7 Januar

ZDF Doku: Schwarz vor Augen

Kategorie: Dunkle Vergangenheit — Jahrgang: 201028 Kommentare

Ver­glei­che ich die Medi­en­be­richte über die Gothic-Szene der letz­ten 20 Jahre vor dem geis­ti­gen Auge, fällt mir auf, das die Skep­sis und Ableh­nung einer Art von Auf­merk­sam­keit und Akzep­tanz gewi­chen ist, die zwar immer gewünscht wurde, aber letzt­end­lich die Szene ihrer Grund­lage beraubt. Auf dem ZDF Info­ka­nal gab es 2009 eine Mini­reihe zu den Jugend­kul­tu­ren in Deutsch­land, in der man sich den größ­ten Jugend­kul­tu­ren wid­met und diese ver­sucht dar­zu­stel­len. In dem Bericht Schwarz vor Augen geht es um die Gothic-Szene. Grund genug, einen Blick dar­auf zu werfen.

Gleich das erste State­ment der Szene beschreibt eigent­lich das Vor­der­grün­dige Pro­blem: »Die Gothic-Szene ist nach wie vor eine der häu­figs­ten miss­ver­stan­de­nen Jugend­kul­tu­ren. Szene-Anhänger erfah­ren immer wie­der Dis­kri­mi­nie­run­gen und wer­den fälsch­lich mit Vor­ur­tei­len wie Todes­sehn­sucht oder Sata­nis­mus kon­fron­tiert.« Aber das gilt nicht nur für die breite Öffent­lich­keit, son­dern auch für die Medien. Denn hier wird das mitt­ler­weile akzep­tierte Ver­hal­ten der Lächer­lich­keit preis­ge­ge­ben in dem man die Sen­sa­ti­ons­geil­heit der Men­schen befrie­digt, jeden­falls bei den pri­va­ten Sen­dern. Ob es die öffentlich-rechtlichen mei­ner Mei­nung nach bes­ser machen und ihren Bil­dungs­auf­trag erfül­len, wird sich her­aus­stel­len. »Die Szene ent­stand Anfang der 1980er Jahre aus dem Post-Punk und New-Wave Umfeld. Zu den ers­ten Szene-Bands gehör­ten »The Cure« und »Sioux­sie and the Bans­hees«.« Wenn man so möchte, stimmt das natür­lich. Hier zitiert man eigent­lich nur die Presse, die sei­ner­zeit den Begriff Gothic erst schuf und Bands der Zeit die­ser Kate­go­rie ein­fach zuord­ne­ten. Die Wahr­heit ist das natür­lich nicht.

Nach der Ein­füh­rung in die Werte der Szene von heute braucht man natür­lich Prot­ago­nis­ten, die aus der grauen Theo­rie des Redak­ti­ons­all­tags eine bunte, in die­sem Fall schwarze, mehr prak­ti­sche Dar­stel­lung machen. Zunächst bedient man sich der Band Jesus on Extasy: »Eine der auf­stre­ben­den Industrial-Bands sind Jesus on Extasy.« Indus­trial? Nein, das geht nun wirk­lich nicht. Indus­trial hat mit der »Musik« der vor­ge­stell­ten Band über­haupt nichts zu tun. Fatal an der gan­zen Sache ist, das sich die Band wirk­lich so sieht, auf ihrem MyS­pace Pro­fil heißt es: »Indus­trial, ursprüng­lich die Musik des Maschi­nen­zeit­al­ters war ihrer Ansicht nach mit dem Ende der Schwer­in­dus­trie Maku­la­tur.« Musik des Maschi­nen­zeit­al­ters? Irgend­wie wird hier etwas durch­ein­an­der gewür­felt, denn nur weil die ursprüng­lich expe­ri­men­telle Musik sich Geräu­sche und Klänge von Maschi­nen und Metall zu eigen mach­ten, hat das mit dem Maschi­nen­zeit­al­ter noch nichts zu tun. Die Indus­tria­li­sie­rung, auf die hier viel­leicht ange­spielt wird, ist ein Phä­no­men, das die Mitte des 18. Jahr­hun­derts auf­kom­mende Mas­sen­pro­duk­tion in Fabri­ken und gro­ßen Pro­duk­ti­ons­stät­ten beschreibt. Im Pro­fil heißt es wei­ter: »Die Zeit war reif für eine Musik, die den gerade im Ruhr­ge­biet spür­ba­ren Ver­fall mit eupho­ri­sie­ren­den Ele­men­ten ver­knüp­fen sollte: für den von JESUS ON EXTASY dar­ge­reich­ten hedo­nis­ti­schen Mix aus Post-Industrial– und Glam-Rock.« Gut, die Band sieht sich also im »Post-Industrial« gut auf­ge­ho­ben. Für mich ist das eher ange­dun­kel­ter Rock mit Ele­men­ten aus Syn­th­pop und Techno, eine Ver­wand­schaft zum Glam-Rock kann ich nicht ganz von der Hand weisen.

Aber ich schweife ab. Wir ver­fol­gen die Kurz­doku wei­ter und sto­ßen auf: »Wie so viele andere Jugend­kul­tu­ren, so wurde auch die Gothic-Szene ver­kom­mer­zia­li­siert.« Der Satz ist kurz, kna­ckig und rich­tig. Der 25 jäh­rige Sol­dat Alex­an­der Dif­fen­hard tauscht das Sol­da­ten­sein am Wochen­ende gegen ein aktu­el­les Gothic-Outfit und die lie­be­voll von Freun­din Jenny ein­ge­rich­tete Woh­nung quillt nur so über vor »Sze­ne­ty­pi­schen Merk­ma­len«, selbst ein Toas­ter, der Toten­köpfe auf die Brot­schei­ben brennt, ist vor­han­den. Aber gut, jedem das seine. Das Ende der Doku wirft Fra­gen auf :»Auch wenn viele Gothics den Nor­mal­bür­ger mit ihrem Out­fit pro­vo­zie­ren, so put­zen sie sich vor­der­grün­dig für sich selbst her­aus […] Sie lie­ben es ein­fach nur abzu­tan­zen — trotz aller Schwarz­ma­le­rei.«  Das war mal anders und sollte viel­leicht auch anders sein. Das Ele­ment der Pro­vo­ka­tion ist eigent­lich eine Grund­in­ten­tion der Szene, die sich heute dar­auf redu­ziert Szen­ein­terne Schön­heits­wett­be­werbe zu gewin­nen. Ästhe­tik wird mit Posen ver­wech­selt, Gothic ist als Spaß­kul­tur etabliert.

