23 September

London

Kategorie: Finstere Orte — Jahrgang: 20082 Kommentare

Seit ich Anfang der 90er Jahre ein­mal in Lon­don gewe­sen bin, geht mir die Stadt nicht mehr aus dem Kopf. Soviel Kul­tur und Leben auf einem Hau­fen hatte ich noch nicht gese­hen und immer wie­der kreis­ten meine Gedan­ken darum, noch ein­mal nach Lon­don zu rei­sen. Anfang 2008 habe ich die Gele­gen­heit dann am Schopfe ergrif­fen und bin mit mei­ner Freun­din nach Lon­don geflogen.

Glück­li­cher­weise hat­ten wir beide die Sehens­wür­dig­kei­ten des Main­stream schon gese­hen und konnte uns so auf die dunk­lere und auf­re­gen­dere Seite Lon­dons stür­zen. Das Netz ist voll mit inter­es­san­tem Inhal­ten über Lon­don und seine Sehens­wür­dig­kei­ten, des­halb möchte ich hier für die unbe­kann­te­ren Ecken Lon­dons Par­tei ergrei­fen oder von Orten erzäh­len, die mir beson­ders ans Herz gewach­sen sind, denn Lon­don besteht nicht nur aus Big Ben und Madame Tus­s­auds. Ich möchte mich in mei­nem Arti­kel auf per­sön­li­che High­lights beschrän­ken, den Fried­hof High­gate Ceme­tery, den Cam­den Mar­ket und dem Nacht­le­ben für dunkle Gestal­ten. Letzt­end­lich gibt es noch ein paar nütz­li­che Infor­ma­tio­nen, damit aus dem Trip keine Horror-Trip wird.

Highgate Cemetery

Als im 19. Jahr­hun­dert die Bestat­tungs­mög­lich­kei­ten in Lon­don knapp wur­den, stimmte das Par­la­ment zu, sie­ben pri­vate Fried­höfe nahe dem dama­li­gen Lon­do­ner Gür­tel zu eröff­nen. Der im Nor­den Lon­dons gele­gene Fried­hof High­gate besteht aus einem west­li­chen (1839) und dem östli­chen Teil (als Erwei­te­rung 1854), die durch eine öffent­li­che Straße, der Swain´s Lane, von­ein­an­der getrennt sind. High­gate West  wurde 1975 aus finan­zi­el­len Grün­den geschlos­sen, es war den Betrei­bern nicht mehr mög­lich für die Pflege der Grab­stät­ten zu sor­gen.  Der Ver­ein Fri­ends of High­gate Ceme­tery (FOHC) kaufte in den spä­ten sieb­zi­ger Jah­ren des 20. Jahr­hun­derts das kunst­his­to­risch inter­es­san­tere west­li­che Grä­ber­feld und ret­tete es so vor der Ein­eb­nung durch Pla­nier­rau­pen, 1981 befan­den sich schließ­lich beide Teile in vol­lem Besitz der FOHC. Um die Erhal­tung des Fried­hofs zu ermög­li­chen, ist der Besuch kostenpflichtig.

Die Tour mit dem Füh­rer über den west­li­chen Teil ist aber mehr als loh­nens­wert. Für 5 Pfund (etwa 6,5 €) pro Per­son, erhält man eine ein­stün­dige Füh­rung über den alten Teil des Fried­ho­fes, in der viel über die Ent­ste­hungs­ge­schichte und die auf dem Fried­hof befind­li­chen Grä­ber erzählt wird. Die zum Teil prunk­voll ver­zier­ten Grä­ber und Grab­stät­ten beher­ber­gen neben den Grä­ber von Geschäfts­leu­ten und Aris­to­kra­ten auch die Grä­ber eini­ger berühm­ter Per­sön­lich­kei­ten. So fin­den sich auf dem west­li­chen Teil die Grä­ber von Charles Dickens, Michael Fara­day, George Womb­well und Tho­mas Say­ers. Den östli­chen Teil des Fried­ho­fes kann man auch ohne Füh­rer besu­chen, er ist aber lange nicht so ein­drucks­voll wie der west­li­che Teil, kann aber mit der Karte von der Füh­rung eben­falls besucht wer­den. Wie komme ich dahin? — Mit der Tube (Nothern Line) bis Arch­way. Dann die High­gate Hill Street und wei­ter auf die High­gate High Street am östli­chen Teil des Fried­ho­fes vor­bei und dann Links abbie­gen und durch den Park lau­fen.

