3 Oktober

Subkultur! - Cybergothic

Kategorie: Hintergründe — Jahrgang: 2009132 Kommentare

CybergothicSchon die Über­schrift ist ver­wir­rend und kon­tro­vers zugleich. Cyber­goth lässt ver­mu­ten das es sich bei die­ser Jugend­kul­tur um einen direkt Able­ger der Gothic-Szene han­delt. Die Cyber­gothics sind aber eine Cross-Over Kul­tur, die sich aus vie­len unter­schied­li­chen Sti­len und Ein­flüs­sen zusam­men­setzt.  Visual Kei, Techno, Punk, Rive­thead1 und Gothic fusio­nie­ren beim Cyber zu einer neuen, rein äußer­lich und optisch inspi­rier­ten Sub­kul­tur. Die Anzahl der tat­säch­li­chen äußer­li­chen Gemein­sam­kei­ten zum Gothic sind sehr gering.

Der Klei­dungs­stil ist futu­ris­tisch und erin­nert wie beab­sich­tigt an ein far­ben­fro­hes End­zeit­sze­na­rio. Schwarz, das mit weiß oder grel­len Neo­far­ben akzen­tu­iert wird, ist typisch für die Anhän­ger die­ser Szene. Die Klei­dungs­stü­cke und auch die Schuhe sind reich­hal­tig mit Metall­be­schlä­gen ver­ziert. Beson­de­ren Ein­falls­reich­tum zeigt man bei der Wahl des Acces­soires, Schwei­ßer­bril­len (Gogg­les) gehö­ren zum guten Ton, ebenso wie Gas­mas­ken und lange Spitz­nie­ten. Ele­mente der Fetish-Bekleidung sor­gen für einen sehr kör­per­be­ton­ten und frei­zü­gi­gen Klei­dungs­stil mit Lack– und Latex-Bekleidung. Beson­de­res Augen­merk wird auf die Ver­zie­rung der Haare mit neon­far­be­nen Exten­si­ons und Cyberloxx2 gelegt, den Auf­wand den einige dafür betrei­ben ist bemer­kens­wert und erin­nert auch an die frü­hen Haar­spray und Styling-Orgien in der Wave und Grufti-Szene der spä­ten 80er. Cyber der neue­ren Gene­ra­tion ver­zich­ten mitt­ler­weile auf eine schwarze Basis und geben sich noch far­ben­fro­her (siehe Bild)

Auch Ein­flüsse der Visual Kei-, Anime-, und Manga-Szene sind zu beob­ach­ten, ver­wei­sen aber nicht wie ver­mu­tet auf eine Sze­ne­über­schnei­dung hin. Der Klei­dungs­stil der Cyber­gothics ist sze­ne­über­grei­fend und ledig­lich auf die Über­nahme von opti­schen Merk­male spe­zia­li­siert. Die Phan­ta­sie beim zusam­men­stel­len von Klei­dungs­sti­len hat auch eine starke DIY-Bewegung (Do-It-Yourself) unter den Mit­glie­dern her­vor­ge­bracht, die oft mit viel Hin­gabe und Zeit­ein­satz ihre Krea­tio­nen selbst ent­wer­fen und gestalten.

Musik

Cover von Army of Industrial DarknessDie Musik die­ser Szene ist ähnlich wie die Szene selbst von vie­len Rich­tun­gen beein­flusst. Oft­mals wird die Musik als Indus­trial bezeich­net, womit sie aber rein Sze­ne­histo­risch nichts zu tun hat. Es ist viel­mehr eine Wei­ter­ent­wick­lung des Techno oder Rave, die mit eini­gen Ele­men­ten des Indus­trial, des Gothics und des Dark-Wave ange­rei­chert wer­den. Die Musik ist schnell und tanz­bar, meist mit kei­nem oder sehr wenig Text oder Gesang, der dann zusätz­lich noch ver­zerrt wird, was aus den spä­te­ren expe­ri­men­tel­len Ent­wick­lung des Indus­tri­als stammt und viel­leicht die ein­zige musi­ka­li­sche Ver­wandt­schaft darstellt.