Fazit: Die Berichte sind all­ge­mein­gül­ti­ger und ober­fläch­li­cher gewor­den und klei­den sich nicht wei­ter mit Klischee’s und Über­trei­bun­gen. Es wirkt manch­mal so, als würde es einen Gothic-Leitfaden für Jour­na­lis­ten und Redak­teure geben, den man ver­wen­det und sich so in Glo­ba­li­sie­run­gen ver­strickt ohne auch nur den ernst­haf­ten Ver­such zu wagen, eine Szene zu erklä­ren. Viel­leicht fin­det sich ja eines Tages jemand, der enga­giert und neu­gie­rig eine Szene durch­leuch­tet ohne dabei alles nur noch »auf das wesent­li­che« zu reduzieren.

Die hier vor­ge­stell­ten Videos sind lei­der nicht mehr ver­füg­bar, wer noch eine Siche­rungs­ko­pie davon hat, möge sich melden!

(Quel­len: Schwarz vor Augen, Jugend­KUL­Tur beim ZDF Info­ka­nal, Bild­quelle: ZDF Info­ka­nal — Jugend­kul­tur, Jesus on Extasy Home­page)
http://infokanal.zdf.de/ZDFde/inhalt/24/0,1872,7302616,00.html?dr=1

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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28 Kommentare

  1. Wie Du schon sag­tes: »Jedem das Seine« … wenn die Leute auf Toas­ter mit Toten­kopf, etc. ste­hen dann sol­len sie. Wenn die Leute mei­nen Jesus on Extasy wäre Indus­trial ist ihnen nicht zu helfen.

    Wer macht sich denn heute noch die Mühe zu »den­ken«, zu »hin­ter­fra­gen«, etwas »kri­tisch« zu betrach­ten? Nicht die »Masse« (egal aus wel­cher Szene). Das Motto lau­tet »Spass«, der Ernst des Lebens kommt noch früh genug. Ergo bie­ten die Medien das was die Masse sehen will … Repor­ta­gen ohne Tief­gang und das Erfül­len von Kli­schees … die Masse will nicht den­ken, sie will unter­hal­ten werden.

  2. Die Doku ist ja aus­nahms­weise recht ver­tret­bar.
    Den­noch finde ich, dass es Jesus On XTC immer­noch pein­lich dar­stel­len…
    Sie machen sich unglaub­wür­dig, finde ich…
    Anfangs sagt der Sän­ger in der Szene könne jeder so sein wie er wölle…das ist wahr­schein­lich jedem klar, dass das Quatsch ist…man denke nur an die Cyber-Diskussion…
    Außer­dem, dass nur sie nicht von uner­füll­ter Liebe sin­gen und ihre Texte nicht ober­fläch­lich sind…
    Ich zitiere:
    »Her love is radio­ac­tive
    Don’t get too near to her
    ’Cause you don’t know that she’s the nuclear bitch …«

    »The love that she recei­ved — cor­rupt and false (and false)
    She never knew that she was just a doll.…«

    »But some wounds never heal at all.
    I have to face my own bad past,
    It’s so damn ugly and it seems to last.
    Don’t want to to sing those love­songs,
    Not a sin­gle word is true…«

    Naja, aber las­sen wir das…
    Ich fand auf jeden Fall das Pär­chen, das für mei­nen Geschmack zu kurz kam, um eini­ges glaub­wür­di­ger und ver­tret­ba­rer, da sie eben die »Rolle« des Alltag-Grufties gezeigt haben und nicht das Leben eines Promi-Grufties.
    Auch wenn ihre Bude für mei­nen Geschmack eine Num­mer zu viel war, kann ich mir vor­stel­len, dass diese fast jedem gefal­len würde.

    Die Doku an und für sich war mir nach wie vor zu verallgemeinernd…absurd fand ich, dass fast alle Gruf­ties Bur­ton Filme mögen…vllt. NBC, aber gewiss nicht die ganze Palette von ihm…
    Zum Schluss hin haben sie sich auch wie­der wider­spro­chen. Wo sie anfangs noch gesagt haben, dass die Liebe zu Fried­hö­fen und ähnli­chem uns meis­tens nur ange­dich­tet wird, lie­ben wir sie doch zum Schluss hin wie­der und füh­len uns magisch von ihnen angezogen…

    Falls dich Gruf­ties im TV inter­es­sie­ren kom­men heute Abend wie­der wel­che um 21.10 auf RTL2 bei Frauentausch :)

  3. @Stoffel: Ich kann dir lei­der (!) nur Recht geben…

  4. Gothic wurde nicht kom­mer­zia­li­siert. Nur des­sen Abklatsch. Wo fin­det sich denn eine ein­zige Gothic-Band in den Charts? Schla­ger, Deutsch­rock, Heavy Rock, Dance Music — das ist das ein­zige, das boomt.

    Und wer von den tra­di­tio­nel­len Gruf­ties trägt so einen vor­ge­fer­tig­ten Mist von X-tra-X? Alles eine Begleit­er­schei­nung eines als »Gothic« fehl­be­zeich­ne­ten Derivats.

    Gothic sitzt tief im Unter­grund, mit klei­ne­ren Batcave-Parties in eini­gen Städt­chen ver­teilt. Alles andere zählt für mich nicht dazu. M’era Luna und Co. kön­nen mir samt Publi­kum den Buckel runterrutschen. ;-)

  5. @Laura: Vie­len Dank für dei­nen Kom­men­tar. In der Tat habe ich die Frau­en­tausch Sen­dung auf­ge­nom­men um sie mir in einer stil­len Minute mal anzu­gu­cken. Aber in Bezug auf JOE kann ich Dir nur noch­mal bei­pflich­ten. Sie schmü­cken sich mit »Sze­ne­ty­pi­schen« Mei­nun­gen und ver­ein­nah­men diese für sich, ohne sie jedoch wirk­lich mit Inhalt zu fül­len. Burton-Filme spie­geln nur die Ober­flä­che, ich sel­ber habe auch schon einige gese­hen, alle jedoch mag ich nicht. High­light: Sweeney Todd.

