29 Juni

Eine Fledermaushöhle - Das Batcave (1982-1985)

Kategorie: Schwarze Szene — Jahrgang 2009

batcave

Das Lon­don der 80er war ein Schmelz­tie­gel für musi­ka­li­sche Stile, Bands und Jugend­kul­tu­ren. Mit dem Punk hatte man der Jugend die Lust am Dilet­tan­tis­mus mit­ge­ge­ben, jeder konnte und wollte Musik machen. Im Stadt­teil Soho, genauer auf der Dean Street 69 eröff­nete im Juli 1982 das Batcave im Gebäude-Komplex des Gar­go­yle Clubs. Unzäh­lige kuriose Gestal­ten bela­gern den Sarg­för­mi­gen Ein­gang der in einen mit Spinn­we­ben geschmück­ten Raum führte, es ist die „Nacht der bren­nen­den Mär­ty­rer” und das Motto Blas­phe­mie, Lüs­tern­heit und Blut1. Grün­der es Clubs war die Band Spe­ci­men, und Mit­ge­stal­ter Nik Fiend, Sän­ger der Band Alien Sex Fiend.

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In einer Zeit wo noch nie­mand von Gothic sprach, ent­wi­ckelte sich das Batcave sehr schnell zum Treff­punkt aller Krea­ti­ven aus dem Post-Punk und Avantgarde-Umfeld. Neben unzäh­li­gen Live-Auftritten alle ange­sag­ten Post-Punk Bands  fan­den dort auch immer wie­der Auf­füh­run­gen von B-Movies und „Gothic Fiction”-Filmklassikern statt, sowie ein regel­mä­ßi­ger Dis­co­the­ken­be­trieb. Schnell ent­wi­ckelte sich das Batcave zum Zen­trum der Alter­na­ti­ven Szene indem unzäh­li­gen Split­ter­grup­pen des ursprüng­li­chen Punk eine neue Hei­mat fan­den. New Roman­tics, Hor­ror­punks, Waver, Post-Punks und Glam­ro­cker unter einem Dach, das war der bri­ti­schen Presse zu viel und man nannte alle anwe­sen­den ein­fach Gothic. Daher ist die Theo­rie, das Batcave sei die Geburts­stunde des Gothic schlicht­weg falsch2. Eine Sub­kul­tur der Batca­ver gab es noch nicht, son­dern ent­wi­ckelte sich erst Mitte der 90er aus dem Kult­sta­tus her­aus. Die Presse war dabei ein erwünsch­tes Ver­brei­tungs­me­dium, denn nach einem Film Bericht der BBC Sen­dung „River­side” im Okto­ber 1982 platze das Batcave aus allen Nähten.

Immer wie­der kommt es zu Umzü­gen in grö­ßere Räum­lich­kei­ten, die vor­erst in der Cel­lar Bar in der Nähe des U-Bahnhofs Cha­ring Cross im Lon­do­ner Stadt­teil West­mins­ter ende­ten. Bis 1983 hatte sich der Begriff Gothic eta­bliert wurde vom Publi­kum so auf­ge­nom­men. Die meis­ten der Bands jedoch lehnte die­ses Kate­go­ri­sie­rung ab, da die es für einen Stem­pel der eng­li­schen Presse hiel­ten. Dem­nach form­ten die Anhän­ger selbst eine neue und eigen­stän­dige Szenen.

Wir gin­gen hin, weil wir umsonst hin­ein­ka­men; außer­dem herrschte eine gute Atmo­sphäre, und die Leute waren sehr nett. Aber die Musik war gräss­lich! Diese ganze Roman­ti­sie­rung des Todes! Jeder, der ein­mal selbst mit dem Tod kon­fron­tiert wurde, weiß, dass daran über­haupt nichts Roman­ti­sches ist.” (Robert Smith, Sän­ger und Gitar­rist der Band The Cure3 )

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In die­sem Jahr erschien auch die Club Eigene Com­pi­la­tion „Batcave: Young Limbs and Numb Hymns”, auf der die meis­ten der durch das Batcave bekannt gewor­de­nen Bands einen Track bei­steu­er­ten und die heute Kult­sta­tus erreicht hat. Im Mai 1983 erreichte die Com­pi­la­tion Platz 3 der bri­ti­schen Independent-Charts. Mit der Erfolg der LP ging das Batcave im Juni 1983 auf England-Tournee, die Bands Spe­ci­men und Alien Sex Fiend pack­ten die gesamte Club Ein­rich­tung zusam­men und ver­an­stal­te­ten Par­tys in meh­re­ren Städ­ten des Lan­des. Damit erreichte die Bewe­gung ihren Höhe­punkt. Der Begriff Gothic hatte die Runde gemacht und wurde von ein neu­gie­ri­gen Presse auf­ge­grif­fen. Nahezu alle Bands der ers­ten Stunde fei­er­ten auch zu die­ser Zeit ihre Höhe­punkte, die deut­sche Band Xmal Deutsch­land, die in ihrer Hei­mat nahezu in völ­li­ger Unbe­kannt­heit ver­gra­ben war, gehör­ten in Lon­don zu den Top-Acts.

