25 September

Subkultur! - Das Emo als Subkultur?

Kategorie: Schwarze Szene, Subkultur! — Jahrgang 2008

800px-FugaziEmo´s sind keine Kuscheltieren die bei Berührung nach Nahrung verlangen, Emo ist die Abkürzung für Emotional Hardcore, einer Musikrichtung die ihre Entstehung in den USA der frühen 90ern feierte. Die als mehr emotionalere und gefühlvollerer Version des Hardcore Punks mit anspruchsvolleren Texten rund um Liebe und Verzweiflung gedachte Musikrichtung fand schnell viele Anhänger, gerade in der Generation der Jugendlichen.

Mit Titeln wie "Ceme­tery Drive” oder „Roses for the Dead” gibt sich die Musik mor­bide, hat aber mit Gothic nicht viel zu tun. So ziem­lich jeder Emo ver­wech­selt die eige­nen hor­mon­be­grün­de­ten Pro­blem­chen mit tie­fem Welt­schmerz und lebt die­sen hem­mungs­los aus. Im abge­dun­kel­ten Zim­mer sit­zend wer­den trau­rige Gedichte ver­fasst, die größ­ten­teils in Metrik und Seman­tik ebenso gru­se­lig sind wie in der dunk­len Wortwahl.

Es wird wohl 2000 gewe­sen sein, als sich Emo auch als Stil­aus­prä­gung der jugend­li­chen Mode eta­blierte, letzt­end­lich wird sie auch dar­auf von den meis­ten redu­ziert. Dabei wer­den viele Stil­ar­ten zu einem ganz neuen indi­vi­du­el­len Stil gemischt. Die Szene greift Ele­mente aus Bewe­gun­gen wie Punk, Gothic, Metal, Rocka­billy und Visual-Kei auf und kom­bi­niert das ganze auf neue Art. Röh­ren­jeans, Hoo­dys, Vans und Chucks gehen als ein­deu­tige Merk­male die­ses Genre durch. Die Haar­farbe ist meist schwarz, kom­bi­niert mit grü­nen, blauen oder lila far­be­nen Sträh­nen, der in dem Mar­ken­zei­chen der Emos endet, dem lan­gen Pony der übli­cher­weise ein Auge bedeckt.

Offen­sicht­lich ist die Emo-Szene auch äußerst unbe­liebt, sei es von Punks oder Gothics, die sich ihrer Stil­ele­mente und Ideale beraubt füh­len. Diese Abgren­zung inner­halb eine exis­tie­ren­den Szene macht sie wie­der­rum beliebt bei denen die anders sein möch­ten als die ande­ren und sich von den Abge­grenz­ten noch­mals abgren­zen möch­ten, eigent­lich wie immer in den Jugend­kul­tu­ren. Klingt jetzt komisch, ist aber so. Mitt­ler­weile gibt es unzäh­lige Sei­ten und Videos gegen Emo´s, man könnte von einer Antie­mo­welle sprechen.

Vor­würfe mache ich der Szene eigent­lich nur wegen ihrer selbst­zer­stö­re­ri­schen Ten­den­zen, wie das abma­gern vor allem bei Jun­gen, dem exzes­si­ven Kon­sum von Alko­hol um der Rea­li­tät zu ent­flie­hen und mit sich selbst klar zu kom­men und der Degra­die­rung des Borderline-Syndroms als Mode­er­schei­nung (Rit­zen), das kann man aller­dings nicht nur auf die Emos pau­scha­li­sie­ren. Sie haben von allem ein biss­chen und nichts rich­tig, sind unpo­li­tisch, haben sel­ten eine Mei­nung zu Gesell­schaft wid­men sich dem Welt­schmerz und leben Ihre Ängste und Selbst­zwei­fel aus. Wit­zi­ger­weise dis­tan­zie­ren sich inzwi­schen viele der „Emo-Bands” von die­sem Trend, der von einer Musik­rich­tung zu einem Style-Guide in der Bravo mutiert ist.

