24 Oktober

Es muss nicht immer Halloween sein - Noch 7 Tage bis...

Kategorie: Schwarze Szene — Jahrgang: 2010Keine Kommentare

Aller­hei­li­gen. Kennt man ja, schließ­lich müs­sen viele Men­schen an die­sem Tag nicht arbei­ten und die Kir­chen erfreuen sich unge­ahn­ter Beliebt­heit. Doch was hat Aller­hei­li­gen mit Hal­lo­ween zu tun? Den ein­zi­gen Zusam­men­an­hang aus jüngs­ter Ver­gan­gen­heit scheint ein bay­ri­scher Allein­hang im Jahre 2008 zu sein, der sich auf ein neues Fei­er­tags­ge­setz bezog, das Gas­tro­no­men vor­schreibt, Hal­lo­ween Par­tys nur noch bis Mit­ter­nacht ver­an­stal­ten zu dür­fen, sofern es sich nicht um eine geschlos­sene Gesell­schaft han­delt1. Doch die Über­schnei­dun­gen mit dem heid­ni­schen Sam­hain oder dem mexi­ka­ni­schen Dia de Muer­tos las­sen sich nicht leug­nen. Gründe genug dem christ­li­chen Fei­er­tag auf den Zahn zu fühlen.

Die Chris­ten geden­ken an die­sem Tag »aller ihrer Hei­li­gen, auch sol­cher, die nicht hei­lig­ge­spro­chen wur­den, sowie der vie­len Hei­li­gen, um deren Hei­lig­keit nie­mand weiß als Gott»2 Doch das taten sie nicht immer am 1. Novem­ber. Papst Gre­gor IV. legte 835 den Tag, der ursprüng­lich im Mai statt­fand, für die west­li­che Kir­che auf den 1. Novem­ber. Die­ser Fei­er­tag gilt bis heute in vie­len Euro­päi­schen Län­dern, außer bei den Nie­der­län­dern, die haben den Fei­er­tag 1960 abge­schafft um die von der Arbeit befrei­ten umlie­gen­den Nach­barn zum Ein­kau­fen in Hol­land zu ani­mie­ren, behaup­ten jeden­falls spöt­ti­sche Zungen.

Polnische Friedhof zu AllerheiligenSchon den ers­ten Chris­ten ging es darum, einen Tag den Toten zu wid­men — ganz so, wie man es von den zu mis­sio­nie­ren­den Kel­ten her kannte. Es scheint beschwer­lich und fast unmög­lich kon­krete Bezüge her­zu­stel­len und Belege für etwas zu lie­fern, was allen­falls in Sagen und Legen­den nach­zu­le­sen ist, his­to­ri­sche Belege fin­det man nur in alten christ­li­chen Schrif­ten, die nicht gerade für ihre all umfas­sende Offen­heit bekannt sind.

Resü­mie­ren wir Lai­en­haft.

Die Kel­ten glaub­ten schon lange vor den Chris­ten, das in der Nacht vom 31. Okto­ber zum 1. Novem­ber die Som­mer­göt­tin mit dem Todes­gott tauscht, denn Som­mer bedeu­tete Leben, Win­ter häu­fig den Tod. Man dachte, das an die­sem Tag das Jen­seits beson­ders nahe sei und die See­len der Ver­stor­be­nen zum Grei­fen nah erschie­nen. So fei­erte man gemein­sam mit den Toten das Fest der Toten und brachte den Göt­tern ein Opfer, um sie für den kom­men­den Win­ter mög­lichst gnä­dig zu stim­men. Die Iri­schen Kel­ten haben den Brauch dann abge­wan­delt, sie zogen sich in die­ser Nacht mög­lichst schreck­lich an, damit sie die Toten und Geis­ter die in die­ser Nacht ihr unwe­sen trei­ben, von ihnen ablas­sen wür­den, weil man sie als ihres­glei­chen ansah. Die Mas­ken und Kos­tüme diente also der Abschreckung.

Jetzt kom­men die Chris­ten ins Spiel. Die sahen wie wich­tig den Kel­ten ihre Tra­di­tion war und ver­ein­nahmte daher den Fei­er­tag für ihre Zwe­cke um die Mis­sio­nie­rung ein­fa­cher zu gestal­ten. »So einen Fei­er­tag haben wir auch!« Aller­hei­li­gen und Aller­see­len sind die Ergeb­nisse die­ser geschick­ten Stra­te­gie der Kir­che; die Men­schen müs­sen sich nicht umstel­len und auch ein heid­ni­scher Brauch wurde erfolg­reich bekämpft.

Jeden­falls Lai­en­haft gespro­chen. »Das alles scheint auf den ers­ten Blick wenig mit christ­li­chem Jen­seits­glau­ben zu tun zu haben, um den es bei Aller­hei­li­gen geht. Aber wie auch beim bun­ten Trei­ben des rhei­ni­schen Kar­ne­val ver­mischt sich manch­mal Heid­ni­sches mit Christ­li­chem. Ein gemein­sa­mer Nen­ner könnte hier hei­ßen: Der Tod ist nicht das letzte Ende, wir dür­fen uns auch schon mal über ihn lus­tig machen.»3 Machen wir uns nichts vor, Glaube ist etwas sehr indi­vi­du­el­les und per­sön­li­ches gewor­den und auch die christ­li­che Kir­che bie­tet mit Aller­hei­li­gen und Aller­see­len aus­rei­chend Gele­gen­heit sei­nen Toten zu geden­ken, ganz so wie man sich selbst dabei fühlt. Es muss nicht immer Hal­lo­ween sein, auch die Stille — die man hier­zu­lande auch unter gesetz­li­chen Schutz stellt — hat ihren Reiz und erscheint als Zeit für Gedan­ken um die Ahnen auch nicht ungeeignet.

Und nein, weder Hal­lo­ween noch Aller­hei­li­gen haben für die Gothics eine beson­dere Bedeu­tung. In ihrem all­ge­mei­nen Inter­esse für alte Natur­re­li­gio­nen und heid­ni­sche Bräu­che beschäf­tigt man sich gerne damit. Es gibt jedoch Über­schnei­dun­gen mit der Mit­tel­al­ter– und Wic­ca­szene, der Mit­glie­der auch oft in der Gothic-Szene zu fin­den sind und die sich den alter­na­ti­ven Bedeu­tun­gen die­ser Tage widmen.

(Bild­quelle oben: Eige­nes Bild, rechts:  Przykute@Wikipedia)
  1. Ver­gleich dazu den Arti­kel in der Abend­zei­tung:  Hal­lo­ween in Mün­chen: Party-Verbot in der gan­zen Stadt, Rein­hard Keck, 28. Okto­ber 2009 []
  2. Aus dem Arti­kel: Aller­hei­li­gen auf Wiki­pe­dia vom 24.10.2010: http://de.wikipedia.org/wiki/Allerheiligen []
  3. Aus dem Arti­kel: Was Hal­lo­ween mit Aller­hei­li­gen ver­bin­det, von Mar­kus Schüp­pen, katholisch.de dem offi­zi­el­len Inter­net­por­tal der katho­li­schen Kir­che in Deutsch­land []

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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