3 April

Gothic - Die Geschichte eines Wortes (3)

Kategorie: Schwarze Szene — Jahrgang: 201029 Kommentare

Gothic - Nomen est OmenErstaun­lich, wie lange man sich mit einem Wort beschäf­ti­gen kann? Nach­dem ich im ers­ten Teil auf die musi­ka­li­sche Her­kunft ein­ge­gan­gen bin und im zwei­ten Teil die lite­ra­ri­sche und archi­tek­to­ni­schen Wur­zeln des Wor­tes beleuch­tet habe, möchte ich mit dem drit­ten und letz­ten Teil diese kleine Serie abschlie­ßen und ein per­sön­li­ches Fazit zie­hen. Ich habe ver­sucht zu erklä­ren, was es mit dem Wort Gothic auf sich hat, woher es kommt, was es heute heißt und wie seine zukünf­tige Bedeu­tung sein könnte. Es sei noch auf die sprach­li­chen Unter­schiede hin­ge­wie­sen, denn das deut­sche Gothic hat mit der eng­li­schen Bedeu­tung nicht viel gemein­sam und ent­spricht dort eher der Bezeich­nung Goth, auch die Ein­deut­schung in Gotik (siehe auch WGT) ist wider­sprüch­lich, ist hier doch eher die Epo­che gemeint als die Szene als solches.

Es wäre wün­schens­wert, wenn man dies als Ein­stieg benut­zen würde hin­ter das Wort zu bli­cken und her­aus­zu­fin­den woher es kommt und was es bedeu­tet um das Wis­sen dann in die heu­tige Bedeu­tung aktiv ein­flie­ßen zu las­sen. Vie­len habe andere Auf­fas­sun­gen des Begrif­fes, so unter­schied­lich die mög­li­che Her­kunft des Wor­tes, so unter­schied­lich ist auch die Indi­vi­du­elle Sicht­weise. Es wäre schön, wenn man die Kom­men­tare dazu benut­zen würde, anzu­re­gen und hin­zu­wei­sen, denn die Qua­li­tät die­ser Artikel-Reihe wird durch seine Leser bestimmt.

Fazit

Obwohl das Wort eine Viel­zahl von Asso­zia­tio­nen zulässt, ist die Quelle des Wor­tes in sei­ner heu­ti­gen Bedeu­tung und als Bezeich­nung für eine Sub­kul­tur die aus­lau­fen­den Punk-Bewegung Ende der 70er Jahre. Hier waren es erst­mals Musik­re­dak­teure, die den Stil der Bands zu beschrei­ben ver­such­ten, die abseits vom Punk eine düs­tere, melan­cho­li­schere, ruhi­gere und dunk­lere Art von Musik spiel­ten. Ver­wirrt von Tex­ten über Tod, Trauer und Ver­gan­gen­heit und den schwar­zen Stil­bil­dern die diese Bands abga­ben taufte man den Stil Gothic-Rock. Sioux­sie & The Bans­hees, The Cure, Bau­haus und Joy Divi­sion form­ten ein neues Musik­genre, das andere Bands auf­grif­fen und Gothic mit wei­te­ren Zuta­ten würz­ten. Die prä­sen­tierte Col­lage aus schwar­zen und pro­vo­kan­tem Out­fit gemischt mit dunk­ler Musik und anspruchs­vol­len Tex­ten vol­ler Roman­tik, Ver­gäng­lich­keit, Schmerz und Tod fand schnell Anhän­ger, die das leb­ten, was die Musi­ker auf der Bühne dar­bo­ten. Aus dem Genre wird eine Bezeich­nung. Spä­tes­tens Mitte der 80er bezeich­net man mit dem Goth eine Per­son und mit Gothic die Musik die er hört.

Die Bil­der von alten Fried­hö­fen, Grä­bern und Kir­chen wer­den zunächst auf der Bühne prä­sen­tiert und von der Bewe­gung absor­biert. Man beginnt sich mit den Inhal­ten zu iden­ti­fi­zie­ren und ver­sucht sich damit zu beschäf­ti­gen und zu ver­ar­bei­ten. Die The­men wer­den in Gesprä­chen unter­ein­an­der ver­ar­bei­tet und man beginnt sich aus­zu­pro­bie­ren und zu for­schen.  Gothic-Novels, Vam­pir­ro­mane, B-Movie Filme über Dra­cula und Lite­ra­tur von Schrift­stel­lern wird ver­schlun­gen um auf die eige­nen Fra­gen, die durch die Beschäf­ti­gung mit der Ver­gäng­lich­keit als sol­ches zwangs­läu­fig wach­sen, eine Ant­wort zu bekom­men. »Mit dem Wis­sen wächst der Zwei­fel« (frei nach Goe­the), bekommt eine Bedeutung.

Entwicklung vom Genre zum Lebensstil

Häu­fig lese ich von unter­schied­li­chen Auf­fas­sung über die Bezeich­nung Gothic. Wäh­rend die einen vehe­ment ihrem Stand­punkt treu blei­ben, das es eine Musik­rich­tung ist, beschrei­ben andere damit ihren Lebens­stil oder auch ihre Ein­stel­lung. Alle haben in gewis­ser Weise Recht. Zunächst begann es mit einer Musik­rich­tung, die schnell neue Anhän­ger fand die bereit waren, das was in der Musik trans­por­tiert wurde auf­zu­neh­men und aus­zu­pro­bie­ren. Das Aus­se­hen der Musi­ker und Bands wurde zunächst kopiert und dann wei­ter­ent­wi­ckelt, denn sobald sich Anhän­ger einer Musik­rich­tung aus­tau­schen, kann man von einer Bewe­gung sprechen.

In den frü­hen 80er wird Gothic dann zum Selbst­läu­fer. Die frisch ent­stan­dene Jugend­be­we­gung setzt bist heute gül­tige Ver­hal­tens­mus­ter, Rituale und Vor­lie­ben. Immer noch sorgt eine pul­sie­rende Gothic Musik Szene für fri­sche Impulse und erst­mals ent­ste­hen auch Bands die aus der Jugend­be­we­gung resul­tie­ren. Die Szene macht ihre Musik selbst (Fields of the Nephilim — 1983) und sorgt für die Ver­schmel­zung von Musik, Inhal­ten und Auf­tre­ten zum Gothic-Stil. Sakrale Ästhe­tik, Okkul­tis­mus und Mys­tik in Mode, Lite­ra­tur und Film erhält durch die Szene neue Bedeu­tung. Wenn man so möchte, ist man in Mit­ten der Lava, die der explo­die­rende Vul­kan Gothic Ende der 70er Jahre produzierte.

Die schwarze Welle schwappt auch über die Kon­ti­nente und sorgt auch in Deutsch­land für frucht­bare Able­ger. Was zunächst nur als Waver bezeich­net wird, bekommt schnell einen Gruftie-Stempel. Durch den Lauf durch Kul­tu­ren und Län­der erhält die Szene immer wie­der neue Impulse und Ein­flüsse und ent­wi­ckelt sich stän­dig wei­ter. Gothic bezeich­net nicht län­ger nur eine Musik­rich­tung son­dern ist auch Name für eine Szene.  Als die ers­ten Anhän­ger Ende der 80er erwach­sen wer­den, wird aus der Lei­den­schaft ein Lebens­stil. Das ursprüng­lich Genre der Musik gibt es nicht mehr in die­ser Form, die Gothic-Szene bestimmt selbst, was musi­ka­lisch zu ihrem Lebens­stil passt. Die Szene ist offen für alles und lässt sich von vie­len Ein­flüs­sen befruchten.

