27 Mai

Gothic Friday Mai - Resümee

Kategorie: Gothic Friday — Jahrgang: 2011Keine Kommentare

Gothic Friday 2011»Genug gere­det, jetzt wer­den wir sel­ber krea­tiv.« Der son­nige Mai stand ganz im Zei­chen des Sel­ber­ma­chens und nannte sich nach einer Ein­ge­bung von Shan Dark pas­sen­der­weise »Do Goth Your­self!« Wir for­der­ten die Teil­neh­mer dazu auf, uns allen zu zei­gen, wie sie ihre Kla­mot­ten, Acces­soires oder auch Ein­rich­tungs­ge­gen­stände ver­schö­nern, um der not­wen­di­gen Indi­vi­dua­li­tät, die so ein knall­har­tes Sze­nes­le­ben mit sich bringt Rech­nung zu tragen.

Her­aus­ge­kom­men ist ein Pool vol­ler Ideen, in dem für jeden Geld­beu­tel und jedes noch so kleine Kreativ-Talent etwas zu fin­den ist, um sich ange­nehm vom Rest der Szene abzu­he­ben. 19 Teil­neh­mer haben die­sen Monat mitgemacht. Besonders gefreut hat es uns einige völ­lig neue Gesich­ter begrü­ßen zu dür­fen, die aus der Ver­sen­kung ihrer schwar­zen Exis­tenz erschie­nen sind um uns und die ande­ren Leser mit einem Bei­trag zu beglücken.

Sabrina (orphi), deren Idee übri­gens das krea­tive 5. Gothic-Friday-Thema war, hat sich nach reif­li­cher Über­le­gung für »Badge-It« ent­schie­den, um But­tons sel­ber zu machen. »Im ers­ten Schritt braucht man natür­lich ein Motiv für den But­ton. Hier kann man ent­we­der Bil­der aus den ein­schlä­gi­gen Szene-Zeitschriften aus­schnei­den, digi­tale Bil­der aus­dru­cken oder aber sel­ber krea­tiv wer­den und das ulti­ma­tiv indi­vi­du­elle Motiv ent­wer­fen.« Mit die­ser Anlei­tung ist sie nicht nur die erste, son­dern zeigt auch deut­lich, wie man mit klei­nen Din­gen und ein wenig Arbeit schnell zu einem schö­nen Ergeb­nis kom­men kann.

Sibel zeigt, das Zer­stö­rung nicht immer schlecht sein muss und ver­ziert ein Ober­teil mit einem ein­ge­schnit­te­nen Toten­kopf  und schlägt vor, das End­er­geb­nis noch wei­ter aus­zu­bauen: »Ein­fa­cher geht es nun wirk­lich nicht. Bei Bedarf darf man natür­lich noch drum­rum etwas schmü­cken wie bei­spiels­weise Nie­ten anbrin­gen oder Rüss­chen dran nähen.«

Gleich dop­pelt krea­tiv war Stof­fel, die zunächst in einem groß­ar­ti­gen Bei­trag von ihrer ver­schla­fe­ner Krea­ti­vi­tät berich­tet: »Wie sieht es denn nun in mei­nem eige­nen krea­ti­ven MDS (Machs Dir Selbst) Leben aus? “Mager bis ver­tro­cke­net bis nicht­vor­han­den” schreit mein Hirn. “Echt?” fragt mein ver­küm­mer­tes krea­ti­ves Ich und will es so gar nicht wahr haben.« um wenig spä­ter ein Ergeb­nis krea­ti­ver Erwe­ckung prä­sen­tiert: »Im Rah­men des “Do Goth Your­self” fiel mir eben am Don­ners­tag (mit Haar­fär­be­zeuch auf dem Kopp) ein, dass ich Haar-Färbungs-MDS nun schon seit mei­ner Teen­ager­zeit (Anno 1986) prak­ti­ziere und alles mit einem Jux begann…« Simone küm­mert sich lie­ber um die Ver­wand­lung unge­lieb­ter Klei­dungs­stü­cke zum gruf­ti­gen Hin­gu­cker: »Da es ja aber etwas ein­fa­ches sein sollte ist es der Knochen-Schlitz-Rock gewor­den, der ist schön ein­fach, man muss nicht wirk­lich nähen kön­nen und die Appli­ka­tio­nen kann man auch prima auf Taschen, Ober­teile, Hosen oder was auch immer drauf machen.«