Die Cyber­szene hat dem­nach kei­nen eige­nen Musik­stil son­dern freun­det sich mit vie­len For­men der elek­tro­ni­schen und tanz­ba­ren Musik an. Techno, Future Pop, Trance, Elek­tro, Noise und Goa in einer meist etwas »düs­te­ren« Vari­ante. Der Tanz­stil ist der Musik ent­nom­men und zeigt sich oft rhyth­misch und mit schnel­len Arm und Bein­be­we­gun­gen und ist auch so häu­fig in Rave-Kreisen anzutreffen.

Cyber + Gothic = Cybergothic?

Cyber Gothic TokioObwohl beide Sub­kul­tu­ren meist in der pri­mä­ren Grund­farbe schwarz tra­gen, haben sie wenig gemein­sam. Cyber­goths ver­fol­gen keine spe­zi­elle Ideo­lo­gie wie es die Gothics tun. Eine Aus­ein­an­der­set­zung mit der Ver­gan­gen­heit, dem Tod, der Roman­tik, Mys­tik oder dem Okkul­tis­mus fin­det nicht statt. Wäh­rend die Gothic-Kultur eine Ver­gan­gen­heits­ori­en­tierte Bewe­gung ist, strebt man beim Cyber in die Zukunft und ver­kör­pert die Phan­ta­sie der Anhän­ger, wie es ein­mal in einer Post-Apokalyptischen, Tech­no­iden Welt aus­se­hen könnte. Man ver­folgt häu­fig die eigene Lust, Party zu machen, Spaß zu haben und sich in Szene zu set­zen und teilt nicht das Lebens­ge­fühl der Gothics. Aus die­sem Grund wird diese neue Ent­wick­lung auch nicht von den Gothics akzep­tiert und häu­fig ver­spot­tet, man fürch­tet um den intel­lek­tu­el­len Gehalt und ver­ab­scheut den rei­nen Party-Gedanken der Sub­kul­tur. Gerade die­ser gra­vie­rende Unter­schied macht es vie­len schwer, die spöt­tisch als »Knick­licht­gruf­ties« oder »Glüh­würm­chen« bezeich­ne­ten Men­schen zu akzep­tie­ren und ist viel­fach Gele­gen­heit, die unter­drück­ten Revier­kämpfe wie­der zu aktivieren.

Cybers sind für alles Visio­näre zu begeis­tern und kon­su­mie­ren End­zei­to­ri­en­tierte Filme wie bei­spiels­weise Matrix oder 28 Days Later und toben sich auch in Rol­len­spie­len im Inter­net aus, in denen es meist um ein düs­te­res End­zeit­sze­na­rio geht. Das oft ver­wen­dete Sym­bol Bio­ha­zard steht dem­nach auch für die Vor­stel­lung, die Welt würde sich durch eine Bio­lo­gi­sche Ver­seu­chung selbst vernichten.

Warum es letzt­end­lich zur begriff­li­chen Ver­schmel­zung bei­der Kul­tu­ren kam, lässt sich nicht abschlie­ßend betrach­ten. Publi­ka­tio­nen in ein­schlä­gi­gen Maga­zi­nen und Medien kön­nen ebenso aus­schlag­ge­bend sein, wie die Tat­sa­che, das sich die abeb­bende Wave– und Dark-Wave-Szene Ende der 80er auch in Rich­tung des Techno ent­wi­ckelte und wohl­mög­lich Jahre spä­ter die neu auf­ge­grif­fe­nen Trends wie­der in die Gothic­szene trugen.

