7 Juli

Flüssige Szene: Absinth

Kategorie: Schwarze Szene — Jahrgang: 20095 Kommentare

absinth glas

Keine Szene ohne Alkohol? Anfang der 80er splitterten sich die Straight Edger (sXe) von der Punkbewegung ab, da für sie das regelmäßige Abschießen mit Alkohol oder Drogen kein zentraler Bestandteil der Szene sein sollte. In der Regel gehört aber Alkohol zu jeder geselligen Runde wie an jedem Stammtisch auch, die Gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber dem Alkohol ist hoch. Warum auch nicht, es muss ja nicht gleich Flatrate-Saufen1 sein.

In der Gothic-Szene hat sich neben den üblichen alkoholhaltigen Getränken auch eine Vielzahl von außergewöhnlichen Gebräuen etabliert, der pure Genuss von Bier ist den meisten zu ordinär und da sich im Gegensatz zu vielen anderen Szenen viel mehr weibliche Gothics gibt, bevorzugt man beispielsweise mehr Wein als Bier. Wenn sich dann noch Mythen, Legenden und Sagen um ein Getränk ranken, so ist das Interesse innerhalb der Szene natürlich sehr hoch, was auch die Popularität von Absinth erklären dürfte.

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Absinth wird tra­di­tio­nell aus Wer­mut, Anis, Fen­chel sowie einer je nach Rezep­tur unter­schied­li­chen Reihe wei­te­rer Kräu­ter her­ge­stellt wird. Da Absinth in der Regel grün ist wird er gele­gent­lich auch »die grüne Fee« (fran­zö­sisch: la ©e Verte) genannt. Auf­grund der Ver­wen­dung bit­ter schme­cken­der Kräu­ter, ins­be­son­dere von Wer­mut, gilt Absinth als Bit­ter­spi­ri­tuose, obwohl er selbst nicht unbe­dingt bit­ter schmeckt.

Seine Legen­den hat Absinth dem Gehalt von Wer­mut zu ver­dan­ken, denn schon um 1830 ent­deck­ten fran­zö­si­sche Mili­tär­ärzte das Absinth für sich und schrie­ben ihm vor­beu­gende und hei­lende Wir­kung gegen Krank­hei­ten zu und »ver­ab­reich­ten« den Sol­da­ten eine täg­li­che Dosis Absinth. Wäh­rend Frank­reich Alge­rien besetzte pro­du­zierte die Her­stel­ler bis zu 20.000 Liter täg­lich um den Bedarf zu decken. Als Neben­pro­dukt ent­hält Wer­mut den Stoff Thu­jon, der als Ner­ven­gift Hal­lu­zi­na­tio­nen, epi­lep­ti­sche Anfälle, Depres­sion und Wahr­neh­mungs­stö­run­gen aus­löst. Mitte des 19. Jahr­hun­derts machte diese Tat­sa­che das Absinth als Droge und Berau­schungs­mit­tel popu­lär, denn hier setzte man dem Absinth nur Wer­mu­töle hinzu, die die Wir­kung ver­stärk­ten. Heu­ti­ges Absinth ist unbe­denk­lich, der Gehalt ist so gering, das man vor­her vom Alko­hol erschla­gen wird, als eine Über­do­sis Thu­jon zu erhal­ten2

Zusammenhang zwischen Gothic und Absinth?

Dafür wur­den die Wur­zeln Ende des 19. Jahr­hun­derts gelegt, denn Absinth galt als IN Getränk der Lite­ra­tur und Künstler-Szene und fin­det daher in vie­len Roma­nen und Erzäh­lun­gen Ver­wen­dung, auch bei vie­len noch heute in der Gothic Szene belieb­ten Schrift­stel­ler und Büchern. Nach­dem um 1900 der Ver­brauch in Frank­reich schlag­ar­tig  stieg, da es bil­li­ger als Wein war, wurde die Stim­men der Kri­ti­ker lau­ter. »Aus dem Mann macht Absinth ein wil­des Biest, aus Frauen Mär­ty­re­rin­nen und aus Kin­dern Debile, er rui­niert und zer­stört Fami­lien und bedroht die Zukunft die­ses Lan­des«, zitiert Barnaby Con­rad in sei­ner Geschichte des Absinth die dama­li­gen Kri­ti­ker. Bis 1914 wurde Absinth in nahezu allen euro­päi­schen Staa­ten und USA ver­bo­ten. Wei­tere geschichts­träch­tige Fak­ten kann man auch in einem Rund­gang im vir­tu­el­len Absinth-Museum kennenlernen.

