18 Januar

Zu guter Letzt: Die Gothic Friday Mecker-Cracker

Verfasst von Diskussion: Keine Kommentare

cracker

Genug gemeckert! Als „Gegenkultur zur Meckerbewegung“ müssen wir nach vorne schauen. Es wird also höchste Zeit, den Gothic-Friday mit dem Dezember-Thema „Black & Annoying“ abzuschließen. Ein Thema, das offensichtlich viele Leser dazu genutzt haben, endlich mal Dampf abzulassen. Nicht nur hier gab es viele Einsendung, sondern auch auf Facebook wurde zahlreiche Kommentare hinterlassen. Ich habe sie einfach mal Mecker-Cracker genannt, kurze Ausbrüche aus der Ignoranz, unerwünschte Dinge auszublenden. Zu kurz, um einen ganzen Artikel daraus zu zaubern, zu lang und gehaltvoll, um sie im Daten-Nirwana verschwinden zu lassen. Cracker eben. Salziges Gebäck, wenn man so möchte. Und nach jedem Griff zum Gebäck sagst du Dir, „So! Jetzt ist aber Schluss!“ Das Problem: wenn du einmal damit anfängst, hörst du erst wieder auf, wenn die Tüte leer ist.

Hier also die gefüllte Tüte schwarzer Cracker. Lasst sich Euch schmecken. Danach ist endgültig Schluss mit dem ewigen Genörgel ;)

Carsten am 13. Dezember via Facebook:  „Oh da gibt es leider heute vieles. angefangen das es mittlerweile viel zu viele Abspaltungen gibt. weiter zu die Szene ist Politisch geworden. Toleranz und Freundlichkeit waren früher auch mal deutlich größer. Nicht alles war früher besser, das ist mir schon klar. Aber doch einiges. Und wo ist das tolle Style aus den 80er hin mit den Toupierten Haaren und den ausnahmslosen Schwarzen Klamotten. Kurz um die Szene ist mir auch zu Bunt geworden. Und das Bunt meine ich mehrdeutig.

Mephostina am 20. Dezember via Email: „Mir ist schon des öfteren aufgefallen, das wenn ich im Club sitze und die ,,Frischlinge“ sehe, wie sie am Tanzen sind, läuft es mir doch dezent kalt den Rücken runter. Dadurch das die Cybers  die Tanzflächen mit ihrem ,,GummibärchenKungFu“ unsicher machen, sehen dies die Frischlinge und glauben dann, das Gothics so tanzen, und versuchen dann diese zu kopieren. Es ist ein befremdlicher Anblick wenn die Neuen aber auch die Cybers dann zu Wolfsheim ihren GummibärchenKungFu darbieten. Ja, die guten Cybers – die, die einfach keine Rücksicht nehmen und auf alles, wirklich alles was einen gängigen Beat hat ihre Verrenkungen zum besten zu geben, egal ob es passt oder nicht. Tja und die Frischlinge verinnerlichen diese Bewegungen. Wenn einige so etwas wie Taktgefühl besitzen würden, sähe diese Misere nicht ganz so peinlich aus. Aber inzwischen hab ich das Gefühl, das diese Cyberwelle stark am abnehmen ist.

Mandra am 25. Dezember via Facebook:  „Ich bin zwar nicht rein Gothic, (ja sowas gibts auch xD) aber schon seit sehr vielen Jahren „schwarz“. Mir fehlt ebenfalls einfach die Tiefgründigkeit, und diese starke Verbundenheit untereinander. Man muss sehr lange nach dem entsprechenden Kontakten suchen oder worauf man das sonst noch alles bezieht. Und was mich auch teilweise traurig macht, ist einfach die Tatsache, das um mich herum es immer irgendwie Menschen gibt, die ihren Bekannten-/Interessen-Kreis haben und ihn pflegen, während es anderen vergönnt bleibt und man sich noch außerirdischer fühlt als eh schon. In der Hinsicht bin ich wiederum froh das es das Internet gibt, und natürlich ist es nicht mehr das Selbe wie früher von den Umständen und vom Gefühl, aber ein kleiner Trost allemal.