Mir sind sie hald unsym­pa­thisch. Sie sind für mich die Tritt­brett­fah­rer beste­hen­der Sub­kul­tu­ren die sich von allem ein biss­chen abschnei­den ohne selbst Stel­lung zu bezie­hen, ihr intro­ver­tier­tes und ego­is­ti­sches Ver­hal­ten ist beim Abbau von Vor­ur­tei­len nicht son­der­lich hilf­reich. Emo ist noch lange keine Sub­kul­tur, höchs­tens eine Mode­er­schei­nung die hof­fent­lich bald als Auf­hän­ger in den Medien ver­schwun­den ist.

(Bild­quelle: Tim Trentham/flickr.com | Text­quel­len: Arti­kel in der TAZ, Jugend­sze­nen, Agents of SORP, How to be a EMO)

17 Kommentare

  1. Schau dir dazu, den imho sehr gute Arti­kel aus dem maga­zin an:
    http://dasmagazin.ch/index.php/perfekte-opfer/

  2. Vie­len Dank für dei­nen Ver­weis. Ich habe mir den gan­zen Bericht auf­merk­sam durch­ge­le­sen und er deckt sich im gro­ben mit mei­nen Ansich­ten. Ich per­sön­lich halte EMO für eine neue Szene in einer beste­hen­den Jugend­kul­tur, die sich immer wie­der neu for­miert und wie ein Strom aus Lava pul­siert. Mich per­sön­lich regen die Sze­ne­ty­pi­schen Ver­hal­tens­wei­sen auf: Rit­zen weil es cool ist, sau­fen, weil es die ande­ren ja auch machen und die Zukunft ist eh für den Po. Die Punks zum Bei­spiel sind schon 1980 drauf gekom­men, das sich „No Future” nicht ren­tiert. Aber ich war als jugend­li­cher auf nicht viel besser ;)

  3. Wobei man den Vor­wurf des jugend­li­chen Welt­schmer­zes, der sich in graus­lig plat­ten Gedich­ten mani­fes­tiert, wohl pro­blem­los auch den jün­ge­ren Mit­glie­dern der Gothic­szene machen kann. *g*

  4. In der Tat Anne, das schließt so machen Rand­grup­pen­er­schei­nung mit ein. Wenn ich was gut gereim­tes sehen will, schaue ich mir alte Fol­gen vom pin­ken Pan­ther an. ;)

  5. Ob da man­che unbe­dingt bloß des­halb rit­zen, weil „cool” ist, bezweifle ich. Ich glaube eher, dass die Betref­fen­den ihrem Rit­zen den „Cool-Stempel” auf­drü­cken um sich wenigs­tens irgend­wie damit vor die Tür zu trauen. Nicht alle Jugend­li­che haben nur irgend­wel­che (ver­meint­li­chen) Kin­ker­litz­chen als Pro­bleme und im Prin­zip fängt´s klein an und wird irgend­wann viel­leicht echt scheiße, weil eben die Umwelt glotzt, mault und wie­der weg­schaut. Ok, Selbst­ver­ant­wor­tung ist out, aber allen Sei­ten würde viel­leicht ein Kom­pro­miss gut tun.

    Es wird zwar gerne dar­auf geschimpft, dass man als „Subkultur-Anhänger wel­cher Art auch immer” oft auf die Kla­mot­ten redu­ziert wird und das Gejam­mer ist dann groß â€¦ Aber da sag ich bloß: Mach´s sel­ber bes­ser. Die Kid­dies tun kei­nem was damit, wenn sie vor­han­dene Stile irgend­wie zu was eige­nem mixen. Schwarze Kla­mot­ten gab´s ja auch schon vor dem Auf­kom­men der Gruftie-Szene und die Punks haben ihre Lieb­lings­fri­sur auch nicht sel­ber erfun­den. Viel­leicht mal an die eige­nen Anfänge den­ken und sich erin­nern wie bekloppt die Umwelt da viel­leicht rea­giert hat. Heute seid ihr genauso.

    PS.: Soll sich nur ange­spro­chen füh­len, wer will.