    @Stoffel: Genau so ist und genau des­halb schreibe ich auch dar­über, damit sich viel­leicht einige Leute dar­über Gedan­ken machen und auch die Prot­ago­nis­ten ihre Medien-Präsenz hin­ter­fra­gen. Bei den Aus­schnit­ten von Lau­ras erwähn­ter RTL2 Frau­en­tausch Geschichte zum Bei­spiel. Da rol­len sich mir die Nägel auf. Fern­se­hen von Assis für Assis über Assis.

    @Death Disco: Ist der Begriff »Gothic« nicht schon kom­mer­zia­li­siert? Mei­ner Mei­nung nach wurde der Begriff doch erst durch die Medien geschaf­fen. Daher ist es es Defi­ni­ti­ons­sa­che ob Gothic Kom­merz ist oder nicht. Und das, wo heute Gothic drauf­steht, ist kommerzialisiert.

    Du sagst ja schon sel­ber »Wo fin­det sich denn eine ein­zige Gothic-Band in den Charts«, glau­ben wir den Möchtegern-Szenezeitschriften, die auf alles und jeden die­sen Auf­kle­ber pap­pen, schaf­fen es immer wie­der Bands in die Charts, die zwar kein Gothic spie­len, da stimme ich Dir zu, aber so bezeich­net werden.

    Der Unter­grund bie­tet natür­lich ein völ­lig ande­res musi­ka­li­sches Spek­trum, das steht außer Frage und der ist viel­leicht in unse­ren Augen näher am Gothic dran als der rest­li­che Kram. »Echte« Untergrund-Parties fin­den genau dort statt und ent­zie­hen sich der Öffent­lich­keit völ­lig und das ist auch gut so. Mir machen aber auch andere Ver­an­stal­tun­gen Freude, bei denen ich zu eini­gen alten Klas­si­kern tan­zen kann oder auch Freunde und Bekannte treffe. Das die Fes­ti­vals dir samt Publi­kum den Buckel run­ter­rut­schen kön­nen ist ein Ange­bot das ich gerne war­neh­men würde :)

  6. @Robert… Ich finde es sehr gut das Du dar­über schreibt und wie, ebenso kann ich nur hof­fen das ein ver­ant­wort­li­cher der Medien sich mal die Zeit nimmt um hier zu lesen und nach­den­ken tut, ebenso wie jeder andere Leser hier (wovon ich aber ausgehe ;) ).

    Bzgl. Kom­merz & Co. … Künst­ler kön­nen auch nicht von »Luft und Liebe« leben. Wenn es den Leu­ten gefällt dann ist es doch etwas schö­nes und wenn es dann auch noch den Leu­ten gefällt die nicht zur Szene gehö­ren finde ich das eher Posi­tiv als Nega­tiv, denn auch dadurch kann Akzep­tanz anstelle von Dis­kri­mi­nie­rung ent­ste­hen, wie gesagt kann.
    Und solange es kein (Massen-)Ramsch ist … aber das liegt wie­der­rum im Auge des Betrach­ters … was ist Ramsch und was nicht? ;)

  7. Die Bezei­chung Gothic wurde durch die Bands geschaf­fen, nicht durch die Medien. Sie wurde erst danach von den Medien aufgegriffen.

    Dass die Bezeich­nung für irgend­ei­nen Schwach­sinn miss­braucht wird, steht außer Frage. Die ursprüng­li­che Bewe­gung dahin­ter wurde jeden­falls nicht kom­mer­zia­li­siert. Und was sich heute so nennt, geht mir voll­kom­men am Hin­tern vor­bei. Diese Leute besit­zen keine Sze­ne­grund­lage. Sie sind nicht mehr als das, was Emos bil­den. Ein Mode­trend. Wir wer­den ja sehen, was davon in fünf bis zehn Jah­ren noch übrig ist. Spä­tes­tens dann wur­den sie aus dem Weg geräumt, so wie einst die Waver in den 90ern.

    @Stoffel:

    Hier geht es nicht darum, ob Künst­ler von ihrer Musik leben kön­nen. Kom­mer­zia­li­sie­rung bedeu­tet, dass mate­ri­elle Dinge in den Vor­der­grund rücken, ide­elle Dinge in den Hin­ter­grund. Von Gothic kann man nicht leben. Diese Musik war nie groß­ar­tig in den Charts ver­tre­ten und wurde nur von drei oder vier Grup­pen ange­führt, die auf eta­blier­ten Labels unter­ka­men. Alles andere spielte sich im Unter­grund ab. Um davon leben zu kön­nen, musst du folg­lich die Musik ver­än­dern, oder bes­ser: anpas­sen. Aus Goth mach Scheiße und du ver­dienst damit, so wie Blu­ten­gel. Das ist so ein typi­sches Scheiß­pro­dukt. Es ist also genau das, was du ansprichst: Ramsch für die Masse, an der man sich berei­chern kann. Retor­ten­bands wer­den gezüch­tet, um für reich­lich Club­fut­ter zu sor­gen. Dann kommt sowas zum Vor­schein wie Straftanz oder Nacht­mahr. Und die sind nun wirk­lich alles andere als Goth.

  8. @Stoffel: Ich sehe das ähnlich wie Death Disco.
    Da ich mich mit die­ser Band gerne und viel beschäf­tige nehme ich jetzt mal ASP als Bei­spiel. Von denen würde ich doch mal behaup­ten, dass sie defi­ni­tiv noch dem Gothic Genre ange­hö­ren.
    Und doch kön­nen sie von ihrer Musik leben. Das machen sie aber nicht indem sie Inter­views für die Bravo geben, son­dern weil sie sich reinknien.

    Ich habe vor kur­zem ein Inter­view mit ASP gese­hen, wo er dar­auf ange­spro­chen wurde, dass er vor kur­zem bei einem Open­Air nach Jen­ni­fer Ros­tock und See­lig gespielt hat, das Publi­kum jedoch bei allen drei Bands begeis­tert war.
    Und er rea­giert dar­auf ledig­lich damit, dass das doch schön ist und holt sich kei­nen drauf runter.

    Und so finde ich das auch okay…ich mein keine Band kann sich seine Fans aus­su­chen und soll sie auch nicht, nur muss sie damit ver­nünf­tig umge­hen, und sich nicht darin verlieren.

