6 September

Gebrochene Gleise, tanzende Traurigkeit und lackierte Raben

Kategorie: Finstere Orte — Jahrgang: 20096 Kommentare

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Hier nun der versprochene Artikel mit den Wünschen von Jessica, Kamil, Atanua und Stoffel, die ich im letzten Artikel noch nicht bearbeitet habe, das hätte einfach den Rahmen gesprengt. Leider war ich auch dieses mal nicht so erfolgreich bei der Aufgabenbewältigung, was zum Teil an mir zum Teil aber auch nicht in meinen Händen gelegen hat. Ich habe trotzdem versucht eine Alternative zur Verfügung zu stellen um zu mindestens keine Enttäuschung aufkommen zu lassen. Dieses mal sind es also noch 4 weitere Wünsche, die mich wieder an Orte befördert haben, die ich wohl selbst nicht besucht hätte, denn wer erwartet so tolle Bahnhöfe oder verborgene Statuen von unaussprechlicher Schönheit? (an die übrigens gleich noch eine schöne Einkaufsgegend angeknüpft ist, die Seven Arms) Also ich nicht. Vielen Dank nochmal für eure tollen Aufgaben, ich hoffe bei meiner nächsten Reise kann ich wieder auf euch zählen.

Ein unvollständiger Gleis

Bild 1

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Als Harry Pot­ter Fan Jes­sica vom Blog Schat­ten­dings mir diese Auf­gabe stellte, war ich noch recht zuver­sicht­lich die Auf­gabe zu ihrer Zufrie­den­heit zu lösen, doch der Teu­fel liegt im Detail, wie sich in Lon­don her­aus­stellte. Ich sollte also ein Bild davon schie­ßen, wie ich den Gepäck­wa­gen zum Gleis 9 3/4 schiebe, eigent­lich kein Pro­blem denn schließ­lich dürfte diese Stelle ein Tou­ris­ten­ma­gnet sein. Zunächst ein­mal gibt es bei King’s Cross zwei Bahn­höfe, näm­lich den natio­na­len und den Inter­na­tio­na­len St. Pan­cras, der direkt nebenan liegt (Bild 1). Lei­der war ich schlecht infor­miert und schaute mich zunächst im fal­schen Bahn­hof um, was für einige Ver­wir­rung sorgte, erst spä­ter sah ich, das es sich eigent­lich um den loka­len Bahn­hof, also King´s Cross sel­ber drehte.

Bild 2

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Optisch war die Stelle schnell gefunden, jedoch wirkten die Bögen wesentlich schmaler, später Recherchen ergaben das die für den Film verbreitert wurden, so das es bei der Bogenbreite im Film um eine Fiktion handelt. Der Bahnhof selbst sieht aber genauso aus, wie er Film dargestellt wurde. (Bild 2)  Hier erfuhr ich auch von einem Passanten, das es in der Tat einen Gleis 9 3/4 mit einem halben Gepäckwagen im Nebengebäude geben würde, der aber momentan leider von Baumaßnahmen verdeckt (Auf einem Bild in diesem Blog sieht man den besagten Durchgang sehr gut) . Und in der Tat sind die meisten Bögen und das Verbindungsstück zwischen dem Bahnhof und dem Nebengebäude in der Restauration und von Gerüsten und Planen verdeckt und dementsprechend nicht zu besichtigen. Ich betrachte diese Aufgabe daher als nicht erfüllt an und werde das wohl bei meinem nächsten Besuch in London nachholen müssen, als Fan findest du aber sicherlich die Seite von Wolfgang Mletzko interessant, der sich mit den Filmlocations intensiv beschäftigt und außerdem zeigt, das die Schriftstellerin sich bei der Auswahl der Locations geirrt haben muss und King's Cross mit dem eigentlichen Bahnhof Euston verwechselt hat.

Beschnittene Vögel

Der Ravenmaster mit einem RabenÄhnlich pro­ble­ma­tisch erwies sich die Auf­gabe von Kamil vom Blog Süd­lich des Weiß­wurst­äqua­tors. Die Auf­gabe lau­tete, die Raben im Tower of Lon­don zu füt­tern. Man sagt, wenn einer der Raben den Tower of Lon­don ver­lässt, würde der weiße Turm zer­fal­len und die eng­li­sche Mon­ar­chie zu Grunde gehen. Aus die­sem Grund stutzt man den Vögeln die Flü­gel, damit die Idee zur Flucht im Keim erstickt wird. Das macht man schon seit hun­der­ten von Jah­ren so, kei­ner weiß so genau, wann das ganze eigent­lich ange­fan­gen hat. Lei­der ist das Füt­tern der Raben lei­der unter­sagt (siehe auch auf der Home­page des Tower of Lon­don), man kann ledig­lich der Füt­te­rung durch den Raven­mas­ter bei­woh­nen, denn die Vögel hal­ten strenge Diät und wer­den zudem auch noch gesund­heit­lich über­wacht, auch wenn die Diät die nicht ganz vege­ta­risch ausfällt:

‘The ravens eat 170g of raw meat a day, plus bird biscuits socked in blood.’

