29 August

Schwarze Symbolik - Ankh

Kategorie: Hintergründe — Jahrgang: 200910 Kommentare

ankhBeim stö­bern in alten Bil­dern und Arti­keln ist mir die Tage wie­der ein belieb­tes Sym­bol der schwar­zen Szene begeg­net, das es erfor­der­lich machte meine Serie Schwarze Sym­bo­lik fort­zu­füh­ren und dem Ankh, dem ägyp­ti­schen Kreuz einen Arti­kel zu widmen.

Das Kreuz ist eines der ältes­ten Sym­bole der Mensch­heits­ge­schichte. Die ers­ten gezeich­ne­ten Kreuze las­sen sich schon bis in die Stein­zeit zurück­ver­fol­gen. Auch viele der ers­ten gro­ßen Zivi­li­sa­tio­nen ver­wen­den das Kreuz als Sym­bol, die Ägyp­ter sym­bo­li­sie­ren mit ihrem soge­nann­ten Hen­kel­kreuz oder auch Schlei­fen­kreuz den Schlüs­sel des Lebens. Es soll Kraft und Ener­gie geben und gilt als Talis­man für ewige Lebenskraft.

Es gibt alte ägyp­ti­sche Dar­stel­lun­gen, in denen ein Gott das Zei­chen Anch dem Pha­rao als Zei­chen des Lebens über­reicht. Dabei ist das Zei­chen manch­mal in der Nähe der Nase zu fin­den, um eine Ver­bin­dung zwi­schen Leben und Atem dar­zu­stel­len. Als Hie­ro­gly­phe steht das Ankh für das Wort Leben und wird zu die­ser Zeit oft zur Deko­ra­tion von Grä­bern ver­wen­det. Schon die Ägyp­ter selbst häng­ten sich das Sym­bol als Schmuck um den Hals um ihrem Wunsch Aus­druck zu ver­lei­hen, dem Pha­rao mögen Heil und Leben zuteil wer­den1.  Und das alles, bevor es über­haupt den christ­li­chen Glau­ben gege­ben hat, der das Kreuz als sol­ches für sich adaptierte.

Flucht ins 23. JahrhundertIn den 70ern erfährt das Sym­bol eine Renais­sance, so wird Ägyp­ten in den Aben­teu­er­fil­men um Indiana Jones wie­der beliebt gemacht und sorgt in Filme wie Der Exor­zist für Angst und Schre­cken. Im 1976 gedreh­ten Film Flucht ins 23. Jahr­hun­dert taucht das Ankh als Schlüs­sel für eine Zuflucht auf. Etwa zu die­sem Zeit­punkt erhält es auch wie­der Ein­zug in die Sub­kul­tu­ren und wird von vie­len Künst­lern popu­lär gemacht.

zak McKracken and the alien mindbendersIn den 80er grei­fen auch die ers­ten Com­pu­ter­spiele das Ankh als Sym­bol auf und machen es mit Titeln wie Zak McK­ra­cken auch unter vie­len der heu­ti­gen Nerds bekannt. Terry Prat­chett, der mit sei­nen Geschich­ten aus der Schei­ben­welt berühmt wird, nennt die Haupt­stadt Ankh Mor­pok. Gleich­zei­tig ent­deckt auch die Wave– und Gruf­tie­szene das Sym­bol wie­der für sich. Was der jewei­lige Trä­ger mit dem Sym­bol ver­bin­det ist sehr unter­schied­lich, wäh­rend es einige nur schön fin­den, steht es bei vie­len für Lebens­kraft oder auch Unsterblichkeit.

Die Gruf­ties die­ser Zeit ent­de­cken die Fas­zi­na­tion des Todes für sich und koket­tie­ren mir einer Viel­zahl von reli­giö­sen, heid­ni­schen und und vor-christlichen Sym­bo­len, weni­ger weil sie sich mit der spe­zi­fi­schen The­ma­tik aus­ein­an­der­set­zen son­dern viel­mehr um zu pro­vo­zie­ren und ihren Ableh­nung gegen die Kir­che als Insti­tu­tion zu ver­lei­hen, so wie sie das mit dem umge­dreh­ten Kreuz auch schon gemacht haben2. Erst mit dem Ein­zug der aktu­el­len Tätowier-Welle besinnt man sich der alten Werte die­ses Zei­chens und lässt sich das Sym­bol in die Haut ste­chen um ihrem Glau­ben an das ewige Leben Aus­druck zu verleihen.

ankh

(Bil­der: Ankh, Flucht ins 23. Jahr­hun­dert, C64-Wiki, BME­Zine)
  1. Aus dem selbst Lexi­kon von Faszination-Ägypten zitiert nach Guy Rachet []
  2. Vergl.: Bir­git Richard, Schwarze Netze: Eine klas­si­sche Sub­kul­tur mit media­len Exten­sio­nen, die Gruf­tie bzw. Gothic Punk Szene []