Anfang der 90er erlangte das Absinth neue Popu­la­ri­tät als ein pfif­fi­ger eng­li­scher Impor­teur eine Geset­zes­lü­cke nutzte, um Absinth in Groß­bri­tan­nien wie­der zu ver­kau­fen. Lifestyle-Magazine grif­fen den Trend auf und beschrie­ben seine (nicht vor­han­de­nen) ero­ti­sie­rende und hal­lu­zi­no­gene Wir­kung, den Ver­bot in vie­len Län­dern und unter­stell­ten van Gogh hätte sich sein Ohr unter Absin­thein­fluss abge­schnit­ten. Filme grif­fen Absinth als epo­chen­ty­pi­sches Aus­stat­tungs­merk­mal auf, so 1992 in Bram Stoker’s Dra­cula. 2001 berauscht sich Johnny Depp im Film From Hell auf sei­ner Jagd nach Jack the Rip­per an Opium und Absinth.

Genug Stoff für Legen­den und Sagen und den Erfolg inner­halb der Gothic-Szene. Mitt­ler­weile gibt es kei­nen Gothic-Shop mehr, der sich nicht mit dem Ver­kauf von Absinth wei­tere Kund­schaft sichern möchte. Die meis­ten Ver­bote wurde schon im Vor­feld gelo­ckert, als neue Stu­dien dem Absinth eine unge­fähr­li­che Wir­kung zuschrie­ben. Das Deut­sche Ärzte­blatt warnt in sei­nem Arti­kel Absinth — Neue Mode, alte Pro­bleme wie­der ein­mal vor dem Kon­sum des Geträn­kes und beschrei­ben van Gogh als abhän­gi­gen Absin­tht­rin­ker. Das der eigent­lich Alko­ho­li­ker war und Absinth bil­li­ger als Wein, lässt man außer Acht. 2008 belegt der Spie­gel mit aktu­el­len For­schun­gen das der ein­zig wirk­same Bestand­teil der Alko­hol ist.

Wenn schon Absinth, dann mit Tradition

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Absinth wird grundsätzlich nicht pur getrunken, sondern mit Wasser verdünnt, dadurch entsteht der typische milchige Effekt (Louche). Meist wählt man ein Mischungsverhältnis von 1 Teil Absinth zu 3 Teilen Eiswasser. Ursprünglich trinkt man Absinth mit Zucker, da der französische Absinth sehr bitter gewesen ist und man damit den Geschmack verbessern konnte.
Beim Feuerritual3 werden mit Absinth getränkte Zuckerwürfel auf einen Absinthlöffel gelegt und angezündet. Sobald der Zucker karamellisiert werden die Flammen gelöscht und in den übrigen mit Eiswasser gemischten Absinth gegeben. Warum man die Flammen löschen sollte, brauche ich wohl niemandem zu erklären.

absinth mit tradition

Die Schwei­zer Trink­weise ist dabei die am wenigs­ten eta­blierte. Bei ihr wer­den ledig­lich zwei bis vier cl Absinth mit kal­tem Was­ser ver­mischt. Auf Zucker wird ver­zich­tet, da die in der Schweiz getrun­ke­nen Absin­the grund­sätz­lich weni­ger bit­ter waren als die französischen.

Das fran­zö­si­sche Ritual besitzt dage­gen eine his­to­risch beleg­bare Tra­di­tion. Ähnlich wie beim Feu­er­ri­tual wird der Absinth mit Zucker getrun­ken. Dazu wer­den ein oder zwei Stück Wür­fel­zu­cker auf einem Absinth­löf­fel gelegt und sehr lang­sam kal­tes Was­ser über den Zucker gegos­sen oder geträu­felt. Für das Hin­zu­ge­ben des Was­sers kann auch eine Absin­th­fon­täne, die man schon mal in fran­zö­si­sche Loka­len sieht, genom­men werden.

