8 März

Schwarze Symbolik - Der Ring der O

Kategorie: Hintergründe — Jahrgang: 20092 Kommentare

Ring_der_oEines der weni­gen nicht okkul­ten oder mythi­schen Sym­bo­len, die in der Gothic Szene schon seit gerau­mer Zeit Ver­wen­dung fin­den, ist der Ring der O. Damit ist kein Dich­tungs­ring gemeint, son­dern ein Schmuck­stück in Form eines Rin­ges mit einer auf­ge­brach­ten Öse. Und wer hat damit ange­fan­gen? Die wil­den Fran­zo­sen, wer auch sonst. Als die unter dem Pseud­onym Pau­line Réage bekannte Schrift­stel­le­rin Domi­ni­que Aury 1954 ihren Roman Die Geschichte der O ver­öf­fent­lichte, sorgte die­ser für einen faust­di­cken Skan­dal. Denn wie konnte die ver­rückte Fran­zö­sin auch einen der­art anstö­ßi­gen Roman ver­öf­fent­li­chen, bevor Oswald Kolle auch den Rest der Gesell­schaft refor­mierte und für die ver­meint­lich sexu­elle Befrei­ung sorgte. Worum geht’s über­haupt in dem Roman?

Die Geschichte han­delt von einer erfolg­rei­chen Pari­ser Mode­fo­to­gra­fin O, die sich wider­stands­los von ihrem Gelieb­ten René auf das abge­schie­dene Schloss Roissy brin­gen lässt. Dort lässt sich O aus Liebe zu René zu einer per­fek­ten sub­mis­si­ven, einer Skla­vin aus­bil­den. Im Rah­men ihrer Aus­bil­dung wird sie gefes­selt, aus­ge­peitscht, mas­kiert und gelehrt, jeder­zeit und für jeden sexu­ell ver­füg­bar zu sein. O lernt eine gehor­same »Skla­vin« zu sein, den­noch bleibt sie stets selbst­be­wusst und ist sich ihrer Macht über die Män­ner in ihrer Umge­bung im Klaren.

Die Sym­biose aus Lust und Schmerz die in dem Roman beschrie­ben wird sind Teil der BDSM-Szene1, in der die­ser Roman Kult­sta­tus erlangte, da diese durch die Ver­öf­fent­li­chung erst­mal grö­ßere Beach­tung fand. Wer glaubt, Scham­lip­pen­pier­cings sind eine Erfin­dung der Neu­zeit, möge die­ses 55 Jahre alte Buch ein­mal lesen. Der Ring der O, der heute als Hals­band oder als Fin­ger­schmuck getra­gen wird, hatte in der ursprüng­li­chen lite­ra­ri­schen Vor­lage ein völ­lig ande­res Aus­se­hen und eine andere Bedeu­tung. Was heute ein Sze­n­e­mit­glied höchs­tens noch kenn­zeich­net, iden­ti­fi­zierte im Roman eine Skla­vin, die einem Mann der die Bedeu­tung der Rin­ges kannte, völ­lige Unter­wer­fung versprach.

Der Mann hielt ihr nun eine kleine Holzkette mit lauter gleichen Ringen hin und bat sie, daraus einen Ring zu wählen, der an ihren linken Ringfinger passte. Es waren sonderbare Eisenringe, innen mit Gold gerandet; der breite, schwere Reif, ähnlich der Fassung eines Siegelrings, aber hochgewölbt, trug in Nielloarbeit ein goldenes Rad mit drei Speichen, die spiralenförmig gebogen waren, wie beim Sonnenrad der Kelten. (Zitat aus: Geschichte der O von Pauline Réage)

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Ori­gi­nal­ring der Romanvorlage

Heute wird er häu­fig als Fin­ger­ring mit einer auf­ge­brach­ten Öse getra­gen oder als leder­nes Hals­band mit gro­ßer Öse, die einem Hun­de­hals­band nicht nur ähnelt son­dern quasi auch von dort bezo­gen wird. Die­ses Aus­se­hen eta­blierte sich nicht zuletzt wegen eben die­ser Dar­stel­lung in der ers­ten Ver­fil­mung, son­dern auch wegen der Ver­brei­tung in ein­schlä­gi­gen Maga­zi­nen, so wur­den in der Szene Zeit­schrift Schlag­zei­len vom Sep­tem­ber 1989 erste Bezugs­quel­len vor­ge­stellt. Wer den Ring übri­gens rechts trägt, gibt sich eher devot, wäh­rend der Links­trä­ger eher als domi­nant anzu­se­hen ist.