  9. @stoffel: Natür­lich haben Musi­ker das gute Recht Geld zu ver­die­nen. Die Grenze ist aber mei­ner Mei­nung nach dann über­schrit­ten, wenn man die eigene Musik für den kom­mer­zi­el­len Erfolg anpasst. Vie­len reicht es ein­fach nicht davon zu leben, ich bin Pop­star, ich will reich und berühmt sein. Musik muss ja nicht grund­sätz­lich schlecht sein, nur weil sie erfolg­reich ist. Es geht auch pri­mär um den Teil der Anhän­ger­schaft, die alles über­neh­men ohne zu hin­ter­fra­gen und dann vor­ge­ben etwas zu sein, was sie gar nicht sind.

    @Death Disco: Du meinst »Gothic« ist eine Schöp­fung der Bands? Hast du dafür Bei­spiele? Gerade die Bands, die als beson­ders »Gothic« gel­ten und für den Ursprung der Bewe­gung ver­ant­wort­lich sein sol­len sol­len dis­tan­zie­ren sich von die­ser Kate­go­ri­sie­rung. Sioux­sie & The Bans­hees, Bau­haus oder auch The Cure haben es auch in Inter­views immer abge­lehnt »Gothic« zu sein.

    @Laura: Ein schö­ner Kom­pro­miss. Ich denke das schwerste ist immer noch die Tritt­brett­fah­rer von denen die sich rein­knien zu unter­schei­den. Letzt­end­lich bleibt Gothic doch nur ein Begriff, den jeder für sich defi­nie­ren muss.

  10. Bei Joy Divi­sion war es der Pro­du­zent oder Mana­ger (Mana­ger heißt hier: Kum­pel von nebenan, der sowas wie »Management-Tätigkeiten« über­nimmt). Bei Sioux­sie & The Bans­hees war es Sioux­sie Sioux höchst­per­sön­lich, die eines ihrer Alben so bezeich­nete. The Cure kün­dig­ten öfters bei Auf­trit­ten sogar man­che ihrer Songs als Gothic an (»Lament« zum Bei­spiel). Ich glaube, die wenigs­ten hat­ten ein Pro­blem mit die­ser Eti­ket­tie­rung. Das waren dann wirk­lich Leute wie And­rew Eldritch, die sich gegen diese Kate­go­ri­sie­rung wehr­ten. Aber nicht, weil ihre Musik da nicht rein­pas­sen würde, son­dern weil Musi­ker immer etwas Exklu­si­ves reprä­sen­tie­ren wol­len. Die sind auf Ein­zig­ar­tig­keit fixiert, was nicht funk­tio­nie­ren kann, wenn meh­rere Bands zur glei­chen Zeit den­sel­ben Stil ver­tre­ten. Und da gab es genug, von Bau­haus über The Cure bis hin zu den Coc­teau Twins. Ich halte Gothic für ein zeit­li­ches Phä­no­men. Den Leu­ten war Ende der 70er ein­fach nach düs­te­rer Musik.

    Ich ver­trete übri­gens abso­lut nicht die Mei­nung, dass Gothic jeder für sich defi­nie­ren muss und soll. Es gibt bestimmte Grund­merk­male, an denen man sich zu ori­en­tie­ren hat. Das ist im Hip Hop so, das ist im Punk so und das ist im Metal nicht anders. Ansons­ten braucht es näm­lich keine Szene, wenn jeder tun und las­sen kann, was er will. Dann kön­nen wir gleich die Musik weg­schmei­ßen, die Kla­mot­ten in die Klei­der­spende ste­cken und den Life­style an den Nagel hängen.

  11. Für mich sind das Merk­male mit denen die frü­hen Bands der »Gothic-Bewegung« in Ver­bin­dung gebracht wur­den, nach­dem man die Eck­punkte wie bei­spiels­weise Gothic-Novels oder auch B-Horror-Movies durch die Künst­ler the­ma­tisch auf­ge­grif­fen wur­den, nannte man es spä­ter Gothic. The Cure bei­spiels­weise waren zu Beginn ihrer Kar­riere eine klas­si­sche Indie-Band, erst mit auf­kom­men des Gothic als Bewe­gung fügte man sich sei­nes Schick­sals und fügte sich dem Trend der Fangemeinde.

    A.Wilson, der Mana­ger von JD ant­wor­tete auf die Frage eines Jour­na­lis­ten nach der Rich­tung mit »Gothic Music«, das spä­ter für ein Syn­onym her­hal­ten musste um Bands, die die Joy Divi­sion klan­gen zu kategorisieren.

    Ich denke, wir ver­wech­seln hier auch etwas. Viele Bands der ers­ten Stunde waren Gothic, aber keine Goth’s. Wenn ich meine, das jeder Gothic für sich selbst defi­nie­ren muss, sollte man tren­nen zwi­schen dem musi­ka­li­schen und dem ästhe­ti­schen, das sich im Laufe der Zeit ent­wi­ckelte. Banshees’s Bas­sist Steve Seve­rin sagte mal: »Der Tag, an dem man ein Eti­kett dar­aus machte und aus den schwar­zen Kla­mot­ten eine Art Uni­form wurde…, das war für mich ein Trauertag.«

    Wäh­rend du haupt­säch­lich den Begriff über die Musik defi­nierst (was natür­lich nicht falsch ist), defi­niere ich das über die dar­aus ent­stan­dene Jugend­be­we­gung der frü­hen 80er. Die Bands haben den Sound geprägt, die Fans die Bewe­gung. Peter Mur­phy zu The Cure: »…sie waren eine Indie-Band, die kon­se­quent ihren Indie-Weg ver­folgt hat. Aber sie haben einen wich­ti­gen Teil des Sounds, der spä­ter als Gothic bezeich­net wurde, maß­geb­lich mutgeprägt.

    Beziehst du die Grund­merk­male auf die Musik, oder auf Aus­se­hen, Ver­hal­ten oder Stil? Sicher­lich gibt es einen Rah­men in dem man sich bewegt, in dem man sich musi­ka­lisch und äußer­lich das her­aus­pickt, was man inner­halb die­ses Rah­mens als Gothic betrach­tet, dazu zäh­len auch ver­schie­dene Musik­stile, die sich im Laufe der Zeit ent­wi­ckelt haben. Daher ist es wich­tig für mich zu wis­sen, wel­che Grund­merk­mal du meinst. Schwarze Kla­mot­ten? Tief­grün­dige Musik? Friedhöfe?