Gerne würde ich die­sen Zustand in ein Vakuum ein­schlie­ßen und erhal­ten, doch lei­der sorgt zuneh­mende Kom­mer­zia­li­sie­rung dafür, das Gothic als Wort an Wir­kung ver­lo­ren hat. Es ist zum Label für eine Indus­trie ver­kom­men, die nun das vor­gibt, was man als Gothic bezeich­net. Seit dem Jahr 2000 hat man eine Spritze in den Leib des Wor­tes getrie­ben und beginnt die­ses aus­zu­sau­gen, bis nur noch eine leere Hülle zurück­bleibt. Seit es eine legi­time Bezeich­nung für Mode auf Pari­ser Lauf­ste­gen gewor­den ist, emp­fin­den viele die Ein­ord­nung dar­un­ter als Stig­mata. Ob in der Musik oder den Kla­mot­ten, wir sehen haupt­säch­lich das, was uns Kata­loge und Zeit­schrif­ten als sol­ches vor­le­ben. Zum Schluss möchte ich Roman Rut­kow­ski zitie­ren, der in sei­ner Magister-Arbeit pas­send abschließt: »Doch eines offen­bart sich lei­der öfter und öfter: ein Ver­lust an Authen­ti­zi­tät. Denn mitt­ler­weile ver­ur­sacht die Kon­fron­ta­tion mit rea­len Objek­ten des Todes, einem Schä­del etwa, bei vie­len Schwar­zen mehr Unbe­ha­gen, als man doch gemein­hin ver­mu­ten sollte… Und es wäre höchst bedau­er­lich, wenn sich Gothics am Ende ledig­lich nur noch über Musik und eine mög­lichst extra­va­gante Mode defi­nie­ren wür­den.«

(Bild­quel­len: And­rew Stawartz/flickr.com)

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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29 Kommentare

  1. Eine zuneh­mende Kom­mer­zia­li­sie­rung kann man schon die gan­zen Jahre über beob­ach­ten (ob nun Mode, Musik, Make Up wie auch immer). Aber die hat man, so glaube ich, über­all. Aller­dings kann das Spiel immer nur soweit getrie­ben wer­den, bis der Markt dafür ver­siegt. Wenn es als »Trend« nicht mehr inter­es­sant ist, dann blei­ben auch die Kun­den weg und das wars dann. Solang wir uns nicht aus­schließ­lich über Kon­sum­pro­dukte defi­nie­ren, sehe ich keine Gefahr darin, dass es die Szene gefähr­den könnte. Inner­halb der Szene kenn ich es übri­gens nicht anders, dass es auf ein »Sehen und gese­hen wer­den« ankommt. Bin wohl ein biss­chen zu jung um zu wis­sen dass (ob) es viel­leicht mal anders war. Aber ist ja auch immer die eigene Ein­stel­lung, ob man da mit­macht oder ob einem das egal ist. Mir per­sön­lich ist sowas egal.

    Damals haben wir uns übri­gens immer über die Wochen­end­gruf­tis auf­ge­regt, die in der Woche nor­mal her­um­lie­fen und dann fürs Wochen­ende im (und wahr­schein­lich in ihrem ein­zi­gen) Gothic Out­fit rum­lie­fen und mein­ten uns was erzäh­len zu müs­sen. Aber die kamen und gin­gen auch wie­der und nach ein paar Wochen sah man sie dann nicht mehr.

  2. @Ricarda: Guten Mor­gen. Ja das stimmt, ich denke aber ab 2000 hat das ganz extrem zuge­nom­men. Bis dato hat man sich ja mit der begin­nen­den Kom­mer­zia­li­sie­rung anfreun­den kön­nen, ja sie war sogar irgendwo nütz­lich. Sehen und gese­hen wer­den war immer schon ein Teil der Bewe­gung, von der Ursprün­gen um zu pro­vo­ziere bis zum heu­ti­gen Zustand um sich unter­ein­an­der zu präsentieren.

    Ich finde aber das die Inhalte der Szene und der Musik ebenso kom­mer­zia­li­siert wur­den und das ist die Gefahr die letzt­end­lich dazu führt, das die Gothic-Szene eine leere, schwarze Hülle wird (ist). Das ent­spricht am ehes­ten dei­nem Gedan­ken, sich über die Kon­sum­pro­dukte zu definieren.

  3. Direkt an der Szene ändern kön­nen wir nichts. Jeder muss bei sich selbst anfan­gen und so könnte man im klei­nen Schritt für Schritt ein Umden­ken aus­lö­sen.
    Ich ver­mute aber, viele brau­chen das auch. Es ist ein­fa­cher, sich etwas mit Geld zu kau­fen, um etwas dar­zu­stel­len, als sich über eine inter­es­sante Per­sön­lich­keit zu defi­nie­ren. Zumal es natür­lich in der Szene recht schwer ist noch irgend­wie anders aufzufallen.

  4. Klasse Arti­kel muss ich sagen!
    Was mir (lei­der) immer wie­der auf­fällt, ist dass Gothic kom­plett auf eine Lebens­ein­stel­lung redu­ziert wird.
    So frei nach dem Motto: »Ich lauf zwar in ganz nor­ma­len Kla­mot­ten rum und hör Pop­mu­sik, aber das macht nix Gothic ist schließ­lich eine Lebens­ein­stel­lung und hat nix mit Musik oder Aus­se­hen zu tun.»
    Auch die musi­ka­li­sche Defi­ni­tion von Gothic ver­schwimmt viel zu häu­fig.
    Da ist es toll das es noch Leute wie dich gibt die sol­che Arti­kel schrei­ben. Wei­ter so.

  5. Ich fand es kürz­lich sehr inter­es­sant, ein paar Gedan­ken dazu quasi von Außer­halb mit­zu­be­kom­men:
    Wie auch ich kommt meine Freun­din ursprüng­lich aus der Metal-Ecke, aber sie hört nach wie vor fast nur sol­che Musik und ihr Freun­des­kreis ist zudem völ­lig unschwarz, sodass sie selbst kaum mal in der schwar­zen Szene weg­ge­gan­gen ist. Ihr eige­ner Kla­mot­ten­ge­schmack ist irgendwo zwi­schen schwarz-punkig, schwarz-hippie und schwarz-romantisch ange­sie­delt, was widerum bedeu­tet, dass sie ihre Gar­de­robe sehr indi­vi­du­ell aus allen mög­li­chen Quel­len zusam­men­stellt.
    Kurz gesagt: Sie ist irgend­wie schwarz-individuell und hat sel­ten mal den nor­ma­len Sze­ne­gän­ger gesehen.

    Und als sie dann am letz­ten Wochen­ende von einem Unheilig-Konzert nach Hause kam, war sie rich­tig­ge­hend scho­ckiert über die geist­lose Uni­for­mie­rung der gan­zen Szene-Gestalten: »Als hät­ten sie alle ihr kom­plet­tes Out­fit fer­tig von der Stange gekauft, wobei kei­ner dar­auf geach­tet hat, ob es ihm steht oder zu ihm passt. Als hätte man ein­fach den XtraX-Katalog vor sich«, das waren in etwa ihre Worte.
    Trau­rig zutref­fend sowas…

  6. Weißt was? Ich geb´s auf. Ich könnte aus mei­ner Sicht über die­ses Thema refe­rie­ren bis der Arzt kommt. Obwohl ich ein quasi unbe­tei­lig­ter »Drinni« bin. Der sich noch dazu in Rich­tung Steam­punk ent­wi­ckelt. Also kein Grufti mehr.Habe jetzt vier­mal einen Mammuth-Text aus die­sem Scheiß-Kommentarkasten gelöscht. :) War mir aber jeweils zu pein­lich. ^^ Kein Bock mehr. In genau 25 Minu­ten werde ich Drei­ßig. Das schlaucht. ICH PROSTETIERE! *ist das gothic genug?*

    @Schatten: Ver­wech­selst du Lebens­ein­stel­lung viel­leicht mit dem Begriff des Life­styles, der lei­der recht ober­fläch­lich und ohne zu über­le­gen von *sonst­wo­her* über­nom­men wird? Mehr als Lebens­ein­stel­lung(!) geht ja eigent­lich nicht.

    @von Karn­stein: oh je … X-Tra-X-Süchtige. Da sag ich jetzt lie­ber nix zu. Oder fast nix: Da tun sich Abgründe auf. Und dum­mer­weise meine ich das trotz des sar­kas­tisch klin­gen­den “Ton­falls” völ­lig ernst …

  7. @Ricarda: Schön gesagt. Womit wir dann auch wie­der bei der Ober­fläch­lich­keit wären, die die Szene im Moment aus­macht. Denn um inter­es­sante Per­sön­lich­kei­ten ken­nen­zu­ler­nen muss man sich ja die Mühe geben Kon­takte zu knüpfen.

