird, dazu sind nicht unbe­dingt soziale Kon­takte not­wen­dig, auch wenn ich es per­sön­lich schade finde, denn wie du schon rich­tig sagst ist Szene nun­mehr auch eine Mode­wort gewor­den. Die wirk­lich schwar­zen See­len blei­ben unter der mitt­ler­weile glän­zen­den Ober­flä­che verborgen.

    @Rosa Cha­ly­beia: Eine sehr posi­tive Ent­wick­lung in dei­nem Stamm­tem­pel, zumal ich mir gerade vor­stelle, wie der Pro­test unter­geht wäh­rend ihr über eure Säume stol­pert. Ich hoffe natür­lich, dass der Trend auch wei­ter in die Repu­blik schwappt und das die »Tren­nung« anstän­dig voll­zo­gen wird. Wenn ich das ganze noch wei­ter­spin­nen darf: Viel­leicht eta­blie­ren sich dann auch wie­der tief­grün­di­gere Bands und nicht noch wei­tere Belang­lo­sig­kei­ten. Aber das sind fromme Wünsche :)

  14. ASP sind dort, wo sie hin­ge­hö­ren: Pseudo-Gruft-Schlager mit Rammstein-Gitarren. Da kannste auch Unhei­lig mit reinklatschen.

    Ansons­ten kann ich nur sagen, dass die NDT im Prin­zip nur auf musi­ka­li­sche Ele­mente zurück­griff, die auch schon in den 80er Jah­ren im Wave-Umfeld exis­tier­ten. Synthie-Wave hört man zum Bei­piel bei Rela­ti­ves Mensch­sein oder bei Men­tal Inqu­si­tion, Neo­klas­si­sches bei frü­hen Das Ich, die sogar stark durch die Ein­stür­zen­den Neu­bau­ten beein­flusst wur­den, Goe­thes Erben hat­ten immer so einen kaba­ret­tis­ti­schen Ein­schlag, den gab es auch schon in den 80ern bei den Sex Gang Child­ren oder bei The Vyl­lies. So fremd ist das Genre gegen­über ande­ren Wave-Genres also nicht.

    Lacri­mosa ist ein Streit­thema. Wären die nicht so vom Zillo gepusht wor­den, würde die heute kein Schwein ken­nen. Mehr Schla­ger als NDT. Der Gothic-Bezug kam haupt­säch­lich durch das Image von Tilo Wolff (hätte der mit Jeans und Hemd auf der Bühne gestan­den, wären faule Toma­ten geflo­gen). Und hier habe ich ihn bewun­dert. Kei­ner bekam in den 90s sein Out­fit bes­ser hin als Schlager-Tilo. ;)

    Warum es die Gothic-Szene eigent­lich nicht mehr gibt, ist ein­fach zu erklä­ren: ihre Unter­grüpp­chen kön­nen sich nicht ein­mal selbst rie­chen. Batca­ver gegen Todes­künst­ler oder gegen die Neoklassik-Hoschis. Auf­spal­tung in Motto-Partys. Es herrscht doch über­haupt kein wirk­li­cher Zusam­men­halt und jede die­ser Unter­grup­pen hält sich für die ulti­ma­tive Ver­kör­pe­rung von Goth. Die neon­bun­ten Raver-Hoschis lachen sich wäh­rend des­sen ins Fäustchen.

  15. @Death Disco: Ein wah­rer Kom­men­tar! Die­ser interne Klein­krieg zwi­schen den ver­schie­de­nen Split­ter­grup­pen ist wirk­lich extrem ner­vig, aus dem die »Raver-Hoschis« wohl­mög­lich noch pro­fi­tie­ren. Diese ästhe­ti­sche Kräft­mes­sen (wer ist gruf­ti­ger als ich) hat man aus ande­ren Kul­tu­ren impor­tiert und erschien unaus­weich­lich seit dem eine immer grö­ßer Masse anspricht und in den Begriffs­bal­lon »Gothic« alle mög­li­che Musik­rich­tun­gen presst, die da nun wirk­lich nichts zu suchen haben.

    Wie siehst du in die­sem Zusam­men­hang die Zukunft? Ich denke das Pro­blem wird sich noch wei­ter ver­schär­fen, bis zu einem gro­ßen auf­bre­chen (wenn nicht schon längst gesche­hen) kommt. Aus Motto-Partys wer­den dann Clubs zusam­men­ge­schus­tert, die sich auf­grund man­geln­dem Zusam­men­halts wie­der auf­lö­sen. Genau wie du denke ich, das hier mir Zusam­men­halt zwi­schen den eigent­lich ver­wand­ten Grüpp­chen herr­schen soll­ten. Denn Waver, Batca­ver und Gruf­ties haben schon rein musi­ka­lisch eine Ver­wand­schaft. Den Phä­no­men NDT und NDH geht es eben wie der NDW in den frü­hen 80er. Es sind Mode­er­schei­nun­gen für eine breite Masse, der man vor­gau­kelt man wäre beson­ders Hart und Tot damit sich das Publi­kum damit iden­ti­fi­ziert. Viel­leicht geht es ja den Strö­mun­gen wie der NDW, sie wer­den bis zum Tode hoch­ge­spritzt um dann in die Lächer­lich­keit zu versinken.

  16. Na ja, die Neue Deut­sche Todes­kunst betrifft das nicht. Die war ja eigent­lich nur ein kurz­le­bi­ges Phä­no­men der 90er, des­sen Hoch­phase ca. 1994 vor­über war. Außer Lei­chen­blass und Expli­zit Ein­sam ist mir keine wei­tere Band bekannt, die heute noch in die­sem Genre behei­ma­tet ist (Other Day viel­leicht noch?). Schon Ende der 90er war die­ses Phä­no­men geges­sen, was ein­fach am Wan­del des Ziel­pu­bli­kums liegt. Wasch­echte Gruf­tis star­ben ab Mitte der 90er näm­lich lang­sam aber sicher aus und wan­der­ten ab.

    Anders ist das mit der Neuen Deut­schen Härte, die — mal abge­se­hen von der Namens­ver­wandt­schaft — nichts mit der Neuen Deut­schen Todes­kunst zu tun hat. Die NDT war ganz klar ein Dark-Wave-Genre mit Bezug zur 80er Dark-Wave-Musik (End­raum waren zum Bei­spiel ein­ge­fleischte Joy-Division-Fans). Die Neue Deut­sche Härte fußt hin­ge­gen auf Deutsch­rock und Crossover-Musik. Da stan­den Oomph! Pate oder eben Die Krupps in ihrer Techno-Metal-Periode. Ramm­stein stan­den dann im Mit­tel­punkt und Grup­pen wie Eis­bre­cher, Mega­herz, Unhei­lig, ASP und sogar Umbra et Imago sind dann auf den Zug auf­ge­sprun­gen. Diese Musik hat, wie gesagt, nichts mit Gothic oder Wave zu tun. Noch nicht ein­mal mit Indus­trial im eigent­li­chen Sinne. Denn oft wird Lai­bach als Inspi­ra­tion her­an­ge­zo­gen. Die wie­derum hat­ten ihre Industrial-Phase jedoch bereits Ende der 80er hin­ter sich gelas­sen, daher kann man Indus­trial nicht als Ein­fluss gel­ten las­sen. Kurzum: die Neue Deut­sche Härte ist nichts Szene-eigenes, son­dern etwas von außen in die Szene Hin­ein­ge­drück­tes. Das gilt auch für den Mit­tel­al­ter­rock. Und zu die­ser Musik ist ein neues Publi­kum ent­stan­den, das für mich nichts mit Gothic ver­bin­det. Das sind »Post-Goths« und »Mall­goths« bzw. bil­den sie irgend­et­was Zusam­men­hang­lo­ses ohne Bezug zur Wave-Musik.

    Gothic war Ende der 90er, wie oben schon geschil­dert, vor­bei, ganz egal, ob man das nun auf Gothic Rock bezieht, auf den Heavenly-Voices-Kram oder auf Gen­res wie NDT oder Synthie-Wave à la The Eter­nal Aff­lict. Zu die­ser Zeit boom­ten erwähnte Ramm­stein, Mari­lyn Man­son, HIM und diese gan­zen Sym­pho­nic– und Mittelalter-Metal-Grüppchen à la Night­wish und Svb­way to Sally auf der einen Seite und auf der ande­ren die­ser techno-beeinflusste Elektro-Kram von VNV Nation, Fun­ker Vogt, usw. Spä­tes­tens 1998 wurde der Grund­stein für den Mist­hau­fen gelegt, mit dem wir uns heute her­um­pla­gen müs­sen. Eine fette Walze, der man nichts mehr in den Weg stel­len kann. Cybers sind letzt­lich nichts ande­res als eine Begleit­er­schei­nung die­ses techno-verseuchten Elektro-Booms. Future Pop und Hellek­tro zäh­len dann auch zu deren Vorlieben.

    Selbst das Batcave-Revival ab 2001, mit Grüpp­chen wie Cinema Strange und Co., kann am Dahin­ster­ben der Gothic-Kultur nichts mehr ändern. Dazu ist Batcave/Tradgoth in der heu­ti­gen Zeit nicht ein­fluss­reich genug (die Ver­tre­ter die­ser Gat­tung ver­buch­ten in den 80s Chart­pla­zie­run­gen — heute ein Ding der Unmög­lich­keit). Und Batca­ver sind es, die am Ende auch die letz­ten Vetre­ter der goti­schen Gat­tung sein wer­den. Alles andere, das sich heute »Gothic« schimpft, hat mit dem Gothic der 80er und 90er nichts mehr zu tun. Mall­goths eben, ver­irrte Raver oder Mosh-Kids. Dar­über kann auch keine schwarze (?) Klei­dung hinwegtäuschen.

  17. Bezüg­lich ASP muss ich dir vehe­ment wider­spre­chen, Death Disco.
    Sicher, die Musik hat nicht viel mit Dark Wave oder Gothi­crock zu tun, und gene­rell ist das Ganze natür­lich zu einem gro­ßen Teil Geschmacks­sa­che.
    Aber »gothic« im tra­di­tio­nel­le­ren Sinne des Wor­tes (tra­di­tio­nel­ler als die Szene) sind sie ohne jeden Zwei­fel und klar und objek­tiv defi­nier­bar — die ganze Geschichte um den schwar­zen Schmet­ter­ling ist eine ein­zige große Gothic Novel, und wenn man es mal ganz streng und tra­di­tio­nell und kultur-/kunstwissenschaftlich betrach­tet sind ASP dadurch ein gutes Stück weit mehr Gothic als es die Sis­ters oder Bau­haus sind (wenn­gleich ich per­sön­lich sie bevor­zuge).
    Ich finde also sehr wohl, dass eine sol­che Band in der »Gothic«-Szene rich­tig auf­ge­ho­ben ist — zumal du ihre musi­ka­li­sche Band­breite auch deut­lich klei­ner dar­stellst als sie ist — in der Tat umfasst sie fast alles, was die moderne schwarze Szene zu bie­ten hat; und ihre Wur­zeln lie­gen kei­nes­wegs im wie-auch-immer-gearteten rocki­gen Bereich son­dern in der gemä­ßig­ten und entspannt-untechnoiden Elek­tro­nik (man höre sich mal das kom­plette erste Album an, nicht nur »Und wir tanzten«).

    Und ganz so schwarz (welch Iro­nie) kann ich auch nicht sehen, was die Szene angeht.
    Das von dir erwähnte »Batcave-Revival«, das ja in ers­ter Linie durch ame­ri­ka­ni­sche Deathrock-Bands vor­an­ge­trie­ben wurde und wird sehe ich im Gegen­teil als ers­ten Schritt in die rich­tige Rich­tung — und zwar nach hin­ten, aber mit dem Blick nach vorn.
    Cinema Strange (die es im Übri­gen auch schon seit den frü­hen 90ern gibt) finde ich da sehr reprä­sen­ta­tiv, da sie deut­li­che Bezüge zu den Wur­zeln der Szene haben, ohne ein blo­ßes Ree­nact­ment zu ver­an­stal­ten — ebenso Scary Bit­ches und Diva Destruc­tion. The Fro­zen Autumn und die von Robert aus­ge­gra­be­nen Lei­chen­liebe sind wei­tere gute Bei­spiele für moderne Bands mit tra­di­tio­nel­lem (wavi­gem) Sound.
    Oder in eine andere Rich­tung gehend: Z.B. Emi­lie Autumn ist es gelun­gen, einen gänz­lich neuen Sound zu kre­ie­ren, der mir den­noch als voll und ganz schwarz ein­leuch­ten will — dabei bedient sie sich unter ande­rem auch mal tat­säch­li­cher Industrial-Klänge und greift teils bewusst und kon­kret Gothic­the­men auf.

    Zur Optik von Tilo Wolff muss ich dir auf der ande­ren Seite ebenso vehe­ment bei­pflich­ten — einen unglaub­lich guten Stil pflegte die­ser Mann und pflegt ihn noch immer ^^

  18. Ich bin eher stil-orietiert. Das heißt, dass ich seit den 90ern den Gothic-/Wave-Bereich in sei­nen sti­lis­ti­schen For­men von 1979–2009 ana­ly­siere und dar­aus durch­aus ablei­ten kann, was Gothic/Wave ist. Alle Stile waren letzt­lich schon in den 80ern vor­han­den bzw. wurde in die­sem Jahr­zehnt der Grund­steine für viele Spiel­ar­ten gelegt. Man­che erleb­ten ihre Blü­te­zeit erst in den 90ern, usw.. Wie auch immer.

    Klei­ner Denk­an­stoß: ASP mögen Gothic-Themen haben. Die haben aber auch zig Metal-Bands. Sind die nun auch Gothic? War Venom eine Gothic-Band, weil sie teils von den Gothic Novels inspi­riert wurde? Mer­cy­ful Fate? Oder irgend­wel­che Black-Metal-Hoschis, die durch Love­craft und andere Horror-Autoren beein­flusst wur­den? Sicher nicht. Ich geh hier, wie gesagt, gna­den­los den sti­lis­ti­schen Weg und sage: ASP haben im Gothic-/Wave-Umfeld nichts ver­lo­ren. Das ist „n bis­sel Dance Music und ein wenig Proll-Rock-Geschrammel Marke Ramm­stein. Die Texte sind dabei völ­lig zweitrangig.

    Den Tru­bel um Emi­lie Autumn kann ich eben­falls nicht nach­voll­zie­hen. Ich halte sie ebenso für ziem­lich irre­le­vant. Ein von Sonic Sedu­cer– und Orkus gepush­tes Häs­chen, klassik-inspiriert, manch­mal folk-orientiert, ein biss­chen New Age gibt es auch, gewürzt mit lang­wei­li­gem Elektronik-Geblubber und ein paar Techno– und R’n’B-Anleihen (gemeint ist Con­tem­porary R’n’B). So klang ihr frü­her Sound. Heute ver­sucht sie auf ihrer Vio­line Heavy Metal zu spie­len. Ganz ehr­lich: die Frau ist mei­ner Mei­nung nach voll­kom­men über­be­wer­tet, hat abso­lut nichts Neues erfun­den und kann mir mit ihrem eklek­ti­schen Sound­brei herz­lich gestoh­len blei­ben. Das ein­zige, das sich bei der Dame ver­mark­tet, ist das Image. Ein biss­chen Schminke und nackte Brüste… sowas kommt immer an. Für ihre Miniplayback-Shows auf der Bühne inter­es­siert eh kei­ner. Gothic oder Indus­trial kann ich dort letzt­lich mit der Lupe suchen. Wer da letz­tere Stile her­aus­hört, möge mir bitte Track-Beispiele lie­fern. Ich höre da zwar elek­tro­ni­sche Musik, die in moder­nere Elek­tro– und Electronica-Gefilde steu­ert. Das ist aber auch schon alles. ;)

  19. Es ist übri­gens nicht nur die alte »Reinblut-Goth-Elite«, wel­che bei den Sze­ne­te­letub­bies den Kopf schüt­telt. Dafür besit­zen diese das Glück, dass sie noch Orte oder Clubs auf­su­chen kön­nen, deren akus­ti­sche und atmo­sphä­ri­sche Unter­ma­lung den Cybern zu unspa­ßig ist.
    Aber wenn man sich als Alt­ve­te­ran des Dark Wave, EBM oder Indus­trial dahin­ge­hende Abende raus­sucht, so finde man für diese Gestal­ten kein „Wir müs­sen lei­der drau­ßen bleiben“-Schild.
    Statt­des­sen wer­den einem die Ohren mit der­ar­tig deka­den­ter Musik gefüllt, die ich frü­her schon in den Anfän­gen des Techno oder Raves ver­ach­tete. Und bei der ich weiß, dass Mitte der 90er der DJ dafür kol­lek­tiv abge­straft wurde. Aber damit sich des Mes­ser auch so rich­tig dreht, sieht man diese Inter­pre­ten immer mehr mit den alt­wür­di­gen Musik­ka­te­go­rien in Ver­bin­dung gebracht. Somit traut man sich schon gar nicht mehr die Worte EMB oder Indus­trial unge­zwun­gen aus­zu­spre­chen, da die Asso­zia­tion der Masse einem ein­fach zu wider wird. Vor allem, wenn es diese so ver­ste­hen, als möge man diese tech­no­zi­den bzw. cyber­go­th­ge­rech­ten Klangverbrechen.