Wer jetzt damit ange­fan­gen beim ande­ren abzu­gu­cken, ist frag­lich. Heute sind Anhän­ger der Gothic Szene und Mit­glie­der der BDSM Szene nicht mehr sau­ber zu tren­nen. Der Fetisch für schwarze Kla­mot­ten aus Gummi oder Latex, oder das schmü­cken mit Sze­ne­ty­pi­schen Uten­si­lien wie Ösen­hals­bän­dern, Peit­schen oder Rin­gen  haben die Gothics wohl eher von den BDSM´lern ent­lie­hen. Das ist jetzt aber keine fun­dierte Aus­sage, son­dern nur eine per­sön­li­che Ver­mu­tung, denn eigent­lich ist es doch ziem­lich egal.

Inter­es­sant finde ich nur die Ent­wick­lung, das die schwarze Szene seit den 90ern auch Platz für Fans der BDSM Szene bie­tet, die sich wohl weni­ger wegen der Musik, son­dern viel­mehr durch den ähnli­chen Kla­mot­ten­stil immer wie­der auf sze­ne­ty­pi­schen Ver­an­stal­tun­gen ein­fin­den. Ein­ge­fleischte Gothic Shops haben schon seit gerau­mer Zeit Lack­sa­chen für Sie und Ihn im Ange­bot und bie­ten den Gothic damit wie­der fri­schen Nähr­bo­den, sich äußer­lich und ästhe­tisch vom Rest der Gesell­schaft abzu­gren­zen. Der Roman ist übri­gens bis heute in Deutsch­land indi­ziert. Mit Beschluss der BPS vom 11. Juni 19832 , ist das Buch in Deutsch­land nur unter Vor­lage des Per­so­nal­aus­wei­ses zu bekommen.

(Bil­der­quelle: Wiki­pe­dia)
  1. Der Begriff BDSM setzt sich aus den Anfangs­buch­sta­ben der eng­li­schen Begriffe Bondage & Disci­pline (Fes­se­lung und Dis­zi­plin), Domi­nance & Sub­mis­sion (Domi­nanz und Unter­wer­fung), Sadism & Maso­chism (Sadis­mus und Maso­chis­mus) zusam­men. []
  2. Die Bun­des­prüf­stelle für jugend­ge­fähr­dende Schrif­ten — Spruch­gre­mium: Elke Monssen-Engberding (Vor­sit­zende der BPS), Thea Graumann (Schrift­stel­le­rin), Elke Krum­p­holz (Leh­re­rin). []

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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2 Kommentare

  1. Bist du dir sicher, dass das Buch auf dem Index steht? Bei ama­zon kann man es bei­spiels­weise ein­fach so bestel­len, wenn ich mich nicht irre. Das Buch ist total lang­wei­lig und auch die Ver­fil­mun­gen sind zum Gähnen.

  2. Ziem­lich sicher. Die Indi­zie­rung ist auch mehr­stu­fig. »Die Geschichte der O« ist nach wie vor im Ver­kauf und darf nur an Men­schen über 18 Jahre ver­kauft wer­den, bei Ama­zon muss man sich zum Erwerb des Buches sein Alter bestä­ti­gen. Diese Siche­rungs­maß­nahme greift natür­lich nicht ein­wand­frei, ist aber theo­re­tisch vor­han­den. Ein­fach so bestel­len? Ja, aber nur über 18.

    Es kann aber auch sein, dass das Buch wie­der aus dem Index gefal­len ist, denn nach 25 Jah­ren endet eine Indi­zie­rung und muss neu bean­tragt und durch­ge­setzt wer­den. Das müsste man aber per Ein­zel­an­frage an die BPJM stellen :)

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