    @Schatten: Stimmt. Heute erscheint es genau anders herum, viel­leicht wurde Gothic frü­her nur auf eine Musik­rich­tung redu­ziert. Ich wollte mit dem Arti­kel auch zei­gen, wie unter­schied­lich die Mei­nun­gen sein kön­nen um dann letzt­lich doch auf den sel­ben Nen­ner zu kom­men. Es ist unmög­lich mit einem Wort die Geschichte von über 30 Jah­ren Szene zu erfas­sen und viel­leicht sollte man das im Hin­ter­kopf behal­ten, wenn man über sich und seine Defi­ni­tion des Wor­tes erzählt. So geht es mir jedenfalls.

    @Karnstein: Damit spie­gelt das Publi­kum bei Unhei­lig Kon­zer­ten die Wand­lung der Band selbst. Fin­dest du nicht? Ein Stück weit muss ich die schwar­zen Shops jetzt auch in Schutz neh­men, viel wich­ti­ger ist es mei­ner Mei­nung nach die Kla­mot­ten mit Leben zu fül­len und nicht eine leere Hülle zu prä­sen­tie­ren. Auch ich habe ein paar X-Tra-X Stü­cke im Schrank, ich finde es viel schlim­mer wenn die Kla­mot­ten dann auch wie im Kata­log zusam­men­ge­stellt wer­den, obwohl es dem Trä­ger gar nicht passt :) Aber ich ver­stehe was du meinst, außer den Kla­mot­ten bleibt nicht viel. Viele sehen so aus, als wären sie in den Laden gegan­gen und darum baten: »Mach mich Gothic.«

    @MischaSoleil: Da haben wir Dein Pro­blem, du wirst 30 :) Herz­li­chen Glück­wunsch zum Geburts­tag! Es gibt einige Dinge, die nimmt man in die­sem Alter ein­fach in Kauf, man hat nicht auf­ge­hört zu kämp­fen son­dern fin­det sich damit ab, das man nicht jeden Kampf gewin­nen kann.
    Ich denke das Wort Life­style ist in die­sem Zusam­men­hang etwas ver­fäng­lich. Eigent­lich bezeich­net man damit eine Lebens­ein­stel­lung (siehe auch hier), es wird nur oft als Ände­rung des Styles im Sinne von Aus­se­hen verstanden.

  8. Belieb­tes Streit-Thema — heut­zu­tage ist ein­fach wirk­lich viel zu viel damit ver­bun­den um die Frage was denn Gothic nun ist wirk­lich beant­wor­ten zu kön­nen, fragt mich wer danach, so setze ich grund­sätz­lich vor­ne­dran daß es meine eigene Mei­nung ist die ein ande­rer wie­der ganz anders beant­wor­ten wird, da schon­mal die Beweg­gründe sich »dazu« zu zäh­len arg unter­schied­lich sein kön­nen.
    Daher dreht man sich auch immer etwas im Kreis wenn man trotz­dem ein­räumt daß man­che Denk­wei­sen so gar­nicht ins gothic« pas­sen dürften.

    Ich muss dazu sagen daß ich die Szene an sich erst ab der Jahr­tau­send­wende kenne — in dem Sinne daß ich gezielt schwarz aus­gehe und mich bewusst schwarz anziehe — ich war da selbst um die 20 rum (»erst« oder bes­ser »schon«? man­che ziehts ja mit weit jün­ge­ren Jah­ren da hin, in mei­nem Hei­mat­kaff gabs sowas aber nicht, ich war ein­fach für mich alleine irgend­wie selt­sam *g*).
    Mir fällt den­noch auf daß es in den letz­ten Jah­ren schon sehr zuge­nom­men hat mit Ober­fläch­lich­kei­ten. Mich hat es regel­recht geschockt als ich vor 3–4 Jah­ren die ers­ten Party-Hohlroller live erlebt habe, natür­lich in wun­der­ba­rer Versandhaus-Einheitskluft oder wahl­weise Neon-behangen. Sowas kannte ich bis dahin nur aus lang zurück­lie­gen­den Normalo-Disco Besu­chen und fand es grade immer super daß sich im Dun­kel­club die Leute ein­fach beneh­men konn­ten, sich weder die Birne zuschüt­ten bis Ober­kante Unter­lippe, noch Stress jed­we­der Art machen.

    Für mich wars von Anfang an Ehren­sa­che bei den Kla­mot­ten und Acces­soires selbst krea­tiv zu sein, und auch Bestand­teil mei­ner Auf­fas­sung von Gothic. Kla­mot­ten­lä­den habe ich eher am Rande wahr­ge­nom­men, erst in den letz­ten Jah­ren nimmt es mir sehr über­hand. Wahr­schein­lich ist auch das Inter­net nicht unschul­dig, man kommt ein­fach leich­ter an Sachen ran mit ein paar Klicks, gleich­zei­tig ist es auch mehr prä­sent wenn man mit Wer­bung für sol­che Shops teil­weise echt über­schüt­tet wird, geht ja mit dem Medium alles weit ein­fa­cher als frü­her. Sowas wird dann zum Selbst­läu­fer, die Kund­schaft ist in aus­rei­chen­der zahl vor­han­den und wird so natür­lich auch noch grö­ßer.
    Mitte der 90er kannte ich einen ein­zi­gen Gruft­kla­mot­ten­la­den an dem ich gerade ein­mal im Jahr vor­bei­ge­kom­men bin, und noch sel­te­ner drin war, heute über­schüt­ten mich Online­shops mit Freun­dan­fra­gen auf mys­pace *genervt schau* — aller­dings haben die nur in ganz extre­men Aus­nah­me­fäl­len eine Chance bei mir.

    Und mit Musik ists ja auch ähnlich, in Zei­ten des Inter­nets, kein Wun­der daß sich gerade der schwarze Main­stream leicht ver­brei­tet, letz­te­nen­des bin ich auch mit sol­cher Musik in die Szene gera­ten — viel­leicht nicht alleine, aber maß­geb­lich schon, bis ich ande­res mehr oder weni­ger dort wie­der­ent­deckt habe oder erst kennenlernte.

    Also ich hab mir mal durch die Blume anhö­ren dür­fen daß Sel­ber­nä­hen ja doch nur was für Leute ist die sich die Kla­mot­ten nicht leis­ten kön­nen — das muss man sich mal auf der Zunge zer­ge­hen las­sen. Gibt halt auch schwarze Mode­tus­sies, mit dem Grips ists aber meis­tens auch nicht viel bes­ser als bei der Normalo-Modetussi … ein­fach nur trau­rig. »Mar­ken­be­wusst­sein« in Kla­mot­ten­din­gen und Gruf­ti­da­sein pas­sen für mich ein­fach nicht zusam­men, natür­lich ist es ange­nehm wenn man diverse Sachen heute ein­fa­cher bekom­men kann, nur ist das so wie heute ganz klar irgend­wie zu viel, die Szene hat ja auch für Aus­sen­ste­hende ein biss­chen den fie­sen Ruf ver­lo­ren, wenn man sich heute ansieht wie Berichte so aus­se­hen — da sind »wir« alle nur kleine Spin­ner die dann am Mon­tag die gemei­nen Kla­mot­ten wie­der weg­pa­cken und genauso wie alle ande­ren nor­ma­len Leute sind. Zudem läuft in den Clubs der ver­hasste Dun­kel­techno — ist doch weit­aus attrak­ti­ver für Par­ty­wil­li­ges Volk.

    Das Phä­no­men das dein letz­tes Zitat aus­sagt ist mir auch schon auf­ge­fal­len, so bin ich von nem Jung­spund schon­mal ziem­lich kariert ange­schaut wor­den weil mein Bücher­schrank auch Werke von Crow­ley her­gibt — und die Bedeu­tung des Pen­ta­gramms das er um den Hals hatte wusste er nicht, war ihm auch eigent­lich nicht groß wichtig.