  20. @Death Disco: Zunächst zu dei­nem ers­ten Kom­men­tar. Zur NDH stimme ich dir voll­kom­men zu, obwohl dar­aus einige wirk­lich inter­es­sante Bands ent­stan­den sind, die sich eher Gen­re­über­grei­fend bewe­gen. Das die Mit­tel­al­ter­the­ma­tik von außen in die Szene gedrückt wurde kann ich aber lei­der so nicht bestätigen.

    Schon mit den ers­ten Mit­tel­al­ter­märk­ten, denen viele schon immer offen gegen­über gestan­den haben wuchs auch das Inter­esse an mit­tel­al­ter­li­cher Musik, die ja durch­aus auch Ver­wand­schaf­ten zum Neo-Folk zeigt, der in den 90er auch von einige abwan­dern­den Gruf­ties schät­zen gelernt wurde. Ich denke hier gibt es zu viele Quer­ver­weise als das man behaup­ten könnte das Mit­tel­al­ter sei hin­ein­ge­drückt worden.

    Das kuriose an der Gothic-Szene ist, das sie schon oft für tot erklärt wurde und doch wei­ter im Unter­grund schwelt. Als sich Mitte der 80er viele der alten Bands auf­lös­ten, oder Ende der 80er als die Wie­der­ver­ei­nig­ten Bands teil­weise in den Pop wan­der­ten und dann auch wie­der unter­gin­gen. Oft­mals kom­men die Impulse aus dem klei­nen Rest der Szene selbst. Ob nun die Batca­ver das letzte Über­bleib­sel einer ster­ben­den schwar­zen Szene sind las­sen wir mal dahin­ge­stellt. Viel schlim­mer ist es jedoch, das die breite Masse sich die­sen Begriff geschnappt hat und ihn unter allem mög­li­chem ver­mark­tet, was Dir uns mir aufstößt.

    @Karnstein: Ja soweit kann ich das nach­voll­zie­hen und zustim­men. Zwei Dinge finde jedoch Dis­kus­si­ons­wür­dig: Zum einen die Gothic-Novels und des Kunst­his­to­ri­sche, lyri­sche oder Inhalt­li­che Bezug zur Geschichte ist ein Phä­no­men das mei­ner Mei­nung nach erst spä­ter in die Szene getra­gen wurde, als sich das »Gothic-Ding« so etwa ab ’83 ver­selbst­stän­digt hat und die Fans began­nen sich mit den Bezü­gen die die Bands namen selbst aus­ein­an­der­setz­ten und einer dar­aus ent­ste­hen­den Lei­den­schaft ver­fie­len.
    Zum ande­ren: Mit Emi­lie Autumn kann ich lei­der auch nichts anfan­gen und finde nicht das die Dame etwas schwar­zes an sich hat, die könnte sich wegen mir gleich neben David Gar­ret auf die Bühne stel­len. Die passt für mich nicht in mein schwarze Bild.

    @Guldhan: Das ist aber regio­nal sehr unter­schied­lich, ich muss mich bei­spiels­weise für eine tra­di­tio­nelle Abwechs­lung fast 1 Stunde ins Auto set­zen (Zwischenfall-Bochum), aber rein gedank­lich gebe ich Dir recht. Das Sticht­wort DJ finde ich hier auch sehr inter­es­sant. Heute spie­len doch viele immer den sel­ben Kram und die gleich Mischung ohne neue Plat­ten mit ins Pro­gramm zu neh­men und die Leute mit etwas neuem zu über­ra­schen. Ich glaube das 50% der DJ’s in soge­nann­ten »Szene-Schuppen« durch eine voll­au­to­ma­ti­sche Play­list ersetzt wer­den könnten.

  21. Die Club– wie Kon­zert­menta­li­tät ist inter­es­san­ter Weise eben­falls regio­nal abhän­gig. Und kann ganz grob sogar in Ost und West unter­schie­den wer­den. Diese Erfah­rung machte ich bei mei­nen Wan­der­schaf­ten und diese Erfah­rung tei­len mir öfters Kum­pels mit, bzw. wurde von diver­sen Inter­pre­ten bestätigt.

    Die Club­dichte hat hier gegen­über den 90ern nach­ge­las­sen, aber die Fahrt in die Stamm­lo­kale hält sich mit 40 Minu­ten Auto­bahn in Gren­zen. Ansons­ten teste ich mich wie­der tie­fer in die »Schwarz­hoch­burg« Sach­sen hin­ein. Neben NRW kann man sich dort noch am bes­ten austoben.

    Mich würde ein­mal inter­es­sie­ren, was Cybern den Anreiz gab, in die­ser Szene rum­zu­spu­ken. Die Abwand­lung der elek­tro­ni­schen Musik um 2000 hin zum tech­no­zi­den? Oder wurde die Musik so, weil sol­che Gestal­ten neue und bes­sere Abneh­mer waren. Ich weiß nur, dass ich diese Teletub­bies vor 10–12 Jah­ren noch nicht rum­leuch­ten sah.
    Auch wenn mich gerade diese Stil­viel­falt noch an der schwar­zen Szene fas­zi­niert, so muss man ja nicht alle Dödel ein­la­den. Was kommt als nächs­tes? Der Bad-Groove-Goth, Funk Body Musik –schlimm genug, dass TBM schon zum geflü­gel­ten Wort wurde– oder Hip-Hop´ndustrial bzw. Hopstrial.

  22. Misch” ich mich mal dazwi­schen. Hm, ich werde in Clubs selt­sa­mer­weise immer dumm ange­schaut, von allen, ob von Roman­ti­kern oder Knick­lich­tern. Ein wei­te­rer Grund, mich von der­ar­ti­gen Events fernzuhalten. ;-)

  23. @Guldhan: Hier fällt immer wie­der das Stich­wort »Love­pa­rade«, denn als die 2004/05 aus­ge­fal­len ist gab es einen enor­men Zuwachs von Cyber-Gothics. Das ist aber nur ein Ein­druck, kein beleg­ba­rer Fakt. Dazu kommt, das über Zeit­schrif­ten, Fes­ti­vals und Club mas­siv elek­tro­ni­sche Ein­flüsse in die schwarze Kul­tur gestreut wur­den (viel­leicht als gedacht Erwei­te­rung des Dark­wave) um ein brei­te­res Publi­kum anzusprechen.

    @ShainaMartel: Ans komisch ange­guckt wer­den soll­test du Dich aber mitt­ler­weile gewöhnt haben :) Immer­hin ist das doch ein gutes Zei­chen für deine Indi­vi­dua­li­sie­rung, oder?

  24. Es wun­dert mich eben ein­fach, dass ich mit durch­schnitt­li­chen Ver­tre­tern die­ser Szene, ob schwarz oder bunt, nie wirk­lich zurechtkomme ;)

  25. Die Love­pa­rade ist ein inter­es­san­ter Aspekt. Für mich kam das alles nur recht plötz­lich, was wohl auch damit zusam­men­hängt, dass ich ab 2000 für län­gere Zeit nicht mehr so aktiv im sog. Szen­ele­ben stand.

    Meine Theo­rie ist, dass »unser Jahr­gang« in sei­ner Jugend noch anders geprägt wurde. Ich glaube die­ses Argu­ment klang hier schon an. Wenn ich mich mit ande­ren unter­hielt, so wurde als musi­ka­li­scher Ein­stieg ver­däch­tig oft die Musik der 70er, 80er bzw. eben pun­k­las­ti­ges ange­ge­ben. Oder Depe­che Mode bzw. The Cure als reinste Kli­schee­bil­der der Ein­stiegs­droge. Die jün­gere Gene­ra­tion, heu­tige 18-25jähige, wur­den über MTV oder VIVA ver­stärkt durch die darin auf­tre­tende elek­tro­ni­sche Musik (Techno, House, Rave, usw.) geprägt. Eine Sym­pa­thie, die dann natür­lich auch mit in die Szene gebracht wurde.

    Außer­halb irgend­wel­cher Anti­pa­thien wäre es jeden­falls inter­es­sant, dem groß­flä­chig nach­zu­ge­hen. Gerade der Wan­del inner­halb der Musik, da diese doch einen Stütz­pfei­ler die­ser Szene dar­stellt. Mög­lich, dass es auch eine allzu sub­jek­tive Erfah­rung ist, aber die elek­tro­ni­sche Musik in den 90er Jah­ren –abge­se­hen vom Syn­di­pop– stellte bewusst einen Kon­trast zu jener Klangart dar, der sie heute freu­dig ange­hört. Beste Bei­spiel und Lieb­ling inner­halb der Cyber­gothics ist dabei »Soman« Oder man ver­gleicht ein­fach ein­mal Alben diver­ser Inter­pre­ten von 1995 und 2005.

  26. So. Jetzt mal ein Kom­men­tar von so einem hal­ben »Teletub­bie«, wie ihr es nennt.

    Ich find all­ge­mein diese ganze Dis­kus­sion Gothic vs. Cyber recht inter­es­sant und würde dies­be­züg­lich euch gern ein paar Fra­gen stel­len bzw even­tu­ell sogar Denk­an­stöße geben.

    Erst­mal jedoch zu mei­ner Per­sön­lich­keit:
    Uner­war­te­ter Weise hab ich im letz­ten Jahr mich immer mehr mit Tech­no­ider Musik anfreun­din kön­nen, obwohl meine Wur­zeln -»schwarze Sze­ne­tech­nisch« betrach­tet — eher bei dem PseudoGoth-Kram alâ ASP lagen. Ich denke das ist eher Gene­ra­ti­ons­be­dingt, mit was für Musik man da als ers­tes in Kon­takt kommt.
    Nichts­des­to­trotz hab ich den­noch die Ursprünge gesucht, gefun­den und für mich ent­deckt, so dass mir auch »rich­tige« Gothick­länge wohl­wol­lend durch meine Ohren hal­len.
    Ich bin musi­ka­lisch ziem­lich viel­fäl­tig und leb das auch beim weg­ge­hen aus. Aller­dings würde ich nie­mals auf die Idee kom­men, im Cybe­rout­fit zu „ner Batcave-Veranstaltung zu gehen, da ich es schlicht­weg als unpas­send erachte.
    Für mich allein zu hause zurück­ge­zo­gen prä­ves­ti­nier ich auch lie­ber ruhi­gere, leicht melan­cho­li­sche Klänge, Kunst und Lite­ra­tur sind mir auch alles andere als Fremd­worte. ;)
    Nun, da das ganze kein Lebens­lauf wer­den soll ein­fach mal die Frage an euch:
    Ist es mir ver­bo­ten, nur weil ich ab und an, in eini­gen Zei­ten mehr, in ande­ren mal weni­ger, »raven« gehe trotz­dem mit der schwar­zen Szene und vor­al­lem deren Ursprünge zu symphatisieren?

    Ich kann durch­aus Unmut nach­voll­zie­hen, wenn »Bun­teleucht­vie­cher« schwarze Par­tys bela­gern, jedoch hab ich es nie so krass erlebt, wie oben geschil­dert. In mei­ner alten Hei­mat kam­men alle mit ein­an­der aus (Okay, Cyber’s wur­den zwar belä­chelt, aber nicht­des­to­trotz kam man gut aus und es konn­ten ohne Pro­bleme alle mög­li­che Musik­stile an einem Abend gespielt wer­den). Nach mei­nen Umzug in die Haupt­stadt Deutsch­lands hab ich hier nur erlebt, dass die Par­tys tat­säch­lich getrennt sind.

    Ansons­ten noch was: Tat­säch­lich betrach­ten sich auch viele der ver­meint­li­chen Cybergoth’s auch gar nicht als sol­che, son­dern nur als Cyber. Und auf Tech­noevents sind sie teil­weise auch anzu­tref­fen, auch wenn eini­gen die Musik zu fröh­lich ist.
    Die­je­ni­gen, die sich tat­säch­lich den Stem­pel Cyber­goth auf­drü­cken las­sen, sind ent­we­der voll­idio­ten, für die ihr Techno auch »Indus­trial« ist oder halt eben Leute wie ich, die einen wei­te­ren Hori­zont als nur das Tech­no­ide oder nur das schwarze haben.
    Aller­dings muss auch ich geste­hen, dass ich mich Frage, wer zum Teu­fel auf die Idee kam diese »Bewe­gung« so zu tau­fen.
    Die ursprüng­li­che Ravek­ul­tur hat im übri­gen auch eine Schnitt­menge mit der schwar­zen Szene: Die Tole­ranz. Und da sind ähnli­che Sor­gen der Anhän­ger erkenn­bar: Stö­rende ver­meint­li­che Neu­an­hän­ger, die sich schein­bar nicht mit den »wah­ren Wer­ten« iden­ti­fi­zie­ren wollen.

    Stich­wort Kom­mer­zia­li­sie­rung: Diese fin­det mei­ner Ansicht nach eigent­lich bei so ziem­lich jeder etwas popu­lä­rer gewor­de­ne­ren Szene bzw. Sub­kul­tur statt.
    Ich ab auch schon Cyber’s gegen eben jene Wet­tern sehen/hören.

    ICh bin mir sicher, dass ich irgend­was ver­ges­sen hab, aber viel­leicht fällts mir wie­der ein.
    Soweit erst­mal mit bes­ten Grü­ßen,
    Das Risen

  27. Als ers­ter mal direkt eine knappe direkte Ant­wort:
    Nein, natür­lich ist es dir NICHT unter­sagt mit tra­di­tio­nel­le­ren Mani­fes­tie­run­gen der schwar­zen Szene zu sym­pa­ti­sie­ren. Das ist selbst­ver­ständ­lich nie­man­dem unter­sagt — wenn sich jemand dafür inter­es­siert und es ihm gefällt, dann ist das schön und gut, egal ob es ein Techno-Jünger, ein Hip-Hoppser oder ein Volksmusik-Fan.
    Nur darf man dann nicht behaup­ten, dass A etwas mit B zu tun hätte, nur weil man bei­des mag.
    Ich kenne und mag Cyber, das hat nichts mit den Men­schen an sich zu tun, auch wenn ich mit dem gan­zen Stil sub­jek­tiv so meine Pro­bleme habe. Und Gothic-Stimmungen und –Motive kann es auch in aggres­si­ver elek­tro­ni­scher Musik geben (siehe Das Ich oder Stillste Stund), aber sze­ne­mä­ßig betrach­tet kann man fak­tisch ein­fach sagen: Cyber ist nicht Gothic. Das ist ein­fach so.
    Den Begriff »Cyber-Goth« finde ich also ein­fach nicht sinnvoll.

    Auf schwar­zen Par­tys haben sie ebenso wenig oder viel zu tun, wie die oben erwähn­ten fik­ti­ven Hip-Hopper oder Volksmusik-Fans — ich sage nicht, dass man sie raus­schmei­ßen sollte oder sonst­was. Aber sie sind ein­fach nicht die schwarze Szene, und die von ihnen kon­su­mierte Musik ist zu 90% nicht gothic.

    Dein Stand­punkt ist also im Prin­zip genau mei­ner — und sehr erfri­schend so etwas von einem Cyber zu lesen (nicht von einem Cyber-Goth ^^). Techno ist nicht Indus­trial — auch sehr wahr und die zweite falsch ange­wen­dete Nomen­kla­tur in die­sem Kon­text, die mir so oft auf den Geist geht.

    Wenn mehr Cyber so wären wie du, hätte ich jeden­falls weni­ger Grund, mich zu ärgern :)

  28. Nur um das rich­tig zu stel­len: Ich ordne mich auch kei­nes Wegs bei den Cybers ein, des­we­gen hab ich ja oben bewusst das prä­fix »halb« vor dem Teletub­bie ver­wen­det. ;D
    Sagen wir, ich hab mit ihnen eine gemein­same Schnitt­menge, ebenso wie mit der Wave– oder halt eben auch Ravek­ul­tur. (Wow, das zwei­te­mal inner­halb 2 Posts das ich das Wort Schnitt­menge benutze.)

    Und ohya, du glaubst gar nicht wie sehr ich mich immer wie­der dadrü­ber auf­re­gen, was neu­er­dings so alles »Indus­trial« sei.