  6. Stimmt, das ist auch eine Mög­lich­keit und sicher eine wahr­schein­li­chere. Denn ich wage zu bezwei­feln, das es den „coo­len” Rit­zern nach ein paar Schnit­ten immer noch Spaß macht. Ich finde es aber nach wie vor erstaun­lich, warum sich viele Men­schen mit ten­den­ti­ell selbst­ver­let­zen­dem Ver­hal­ten in der Gothic Szene sam­meln. Auf dem Mera Luna 2009 kam es mir jeden­falls so vor.

  7. Yop, auch ein Ver­hal­ten kann zur Sucht wer­den. So viele davon in der Gothic-Szene? Blut hat ja auch da oft seine (wie beim ein­zel­nen auch immer gear­tete) Bedeu­tung, so gese­hen passt´s viel­leicht zusam­men. Rit­zen und andere Arten der Selbst­ver­let­zung ver­schaf­fen ja evtl. vor­über­ge­hend Erleich­te­rung, z. B. dass man sich nicht mehr so „fremd” fühlt (Deper­so­na­li­sa­tion) oder auch um Dis­so­zia­tion (etwas här­te­ren Gra­des als bloß in ein Buch abzu­tau­chen) zu ver­mei­den. Und Gothics schaun ja oft auch recht „strange” aus. Über die „Denk­brü­cke” find ich´s durch­aus nachvollziehbar.

    Was viel­leicht man­che (Rit­zer sowie Nicht-Selbstverletzer) viel­leicht noch nicht ganz ger­allt haben: Das eine schließt das andere nicht zwangs­läu­fig mit ein, aber da wären wir schon wie­der beim Thema „Vor­ur­teile”, aber die ent­ste­hen auch bloß aus Unkennt­nis oder weil man sich viel­leicht auch mit sich sel­ber aus­ein­an­der­set­zen müsste, wenn man sich tat­säch­lich über „sowas, herrje …” infor­miert und da sind viele ein­fach zu feige, nach­dem sie viel­leicht die Faul­heit über­wun­den haben.

    *jetzt aber schluss mit refe­rie­ren, ächz* :D

  8. Klingt durch­aus plau­si­bel. Bis­her war ich immer von einer stark depres­si­ven Ader aus­ge­gan­gen, die man offen­bar in der Gothic Szene beson­ders gut aus­le­ben kann, obwohl ich das per­sön­lich nicht nach­voll­zie­hen würde, was aber sicher­lich an mei­ner Sicht­weise der Dinge liegt. Jeder hat doch andere Par­al­le­len mit der Gothic-Szene die in dort „hei­misch” machen. Es gibt unzäh­lige Lei­den­schaf­ten unter den Anhän­gern, was jemand ver­an­lasst sich Zuge­hö­rig zu zei­gen ist (gerade bei älte­ren Gruf­ties) sehr unterschiedlich.

    Doch wie in jedem Ver­hal­ten liegt auch hier ein Sucht­po­ten­tial, wie du schon erwähnt hast, des­halb würde ich viel­leicht nicht von Faul­heit son­dern eher von Gewohn­heit oder auch Sucht sprechen.

  9. Die Sucht sich nicht infor­mie­ren zu wol­len? Ööhm … vie­leicht gab´s da ein Miss­ver­ständ­nis. Ich weiß bloß noch nicht wel­ches. *oops*

    Ja, bunt ist sie auf alle Fälle, die schwarze Szene. ^^ Wahr­schein­lich kann da echt jeder irgend­wen fin­den, der nicht „echt” genug ist und zu den Pop­pern gehen soll. Oder was weiß ich wohin. Hehe …

  10. Habe mich viel­leicht, nein, sogar höchst wahr­schein­lich blöd aus­ge­drückt. Ich meine das die, die ihre Vor­ur­teile mit Infor­ma­tion bekämp­fen, sie aber den­noch nicht able­gen, weil sie sich dran gewöhnt haben.