    Lebens­ein­stel­lung — also ich finde auch daß das genauso mei­nen Musik­ge­schmack sowie den Kla­mot­ten­stil beinhaltet.

  9. @Rosa: Das ist, was ich ver­sucht habe zu sagen. Gothic ist nur ein Ober­be­griff für viele ver­schie­dene Indi­vi­duen, die aber alle gewis­sen Gemein­sam­kei­ten haben oder hat­ten, denn die sind irgend­wie flö­ten gegan­gen. Wie du schon erwähnst, ist der nor­male Dis­co­gän­ger auch in Gruft­lä­den dar­auf aus Spaß zu haben und sich das ein oder andere Bier hin­ter die Binde zu schüt­ten, daran ist natür­lich nichts ver­werf­lich, doch die Gothic-Szene unter­schied sich immer durch die Tat­sa­che, das es dar­über hin­aus ging. Gemein­sam­kei­ten wie die Inter­esse für den Tod, Reli­gion, das Okkulte oder Mytho­lo­gie, wo ist sind die geblie­ben? Ich hoffe, das der Kern der Sache erhal­ten bleibt, wenn auch in klei­nem Rah­men — so war es immer schon. Wir dür­fen uns nur nicht blen­den las­sen vom Kon­sum und Oberflächligkeitsterror :)

  10. Da ich aber immer wie­der mal die Erfah­rung machen darf, dass es sol­che Leute und Hal­tun­gen doch noch gibt (wenn man nach ihnen auch suchen muss) mag ich mich noch immer nicht den ganz üblen Unken­ru­fen anschlie­ßen, die kon­se­quent behaup­ten, Gothic sei tot.

    Größ­ten­teils ver­kom­men zu einer Per­si­flage ihrer selbst, ja, das zu kom­men­tie­ren werde ich auf der ande­ren Seite auch nicht müde ^^
    Aber es gibt sie eben doch noch, die Leute, die nicht nur behaup­ten »es geht um mehr, es ist eine Lebens­ein­stel­lung«, son­dern die die Frage danach wie genau diese Ein­stel­lung denn aus­sieht auch tat­säch­lich beant­wor­ten kön­nen.
    Ich finde sie in mei­nem Freun­des­kreis, ich finde sie bei Robert und sei­nen Lesern und hin und wie­der trifft man sie auch so mal irgendwo, und das besänf­tigt mich ^^

  11. @Schatten: Habe mich schlecht aus­ge­drückt: Ich meine nicht, dass du die Begriffe direkt ver­wech­selst, son­dern eher ver­tauschst. Viel­leicht aus unter­be­wuss­ter Rück­sicht­nahme auf Leute wie mich … Zum Teil habe ich dei­nen Kom­men­tar auch falsch ver­stan­den, ich war nicht mehr ganz nüch­tern. ^^ Die ewige Dis­kus­sion in Sachen »Ein­stel­lung vs. Äußer­lich­kei­ten«. Viel­leicht ist das der Neid bei so manchen.

    @Robert, Zitat: »… Gemein­sam­kei­ten wie die Inter­esse für den Tod, Reli­gion, das Okkulte oder Mytho­lo­gie, wo ist sind die geblie­ben? …« (Zitat, Ende)

    Ich habe bis vor viel­leicht 1,5 Jah­ren noch regel­mä­ßig die Zeit­schrift »Orkus« gekauft, bevor es mir zu blöd wurde … Aber da habe ich auch gerne die Kon­takt­an­zei­gen durch­fors­tet auf der Suche nach (Vor­sicht, wie pein­lich:) Brief­kon­tak­ten mit ´nem guten Schuss Krea­ti­vi­tät. Wha­te­ver, ich musste nur lei­der regel­mä­ßig fest­stel­len, dass Leute, die sich für das oben genannte und/oder ähnli­ches inter­es­sie­ren, »Klischee-Gruftis« sind und daher nicht erwünscht. (Drei­ßig? Wer …? Was, ich?!? ^^)

    @von Karn­stein:
    Die Lebens­ein­stel­lung. Ich würde gerne mal wis­sen, wie die eigent­lich in etwa aus­zu­se­hen hat. Musik war und ist mir gar nicht so der­ma­ßen wich­tig, inzwi­schen sehe ich auch nicht mehr aus wie´n Grufti, viele Fantasy-Filme sind mir zu kriegs­las­tig usw. Kurz gesagt: Ich mache jeden erdenk­li­chen Fehler.

    Das ein­zige, was viel­leicht noch ein­ni­ger­ma­ßen stimmt, ist mein Inter­esse an man­cher­lei »dunk­len The­men«. Ansons­ten halt Kunst. Sel­ber malen, bas­teln, nähen … Damit bin ich den meis­ten Leu­ten zu lang­wei­lig. Die sind regel­recht ent­setzt, wenn sie hören, wel­che Inter­es­sen ich habe und wel­che eben nicht (so der­ma­ßen). Ich habe sozu­sa­gen zuwe­nig Unter­hal­tungs­wert und stehe nicht so auf Uni(n)formiertheit. Da denke ich mir dann, Leute, lernt end­lich sel­ber leben und sucht euch ein Hobby … Mir scheint es, als würde sich die »Lebens­ein­stel­lung« inzwi­schen haupt­säch­lich dar­über defi­nie­ren, was der andere zu bie­ten hat, damit man sich nicht mehr sel­ber hin­ter sein »Dasein« klem­men muss.

    Ich behaupte nicht mehr, gothic zu sein. Wahr­schein­lich war ich das auch nie. Aber jetzt bin ich halt schon mal da, ne?

  12. @MischaSoleil:
    Und genau diese Inter­es­sen sind es, die ich meine.

    Als Gothic im 18. Jahr­hun­dert ent­stand war es quasi eine Ästhe­tik­be­we­gung, die sich in alle Lebens­be­rei­che erstre­cken konnte — in ers­ter Linie Kunst (damals vor allem Lite­ra­tur und Male­rei, aber teils sicher­lich auch Musik), aber auch z.B. die Gestal­tung des eige­nen Wohn­raums (siehe Neu­go­tik) und ein Inter­esse an His­to­rie, Mythen, Mär­chen, etc.pp.

    Und heute ist es nicht anders, finde ich.
    Die Musik­ge­schmä­cker inner­halb der Szene sind heute so ver­schie­den wie außer­halb, mit den Klei­dungs­sti­len ist es mit­ler­weile ähnlich. Aber grund­le­gende Ähnlich­kei­ten in Ästhetik-Empfinden, Kunst­ge­schmack, Inter­es­sen, etc. ist beim größ­ten Teil der Schwar­zen sicher­lich vor­han­den. Alle mögen dunkle Far­ben, fast jeder hat Hor­ror­filme im DVD– und Fan­tasy im Bücher­re­gal, viele mögen die glei­chen Maler,…
    Und auch wird man nach wie vor unter den Grufts und Art­ver­wand­ten eine Menge Leute fin­den, die sich mit Reli­gio­nen und Phi­lo­so­phien aus­ein­an­der­set­zen (hier sind wir ver­mut­lich der viel bemüh­ten Bezeich­nung »Lebens­ein­stel­lung« am nächs­ten). Wel­cher etwas ernst zu neh­mende Goth hat sich noch nie Gedan­ken über etwa den Tod gemacht, oder über (wort­wört­lich) Gott und die Welt?
    Sicher­lich sind nicht alle auf das glei­che Ergeb­nis gekom­men — Gothic ist natür­lich noch immer keine defi­nierte Phi­lo­so­phie in die­sem Sinne — aber in mei­nen Augen rei­chen sol­che Gemein­sam­kei­ten sowohl zur Behaup­tung eine gewisse Lebens­ein­stel­lung zu pfle­gen, als auch dazu, sich einen gemein­sa­men Stem­pel auf­zu­drü­cken (woran ich nichts ein­schrän­kend oder unnö­tig schub­la­den­haft finde).