Es war eine sen­sa­tio­nelle Dar­bie­tung, wie selbst die aus­ge­buff­tes­ten Ver­an­stal­ter zuge­ben muss­ten, und sie lockte die fas­zi­nie­rends­ten Goths, die man je gese­hen hatte, aus ihren Grüf­ten. […] 1983 war Gothic eine wilde Ver­herr­li­chung von Fan­ta­sie und Magie, von Schön­heit und Ele­ganz, und nur wenige, die mit der Szene in die­ser Zeit in Kon­takt kamen, blie­ben von die­ser Erfah­rung unbe­rührt.” (Dave Thomp­son, bri­ti­scher Musik­jour­na­list4)

Die Popu­la­ri­tät ist dann auch das innere Gift des Batcave, der Kern stirbt ab. Zwi­schen 1984 und 1985 wird das Batcave zu einer Tou­ris­ten­at­trak­tion mit dem Ziel mög­lichst skur­rile Leute zu sehen. Die blei­ben natür­lich eben wegen die­ser uner­wünsch­ten Popu­la­ri­tät aus, das Publi­kum schrumpft so stark, das man sich Anfang 1985 wie­der in die Dean Street 69 zurück­zog. Das Batcave ging an sei­nen Geburts­ort um zu ster­ben. Mitte 1985 schl0ß das Batcave seine Pfor­ten, die Gründer-Band Spe­ci­men löste sich kurz dar­auf auf.

Mit der Schlie­ßung des Batcave pro­phe­zei­ten die Kri­ti­ker auch ein schnel­les Ende der Gothic Bewe­gung, denn die meis­ten Bands aus den Anfangs­zei­ten gab es nicht mehr. Wie so oft irr­ten die Kri­ti­ker, denn die Szene wan­delte sich und ent­wi­ckelte sich wei­ter. Mit dem Batcave ist jedoch ein Stück leben­dige Geschichte gegan­gen, deren Schlie­ßung mei­ner Mei­nung nach ein hal­bes Jahr zu spät gekom­men ist. Man soll auf­hö­ren wenn es am schöns­ten ist.
Als klei­nen Lecker­bis­sen gibt es die Top 10 des Batcave aus dem Jahr 1983–19845:

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Die Orgi­nal Batcave Docu­men­tary der BBC Sen­dung River­side anläss­lich eines Hal­lo­ween Spe­cials im Okto­ber 1982 gehört zum Stan­dard­con­tent und soll auch hier nicht unge­zeigt blei­ben. (Ers­tes Video) Sehr gehalt­voll ist auch eine Doku­men­ta­tion für das däni­sche Fern­se­hen, bei dem auch einige Gäste zu Wort kom­men, die sehr ein­drucks­voll dar­stel­len, wie man sich sei­ner­zeit für einen Abend im Batcave zurecht­machte. Offen­bar waren dabei der Fan­ta­sie keine Gren­zen gesetzt, eine Eigen­schaft, die man heute ver­mis­sen mag.

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(Ver­weise und Quel­len: sca­the­web, Wiki­pe­dia, Unruhr und Blitz­kids)
  1. Mic von Unruhr am 11.09.2006 in: Various Artists — Batcave — Young limbs and numb hyms (1982) 1.Abs. []
  2. Nik Fiend im Inter­view: „Die Medien klam­mer­ten das ein­fach aus, weil sie davon nichts wis­sen woll­ten. Für sie sollte Gothic nur eines sein: Gothic. Aber das Batcave explo­dierte in tau­sende, in Mil­lio­nen klei­ner Frag­mente.” Dave Thomp­son / Kirs­ten Bor­chardt: Schat­ten­wel­ten — Hel­den und Legen­den des Gothic Rock []
  3. Aus dem Arti­kel „The Gloom Gene­ra­tion” von Suzan Colon, Details Maga­zine, Juli 1997 []
  4. Aus: Dave Thomp­son / Kirs­ten Bor­chardt: Schat­ten­wel­ten — Hel­den und Legen­den des Gothic Rock (2004 []
  5. Aus dem Maga­zin The Face in der Story Night­life — Beyond the Batcave, Bil­der von ninehells.com []

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