Jenno am 3. Januar via Facebook: „Ich muss dem Verfasser widersprechen! das Problem ist nicht, daß es keine Künstler mehr gibt, die sich musikalisch im „underground“ bewegen, sondern daß die Szene nicht mehr „Underground“ ist. Wenn man als Veranstalter eine Unbekannte Band bucht (ja, Underground ist nich Mainstream) kann diese noch so innovativ, technisch auf ihren Instrumenten perfekt und textlich treffend sein, es kommen nur eine Handvoll zahlende Besucher weil man sein Gels lieber für das Mittelmaß das man kennt ausgibt als das Risiko einzugehen etwas neues kennen zu lernen, was einem gefällt oder nicht. Als DJ ist man, so bald man nicht in einer Großstadt mit einer riesen Szene in einem möglichst kleinen Club auflegt, gezwungen primär Songs zu spielen, die zumindest mal auf irgendeinem Heftbeipacksampler waren, da jeder andere Song, auch des gleichen Künstlers und auch mit gleicher Dynamik, mit Unverständnis honoriert wird.

Es gibt heute so viele Möglichkeiten durch das Internet neue Bands zu erfahren und so auch neue Künstler zu finden, die wirklich innovativ sind, aber dieses „Überangebot“ verleitet die Leute halt auch dazu da Altbekannte immer wieder zu hören weil es ständig greifbar ist. […] Wer Bands abseits des Mainstreams erleben will der muss kleinere Events akteptieren. So gibt es in Leipzig jedes Jahr parallel zum WGT das Gothic Pogp Festival, welches natürlich deutlich kleiner ist aber nicht vor radiotauglichen Bands regiert wird. Auch ist das Breaslauer Festival Return To The Batcave durchaus vom Lineup eine Reise wert wenn man weg will vom Mainstream. Nie war es so leicht neues innovatives zu finden, wenn man bereit ist sich von den eingetretenen Pfaden zu entfernen. Es lohnt sich auch mal mit komplett neuen Dingen zu beschäftigen wie Gothic Reggae wie zum Beispiel von impulsive lust oder Gothic-Hip-Hop von Kung Fu Vampire. Ob beides seine Berechtigung hat darf jeder für soch selber entscheiden genauso wie irgendwann ja mal das Teccnoderivat EBM in der Szene gelandet ist und inzwischen für viele leider das einzige ist, was sie mit Gothic identifizieren.

Catharina am 10. Januar via Facebook: „Gerade weil der Inhalt, die Tiefe fehlt, gibt es die andauernde Sehnsucht nach vergangenen Tagen. „Früher“ war jeder Tag – heute -. Die eigentliche Wurzel der Szene lag in der Ablehnung an die unerträgliche Oberflächlichkeit. Sehnsucht nach den tiefen Fragen des Lebens, Transzendenz, echte Romantik und fand so ihren noch nie vorher so dagewesenen Ausdruck in der Farbe schwarz. Nun ginge sie zugrunde an genau den Dingen, die sie ablehnte. Es passt eben nicht zu schwarz, so oberflächlich und darstellerisch zu sein. Schön wäre eine Renaissance, die dann aber aus dem Jetzt und Hier kommen müsste. Genau wie damals, als wir das auch so gemacht haben.

Ina am 20. Dezember via Facebook: „Das mit Smartphone kann ich sehr gut nachvollziehen, ich mag es nicht wenn bei Konzerten ständig diese Dinger begafft werden anstatt der Musik auf der Bühne zu folgen und Spass zu haben. Ich habe kein Internet auf meinem handy,es ist zu 90% ausgeschaltet denn ich besitze Festnetz! Ok ich bin jeden Tag bei Facebook aber meist nur ein oder zwei Stunden und da finden dann durch Chat verabredungen statt und Infos werden ausgetauscht. Ich such ständig neue Leute doch bin meist zu feige um Kontakt aufzunehmen. Aber manchmal klappt es dann ja doch.

Flux Garden am 12. Januar via E-Mail: „Was mich stört: Techno wird mit EBM verwechselt. Hardcore wird mit Industrial verwechselt. Metal hat nix mit der Szene zu tun! Das sind nun wirklich zwei grundverschiedene Musikrichtungen/Kulturgattungen! Das inflationäre Mittelalter-Gedöns. (Wenn ich was „Mittelalterliches“ hören will, lege ich „Ougenweide“, oder „Fraunhofer Saitenmusik“ auf.) Meine Aversion bzgl. Mittelalter und Metal rührt wohl daher, dass ich in den 80ern Musik-Sozialisiert wurde. Punk, New Wave und Industrial waren für mich Ausdruck purer Urbanität. […] Was mich wundert ist, wie viele Leuts sich hier über die Szenegänger heutzutage aufregen. Über die kann ich allenfalls lachen! Jede Szene kriegt das Publikum, das sie verdient. Und mittlerweile sind`s halt größtenteils Normalos mit schwarzen Klamotten aus`m Versandhaus-Katalog, oder völlig Ausgedroppte, die sich nicht entblöden, mit `ner Ritterrüstung (incl. Schildknappen) durch eine Disco zu klappern. (WTF?)