    Um es auf den Punkt zu brin­gen:
    Fragt mich jemand »Inwie­weit ist Gothic für dich eine Lebens­ein­stel­lung«, dann ant­worte ich mit:
    »Es heißt, sich nicht nur mit den Son­nen­sei­ten des Lebens aus­ein­an­der zu set­zen, son­dern auch die dunk­len Sei­ten wie etwa den Tod als Teil des Gan­zen zu begrei­fen, ohne dabei etwas Alber­nes wie Todes­sehn­sucht an den Tag zu legen oder auch ein­fach nur nega­tiv ein­ge­stellt zu sein«.

    Und ich habe die Erfah­rung gemacht, dass die meis­ten Leute, die ich nicht als ober­fläch­li­ches Par­ty­volk ein­schätze mir da mehr oder weni­ger zustimmen.

  13. @von Karn­stein: Yop, all­ge­mein stimme ich dir völ­lig zu. Nur beim Ästhetik-Empfinden wage ich zu behaup­ten, dass viele es zwar viel­leicht gerne hät­ten, aber … (insert evil phrase here)

    Letzt­end­lich hoffe ich mal, dass ich doch tole­rant genug bin um auch gänz­lich andere Strö­mun­gen oder sons­ti­gen halb­düs­te­ren Misch­masch ^^ bei einer Per­son zu akzep­tie­ren, aber es ist oft schon arg sub­stanz­los für meine Begriffe.

    Gerade habe ich mir nach ca. andert­halb Jah­ren doch mal wie­der die aktu­elle »Orkus«-Ausgabe geholt und rein­ge­zo­gen. Und ´nen 1-€-Gargoyle, der mich jetzt trös­ten muss.

  14. @Robert: klar, ein bissl fei­ern und gut drauf sein gehört zu nem Club­abend dazu, auch daß man mal einen hebt, völ­lig nor­mal, aber es ist halt trau­rig wenns für man­che Herr­schaf­ten nur da drauf redu­ziert wird und teil­weise auch über­trie­ben wird. So hab ich schon einige jün­gere Herr­schaf­ten erle­ben »dür­fen« die irgend­wann ein­fach sturz­be­sof­fen vom Bar­ho­cker gefal­len sind — und sowas brauch ich nicht in nem Gruf­ti­club, zudem da ich die Leute die sich da rum­trei­ben immer als ange­nehm und ver­nünf­tig erlebt habe, und auch wenn wer mal ein Glas zu viel hatte dann war das immer harm­los, und inzwi­schen kip­pen sich die voll­ge­dröhn­ten Kin­der dem Unglück­li­chen der lei­der das Pech hatte weg­zu­pen­nen das Ker­zen­wachs drü­ber und lachen sich schlapp. Da ging auch Club-Inventar bei drauf … aber ich denke wir ver­ste­hen uns in dem Punkt eh. Ist halt nur schade daß man Cha­rak­tere die man von Nor­ma­los kennt und die grade nicht am Abend auch noch sehen mag dann inzwi­schen lei­der doch in den Clubs antrifft. Keine Pau­scha­li­sie­rung — wir haben auch Depe­che Mode Par­ties hier die in der gan­zen Stadt so bewor­ben wer­den daß sich auch Bunt­volk ein­fin­det, und ich muss sagen, die Abende waren oft gran­dios. Aber ich hab auch nega­tive Bei­spiele erlebt wo ich dann ehr­lich­ge­sagt zur Into­le­ranz neige weils mir den Abend ver­saut hat.

    @Karnstein: Goth ist sicher nicht tot :) aber viel­leicht ist die große Masse drum­rum ein­fach zu viel um die sprich­wört­li­che Nadel im Heu­hau­fen zu fin­den.
    Auch ich empfnde das »Gothic« nicht als Schub­lade, son­dern als gemein­same Basis, man teilt ja doch ein gewis­ses Ästhe­tik­emp­fin­den — als Bei­spiel — und grun­de­le­gende Gedan­ken­gänge, nur kön­nen die eben in ver­schie­dene Rich­tun­gen gehen, einen kleins­ten gemein­sa­men Nen­ner haben die meis­ten aber. Das ist immer so schwer zu for­mu­lie­ren, daher hoffe ich daß es rich­tig rüber kommt :)
    Für mich ist der Begriff auch nicht ein­schrän­kend behaf­tet, aber viele haben das so im Hirn fest­ge­brannt. Ich kanns ja ein biss­chen ver­ste­hen, wenn das genervt­sein vom »Gothic« dadurch zustande kommt daß der Begriff immer mehr an der Szene-Uniformierung ausm Kata­log und schwar­zer Mainstream-Musik anhängt, aber ich seh das nicht so. Ich wei­gere mich ein­fach sowas als Gothic anzu­se­hen, denn für mich hat da vie­les ein­fach nichts damit zu tun? Wo sind denn da die Punk-Anflüge wenn ich auf schwar­zes Mar­ken­be­wusst­sein pochen muss? Und auf Dunkel-Mainstream? So das kleine biss­chen Punk gehört für mich auch dazu … mir gehen die gro­ßen Dunkel-Zeitschriften daher auch schon lang nen Meter tie­fer und hin­ten vor­bei, und eini­ges andere auch. Und all das defi­niere ich nicht als »Gothic«, wozu also sich von dem Begriff abwen­den wenn doch so viele um einen rum irgend­was falsch ver­ste­hen *frech grins* :P

  15. Ich finde es sehr inter­es­sant, wie sich hier die ein­zel­nen indi­vi­du­el­len Ansich­ten von Gothic her­aus­kris­tal­li­sie­ren, was letzt­end­lich nur wie­der ein­mal bestä­tigt, wie über­la­den der Begriff als sol­ches ist. Ich denke Rosa hat das schon ganz prima zusam­men­ge­fasst: Auch ich empfnde das “Gothic” nicht als Schub­lade, son­dern als gemein­same Basis, man teilt ja doch ein gewis­ses Ästhe­tik­emp­fin­den – als Bei­spiel – und grun­de­le­gende Gedan­ken­gänge, nur kön­nen die eben in ver­schie­dene Rich­tun­gen gehen, einen kleins­ten gemein­sa­men Nen­ner haben die meis­ten aber. Auch wenn Schub­la­den­den­ken im all­ge­mei­nen ver­pönt ist, finde ich eine erste Ein­sor­tie­rung unaus­weich­lich und auch not­wen­dig. Wenn man jetzt noch die nötige Spur von »Tel­ler­rand­neu­gier« an den Tag legt, wird aus der Schub­lade dann schnell eine Gesamtansicht.

    Ich denke Gothic, jetzt noch­mal als Wort betrach­tet, hat für alle hier Kom­men­tie­ren­den eine andere Bedeu­tung, Karn­stein bezieht sich bei­spiels­weise mehr auf die Kunst und Lite­ra­tur, bei Mischa­Sol­eil ist die krea­tive Aus­ar­bei­tung dunk­ler Vor­lie­ben im Vor­der­grund, wäh­rend sich Rosa auf Klei­dung im Ästhe­ti­schen und hand­werk­li­chen kon­zen­triert. Ach­tung! Auch wenn jetzt in den ange­spro­che­nen das Gefühl bro­delt den von mir dar­ge­leg­ten Rah­men zu spren­gen, viel­leicht liegt das auch in mei­ner Absicht.

    Ich finde die Basis wich­tig, das was uns alle irgend­wie mit­ein­an­der ver­bin­det. Jeder hat seine Ecke und Kan­ten, aber genau das ist es ja, was uns und was Gothic aus­macht. Ich denke, man sollte die Basis bewah­ren und auch in Zei­ten voll­stän­di­ger Ver­dün­nung immer wie­der pro­pa­gie­ren. Die inhalt­li­che Leere ist die Gefahr, nicht die unzäh­li­gen neuen Stile, die sich seit den Urvä­tern der Bewe­gung ein­ge­schli­chen haben. Einige davon tra­gen auch heute noch dazu bei, das die Szene inter­es­sant und auf­re­gend bleibt. Sei es Dark­wave der 90er, die Ein­flüsse der Mit­tel­al­ter­be­we­gung, LAR­Per und Cosplayer seit ca. 2000, alles das hat zu einer stän­di­gen Wei­ter­ent­wick­lung beige­tra­gen und die die Gothic-Szene wirk­lich tot wäre. Des­halb meine ich, man sollte Gothic als Basis sehen und nicht (mehr) als Begriff, der einen spe­zi­fi­schen Stil beschreibt.