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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10 Kommentare

  1. Jaja das liebe Ankh…wieso man sich das aber als Abnei­gung gegen die Kir­che umhängt ist mir schlei­er­haft, die kop­ti­sche Kir­che benützt es noch heute…

    Hen­kel­kreuz nann­ten die For­scher es ein­fach, weil von ihrem Stand­punkt die Hie­ro­gly­phe eben wie ein sol­ches aus­sah, ob es jedoch wirk­lich eine Art Kreuz dar­stellt weiss man nicht. Eine der Theo­rien sieht darin einen San­da­len­rie­men. Das Wort »ANCh« wurde für Leben und San­da­len­rie­men benutzt (aller­dings viel­leicht etwas ver­schie­den aus­ge­spro­chen), so dass der San­da­len­rie­men als Ideo­gramm für das Wort »ANCh« ver­wen­det wurde. Da aber das Wort im Sinne von Leben so oft benutzt wurde, wurde schluss­end­lich nur noch diese Hie­ro­gyl­phe als Abkür­zung für »Leben« benutzt. Kann also gut sein, dass es nur einen San­da­len­rie­men dar­stellt, und man sich das jetzt täto­wie­ren lässt *g* Es gibt noch andere Theo­rien, aber für eine ein­deu­tige Bestim­mung ist es wohl zu lange her.

    Ich weiss, dass es in der Szene eben nur damit koket­tiert wird, aber was mir noch mehr Unbe­ha­gen berei­tet ist die Tat­sa­che, dass man damit heute schnell in die Esoecke abge­scho­ben wird. Viel­leicht der Grund wes­we­gen ich mir bis heute kei­nen Anhän­ger zu gelegt habe…abgesehen davon, dass alle bis­her gefun­de­nen zu gross sind.

    Ich übe dann mal wei­ter Hieroglyphen-Schönschrift ;-)

    LG

  2. Hoppla, ich hätte wohl bes­ser mal Dich zum Thema Ankh inter­viewt. Die Theo­rie des San­da­len­rie­mens habe ich auch ein paar Links lang ver­folgt, es schien mir dann aber doch zu weit her­ge­holt, denn genau wie du schon sagst exis­tie­ren furcht­bar viele Mög­lich­kei­ten der Deu­tung. Zunächst wurde das Ankh tat­säch­lich als Ableh­nung der Kir­che getra­gen, wobei die Trä­ger davon aus­gin­gen es hätte eine ähnli­che Bedeu­tung wegen der Ver­wen­dung in diver­sen Publi­ka­tio­nen und Medien. Erst spä­ter lernte man das Sym­bol als sol­ches ken­nen.
    In die Esoterik-Ecke würde ich es nun wirk­lich nicht schie­ben, Eso ist nicht umsonst rein von den Buch­stabe her dem Emo sehr nahe :)

    So ein Hen­kel­kreuz würde Dir sicher gut ste­hen. Deine »Größe« fin­dest du sicher­lich auch noch. Auf jeden Fall noch­mal Dank für dei­nen sehr infor­ma­ti­ven Kom­men­tar, der mich (wie so oft) sehr über­rascht hat.

  3. das wort ankh kommt von gha­nai­sche wort nkwa, das bedeu­tet leben= rep­re­sen­tiert der Mut­ter­leib oder die Gebärmutter

  4. Es gibt noch die Theo­rie, dass es sich bei die­sem Sym­bol um einen Hand­spie­gel han­delt. Das finde ich auch nicht so abwe­gig: die Schlaufe als Spie­gel­flä­che, unten der Griff, nur der Quer­bal­ken erscheint mir dem­nach überflüssig.

  5. Ja ja, das alte Ägyp­ten. In letz­ter Zeit scheint mal wie­der die Streit­frage auf­zu­kom­men, ob die alten Ägyp­ter Weiße waren. Hatte erst vor eini­gen Wochen meh­rere Videos dazu auf Youtube ent­deckt, natür­lich ras­sen­ideo­lo­gisch gefärbt. ;-)

    Wahr­schein­lich liegt man der Wahr­heit am nächs­ten, wenn man die alten Ägyp­ter mit den Ber­bern (ins­be­son­dere mit den Kaby­len) ver­gleicht. Es scheint eine Zeit­lang aber auch schwarze Pha­rao­nen gege­ben zu haben, nach­dem die Kuschi­ten das Reich erober­ten. Damit ist die Streit­frage ver­mut­lich eh hin­fäl­lig. Den­noch finde ich es bedau­erns­wert, wie man­che die Geschichte für poli­ti­sche und ras­sen­ideo­lo­gi­sche Zwe­cke ver­bie­gen, da neh­men sich beide Sei­ten nichts.