Karn­stein hat sich dazu hin­rei­ßen las­sen, ein »wun­der­schö­nes« Darkwing-Duck T-Shirt schwarz zu fär­ben und es mit der Schere noch schö­ner zu machen. Kos­ten­lose prak­ti­sche Tipps gibt er auch: »Bei sol­chen Aktio­nen sollte man aber unbe­dingt beach­ten, dass man Gum­mi­hand­schuhe trägt! Bei mei­ner letz­ten Fär­be­ak­tion trug ich keine und hatte zwei Tage lang schwarze Flos­sen.«

Guld­han, der sein Licht unter den Schef­fel stellt, greift gewohnt wort­ge­wal­tig und mit bissig-schwarzem Humor (zum Tot­la­chen!!) in das Hun­de­körb­chen und zeigt, wie man als Gothic schnell für eine adäquate vier­bei­nige Beglei­tung im Schwarz­kit­tel sorgt:  »Aber was ist, wenn man nun mit sei­ner frisch gothy­our­self­ten Tracht aus der Türe tritt und ein klei­ner ange­lein­ter Geh­weg­schei­ßer neben einem so ganz ungruf­tig aus dem Fell glotzt. Soll ja vor­kom­men. Denn nicht jeder Schwarz­ro­man­ti­ker hat einen die­ser per­ma­nent ange­pisst drein­bli­cken­den Sofa­fuss­ler mit Herr­schafts­an­spruch auf Lebens­zeit aka Haus­katze zu Hause hocken.«

Melle Noire gibt sich der Zer­stö­rung hin, die sich gekonnt und ele­gant in unschul­di­gen Strumpf­ho­sen ent­lädt: »Zer­stö­ren geht aller­dings immer – wie viele andere Sze­n­e­mit­glie­der auch durch­lö­chere und zer­reiße ich gern Strumpf­ho­sen. Eine han­dels­üb­li­che Schere leis­tet mir hier­bei gute Dienste.« Shan Dark bas­telt sich ihre tie­risch gruf­ti­gen Deko­be­woh­ner selbst und zeigt, das schwarze Spin­nen auch put­zig sein kön­nen: »Ich schwöre, dass selbst die hart­ge­sot­tens­ten Arach­no­pho­bis­ten bei ihrem Anblick schwach wer­den – und zwar im posi­ti­ven Sinne.«

R@zorbla.de, der sich als Gast­au­tor beim Schwar­zen Pla­ne­ten nie­der­ge­las­sen hat, küm­mert sich um die Ver­schö­ne­rung schnö­der Laptop-Deckel und zau­bert einen glow-EVIL-in-the-dark Apfel. »Wer kennt das nicht? Die nächste Show in einem abge­dun­kel­ten Raum steht bevor, und alles was man von Dir sieht ist ein leuch­ten­der Apfel. Dem kann abge­hol­fen wer­den.« Vom Schmet­ter­ding kommt hin­ge­gen die ulti­ma­tive Anlei­tung zum eige­nen Eisprinzessinnen-Schleier: »Tja, wie der Zufall es will, bekam ich jede Menge wei­ßen, wei­chen Tüll. Das war ehe­mals ein Müchen­netz von IKEA, das man an einem Ring übers Bett gehängt hat. Aber das lag hier nur noch rum. Stoff gewa­schen und dann lag er hier rum. Mit dem Ziel, etwas Hüb­sches zu wer­den…«

ASRia­ne­rin ver­schö­nert kein Klei­dungs­stück oder Acces­soire, son­dern sich selbst, in dem sie mit einer aben­teu­er­li­chen Kon­struk­tion aus Spie­geln einen Under­cut unter ihrem Haupt­haar zau­bert: »Als ers­tes kommt meine Schreib­tisch­lampe auf den Fuß­bo­den vor den Spie­gel. Links neben mir kommt ein Sta­pel Bücher auf dem dann ein Spie­gel steht. Rechts davon ein alter Hocker, eben­falls mit einem Spie­gel dar­auf. Und dann wird da Pi mal Dau­men hin und her gerückt, bis man halb­wegs was erken­nen kannTKind­chen dage­gen gibt sich bür­ger­lich und häkelt einen Jack-Skellington-Topflappen, des­sen Ent­ste­hung sie feinst säu­ber­lich und sehr spek­ta­ku­lär prä­sen­tiert: »Tut mir wirk­lich leid, für alle, die mit Häkeln abso­lut nichts anfan­gen kön­nen, aber da konnte ich mich ein­fach am bes­ten aus­to­ben