  12. Eine Jugend­be­we­gung kann nicht von Nichts exis­tie­ren. Was soll denn hier­bei die Grund­lage sein?

    Zudem kannst du die Grund­merk­male nicht ein­fach so von­ein­an­der tren­nen. Über die Musik kam man zum Out­fit, auf bei­den baute der Life­style auf, spä­ter kam das Inter­esse an Hor­ror­ge­schich­ten etc. hinzu, eben das, was mit der Gothic-Musik in Zusam­men­hang stand. Es geht somit alles auf die Musik zurück und ohne die wird von Gothic nichts blei­ben, außer einer Schein­kul­tur. Wel­che der Jugend­kul­tu­ren funk­tio­niert ohne ihre Aus­gangs­merk­male? Metal kann nicht ohne Metal exis­tie­ren und Punk nicht ohne Punk. Da ist das Out­fit und die Ein­stel­lung letzt­lich egal. Fällt die Punk-Musik weg, stirbt die Punk-Kultur. Fällt der Metal weg, stirbt die Metal-Kultur.

    Viele Gothic-Bands hat­ten übri­gens keine Gothic-Themen. Die waren auf­grund ihres Sounds Gothic. Gothic funk­tio­niert somit vor­ran­gig als Musik­stil, die Inhalte kön­nen von­ein­an­der abwei­chen. The Cure waren eine typi­sche Post-Punk-Band. Denen waren die Fans rela­tiv egal. Der Stil von The Cure änderte sich erst, als sie mit Sioux­sie & The Bans­hees abhin­gen. Robert Smith hatte zusam­men mit Steve Seve­rin sogar ein Gemein­schafts­pro­jekt namens The Glove. Ein nicht uwe­sen­ti­cher Ein­fluss dürfte zudem Joy Divi­sion gewe­sen sein. Nicht umsonst sagte man The Cure eine Zeit­lang nach, sie wür­den in die Fuß­stap­fen von Joy Divi­sion tre­ten. Man war­tete sogar regel­recht dar­auf, dass Robert Smith Ian Cur­tis in den Tod fol­gen würde, was bei Alben wie Faith und Por­no­gra­phy kaum verwundert.

    Wenn The Cure und Joy Divi­sion keine typi­schen Gothic-Bands waren — Bau­haus und Sioux­sie & The Bans­hees waren es ganz bestimmt. Wäh­rend andere frühe Bands noch in schwarz-grauen Regen­män­teln her­um­rann­ten, sorg­ten Sioux­sie und Bau­haus bereits für das pas­sende Out­fit. So ein­fach lässt sich die Kul­tur nicht von der Musik­szene trennen.

  13. Ich will ja auch die Grund­merk­male nicht tren­nen, es ging mir um das bes­sere Ver­ständ­nis dei­nes Stand­puk­tes. Und jetzt wird mir eini­ges kla­rer, denn obwohl es für mich zunächst nicht so schien, haben wir das glei­che Ver­ständ­nis von Gothic, Jugend­kul­tur und Grund­la­gen. Ledig­lich die Fein­hei­ten sind diskussionswürdig :)

    Ich finde aber das alles inner­halb die­ses Rah­mens gut funk­tio­nie­ren kann und hier eine eigene Defi­ni­tion nötig ist, was man heute noch für Gothic-Musik hält. Gothic ist ein mei­ner Ansicht nach ein Musik­stil der frü­hen 80er, aus dem heute ein Ober­be­griff für pas­sende und unpas­sende wei­tere Genre gewor­den ist. Sind bei­spiels­weise die elek­tro­ni­schen Able­ger und Wei­ter­ent­wick­lun­gen immer noch Gothic? Viel­leicht über­dehne ich die Begriff­lich­keit, da magst du recht haben.

    Als The Cure Vor­pro­gramm von Siuox­sie & The Bans­hees waren und Robert Smith in bei­den Bands spielte, sind sicher­lich Ein­flüsse aus­ge­tauscht wor­den. Das gilt mei­ner Ansicht nach für beide Bands. Der Stil von The Cure änderte sich im Laufe der Jahre immer wie­der, was du mit den Alben Faith und Por­no­gra­phy auch anführst. Das Album Dis­in­te­gra­tion würde ich gerne noch dazu neh­men, da es die Brü­cke zum Pop baut.

    Das Joy Divi­sion Ding finde ich übri­gens über­reizt, der Erfolg gab ihnen recht und brachte viele Nach­ah­mer auf den Plan und die meis­ten kön­nen die­sen Ein­fluss nicht leug­nen. Das Smith aber in die Fuß­stap­fen des Ian Cur­tis tre­ten wollte halte ich für ein Gerücht das im dama­li­gen Tau­mel des Selbst­mor­des gespon­nen wurde. Joy Divi­sion war wohl er der ent­schei­dene Ein­fluss, der aus Sioux­sie & The Bans­hees und Bau­haus end­gül­tig eine Gothic-Band mach­ten, abge­se­hen davon das beide schon vor Joy Divi­sion aktiv waren, war es Joy Divi­sion die den Blick der Öffent­lich­keit dar­auf fokussierten.

  14. ^^ Schön das so hef­tig dis­ku­tiert wird.

    ich für mei­nen teil habe schon keine lust mehr wenn ich mir das per­vers abge­le­sene zeug vom off-sprecher geben muss. also für mich klingt das schon­mal schrecklich.

    die jungs von JoE ver­su­chen da denke ich ein­fach nur medi­en­wirk­sam zu sein.

    so wie ich die band (per­sön­lich) kenne, haben die ein­fach nur spaß an musik, egal wel­che rich­tung da nun anhaf­tet und auch mit ihrem teenie-idol-erfolg hats nur soviel auf sich das sie letz­te­nen­des von irgendwo da hin-artikelt wor­den sind.

    sagen wir mal so… ich find den bericht im gro­ben nicht ver­kehrt, man sollte sich vllt ne andere band als »bei­spiel­haft« aus­su­chen… aber so wech­seln sich eben gene­ra­tio­nen ab. das ist in jeder sub­kul­tur irgend­wie so, denke ich. da kannste nu hin und her dis­ku­tie­ren wie de lus­tig bist. dazu­ge­hö­ren tuts irgend­wie denn doch alles.

    zu alex und jenny halte ich mich jetzt lie­ber mal n biss­chen bedeckt xD sonst werd ich ausfallend^^

    oooh ich muss ein biss­chen. »jenny hat ihren eige­nen stil… viel neon« und dann n shoo­ting in alten gemäu­ern.
    das jeder bau­ern­tram­pel im kor­sett sich fürn model hal­ten muss… wargh.

