23 September

Gothic Friday: Ist Gothic (D)ein Lebensstil? (ASRianerin)

Kategorie: Gothic Friday — Jahrgang: 20117 Kommentare

Es ist immer wie­der span­nend und erfri­schend zugleich, wenn Bei­träge zum Gothic Fri­day in mei­nem dafür ein­ge­rich­te­ten Post­fach lan­den. Zum einen das zufrie­dene Lächeln, weil wie­der jemand teil­ge­nom­men hat und zum zwei­ten die auf­ge­ris­se­nen Augen und hoch­ge­zo­ge­nen Augen­brauen beim Betrach­ten des Inhalts.

Immer wie­der schaf­fen es auch bereits eta­blierte Teil­neh­mer, für Über­ra­schun­gen zu sor­gen, so auch ASRia­ne­rin, die sich auf pseu­do­wis­sen­schaft­li­che Pfade begibt, um dem September-Thema des Gothic Fri­day gerecht zu wer­den. Ich habe ver­sucht, alle von ihr vor­ge­ge­be­nen Rah­men­be­din­gun­gen ein­zu­hal­ten, habe ein Schau­bild wie gewünscht ein­ge­fügt und auch für ent­spre­chende Fuß­no­ten gesorgt.

Ich ent­lasse den geneig­ten Leser nun in die kun­di­gen Hände von Frau Dok­tor ASRia­ne­rin vom For­schungs­zen­trum für Gruftologie.

Ist Gothic (d)ein Lebensstil?

Eine pseu­do­wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chung, erstellt vom For­schungs­zen­trum für Gruftologie

Was ist Gothic?

Diese Frage wird nicht nur von Außen­ste­hen­den gestellt, denen es schwer fällt eine Inten­tion hin­ter dem Gan­zen zu erken­nen, son­dern auch von Anhän­gern der Szene selbst. Aber eine genaue Ant­wort dar­auf gibt es nicht. Nichtsdestotrotz ver­su­che ich hier eine Ant­wort zu geben und zeige euch meine ganz per­sön­li­che Ansicht auf.

Als ers­tes muss ich sagen, gefal­len mir die Wör­ter „Lebens­ge­fühl“, „Lebens­ein­stel­lung“ und „Lebens­stil“ über­haupt nicht. Darum würde ich über all das „Leben“ weglassen.

Für mich ist es ein­fach zu weit füh­rend. Auch wenn ich zu denen gehöre, die das Gruf­tie­da­sein (laut Aus­sage eini­ger ande­rer) rela­tiv extrem aus­lebt, so würde ich es nie­mals gänz­lich mit einem umfas­sen­den „Lebens­ge­fühl“ oder Ähnli­chem in Ver­bin­dung brin­gen. Für mich per­sön­lich klingt das leicht fana­tisch, denn auch wenn man sich in die­ser Sub­kul­tur wohl­fühlt und sich aus­lebt, so bestimmt sie nicht das ganze Leben. Und das ist auch gut so. Denn es gibt Dinge außer­halb der Sub­kul­tur, die Ein­stel­lung, Stil und Gefühl beein­flus­sen. Nur über­wiegt (manch­mal?) der Ein­fluss der Subkultur.

Also blei­ben nur noch die Worte „Stil“, „Gefühl“ und „Ein­stel­lung“ übrig.

Stil ist etwas, was wir nicht nur in Form unse­rer Klei­dung tra­gen. Es gibt natür­lich auch einen bestimm­ten Musik­stil, der essen­ti­ell ist. Immer­hin hat die Musik alles voran getrie­ben und sie ist auch heute noch einer der wich­tigs­ten Bestand­teile des Ganzen.

Auch Gefühl spielt eine Rolle. Und hier zeigt sich auch, warum das Wort „Lebens­ge­fühl“ für mich zu weit füh­ren würde: Es gibt ja noch andere Dinge, die mit der Sub­kul­tur nichts zu tun haben, die Gefühle in mir wecken und „die sich auf den Kör­per, die Psy­che und das Ver­hal­ten (…) aus­wir­ken“ ((Quelle: Aus mei­nem heiß­ge­lieb­ten Psy­cho­lo­gie­ord­ner der FOS)). Ich kann aller­dings eben so wenig abstrei­ten, dass bei­spiels­weise die Musik ein posi­ti­ves Gefühl in mir weckt, selbst wenn sie trau­rig sein sollte. Um es mal mit etwas Kitsch zu wür­zen: Ein Gefühl des „Angekommen-Seins“.