    Nichts desto trotz liebe ich es, neue Impulse durch die Inter­ak­tion im Netz und hier im Blog zu erhal­ten. Auf gewisse Art und Weise ist das Inter­net das Medium, das Gothic in die nächste Dekade geret­tet hat. Trotz dem Bestre­ben nach Indi­vi­dua­li­tät ist das Gefühl nicht allein damit zu sein, ein schönes.

  16. Rich­tiiiig! ^^

  17. Es beru­higt mich zu sehen, dass auch andere sich nicht 100%ig einig sind, was man unter dem Begriff zu ver­ste­hen hat.

    Ich weiss auch gar nicht, ob ich wirk­lich ein »Goth« bin… Kommt wahr­schein­lich auf den Betrach­ter an. Ich wollte mir irgend­wann mal in mei­nem Blog auch Gedan­ken dar­über machen und wäre ent­spre­chend an Dei­ner Mei­nung inter­es­siert, Robert.

    @Rosa: Wer behaup­tet, selbst nähen sei güns­ti­ger als kau­fen, hat offen­sicht­lich noch nie selbst genäht. ;) Ich kaufe schon immer mög­lichst güns­tig bei Groß­händ­lern übers Inter­net, aber bei mei­nen Tei­len (bis­lang eher Kos­tüme, aber zuneh­mend auch All­tags­taug­li­ches) ist allein der Stoff meist schon teu­rer als Ver­gleich­ba­res kom­plett inklu­sive Arbeits­kos­ten und Schnick-Schnack wie Schnal­len, Knöp­fen und sons­ti­gem Kurzwarenkram.

    BTW: Inter­es­sante Web­site, was ich von Dei­nen Wer­ken gese­hen habe, fand ich wirk­lich beeindruckend. :)

  18. Eigent­lich hast du damit abso­lut recht Robert, wenn du sagst daß weni­ger die neu auf­tau­chen­den Stil­rich­tun­gen das Pro­blem sind, son­dern die Art wie damit umge­gan­gen wird. Eben da wo sowas als reine Mode­er­schei­nung ver­kommt. Letz­te­nen­des ent­schei­det der Mensch selbst ob er mit sei­nem Stil etwas aus­drü­cken will oder ein­fach nur die Kla­mot­ten toll fin­det. Wobei mir Mode pur eigent­lich erst­mal immer suspekt ist.
    Grund genug noch­mal ein paar Gedan­ken zu den Cybers los­zu­wer­den, ich hab ent­spre­chen­den Arti­kel bei dir noch­mal kommentiert :)

    Auf der ande­ren Seite sind natür­lich neue Ein­flüsse auch immer neue Inspi­ra­ti­ons­quel­len, ich denke auch daß wenn Gothic beim Wave und Ver­wand­tem allein ste­hen­ge­blie­ben wäre, dann gäbe es diese Sub­kul­tur heute bestimmt nicht mehr, aber der Groß­teil der neue­ren Stil­rich­tun­gen hat sich dar­aus ent­wi­ckelt, bezie­huns­weise war es ja grade auch im musi­ka­li­schen Bereich damals Anfang der 80er ein recht wei­tes Feld in dem viel expe­ri­men­tiert wurde, ganz ohne eine selbst ver­ord­nete Ein­schrän­kung, die heute ja doch oft vor­han­den ist. Aber grade das Expe­ri­men­telle macht für mich diese — ich sags mal so — Musik­land­schaft sehr span­nend, und letz­te­nen­des ist mit der Beschäf­ti­gung die­ser Sachen mein Musik­ge­schmack auch wei­ter auf­ge­fä­chert, wo ich frü­her alles mit E-Gitarren aus Prin­zip gemie­den hab wie die Pest, sind die Sis­ters heute mit unter mei­nen per­sön­li­chen Favo­ri­ten (dazu gibt es aber noch eine beson­dere Anek­tode, die hier aber ein biss­chen den the­ma­ti­schen Rah­men spren­gen würde :) )

    So unter­schied­lich die Musik ist, irgendwo gibt es the­ma­tisch immer Berüh­rungs­punkte die eben das »Gothic« aus­ma­chen daran. Das Pro­blem ist halt daß sich viele Sym­bole und Motive durch exzes­si­ven Gebrauch aus­ge­lei­ert haben, und da das ganze manch­mal zum Kitsch bis hin zum schwar­zen Schrott geht. Auch was Kla­mot­ten und Kunst angeht. Und so ver­liert viel was frü­her mal mit einer Aus­sage ver­wen­det wurde, heute diese Bedeu­tung, und vie­les würde auch als künst­le­ri­scher Aus­druck heute nicht mehr funk­tio­nie­ren, ein­mal weil es eben schon­mal da war und sich die Leute dran gewöhnt haben, ande­rer­seits haben sich die Zei­ten eben geän­dert. Dazu kommt noch daß viele eben die­ser Stil­mit­tel dann immer exzes­si­ver benutzt wer­den um noch auf­fäl­lig genug zu sein — und das kippt auch ab einem gewis­sen Punkt eben ab. Nur als ein bei­spiel: fetisch­las­tige Kla­mot­ten. Wo mal Lack­mini und Netz­strümpfe Pro­vo­ka­tion waren ren­nen heut die Mädls halb nackt rum. Und wenn jemand sei­nen Part­ner am Hals­band durch den Club schleppt sorgt das auch eher für genervte Seuf­zer.
    Für die jün­ge­ren sind sol­che Sachen zwar oft noch neu und auf­re­gend, aber meis­tens wird da nur kopiert was man mal auf­ge­schnappt hat, Gut, wahr­schein­lich hat jeder in sei­nen Anfän­gen die eine oder andere Mode­er­schei­nung mit­ge­nom­men, war bei mir nicht anders — musi­ka­lisch wie optisch. Der Knack­punkt ist dann, ob man genug Inter­esse an all dem hat daß man sich näher damit beschäf­tigt und man­che Dinge als Teil sei­ner selbst in sich wie­der fin­det, oder eben so weit über den schon genann­ten Tel­ler­rand raus­se­hen kann daß man andere Facet­ten ent­deckt, sich mit die­sen aus­ein­an­der­setzt. Da gehört für mich auch dazu daß man zumin­dest ein Inter­esse dafür ent­wi­ckelt, wo die Szene an sich eigent­lich mal her­ge­kom­men ist. Was man davon für sich ent­deckt ist eine andere Sache, solange man sich wenigs­tens mal drauf ein­lässt.
    Ich muss aber auch sagen daß man sich heute als Neu­ein­stei­ger doch hart tut, grade wegen der gan­zen Stil-Vielfalt in der die Ursprünge auf den ers­ten Blick ein­fach erst­mal unter­ge­hen. bezie­hungs­weise man den Blick dar­auf erst­mal gar­nicht so hat.
    Doch die zuneh­mende Redu­zie­rung auf Party und ver­rückte Kla­mot­ten aus dem Spe­zi­al­la­den ist ganz klar ziem­lich trau­rig, zumal man den Ein­druck hat daß sich viele Neu­ein­stei­ger gar­nicht mal tie­fer mit der Sache befas­sen wol­len und die Alt­ein­ge­ses­se­nen als klischee-breittretende Jam­mer­gruf­ties bezeich­nen die nie Spaß haben und nur depres­sive Gedichte bei Ker­zen­schein schrei­ben. Ich kann mir nicht vor­stel­len daß diese Sorte Jung-Schwarzträger sich jemals die Mühe gemacht hat mit einem Älte­ren Goth mal ein-zwei Sätze zu wechseln.

    @Jessica: Erst­mal lie­ben dank für die Kom­pli­mente :) meine Page ist lei­der nicht auf dem aktu­el­len Stand, ich bin grade beim umschrei­ben und upda­ten, das dau­ert bei mir aber immer arg lang da ich so bescheu­ert bin mei­nen Code von Hand zu schreiben ;)

    Mit dem Vor­ur­teil vom Nähen kann ich dir nur zustim­men. Ich ver­su­che zwar sehr wohl meine Aus­ga­ben gering zu hal­ten, aber selbst wenn, die Arbeit die man rein­steckt ist schon nicht ohne, es macht viel Spaß, aber ent­ge­gen den Ansich­ten man­cher geht da viel Zeit bei drauf. Wert ist es die Zeit auf jeden Fall.