    im grunde isses für mich ins­ge­samt gese­hen ne sorte (sub)kultur und weni­ger ne szene. da gibts nun­mal unend­lich ein­flüsse und rich­tun­gen, ob man die als ein­zel­ner nun gut fin­det oder nicht.

    ich denke nie­mand sollte sich hier aus dem fens­ter leh­nen und sagen »so und so gehört sich das«… wäre ja auch irgend­wie uncool ;)

  15. Mir ist es herz­lich egal, ob du das uncool fin­dest oder nicht. Sol­che Bands haben im Gothic-/Wave-Umfeld nichts ver­lo­ren. Das hat auch nichts mit Gene­ra­ti­ons­wech­sel zu tun, son­dern ein­zig mit Will­kür und Nicht­be­schäf­ti­gung. Irgend­wel­che Tokio-Hotel-Verschnitte fin­den Bezeich­nun­gen wie Indus­trial und Gothic cool und glau­ben, sich damit schmü­cken zu müs­sen. Natür­lich haben wir das Recht, sol­che gepush­ten Retor­ten­bands zu kri­ti­sie­ren. Wer schweigt, dul­det… oder hat irgend­was nicht kapiert.

  16. Err mooo­ment mal.

    das heisst DU möch­test jetzt also fest­le­gen was gothic und wave ist und was nicht?
    und die sache mit der retorte ist wirk­lich mal blöd­sinn, aber da hab ich nu auch wirk­lich mehr insi­der­wis­sen als du.

    ich finds auf der einen seite rich­tig das man sich eben auf das beruft was man kennt und gut fin­det, auf der ande­ren seite find ich aber into­le­ranz in wel­cher form auch immer rich­tig scheiße.

    und wenn sol­che bands eben der ein­stieg für einige in die dunkle sub­kul­tur sind, is das auch okay. du warst auch mal jung und hast wahr­schein­lich etli­che musi­ka­li­sche moder­lei­chen im keller.

    also sowas flach-wertendes hätte ich jetzt nicht erwar­tet von dir ^^
    is ja schön wenn man das ver­tei­digt was man schön fin­det… ich meine JoE sind auch nicht das was ich höre, aber ich kann durch­aus tole­rant sein… bzw zumin­dest akzep­tie­ren das ne sub­kul­tur facet­ten hat und nicht nur das ist, was ich gerne möchte.

  17. Wenn Anthony Wil­son, Sioux­sie oder Robert Smith ihr Schaf­fen teils als »gothic« bezeich­net haben, dann war das kein Ein­sor­tie­ren in bzw. das Kre­ie­ren einer musi­ka­li­schen Kate­go­rie, son­dern ledig­lich Ver­wen­den eines pas­sen­den Adjek­tivs aus der Kunst­ge­schichte und –theo­rie. Sie hät­ten wohl ebenso gut z.B. »gloomy« sagen können.

    Das hat nichts mit einem kon­kre­ten Musik­stil oder einer Sub­kul­tur zu tun, son­dern sagt ledig­lich aus, das ver­wen­dete Stil­mit­tel, Stim­mun­gen und Inhalte das sind, was man seit dem 18. Jahr­hun­dert als »gothic« bezeichnet.

    Und die­ses Gothic-Element exis­tierte auch in den 80ern und 90ern und exis­tiert auch heute noch gänz­lich unab­hän­gig von der schwar­zen Szene. Und daher ist es bei­spiels­weise auch recht ein­fach mög­lich, Musik zu kre­ie­ren, die abso­lut null Geschichte in der schwar­zen Szene oder doch zumin­dest gar­nichts mit der ursprüng­li­chen Wave– und Gothrock-Musik zu tun hat, und die den­noch ganz ganz expli­zit gothic sein kann. Ich denke da bei­spiels­weise an »Stillste Stund«, die teil­weise reich­lich tech­no­ide Musik machen (die mir nicht wirk­lich gefällt) aber text­lich deut­lich Gothic-Motive verwenden.

    Dies ist es auch, was ASP meint, wenn er seine Musik als Gothic-Novel-Rock bezeich­net. Natür­lich hat seine (viel­sei­tige!) Musik wenig mit der schwar­zen Szene in ihrer Grün­dungs­zeit zu tun (das weiß er auch sehr gut, Cover­ver­sio­nen der Sis­ters und the Cult zei­gen, dass er diese Musik durch­aus kennt und schätzt), aber inhalt­lich ist sein Schaf­fen eine ein­zige große Gothic-Novelle. Das ist ein­deu­tig defi­nier­ba­rer Fakt und keine Interpretationssache.

  18. @ZeitUngeist: In der Tat, die Bezeich­nung oder bes­ser der Ter­mi­nus die­ses Genre ist mitt­ler­weile weit gedehnt. Natür­lich hat Death Disco irgendwo recht, mit Gothic, so wie es einst die Grün­der sti­lis­tisch defi­nier­ten, hat das nicht mehr viel zu tun. Gothic wurde im Laufe der Jahr­zehn­ten immer wei­ter gedehnt und das nicht immer zum schlech­ten. Mitt­ler­weile ist es aber eine Retro-Bezeichnung der sich viele Bands unter­wer­fen um ein Stück vom aktu­ell »ange­sag­ten« zu bekommen.

    Ich sehe das aber so wie du, das es als Ein­stieg durch­aus legi­tim ist, vor­aus­ge­setzt man beschäf­tigt sich mit den Hin­ter­grün­den bevor man sich selbst einen Fan die­ser Musik­rich­tung nennt. Ein wün­schens­wer­tes Ziel, das Mit­läu­fer und Wochen­end­gruf­ties wohl nicht errei­chen wer­den, müs­sen sie aber mei­ner nach auch nicht.Ich finde auch das es durch­aus aktu­elle Sachen gibt, die als Gothic oder Wave durch­ge­hen, denn selbst die­ses alt­ehr­wür­dige Genre darf sich vor einer aktu­el­len Inter­pre­ta­tion nicht sper­ren. JoE oder auch Tokio Hotel sind davon aber, da stimme ich DD erneut zu, weit ent­fernt. Quasi auf einem ande­ren Planeten.

