18 Februar
Schwarze Symbolik - Umgedrehtes Kreuz
Als Eröffnung meiner Serie, »Schwarze Symbolik« möchte ich euch das Kreuz, das von einigen Gothics auf dem Kopf stehend getragen wird, näherbringen. Der Prozentuale Anteil der Kreuzträger hat in den letzten Jahren stark abgenommen und ist anderen Symbolen gewichen, gerade durch die Vermischung mit der Mittelalter und Neo-Folk Szene sind viele neue Symbole hinzugekommen. Eine beinahe vollständige Ausrottung des Symbols ist seit dem Satanistenmord in Witten 2001 zu beobachten. Bei einigen Tradgoths ist das Kreuz ist immer noch anzutreffen.
Das Kreuz als solches symbolisiert den Opfertod Jesu Christi und die Verbundenheit mit den Mitmenschen (waagerecht) und dem göttlichen (senkrecht). Ursprünglich war nicht das Kreuz Symbol für das Christentum, sondern Christusmonogramm XP oder das sogenannte Staurogramm.
Das umgedrehte Kreuz nennt sich Petruskreuz. Nach christlicher Überlieferung bat der Apostel Petrus bei seiner Verhaftung in Rom darum kopfüber gekreuzigt zu werden, da er sich für nicht würdig hielt auf die gleiche Weise wie sein Lehrmeister Christus zu sterben. Zu römischen Zeiten wurden missionarisch Wirkende wie die Aposteln verfolgt, verhaftet und gekreuzigt. Katholische Kirchen, die dem heiligen Petrus geweiht sind, tragen anstatt des klassischen Kreuzes ein Petruskreuz auf der Kirchturmspitze.
In der Neuzeit wird das umgedrehte Kreuz als Inversion, also als Umkehrung der christlichen Werte interpretiert, wer sich das ausgedacht hat, ist nicht überliefert. Eine Verwendung dieses Symbols wird erstmalig in der Metal-Szene beobachtet, indem es losgelöst vom religiösen Zusammenhang als Zeichen der Ablehnung der kirchlichen Werte zu sehen ist.
Das das umgedrehte Kreuz als Satanisten Zeichen verschrien wird, ist nicht nur dem Psychopathenpaar Manuela und Daniel Ruda, die 2001 einen 33jährigen Studenten töteten, zu verdanken sondern auch den Medien, die durch entsprechende Berichterstattung die wahre Bedeutung des Symbols verzerren.
In der Gothic Szene wird das umgedrehte Kreuz häufig zur Provokation verwendet, allerdings eher als Ablehnung der kirchlichen Institutionen und nicht als Zeichen für Satanismus1 oder als Ablehnung des Glaubens als solches2. Damit wird auch deutlich, das es sich bei Grufties nicht grundsätzlich um Atheisten handelt, sondern die Ablehnende Haltung gegen die Kirchen als Organisation im Vordergrund steht.
Ich denke die Beliebtheit hat das umgedrehte Kreuz als Gegenbewegung zum klassisch getragenen Kreuz, da es von vielen Christen als äußeres Zeichen ihrer Zugehörigkeit getragen wird. Sollte euch einmal ein offensichtlicher Gruftie mit einem richtig herum getragenen Kreuz begegnen, zieht keine falschen Rückschlüsse, denn es gibt auch durchaus noch christliche Anhänger der schwarzen Szene.
(Bildquelle: Wikipedia, FuckYeahGoth)
- Roman Rutkowski: Das Charisma des Grabes (2004), S. 127ff [↩]
- Manfred Stock/Philipp Mühlberg: Die Szene von innen — Die Grufties (1990), S.61f [↩]
Veröffentlicht von Robert
Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch
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Kategorie: Hintergründe
Schlagwort: Petruskreuz, Satanismus, Symbolik


hat bereits 16 Kommentare abgegeben und schrieb am 18. Februar 2011 um 23:34:
Naja, viele Menschen tragen das Kreuz ja aus Ergebenheit der Kirche gegenüber, mit dem umgedrehten Kreuz kann man dagegen symbolisieren, dass man sich Gedanken über Religion macht.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 20. Februar 2011 um 00:08:
Man kann. Ich zitiere Dich aus einem anderen Beitrag: »Wenn man es ernst meint, muss man es sagen, und wenn man es nicht ernst meint, muss man es auch sagen.«
Man muss sagen, was es einem bedeutet. Kurioser Weise verwenden viele Anhänger der »schwarzen Gemeinde« die Kreuze und auch die umgedrehten Kreuze differenzierte als die, die sich Kirche »ergeben« haben.