Cle­ri­que Noire, die ihren 1. Gothic-Friday-Gastbeitrag (auf dem schwar­zen Pla­ne­ten) geschrie­ben hat, erklärt wie man mit Hilfe der »Stencil-Technik« T-Shirts und andere Klei­dungs­stü­cke ein­drucks­voll ver­zie­ren und gestal­ten kann. »Die Tech­nik des Scha­blo­nie­rens oder Sten­cils hat mich schon län­ger begeis­tert. Das Gute daran: man muss gar nicht zeich­nen kön­nen oder extrem krea­tiv sein. Trotz­dem kann man sich ein schö­nes Klei­dungs­stück indi­vi­dua­li­sie­ren.« Pixella Panik hat nicht nur eine Spür­nase für außer­ge­wöhn­li­che Links aus dem Reich der Dun­kel­heit, son­dern zeigt auch, wie man krea­tiv und ein­fach alten Lieb­lings­stü­cken ein neues Leben schen­ken kann: »Vor allem liebe ich es, alten Krem­pel zu recy­celn, da wird schon­mal eine Wein­fla­sche als Vase wie­der­ge­bo­ren oder Strümpfe wär­men die Füße von Pflan­zen

Das T-Shirts in ihrem unzer­stör­ten Zustand lang­wei­lig sind hat auch Robert erkannt, der mit Cutter-Messer und Schere Freddy Krue­ger Kon­kur­renz macht: »Auf dem nächs­ten Bild seht ihr, was ihr wirk­lich braucht. Einen halb-automatischen Weinflaschen-Öffnungsapparat ist natür­lich völ­lig unnö­tig und dient ein­zig und allein der Vor­stel­lung, wie eure Gesich­ter aus­se­hen, wenn ihr euch fragt, was zur Hölle er mit dem Teil möchte.«  In der Kunst der Zweck­ent­frem­dung ver­sucht sich Rosa, die mit ein­fachs­ten Mit­teln und aus den kurio­ses­ten Quel­len hüb­sche Acces­soires für ihre pom­pö­sen Out­fits her­stellt. »Des­we­gen gibts Rosas aus­führ­li­chen Krea­tiv­tip: diese gräss­li­chen 1-Euro Läden und Son­der­pos­ten­shops sind nicht sel­ten gute Fund­gru­ben. Gele­gent­lich muss man viel­leicht etwas genauer hin­se­hen, doch es fin­det sich immer wie­der Klein­kram der super wei­ter­ver­bas­tel­bar ist, und das auch für den schma­len Geldbeutel.«

Celina tobt sich an einem Schrank aus, den sie mit Stil­mit­teln geschickt in eine andere Stim­mung taucht: »Dann fiel mir ein, hand­werk­lich war ich schon immer bes­ser und mein Schrank ist selbst gemacht. Also zeig ich euch, wie mein Gothic-Schrank ent­stand. Wenn ein Ornament-Muster und Schwert­li­lien aus­rei­chen, um sich goth nen­nen zu kön­nen.« Ähnli­ches macht Tobi­kult, der sich Möbel auf Ebay und dem Sperr­müll sucht, um sie in mühe­vol­ler Klein­ar­beit in dunk­lem Glanz erstrah­len zu las­sen. Seine abge­bil­de­ten Werke sind nicht nur außer­ge­wöhn­lich — son­dern auch noch außer­ge­wöhn­lich schön. »Ana­log zur Volks­weis­heit „Wer mit Holz arbei­tet, kann kein schlech­ter Mensch sein“, finde ich Gefal­len daran, alte Möbel zu suchen und wie­der hübsch und, wer hätte es geahnt, dunk­ler zu machen. Ich finde die Schmuck­stü­cke gerne auf dem Sperr­müll, scheue aber auch nicht eine Ver­stei­ge­rung bei ebay

Und wer noch einen Nie­ten­gür­tel übrig hat, der einem zu groß oder auch zu klein gewor­den ist, dem sei der Nach­züg­ler­bei­trag von Maeh­nen­wolf ans Herz gelegt, denn mit ihrer Anlei­tung wird dar­aus ein aus­ge­fal­le­ner Haar­schmuck: »Die­ses nie­ten­be­währte Haar­band war ursprüng­lich mal ein Gür­tel, der an der Schnalle hoff­nungs­los aus­ge­ris­sen war. Das Haar­band ist also nicht nur güns­tig son­dern auch sehr leicht her zu stellen.«

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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