Ablehnung innerhalb der schwarzen Szene

Halte deine Szene sauberObwohl die schwarze Szene als tole­rant und offen gilt, leh­nen vor allem die Trad­goths die­sen Ein­fluss ab. Als Begrün­dung wird häu­fig genannt, das man das unre­flek­tierte »bedie­nen« der Stile ande­rer Sub­kul­tu­ren unei­gen­stän­dig fin­det und es bei der Cyber­szene um eine rein modisch ori­en­tierte Bewe­gung han­delt. Man ver­mu­tet, das die Über­schwap­pende Rave-Szene dunkle Able­ger in der Gothic-Szene eta­bliert hat3. Inhalts­lo­sig­keit und Ober­fläch­lich­keit wird ebenso häu­fig als Ableh­nungs­grund genannt und mün­det teil­weise sogar in einen orga­ni­sier­ten Akti­vis­mus gegen die­ses Bewe­gung (siehe Bild), da man die Werte der eige­nen Szene für gefähr­det hält. Die ober­fläch­li­che Party-Einstellung der Cybers ist Gift auf den See­len der Gothics, die seit ihren Ursprün­gen eben die­ses Ver­hal­ten ablehnen.

Tat­sa­che ist, das sich viele schwar­zen See­len ihrer Lebens­grund­lage beraubt sehen, da reine Gothic-Treffpunkte wie es nun­mal Fes­ti­vals, Szenelä­den und Dis­co­the­ken sind, sich einem immer brei­ter wer­den­den Publi­kum öffnen müs­sen um über­haupt über­le­ben zu kön­nen. Ein Trend wie den der Cyber scheint ein idea­les Ver­mark­tungs­in­stru­ment zu sein, opti­sche Acces­soires sind teil­weise recht kost­spie­lig und wer­den in gro­ßem Rah­men von den Anhän­ger kon­su­miert, die Musik ist größ­ten­teils schnell und bil­lig pro­du­ziert und wie geschaf­fen zum Geld ver­die­nen. Text­li­che Inhalte redu­zie­ren sich auf ver­zerrte Paro­len, die oft unter die Gür­tel­li­nie reichen.

Prin­zi­pi­ell geht es bei die­sem Kon­flikt also um die Tech­noi­sie­rung der Clubs und Fes­ti­vals die mit einer Mischung aus Musik­rich­tun­gen mög­lichst viele Kun­den locken möch­ten. Das die Musik­rich­tun­gen über­haupt nicht zusam­men­pas­sen wird in vie­len Clubs hart­nä­ckig igno­riert. Der Trend geht ver­mehrt wie­der in Rich­tung ein­zel­ner Musik­rich­tungs­ori­en­tier­ten Par­tys oder der Auf­split­tung in ver­schie­dene Berei­che einer Dis­co­thek. Ob beide Szene lang­fris­tig für aus­rei­chend Umsatz sor­gen kön­nen, ist bestim­mend dafür, ob sol­che Ver­an­stal­tun­gen statt­fin­den. Zukunft unge­wiss, Tren­nung vorprogrammiert?

(Bild­quel­len: Bren Dovgal@flickr.com (CC-by-nc),  e_brand@flickr.com (CC-by-nc),  Black­live)

  1. engl. für »Niet­kopf« und Überg­angs­kul­tur der Post-Industrial-Szene deren Anhän­ger mit Tarn­hem­den, Feld­ja­cken und Kampf­stie­feln zu sehen sind. []
  2. Bei den soge­nann­ten Cyberloxx, die viel­fach ver­trie­ben wer­den, han­delt es sich ursprüng­lich um Geschenk­band aus den USA, dass man mit viel Hin­gabe in das vor­han­dene Haupt­haar ein­ar­bei­tet oder mit­tels Klam­mern im Haar befes­tigt. []
  3. Aus den Kom­men­ta­ren des Pro­jekte jugendszene.com zum Thema Gothic []

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Hintergründe
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132 Kommentare

  1. hey orphi ..»mae­deia« ist weib­lich, google mal…und ich will mein geschlecht auch nicht umwandeln !