    Ich hab auch nie den Anspruch erho­ben, das musi­ka­lisch »Cyber­ge­bal­ler« Gothic sei — das ist es näm­lich genau­so­we­nig, wie es Indus­trial ist.
    Die von dir genann­ten Bands kenn ich auch, aber wie du schon schrieb­test, letzt­end­lich sind es nur noch die Motive, die auf die Musik umge­schrie­ben wur­den.
    Anfäng­lich hat­ten die Bands der Cyber­szene auch tat­säch­lich noch ähnli­che Motive wie die des Post-Industrial, viel­leicht stammt daher die­ser doch sehr selt­same Trug­schluss von vielen.

    Die schwarze Szene hat sich teil­weise ja von sich aus zu düs­te­ren Tech­no­iden Klän­gen ent­wi­ckelt, was wie­derum dazu führt, dass halt eigent­li­che »DunkelRave-Gestalten« wie Cyber an ent­spre­chen­den Par­tys wohl­füh­len. Das dann die Musik der Clubs sowie die pro­du­zierte Musik aus ver­mut­lich kapi­ta­lis­ti­schen Grün­den dann auch noch auf »uns Glüh­würm­chen« (ich schließ mich ja nicht voll­kom­men aus) umge­münzt ist, führt ganz klar zu einer Abwärts­spi­rale des Niveaus.
    Inso­fern kann ich voll und ganz den Unmut verstehen.

    Des­we­gen trag ich »bun­tere« Kla­mot­ten nur zu ent­spre­chen­den Par­tys auf, wo dies ange­bracht ist.
    Die rest­li­che Zeit lauf ich im freund­li­chen schwarz rum, inso­fern ist Cyber auch für mich nichts wei­ter als eine Par­ty­zene — schwarz ange­haucht im Den­ken hin­ge­gen ist da was ande­res. (Wie gesagt, »Schnittmengen«).

    Und jetzt mal Hand aufs Herz: Idio­ten gibts über­all. Viel­leicht bei Knick­licht­nut­zern mehr als woan­ders, denn wenn man eh schon nur eine reine Par­ty­kul­tur dar­stellt, wer­den ja nir­gendswo Niveau­tech­ni­sche Gren­zen gesetzt (was sich wie­der zur Musik reflek­tie­ren lässt).
    Aber genauso musst ich mir auch schon auf Wave-Veranstaltungen anhö­ren, »dass ich Kind doch ins Bett gehen solle, da is in mei­nem Alter ja unmög­lich wär, dass ich tat­säch­lich die Musik mit­füh­len könne« (ich war zu dem Zeit­punkt 18).

    Was ich halt letzt­end­lich möchte, ist –obwohl ich durch­aus die Argu­mente schwär­ze­rer Leute verstehe-, dass auch gese­hen wird das das Cyber­da­sein bei vie­len nur ein klei­ner Teil der Per­sön­lich­keit ist und einige ihre Wur­zeln in der Zeit und Szene haben, wo Gothic schon­mal für Tod erklärt wurde. ;)
    Es ist halt ne selt­same Crossover-Bewegung, bei der aber von den wenigs­tens tat­säch­lich bea­sich­tigt wird, die Gruf­tie­szene zu ver­drän­gen. Die meis­ten sehen halt so aber bloß nicht, das sie mit ihrem Tech­nob­ling­bling mit­un­ter auch z.b. eine schwarz­ro­man­ti­sche Stim­mung rich­tig ver­sauen kön­nen.
    Und nun, die die das so sehen fal­len nicht auf, da sie so wie ich ent­we­der auf »Szeneeigenen-« oder Raveevents zu fin­den sind, oder halt in pas­sen­der Klei­dung Gothi­cevents besu­chen– wenn ihnen die Musik gefällt.

    So, genug Romane geschrie­ben für heute.

  29. Zu »The­Ri­sen«

    […]Aller­dings würde ich nie­mals auf die Idee kom­men, im Cybe­rout­fit zu ‘ner Batcave-Veranstaltung zu gehen, da ich es schlicht­weg als unpas­send erachte. […]

    Im Prin­zip hast du Recht, das geht auch nicht gegen dich, son­dern an die All­ge­mein­heit die­ses Den­kens. Denn ich kon­tere plump mit der Frage: Warum nicht?
    Wenn ich die­sen Stil lebe, mich mit die­sem iden­ti­fi­ziere, spricht nichts dage­gen. Es sei denn, ich lebe es mit dem Kar­ne­vals­ge­dan­ken. Sehe den Stil als Ver­klei­dung, als Mas­ke­rade und wechsle ihn wie Unter­wä­sche. Ich passe mich kei­ner Rich­tung an, bleibe wie ich bin, egal in wel­chem Umfeld ich mich bewege. Weil ich mir sonst allzu ver­klei­det vor­kom­men würde und sofor­ti­ges Unwohl­sein auf­käme. Somit ist es mir egal, ob die rest­li­chen Anwe­sen­den in mir ein abend­fül­len­des Gesprächs­thema fan­den, weil meine Erschei­nung so gar nicht zur Norm des gewähl­ten Abends passte. Außer­halb der Arbeits­zeit sehe ich kei­nen Grund sei­nen Stil zu ver­leug­nen. Vor­aus­ge­setzt man fand ihn.
    Das ist einer mei­ner gro­ßen Kri­tik­punkte des Cyber­tums. Deren Erschei­nung ist so exzen­trisch, so exzes­siv, dass man sich wirk­lich nur noch zu geben­den Anläs­sen mas­kiert. Beste Bei­spiel sind diese alber­nen Haarteile…diese Pseu­dodre­ads. Als ich Bock auf Dre­ads hatte, lies ich die Haare wach­sen und bear­bei­tete die Sträh­nen dann mit einem Eisen­kamm. Dau­ert zwar län­ger, aber ist wenigs­tens nicht so gestellt. Am Ende kommt man noch auf den Gedan­ken von Mas­ken­bild­nern die Glat­zen­imi­tate zu klauen, weil man an dem Abend mal Lust auf Kahl­schlag hat, sich aber nicht traut.

    […]In mei­ner alten Hei­mat kam­men alle mit ein­an­der aus […]

    Natür­lich kommt man mit­ein­an­der aus. Mehr oder weni­ger. Und für Schlä­ge­reien ist die Szene im Gro­ßen und Gan­zen zu fried­fer­tig. Aber sie kön­nen einen indi­rekt die Stim­mung ver­der­ben. Und das nicht nur des Aus­se­hens wegen, son­dern weil diese einen all­ge­mei­nen Musik­wunsch hegen, der allzu sinn­ent­la­den und ner­vig daher kommt. Man erfragt bei­spiels­weise beim DJ alte :w:-Klassiker. Kurz dar­auf stür­men drei Cyber auf ihn zu und was wird gespielt, tech­no­zi­der Mum­pitz von Ratz­in­gers spä­te­rer Schaf­fens­pe­riode. Das drückt mir echt auf die Stim­mung. Denn würde ich diese Musik mögen, so wäre ich Raver gewor­den und/oder würde bei der Love­pa­rade wie ein Pri­mat von der Stra­ßen­la­terne schaukeln.

    […]Ansons­ten noch was: Tat­säch­lich betrach­ten sich auch viele der ver­meint­li­chen Cybergoth’s auch gar nicht als sol­che, son­dern nur als Cyber. […]

    Ein Aspekt, den ich schon von vie­len Cybern hörte. Und um so mehr frage ich mich: Was wol­len die dann hier? Wol­len die wirk­lich nur ihre Tech­no­freunde mit die­sen dump­fe­ren Klän­gen beein­dru­cken? Damit ange­ben wie „evil“ sie sind?

    […]Die ursprüng­li­che Ravek­ul­tur hat im übri­gen auch eine Schnitt­menge mit der schwar­zen Szene […] Stö­rende ver­meint­li­che Neu­an­hän­ger, die sich schein­bar nicht mit den “wah­ren Wer­ten” iden­ti­fi­zie­ren wollen.[…]

    Die­ses wird man in jeder Sub­kul­tur antref­fen, die alt genug ist, um schon eine dritte Gene­ra­tion her­vor­ge­bracht zu haben. Werte die sich die Begrün­der zu eige­nen mach­ten gehen über die Jahre ver­lo­ren oder ver­schwin­den ein­fach im demo­gra­fi­schen Wan­del die­ser Szene. Denn gegen­über der Bevöl­ke­rung funk­tio­niert diese noch als Pyramide.

    […]Die meis­ten sehen halt so aber bloß nicht, das sie mit ihrem Tech­nob­ling­bling mit­un­ter auch z.b. eine schwarz­ro­man­ti­sche Stim­mung rich­tig ver­sauen können. […]

    Das ist nicht der Punkt. Zumin­dest für mich. Schwarz­ro­man­ti­sche Stim­mun­gen kön­nen so oder so durch viele andere Sze­ne­we­sen zer­stört wer­den. Sei es durch Aus­ge­las­sen­heit, Humor oder Aggres­sion inner­halb von Musik bzw. Text. Der Punkt wes­halb ich Techno(zides) so mag, ist ein­fach die Deka­denz der Musik ansich. Diese plump mono­tone Klang­steppe. Keine Höhen, keine Tie­fen, keine Ecken, keine Kan­ten. Der Titel beginnt, plät­schert über Minu­ten hin, obwohl man nach den ers­ten 10 Sekun­den schon weiß, was die gan­zen Bestand­teile sein wer­den. Es ist ein ein­fa­cher Rhyth­mus. Im Prin­zip nur Rhyth­mus, bei dem man weder das Gefühl hat, dass Liebe zur Kom­po­si­tion in diese Musik gelegt wurde, noch das der Inter­pret bis zu letzt und bis zum lei­ses­ten Hin­ter­grund­ge­räusch getüf­telt hatte. Ehr­lich gesagt klin­gen mache Titel so, wie ich es nach einem vier­tel Jahr Übung auch hin­be­kom­men könnte. Keine mono­tone Aggres­sion oder Atmo­sphäre, son­dern ein­fach nur hoh­ler Lärm, wenn über­haupt. Das ist der Punkt. Die edle Essenz der Musik, wie sie bei­spiels­weise stel­len­weise in der Musik vom ange­spro­che­nen »Das Ich« zu fin­den ist, geht all­mäh­lich gänz­lich ver­lo­ren. Und der Pöpel freut sich dabei. Er applau­diert und schaut einen bei der Begeis­te­rung für alte Klas­si­ker von Anno 1993 ebenso ungläu­big wie mit­lei­dig an, als wäre man der Opa, der vom Krieg erzählt.

    Zu »von Karnstein«

    […]Und Gothic-Stimmungen und –Motive kann es auch in aggres­si­ver elek­tro­ni­scher Musik geben (siehe Das Ich oder Stillste Stund)[…]

    »Das Ich« ist aggres­siv? Ich würde sagen „tanz­bar“ und ener­gisch, aber aggres­sive elek­tro­ni­sche Musik fängt für mich bei­spiels­weise erst hier an. Aber das ist wohl auch eine Frage der Toleranzgrenze.

    […]Aber sie sind ein­fach nicht die schwarze Szene, und die von ihnen kon­su­mierte Musik ist zu 90% nicht gothic.[…]

    Wel­che Musik ist den »gothic« Wenn ich den Goth-Musik-Anteil mei­ner CD-Sammlung so betrachte, dann könn­ten dahin­ge­hend höchs­ten die alten Goe­thes Erben-Platten und Janus hin­ein­fal­len. Der Rest tum­melt sich in Kate­gie­ren wie Dark­Wave, EBM, Cross­over, Indus­trial, Neo­folk, Mili­tary Pop, Dar­kAm­bi­ent und weiß der Geier. Aber alles davon ist eben­falls nicht gothic. Viel­leicht ist das auch mei­ner­seits ein Miss­ver­ständ­nis bzgl. der Begriffs­de­fi­ni­tiv, aber Gothics sind nur ein Teil des schwar­zen Gewu­sels, wenn auch viel­leicht der ursprüng­li­che, aber heut­zu­tage nicht mehr allei­ni­ges Sinn­bild und Maß der Szene. Somit ordne ich nicht nach Stil son­dern nach Men­ta­li­tät. Und nach mei­ner Erfah­rung passt der Durch­schnitt­scy­ber von der Men­ta­li­tät her in diese Szene, wie der Islam nach Europa. Oder wie das Chris­ten­tum ins Mor­gen­land, wem die­ses Gleich­nis poli­tisch kor­rek­ter erscheint.

  30. Zum Thema Ver­klei­den denke ich an sich ebenso wie Guld­han:
    Im Prin­zip fände ich es ehr­li­cher, wenn Cyber auch auf Batcave-Veranstaltungen ihre Cyber­kla­mot­ten tra­gen wür­den. Ich für mei­nen Teil kleide mich bei­spiels­weise größ­ten­teils eher romantisch-historisierend, also im All­tag wie auch auf Par­tys, und da unter­scheide ich bei letz­te­ren jetzt nun wirk­lich nicht, ob ich auf eine allgemein-modern-schwarze Party gehe oder auf eine pun­kige Oldschool-Party.
    Das Argu­ment zieht aber nur dann so rich­tig, wenn man hin­ter Cyber etwas Tie­fer­grün­di­ge­res sehen würde und es nicht als Party-Gag ansieht. Die Cyber die ich kenne lau­fen so aus­schließ­lich auf Par­tys herum. Kei­ner von ihnen spie­gelt das irgend­wie in sei­ner All­tags­klei­dung wieder.

    Zum Thema Aus­kom­men, Stim­mung ver­sauen, etc.:
    Da kann ich mich an eine Bege­ben­heit erin­nern, als ich in einem die­ser typi­schen Läden war, die sich für schwarz hal­ten, aber ein viel zu hohes Maß an Techno spie­len und die Knicklicht-Fraktion in der Über­zahl ist.
    Die Unter­schiede und Aver­sio­nen sind da nur zu deut­lich zu spü­ren, aber als auf ein­mal einige besof­fene Pro­los auf­ge­taucht sind (For­mat »Kir­mes­bur­sche und Böhse-Onkelz-Fan«), die gröh­lend auf der Tanz­flä­che ange­fan­gen haben ihre nack­ten Ärsche zu ent­blö­ßen — da waren Cyber und Gruf­tis plötz­lich ver­eint auf einer Seite. Das fand kei­ner lus­tig, ging jedem zu weit, und jeder wollte sie raus haben.
    Da habe ich gemerkt, dass es wohl zumin­dest ten­den­zi­ell viel­leicht noch sowas wie eine Schnitt­menge gibt, ein­fach inso­fern, dass sowohl Cyber als auch Gothic ziem­lich ästhe­tisch geprägte Sze­nen sind (wie auch immer das sub­jek­tiv aus­se­hen mag).

    @Guldhan:
    Wo Aggres­si­vi­tät anfängt ist sicher­lich Inter­pre­ta­ti­ons– und Geschmacks­sa­che. Ich emp­finde inner­halb der elek­tro­ni­schen schwar­zen Musik um 1990 herum »Das Ich« z.B. weit aggres­si­ver als »Psy­che«. Aber ich finde, da muss man nun wirk­lich nicht ans Haare-spalten gehen ^^

    Zum Begriff »Gothic« pflege ich den Stand­punkt, dass man ihn sehr klar umrei­ßen und defi­nie­ren kann, wenn man sich tra­di­tio­nel­lere Mani­fes­ta­tio­nen des Gothic anschaut — die Lite­ra­tur der Roman­tik (mit der die­ser Begriff anfing in die­ser Form benutzt zu wer­den) gab The­men, Kli­schees und Stim­mun­gen vor, die in den fol­gen­den Jahr­hun­der­ten immer wie­der auf­ge­grif­fen, wei­ter ver­fei­nert, aus­ge­baut und auf andere Kunst­ge­biete über­tra­gen wur­den — Male­rei, Film, Musi­cal, Musik. Die frühe Szene hat diese Stil­mit­tel oft sehr kon­kret benutzt (ob bewusst oder nicht ist eine andere Frage) und daher in mei­nen Augen mit »Gothic« das abso­lut rich­tige Eti­kett erhal­ten.
    Die­ses Eti­kett ist aber eben nicht der Musik der frü­hen schwar­zen Szene vor­be­hal­ten. Auch Musik, die damit gar­nichts zu tun hat, kann im tra­di­tio­nel­len Sinne abso­lut gothic sein, wenn z.B. Motive oder auch nur Stim­mun­gen von Ver­zweif­lung und Trauer, Mor­bi­di­tät und see­li­schen Abgrün­den auf­ge­grif­fen wer­den.
    So schreibt ASP moderne Rock­mu­sik mit Geschich­ten, die auch schon vor 150 Jah­ren als Gothic Novel durch­ge­gan­gen wären. Stillste Stund mit ihren düster-theatralischen The­men schla­gen da in einer sehr ähnli­che Rich­tung und mir würde auch Bands ein­fal­len, die nun wirk­lich über­haupt GAR­nichts mit der schwar­zen Szene zu tun haben, die sich teils bei der Gothic-Tradition bedient haben (Metal­li­cas »Enter Sand­man« etwa).