  19. @Rosa Cha­ly­beia:
    Es ist tat­säch­lich schwie­ri­ger gewor­den heute noch mit irgend­was zu pro­vo­zie­ren. Viel­leicht gelingt das nur noch mit­tels Komas­au­fen und diver­sen Gewalt­vi­deos, die auf Schu­len gedreht wer­den, usw. Aber ob das noch so ohne wei­te­res mit einem Klei­dungs­stil zu schaf­fen ist, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, ob es wirk­lich noch um´s Pro­vo­zie­ren geht, denn viele Goths, die mir auf die eine oder andere Weise begeg­net sind, woll­ten ganz klar: Tole­ranz. Aber das ist schon eine Weile her. Keine Ahnung, worum es den Leu­ten geht, die du beschreibst. Ich war immer der Mei­nung, wer Gothic nur als Mode­er­schei­nung betrach­tet (ob er´s jetzt sel­ber zuge­ben würde oder nicht), der ist auch bald wie­der weg vom schwar­zen Fens­ter. Weil eben das Inter­esse fehlt. Wer andere wegen selbst­ge­näh­ter Klei­dung anblafft, ist viel­leicht auch nur nei­disch, weil er sel­ber nix kann.

    @Jessica: Respekt, ganze Kos­tüme etc. nähe ich nicht. Viel­leicht kommt das aber noch. Das Pro­blem ist nur: Mit einer Näh­ma­schine kann ich über­haupt nicht umge­hen. Ich passe eigent­lich auch ganz gut in das Schema: Kann sich nix leis­ten und näht des­halb sel­ber. Zur­zeit beschränkt sich das dar­auf, dass ich in »Normalverbraucher-Läden« güns­tige Basics kaufe und die halt mit Schlei­fen, Rüschen und sonst­was abän­dere. Muss erst mal reichen.

  20. @Jessica: Es ehrt mich, wenn meine Mei­nung gefragt. Ich werde zu Ver­fü­gung ste­hen und deine Gedan­ken ver­fol­gen. Man könnte aber auch sagen: Man ist immer so Goth wie man sich fühlt.

    @Rosa: Der Ein­stieg in die Szene, auf den Du auch immer wie­der zurück­kommst, ist so wie bei Dir sehr unter­schied­lich und indi­vi­du­ell, es gibt aber auch hier die von Dir genann­ten Über­schnei­dun­gen. Ich finde es manch­mal schade, das sich gerade die Älte­ren dazu ver­lei­ten las­sen »Goth zu sein« Begriff­lich zu ver­ab­scheuen, weil sie viel­leicht Angst habe die Schub­lade nie wie­der ver­las­sen zu kön­nen. Mit einem gewis­sen Alter erreicht man doch irgendwo eine Szene, in der man sich wohl­fühlt. Bei mir war das die Goth-Szene, der ich als Jugend­li­cher unwis­sent­lich ange­hörte. Und genau deren Kern mich immer wie­der zurück­ge­zo­gen hat, obwohl ich eine ganze Zeit­lang alles mög­li­che aus­pro­biert habe.

    Pro­vo­ka­tion ist ein irgendwo ein Stil­bil­den­des Ele­ment, im Prin­zip hat man das als Goth auch immer gewollt, obwohl die Pro­vo­ka­tion hier eher ästhe­ti­scher Natur war. In unse­rer über­sät­tig­ten Gesell­schaft ist das doch unheim­lich schwer gewor­den, die Zeit, in der etwas pro­vo­ziert, wird immer kür­zer um sich letzt­end­lich zu verlieren.

    Ich habe nichts gegen Party und Neu­ein­stei­ger die ihre Kla­mot­ten aus dem Kata­log bezie­hen, der Ein­stieg ist wie gesagt viel­fäl­tig. Viel schlim­mer ist das totale Feh­len von Inhalt, Hin­ter­grund, Gedan­ken, Poe­sie, Lite­ra­tur und Kom­mu­ni­ka­tion, die Gothic Szene ist ein­fach zu schade um so ver­saut zu wer­den. Ich finde die gelebte Leere in der Musik, den Inter­es­sen der Leute und Künst­ler viel schlim­mer. Wenn man so will blei­ben viele ein­fach ein Ein­stei­ger und ver­ste­hen ein­fach nicht, das Men­schen die auf der Tanz­flä­che nur »rum­ste­hen« und die Augen geschlos­sen haben mehr »Goth« sind als die, die mit kör­per­lich ori­en­tier­ten Tanz­prä­sen­ta­tio­nen Auf­merk­sam­keit zu erha­schen versuchen.

    @MischaSoleil: Die Tole­ranz. *seufz* Natür­lich hast du Recht, immer hat man Tole­ranz gefor­dert — aber mitt­ler­weile kommt es mir so vor, als seien vie­len Ent­täuscht dar­über das alle so Tole­rant sind. Die Tole­ranz macht auch viel kaputt. Die Gothics waren immer offen für alles, was eine ihrer gro­ßen Stär­ken war, ande­rer­seits sank aber auch das Hin­ter­fra­gen der Ein­flüsse von denen man sich befruch­ten ließ. Es gibt genug Dinge in die­sem Land, denen sollte man sich Into­le­rant gegen­über­stel­len. Was man heute sein will ist »anders«, nur nicht so wie der andere, Musik in den Charts ist schlecht, die Mei­nung vie­ler kann nicht meine Mei­nung sein… und so wei­ter. Was dabei ver­lo­ren geht ist die Fähig­keit zu Unvoreingenommenheit.

  21. @Robert: Da haben wir jetzt den Salat. Aber letzt­lich bin ich wie ich bin, was ande­res bleibt mir sowieso nicht übrig.

    Ande­rer­seits: Der ein­zelne sucht sich ja (hof­fent­lich) z. B. die Leute aus, mit denen er län­ger zu tun haben will. Das Pro­blem ist nur: Das dau­ert inzwi­schen so lange!

  22. @Robert: im Prin­zip sind wir abso­lut einer Mei­nung, klar sind weder Kla­mot­ten von der Stange das Pro­blem, noch Party an sich, es ist eher ein Sym­ptom der Ver­ober­fläch­li­chung und Her­ab­re­du­zie­rung daß Sze­neuni­for­mie­rung und Mar­ken­be­wusst­sein so deut­lich wer­den, und daß Party als ein­zi­ger Inhalt gese­hen wird, mit ent­spre­chend bedeu­tungs­lee­rer Par­ty­mu­sik zu purem Kon­sum verkommt.

    Und auch mich zwickts doch schon wenn Leute auch noch stolz drauf sind daß ihnen Gothic neben den Par­ties und komi­schen Kla­mot­ten gar­nichts bedeu­tet. Man kann das auch nicht allein auf Neu­ein­stei­ger mün­zen, mir sind auch Fälle bekannt die sich sogar schon sehr lange in der Szene bewe­gen, es aber nach eige­nen Aus­sa­gen blöde fin­den daß man­che weit mehr drin sehen und denen diese Her­ab­re­du­zie­rung gegen den Strich geht. Du hast es tref­fend aus­ge­drückt — die Szene ist zu schade um so ver­saut zu wer­den.
    Eben weil es mal die Nische war in der man sich ange­kom­men und daheim gefühlt hat, und das sollte auch so bleiben!

