25 März

Höchst subjektive Rückblicke auf den Gothic Friday

Autor: Diskussion: 2 Kommentare

Gothic Friday vieler MenschenDer Gothic Friday 2011 ist vorbei, mit dem zwölften und letzten Kapitel hat er einen würdigen Abschluss gefunden. Normalerweise würde man einen Rückblick erwarten, der mit Zahlen und Fakten aufwartet, der erzählt wie viele Teilnehmer es gab, wie viele Besucher die Beiträge gelesen haben oder womöglich, wie viele Worte alle Teilnehmer in einem Jahr aus der Tastatur gedrückt haben. Man würde versuchen, objektiv zu erfassen, was der Gothic Friday aussagt, ob er sein Ziel erreicht hat und welche Schlussfolgerungen er zulässt. Doch für uns war das alles ein höchst subjektives Erlebnis, das sie nur mit höchst subjektiven Eindrücken in Worte kleiden lässt.

Shan Dark und Robert wollen euch ihre Eindrücke schildern und davon erzählen, was sie erlebt, erlernt und erfahren haben. In den Kommentaren zu diesem Artikel fordern wir euch auf,  uns eure Eindrücke zu schildern. Ganz egal ob ihr nun Teilnehmer oder Leser wart. Wurdet ihr in euren Gedanken bestätigt? Habt ihr neue Dinge erfahren? Interessante Menschen kennengelernt? Wir würden es gerne erfahren, denn neugierig sind wir immer noch.

Freitagsreisen (Shan Dark)

Das hätte ich nicht gedacht. Vorher.

Der Gothic Friday war für mich wie eine gemeinsame, aufregende Reise. Jeden Monat hielten wir an einer neuen Station, schauten in uns und um uns, entdeckten Vertrautes, Überraschendes oder auch Seltsames. Alle Mitreisenden konnten sich durch ihre Beiträge im Reisegepäck gleich gut kennenlernen und waren monatelang ins Gespräch vertieft. Der Wizard Of Goth sorgte als großer, schwarzer Navigator dafür, dass unsere schwarzgewandete Reisegruppe schön beisammen bleibt, keiner vom Weg abkommt oder zu weit rausschwimmt. Wir teilten Erlebnisse und vor allem Erkenntnisse. Und wie sich das gehört: am Ende der Fahrt hatten wir alle den Blues – und damit Grund genug, düstere Musik zu hören.

Mittlerweile würde mir ohne Euch wirklich etwas fehlen. Ich finde, wir sind durch diese Freitage alle näher zusammengerückt und es ist gemütlich im schwarzen (Spinnen-)Netz. Man versteht, man vertraut, man weiß. Spontis Family ist durchaus der richtige Begriff. Wir kennen gegenseitige Ansichten, Geschmäcker und gruftige Spezialgebiete. Manche von Euch habe ich sogar persönlich kennen gelernt. Unvergessen bleibt natürlich des Wizards Besuch in Mainz mit dem gemeinsamen Videoshooting auf dem Friedhof. Oh Mann! Durch den Gothic Friday sind kleine Bekannt- oder sogar Freundschaften entstanden, die ich nicht mehr missen möchte.

Doch nicht nur euch habe ich entdeckt, sondern auch mich selbst. So manche Frage im Gothic Friday war schon fies. Ab und zu haben Robert und ich das Thema festgesetzt, ohne dass uns selbst schon eine Antwort darauf eingefallen war. Oder ich hatte nur eine diffuse Ahnung von dem, was ich schreiben wollte und dann wurde doch alles anders. Manchmal habe ich mich in euren Beiträgen wunderbar gespiegelt – manchmal verwundert gesucht. Gothic Friday bedeutete für mich auch: Selbsterkenntnis durch konstruktiven Meinungsaustausch mit Gleichgesinnten. Gestelzt formuliert.

Kennen (und) lernen ist meine persönliche Essenz dieser schwarzen Freitagsreisen.

Zum Schluss möchte ich noch etwas orakeln:
Ich bin überzeugt, dass wir alle – ohne es währenddessen vielleicht gemerkt zu haben – mit den Beiträgen zum Gothic Friday etwas geschaffen haben, dessen Ergebnis noch in der Ewigkeit nachhallen wird. Das ist natürlich etwas zu pathetisch gesagt. Aber „in der Ewigkeit nachhallen“ wollte ich schon immer mal schreiben – voller Überzeugung.

Gothic Friday - Shan Dark und Robert

Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft (Robert)

Mit ein wenig Wehmut blicke ich auf den kleinen Schreibblock, in dem die Idee des Gothic Friday erste Gestalt angenommen hat. Ich erinnere mich daran, wie ich die hübsche Rothaarige zum ersten mal am Mainzer Hauptbahnhof entdeckte. Ich stand herum wie Falschgeld und war nervös, weil dies das erste mal war, dass eine virtuelle Bekanntschaft  real werden würde. Im Internet besteht das Gegenüber nur aus Text und ein paar Bildern, dachte ich, wie mag sie wohl in Echt aussehen? Den Kopf kannte ich ja schon von den zahlreichen Kommentaren in meinem Blog, daher habe ich sie auch gleich erkannt, als sie die Treppe zum Bahnsteig hochstiefelte. Als sie dann die letzte Stufe nahm, war mir jedoch klar, dass sie viel größer ist, als ich sie mir vorgestellt hätte.

Das sich noch viel mehr virtuelle Gesichter in reale Menschen verwandeln würden, hatte ich gehofft. Dass der Gothic Friday genau das ermöglicht hat, ist überraschend und wunderschön.