    Im Gegen­schluss hat natür­lich heute nicht mehr alles in der schwar­zen Szene etwas unmit­tel­bar mit Gothic zu tun (und das finde ich auch gar­nicht so schlimm). Aber ein Grund­maß an Düs­ter­nis zumin­dest sollte schon gege­ben sein, ebenso wie ein wenig Tiefe. Und das ist bei den meis­ten von dir genann­ten Stil­rich­tun­gen ja schon in irgend­ei­nem Maß gegeben.

    Außer­dem will ich mich nun wirk­lich nicht zu Dr. Goth auf­spie­len, der defi­niert was darf, und was nicht. Ich sage nur, dass die Defi­ni­tion recht kon­kret und recht objek­tiv mög­lich ist, und Dinge wie z.B. »Ago­no­ize« durch jedes wie auch immer gear­te­tes Ras­ter fallen.

  31. So, da ich eigent­lich am put­zen bin nur ein kur­zes Kom­men­tar mei­ner­seits:
    Eben da das Cyber­tum jeg­li­cher Tief­grün­dig­keit und Ideo­lo­gie ent­behrt, denke ich das der Kar­ne­vals ver­gleich sehr pas­send ist.
    Letzt­lich ist es näm­lich nichts ande­res: Ver­klei­den und Party machen, wenn auch auf andere Weise.
    Und eben wegen feh­len­der Ideo­lo­gie kann ich mich auch defi­ni­tiv nicht im All­tag damit iden­ti­fi­zie­ren — warum auch?

    Es gibt zwar gewisse The­ma­ti­ken wie z.B. End­zeit­sze­na­rien die in der Szene anklang fin­den, aber dies ist nichts, was man wirk­lich in die All­täg­lich­keit tra­gen kann.

    Aber ich kenn es durch­aus auch von ande­ren schwar­zen Strö­mun­gen aus, dass da durch­aus Men­schen dabei sind, die sich nur auf Par­tys, Events und Kon­zer­ten ent­spre­chend klei­den und am Tag bunt ist — man nehme hier als sehr offen­sicht­li­ches Bei­spiel mal die Mittelalterszene.

    All­täg­lich betrach­tet ord­net man mich wohl auch grob in die schwarze Szene ein auf­grund mei­nes Aus­se­hens, was mir eigent­lich noch mit am Liebs­ten ist.

    Viel­leicht eben weil viele, vor allem der anfäng­li­chen Cyber, irgendwo Wur­zeln in eben jener Szene hat­ten kam es viel­leicht zu die­sem — wie schon mehr­mals fest­ge­stellt — unpas­sen­den Begriff »Cyber­goth« — durch die stei­gende Popu­la­ri­tät fin­det das ganze natür­lich auch Anklang bei Per­so­nen aus Techno– und Rave­be­rei­chen, Kul­tu­ren, denen es eh haupt­säch­lich um die Party geht. Raver lau­fen ja auch nicht tags­über in Neon­far­ben rum.

    Letzt­end­lich stellt sich mir sowiso noch die Frage, warum es nötig sei, sich ent­spre­chend sei­ner Ansich­ten 24/7 zu kleiden.

    Von mei­ner Seite aus, obwohl auch dies nur eine per­sön­li­che Mei­nung ist, müsste ich mir eher unehr­li­cher vor­kom­men, wenn ich als »Halb-Cyber« rum­renne und nicht umgekehrt.

    Ansons­ten noch­mal ein Spruch, der sehr gut auch meine Mei­nung zu dem Thema wider­spie­gelt: »Neon ist nicht das neue Schwarz«.
    Ich Per­sön­lich komm aber den­noch damit aus, zu gege­be­nen Anläs­sen »neon« zu tra­gen, ebenso wie ich zu gege­be­nen Anläs­sen — sehr gern sogar — Anzüge trage.

    Edit: Als elek­tro­nisch und aggre­si­ver emp­find ich z.B. auch schon Lass Mich von Deine Lakeien. Wie gesagt, ich denke, dass dies auch eher Sub­jek­tiv ist.

  32. Zu »von Karnstein«

    Wenn man mit »gothic« eine gewisse Grund­stim­mung und Grund­men­ta­li­tät benennt, so kann ich das nach­voll­zie­hen und stimme dem zu, dass diese Grund­sub­stanz den Unter­schied zur Cyber­kul­tur dar­stellt. Natür­lich möchte ich in einem Club auch nicht die ganze Zeit betrof­fen nach­sin­nen und rezen­sie­rend über tief­sin­nige Musik grü­beln, son­dern auch ein­mal bei dumpf-brachialen Klän­gen den Teletub­bies zei­gen, dass man­che gerne mehr machen möch­ten, als nur mit den Ärmchen zu fuch­teln. Aber ein gewis­ser Anspruch soll­ten schon gepflegt wer­den, da hast du völ­lig Recht. Und die­ser ist bei wumps­cuts »Soy­lent green« bei­spiels­weise mehr vor­han­den, als bei Ago­no­i­zes »Schau­fenst­zer­pup­penarsch« oder bei Somans Ein­heits­pieps­brei. Und selbst Kate­go­rien, wel­che sich auch nur so halb der Szene zuord­nen las­sen wol­len /oder gelas­sen wer­den wol­len, wie bei­spiels­weise der Neo­folk oder ganze Militarypop-Sektor, besit­zen eine Men­ta­li­tät die der Gesamt­stim­mung gleichkommt.

    Zu »The Risen«

    […]Und eben wegen feh­len­der Ideo­lo­gie kann ich mich auch defi­ni­tiv nicht im All­tag damit iden­ti­fi­zie­ren – warum auch? […]

    Kommt man sich dabei nicht leer vor? Ich kann es zumin­dest nicht nach­voll­zie­hen, wie man etwas so aus­sa­ge­kräf­ti­ges wie das äußere Erschei­nungs­bild, ganz sinn­frei zur Schau stel­len kann. Wenn sich doch die Cyber­kul­tur ander­seits so ernst neh­men will und mir bei youtube mit­tels »Cyber/Industrialdance-Videos« so hei­tere Minu­ten beschert.

    […]Letzt­end­lich stellt sich mir sowiso noch die Frage, warum es nötig sei, sich ent­spre­chend sei­ner Ansich­ten 24/7 zu kleiden.[…]

    Es ist nicht nötig, seine Art des Klei­dens in »stän­di­ger Bereit­schaft« zu hal­ten. Wer das so sieht oder es als sol­ches auf­fasst, sollte die »Bereit­schafts­kla­mot­ten« schnell wie­der bei ebay rein­stel­len. Denn die­ser lan­det wie­der beim Kar­ne­vals­ge­dan­ken.
    Ich kann über zwei Denk­mus­ter inner­halb der Szene nur den Kopf schüt­teln: Wochen­end­grufts und Uni­for­mi­täts­ver­fech­ter. Beide miss­ach­ten für mich den eigent­li­chen Grund­ge­dan­ken auf recht unver­schämte Weise. Wochen­en­de­grufts in ihren xtra-Klamotten, bei denen im Rücken noch halb das Preis­schild steckt und bei denen man sich wun­dert, warum die Leder­tre­ter selbst nach drei Jah­ren noch wie eben gekauft aus­se­hen. Die unge­schminkte Wahr­heit eröff­net sich einem dann unter der Woche, wenn man diese beim Fei­er­abend­ein­kauf in Blue­jeans mit wei­ßen Snea­kers und rosa Hemd­chen lust­wan­deln sieht.
    Und Uni­for­mi­täts­ver­fech­ter, die mir erzäh­len wol­len, dass ich min­des­tens das stan­dar­di­sierte Schwarz­shirt, die Schwarz­hose, die Schwarz­fri­sur und die Schwarz­stie­fel brau­che, um im Club nicht Spieß­ru­ten zu lau­fen. Und die mich mit gro­ßen Augen anse­hen, weil ich in wei­ßer Klei­dung kei­nen far­ball­er­gi­schen Aus­schlag bekomme.
    Keine® soll sich ver­klei­den. Ich frage mich eh, wer die­sen Wahn­ge­dan­ken jemals säte. Wenn mir im Club einer in Jeans­weste und mit Turn­schu­hen zu Dive rum­wü­tet, weil er es toll fin­det und mit dem Den­ken im Kopf hin­ein­passt, dann gesell ich mich zu ihm. Warum sollte er sich für den Abend extra umzie­hen, wenn es nicht sei­ner Men­ta­li­tät ent­spricht. Ebenso, wie ich es nicht ver­stehe, warum sich man­che nur auf Kurz­zeit­gothic trim­men, aber im Kopf nur Blüm­chen haben und sich nicht trauen, außer­halb der Club­mau­ern etwas davon preiszugeben.

    Der per­sön­li­che Stil ist bei mir nur sel­ten eine bewusste Suche. So nehme ich die Art der Klei­dung gar nicht mehr als alter­na­tiv wahr. Es erin­nern mich nur ab und zu allzu skep­ti­sche Bli­cke daran, dass ich doch nicht der Norm ent­spre­che und nur eine unacht­same Arm­be­we­gung aus­reicht, um als Ver­tre­ter einer schmal­geis­ti­gen poli­ti­schen Rich­tung zu gel­ten. In den Jah­ren, die ich in die­ser Szene rum­springe und sie mal mehr und weni­ger mochte, durch­lief meine Erschei­nung einen Wan­del, der für mich durch die Anzahl an Jah­ren und durch sein Schlei­chen mehr zur Nor­ma­li­tät wurde. Der Klei­der­schrank gibt, bis auf besagte Anzüge, nichts ande­res mehr her, als (para oder pseudo)militärische Kla­mot­ten. Meine Klei­dung ist keine Pro­vo­ka­tion, wie man­che es den­ken wer­den, sie ist keine Anspie­lung und kein sons­ti­ges bewusst ein­ge­setz­tes Stil­mit­tel zum Kund­tun irgend­wel­cher Lebens­an­sich­ten. Son­dern sie der Stem­pel der einen Lebens­an­sicht, den ich mei­nem Umfeld auf­drü­cken muss, weil ich mich sonst hin­ter einer Schein­fas­sade ver­ste­cken würde. Mein Auf­tre­ten ist der poe­tisch ver­klärte »Spie­gel der Seele« Somit ist es für mich tri­vial wie unbe­wusst und ich müsste es um wei­tere, aber dann schon heikle, Ele­mente ergän­zen, wenn ich für mich noch pro­vo­zie­ren wollte. Es herrscht also kein Bereit­schafts­ge­danke. Es herrscht nur das zufrie­dene Gefühl, dass die­ser Stil, der sich über etli­che Jahre ent­wi­ckelte, das ist, was mich aus­macht. Und die­ses wird jedem so gehen, der aus einer gewis­sen Lebens­ein­stel­lung her­aus auf diese Szene auf­merk­sam wurde. Und nicht meinte, dass ihn die Szene formte.

    […]Aber ich kenn es durch­aus auch von ande­ren schwar­zen Strö­mun­gen aus, dass da durch­aus Men­schen dabei sind, die sich nur auf Par­tys, Events und Kon­zer­ten ent­spre­chend klei­den und am Tag bunt ist – man nehme hier als sehr offen­sicht­li­ches Bei­spiel mal die Mittelalterszene. […]

    Es gibt auch genug in der Gothic-Garde wel­che sich für gewisse Ver­an­stal­tun­gen noch ein­mal mehr auf­b­re­zeln. Und auch rich­tig gewan­dete Mit­tel­al­ter­lieb­ha­ben kön­nen nicht unbe­dingt immer im vol­len Har­nisch oder Lehns­herr­ge­wand in der Tram hocken. Das ist natür­lich rich­tig. Denn nicht nur Cyber pfle­gen ein all­tags­un­taug­li­ches Extrem ihrer Erschei­nung. Auch man­che Indus­tri­al­jün­ger soll­ten ihre Uni­form außer­halb der befrie­de­ten Club­ge­lände lie­ber im Schrank las­sen.
    Aber bei­spiels­weise Mit­tel­al­ter­marktsgän­gern sieht man es an, ob sie sich auch pri­vat in der schwar­zen Szene bewe­gen oder nicht. Das eine muss ja nicht das andere bedin­gen. Und es mag jetzt viel­leicht eine radi­kale These sein, aber man sieht es den Leu­ten an, ob sie hier sind, weil sie für ihr Den­ken einen gleich­ge­schal­te­ten Pool vor­fan­den oder weil sie ein­fach nur die Ober­fläch­lich­keit geil fin­den. Sei es die der Mode, Musik, der Fleisch­be­schau oder des Schmin­kens. Denn mehr als alle Äußer­lich­kei­ten ver­ra­ten Worte und Bli­cke ob jemand »gothic« ist oder nicht. Und die, die es sind, wer­den sich selbst in 30 Jah­ren noch über irgend­wel­che neuen Strö­mun­gen erei­fern, wäh­rend der Rest ein­fach stil­mä­ßig wei­ter­zog, weil es ihm kei­nen Spaß mehr machte oder sie wer­den sich wie­der gesell­schaftstaug­lich Nor­ma­li­sierte und als Bie­der­män­ner ihre Jugend­sünde belächeln.

  33. Kann dem Gan­zen nur zustim­men. Zur Abwechs­lung mal sogar ohne Einschränkung :)

  34. Nein, zu Guld­hans Kom­men­tar kann man echt nicht viel hinzufügen.

    Was diese Aus­sage angeht:

    […] … oder sie wer­den sich wie­der gesell­schaftstaug­lich Nor­ma­li­sierte und als Bie­der­män­ner ihre Jugend­sünde belächeln. […]

    so ist das eine Mei­nung die ich nicht nur Teile son­dern auch schon selbst beob­ach­tet habe.

    Aller­dings muss ich dazu set­zen daß Wochen­end­gruf­tie auch nicht gleich Wochen­end­gruf­tie ist. Mir hat es da sonst auch immer die Zehen­nä­gel hoch­ge­rollt bis ich vor 3 Jah­ren am WGT mal ein Mädel ken­nen­ge­lernt habe die das schwarz zwar nicht kon­se­quent durch­zieht, aber es als eine Facette ihrer Per­sön­lich­keit ansieht die eben auch ihren Anteil an Auf­merk­sam­keit möchte, bis­wei­len. Sie kam mit der Ein­stel­lung auch recht authen­tisch rüber, aber sie kannte sich den­noch mit der Musik und allem gut aus und sah das nicht als reine Par­ty­ma­che an.
    Viel­leicht kann man so jeman­den auch nicht als klas­si­schen Wochen­end­gruf­tie bezeich­nen, ich finde die Ein­stel­lung aber auch ganz OK so. Was die Kla­mot­ten angeht so ist die Dame selbst mit Nadel und Faden am Werk und hat sich doch auch eini­ges an Gedan­ken dazu gemacht.

    Noch zu ergän­zen sei die Sicht­weise von wem der beim Auf­ta­keln für Abends gerne arg viel Auf­wand betreibt, und damit nicht grade all­tags­taug­li­che Kla­mot­ten mag.
    Nicht zur Recht­fer­ti­gung, allein zur Ergän­zung der gan­zen Über­le­gun­gen.
    Einer­seits bedauere ich schon daß die moderne Klei­dung so wenig schö­nes, edles und auf­wen­di­ges mehr an sich hat. Durch die Mas­sen­pro­duk­tion hat heut­zu­tage Klei­dung auch nicht mehr den Stel­len­wert wie zu Zei­ten wo alles von Hand genäht wurde und an Zier­kram oft unglaub­li­cher Auf­wand betrie­ben wurde. Ein Auf­wand der sich heute in der Mas­sen­pro­duk­tion trotz­dem nicht loh­nen würde, auch wenn man maschi­nell schnel­ler ein gan­zes Kleid besti­cken kann als frü­her wo unzäh­lige Sti­cke­rin­nen über so einem Teil saßen.
    Da war Klei­dung noch Wert­an­lage, wurde wei­ter­ver­erbt und oft auf­ge­tra­gen und an die neuen Mode­stile ange­passt bis wirk­lich nichts mehr ging.
    Heute geht man in den Laden, holt sich das neu­este modi­sche Teil, das im Jahr drauf wie­der »out« ist, die alten Sachen kom­men weg. OK das ist etwas ver­all­ge­mei­nernd aus­ge­drückt, zuge­ge­ben, aller­dings emp­finde ich die moderne Mode­welt nun­mal so, und auch eine so groß ange­wach­sene Szene wie die »Schwarze« ist von Mode­strö­mun­gen natür­lich inzwi­schen auch geprägt. Hat für mich auch nichts mit der Ein­stel­lung zu tun, und da ist der Punkt wo ich eben zu mei­ner Näh­ma­schine greife und mach was ich machen kann. Mir sind so meine selbst­ge­mach­ten Sachen auch bei wei­tem mehr Wert als Sachen aus dem Laden.