  2. @maedeia: Auch wenn ich es schätze, mehr über meine Kom­men­ta­to­ren zu erfah­ren, habe ich noch nicht ganz her­aus­ge­fun­den wo orphi dem Namen »mae­deia« ein Geschlecht gege­ben hat. Dar­über hin­aus habe ich »mae­deia« auch mal gegoo­gelt aber nichts gefun­den was Rück­schlüsse auf (d)ein Geschlecht geben könnte. Viel­leicht hast du einen unter­stüt­zen­den Link? Es würde mich freuen, mehr über den Namen zu erfahren.

  3. Ein­spruch stattgegeben:

    orphi schrieb am 19. April 2011 um 11:05:

    @ Bio­Haz­zard
    Wie man es macht, macht man es ver­kehrt. Jetzt hab ich den Vor­schlag dei­nes Kol­le­gen »mae­deia« fast wort­wört­lich auf­ge­grif­fen und ihm sogar Recht gegeben[…]

    Zwar kann man »Kol­le­gen« als Neu­trum betrach­ten. Da, allen Femi­nis­tin­nen zum Schreck, das Neu­trum »mas­ku­lin« ist. Oder umge­kehrt, je nach Auslegung.

    Oder, wie in die­sem Fall, beim Wort »Kol­le­gen« die Abstem­p­lung zum Kna­ben anprangern.

    Aller­dings schwei­gen bei mir google, wiki­pe­dia, meine Lexika sowie der Sto­was­ser nach­hal­tig. Woher sollte man dem­nach das Geschlecht auch erfah­ren. Vor allem, da hier so gut wie alle Gegen­stim­men männ­lich waren. Somit lag die Schluss­fol­ge­rung nahe.

    Ein­zige dahin­ge­hende Ver­mu­tung wäre übri­gens eine Ver­knüp­fung auf ein Pro­fil unter dem­sel­ben Namen, des­sen Geschlecht mit weib­lich beschrie­ben ist:

    http://www.looki.de/user/maedeia/

    Wenn das aller­dings die große Quelle sein soll, so ist das albern. Denn (auch) mein Pseud­onym ent­stand rein syn­the­tisch und wurde schon von eini­gen Fan­ta­sie­bol­zen miss­braucht. Wer dem­nach »Guld­han« sucht wird auch von Dep­pen beläs­tigt, die nichts mit mei­ner Per­son zu tun haben.

  4. End­lich mal ein Bericht der zumin­dest halb­wegs rich­tig ver­fasst ist.
    Gali­leo hat damals ja den Volgel abge­schos­sen (wie auch ein paar andere Sen­dun­gen auf Pro7)

    Kri­tik­punkte gibts aber trotz­dem:
    Klar ihr habt das mit dem »Indus­trial« erkannt. Es gibt zwar nur wenige Cyber die ech­ten Indus­trial (hier seien Ein­stür­zende Neu­bau­ten, Throb­bing Gris­tal.…. genannt) aber es gibt sie.
    Die all­ge­mein gehörte Musik fällt unter Aggro­tech, Hel­lec­tro oder Harsh Elek­tro. (alles das glei­che, gibt halt 3 Begriffe)
    Außer­dem finde ich es lus­tig wie sich hier über die Musik aus­ge­las­sen wird und wie bil­lig sie doch ist. Die am meis­ten gehör­ten Bands beim Durch­schnitt­scy­ber sind: Nacht­mahr, Feind­flug, Com­biChrist, Sui­cide Com­mando, Ago­no­ize, X-rX, Hocico, Eisen­funk (ich finde sie auch als Cyber so scheiße! aber in Clubs auf­le­gen kön­nen sie rich­tig gut) und einige wenige andere.
    Alle ande­ren Bands, Musi­ker und Pro­jekte fal­len effek­tiv gese­hen unter Under­ground. Ups? ja, da müsste dem wis­sen­den Men­schen auf­fal­len das es man­che die­ser Bands län­ger als die Cyber­be­we­gung gibt und viele derer die meckern die Inter­pre­ten ja selbst hören. :P

    Das viele Cyber auch aus der »klas­si­schen« Gothic­szene stam­men und somit auch die Grund­ein­stel­lung tei­len und es genau so viele »rich­tig schwarze« Gruf­tis gibt die nur Party und Ver­gnü­gen im Kopf haben wird beim geflame über Cyber schnell ver­ges­sen. Ganz ehr­lich wer sich so ver­hält wie die meis­ten Cyber­has­ser macht sich ein­fach nur lächerlich.

