7 September

Kultur für Einsteiger

Kategorie: Finstere Orte — Jahrgang: 20095 Kommentare

kölnerdomAls Einwohner einer Provinzmetropole wie Mönchengladbach hat man es nicht leicht. Den meisten ist höchstens der Fußballverein bekannt, ein paar kennen das Münster, ein paar weniger die anderen unspektakulären Sehenswürdigkeiten, ganz zu schweigen von Prominenten. Die älteren kennen noch einen gewissen Dr. Josef Goebbels, der als fragwürdige Nazi-Berühmtheit bekannt ist, obwohl der eigentlich Rheydter und kein Mönchengladbacher war. Wie dem auch sei.

In einer so provinziellen Stadt klammert man sich eben das was man hat und ist bestrebt, insofern eine Spur von gesundem Lokalpatriotismus vorhanden ist, die Vorzüge seiner Heimat hervorzuheben, abgesehen von den dunklen Flecken der Vergangenheit natürlich. Jedenfalls neigt man hier bei uns dazu, dann ganze Regionen mit einzubeziehen um die Anzahl der Sehenswürdigkeiten zu steigern, so sieht sich der Gladbacher gerne als Rheinländer und nimmt auch gleich noch Düsseldorf und Köln mit ins Boot, das ist anders herum nicht so populär. Der Kölner ist Kölner und der Düsseldorfer Düsseldorfer, Metropolengehabe!

Vor ein paar Jahren (eigentlich vor rund 15 Jahren) war ich schon mal auf dem Kölner Dom, dem Bauwerk das auch über die Deutschen Grenzen hinaus als dritthöchstes Kirchengebäude der Welt und Weltkulturerbe bekannt ist. Muss man mal drauf gewesen sein, gehört zum Rheinländer einfach dazu, genau wie Karneval und im Rhein baden. Meine bessere Hälfte war aber noch nie auf dem Dom. Klar das ich hier einschreiten musste und mit ihr heute zum Kölner Dom gefahren bin.

Zunächst einmal ist es faszinierend was so eine Fahrt mit der Bahn kostet, denn ich hatte mal Lust auf Bahnfahren und habe mich das ganze 19,20€ (!) für die 50 minütige Hin- und Rückfahrt kosten lassen.

kölner dom glockenraumDafür ist die Gebühr für die Bestei­gung mit 2,50€ erschwing­lich, auch wenn man dafür die 509 Stu­fen eigen­fü­ßig zurück­le­gen muss. Der Auf­stieg ist nichts für klaus­tro­pho­bi­sche Men­schen oder emp­find­li­che Nasen, denn ob Japa­ner, Ita­lie­ner, Ame­ri­ka­ner oder Bay­ern — der Schweiß riecht über­all gleich. Die Wen­del­treppe ist eng und legt erst im Glo­cken­raum eine Pause ein. Wie rie­sig die Glo­cken sind kann sich jeder bild­lich vor­stel­len, die Klöp­pel sind eben­falls gewaltig.

Genug Pause, wei­ter geht es zur Aus­sichts­platt­form, die mit ihrem Weit­blick (bei ent­spre­chen­dem Wet­ter) einen tol­len Weit­blick lie­fert, Düs­sel­dorf liegt zum grei­fen nahe, nur Mön­chen­glad­bach geht wie­der ein­mal im Was­ser­dampf der Braun­koh­le­kraft­werke unter. Schön ist, das man es unter­las­sen hat, die unzäh­li­gen Unter­schrif­ten und »I was here« Schrift­züge zu ent­fer­nen, die gehö­ren für mich ein­fach dazu und ver­sauen das Bild des Rund­gangs nicht wirk­lich. Jeden­falls nicht für mich.

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Nen­nen wir es Kul­tur für Ein­stei­ger oder eine Säule des Rhein­län­ders. So eine Besich­ti­gung des Köl­ner Doms gehört ein­fach dazu, es ist und bleibt ein fas­zi­nie­ren­des Bau­werk auch wenn man jeden reli­giö­sen Hin­ter­grund aus­blen­det. Und immer­hin kos­tet es kei­nen Ein­tritt den Dom von innen zu besich­ti­gen, für die West­mins­ter Abbey in Lon­don ver­lan­gen die Bri­ten fre­che 15 Pfund (~18€) Ein­tritt! Ich habe den Ent­schluss gefasst, auch die eigene Stadt zu erkun­den und mir zu min­des­tens die schöns­ten Bau­werke der eigene Stadt unter die Lupe zu neh­men, im Alter macht man sowas ein­fach. Eine Besich­ti­gung des Was­ser­turms in Mön­chen­glad­bach habe ich mir ganz fest vor­ge­nom­men Kennt Ihr eure Stadt?