    Klei­ner Abschweif — zurück zu den All­tags­un­taug­li­chen Kla­mot­ten — ich hätte sicher kein Pro­blem all­tags in Reif­rö­cken rum­zu­ren­nen. Nur im moder­nen All­tag sind die Din­ger bei aller Liebe ein­fach zu unprak­tisch. Und jeden Tag 2 Stun­den Zeit neh­men um sich sorg­fäl­tig ein­zu­kal­ken (aka weiß schmin­ken :D) — naja, das würd auch kei­ner lang durch­zie­hen.
    Ich leg aber Wert dar­auf daß auch meine Abend­gar­de­robe eben keine Kos­tü­mie­rung ist. Ich bin da auch recht kon­se­quent und zu 85% in Reif­rock und gekalkt auf Ver­an­stal­tun­gen unter­wegs. Auch wenns nur die Düs­ter­disse nebenan ist für die sich kei­ner groß den Auf­wand machen mag — aber ich mag. Weil ich mich wohl dadrin fühle, Auf­merk­sam­keit ist eher unwich­tig, ich würds auch tun wenn es kei­nen Deut auf­fäl­lig wäre. Ich nutze nur jede Gele­gen­heit mich so auf­zu­ta­keln aus die ich krie­gen kann.
    Bei­spiels­weise wenn ich ne miese Woche hatte dann gibts nichts erhol­sa­me­res als am Frei­tag abend sich nach allen Regeln der Kunst auf­zu­bret­zeln, und da es für die eige­nen vier Wände auch schad wäre dann geht man pas­sen­der­weise gleich so raus.

    Bei mei­nen All­tags­kla­mot­ten lasse ich auch die Begeis­te­rung für his­to­ri­sche Mode gern ein­flie­ßen, und/oder ver­su­che das ganze in mei­nem Sinne andro­gyn zu hal­ten, da ich die Sachen auch sel­ber nähe kann ich tun und las­sen was ich will. Momen­tan und in Abseh­ba­rer Zeit werde ich auch von Berufs­we­gen nicht zu Kom­pro­mis­sen gezwun­gen sein, bzw gehe ich davon aus daß ein etwas unge­wöhn­li­che­res Aus­se­hen sogar gut ankommt *g*

    Was ich umgeh­kehrt nur auch immer schade finde ist, wenn man als Ver­tre­ter des sehr auf­wen­di­gen Neoromantik-Stils auch pau­schal in die Poser-Ecke gesteckt wird. Natür­lich gibt es die durch­aus auch, aber ohne sich mal mit den Indi­vi­duen unter­hal­ten zu haben ist es schwer zu sagen was die per­sön­li­chen Hin­ter­gründe sind — echte Auf­merk­sams­geil­heit oder die Freude dran sich unge­hemmt aus­zu­le­ben. Immer­hin leben wir in einer Zeit wo man doch recht frei ist sich so aus­zu­le­ben — klar, beruf­li­che Kom­pro­misse mal abgesehen.

    Als fazit: was zählt ist Authen­ti­zi­tät und Ehr­lich­keit sich selbst gegen­über. Trag ich am WGT mal ein Roko­ko­kleid­chen weils irgend­wie chic ist und ich das auch mal tes­ten mag, sonst aber nen völ­lig ande­ren schwar­zen Stil habe, dann ist das geauso Ver­klei­dung wie der Wochen­end­grufti der unter­tags dann in 08/15 Kluft rum­springt. Und sowas merkt man. Aus­pro­bie­ren ist ja auch ne gute Sache, ich bin auch nicht im Reif­rock und wei­ßem make-Up in die Szene gestol­pert, das sind Sachen die sich halt auch ent­wi­ckeln und wo auch Aus­tes­ten dazu gehört. Schätze aber mit einer gewis­sen Reife kommt man bei sich an, und das drückt sich auch in der Optik aus. Jeder nach sei­nem per­sön­li­chen Ding. Und Reife hat mit dem Alter auch nicht unbe­dingt was zu tun, son­dern wohl eher damit wie man mit sich zufrie­den ist und sich soweit gefun­den hat daß man in sich sta­bil ist.

    So. Ich hoff ich hab nicht zu viel geblub­bert *g* so drei Stun­den Schlaf nach nem net­ten Tanz­abend und heut aus­nahms­weise mal früh raus müs­sen, schlaucht … das Glas Rot­wein macht auch nicht grade fit­ter, ich geh ins Bett :D

  35. Ich ver­neige mein Haupt. Erst­mal vie­len Dank für die groß­ar­ti­gen Kom­men­tare, die ich sel­ten in einer sol­chen Qua­li­tät erlebt habe. Meine Ein­drü­cke kann ich am bes­ten wie folgt beschrei­ben: Nach dem lesen aller Kom­men­tare (ins­be­son­dere der letz­ten von Guld­han, The Risen, von Karn­stein und Rosa Cha­ly­beia) saß ich vor die­sem Ein­ga­be­feld, schaute den blin­ken­den Cur­sor an und wusste nicht, was dem noch hin­zu­zu­fü­gen wäre. Nach ban­gen Minu­ten kam ich zu fol­gen­dem Ergeb­nis: Nichts.

    Viele eurer Worte wer­fen aber ein neues inter­es­san­tes Licht auf das, was wir die schwarze Szene nen­nen und regen mich an, das in ande­rer Form zu ver­ar­bei­ten, ich werde mir aber erlau­ben den ein oder ande­ren Kom­men­tar zu zitie­ren, das habt ihr nun davon.

  36. […]ich werde mir aber erlau­ben den ein oder ande­ren Kom­men­tar zu zitie­ren, das habt ihr nun davon.[…]
    Für den Fall, dass es mich erwischt, sollte noch ein­mal auf die Recht­schrei­bung geach­tet wer­den. Denn wie ich beim Über­flie­gen der Kom­men­tare merkte, stand bei mir die Über­mü­dung –trotz Recht­schreib­kon­trolle– einer ord­nungs­ge­mä­ßen Ortho­gra­fie im Wege…

  37. Auch bei die­ser Dis­kus­sion kam die Frage auf, was denn die Cyber eigent­lich im »Gruft­club« zu suchen hät­ten. Eigent­lich ist die Ant­wort recht ein­fach: Die Cyber­szene in Deutsch­land ist inner­halb der Schwar­zen Szene ent­stan­den.
    Egal ob »Cyber« an sich sti­lis­tisch gese­hen mit Gothic etwas zu tun hat oder nicht(was übri­gens auch eines der The­men ist, die in der Cyber­szene immer wie­der kon­tro­vers dis­ku­tiert wird), sind alle Leute, die zur ers­ten »Cyber­ge­ne­ra­tion« in Deutsch­land gehö­ren, schon vor­her in die Gruft­clubs gegan­gen und haben »schwarze« Musik gehört, was eigent­lich alle auch heute noch machen. Hier haben sie Bekannt­schaft mit Pro­jek­ten wie »Hocico« und Ähnli­chem gemacht und haben ihre Vor­liebe für elek­tro­ni­sche Tanz­mu­sik ent­deckt.
    Die schwar­zen Clubs sind die Geburts­stätte der Cyber­be­we­gung in Deutschland.

  38. @Guldhan: Selbst­ver­ständ­lich, auch wenn ich mich nicht als Lek­tor vor dem Her­ren betrach­tet, denn trotz einer Affi­ni­tät zu eige­nen Spra­che spielt mir die Gram­ma­tik und Recht­schrei­bung auch immer wie­der Streiche.

    @Baumgarten: Völ­lig rich­tig Baum­gar­ten, die Dis­kus­sion ent­brennt auch eher um die Masse von Cybern die die Clubs als rei­nes Par­ty­volk bela­gern und damit der Szene (auch der Cyber-Szene) ihrer Grund­lage berau­ben. Die Cyber sind aus der schwar­zen Szene ent­stan­den und waren mei­ner Mei­nung nach auch zunächst eine Berei­che­rung der schwar­zen Welt. Doch durch brei­ten Zuwachs aus Par­ty­wil­li­gen Jugend­li­chen mit dem Spaß am ver­klei­den oder aus­pro­bie­ren ist es mitt­ler­weile zu einer eige­nen Bewe­gung mutiert. Dis­co­be­trei­ber kon­zen­trie­ren sich hier auf die brei­tere Masse und ehe­ma­lige »Gruftl­clubs« wer­den zum Cybertempel.

    Daher auch die Ableh­nung, die Gothics füh­len sich ihrer Rück­zugs­orte und Ver­samm­lungs­stät­ten beraubt. (siehe aus Fes­ti­vals oder ähnli­ches) Cyber ist ja mitt­ler­weile eine voll­stän­dig eigene Bewe­gung gewor­den, die sich immer mehr vom Gothic löst.

  39. Hal­lö­chen und bes­teste grüße aus öster­reich :D
    erst­mal danke für die­sen genia­len blog, hilft mir über jede noch so lang­wei­lige vor­le­sung hinweg ;)

    Vor­erst möchte ich klar­stel­len, dass ich 20 bin, mit 16 über die cyber­kul­tur die schwarze szene ent­deckt habe. Als ich dann das erste mal joy divi­sion hörte, wurde ich neu gebo­ren und sehe mich heute in einem bereich zwi­schen batcave und (ja ich weiß, für mein alter anma­ßend und arro­gant) tradgoth.

    Aller­dings muss ich sagen dass ich nach wie vor cyber­boom­boom höre, auch wenn ich mir (anders als fast alle »cybers« die ich kenne) der tat­sa­che bewusst bin, dass das eben nicht viel mit gothic zu tun hat…

    es schmerzt mich, zu sehen wie cyber sich selbst als kern der szene emp­fin­det, und die medien das auch noch in die welt hin­aus­tra­gen… als ich im herbst 2009 auf­ge­gruf­tet meine neue fh betrat, wurde ich sofort ange­spro­chen: »he bist du ein cyber­gothic«? Szen­e­frem­den ist in immer grö­ße­rem Maße wirk­lich nicht bewusst, dass es gothic ohne das »cyber« dran gibt… und das unglaub­li­che ist: die Sze­ne­an­hän­ger des cyber tun irgend­wie alles, um das zu för­dern… Ich bin sehr für Ein­flüsse neuer Mode oder neuer musik, und ich finde, dass viel von die­ser cyber­mu­sik durch­aus eine berei­che­rung dar­stel­len KÖNNTE, wenn sie nicht so arro­gant und ober­fläch­lich die szene über­fah­ren würde…

    Es it wie mit dem Begriff »indus­trial«: hat genau NICHTS mit Cyber­boom­boom zu tun, aber jeder glaubt das… Und große, bahn­bre­chende künst­ler wie throb­bing gristle wer­den ein­fach ver­ges­sen, weil jeder nur noch von »indus­trial« als tech­no­mukke spricht…

    Ich könnte cyber als teil der szene herz­lichst beh­grü­ßen, wenn seine anhän­ger sich der wur­zeln der schwar­zen kul­tur und der posi­tion des cyber inner­halb der kul­tur bewusst wären… UND vor den Mas­sen­me­dien respekt­voll und demü­tig die­ses Bewusst­sein aus­spre­chen wür­den, statt sich in Mono­pol­an­sprü­che kau­fen zu lassen…

    abschlie­ßend noch­mal danke für die­sen blog und die mög­lich­keit, hier mit­dis­ku­tie­ren zu kön­nen!
    macht wei­ter so!
    alex

  40. Ich denke auch, Cyber an sich würde an sich sehr wohl in die Szene pas­sen, aller­dings gehe ich von ande­ren Vor­aus­set­zun­gen aus. Mir fehlt der »Punk« am Cyber, der Rost und der Dreck, das wirk­lich post-apokalyptische, ich bin selbst ein gro­ßer Sci­ence Fic­tion Fan, und ins­be­son­dere das Unter-Genre Cyber­punk hats mir ange­tan, des­we­gen ist mir der Cyber-Stil nicht nur wegen der party-lastigkeit vie­ler sei­ner Anhän­ger suspekt, son­dern auch weil ich par­tout kein Neon und keine Fell­pu­scheln damit ver­binde *hust*, wenn man sich aber zB Wil­liam Gib­sons Meis­ter­werke durch­liest so sind die eben durch­aus sehr düs­ter, meine Lieblings-Kurzgeschichte — »Frag­mente einer Hologramm-Rose« (aus dem Band »Cyber­space«) ist so wun­der­schön trau­rig und melan­cho­lisch, für mich vom Grund­ton genauso »Gothic« wie eine alte Kurz­ge­schichte aus der schwar­zen Roman­tik. Und das würde phi­lo­so­phisch eigent­lich doch wie­der rein­pas­sen in das große schwarze etwas das sich heute Gothic nennt. Es sind immer mal wie­der Künst­ler in den Bereich abge­drif­tet, man denke bei­spiels­weise an die bei­den Alben von Cas­san­dra Com­plex namens »Cyber­punx« und »Wet­ware«. Und da kann man ja nun nicht behaup­ten daß es sich da um Fins­ter­techno han­delt. Auch Kraft­werk als Elektro-Pioniere haben immer sti­lis­tisch mit Ele­men­ten gespielt die für mich total Cyber­punk sind.
    Der Cyber­punk als Literatur-Genre ist zudem auch ein Kind der 80er.
    Von daher hätte das ganze durch­aus einen inter­es­san­ten Hin­ter­grund haben kön­nen … ich frage mich wie viele Cybers den Namen »Wil­liam Gib­son« eigent­lich wirk­lich kennen …

    Von über-arroganten Ver­tre­tern der Cybers hab ich aber auch schon genü­gend gehört, ich muss sagen ich hätte es mir mit Anfang 20 und neu in der Szene­land­schaft nie getraut zu einem Alt­ein­ge­ses­se­nen zu gehen und den dumm anzu­ma­chen, von­we­gen was die noch hier suchen. Mir selbst ist das nicht pas­siert, aber einige Bekannte haben ab und an sol­che Geschich­ten erzählt.

  41. @ schwarze Rose

    Ja das ist rich­tig, ich fühle mich bei dem »rich­ti­gen cyber« (wozu ich bei­spiels­weise Matrix zäh­len würde) immer auch etwas an Steam­punk erin­nert… Das neue Cyber ist über­haupt mehr Visu und Cosplay, oder? ich meine den po-mo-japanischen rave-Einfluss kann man nicht leug­nen…
    Bezüg­lich der Musik, muss ich schon fest­stel­len, dass seit jeher ein Unter­schied bestand, zwi­schen dem, was GOTHIC IST, und dem was GOTHS HÖREN… Gothic sind zwei stile: gothic rock und gothic punk, die beide ERST SPÄTER so benannt und klas­si­fi­ziert wur­den… Aber wenn ich heute (wie auch immer es vor 20 jah­ren war, weiß ich nciht :P) den »80ies & dar classics-floor« unse­rer loka­len Schwarz­disko betrete, wird da von sioux­sie bis ultra­vox alles gespielt… und ultra­vox ist jetzt auch nicht soooo gruf­tig schwarz… aber ich würde auch nie auf die idee kom­men, her­zu­ge­hen und zu sagen »hey das ist gothic!« weder bei dead or alive, noch bei ago­no­ize… das pro­blem ist nur, dass du dau­ernd zu hören bekommst, irgen­was wäre gothic– indus­trial, oder so… ich mag cyberboomboom-mukke ABER sie soll ehr­lich genug sein, zuzu­ge­ben, dass sie ein­fach techno-tanzmusik ist… ich meine, ist cradle of filth gothic, nur weil ich damals die 5 loka­len urgruf­tis bei nem radle-konzert gesehn habe?

  42. Ultra­vox hat sicher­lich an sich auch nicht so waaahn­sin­nig viel mehr mit Gothic zu tun als irgend­wel­che Cyber­mu­cke — zuge­ge­ben.
    Es ist nur halt so, dass vor allem in Deutsch­land die schwarze Bewe­gung von Anfang an neben »eng­li­schem« Gothic auch gene­rell den gan­zen New-Wave-Bereich abdeckte, auch die weni­ger düs­te­ren Sachen. Man war eben kein Goth, son­dern ein Waver.

    In englisch-sprachigen Foren dage­gen wird man teil­weise fast gevier­teilt, wenn man elek­tro­ni­sche Dark-Wave-Musik wie Clan of Xymox oder die frü­hen Crüx­sha­dows als Goth bezeichnet.