Lecker.  Lei­der war ich Nach­mit­tags anwe­send, nach­dem die Füt­te­rung bereits statt­ge­fun­den hatte, des­halb habe ich lei­der keine Bil­der davon und wollte nicht noch­mal am nächs­ten Tag wie­der­kom­men um das Schau­spiel zu betrach­ten. Sorry Kamil, deine Auf­gabe ist lei­der so nicht zu erfül­len, viel­leicht gibst du mir beim nächs­ten Besuch noch eine neue Chance.

Die traurige Tänzerin

Die traurige Tänzerin von Enzo PlazottaHätte ich raten sollen, ich wäre mir sicher gewesen das Atanua vom Blog Morgenröte sich etwas mit Ballett gewünscht hätte. Schön das ich mich nicht geirrt habe und die Aufgabe bekam, die traurige Tänzerin vor dem Royal Opera House aufzumuntern. Welche Tänzerin vor welchem Haus? Meine Bildungslücken in Hinsicht auf Tanz und Ballett sind erschreckend und so musste ich mich zunächst informieren worum es eigentlich geht, dabei habe ich mich aber zunächst auf den Ort beschränkt und wollte die genaue Lokalisierung meiner Finderinstinkt überlassen. Sehr praktischen das die Statue direkt neben Covent Garden liegt, da wollte wir sowieso hin. Nach einigem Suche fanden wir dann tatsächlich die traurige Tänzerin. Ich glaube sie ist traurig, weil sich sich verletzt hat denn offensichtlich hält sie sich an der Wade fest, vielleicht ist sie aber auch enttäuscht weil sie einen wichtigen Tanz versaut hat. Who knows?

aufmunterungWie mun­tert man eine trau­rige Bal­lett­tän­ze­rin auf? Atanua schlug vor, Blu­men mit­zu­brin­gen oder eine Ara­bes­que zu zei­gen. Blu­men erschie­nen mir zur plump, Bal­le­ri­nas sind kul­tu­rell und intel­lek­tu­ell anspruchs­volle Frauen und möch­ten bestimmt keine Blu­men. Nein, das ist auch wie­der Blöd­sinn, alle Frauen mögen Blu­men, ich war nur zu gei­zig Geld für Blu­men aus­zu­ge­ben für eine Frau, die sich nicht bedankt. Eine Ara­bes­que machen? Habe ich schon mal gehört: »Pose, der Tän­zer steht auf einem Bein, das andere Bein wird mit gestreck­tem Knie nach hin­ten geho­ben, benannt nach dem Orna­ment Ara­beske.« Das hätte zwar allen anwe­sen­den belus­tigt und die Tän­ze­rin wäre sicher vom Bar­ho­cker gefal­len, aber hätte bei mir für Trau­rig­keit gesorgt und die Eng­land­reise vor­zeigt beim Ortho­pä­den enden las­sen. Nein, es musste was char­man­te­res her, etwas, was jede Frau will, wor­über sich bestimmt alle Frauen die Welt freuen. Ein Kuss von mir!

Ob die Tän­ze­rin nun mit einem lächeln zurück­bleibt, wird die Zeit zei­gen müs­sen, schließ­lich ist die Bronze nicht so leicht zu ver­for­men und es bedarf sicher­lich eini­ger Deka­den bis sich die Mine erhei­tert. Doch wenn es dann ein­mal in den Geschichts­bü­chern heißt Die glück­li­che Tän­ze­rin vor dem Royal Opera House, IHR wisst warum.