Wei­ter­füh­rende Links: High­gate Ceme­tery im Stadt­plan, Foto­stre­cke bei Flickr, High­gate Cemetery

Camden Market

camden-market-fassade-2Obwohl der sicher­lich kein Geheim­tipp ist, so lohnt sich ein inten­si­ve­rer Blick und ein aus­schwei­fen­der Besuch. Dort gibt es auf jeden Fall die güns­tigs­ten Dr. Mar­tens in ganz Lon­don, obwohl die ja mitt­ler­weile in China pro­du­ziert wer­den. Ein Ver­gleich, auch bei Shops in unmit­tel­ba­rer Nähe lohnt sich, so konn­ten wir nach suchen inner­halb des Mark­tes noch­mals rund 10€ spa­ren. Cam­den Mar­ket besteht aus 6 Berei­chen, der Cam­den Lock Mar­ket, mit sei­ner gros­sen Markt­halle, dem Sta­bles Mar­ket im Nor­den, dem Buck Street Mar­ket im Süden, dem Elec­tric Ball­room, der Inver­ness Street und dem Cam­den Canal Mar­ket der 2008 von einem Feuer ver­wüs­tet wurde.

Direkt an der U-Bahn Sta­tion ist der Elec­tric Ball­room, der getarnt hin­ter einem unschein­ba­ren Durch­gang, viel Platz für unge­fähr 60 ein­zelne Stände bie­tet. An den Wochen­en­den fin­den hier auch regel­mä­ßig Kon­zerte oder Events statt, selbst U2, Oasis, The Clash und die Red Hot Chilli Pep­pers waren hier schon zu Gast.  Der Cam­den Lock Mar­ket, der direkt hin­ter der Brü­cke über den Regents Canal beginnt, ist mehr auf kleine Schmuck­lä­den spe­zia­li­siert, davon gibt es hier aber jede Menge. Im hin­te­ren Bereich fin­det man dann so was wie eine Fress­bu­den­meile, bei denen es aller­dings viele außer­ge­wöhn­li­che Spe­zia­li­tä­ten gibt.

Geht man wei­ter Rich­tung Bahn­damm wird es rich­tig inter­es­sant. Denn hier fin­den sie die Second Hand und Gothic Shops wie Fai­ry­goth­mo­ther, Bur­le­ska (Kor­setts), After Dark (ehe­mals Black Rose), Darkside, oder auch das Eli­zium. Kol­lek­ti­ons­ware ist hier aber meist recht teuer, des­halb macht es viel mehr Spaß in den groß­ar­ti­gen Second Hand Läden zu stö­bern.  Die ein­zel­nen Läden sind teil­weise in den Bögen unter­halb der Bahn unter­ge­bracht und sehr ver­win­kelt, was dem gan­zen einen ganz unge­wöhn­li­chen Charme ver­leiht. Man fin­det auch reich­lich kleine Mode­la­bels aus Lon­don, die hier ihre Sachen anbieten.

So lern­ten wir zum Bei­spiel Nicola Quil­ter ken­nen, die nicht nur wun­der­schöne Röcke näht, son­dern auch noch Musik macht und sich an einer Schau­spiel­kar­riere ver­sucht, außer­dem ist sie immer für einen Tip inner­halb des Cam­den Mar­kets zu haben, erfuh­ren wir doch von Ihr wo es die güns­ti­gen Dr. Mar­tens gibt.

Wie komme ich dahin? — Mit der Tube (Nothern Line) bis Cam­den Town und schon bist du mit­ten­drin! Ein unbe­ding­tes Muss ist aber die Sicher­heit, denn hier sind über­durch­schnitt­li­chen Taschen­diebe, des­halb mög­lichst alles wich­tige im Hotel las­sen und keine grö­ße­ren Geld­be­träge mitnehmen.

Wei­ter­füh­rende Links: Cam­den Lock, Cam­den Guide, Mein Lon­don Guide bei Qype

Ausgehen

Lei­der ist neben dem umfang­rei­chen Ein­kaufs­bum­mel nicht viel Platz geblie­ben um aus­zu­ge­hen. Eine Perle für die Anhän­ger der schwar­zen Szene konnte ich jedoch aus­ma­chen. Das Intre­pid Fox, das in unmit­tel­ba­rer Nähe zum alt­ehr­wür­di­gen Aso­tria liegt, ist eigent­lich eine Neu­er­öff­nung, den das alte Fox, das am Gar­go­ile über der Tür zu erken­nen war, gibt es nicht mehr.  Das neue Lokal ist den Machern aber den­noch gut gelun­gen und bie­tet im Inne­ren alles was einen guten Pub ausmacht.