Bands: Die Outfits werden immer Fantasy-mäßiger und die Mucke immer flacher. Umgekehrt wär`s mir lieber! Attitude rules… Und dieses Superstar-Gehabe. Bei den Festivals kommt mir immer das kotzen. Konnte man früher bei einem Konzert auch mal entspannt auf der Bühne zu Füßen der Musiker sitzen, ist heute alles voll mit Security. Dann gibt`s Autogrammstunde mit anstehen und bezahlen. Das hat alles eine kalte Distanz und „Professionalität“ erreicht, dass es mir echt keinen Spaß (mehr) macht. Hätte meine Freundin mich damals nicht zu den Blackfield-Events mitgeschlört – ich wäre wohl nicht von selbst darauf gekommen, mir das anzutun. Der Gipfel der Frechheit sind irgendwelche Laptop-Bediener, die auf der Bühne stehen, mit den Armen fuchteln, und ab und zu `n neues Preset abrufen. Warum bleiben die nicht gleich zu hause, und schicken ihr Geklimper per Skype? Und nicht, dass ich missverstanden werde: ich bin ein Fan von vielen Spielarten elektronischer Musik, aber wer für 60 Euro auf einer Bühne steht, muss mir was bieten! Von der einschlägigen Journallie will ich gar nicht erst anfangen… Wobei einige Magazine mittlerweile ein einziges „Titten-und-Ärsche“-Schaulaufen sind. Nee, lass ma´ Aber davon ab: ich fühle mich trotzdem wohl mit den ganzen Bekloppten! :)“

Christian am 11. Januar via Facebook: „Das Geheule gibt es schon seit mehr als 15 Jahren. Es ist auch völlig normal das viele irgendwann weiterziehen und was anderes machen. Das geht doch auch anderen Mainstream-Szeneleute so, warum sollte der Schwarze Mainstream da eine Ausnahme sein? Das Szene-Clubsterben der letzen 10 Jahren spricht doch auch Bände. Ich hab irgendwann 2010 festgestellt dass ich nur noch aus Gewohnheit zum WGT & Co. gefahren bin und es dann unterlassen. Das Programm zog mich schon seit 2006 nicht mehr.

WizardofGoth am 18. Januar via Darkness: „Mir geht diese Szene-Gemecker gehörig auf die Nerven. Mittlerweile kommt sich doch jeder Veranstalter, Kreative, Schaffer oder Macher vor wie die Reiseleitung bei einem All-Inklusive Trip in die Dominikanische Republik. „Das Wasser ist zu kalt.“ – „Die Pommes sind labberig.“ – „Auf meinem Zimmer sind komische Tiere.“ Der typische Goth von heute hat unendlich viele Befindlichkeiten, fühlt sich maximal individuell und will auf jeden Fall eine Extra-Wurst (glutenfrei und vegan) haben. Gemeinsam mit anderen in eine Schublade? ICH bin anders! Gemeinschaftsgefühl? Drauf geschissen! ICH bin die Verkörperung der Szene, habe die Pluderhosen zurück in Szene gebracht und trage die spitzesten Pikes. Wenn der DJ nicht „SEIN“ Lied spielt, das sonst kein anderer auf der Welt toll findet, war der ganze Abend doof. Wenn das WGT mit über 200 Bands, zig Veranstaltungsorten und kostenlosem Nahverkehr wieder 5 Euro teurer wird, ist es gleich Kommerz. Und wehe Laura hat die gleiche Leggings wie Sonja! Wie scheiße ist DIE denn? Kinder, dann kauft eben nicht alle beim Totally Overfucking „KillStar“ Laden um die Ecke ein! Und hör mir bloß auf mit Toleranz!!111! Ich will nicht ausschweifen, ich wünsche mir nur etwas zurück von der Szene-Typischen Ignoranz. Nur weil die Gruftis um Euch herum alle scheiße sind, muss es die Szene doch nicht sein. Ignoriert die Spinner und macht euer eigenes Ding. Eure Gothic-Szene in der Gothic-Szene.“ 

#GenugGemeckert #FIN #PositiveGoth #HappySadness

Happy Goth – (c) Adweek via GIPHY

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