Ebenso bin ich der Mei­nung, dass auch Ein­stel­lun­gen zu dem Gan­zen gehö­ren. Und zwar aus einem ein­fa­chen Grund: Weil wir immer in einem bestimm­ten Umfeld bestimmte Ein­stel­lun­gen ent­wi­ckeln. Die (sozia­len) Ein­stel­lun­gen sind „erwor­bene, rela­tiv bestän­dige Bereit­schaf­ten auf bestimmte Objekte kogni­tiv, gefühls­mä­ßig und ver­hal­tens­ori­en­tiert zu rea­gie­ren.“ ((Ref:1)) Die Erwor­ben­heit die­ser Ein­stel­lun­gen las­sen sich bspw. Mit der Theo­rie des Modell­ler­nens nach Band­ura erklä­ren. Aber das würde jetzt zu weit füh­ren, darum hier nur ein klei­ner Link zur Orientierung.

All” diese Dinge beein­flus­sen sich gegenseitig

Das ASRi’sche Sub­ku­lut­rdrei­eck der wech­sel­sei­ti­gen Beein­flus­sung © For­schungs­zen­trum für Gruftologie

Wenn ich z.B. einen bestimm­ten Song, einer bestimm­ten Band höre,dann ent­steht dar­auf hin ein bestimm­tes Gefühl (z.B. Wut) wel­ches dann eine bestimmte Ein­stel­lung gegen­über einem Objekt zur Ursa­che hat.

Wenn ich eine bestimmte Ein­stel­lung habe (ich lehne z.B. eine bunte Spaß­ge­sell­schaft ab), dann hat das Ein­fluss auf mei­nen Stil (ich ver­su­che mich durch schwarze Klei­dung abzu­len­ken) und das wie­derum hat Ein­fluss auf mein Gefühl (zum Bei­spiel ein posi­ti­ves, da man sich den Schritt der bewuss­ten Abkehr „gewagt“ hat). Wenn ich ein bestimm­tes Gefühl in mir trage (zum Bei­spiel Melan­cho­lie), dann hat auch das Aus­wir­kun­gen auf mei­nen Stil (Kli­schee olé, man schreibt bspw. Ein Gedicht dar­über) und das hat dann auch wie­der Ein­fluss auf meine Ein­stel­lung gegen­über einem Objekt (hier könnte es zum Bei­spiel sein, dass ich dadurch erkannt habe, Melan­cho­lie anzu­neh­men, statt sie wegzuschieben).

Das könnte man nun ewig so fortführen. Das ist aber nur ein Teil des ASRi’schen Subkulturendreiecks.

Es kom­men auch noch Ein­flüsse aus dem Indi­vi­duum selbst hinzu. Wich­tig ist hier die sub­jek­tive Wahr­neh­mung (die natür­lich auch wie­der von äuße­ren Din­gen beein­flusst wird.)

Wenn man eine ableh­nende Hal­tung gegen­über der Gesell­schaft hat, dann fühlt man sich nicht in ihr wohl. Aber das ist sub­jek­tiv. Denn es gibt Men­schen, die kein Pro­bleme damit haben. Genauso ist der Musik­ge­schmack und der Klei­dungs­ge­schmack rein sub­jek­tiv. Und Emo­tio­nen ja sowieso.

Diese Dinge wer­den durch die Musik, die Mög­lich­keit sich aus­zu­le­ben und natür­lich durch die Szene selbst, also ihrer Mit­glie­der, beein­flusst oder unterstützt. Von daher gibt es für mich nicht die Frage, ob es ein Lebens­stil ist oder nicht. Für mich ist eher die Frage: In wel­chem Rah­men lie­gen Stil, Ein­stel­lung und Emotion?

Denn die­ses Drei­eck könnte man ja mit den obi­gen, schwam­mi­gen Erklä­run­gen sicher nicht nur auf Gothic bezie­hen. Es muss also für jede Sub­kul­tur spe­zi­fi­sche Dinge in die­sen Berei­chen geben, die sie aus­ma­chen. Und genau das ist der Knackpunkt. Gefühle sind schwer zu beschrei­ben, also sind sie eher mäßig geeig­net (ich per­sön­lich finde nur, dass es wich­tig ist, dass man die­ses Gefühl des „Angekommen-Seins“ spürt).