Das Ambi­ente erin­nert an eine 80er Wave & Gothic­party, Toten­köpfe, Ske­lette und fla­ckern­den Kron­leuch­tern. Auf 2 Eta­gen ein gemüt­li­ches und uri­ges Pub mit prima Punk­mu­sik (und allen Unter­ar­ten wie Gothic, Wave, Post-Punk). Von den Drop­kick Mur­phys bis hin zu Alien Sex Fiend wurde uns an die­sem Abend alles gebo­ten. Das Intre­pid Fox steht in wenig Rei­se­füh­rer und das ist auch gut so. Denn die Preise für die Getränke sind so wie sie sein sol­len, güns­tig. Das Publi­kum ist bunt gemischt, neben Metal­lern fin­den sich Punk´s, Waver und Gruf­tis. Alle sind irgend­wie ein­fach und unkompliziert.

Gerne hät­ten wir Orte wie das Sli­me­light oder The World´s End besucht, lei­der hat die Zeit nicht gereicht. Was nicht ist kann aber noch wer­den, denn ein wei­te­rer Trip nach Lon­don steht schon fest auf dem Programm.

  1. Mit dem Flug­zeug kommt man am bes­ten nach Lon­don (Stan­sted Air­port), ein Express­zug bringt euch nach Lon­don selbst. Das kos­tet jeden 30€ für Hin und Zurück und sollte zur bes­se­ren Kal­ku­la­tion in den Flug­preis mit ein­ge­rech­net werden.
  2. Die ein­zig sinn­volle Fort­be­we­gungs­mög­lich­keit in Lon­don ist die U-Bahn (Tube), mit einem 3-Tages-Ticket fährt man sehr güns­tig. Dabei wählt man die Ticket­art Off-Peak, was bedeu­tet, dass man die Tube erst ab 9:30 mor­gens benut­zen kann, wer frü­her auf­steht, ist sel­ber schuld. Taxis sind reine Abzocke!
  3. Bezieht den letz­ten Tag mit in eure Pla­nun­gen ein, meist kann man das Gepäck im Hotel für 2–3€ nach dem ausch­e­cken noch auf­be­wah­ren und dann erst kurz vor der Rück­reise abholen.
  4. Bei London.de kann man einige Tickets schon im Vor­raus buchen, der Rei­se­füh­rer dort ist aber nicht so toll. Für einen guten Über­blick über mög­li­che Rei­se­füh­rer schaut mal beim WDR vorbei.
  5. Fern­hal­ten von tou­ris­ti­schen Bal­lungs­zen­tren schont den Geld­beu­tel! Bei­spiel: Toi­lette in Ken­sing­ton: kos­ten­los, Toi­lette am Pica­dilly Cir­cus: 1 Pfund (!).

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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2 Kommentare

  1. Guter Bericht hier. Das »Intre­pid Fox« is wirk­lich ein sehr guter Tipp, musi­ka­lisch echt heavy (zumin­dest lief an dem Abend als ich da war nur Metal), die Deko echt schön düs­ter ;o).
    Sli­me­light naja…haste nix ver­passt. Man kann es sich mal anse­hen, ist aber nix, was schwarze Her­zen höher schla­gen lässt, son­dern eher was für Cyber­punk, Knick­lich­ter & Co. — mittlerweile.

  2. Schön das du auf die­sen Bei­trag rea­gierst, immer­hin bist du in fast 2 Jah­ren seit der Arti­kel erschien, die erste. Um so erfreu­ter bin ich dann natür­lich, wenn er Dir auch noch gefällt.

    Wann bist du in Lon­don gewe­sen? Seit die­sem Arti­kel war ich erneut in Lon­don und plane im Juni wie­der dort­hin zu flie­gen. Das Sli­me­light habe ich letz­tes Jahr besucht, die musi­ka­li­sche Aus­wahl in der Disco ganz unten (links) fand ich gar nicht so schlecht. Den gan­zen Rest, da stimme ich Dir zu, ist mehr was für Knick­licht­gruf­ties. In das Intre­pid Fox habe ich es 2009 nicht mehr geschafft, zu voll war mein Reiseplan.

    Hast du viel­leicht andere Empfehlungen?

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