    Wor­auf ich eigent­lich hin­aus will? Weiß ich nicht mehr — es ist früh/spät und mir gin­gen gerade diese Gedan­ken durch den Kopf… ^^

  43. @Angelus Casua­rius: Danke für dei­nen Kom­men­tar, es freut mich zu lesen wie du das ganze als »Sze­ne­be­stand­teil« siehst. Viel­leicht kommt so doch noch ans Tages­licht, das Cyber­kul­tur nicht nur aus leuch­ten­den Knick­lich­tern und mono­to­ner Musik besteht. Was ich per­sön­lich sehr begrü­ßen wür­den, den vor allem Sze­nen mit Inhalt finde ich inter­es­sant, weil sie uns etwas zu erzäh­len hat und etwas sym­bo­li­siert, was andere nicht sehen.
    Rein musi­ka­lisch spielt sich Gothic eher bei­läu­fig zu dem ab, was heute als Szene ange­se­hen wird. Was in den 80er Haupt­be­stand­teil und Ursprung der Szene war, ist heute mit aller­lei Ein­flüs­sen ver­mischt und hat sich in zahl­rei­chen wei­tere Genre fort­ge­pflanzt. Ultra­vox ist bei­spiels­weise dem New Wave zuzord­nen, aus dem (Karn­stein beschreibt es bereits) aus dem Waver her­aus­wuch­sen. Ich habe das damals immer sehr sub­jek­tiv emp­fun­den. Ich fand den ganze Boy George und Visage Kram viel zu bunt, obwohl ich die Musik mochte und habe mich eher an Depe­che Mode, The Cure und den Sis­ters ori­en­tiert. Uns war nie bewusst WAS wir waren, ende der 80er. In der Lehre hörte ich dann erst­mals von Wavern und Darkwave.

    @Rosa: Hast du Neu­ro­man­cer gele­sen? Würde mich inter­es­sie­ren ob das, was der geis­tige Vater des Cyber­punks inter­es­sant und zugäng­lich ist, so dass auch ich einen Ein­blick in ver­bor­ge­nen Wel­ten erha­schen kann.
    Arro­gante gibt es aber auch genü­gend unter den schwar­zen, ich würde fast sagen, mitt­ler­weile gehört eine Arro­ganz fast zu Szene dazu. Dabei schüt­zen sich die Arro­gan­ten ja nur davor, das jemand hin­ter die bunt-schwarze Fas­sade blickt. Schade eigentlich.

    @Karnstein: Crüx­sha­dows sind mei­ner Mei­nung Future-Popper, Neo-New-Waver oder Dark­wa­ver, wie du es gerne hät­test. Mit Gothic in mei­nem Sinne, haben die nicht viel zu tun. Machen aber teil­weise sehr gute Stü­cke und sind für einen Ohr­wurm immer zu haben. Decep­tion ist bei­spiels­weise sehr geil und zu unrecht als zu pop­pig verschrien.

  44. @Angelus Casua­rius: Ja, die Matrix ist Cyber­punk pur, aber wirk­lich nur der erste Film, die Sequels würde ich wenn über­haupt nur am Rande dazu zäh­len. Oder neh­men wir einen abso­lu­ten Klas­si­ker: Bla­derun­ner.
    Inwie­fern die japa­ni­schen Ein­flüsse sich auf den Stil der Cybers aus­wir­ken — da hab ich noch nicht wei­ter drü­ber nach­ge­dacht, aber sicher ist da was dran, viele Stil­ele­mente sind aber genauso 1:1 von der lang­sam in den Kom­merz abstür­zen­den Techno-Bewegung der End-90er über­nom­men wor­den. Musi­ka­lisch wie optisch.

    @Robert: jau, die Neuromancer-Trilogie steht im Bücher­re­gal, schon mehr­fach gele­sen. Sollte ich viel­leicht mal wie­der raus holen …

    Allein der erste Satz ist schon bombig:

    Der Him­mel über dem Hafen hatte die Farbe eines Fern­se­hers, der auf einen toten Kanal geschal­ten war

    Wo die Sci­ence­Fic­tion vor­her fast vor­herr­schend opti­mis­tisch und Technik-verherrlichend war, wurde es mit dem Cyber­punk dann deut­lich dre­cki­ger und fins­te­rer. Da sind Men­schen Cyber­space– und Dro­gen­ab­hän­gig und wer­den mit Implan­ta­ten zu hal­ben Robo­tern. Letz­te­nen­des ists natür­lich Geschmacks­sa­che ob man SciFi mag, ich finde aber man muss es selbst gele­sen haben, lässt sich im Gan­zen sehr schwer beschrei­ben so.
    Als wit­zi­ges Detail am Rande beschreibt Gib­son in einem Buch der Tri­lo­gie eine Jugend-Gruppe die die »Dra­cu­las« genannt wer­den, und ent­spre­chend geklei­det rum­lau­fen *g*

    Zwengs Musik und Gothic an sich: eigent­lich ist es doch eh so gut wie unmög­lich »Gothic« auf eine bestimmte Musik­rich­tung zu mün­zen. Will man damit auf das raus was in den 80ern musi­ka­lisch die Wur­zeln waren, lan­det man beim Wave und Post­punk. Und auch heute finde ich nicht daß es eine bestimmte Sub­strö­mung in der dunk­len Musik gibt die man ein­deu­tig als Gothic bezeich­nen könnte, oder?

  45. Robert:
    Ich schrieb ja auch expli­zit »die frü­hen Crüx­sha­dows«. Aktu­el­le­rer Kram wie »Birth­day« ist natür­lich nichts ande­res als Future-Pop (wobei es mir noch immer bes­ser gefällt als z.B. VNV Nation oder sowas). Beson­ders aber das erste Album »Tele­me­try of a Fal­len Angel« von 1995 mit Songs wie »Mary­lin, my Bit­ter­ness«, »Mons­ters« oder »Jackal Head« ist in mei­nen Augen schlicht und ein­fach Dark Wave (das her­vor­ra­gende »Decep­tion« ebenso, das dürfte nur unwe­sent­lich jün­ger sein).

  46. Inter­es­sant, was hier wie­der alles an Wort­ma­te­rial auf­taucht, wenn man ein­mal ein paar Wochen wegbleibt ;)

    Die Cyber­kul­tur hätte wirk­lich eine Berei­che­rung wer­den kön­nen, dem pflichte sogar ich bei. Das Pro­blem ist nur, dass diese vor lau­ter eins­tem Indi­vi­dua­lis­mus ganz uni­form wur­den. Und Uni­for­mi­tät gibt es in die­ser Szene zum Leit­we­sen wirk­lich schon genug. Da braucht man kein Rudel mit der­art opti­scher Domi­nanz, wel­che die sti­lis­ti­sche Gleich­schal­tung dadurch umso mehr her­vor­hebt. Der anfäng­li­che Mut der Cyber ist abge­ebbt. Wenn ich mir diese wan­delnde Leuch­tei­gen­wer­bung in den Clubs so ansehe, dann sehen diese wirk­lich alle gleich aus. Sämt­li­che Bestandteile/Bauteile wir­ken wie von einem Auf­guss und das stößt meine Sym­pa­thie ab.
    Ein wei­te­rer Punkt, wel­cher mit der all­ge­mei­nen Sze­ne­men­ta­li­tät kol­li­diert, ist ver­mut­lich das Selbst­dar­stel­lungs­bild der Cyber. Auf den Gedan­ken kam ich letz­tens, als ich mich bei youtube wie­der über die Ele­mente des Cyber­dance infor­mierte. (Damit ich beim nächs­ten Club­be­such auf­pas­sen konnte, ob die Ver­tre­ter auch wirk­lich alles rich­tig machen) Jeden­falls sucht man Lehr­vi­deos zum »Goth­dance« oder »EBM-Stomp« ver­ge­bens. Ein­fach aus dem Grund, weil diese gar nicht die­sen Drang ver­spürt jedem Depp vor dem Moni­tor ihre Per­sön­lich­keit auf­zu­drän­gen. Und auf­grund der Tat­sa­che, weil es dem Schwarz­volk völ­lig egal ist, wie es auf der Tanz­flä­che rum­turnt. Der Cyber ist da anders. Er tritt in den Wett­be­werb, er lernt und per­fek­tio­niert seine Bewe­gun­gen, der lässt den Ein­heits­schritt wie­der auf­le­ben und tut sein Wesen jedem kund, selbst wenn es kei­nen inter­es­siert. Und wäre womög­lich sogar begeis­tert, wenn D! Soost eine Cho­reo­gra­fie erar­bei­ten würde. Wie hier schon gesagt wurde, so ist der Club ein Refu­gium für den Stan­dard­schwar­zen. Ein Ort des Rück­zu­ges und der Tag das All­ge­gen­wär­tige sei­ner Sze­ne­zu­ge­hö­rig­keit. Ich glaube, beim Cyber ist das umge­kehrt. Da ist der Tag wie­der der Rück­zug aus dem Sze­ne­all­tag der Club­nacht. So eine Kon­tro­verse in der Ein­stel­lung stößt sich auto­ma­tisch ab.

    Zum Thema Arro­ganz. Arro­ganz und Into­le­ranz sind auch Wesens­merk­male, die mir nicht unbe­kannt sind. Bezo­gen auf meine Per­sön­lich­keit. Gebe ich auch offen zu. Denn ohne Arro­ganz und Into­le­ranz würde hier zum Bei­spiel auch kein ein­zi­ger Kom­men­tar ste­hen (müs­sen). Ich kri­ti­siere gerne die Cyber­kul­tur, wenn die Kri­tik­punkte für mich auch wirk­lich zu kri­ti­sie­ren sind. Ebenso kann mich auch gerne ein Cyber als eli­tä­ren Reak­tio­när abstem­peln. Man darf kri­ti­sie­ren, darf auch arro­gant wir­ken. Solang man sich die­ses als Gegen­schall auch gefal­len las­sen kann und dann, ohne belei­digt zu tun, in einen kon­struk­ti­ven Dia­log der Kri­tik und Argu­mente über­lei­ten kann.

    Zum Thema Cyber­punk: Ein stößt mir ebenso bit­ter auf, wenn diese sau­ber geleck­ten edel-rein-Cyber mei­nen in sich die Ele­mente des Cyber­punk zu ver­ei­nen und die­sen Begriff für sich bean­spru­chen. Denn Cyber hat mit Punk unge­fähr so viel zu tun wie Kar­ne­val und ist im Grunde auch eine Belei­di­gung für die Welt­an­schau­ung und Grund­phi­lo­so­phie des Cyber­punk.
    Wie Rosa Cha­ly­beia schon schrieb, ent­stand der Cyber­punk aus der Hoff­nungs­lo­sig­keit, der End­zeit, in der das Pro­vi­so­rium herrscht und die Prag­ma­tik das Maß der Ästhe­tik setzt. Der Cyber­punk kennt kein Glit­zer und kein Leucht; kei­nen opti­schen Scha­ber­nack und unnüt­zen Zier­rat; kein Schrill und kein Grell. Jeder Prot­ago­nist die­ser Art könnte dabei recht schnell dem Unter­gang geweiht sein. Ein gutes neu­zeit­li­ches comi­chaf­tes Bei­spiel für Cyber­punk ist für mich auch der Film »The Gene Gene­ra­tion«
    Wären die Cyber ein­fach weni­ger ver­kitscht und mehr in diese Anschau­ung geschlen­dert, so hätte es eine für mich recht edle Stil­sym­biose abge­ge­ben. Viel­leicht kommt daher meine Skep­sis. Ein­fach nur aus der Ent­täu­schung, dass die­ser Stil das Punk aus­grenzte, anstatt es zu ver­in­ner­li­chen. Und neue Uni­for­mi­tät setzte, anstatt die alte zu bre­chen. Sowie eine neue Elite schuf, anstatt der alten ein­fach nur den Stin­ke­fin­ger zu zeigen.

  47. »Jeden­falls sucht man Lehr­vi­deos zum »Goth­dance« oder »EBM-Stomp« vergebens.«

    Sag das nicht zu laut… mir spu­ken da schon seit gerau­mer Zeit ein paar Ideen durch den Kopf, bei denen ich mir noch nicht ganz sicher bin, ob der gemeine Cyber die Iro­nie über­haupt ver­ste­hen würde… ^^

  48. @Rosa: Klingt auf jeden Fall nach span­nen­der Lek­türe, wie ich mei­nen viel zu vol­len Buch­le­se­plan abar­beite muss ich erst noch raus­fin­den. Auch heute gibt es noch musi­ka­li­sches, was ein­deu­tig Gothic klingt. Frei­lich mag kaum noch eine Band damit iden­ti­fi­ziert wer­den. Neh­men wir bei­spiels­weise Lei­chen­liebe, die Unto­ten oder auch Vel­ja­nov, die sind für mich jeden­falls ein­deu­tig dort ein­zu­ord­nen. Aber letzt­end­lich hast du Recht, Gothic ist mal eine Musik­rich­tung gewe­sen und ist heute Ober­be­griff für eine Viel­zahl von Ein­flüs­sen, für mei­nen Geschmack zu viele Einflüsse.

    @Karnstein: Das wäre doch mal eine span­nende Idee, ich denke selbst die meis­ten Goth’s selbst wür­den diese Iro­nie nicht ver­ste­hen. Solange kann man sich ja an die­sem Video ergötzen :)

    @Guldhan: Will­kom­men zurück. Der Expres­sio­nis­mus der Cyber-Tänzer ist tat­säch­lich eine Mischung aus auf­dring­lich und lebens­ge­fähr­lich. Hier ver­misse ich vor allem das grund­le­gende Ele­ment der Gothic-Bewegung, die Melan­cho­lie in Musik, Text und Bewe­gung. Es geht nur darum, wie du schon sagst, um »Moves« wer hat die cools­ten, wer kann es am bes­ten? Das war lus­ti­ger­weise ein­mal einer der Gründe mich für die Gothic-Szene zu inter­es­sie­ren, denn hier gab es sowas zunächst nicht.

    Zum Cyper­punk: Das schwie­rige ist mei­ner Mei­nung nach, das die Prot­ago­nis­ten selbst die Gren­zen ver­wi­schen. Wäh­rend es durch­aus Cybers mit SciFi-Bezug zu geben scheint, gibt sich die andere und gleich Uni­for­mierte Hälfte dem Kon­sum hin. Nicht den­ken, erle­ben. Hier hast du völ­lig recht, man hat eine Chance ver­sau­beu­telt. Das ist Steam­punk näher am Cyber-Gedanken als man zunächst ver­mu­ten dürfte.