Ich denke aber, dass Stil und Ein­stel­lung Dinge beinhal­ten, mit denen es mög­lich ist die ver­schie­de­nen Kul­tu­ren zu unter­schei­den, einen Rah­men zu bil­den. Bei „Stil“ könnte man sicher viele Dinge zusam­men­tra­gen, bei denen wir uns einig sind, dass diese Dinge „typisch Goth“ sind. Bei Ein­tel­lun­gen wird es da schwie­ri­ger. Ich konnte was das betrifft z.B. ent­de­cken, dass für die Men­schen die­ser Sub­kul­tur Pres­tige, die man mit über­teu­er­ten Gegen­stän­den aus­drückt, völ­lig ohne Belang ist. Hier ist natür­lich meine sub­jek­tive Wahr­neh­mung der „nor­ma­len“ Gesell­schaft wich­tig: Da hatte ich immer den Ein­druck, dass es dort sehr wich­tig ist ein teu­res Handy oder Auto zu haben und natür­lich auch damit anzu­ge­ben. Das ist mir in der Sub­kul­tur nie unter­ge­kom­men. Selbst wenn die Kla­mot­ten u.U. teuer sein mögen, so habe ich es noch nie erlebt, dass jemand dadurch im Anse­hen gestie­gen ist, wenn er sie ange­zo­gen hat.

Aber wie gesagt, bei den Ein­stel­lun­gen ist es schwie­rig zu sagen: “Das ist goth!“ da man hier doch die Ein­flüsse aus ande­ren Berei­chen spürt.

Mit die­sem Rah­men, der beschreibt, wel­che Ein­stel­lung und wel­cher Stil „goth“ ist, geht es mir auch nicht darum Dog­men zu defi­nie­ren, an die sich jeder zu hal­ten hat, wenn er mit­spie­len will. Aber ich denke doch, dass man in der Szene am liebs­ten unter Sei­nes­glei­chen ist. Das bedeu­tet ja auch nicht, dass alle 1:1 das selbe Den­ken und mögen müs­sen, aber dass sie sozu­sa­gen eine glei­che Basis haben. Denn ich denke das ist etwas, was uns ver­bin­det aber uns den­noch die Mög­lich­keit lässt uns zu unterscheiden.

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7 Kommentare

  1. End­lich!
    Der Durch­bruch in die­ser Debatte!
    Das »Sub­kul­tur­drei­eck«!
    Gran­dios!
    Jetzt kön­nen wir end­lich wie­der fei­ern gehen und müs­sen uns nicht mehr die Köpfe zer­bre­chen!
    Danke!

  2. Hihi, Danke, gut zu wis­sen, dass diese Inno­va­tion uns alle ret­ten wird. Aber ich befürchte, dass das Drei­eck jeg­li­che Magie sofort tötet :D

  3. Gerade Dein letz­ter Absatz bringt es auf den Punkt (ich wünschte ich könnte so schrei­ben, was natür­lich auch Dei­nen gesam­ten Arti­kel betrifft) und Dein »Sub­kul­tur­drei­eck« finde ich schlicht­weg genial!

  4. Inter­es­sant geschrieben! :)

    Dunkle Grüße!
    Melle

  5. Dies­mal hat sich das For­schungs­zen­trum für Gruf­to­lo­gie selbst über­trof­fen. Wirk­lich sehr gelun­gen. Ich erin­nere mich daran, als Du (ASRia­ne­rin) mir zum ers­ten mal »begeg­net« bist. Auf der Suche, mit so vie­len offe­nen Fra­gen. Mitt­ler­weile hast du Dich erstaun­lich ent­wi­ckelt und die Ant­wor­ten selbst für Dich her­aus­ge­fun­den, das ist sehr wich­tig. Auch wenn das jetzt alt­klug klingt.

  6. Ja alder… Voll der krasse com­ment. Ich bin kein Raver mehr, also mach nicht mehr so auf krass bumm bumm. Aber der Arti­kel ist echt geile Scheiße.

    Wie werde ich Gothic. Hab schon schwarze Schminke und Anten­nen am Kopf. Die Cybers haben es mir angetan.

    RESPEKT

  7. Scoo­ter­fan…

    Aus Ach­tung vor dem Wil­len zur sach­li­chen Neu­tra­li­tät inner­halb jener Platt­form –sowie gegen­über die­ses Arti­kels– sage ich nur eines: Kein Kommentar.

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