  6. Vie­len Dank für euer ergän­zen­des Wissen!

    @Benziel: Inter­es­sante Kom­bi­na­tion, ich bin mir unsi­cher, wel­che Kul­tur für die Schaf­fung des Wor­tes ver­ant­wort­lich ist, womög­lich ist das gha­nai­sche Wort eine Her­lei­tung des ägyp­ti­schen. Das ist aber nur eine Vermutung

    @Krähe: Das würde auch pas­sen, die Ägyp­ter haben ja Bronze– und Kup­fer­platte auf Hoch­glanz gebracht, um sie als Spie­gel zu ver­wen­den, antike Spie­gel aus die­ser Zeit wei­sen aber keine kreuz­för­mige Sym­bo­lik auf. Man könnte anneh­men, dass sie das ganze misch­ten, indem sie dem Sym­bol eine Funk­tion als Spie­gel gaben.

    @Death Disco: Letzt­end­lich prägt sich das Bild von ägyp­ti­schen Pha­rao­nen doch aus den ent­spre­chen­den Filme zu der The­ma­tik, daher ist es auch nicht so abwe­gig, dass einst schwarze die­sen Pos­ten beklei­de­ten. Hast du viel­leicht ent­spre­chende Links zu den Videos? Das würde mich interessieren.

  7. *Nach­schlag* laut unse­rer ehe­ma­li­gen Kunst­pro­fes­so­rin mit anti­ken Zau­ber­tick ursprüng­lich ein Kup­fer­spie­gel. Vll. sollte ich mich mal wie­der mit ihr in Ver­bin­dung setzten.

    Ich bin auch inter­es­siert an Death Dis­cos Infor­ma­tio­nen zur Haut­farbe der Pha­rao­nen. Ich habe dies­be­züg­lich erst nur eine Kri­tik an der aktu­el­len Kleopatra-Darsellerin mit­be­kom­men: Wie weiß war Kleopatra?

  8. Ja, von den Hollywood-Pharaonen sollte man drin­gend Abstand neh­men. Aber in naher Zukunft wird die­ses Bild eh zum Kip­pen gebracht. Da ist wohl seit län­ge­rem ein Film in Vor­be­rei­tung, in dem Will Smith (!!!) den fünf­ten Kuschitenpharao/Nubierkönig »Taharqa« ver­kör­pern soll. :D

    Bezüg­lich der Videos: ein­fach mal »egypt black« oder andere Wort­kom­bi­na­tio­nen bei Youtube ein­ge­ben. Da fin­den sich etli­che Clips und es gibt unter den Kom­men­ta­ren end­lose Dis­kus­sio­nen zu dem Thema. Ein regel­rech­tes Tau­zie­hen. Ich bin mir nicht sicher, wer damit begon­nen hatte. Das könnte aus der »Black Supremacy«-Ecke kom­men, wo ein paar schwarze Grup­pie­run­gen mei­nen, die Pha­rao­nen seien ihre intel­lek­tu­ell über­le­ge­nen Vor­fah­ren gewe­sen. Letzt­lich ist diese Behaup­tung aber so nicht halt­bar. Ägyp­ter hat­ten einen für diese Region typisch bräun­li­chen Teint, even­tu­ell mit Abstu­fun­gen zwi­schen hell (Mit­tel­meer­küste) und leicht negrid (Ein­wan­de­rung über Oberägypten).

  9. Ich hab noch einen Thread im Geschichts­fo­rum ent­deckt. Dort dis­ku­tie­ren sie das schon seit knapp einem Jahr, wenn ich die Daten rich­tig über­flo­gen habe.

    http://www.geschichtsforum.de/f24/waren-die-alten-gypter-schwarz-37634/

  10. Vie­len Dank für den Link, ein sehr umfas­sen­der, aber auch infor­ma­ti­ver Text zu dem Thema. Ich denke, du hast schon recht, die Antike, das alte Ägyp­ten und Herr­schaft von Pha­rao­nen waren ein­fach zu lang und viel zu unbe­kannt, um die Exis­tenz dun­kel­häu­ti­ger Herr­scher auszuschließen.

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Trackbacks

  1. […] dann auch in die ägyp­ti­sche Mytho­lo­gie ein und ent­deckte das Hen­kel­kreuz, den Ankh (Schwarze Sym­bo­lik — Ankh) für sich. Ursprüng­lich aus der ägyp­ti­schen Hie­ro­gly­phe für ankh (Leben) […]

  2. […] Hier fin­det man auch einige Arti­kel über die Sym­bo­lik der Szene, wie zum Bei­spiel das Ankh, Fle­der­mäuse, umge­drehte Kreuze oder auch das Pen­ta­gramm. In der Kate­go­rie »Dunkle […]