18 August

Geniale Dilettanten - No Wave

Kategorie: Schwarze Szene, SubKultur! — Jahrgang: 2009Keine Kommentare

no wave - jesus and the jerks Der Indus­trial ist eine Form der expe­ri­men­tel­len Musik, die nicht unbe­dingt für ihre Tanz­bar­keit bekannt ist, aber den meis­ten ein Begriff sein dürfte. Die künst­le­ri­sche Aus­drucks­form in Musik ist aber schon lange ein Aus­druck von Krea­ti­vi­tät, so gibt es seit Beginn des 20. Jahr­hun­derts die Zwölf­ton­mu­sik, die einen ähnlich schrä­gen Cha­rak­ter hat. Als Anfang der 80er die Syn­t­hie­si­zer erschwing­lich wur­den, suchte sich auch die beson­ders Krea­tive eine neue Aus­drucks­form und nann­ten ihre Strö­mung No Wave. Der Begriff stammt aus dem New Yor­ker Umfeld und wurde damit als direkte Gegen­strö­mung zum New Wave Ende der 70er Jahre ver­stan­den1. In Deutsch­land eta­bliert sich der Aus­druck Geniale Dilet­tan­ten, die aber heute auch unter dem Begriff des No Wave zusam­men­zu­fas­sen sind.

Vor allem in Ber­lin tref­fen sich die Künst­ler die­ser Zeit und bil­den ein Krea­ti­ves Netz­werk, das bis nach New York reicht, das zu die­ser Zeit einen sehr ähnli­chen Sta­tus hat. Nick Cave, James Chance,  Lydia Lunch (Jesus & The Jerks), Chris­toph Dre­her (Die Haut) und Blixa Bar­geld (Ein­stür­zende Neu­bau­ten) um nur einige der Prot­ago­nis­ten zu nennen.

Alles machen, alles pro­bie­ren, geht nicht gibts nicht ist das Motto die­ser Bewe­gung. In Ver­bin­dung mit der Video­tech­nik und dem künst­le­ri­schen Tanz ent­ste­hen hier Gesamt­kunst­werke, die auch Künst­ler­kreise anspre­chen und beein­flus­sen, aus denen auch bei­spiels­weise Andy War­hol stammt. Im Vor­der­grund ste­hen Atmo­sphäre, unkon­ven­tio­nelle Gitar­ren­ge­räu­sche, offene musi­ka­li­sche Struk­tu­ren, die jedoch oft ein sich wie­der­ho­len­des Thema auf­fass­ten, und ato­na­ler Auf­bau2. Melo­die oder Rhyth­mus spie­len eine unter­ge­ord­nete Rolle und locken des­halb auch musi­ka­lisch und instru­men­tell völ­lig unbe­gabte Talente auf den Plan, die eher den Klang als die Musik in der Vor­der­grund ihrer Arbeit stellen.

Gudrun Gut, die sich selbst zu den Anfän­ger der Genia­len Dilet­tan­ten zählt3 geht mit ihrer Band Mala­ria! einen Schritt in Rich­tung Tanz­bar­keit und ver­öf­fent­licht bei­spiels­weise mit Kal­tes kla­res Was­ser (Video) oder Geld (Video) zwei Underground-Hits und geben in der von Män­nern domi­nier­ten Musik­szene der Eman­zi­pa­tion ein Gesicht.

Bei arte gab es dazu neu­lich einen sehr guten Doku­men­tar­strei­fen, der von Chris­toph Dre­her (Die Haut) gemacht wurde, der die meis­ten sei­ner Weg­ge­fähr­ten aus die­ser Zeit auf­suchte um mit ihnen in den guten alten Zei­ten zu schwel­gen. Der ent­stan­dene Film darf durch­aus als Refe­renz zu dem Thema ange­se­hen wer­den und zeigt die deut­sche Sicht der Dinge.

"Dieser Film taucht ein in eine Übergangszeit, eine Ära der Veränderung. Alles war in Bewegung, nichts sicher - und gerade deshalb schien alles möglich. Die 70er klangen noch nach, die 80er hatten noch nicht richtig begonnen. Wir bewegen uns zwischen den Perioden der reinen Abkehr vom Etablierten und des politisch bewegten Aktionismus . Die Zeit und Szene, die dieser Film beleuchtet, hat eine hohe Relevanz für alle Bereiche der Kultur und des Lebens bis zum heutigen Tage. Der Begriff des Underground bekam einen neuen Klang in dieser Zeit. Es war eine Zeit der radikalen Herausforderungen und kompromisslosen Selbstversuche - in jeglicher Hinsicht. Im Mittelpunkt stand das Machen, ohne Wenn und Aber..." (Christoph Dreher, Frühling 2009)

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(Bild­quelle: One Piece)
  1. Reyn­olds: Con­t­ort Your­self: No Wave New York — in: Rip it up and Start Again, S. 80 []
  2. Arti­kel bei Wiki­pe­dia zum Stich­wort No-Wave []
  3. Quelle: Ihre Bio­gra­phie auf ihrer Label­seite m-enterprises []

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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