    @von Karn­stein: Schon als der Begriff erst­ma­lig ver­wen­det wurde, bezog er sich nicht aus­schließ­lich auf den Kunst­ge­schicht­li­chen Hin­ter­grund, das wäre mei­ner Mei­nung nach auch zu weit gegrif­fen. Aber in der Tat, die Bezeich­nung ist sehr Inhalts­be­zo­gen und cha­rak­te­ri­siert Gothic Musik bis heute und lässt sich nur bedingt auf klang­li­che Aspekte anwenden.

    Ich denke, das die The­ma­tik »Gothic« heute in jeder Hin­sicht noch genau so gefragt ist wie frü­her. Denn das Ver­gan­gene, Mys­ti­sche, Dunkle und Okkulte übt auch heute noch eine Fas­zi­na­tion auf die Men­schen aus. Die Ästhe­ti­sie­rung des 18. Jahr­hun­derts und des Kunst­ge­schichte die­ser Zeit schliesst den opti­schen Kreis. Viel­leicht ist aus Gothic genau das gewor­den: Ein Ter­mi­nus für eine The­ma­ti­sche Lei­den­schaft. Rein musi­ka­lisch war Gothic-Rock irgend­wann durch. Wenn heute jemand seine Musik Gothic nennt, geht er viel­leicht von einem klei­nen Teil der Facet­ten aus und betrach­tet nicht das ganze Bild.

    Lei­der wird der Begriff immer wie­der miss­braucht um irgend­ei­nen Schund einem leicht­gläu­bi­gem Publi­kum unter­zu­schie­ben. ASP zählt eher nicht dazu, da er seine Musik schon the­ma­tisch fül­len kann. Viel­leicht ist die Ein­ord­nung sei­ner Musik das pro­ble­ma­ti­sche, da der Begriff Gothic ja polarisiert.

  19. den­noch würde ich tokio hotel und joe nicht in eine kiste wer­fen. also th sind durch­aus nicht gecas­tet, gehö­ren aber einer major­firma. wer­den also gehyped.

    joe pro­du­zie­ren sich mei­nes wis­sens nach selbst. und sind musi­ka­lisch auch nicht absicht­lich main­stream, son­dern durch­aus eigen. ob mans nun mag oder ned.

    zu asp sage ich lie­ber nichts. ich habe ver­ges­sen mir die letzte super-limitierte mons­ter dvd-pappeinband kom­merz­platte zu kaufen.

  20. »das heisst DU möch­test jetzt also fest­le­gen was gothic und wave ist und was nicht?«

    Das ist stil­his­to­risch fest­ge­legt, so wie Metal fest­ge­legt ist oder Punk. An der Zuord­nung habe ich wenig Anteil, ich ori­en­tiere mich ledig­lich an Fak­ten und Stil­merk­ma­len. Seit den 80ern gibt es Lite­ra­tur dazu. Da kann nicht jeder Hüp­fer daher­kom­men, sich auf der Gitarre irgend­was zurecht­schrub­bln (ich sage nur Mono Inc.!) und dann will­kür­lich Eti­ket­ten drauf­kle­ben. Sol­che Bands MUSS ich nicht und werde ich nicht tole­rie­ren. Auf die­sem Unfug basiert doch diese heu­tige Pseudo-Kultur. Eine Ansamm­lung von Voll­trot­teln, die über­haupt keine eigene Musik mehr besit­zen und sich statt­des­sen fremde Sti­lis­ti­ken unter den Nagel rei­ßen. Das reicht von Schla­ger über Techno bis hin zu Heavy-Metal-Verschnitten.

    Und doch, JoE sind etwas, das ICH ohne mit der Wim­per zu zucken zwi­schen Tokio Hotel und Fräu­lein Wun­der ein­sor­tiere. Dort befin­den sie sich in bes­ter Gesellschaft.

  21. Sorry übri­gens für den rau­hen Ton­fall. Ich habe das ein­fach zu oft dis­ku­tiert. Es hängt mir schon bis zu den Fußzehen. :-)

    Erwei­te­run­gen von Szene– und Genre-Etiketten sind für mich nur dann akzep­ta­bel, wenn sie logisch nach­voll­zieh­bar sind und sich in einem bestimm­ten, kul­tu­rel­len Kon­text bewe­gen. Die letz­ten 10 Jahre beru­hen jedoch ein­zig auf Will­kür — der Ver­mark­tung wegen.

  22. Hm naja… also man muss sich natür­lich (ich weiss ich kann das auch nicht immer… eher sel­ten) den­noch im kla­ren sein, dass man eine sub­jek­tive wer­tung abgibt…

    kopiert und abge­guckt wurde schon, seit es kunst gibt, denke ich.

    wenn sich mor­gen jemand hin­stellt, auf ne steel­drum haut und dazu nen liter kunst­blut spuckt, und es death-reggae nennt, ist das grund­sätz­lich sein gutes recht :)

    und, ent­schul­dige bitte, aber wahr­schein­lich sie­ben­und­neun­zig pro­zent der leute in den ach­zi­gern in den unter­grund­kul­tu­ren haben sich »was zurecht­ge­schrub­belt« auf der gitarre. das ist genau das, was wir daran mögen… am death­rock zum bei­spiel :D

    wenn du natür­lich der mei­nung bist, die sub­kul­tur muss sich für dich so und so gestal­ten, ist das ja auch in ord­nung. ich meine man kann da ja auch begrenzt ein­fluss drauf neh­men… dafür isses schließ­lich (zumin­dest zum teil noch) ne subkultur.

  23. Stil­merk­male sind nicht sub­jek­tiv, falls du dar­auf ansprichst. Und wer hört heute denn bitte noch Death Rock? Das, was die Newbs für Death Rock hal­ten, ist nix ande­res als Gothic Rock, haupt­säch­lich von bri­ti­schen Vor­bil­dern inspi­riert. Die heu­ti­gen Bands puh­len sich die Musik auch nicht aus dem Arsch, son­dern fol­gen einer musi­ka­li­schen Tra­di­tion, die mit Bau­haus, Chris­tian Death oder Sioux­sie & The Bans­hees star­tete. Da ist es egal, ob du Cinema Strange, Chants of Mal­doror oder Scarlet’s Remains nimmst. Auch die Bands der 80er taten das, die Coc­teau Twins als popu­lä­res Bei­spiel mal her­an­ge­zo­gen, denn die waren Fans von Joy Divi­sion und Sioux­sie & The Banshees.

    http://www.youtube.com/watch?v=Az5DQrUp7P4&fmt=18

    Sämt­li­che Cold-Wave– und Gothic-Rock-Bands, von Asylum Party bis Mephisto Walz, folg­ten ihren Iko­nen auf Schritt und Tritt. In den 80ern, in den 90ern und auch in den 00ern. Von »irgend­was zurech­schrub­beln« kann also gar keine Rede sein.