Verspätete, lackierte Enten

chinatown london schaufensterIch war schon in London und schrieb an der quietschenden Tastatur ohne Umlaute als ich Stoffel's Kommentar vom Blog Mahltied gelesen habe. Sie hat offenbar Probleme mit ihrem Outlook und meinen Feed nicht gelesen, so räumte ich ihr einen Extraplatz ein und habe mich bemüht, auch ihren Wunsch noch zu erfüllen. Dazu sollte ich nach Chinatown einem Stadtteil in London, der seinem Name alle Ehre macht. im schaufenster zu sehenEigent­lich gibt es hier nur Chi­ne­si­sche Schrift­zei­chen und (als hätte die in China nicht schon genug davon) chi­ne­si­sche Tou­ris­ten mit Foto­ap­pa­ra­ten. Sehr kurios. Über­all in den Schau­fens­ter bau­meln diese lackierte Ente mit der ich mich also zusam­men ablich­ten sollte. Naja, eigent­lich zusam­men mit einem wei­te­ren Nicht-Asiaten, aber das habe ich irgend­wie überlesen.

Warum hän­gen die Leute die Vie­cher eigent­lich so ins Schau­fens­ter? Viel­leicht wie­der so ein ver­korks­ter Frucht­bar­keits­ri­tus? Wie auch immer, geges­sen haben wir nichts — bes­ser gesagt haben wir sowieso kei­nen Chi­ne­sen bei unse­rem Auf­ent­halt in Lon­don besucht, die schme­cken mei­ner Mei­nung nach sowieso alle gleich. An die­sem frü­hen Diens­tag­mit­tag, als die Bil­der ent­stan­den sind, ist zu dem auch noch Müll­tag in Chi­na­town und ihr möch­tet gar nicht wis­sen was die Leute so alles aus dunk­len Kel­lern räu­men. Lei­der hat­ten wir auch nicht son­der­lich Zeit das her­aus­zu­fin­den, denn am letz­ten Tag hat man alles und nichts vor und immer einen ner­vö­sen Blick auf die Uhr. Ich hoffe trotz­dem, das ich die Auf­gabe halb­wegs erfüllt habe.

(Bild­quelle: Art­moss­fear)

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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6 Kommentare

  1. *lach* Danke Dir Robert … für den Extra­platz und die köst­li­chen Geschich­ten von Dir. Ich hoffe Du wirst, wenn Du wie­der eine Reise tust, noch­mal eine Wunsch­liste erstel­len. Die Idee ist übri­gens sehr inspi­rie­rend :D

  2. Sehr schade, dass es mit dem Gleis 9 3/4 wegen der Bau­ar­bei­ten nicht geklappt hat. Aber für den enga­gier­ten Ver­such schlage ich Dich für Merlin-Orden 3.Klasse vor. :)

    Die Wunschzettel-Aktion war wirk­lich eine wit­zige Idee. ;)

  3. Herr­lich! Ich würde die Auf­ga­ben als nicht erfüült im enge­ren Sinne, aber im Geiste des Erfin­ders ansehen.

    Wenn es Gleise 9 3/4 auch woan­ders gibt, dann weiß ich end­lich, warum ich so ein Ding im Rail­way Museum in York ent­deckt habe und kei­ner küm­merte sich drum.

  4. @stoffel: Ja, ich werde mich auch bei mei­ner nächs­ten Reise (mit jetzt noch unbe­kann­tem Ziel) dem Wil­len der vir­tu­el­len Kom­men­ta­to­ren stellen.

    @Jessica: Vie­len Dank für den Orden der drit­ten Klasse, dem­nach bin ich ja mit Gil­de­roy Lock­hart gleichauf :)

    @JuliaL49: Sowas konnte es auch nur noch in den USA geben, dem Land der unbe­grenz­ten Kurio­si­tä­ten. :D

  5. Etwas ver­spä­tet, ich weiss^^ Die Auf­gabe ist def­in­tiv erfüllt, Note »her­vor­ra­gend«. Ich bilde ihr ein, dass sie schon etwas fröh­li­cher aus­sieht^^
    Schade, dass es mit Gleis 9 3/4 nicht geklappt hat, ist immer so, was man sehen will, wird gerade umge­baut und es stand nirgends…

    Die Fotos mit den lackier­ten Enten sind übri­gens zum Brül­len. War­test du dar­auf, dass dir eine in den Mund fliegt? *g*

    Liebe Grüsse

  6. Vie­len Dank. Bei mei­nem nächs­ten Ver­such werde ich ein vorher/nachher Bild schie­ßen und bewei­sen, das es ihr bes­ser geht.

    Im übri­gen wollte ich die Enten natür­lich nur sym­bo­lisch essen, denn ehr­lich gesagt würde es mir nicht in den Sinn kom­men im Schau­fens­ter aus­ge­stellte Vögel noch tat­säch­lich zu verspeisen :)

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