  49. naja das »punk« in »punk« ist ja auch nicht selbst­ge­macht… das wort punk geht weit zurück (ich glaube erst­mals in der lite­ra­tur bei shake­speare, obwohl mir des­sen defi­ni­tion jetzt ent­fal­len ist)… punk hat sich das »punk« genauso ent­lehnt, wie cyber­punk, steam­punkt, etc… drum würd ich jetzt auch nicht so sagen, dass es cyber­punk nix mit punk zu tun hat, denn das legt nahe, dass punk der ursprung des begrif­fes ist…

  50. @Angelus Casua­rius: Völ­lig rich­tig, das Wort Punk wurde erst­mals von Shake­speare benutzt. (Viel­leicht ist die­ser Bei­trag für dich inter­es­sant) Viel­mehr liegt es an der Kom­bi­na­tion der Worte, die sie in einen neuen Kon­text set­zen. Cyber­punk hat mit Punk im Jugend­kul­tu­relle Sinne nicht viel zu tun, son­dern ledig­lich im Style. Bricht man das ganze auf das Wort her­un­ter (in die­sem Fall Punk) mag das schon stim­men, obwohl auch Shake­speare das sicher­lich nicht so gemeint hat ;)

  51. ich weiß nicht ob es jetzt viel­leicht zu spät kommt auch zu allem noch etwas zu schrei­ben aber ich hab diese inter­es­san­ten dis­kus­sio­nen lei­der erst jetzt ent­deckt und wollte, wie immer, auch meine mei­nung dazu äußern. ich hab jetzt nicht ganz alle bei­träge gele­sen darum ver­zeiht mir wenn ich sachen anspre­che die schon beant­wor­tet wurden.

    ich bin grad mal 20 jahre jung. erst seit 4 jah­ren in der soge­nann­ten schwar­zen szene und bin über bands der »neu­zeit« in die »szene« gekom­men. musi­ka­lisch hör ich fast alles von goth-rock, wave, indus­trial, EBM, noise, NDT, Hor­ror­punk bis hin zu eben auch die erst seit den 90ern beste­hen­den musik­rich­tun­gen wie future pop, dark-elektro, harsh-elektro etc.

    ja ihr denkt zwar wahr­schein­lich das ich eh nicht viel ahnung von der szene habe, aber ich hab mich in der kur­zen zeit auch viel mit fast jedem aspekt der szene befasst. und ich kann ja auch nichts dafür das ich nicht in den 70ern gebo­ren wurde^^

    ich bezeichne mich selbst nicht als cyber oder cyber-goth (was für mich übri­gends in kom­bi­na­tion auch kei­nen sinn macht da es kei­nen bezug zwi­schen gothic und cyber gibt) ich bezeichne mich ein­fach als anhän­ger der schwar­zen szene. und das sollte man auch unter­schei­den. klar hat cyber nichts mit gothic zu tun. aber gothic ist eben auch nur ein teil der nicht wirk­lich zusamm­fass­ba­ren szene. es hat sich alles ent­wi­ckelt und eben auch die elek­tro­ni­sche musik. die schon immer teil der szene war. und die tech­no­welle in den 90ern hat eben nun­mal die elek­tro­ni­sche musik beein­flusst. auch die in der szene. das es mitt­ler­weile viele bands aus dem so genann­ten hel­lekto umfeld gibt, die inhalt­lich nichts wert­vol­les zu sagen haben (obwohl es ja auch viele bands gibt die auf gesang ver­zich­ten und dadurch alles noch unei­gen­stän­di­ger wird) ist fakt. nur gibt es auch lie­der die lyrisch viel­leicht nichts neues oder hoch­in­tel­lek­tu­el­les bie­ten aber trotz­dem wie hier ange­spro­chen »düs­ter« sind. hier wird oft geschrie­ben das die cybers dann eben in einen tech­no­club gehen sol­len. ja es gibt sicher­lich viele die auch nor­ma­len techno hören. aber ich zum bei­spiel (und da bin ich nicht alleine) finde die musik dort gefällt mir nicht und das es eben tanz­mu­sik sein soll die ver­bin­dung zur szene hat. und das ist ja mitt­ler­weile so das cyber zur szene gehört. und dafür muss cyber eben nichts mit gothic zu tun haben da die szene eben viel­sei­tig ist. weil ich mich eben in der szene wohl­fühle. und eben nur in der szene. ich fühl mich nicht wohl wenn ich neben 100 total bun­ten men­schen steh und mir musik anhö­ren muss die mir nicht gefällt. weil die musik die heut­zu­tage als hellek­tro bezeich­net wird mei­ner mei­nung nach eben nicht genauso klingt wie stink­nor­ma­ler techno. das man die musik nie­mals indus­trial nen­nen darf ist dabei selbst­ver­ständ­lich. und wegen den 100 total bun­ten men­schen — ich weiß das es einige, oder auch meh­rere gibt die extrem bunt rum­lau­fen und dann eben in besagte clubs oder auf fes­ti­vals gehen. für mich macht das auch kei­nen sinn da dort total der bezug zum »schwarz sein« abhan­den kommt. nur wenn man schwarz trägt und dazu ein,höchstens zwei andere far­ben trägt ist das nicht gleich ein ver­bre­chen. solang es nicht aus­ar­tet. ich finde halt schwarz sollte immer­noch deut­lich über­wie­gen. und dann ist das out­fit auch nicht mehr als geschmack, dem einen gefällt’s dem ande­ren nicht. dann bleibt nur noch die musik. ich halte per­sön­lich von tren­nung nichts da ich nun­mal an jeder »sze­ne­ty­pi­schen« musik gefal­len gefun­den habe. (bis auf mit­tel­al­ter­sa­chen) viel mehr wäre ich dafür das es tage gibt an denen eben spe­zi­elle, ich nenn es mal mot­tos lau­fen aber sonst grund­sätz­lich eben doch alle zusam­men in einen club gehen. dafür müsste es ein umden­ken bei den club­be­sit­zern und den dj’s geben wel­ches ein rela­tiv har­mo­ni­sches zusam­men­sein erlaubt. sprich abwechs­lungs­rei­ches musik­pro­gramm wo eben auch jeder was davon hat. dann wer­det ihr die cybers los die wirk­lich nur auf die bum-bum musik aus sind und leute wie ich, die zwar den stil und die musik lie­ben, aber trotz­dem auch die ande­ren teile der szene lie­ben kön­nen ihren spaß haben ohne böse bli­cke zu bekom­men, weil mal wie­der ein ago­no­i­ze­lied dem ande­ren folgt. und was fes­ti­vals angeht: wenn es fes­ti­vals geben würde die spe­zi­ell für cybers wären, weil dort eben dann nur agonoize,combichrist und co. auf­tre­ten, dann wür­det ihr aber trotz­dem noch cybers auf den ande­ren fes­ti­vals wie­der­tref­fen da es viele gibt, die sich eben all­ge­mein zur szene dazu­zäh­len, sich dort wohl füh­len und die ästhe­tik und musik lie­ben. dann kann euch nur noch das aus­se­hen stö­ren und da gilt immer­noch: wem’S nich gefällt, der soll weg­schauen. ich will auch so man­che per­son in einem ganz­kör­per­kon­dom nicht sehen aber mich stört’s nicht, denn für mich geht es auf fes­ti­vals oder in clubs nur ums soge­nannte fee­ling, freunde, spaß, musik usw. und da haben nun­mal alle die gerne auf fes­ti­vals wie das m’era luna gehen, eins gemein­sam: sie füh­len sich dort ein­fach am wohls­ten. so sollte es ja auch sein. und wegen des, als ver­klei­dung ange­se­hen stils wollte ich auch nocht was sagen. es gibt von jeder grup­pie­rung in die­ser szene, men­schen die im pri­va­ten nicht so her­um­lau­fen wie auf festivals/in clubs. das nur auf die cybers zu bezie­hen ist falsch. klar ver­steh ich kei­nen die­ser wochenend-Grufties/cybers/etc. die sonst rum­lau­fen wie der durch­schnitts­mensch. aber nur weil man sich für ver­an­stall­tun­gen mehr zurecht macht als pri­vat, hat es nichts mit ver­klei­den zu tun. ich mach mich auch nur groß fer­tig mit den von euch gehass­ten sachen, wie haar­teil oder gogg­les wenn ich fei­ern gehe oder auf ein fes­ti­val. pri­vat lauf ich des­we­gen aber nicht bunt rum oder so. son­dern schwarz wie immer. nur eben ohne große acce­soires. letzt­end­lich muss man ein­se­hen das dass cyber­tum mitt­ler­weile dazu gehört und auch nicht ein­fach wie­der aus der szene ver­schwin­den wird. ich ver­steh warum man es nicht abkann, das durch die­sen trend in der szene, clubs und fes­ti­vals immer tech­no­ider wer­den. nur gegen die reine anwe­sen­heit und bei gerech­te­rer musik­aus­wahl von dj’s und ver­an­stal­tern dürfte eigent­lich nicht mehr so eine große abnei­gung beste­hen. da wären wir näm­lich dann wie­der bei der tol­ler­anz. und wenn alles gerecht lau­fen würde, sollte die auch cybers gegen­über da sein. und wir (ich sag jetzt mal wir, weil man mich eh so bezeich­nen würde) wir kön­nen im grunde nicht so viel dafür das es alles so ist wie es ist (club­tech­nisch). das liegt bei den ver­an­stal­tern und besit­zern. eins muss ja zuerst im club dar gewe­sen sein. der cyber oder die cyber­mu­sik. und mei­ner mei­nung nach war es die cyber­mu­sik. und dann ist es legi­tim wenn dann leute kommen,die eben DIESE musik mögen die nur DORT in sol­chen clubs gespielt wird. zum thema tol­ler­anz. ich kann mit dem gan­zen mit­tel­al­ter­zeugs zum bei­spiel genauso wenig anfan­gen wie ihr mit cyber. aber ich finde trotz­dem nicht das sol­che leute oder sol­che musik nicht dazu gehört. ich geh auch auf mit­tel­al­ter­märkte auf fes­ti­vals. trotz­dem muss mir die mode und musik nicht gefallen.

    so das war nun sehr sehr viel aber das wollt ich mal los­wer­den. hoffe die ein oder andere per­son nimmt sich die zeit und liest sich mei­nen bei­trag durch und schreibt viel­leicht auch noch was dazu weil ich ein­fach gerne an dis­kus­sio­nen teil­nehme, zu the­men die mir wich­tig sind.

    bis dahin, grüße Sascha

  52. @reactor defect: Zunächst denke ich von nie­man­den das er keine Ahnung hat, die­ses Vor­ur­teil habe ich mir schon eine ganze Weile aus dem Kopf geschla­gen :)
    Erst­mal Danke für dei­nen aus­führ­li­chen Kom­men­tar. Ich denke hier kom­men ein paar wesent­lich Dinge zur Spra­che die allein genom­men rich­tig sind, aber im Zusam­men­hang schwie­rig zu deu­ten sind. Rein musi­ka­lisch gebe ich Dir recht, durch die Ein­flüsse des Techno sind die elek­tro­ni­schen Grund­la­gen des EBM bei­spiels­weise heute in neuer Form prä­sent und ein Teil der schwar­zen Szene so wie du sie nennst. Ich denke aber, das lässt sich eben nur rein musi­ka­lisch so anwen­den, denn das was die Gothic-Szene für mich aus­macht, ist bei der Cyber­kul­tur über­haupt nicht vor­han­den. So blei­ben ein­zig und allein musi­ka­li­sche parallelen.

    Ich sel­ber kann es nach­voll­zie­hen, wenn man sich über die Prä­senz der Cyber auf­regt, teile aber nicht den sel­ben har­ten Kurs gegen diese Sub­kul­tur, son­dern viel­mehr gegen die Orga­ni­sa­to­ren von Par­ties, die sich alles mög­li­che auf die Fah­nen schrei­ben um Publi­kum anzu­zie­hen. Das dadurch Sze­nen inner­halb einer gesamt­szene (hier schwarze szene) auf­ein­an­der­pral­len, die so nicht zusam­men­ge­hö­ren, scheint unaus­weich­lich. Wie erfolg­reich The­men­kor­rekte Par­tys sein kön­nen, zei­gen einige Bei­spiel aus der Repu­blik, die lei­der immer noch zu dünn gesäht sind. Wenn ich auf eine »Gothic-Party« gehe, habe ich eine Erwar­tungs­hal­tung, zu der Hell­elek­tro, Cyber oder was auch immer defi­ni­tiv nicht passt. Da macht für mich die Stim­mung kaputt. So wird es sicher­lich auch bei »euch« sein.

    Letzt­end­lich sehe ich hier die Szene selbst im Hand­lungs­be­darf. Par­tys aus der Szene für die Szene, das funk­tio­niert immer bes­ser, Ver­net­zung und Inter­net machen es mög­lich. Ich habe nichts geben Cyber’s als Mensch oder Per­son, son­dern nur gegen die Musik die sie hören.

    Cyber­kul­tur und Gothi­ckul­tur pas­sen ein­fach nicht zusam­men, auch wenn hier gemein­same Wur­zeln lie­gen. Ich muss nicht jeden neuen Trend tole­rie­ren, schon gar nicht wenn er mir nicht gefällt. Das geht aber dann gegen Dis­co­the­ken­be­trei­ber, Fes­ti­val­ver­an­stal­ter, Zeit­schrif­ten­ver­lage und Mailorder-Shops und nicht gegen die Mit­glie­der der Szene.

    Viel­leicht sollte man davon Abstand neh­men die »ande­ren« dafür ver­ant­wort­lich zu machen was einem an irgend­ei­ner Ver­an­stal­tung nicht gefällt, son­dern die Ver­an­stal­ter selbst, die sich Gothic auf die Fah­nen schrei­ben und dann einen musi­ka­li­schen Cock­tail bie­ten, der nicht nur furcht­bar schmeckt, son­dern auch noch sehr explo­siv wir­ken kann.

    Würde mich freuen, wie­der von Dir zu lesen.

  53. Huh — hier steht ja auch wie­der eini­ges neues. ;D

    Also, zum Selbst­dar­stel­lungs­drang der Cyber­szene, betreff­lich Videos auf Youtube und co: Finde ich schreck­lich. Ich ver­folg” ins­ge­samt eher das Motto »Dance to express, not to impress«.

    Wobei mir da aber auch am Rande ein­fällt, dass viele der Durchschnitts-Schwarzträger auch einen leicht gestei­ger­ten Dar­stel­lungs­drang haben, zumeist im Bereich der Foto­gra­phie. Hier fin­det bloß glück­li­cher­weise kein Wett­be­wer­berb statt.

    Zum Thema Kon­sum, Kon­sum, Kon­sum der Cyber­kul­tur noch­ein­mal 2 kurze Sätze. Nun, wie soll man sagen. »X-Tra-X-Ich-kauf-mir-alles-zusammen-und-bin-so-cool« haben bei mir kein gro­ßes Anse­hen und bei eini­gen Bekann­ten eben so. Sel­ber­ge­bas­tel­tes ver­hin­dert auch, dass alle gleich aussehen. ;)

    So, da ich grad im Zeitstress bin dies­mal nichts län­ge­res von mir.

  54. Ja, den gestei­ger­ten Drang zur Selbst­dar­stel­lung kann man in sei­ner End­blüte auf dem WGT beob­ach­ten. Hier scheint es ein regel­rech­tes »Hot or not« zu geben, bei dem die Teil­neh­mer ihre eigene Qua­li­tät dadurch mes­sen, wie oft und von wem sie foto­gra­fiert wer­den. Man ver­sucht durch immer absur­dere Expe­ri­mente wei­ter­hin Inter­es­sant zu blei­ben, das ist mei­ner Mei­nung seit ein paar Jah­ren aus dem Ruder gelau­fen. Nor­male Ent­wick­lung? Ich weiß es nicht, momen­tan scheint mir die Gothic-Szene vor Ein­flüs­sen nur so über­zu­lau­fen, bin gespannt was dar­aus wird :)

  55. »Eine Aus­ein­an­der­set­zung mit der Ver­gan­gen­heit, dem Tod, der Roman­tik, Mys­tik oder dem Okkul­tis­mus fin­det nicht statt.«

    hier begehst du einen feh­ler. natür­lich ist die­ser punkt nicht mit der cyber­kul­tur ver­bun­den, da es sich — wie du rich­tig beschrie­ben hast — um eine opti­sche bzw. ober­fläch­li­che »kul­tur« handelt.

    aber dies schließt die »Aus­ein­an­der­set­zung mit der Ver­gan­gen­heit, dem Tod, der Roman­tik, Mys­tik oder dem Okkul­tis­mus« defi­ni­tiv nicht aus.

    die­ser abschnitt nimmt dem arti­kel lei­der die erhoffte objek­ti­vi­tät — du stellst eine abwer­tende these auf die jeg­li­cher grund­lage entbehrt.

    ich für mei­nen teil habe mich bereits früh mit dem tod aus­ein­an­der set­zen müs­sen, bedingt durch meine eltern sam­melte ich früh erste erfah­run­gen im bereich des okkul­tis­mus. mit 12 flammte mein inter­esse für die­sen wie­der auf, spä­ter erwei­terte sich das spek­trum über theologisches/mystisches und psy­cho­lo­gi­sches inter­esse, auch in berei­che die selbst in unsere szene sel­ten wirk­lich bekannt sind (z.b. suf­fis­mus). dabei beließ ich es nicht nur beim sam­meln von theo­re­ti­schem wis­sen. seit 2006 werde ich nun als »cyber« kate­go­ri­siert — und auch wenn ich mich bewusst von eini­gen mit­glie­dern der jün­ge­ren cyber­ge­ne­ra­tion dis­tan­ziere (ja, so einige von denen beneh­men sich abso­lut dane­ben und sind defi­ni­tiv mit schuld an unse­rem ruf) ist es für mich unbe­greif­lich, wie man eine grup­pie­rung auf­grund aus­schließ­lich ober­fläch­li­cher merk­male beschul­di­gen und zeit­gleich die eigene offen­sicht­li­che ober­fläch­lich­keit ver­leug­nen kann. ist dies nicht genau das vor­ge­hen des so genann­ten spießbürgertums?

    ich kann euch ein­fach nur raten den nächs­ten »cyber­goth« der euren weg kreuzt nicht direkt weg zu kate­go­ri­sie­ren, son­dern ihn so ken­nen zu ler­nen wie ihr jeman­den ken­nen ler­nen wür­det der einem »akzep­tier­ten dress­code« folgt. ob es sich bei der per­son um eine inte­rissante per­son han­delt oder eben nicht soll­tet ihr im rah­men eines gesprä­ches schnell beur­tei­len können.

    was die musi­ka­li­sche ent­wick­lung betrifft — ist diese den wirk­lich auf die cyber­kul­tur zurück zu füh­ren? wer sich ein­fach mal objek­tiv umschaut wer diese musik »nutzt« sollte sehr schnell eine ant­wort auf diese frage finden…