    Rit­schi

  5. Bei dem Bei­trag von mae­deia habe ich mich gefragt, warum man sich mit »Gothics« allein­schon mit der eige­nen Bezeich­nung »Cyber­GOTHIC« in einen Topf schmießt, wenn man sie doch so lah­mar­schig und doof findet.

  6. »Das viele Cyber auch aus der »klas­si­schen« Gothic­szene stam­men und somit auch die Grund­ein­stel­lung tei­len und es genau so viele »rich­tig schwarze« Gruf­tis gibt die nur Party und Ver­gnü­gen im Kopf haben wird beim geflame über Cyber schnell vergessen.«

    Die wenigs­ten Cybers stam­men aus der tra­di­tio­nel­len Gothic-Szene. Schon auf­grund ihres Alters kann das gar nicht mög­lich sein. Der Rest, der sich dort an Ü-30-/Ü-40-jährigen tum­melt, besteht zumeist aus Typen in der Midlife-Crisis, die offen­sicht­lich Panik haben, den Anschluss zu ver­pas­sen. »Chic machen« für junge Küken ist da ange­sagt. Viel­leicht bekom­men sie durch ihren anbie­dern­den Stil ja noch „ne Party-Schlampe ab.

    Zudem kann auf Anhieb gar nicht bewie­sen wer­den, dass diese Per­so­nen schon geraume Zeit Bestand­teil der Szene sind. Ein hohes Alter ist kein Indiz für eine lang­jäh­rige Sze­ne­zu­ge­hö­rig­keit. Ich möchte nicht wis­sen, wie­viele Außen­ste­hende durch den Szene– und Faschings­boom der ver­gan­ge­nen Jahre ange­lockt wur­den und sich nun »Szene-Veteran« auf die Fahne schreiben.

  7. @ Death Disco
    Schön, dass das noch jeman­dem auf­fällt XD Mir sind tat­säch­lich schon Ü30 unter­ge­kom­men, die sich als »Urge­steine« fei­ern las­sen, aber »damals« gar nicht anwe­send waren, ich fürchte sogar, das kommt gar nicht mal so sel­ten vor O_o

  8. Ich würde mir wün­schen, dass die »Halte deine Szene sau­ber« mal im Bezug auf die rech­ten Ten­den­zen ange­wen­det wer­den würde… Für mich ist der Spruch extrem faschis­tisch und ich kann nicht ver­ste­hen, wie sowas sich in der Gothic­szene so aus­brei­ten kann. Das ist ein­fach trau­rig!
    Null Tole­ranz gilft für mich nur im Bezug auf rech­tes Gedan­ken­gut und dage­gen sollte sich die Szene aus­spre­chen und nicht gegen harm­lose Glühwürmchen!

  9. Ich bin kein Freund brau­ner Gedan­ken. Kein Fan von Natio­na­li­tä­ten­de­gra­die­rung, im ras­si­schen Sinne gleich gar nicht. Aber ich bin auch kein Freund von Über­to­le­ranz. Und erst recht kein Fan davon, wenn Ideale nach eige­nem Gut­dün­ken zurecht­ge­bo­gen wer­den. Ent­we­der ich kri­ti­siere die Into­le­ranz und strei­che sie somit aus mei­nem Welt­bild, oder ich gestehe diese der eige­nen Mei­nung ande­rer zu.