Absinth ist heute ein Mas­sen­pro­dukt das nicht unbe­dingt qua­li­ta­tiv hoch­wer­tig her­ge­stellt wird, man zieht künst­li­che Aro­men und Geschmacks­ver­stär­ker den natür­lich Kräu­tern vor, erst im geho­be­nen Preis­seg­ment fin­det man hoch­wer­tige und maze­rierte Absinth­sor­ten. Von einem 15€ Absinth ist abzu­ra­ten, für einen guten sind schnell ein­mal 30–40€ fäl­lig, einen Preis­ver­gleich und Geschmacks­test fin­det man im Absinth-Guide.

(Bild­quel­len: Wiki­pe­dia)
  1. Ist nicht etwa ein Tarif sei­nes Inter­net­pro­vi­ders, son­dern das unbe­grenzte Trin­ken von Alko­hol zu einem fest­ge­leg­ten Ein­tritts­preis []
  2. Dazu gibt es einige medi­zi­ni­sche Nach­weise und Stu­dien, unter ande­rem in einer Semi­nar­ar­beit der Uni­ver­si­tät Würz­burg. []
  3. Nicht his­to­ri­sche Belegte Trink­weise tsche­chi­scher Absin­th­pro­du­zen­ten um die Attrak­ti­vi­tät zu stei­gern []

Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Schwarze Szene
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5 Kommentare

  1. Ah, dann habe ich das immer falsch gemacht und pur getrun­ken. Wurde uns im Spi­ri­tuo­sen­la­den, aber nicht erklärt, tsts.

    PS: DER Absinth! Hab extra fast den kom­plet­ten Wikipedia-Artikel durch­ge­le­sen, bis ich end­lich ein­mal eine ein­deu­tige For­mu­lie­rung gefun­den habe.

  2. Nicht zu ver­ges­sen der 70% schwarze Absinth. bei dem einem die Augen aus dem Kopf fal­len, weil der so kräf­tig ist.

    Aber im gro­ßen und Gan­zen ist Absinth nichts für mich. Komisch eigent­lich, weil ich so ziem­lich alles ver­göt­tere, was Kräu­ter in sich trägt. Ich bleibe beim lecke­ren Wikin­ger­ge­tränk, dem Met. Das rich­tige für ein Metller­weib­lein wie mich. Aber da haste recht, die Gothik­da­men grei­fen gern mal zum Rotwein.

    Aber das Absinth mit Was­ser ver­dünnt wird, wusste ich garnicht.

    Aber ich muss ja sagen. die­ses mil­chige Etwas sieht schon ziem­lich eke­lig aus ^^

  3. sehr inter­es­san­ter arti­kel, auch wenn ich eine nicht-akl-trinkerin bin :) jetzt weiß ich zumin­dest was absinth ist *schön öfters in fil­men gehört und in büchern gele­sen hat*

  4. Hab das Zeug wie Julia bis­her nur pur getrun­ken… seit­dem dann aber nie wieder. ;)

  5. @juliaL49: Kannst es ja mal mit Was­ser pro­bie­ren, viel­leicht schmeckt er ja so bes­ser (oder schlech­ter). Aber pro­bier nicht zuviel, sonst wird dein Kom­men­tar auch mil­chig :) Ich werde den Arti­kel noch­mals auf kor­rekte For­mu­lie­rung hin überprüfen.

    @Äwe: Schwar­zer Absinth mit 70% ohne Was­ser pur? Hei­li­ger Stroh­sack, sowas benut­zen andere als Brenn­spi­ri­tus :) Zum Met kom­men wir in einem wei­te­ren Arti­kel, schließ­lich passt das mit sei­nen Strö­mun­gen in Mit­tel­al­ter– und Metal­szene auch in die schwarze Subkultur.

    @Sibel: Ich bin ja eben­falls nicht (mehr) alk-trinker, habe aber Absinth schon mal in mei­ner Stoß– und Drang­zeit genossen.

    @Konna: Dann hat es Dir offen­bar nicht geschmeckt, oder du muss­test Dir alles noch­mal durch den Kopf gehen lassen :)

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  1. […] eines der ältes­ten alko­ho­li­schen Getränke der Welt. Nach­dem ich euch schon den Absinth in die­sem Arti­kel näher gebracht habe, widme ich mich nun dem Met, dem Trank der […]

  2. Wie wird Absinth hergestellt?…

    Dein Bei­trag gefällt mir … Des­halb sende ich dir die­sen Trackback ;)…