28 April

Mythos Dracula – Vlad Draculeas gesammelte Scheußlichkeiten

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Dracula - Vlad TepesObervampir Dracula geht zurück auf den historischen Vlad III Drăculea, der wegen seines legendären Blutdurstes auch Țepeș (der Pfähler) genannt wurde. Klar, weiß jeder. Doch wie genau haben seine Abscheulichkeiten denn nun eigentlich ausgesehen? Vampirkenner Karnstein, der seit ein paar Wochen zum Autorenteam bei Spontis gehört, hat diesen Artikel bereits vor einer Weile in seinem alten Blog, den Otranto-Archiven, verfasst. Nachdem dieser nun bei Spontis integriert wurde, ist es Zeit, ein paar besondere und zeitlose Perlen seiner Werke aufzupolieren, um sie neu zu veröffentlichen.

Teil I – Dracula ein Mythos zwischen Wahrheit und Fiktion

Nun, sagen wir mal: Zumindest wie seine Mitmenschen ihn wahrnahmen oder darstellten, darüber lässt sich manches sagen. Wie hoch der Wahrheitsgehalt ist, wo man politische Hetzreden dahinter vermuten mag, und wo bereits Grusel-Märchen gesponnen wurden – darüber können wir wohl nur spekulieren. In meinen Händen halte ich jedenfalls gerade eine Photokopie, den Auszug eines Textes, der ungefähr auf das Jahr 1500 zu datieren ist (das erkennt man an Schrift und Sprache), also nur wenige Jahre nach seinem Tod 1476. Die Forschung scheint den Text schlicht „Dracula“ zu nennen, und darin beschrieben findet man allerlei reichlich bizarre (und daher schon wieder lustige) Schweinereien, die allesamt unserem Vlad zugeschrieben werden, und die ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte.

Geschrieben in spätmittelalterlichem beziehungsweise frühneuzeitlichem Deutsch und in einer sehr unleserlichen Schreibschrift ist der Text nur schwer zu entziffern und übersetzen, sodass ich teils ableiten und umschreiben muss, aber ich denke, die jeweilige Botschaft kommt klar genug rüber. Als Appetithappen hier daher schon mal der kürzeste Abschnitt meines Auszuges in Abschrift (falls sich jemand an sowas erheitern kann) und natürlich Übersetzung.

Item er hatt laſen ſpißen ain eſel vnnd ain münch barfuoſer orden oben dar vff der waß im begegnett. (Er hat einen Esel aufspießen lassen, und obendrauf einen Mönch des Barfüßer-Ordens der ihm begegnet war.)

Auf eine Erklärung warten wir vergebens. Aus irgendeinem Grunde hatte er wohl etwas gegen die Barfüßer. Und aus einem noch bizarreren Grunde hat er wohl eigens vor dem Aufspießen noch einen Esel auf den gleichen Pfahl gesteckt. War dann vermutlich besonders demütigend oder so, wobei ich bezweifle dass dies dem Mönch diese Situation irgendwie noch schlimmer gemacht hat.

Und tatsächlich findet sich auf der mir vorliegenden Seite nur eine Stelle, an der er niemanden aufspießen lässt. Nein, als die Zigeuner in sein Land kommen gibt er sich damit zufrieden drei von ihnen zu braten und sie von ihrer Sippe verspeisen zu lassen. Dann lässt er ihnen die Wahl entweder so mit allen zu verfahren oder dass sie für ihn gegen die Türken ziehen, was sie natürlich tun, doch aufgrund irgendeiner perfiden Schweinerei die ich leider nicht ganz verstehe (und den Abschnitt daher hier nur kurz anreiße) scheuen die Pferde der Zigeuner und der Türken voreinander wodurch allesamt in ein Gewässer geraten und ertrinken – zwei mit einem Streich sozusagen. Und ja, es geht nur bizarrer und mehr um die Ecke gedacht. Und ja, es wird heiter weiter gespießt.

Teil II – Draculas Greueltaten um die Ecke gedacht

Wir haben also erfahren, auf welche Weise Vlad Drăculea Țepeș einen Barfüßer-Mönch hat hinrichten lassen und ich habe euch euch mehr Spießen und mehr um die Ecke Denken versprochen. Daher an dieser Stelle ohne weitere Umschweife ein weiterer Absatz aus dem originalen Dracula-Auszug von etwa 1500. Wie letztes mal zunächst in einer Abschrift des Originals und dann in einer Übersetzung in modernes Deutsch, doch dieses mal möchte ich dem Ganzen auch einen Scan des Originals voranstellen, auf dass der geneigte Leser sich selbst am Entziffern einer historischen Handschrift versuchen mag:

Handschrift Dracula

Die Originalhandschrift des Grafen Dracula von etwa 1500

Item er hatt ſiner lütt herenn. etlich laſen kopffenn. vnnd hatt die höpt genomen vnnd hatt damit laſen krepß vahen darnach hatt er die ſelben frünnd zů hüß geladenn vnd hatt in die ſelben krepß zů eſſen geben vnd ſprach zů in ir eſt jetzund vrůer fründ höpter darnach hatt er ſy laſſenn ſpißenn.