    Fans, die diese Musik jahre– bzw. jahr­zehn­te­lang kon­su­mie­ren, wer­den dir pro­blem­los sagen kön­nen, dass JoE defi­ni­tiv NICHT dahin­ge­hö­ren. Und wenn JoE mei­nen, ihre Musik als Gothic oder gar Indus­trial bezeich­nen zu müs­sen, soll­ten sie dar­auf gefasst sein, dafür nega­tive Kri­tik oder nur ein müdes Lächeln zu ern­ten. Gen­res wer­den nicht wegen sol­cher Leuch­ten redefiniert.

  24. Noch ein paar Gedan­ken zur The­ma­ti­sie­rung des Genre: Gothic als musi­ka­li­sches Genre ist mei­ner Mei­nung nach fest­ge­schrie­ben und lebt von einer Menge X an Stil­ele­men­ten in Text, Musik und Dar­bie­tung. Da gebe ich Death Disco recht. Umso schwe­rer ist es, Gothic heute noch zu iden­ti­fi­zie­ren das viele den Feh­ler machen Bands zu ver­glei­chen und nicht die Musik. Mit »Klin­gen so wie Joy Divi­sion« drückt man natür­lich in gewis­ser Weise einen Stem­pel auf, den viele der Band über­haupt nicht gerecht wer­den können.

    Gothic ist aber heute um eini­ges viel­schich­ti­ger und lässt sich sicher­lich nicht nur auf die Musik defi­nie­ren. Die meis­ten nen­nen ihre Musik ein­fach Gothic um zunächst von der Schub­lade zu leben in die man sie steckt. Was sich letzt­end­lich aus­dif­fe­ren­ziert schwankt von Band zu Band. Man sollte den Begriff end­lich ruhen las­sen, den die meis­ten Bands (JoE inklu­sive) die Gothic sein wol­len spie­len eben keinen.

    Mei­ner Mei­nung nach ist es wich­ti­ger sei­nen Iko­nen zu hul­di­gen und dar­auf Bezug zu neh­men, ohne den eige­nen Stil zu ver­leug­nen anstatt ihnen auf Schritt und Tritt zu fol­gen, inso­fern das heute über­haupt noch mög­lich ist. Viel­leicht ist eine andere For­mu­lie­rung bes­ser: Stil­merk­male für Gothic als Musik­rich­tung wer­den heute noch von Bands wie Asylum Party oder Mephisto Walz ein­ge­hal­ten, aber nicht als Dogma des musi­ka­li­schen Still­stands betrachtet.

  25. Ich glaube, ich habe eher ein ande­res Pro­blem mit vie­len »neuen Bands«. Ich hab ein­fach nicht den Ein­druck, dass das Musi­ker sind. Ich sehe weder Per­sön­lich­kei­ten noch Authen­ti­zi­tät. Die meis­ten Gothic Bands, die defi­ni­tiv zum Genre gehö­ren mei­nen, dass es reicht, wenn man ver­meint­lich tief­sin­nige Texte über wenig ein­falls­rei­che Musik kleis­tert. Funk­tio­niert ja auch. Das mit den neuen Ein­flüs­sen — weg von den alten Bands — ist mei­ner Mei­nung nach kein Genre-Ausschlusskriterium.

  26. @Orphi: »Ich sehe weder Per­sön­lich­kei­ten noch Authen­ti­zi­tät…« ich ergänze Talent, denn mit Musik im Sinne von Instru­men­ten, Gesang im Sinne von Stimme oder Krea­ti­vi­tät im Sinne von Songs hat eben­falls wenig zu tun. Dar­über hin­aus stimme ich Dir zu. Damals wurde Bands zu Szene-Bands weil die Szene ihre Musik auf­nahm, heute ren­nen man­che Musi­ker der Szene hinterher.

  27. @Robert
    Noch eine Ergän­zung: Selbst die alt­ein­ge­ses­se­nen Bands ver­su­chen ein Stück vom kalo­ri­en­rei­chen Gothic-Kuchen zu ergat­tern und den­ken nicht mehr groß über Ziele oder Ideale nach. Warum wür­den die Sis­ters sonst bitte auf dem Mera Luna spie­len? Oder Pla­cebo? Die haben mit Gothic so viel am Hut wie … denk dir was aus …jeden­falls nicht viel (nach eige­ner Aussage!)Alles sehr seltsam…auch auf Künstlerebene

  28. Pla­cebo habe ich aber selbst nie als Gothic-Band betrach­tet. Deren Crossover-Stil spricht durch­aus einige Hörer an, mich lei­der nicht so sehr. Aber gut, viel­leicht ist schon die Tat­sa­che der Anwe­sen­heit das Stück vom Gothic-Kuchen der ihnen so schmeckt.

    Die Sis­ters sind ein Thema für sich. Es ist erstaun­lich wie erfolg­reich die noch sein kön­nen, obwohl sie eigent­lich nichts mehr machen, außer ihren alten Hits zu spie­len. Ich meine, OK, das ist eigent­lich der Grund für ein Kon­zert (mei­ner Mei­nung nach), näm­lich den Fans etwas zurück­zu­ge­ben und nicht um auf bie­gen und bre­chen neues Mate­rial zu spie­len. Beim Eldritch ist es wie­der mal akute Geld­knapp­heit, ver­mute ich. Künst­ler sind die irgend­wie nicht mehr, eher Living-Histoy, ein Museeum auf der Bühne. Da höre ich lie­ber alte Sisters-Stücke von Stil­ech­tem Vinyl.

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Trackbacks

  1. M00nica schreibt:

    Worum es geht? SPONTIS hat mal wie­der nen dol­len Bei­trag geschrie­ben mit zwei schö­nen shit­ti­gen Videos http://bit.ly/6mkEUl

  2. promote business schreibt:

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    […] Read More here: spontis.de/schwarze-szene/dunkle-vergangenheit/zdf-doku-schwarz-vor-augen/ […]…