Immer schon habe ich mich gefragt, was bedeutet es eigentlich, sich als Teil einer Szene zu sehen. Ich stellte mir Fragen, die ich mir nicht beantworten konnte, und hatte Antworten, auf dich ich keine Frage wusste. Ich wollte wissen, was andere denken und wie sie ihre Rolle im schwarzen Kosmos sehen. Ich habe viel über euch erfahren, habe von euren Anfängen gelesen, euren Leidenschaften gehört und euren Geschmack erlebt. Es gab viele Fragen, auf die ich selbst keine Antwort hatte und mit dem “Zwang” etwas darüber zu schreiben, auch viel über mich selbst erfahren habe. Ich denke, ich habe ein Stück weit gelernt, was die Subkultur ist, was sie ausmacht und woraus sie sich zusammensetzt. Dennoch ist es mir immer noch nicht möglich, eine allgemeingültige Definition abzugeben, weil der Facettenreichtum der schwarzen Szene viele Definitionen zulässt.

Ich habe beim lesen eurer Beiträge gelacht und geflucht, mit dem Kopf geschüttelt oder zustimmend genickt. Ich habe interessante Menschen auf einer ganz neuen Ebene kennengelernt, über das Reale hinweg, direkt zu Gedanken und Meinungen um später zu diesen Eindrücken auch zu einem realen Erlebnis zu machen. Ihr habt unglaublich viel geschrieben, gemeinsam füllen wir sicher schon ein ganzes Buch. Ihr habt gezeigt, dass es nicht immer wichtig ist, kurz und knackig zu schreiben, sondern authentisch und ehrlich. Wieder was gelernt. Ich hatte immer befürchtet, dass niemand den ganzen Text liest, den ich manchmal schreibe.

Der Gothic Friday war ein Blick in die düstere Vergangenheit, zeigte die zerrissene Gegenwart und verspricht dennoch eine hoffnungsvolle Zukunft.  Ich bleibe unverbesserlich. Ihr habt mir gezeigt, dass da viel mehr ist als Musik und schwarze Klamotten. Ich kämpfe nicht allein, sondern bin auf Augenhöhe mit vielen anderen Kriegern. Lasst uns die anderen wecken!

Artikelinformationen

Veröffentlicht am 25. März 2012 von — Letzte Aktualisierung: 25. März 2012

Kategorie: Gothic Friday — Schlagworte: , ,

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2 Kommentare

  1. Ich war zwar “lediglich” Leserin, aber ich kann euch beiden nur zustimmen!

    Es war interessant, amüsant, beeindruckend und auch erfreulich zu sehen, wie viel Neues, Verwirrendes und doch auch Vertrautes, “Typisches” zusammenkam.

    Der Gothic Friday war für mich eine angenehme und schöne Art und Weise, sich über (einem selbst) noch wenig bis unbekannte Themen zu informieren und sich teilweise auch mit anderen auszutauschen!

  2. Hi !

    Auch für mich war das Projekt sehr
    spannend -- auch wenn ich nicht immer
    mit meinen eigenen Artikeln zufrieden war
    hinterher. Manches hätte ich nachträglich noch
    gern verbessert, umgeschrieben, was auch
    immer. Oder gar gelöscht und ganz neu
    formuliert *fg* -- dies gilt vor allem für meinen
    ersten GF-Beitrag im Januar 2011… -.-

    Die Beiträge der anderen Teilnehmer fand
    ich teilweise ziemlich interessant ( nicht alles ),
    oft empfand ich sie auch als tiefgründiger als
    meine eigenen. Manchmal erkannte ich mich
    auch selbst darin wieder und fand Parallelen
    zu meinem eigenen subkulturellen Lebensgefühl.

    Toll war es definitiv, im Oktober 2011 in
    Wiesbaden mal ein paar Leute aus der
    Spontis-Family persönlich kennenzulernen -
    die Leute sehen ja in real generell IMMER
    anders aus als man sie sich im Kopf vorher
    vorstellt ! ;D Manche erkennt man auch recht
    schnell, sie wirken aber oft natürlich völlig
    anders als auf den Fotos. Das ist schon
    faszinierend. Jedesmal. Egal ob man nun positiv
    überrascht ist von der realen Person oder negativ.

    @ Robert: Du hast vor dem GF noch NIE Leute
    aus dem Internet in real kennengelernt ???
    OMG !!! o.O Das kann ich ja kaum glauben !!!
    Ich bin jetzt seit 1996 im Netz unterwegs und
    ich weiß nicht mehr, wie viele Leute ich bislang
    in echt getroffen habe. Das waren ungelogen
    schon hunderte, irgendwann hab ich aufgehört,
    zu zählen… *fg* Ob nun einzeln oder auf
    Chattertreffen… So fingen bei mir sogar schon
    Beziehungen mit Männern an ! Und seitdem ich
    modele, kommen auch noch die ganzen
    Fotografen und Mitstreiterinnen vor der Kamera
    hinzu, die man ja auch alle erstmal online
    kennenlernt. Für mich ist es das Normalste der
    Welt, Leute aus dem Internet auch mal in real
    zu treffen ! :) Das ist immerwieder toll -
    leider verliert man aber mit der Zeit viele auch
    wieder aus den Augen, nur wenige bleiben
    einen für längere Zeit erhalten oder gar
    dauerhaft. Und manche trifft man auch nie
    persönlich, sie bleiben einfach “nur”
    Chatbekannte. Wobei ich schon seit Jahren
    nicht mehr direkt chatte ( wurde irgendwann
    langweilig und zu sehr zeitraubend ), ich bin
    mehr in Foren unterwegs und schreibe dort
    Beiträge.

    Dunkle Grüße ! :)
    Melle

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