(Des weiteren hat er seiner Leute Herren allesamt köpfen lassen und hat die Häupter genommen und damit Krebse fangen lassen. Anschließend hat er ihre Verwandten zu sich eingeladen und hat ihnen die Krebse zu Essen gegeben und sprach zu ihnen „Ihr esst gerade die Häupter früherer Verwandter“.
Danach hat er sie spießen lassen.)

Als ich das das erste mal las hatte ich einen kleinen „Was zum Geier?“-Moment. Warum sollte man auch direkt alle töten, wenn man ihnen vorher Krebse servieren kann die sich an den Leichenteilen ihrer Liebsten vergütlicht haben… Man beginnt zu verstehen wie der Name Dracula in den folgenden Jahrhunderten dämonisiert werden konnte.

Teil III – Dracula und die runtergelassenen Hosen

Wie bereits erwähnt finde ich auf gewisse Weise die folgende Episode am schrägsten. Sie ist vielleicht nicht ganz so verworren wie die letzte, macht aber doch eine für mich unerwartete Kehre, bei der sich jedem mit moderner Frauenrechtsbewegung groß gewordenen Menschen die Zehennägel hochrollen sollten.

Wie gehabt zunächst im historischen Original, dann in meiner Übersetzung:

Item er hatt ainen ſehen arbaiten in ainem kurzen pfad vnnd ſprach zů jm haſt ain hüßfrowen er ſprach ja er ſprach bring mir ſy her zů mir do ſprach er zů ir waß thůſtu. ſy ſprach ich wäſch bach ſpin – zů hand ließ er ſy ſpißen darumb daß ſy irem man nit hatt laſen machen ain lange pfad daß man im der brůch nit ſech zů hand gab er im ain ander wib vnd gebott ir ſi ſölt dem man ain lange pfad machen oder er welt ſy och laſenn ſpißenn.

Die Übersetzung:

Des weiteren hat er einen arbeiten sehen in einem kurzen Gewand und er sprach zu ihm: „Hast du deine Frau?“
Dieser antwortete: „Ja.“ Er sprach darauf: „Bring sie her zu mir!“
Da fragte er sie: „Was tust du [im Haushalt]?“ und sie antwortete: „Ich wasche, backe und spinne.“
Sofort ließ er sie spießen, weil sie ihrem Mann kein längeres Gewand gemacht hat, damit man seine Unterwäsche nicht sieht. Er gab dem Mann zugleich eine andere Frau und gebot ihr sie sölle ihm ein langes Gewand machen oder er würde auch sie spießen lassen.

Beruhigend zu wissen, dass der liebe Dracula ein so sittenhafter und moralischer Mensch war, dass ihm das öffentliche Zur-Schau-stellen einer Unterhose so ein Dorn im Auge war :)

Bruoch

Bauer mit hochgeschlagenem Gewand und sichtbarer Bruoch mit Beinlingen (links) und einer nur in Bruoch (rechts)

Die Abbildung rechts ist zwar aus dem 13. Jahrhundert, aber die Mode von Bruochen mit Beinlingen gab bis nach 1600 – so in etwa dürfte es sich also auch unserem Vlad präsentiert haben. Man sollte jedoch vielleicht dazu sagen, dass diese „Unterhose“ (eine sogenannte Bruoch) noch nicht die eigentliche Unterwäsche war und bei zu großer Hitze durchaus mal das einzige Kleidungsstück war, dass der Bauer auf dem Felde trug. Unfein war es dennoch, und was liegt näher als nicht den Mann zu bestrafen der etwas so unsittliches tut, sondern seine Frau, weil sie ihm keine angemessenere Kleidung gemacht hat? 

1 Kommentar

  1. Meine liebste Story ist immer noch das Annageln der Turbane an die Häupter der osmanischen Gesandten, die sich vorher geweigert hatten, selbige bei der Audienz abzunehmen. Hat man nun davon, wenn man vor dem Wojewoden der Walachei nicht höflicherweise den Hut, bzw. Turban zieht. [:

    Obwohl das im Feuer geendete Festmahl für alle Diebe, Landstreicher und Bettler auch eine hübsche Gute-Nacht-Geschichte ist. Oder diese Sache mit dem goldenen Krug am Brunnen, den niemand zu stehlen wagte…

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