  11. Aso. Wol­len halt irgend­was an sich sel­ber nicht wahr­ha­ben. Howe­ver, Gruf­ties sind da halt ein prak­ti­scher Tre­tei­mer, wie die schon rum­lau­fen … *bla­bla* — Aber wär´s wirk­lich ´ne Sucht, Gruf­ties zu beschimp­fen usw. obwohl´s man­che viel­leicht bes­ser wis­sen … dann wären ganz schon viele Leute wegen „Tourette-Syndrom” behand­lungs­be­dürf­tig. *isdochwahr*

  12. Ich spiel mal den Lei­chen­schän­der und grab die­sen Blog­ein­trag bzw. die Dis­kus­sion zu die­sen wie­der hervor. ;)

    Hierzu fällt mir näm­lich ein Spruch ein, den ein Bekann­ter vor eini­ger Zeit mal geris­sen hat und den ich immer wie­der gern rezi­tiere: „Gruf­tis sind auch nur die bes­se­ren Emos”.

    Was auf dem ers­ten Blick rabiat selbst­iro­nisch klin­gen mag, ver­birgt mei­ner Ansicht nach doch eine gewisse Tiefe. Wenn man den zeit­li­chen Kon­text und die grobe Pau­scha­li­sie­rung außer acht lässt, befin­det sich viel­leicht doch ein wenig mehr als nur ein Fünk­chen Wahr­heit hierdrin.

    Inwie­fern, darf jeder für sich beurteilen.

  13. @TheRisen: Es gibt keine Lei­chen, nur ver­scho­bene Dis­kus­sio­nen :) Im Prin­zip hat dein Bekann­ter ja auch Recht, denn Emos neh­men eine Facette der bekann­ten schwar­zen Lebens­ein­stel­lung, ver­zer­ren die aber bis zu Unkennt­lich­keit. Das einige dabei psy­cho­lo­gi­sche Stö­run­gen als Zuge­hö­rig­keits­merk­mal anneh­men macht diese Gruppe der Jugend­li­chen so bedenk­lich. Ein spä­ter Tri­but an unsere Gesell­schaft, denn auf Jugend­lich müs­sen immer extre­mer rebel­lie­ren um Auf­merk­sam­keit und Aner­ken­nung zu erfah­ren.
    Ich freue mich außer­dem über wei­tere Lei­chen­schän­dun­gen, schließ­lich ent­spricht das als Gruf­tie mei­nem Klischee ;)

  14. @Robert: Nö, tust Du nicht, denn Du hast Dich ja schon mal als Trad-Goth geou­tet. Und was soll an Emos extrem sein? Das Aus­se­hen? rofl. Und rich­tig, psychlol­gi­sche Stö­run­gen sind keine Kul­tur, son­dern krank. Und was das rebel­lie­ren angeht, Auf­merk­sam­keit, viel­leicht, Aner­ken­nung, dafür muß man schon mehr tun.

  15. Ich denke ihre Aner­ken­nung erhal­ten sie durch die, die genauso sind. Ich halte sich eben­falls nicht für eine Sub­kul­tur, son­dern für eine Rand­er­schei­nung die sich sicher­lich bald rela­ti­vie­ren dürfte. Mei­ner beschei­de­nen Mei­nung nach ist der Trend auch eher rückläufig.

  16. Ja, Aner­ken­nung inner­halb der Szene habe ich tat­säch­lich ver­drängt. Und glaube ich auch, weil irgend­wie ver­misse ich die Inhalte.

  17. Ich bin mir aber sicher, das dafür bald neuer Erschei­nun­gen auf­tau­chen. Wie zum Bei­spiel die neue Form einer Vampir-Kultur, oder auch Wer­wölfe — schließ­lich kommt Twi­light bald in die Kinos, glück­li­cher­weise zum letz­ten mal :)

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  1. stoffel sagt:

    Sub­kul­tur! — Das Emo als Sub­kul­tur? http://wong.to/39xo8

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  1. […] bin ich gegen die Dis­kri­mi­nie­rung von Rand­grup­pen, wirk­lich. Gut, das ein EMO zu kei­ner Rand­gruppe gehört, schließ­lich sind diese in der gefühl­ten Über­macht und besiedeln […]