    Natür­lich sind die brau­nen Schafe in der schwar­zen Herde ein unap­pe­tit­li­cher Farb­fleck. Aber ich weiß auch was pas­siert, wenn einige beson­ders weiße Schafe mei­nen, den Mora­li­schen raus­hän­gen las­sen zu müs­sen.
    Zumal sich diese Szene, oder zumin­dest ein nicht unwe­sent­li­cher Teil davon, als unpo­li­tisch ver­steht. Und ich kann nicht unpo­li­tisch sein, wenn ich im Gegen­zug vehe­ment gegen Rechte wet­tere. Wenn ich mich in einer unpo­li­ti­schen Masse bewege und diese akzep­tiere, dann muss ich auch wirk­lich gelebte poli­ti­sche Lust­lo­sig­keit kom­men­tar­los hinnehmen.

    Zum ande­ren gibt es schon einige nette Grup­pie­run­gen inner­halb der Szene, die sich mit dem Auf­bu­hen rech­ter Kame­ra­den die Zeit ver­trei­ben. Es ist ja nicht so, dass die­ser Akti­vis­mus völ­lig brach liegt. Es war nur eben nicht Bestand­teil der hier geführ­ten Dialoge.

    Davon mal abge­se­hen, solange der Kampf gegen Rechts nicht sach­lich geführt wer­den kann, sollte er ohne­hin schwei­gen. Da er dann Gefahr lau­fen kann pein­lich zu wer­den und nicht mehr ernst genom­men wer­den zu kön­nen. Wie jetzt bei­spiels­weise. Kaum dran­gen unhöff­li­chere Taten an die jour­na­lis­ti­sche Ober­flä­che, schon begehrt die ganze Bevöl­ke­rung auf, soli­da­ri­siert sich und wird hys­te­risch. Als wenn es nicht schon vor 20 Jah­ren gewalt­be­rei­ten Rechts­ex­tre­mis­mus gege­ben hätte…es gab ja auch vor 20 Jah­ren noch keine unfall­ge­fähr­de­ten Atom­kraft­werke. Is´ klar.
    Und erst letz­tens musste ich wie­der grin­sen, als sich ein paar Beton­köpfe über einen Fes­ti­val­auf­tritt von :Of The Wand And The Moon: echauf­fier­ten. Der­ar­tige Aktion ist kein Kampf gegen Rechts, das ist ein geis­ti­ges Armuts­zeug­nis und ein argu­men­ta­ti­ver Offen­ba­rungs­eid oben­drein. Was aber eben zumeist dann das Resul­tat wird, wenn der Gut­mensch in aller Vor­ein­ge­nom­men­heit sei­ner neu­deut­schen Bür­ger­pflicht nachkommt.

    Sach­lich­keit, Emo­ti­ons­lo­sig­keit, Neu­tra­li­tät, wenn man die­ses nicht inner­halb der Debatte gegen poli­ti­sche Radi­kale anbrin­gen kann, son­dern alles im Blick­win­kel eines hei­li­gen Krie­ges sieht, bzw. der­ar­tige Wider­stände per­sön­lich nimmt und mit emo­ti­ons­ge­la­de­nem Wort aus­trägt, so schürt man den Kon­flikt nur wei­ter.
    Und ich für mei­nen Teil muss sagen, dass ein Staat eine poli­ti­sche Rechte braucht. Ein­fach um auch sich als Staate mit dem Sinne des Eigen­nut­zes zu unter­stüt­zen. Aller­dings nicht die­ses Kas­per­thea­ter jener hirn­lo­sen Ham­pel­män­ner, die momen­tan in den dahin­ge­hend bekann­ten Par­teien Poli­tik spie­len und sich vom Staat durch­füt­tern las­sen. Son­dern einen wohl­wol­len­den poli­tisch kom­pe­ten­ten Pol…auch wenn ein sol­cher poli­ti­scher Flü­gel nur Uto­pie sein wird. Aber das möchte ich an die­ser Stelle nicht wei­ter ver­tie­fen. In die­sem Sinne.