  56. rein zufäl­lig bin ich auf eure inte­resante dis­ku­sion gesto­ßen.
    hab mir jetzt mal alles durch­ge­le­sen kann L’s aus­sa­gen soweit zustim­men ich selbst bin auch cyber. wobei ich die endung gothik bewusst weg­nehme daa wie oben schon gesagt die szene in ihrer jetz­ti­gen form nichts mit dem »grufti« wie man ihn kennt gemein­sam hat.

    was mich per­söhn­lich immer sehr gewun­dert hat ist die tat­sa­che das, wenn man die wur­zeln der cyber­szene auser acht lässt, wir immer­noch mit den gothiks in eine schub­lade gesteckt wer­den. für ausen­ste­hende mag das vie­leicht nicht so ganz klar sein muss man zuge­ben. den­noch unter­nah­men die medie ja schon so eine art auf­klä­rungs­ver­such für diese szene. man nimmt den gali­leo sze­ne­re­port zum thema cyber oder dort fälsch­li­cher weis cyber­goth bezeich­net. der bericht ist schon einige jahre alt damals war der große »cyber­boom« wenn man es so bezeich­nen will. lei­der wur­den in die­sem bericht über­wie­gend neu­linge befragt was den anschein erwekt das wir nichts­wei­ter als hole kleine par­ty­kin­der sind wie ich finde. soo mal als denk­an­stoß gedacht könnte das auch mit ein grund für die ableh­nung ausen­ste­hen­der gegen­über die­ser szene sein. ^^

    die­ser drang zur selbst­dar­stel­lung wurde ja auch schon ange­spro­chen. in die­sem fall muss ich euch zustim­men. es ein­fach nur lächer­lich wenn man sich die gan­zen indus­trial dance videos auf youtube etc. mal anschaut :D wobei der größte witz wohl die bezeich­nung indus­trial ist ^^ da komm ich immer­wie­der ins schmun­zel :)
    »dance to express, not to impress« dem kann ich wohl nur beipflichten ^^

    jedoch muss ich fest­stel­len das die­ses ganze cyber­boom­boom ^^, wie es so tref­fend bezeich­net wurde auf der­ar­ti­gen ver­an­stal­tun­gen immer in die dark-wave schub­lade gepackt wird. da denk ich dann immer an die armen gruf­tis die man ver­ein­zelt sieht und sich dan über die musik wun­dern. natür­lich gibt es auch ver­an­stal­tun­gen wie zum bei­spiel das ddt bei der dann auch wirk­lich die dem­ent­spre­chende musik zu hören ist.

    ich finde es eignt­lich schade wie sich die cyber­szene ent­wi­ckelt. ich hätte mich auch gerne in einer mehr nach dem cyber­punk ori­en­tir­ten szene gesehn. jedoch ist der große zuwachs der cyber­szene segen und fluch zugleich. die ganz grund idee wurde durch die nen­nen wir sie mal klei­nen kin­der die sich ver­klei­den um party zu machen fast rest­los zugrunde gerich­tet. ich meine gut wir sind sehr mode­o­ri­en­tiert das muss ich zuge­ben ^^
    trotz­dem artet es all­mä­lich zim­lich aus wenn man sich mal, wie schon ange­spro­chen das WGT ansieht.

    ich habe meine wur­zeln in der schwar­zen szene bin dann etwa 2 jahre nach dem gro­ßen cyber­boom ein­ges­ti­gen. den­noch muss ich sagen das mir die ent­wick­lung auch nicht beson­ders gefällt mir wäre es lie­ber ohne diese abnei­gung zwi­schen unse­rer beder sze­nen. ich befürchte jedoch das die durch die kom­mer­ziel geför­derte zugäng­lich­keit zum cyber­cult bald auch die letzte gruf­ti­disco zum, wie ihr so schön sagt glüh­würm­chen­nest wird ^^

    hoffe ich konnte euch inte­resan­ten denk­stoff bie­ten und hab nichts wich­ti­ges vergessen ^^

  57. @L: Geht man von indi­vi­du­el­len Ein­stel­lung aus, hast du natür­lich recht. Mein Arti­kel — und die darin ent­hal­tene Aus­sage — bezieht sich auch in ers­ter Linie auf die Jugend­kul­tur als sol­ches und nicht auf die per­sön­li­chen Erfah­rung sei­ner Mit­glie­der. Ver­all­ge­mei­ne­rung und Kate­go­ri­sie­rung kann alle Facet­ten einer Jugend­kul­tur nie wirk­lich gerecht wer­den. Die These finde ich dahin­ge­hend auch nicht abwer­tend. Im Prin­zip gibst du Dir die Ant­wort schon selbst.

    Objek­ti­vi­tät ist eine Illu­sion. Ich würde nie den Anspruch erhe­ben wirk­lich Objek­tiv zu sein, letzt­end­lich basiert das neben ent­spre­chen­den Quel­len auch auf mei­nen eige­nen Erfah­rung. Das ich damit — bei­spiels­weise Dir — nicht allen gerecht wer­den kann, liegt in der Natur der Sache. Des­halb freue ich mich auch immer über Kom­men­tare wie Deins, die viel­leicht ein indi­vi­du­elle Ansicht dar­stel­len, die sich nicht unbe­dingt mit den all­ge­mei­nen Merk­ma­len des Arti­kels deckt.

    @rouven: Betrach­tet man »Cyber« los­ge­löst von sei­nen Wur­zeln, hätte sie sicher­lich das Zeug zu einer eige­nen Jugend­kul­tur (wenn sie das nicht schon ist) und genau das ist ja auch mein Ansin­nen. Ich möchte ver­deut­li­chen das Cyber-Goth ein­fach nicht (mehr) stimmt, das es sich um zwei eigene Kul­tu­ren mit gemein­sa­men Wur­zeln aber völ­lig unter­schied­lich Aus­rich­tun­gen han­delt. Rein The­ma­tisch beschäf­ti­gen sich die Gothics ja eher mit Ver­gan­gen­heit, wäh­rend die Cyber in Rich­tung Zukunft stre­ben. Momen­tan halte ich die Cyber­szene (bis auf ein paar Indi­vi­duen abge­se­hen) auch für eine Par­ty­kul­tur, es liegt an EUCH diese mit Inhalt zu fül­len und bei­spiels­weise dem Zukunfts­as­pekt der eige­nen Szene etwas mehr Gestalt zu verleihen.

    Das ein (mein) Bei­trag nicht allen Anhän­gern die­ser Szene gerecht wer­den kann liegt in der Sache selbst, ich werde aber ver­su­chen ihn dahin­ge­hend immer wie­der zu ver­bes­sern. Dazu ist es natür­lich uner­läss­lich wei­ter zu kom­men­tie­ren, vie­len Dank dafür.

  58. @Robert:

    Natür­lich kann man die These …sage wir, »sehr all­ge­mein betrach­tet« so ste­hen las­sen. Aller­dings könnte man sie dann auch für so ziem­lich jede andere Split­ter­gruppe inner­halb der Szene anfüh­ren die sich bereits ent­wi­ckelte zumal sich der »schwarze Lebens­stil« so eini­ger auf schwarze Klei­dung beschränkt. Diese »Ober­fläch­lich­keit« ist kein Phä­no­men der Cyber­kul­tur. Es ist ein Phä­no­men der Szene — und des­halb mei­ner Mei­nung nach hier deplaziert.

    Was aller­dings eine tat­sa­che ist, ist das ein — ich sag der Ein­fach­heit hal­ber ein­fach mal »Mode­cy­ber« — sofort auf­fällt, wäh­rend ein »Mode­goth« vor­erst in der Menge unter­geht — wodurch natür­lich das Bild einer recht Inhalts­lo­sen Bewe­gung ent­ste­hen muss — solange die Betrach­ten­den nicht in der Lage sind nicht der Norm ent­spre­chen­den Men­schen unvor­ein­ge­nom­men zu begeg­nen. Das dra­ma­ti­sche in die­ser Geschichte ist, das man ohne diese Eigen­schafft wohl kaum in der so genann­ten »schwar­zen Szene«, in wel­cher Unter­grup­pie­rung auch immer, gelan­det wäre — was wie­derum zu dem Schluss führt das selbst ehe­mals »beson­dere« Men­schen sich frü­her oder spä­ter ihren Tun­nel­blick ver­die­nen und sich genau betrach­tet naht­los ins Spieß­bür­ger­tum ein­rei­hen könn­ten. Dage­gen ist sicher­lich nie­mand gefeit, einer der gründe warum ich häu­fi­ger das gespräch mit »Cyber-gegnern« suche…mit dem Ergeb­niss das ich mich mit so eini­gen von denen wun­der­bar ver­stehe — Geschmä­cker sind eben ver­schie­den. Lei­der sind die meis­ten von denen die ich bis­her ken­nen gelernt habe eben keine Men­schen die schlicht und ein­fach ehr­lich ihre Mei­nung äußern, son­dern Mit­läu­fer die sich der Anti-Haltung der Masse ange­schlos­sen haben ohne einen per­sön­li­chen Stand­punkt ent­wi­ckelt zu haben. In mei­nen Augen ist es irre­le­vant, ob jemand radi­kal oder libe­ral gegen »unsere bewe­gung« (dicke Anfüh­rungs­zei­chen, es gibt ein ver­dammt star­kes schisma inner­halb der cyber­kul­tur) ein­ge­stellt ist, rele­vant ist nur ob die Per­son über das was sie aus­sagt nach­ge­dacht hat oder eben nicht.

    @Rouven:

    Ach ja, die Videos. ^^
    Wenn Jemand sich die Mühe macht eine Art Tuto­rial zu erstel­len finde ich das Lobens­wert, unab­hän­gig von der Qua­li­tät des Tuto­ri­als. Tan­zen lernt man auf der Tanz­flä­che, doch es kos­tet Über­win­dung es dort zu erler­nen wenn man völ­lig uner­fah­ren ist — ein Schritt den ich damals über­win­den musste, wel­cher neue­ren Gene­ra­tio­nen ver­ein­facht wird. Über all diese »ich zeig mal was ich kann« Videos amü­siere ich mich recht gern. Ihren Sinn habe ich bis­her aller­dings noch nicht so ganz verstanden…ebenso wie den Trend sich selbst diverse Titel zu ver­lei­hen. Viel­leicht kann ich die­sen Punkt aber auch nicht objek­tiv beur­tei­len da man als ers­ter Cyber einer Klein­stadt in die­ser nach 4 Jah­ren ein­fach bekannt ist und ich damit quasi mei­nen eige­nen, wenn auch sehr klei­nen Titel besitze ohne mich dafür groß ins Ram­pen­licht rücken zu müssen. ^^

    Inte­rissant ist gene­rell der Unter­schied zwi­schen den ein­zel­nen Regio­nen. Ich selbst bin der­zeit froh das meine Aus­bil­dung mir gerade noch genug Zeit lässt um die regio­na­len Events zu besu­chen — aber bevor dem so war viel mir auf, dass die Auf­spal­tung der ein­zel­nen Split­ter­grup­pen in Groß­städ­ten grö­ßer aus­fällt als in Klein­städ­ten, in denen die ein­zel­nen Grup­pie­run­gen auf ein ander ange­wie­sen sind um auf eine Teil­neh­mer­zahl zu kom­men, durch die ein Event nicht zum finan­zi­el­lem Fiasko wird. Es mag sein, das die Szene krän­kelt — aber vor­ran­gig in den Groß­städ­ten. Ich emp­fehle euch mal die Events erreich­ba­rer Klein­städte zu besu­chen damit ihr nach voll­zie­hen könnt was ich meine.

  59. @Robert:

    ja das stimmt wohl wenn wir etwas an der über­wie­gen­den inhalt­lo­sig­keit tun wol­len dann müs­sen wir selbst anpa­cken. werd mich mor­gen sowieso im DDT befin­den da kann ich die­sen gedan­ken­gang mal in die runde werfen.

    dei­nen ver­such die­ses thema neu­tral zu behan­deln finde ich übri­gens sehr gelun­gen. es freut mich zu sehen das wir nicht von allen leu­ten so ver­hasst sind wie es immer scheint :)
    werde auf jeden fall flei­sig wei­ter komen­tie­ren und mei­nen bei­trag leisten ^^

    @L:

    jaa so ein tuto­rial ist eine nette sache ^^
    ich muss geste­hen ich hab mir auch das ein oder andere video ange­kukt bevor ich es selbst ver­sucht habe. im ide­al­fall kennt man jeman­den der daa schon etwas erfah­re­ner ist und einem vie­leicht etwas zeigt. wenn ich mal so an meine anfänge denke, muss ich sagen das ich sehr viel dar­auf geach­tet habe was die ande­ren über mei­nen tanz­stil, klei­dung etc. sagen. natür­lich hat es anfangs sehr wit­zig aus­ge­sehn ^^ asber irgned­wann küm­mert es einen nicht­mehr was die ande­ren den­ken und dan gehts ganz gut. man muss sich eben nur überwinden.

    dei­nen ver­gleich zwi­schen den ein­zel­nen split­ter­grup­pen finde ich sehr inte­resant. ich komme bei­spiels­weise aus der nähe von frei­burg. die cyber­frak­tion dort ist klein, man kennt sich alle und man weis sofort wenn mal jemand neues auf­taucht. daher ist es bei uns sehr fami­liär wie ich finde. im gegen­satz dazu hab ich schon oft im raum stutt­gart erlebt wie sich ein­zelne »tanz­grup­pen« ver­fein­det gegen­über­ste­hen. natür­lich immer mit dem hin­ter­grund die ande­ren wären nur main­stream und sie wären ja die elite ^^
    gene­rell scheint der cyber an sich sich­selbst gerne einen eli­te­sta­tus anzu­hef­ten. ob bei ein­zel­nen nun ver­dient oder nich stell ich mal jetzt hier in den raum denke da hat jeder seine eige­nen erfah­run­gen gemacht.

  60. @L: Auch muss ich Dir lei­der zustim­men. Die Ober­fläch­lich­keit ist in viele wei­tere Berei­che der Szene vor­ge­drun­gen, ich wünschte es wäre anders. Denn die Grund­in­ten­tion der Gothic-Szene war (und teil­weise ist sie noch) der Inhalt, das was sie ver­kör­pert, mit wel­cher Sym­bo­lik sie sich schmückt und was Künst­ler und Musik dar­stel­len wurde stets dis­ku­tiert und hin­ter­fragt. Die Ober­fläch­lich­keit ist kein Allein­stel­lungs­merk­mal der Cyber­kul­tur, da gebe ich Dir recht. Doch (noch) ist es, das man sie dort am häu­figs­ten antrifft.

    Abge­se­hen von der Szene ist Ober­fläch­lich­keit auch ein mensch­li­ches Pro­blem das auf unsere gesamt Gesell­schaft zutrifft. Zumal ich anmerke möchte, das ich diese Aus­sage im Arti­kel nicht getrof­fen habe, son­dern du selbst in dei­nem Kom­men­tar. Den Satz »Eine Aus­ein­an­der­set­zung mit der Ver­gan­gen­heit, dem Tod, der Roman­tik, Mys­tik oder dem Okkul­tis­mus fin­det nicht statt.« möchte ich viel­leicht mit den Wor­ten »im Regel­fall« ergän­zen. Indi­vi­du­elle Erfah­rung wie Deine mit eingeschlossen.

    @Rouven: Wie schon bei »L« kom­men­tiert würde ich meine Mei­nung dahin­ge­hend gerne ver­än­dern und würde mich freuen, wenn du wei­ter­hin Kom­men­tierst, damit ich ent­we­der meine Mei­nung ver­tei­di­gen oder ändern kann :)

    Seine Aus­sage trifft den­noch zu, denn in der Gothic-Kultur ist die Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Tod nicht an per­sön­li­che Erfah­run­gen gekop­pelt son­dern bezieht sich eher auf den alter­na­ti­ven Umgang damit. Ich würde mir wün­schen, wenn die Cyber-Kultur ihren eige­nen Weg fin­det und die­ser Arti­kel bald nicht nur Ver­all­ge­mei­nert son­dern viel­leicht kom­plett über­holt ist. Nur zu gerne würde ich meine Mei­nung kom­plett ändern — die nötige Basis bringt man ja schon mit.

Schreibe einen Kommentar

Hilfe bei der Kommentareingabe?

Trackbacks

  1. […] Ein­lei­tung des Mode­ra­tors. Kann ja hei­ter wer­den. Ich ver­weise an die­ser Stelle an mei­nen Arti­kel: Sub­kul­tur! — Cyber­gothic, in dem ich mich neu­tra­ler und sach­li­cher mit dem Thema aus­ein­an­der­setze, denn ein iro­ni­scher und […]

  2. […] mei­nem Arti­kel Sub­kul­tur! Cyber­gothic, in dem ich ver­suchte die Ver­ket­tung der Sze­nen und den Hin­ter­grund der Cyber zu […]