    Mir geht noch sehr viel im Kopf rum dazu, aber ich fasse mich mal kurz, sonst über­schlage ich mich blos wieder ;)

  23. @Robert:
    »Ich finde es manch­mal schade, das sich gerade die Älte­ren dazu ver­lei­ten las­sen „Goth zu sein” Begriff­lich zu ver­ab­scheuen, weil sie viel­leicht Angst habe die Schub­lade nie wie­der ver­las­sen zu können.«

    Mein Reden…
    Ich bin aber kürz­lich über ein inter­es­san­tes Zitat der Kultur-Anthropologin Agnes Jas­per gestol­pert, von dem ich noch nicht weiß, ob ich mich dem 100%ig anschlie­ßen kann, aber der Gedanke ist alle­mal interessant:

    »Gothic-Insider beto­nen, dass sie keine Goths sind, son­dern dass sie sich ledig­lich mit dem iden­ti­fi­zie­ren, was sie als Goth emp­fin­den — nur um spä­ter zu behaup­ten, dass dies nicht wirk­lich authen­tisch Goth sei. Die­ses Ver­leug­nen ist eine sub­kul­tu­relle Stra­te­gie — eine Mög­lich­keit, sich der Klas­si­fi­zie­rung durch die domi­nante, nicht sub­kul­tu­relle Kul­tur zu ent­zie­hen. Denn wenn ein kla­res Bild von den Kri­te­rien der sub­kul­tu­rel­len Iden­ti­tät kre­iert wer­den kann, dann kann die­ses von Außen­ste­hen­den kopiert wer­den — Und das ist etwas Schlechtes.«

  24. @MischaSoleil: Dau­ert es wirk­lich so lange? Ich finde man merkt schnell, ob man auf der glei­chen Wel­len­länge liegt. Gute Freund­schaf­ten, da gebe ich Dir recht, brau­chen län­ger, sind aber auch nicht jedermann’s Inten­tion beim ken­nen­ler­nen von Leuten.

    @Rosa: Ein schö­nes Gefühl wenn man zu Hause ist, oder? Und eben weil die Szene zu schade ist ver­saut zu wer­den, halte ich es für wich­tig, Inhalte zu pfle­gen und nach außen zu tra­gen. Eben so, wie Du, Karn­stein und auch Jes­sica das machen und das Inter­net für so etwas zu nut­zen. Ich glaube, wie ich bereits schon ein­mal ange­merkt hatte, ohne das Netz wäre Gothic nur noch ein Style. Es gibt einige vir­tu­elle Bekannt­schaf­ten, auf die möchte ich nicht mehr verzichten :)

    @Karnstein: Ich stimme Agnes Jas­per in jedem Punkt zu. Erstaun­lich wie man das so auf den Punkt brin­gen kann. Bleibt die Frage, ob sie damit recht hat — ich für mei­nen Teil habe meine Mei­nung ja schon geäu­ßert. Einen eli­tä­ren Kreis namens Gothic gibt es nicht mehr, es ist an der Zeit eben diese Aus­sage von Frau Jas­per ins Gegen­teil keh­ren, durch Kate­go­ri­sie­rung der Inhalts­lo­sig­keit wie­der eine Fül­lung zu verpassen.

  25. @Robert: ich kann dir aber­mals nur zustim­men :) nur hat das mit dem Inter­net natür­lich — wie fast alles — so seine zwei Sei­ten. Auch ich finde daß das Netz zum Über­le­ben der Sache sehr beige­tra­gen hat — Infor­ma­ti­ker ist heut­zu­tage der Gruf­ti­be­ruf schlecht­hin *g* — ande­rer­seits machte es die Szene auch offe­ner und damit anfäl­li­ger für die Redu­zie­rung und Inhalts­lo­sig­keit.
    Daher finde ich es schade wenn sich Alt­ein­ge­ses­sene ent­nervt abwen­den vom »Gothic«, und der Inhalts­lo­sig­keit damit noch mehr Frei­raum geben — das glei­che was schon mehr­mals gesagt wurde hier, nur noch­mal anders aus­ge­drückt *g*
    Ich lasse mir ganz sicher mein Zuhause nicht weg­neh­men, und ich finde auch daß man über sowas gene­rell auch mal reden sollte, ich hatte bis­her an ande­ren Stel­len die Erfah­rung gemacht, daß sich mit »Gothic« aus­ein­an­der zu setz­ten ent­we­der dazu geführt hat daß sich alle nach kur­zer Zeit in die Wolle gekom­men sind und der­arte The­men seit­dem gene­rell nicht gern gese­hen wer­den, bezie­hungs­weise man blöd ange­schaut wird wenn man sich da Gedan­ken drum macht — was ich wie­derum ziem­lich blöde finde.
    Von daher finde ich es toll daß man an der Stelle end­lich mal ver­nünf­tig quat­schen kann …

  26. Fluch und Segen. Natür­lich hast du recht, die schlech­ten Sei­ten des Net­zes sind vor­han­den und dür­fen nicht ver­tuscht wer­den. Im Grunde näher wir uns in die­ser Dis­kus­sion dem Kern­grund des Blog­gens, jeden­falls für mich. Die guten Inhalte her­vor­he­ben und die schlech­ten Inhalte kri­tisch zer­mür­ben. Infor­ma­ti­ker ist der Gruft-Beruf? Bis­her war ich vom Pfle­ge­be­reich aus­ge­gan­gen. Wäre doch sicher eine Umfrage wert :)

  27. Jedes Ding hat drei Sei­ten. Eine die ich sehe, eine die du siehst, und eine dritte die beide nicht sehen kön­nen.
    Chi­ne­si­sches Sprich­wort, aus dem Gedächt­nis wiedergegeben.

    Ich bin auch froh um die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mög­lich­kei­ten der vir­tu­el­len Welt, da ich real eher zu den schüch­ter­nen Leu­ten gehöre — isch schwör, es ist so ;) kommt eben immer drauf an was man draus macht, als Ein­zel­ner. Tolle reale Freund­schaf­ten haben sich bei mir auch erst durch diese Kom­mu­ni­ka­ti­ons­form ent­wi­ckelt.
    Ich finde es aber auch gut wenn mal kri­ti­sche Stim­men zu Wort kom­men, ich hab mit den Kom­men­ta­ren hier und dei­nen Arti­keln, Robert, oft viel nach­ge­dacht über Szene und mehr, und meist war es sehr kon­struk­tiv für mich.

    Ja, Infor­ma­ti­ker ist echt ein sehr typi­scher Grufti-Beruf ;) ich kenn so viele die in dem Bereich tätig sind, und habs selbst mal für ein knap­pes Jahr betrie­ben, aus dem Gedan­ken her­aus daß ich mög­lichst wenig Mensch sehen wollte, mich kla­mot­ten­mäs­sig nicht allzu ein­schrän­ken muss, und daß mein Hirn auch noch was zu tun haben sollte. Die Gründe wes­we­gen ich nicht geblie­ben bin waren aber ganz andere als Kla­mot­ten und soziale Kom­pe­tenz — bei­des war wie gesagt nie ein Thema …

  28. Für die Sta­tis­tik: Ich bin auch IT-Mensch. ;)

  29. @Rosa: Das mit den Kla­mot­ten ist natür­lich ein schla­gen­des Argu­ment. Manch­mal emp­finde ich es als furcht­bar läs­tig mich für den Antritt mei­ner Arbeit zu ver­klei­den. Irgend­wie. Natür­lich weiß ich nicht, ob ich mit einem Beruf, indem ich mich nicht ver­klei­den muss glück­li­cher wäre. Bis jetzt gab es noch nicht all­zu­viele Mög­lich­kei­ten dazu.
    Viel­leicht sollte man zum Thema »Berufs­wahl« in der Gruftie-Szene eine ent­spre­chende Erhe­bung machen um wirk­lich her­aus­zu­fin­den ob es da einen Zusam­men­hang gibt. Ich muss mir über­le­gen in wel­cher Form ich das umset­zen kann, der Ver­brei­tungs­grad die­ses Blog ist denk­bar ein­ge­schränkt um wirk­lich reprä­sen­ta­tiv argu­men­tie­ren zu kön­nen. Aber gut. Das fin­den wir auch noch raus :) Das Zitat mit den 3 Sei­ten muss ich mir im übri­gen noch notieren.

    @Jessica: Soweit so gut, wobei wir noch erör­tern woll­ten, ob du wirk­lich ein Gruf­tie bist — oder habe ich das falsch in Erinnerung? :)

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  1. TiiaAurora schreibt:

    RT @Spontis Gothic — Die Geschichte eines Wor­tes (3) http://bit.ly/9iqphV