  10. Ich finde es albern in die­sem Bild­chen gleich den bösen Faschis­mus zu sehen. Es ist in ers­ter Linie ein State­ment aus der Szene, wel­ches offen­sicht­lich pro­vo­zie­ren will. Und das ist auch gelun­gen. Das Thema wird dis­ku­tiert.
    Und nur weil es hier nicht um welt­be­we­gende poli­ti­sche Dinge geht, gibt es kei­nen Grund es zu igno­rie­ren. Es pola­ri­siert und es stört einige. Warum sollte man es dann nicht anspre­chen? Warum sollte man dann über­haupt über die Szene dis­ku­tie­ren, wo doch in Afrika Men­schen ver­hun­gern etc. pp. ?

    :troll:

  11. In der Tat.

    Wobei mir bei­spiels­weise das Schick­sal der Men­schen Afri­kas nicht annäh­rend so nahe geht, wie das der Stra­ßen­hunde Süd­eu­ro­pas. Alles ist Will­kür, alles unter­liegt dem eige­nen Geschmack.
    Tier­ar­ten ver­en­den, Wäl­der wei­chen, Ozeane kip­pen. Wen inter­es­sie­ren dabei im Grunde die poli­ti­schen bzw. geschmack­li­chen Ver­wir­run­gen von einer hand­voll Huma­no­iden. Wenn man sich zum Wohle der Gesell­schaft erei­fern möchte, dann solle man schon an der Spitze des Eis­ber­ges begin­nen und sich nicht die bequems­ten The­men in der unmit­tel­ba­ren Reich­weite her­aus­pi­cken.
    Oder man erkennt, dass ohne­hin allem ein fun­da­men­ta­les Recht auf Ver­ach­tung inne­wohnt und greift das Thema je nach Vor­gabe auf. Aber das nur am Rande. Mein Akt des »Off-Topic« sei damit geschlossen.

  12. Jetzt muss ich mich auch mal wie­der zu Wort melden.

    Erst­mal ein Dan­ke­schön an orphi und Guld­han für den herr­li­chen Sar­kas­mus, lange nicht mehr so gelacht :D
    Bio­Haz­zards Kri­tik an euch fand ich da eher unnö­tig wobei seine Reak­tion ja eigent­lich ein Mus­ter­bei­spiel dafür ist das es bei uns Cyber sehr viele , wenn ich The­Rie­sen mal ganz frech zitie­ren darf. Daher könnte man sagen er selbst hat bewie­sen was er wie­der­le­gen wollte. Eigent­lich ein lus­ti­ges Para­do­xon wenn man sich das mal durch den Kopf gehen lässt.

    Ich bin aber immer wie­der froh zu hören das es Leute gibt die zumin­dest die »ver­nünf­ti­gen« unter der Cyber-scene nicht ableh­nen. Wie eben Ext!ze und andere die sich dafür einsetzten.

    Zu der gan­zen Diku­sion über Tole­ranz. Ich bin der Mei­nung jeder sollte für sich selbst wis­sen was er eben erdul­det und was nicht, wobei ich da Guld­han zustim­men muss. Alles zu Tole­rie­ren bedeu­tet seine Mei­nung auf­zu­ge­ben. Und wo wären wir den wenn nie­mand mehr eine Mei­nung zu irgend etwas hätte, weil jeder zu beschäf­tigt damit ist sei­nem Umfeld gegen­über tole­rant zu sein.
    Etwas Into­le­ranz scha­det nicht, sei es aus mora­li­schen Grün­den oder ein­fach aus Prinzip. ;)

    Soo und jetzt bin ich mal gespannt ob sich jemand ange­spro­chen fühlt…

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  1. […] Ein­lei­tung des Mode­ra­tors. Kann ja hei­ter wer­den. Ich ver­weise an die­ser Stelle an mei­nen Arti­kel: Sub­kul­tur! — Cyber­gothic, in dem ich mich neu­tra­ler und sach­li­cher mit dem Thema aus­ein­an­der­setze, denn ein iro­ni­scher und […]

  2. […] mei­nem Arti­kel Sub­kul­tur! Cyber­gothic, in dem ich ver­suchte die Ver­ket­tung der Sze­nen und den Hin­ter­grund der Cyber zu […]