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Finstere Orte
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5 Kommentare

  1. Klar kenne ich meine Stadt; auch kul­tu­rell!
    Und wir Köl­ner lie­ben die Kir­che da neben dem Haupt­bahn­hof sehr. Größte Glo­cke der Welt und so…

    Aber in Mön­chen­glad­bach gibt es doch ganz bestimmt eini­ges zu sehen. Also ich kenne mich nun nicht so aus, aber ich kann mir nicht vor­stel­len, das es NIX gibt…

  2. Selbst­ver­ständ­lich sind kul­tu­rell auf­ge­schlos­sene Blog­ger wie Du von der Ver­all­ge­mei­ne­rung aus­ge­schlos­sen :) Bei den meis­ten Köl­ner die ich so ken­nen­ge­lernt habe, hört die Stadt­kennt­nis beim Neu­markt auf, was bei vie­len Mön­chen­glad­ba­chern schon bei Borus­sia aufhört.

    Wie gesagt, ich habe mir fest vor­ge­nom­men den Was­ser­turm zu besich­ti­gen, den schließ­lich ist das eines der Wahr­zei­chen unse­rer Stadt! Jawohl, das mach ich :)

  3. »im Alter macht man sowas ein­fach« — oje, dann bin ich auch ein­deu­tig alt. :,)

    Und ich muss zu mei­ner Schande geste­hen, dass ich, obwohl ich wäh­rend des Stu­di­ums 4 Jahre in Köln gewohnt habe, nie im oder auf dem Dom war. Auch den Melaten-Friedhof, der nur zwei Bahn­sta­tio­nen von mei­ner Brauns­fel­der Woh­nung ent­fernt war, habe ich nie besucht. Ich hatte mir bei­des immer vor­ge­nom­men, aber wenn man da wohnt, meint man immer, man könnte es ja auch mor­gen noch tun…

    Immer­hin, in Düs­sel­dorf — da wollte ich trotz des Arbeits­plat­zes als Wahl-Kölnerin natür­lich erst nach ein paar eher tris­ten Jah­ren in Neuss hin­zie­hen — war ich da schon vor­bild­li­cher. Ich kenne die Stadt nach zwei Jah­ren woh­nen schon bes­ser als Köln nach vier oder Neuss nach über fünf. Ich habe sogar eine teil­weise recht dröge Füh­rung durchs Rat­haus mit Schwank aus der Stadt­ge­schichte über mich erge­hen lassen.

    Nur in der Oper war ich lei­der noch nicht. Auf dem Fern­seh­turm auch nicht. Dafür im Stadt­tor dane­ben (aus dienst­li­chen Grün­den) schon sehr oft — da gibt es bei kla­rem Him­mel tolle Son­nen­un­ter­gänge mit Blick über ganz Düs­sel­dorf.
    Als nächs­tes würde ich gerne mit der Weis­sen Flotte nach Köln tuckern, viel­leicht sogar bis Koblenz zu mei­nen Eltern.

  4. Danke für dei­nen aus­führ­li­chen Kom­men­tar. Irgend­wie kommt mir die Geschichte die Du erzählst bekannt vor, lebe ich jedoch schon »etwas« län­ger in Mön­chen­glad­bach und fange jetzt erst an kon­krete Pläne zu schmie­den. Immer­hin weiß ich jetzt, wen ich zu Fra­gen über Düs­sel­dorf anspre­chen kann :)

    Den Fern­seh­turm kann ich Dir im übri­gen sehr emp­feh­len, vor allem bei schö­nen Wet­ter. Die Aus­sicht ist noch etwas umfang­rei­cher als die vom Köl­ner Dom, auch wenn der Auf­stieg ein wenig unsport­lich ist und der obli­ga­to­ri­sche Kaf­fee im Turm­re­stau­rant teuer, ein­mal muss man das gemacht haben.

    Bei­spiels­weise frage ich mich gerade, wel­chem Beruf du nach­gehst bei dem man auf dem Stadt­tor schöne Son­nen­un­ter­gänge genie­ßen kann?

  5. *lach* Das klingt wohl spek­ta­ku­lä­rer, als es ist: Ich habe das CMS der Staats­kanz­lei NRW ein­ge­rich­tet und war zu einer Bespre­chung in einem Bespre­chungs­raum mit tol­ler Aus­sicht. Es war Win­ter, und lei­der hat die Bespre­chung unglaub­lich lange gedauert…

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