15 Oktober

Synthiepop & New Romantic

Kategorie: Dunkle Vergangenheit — Jahrgang: 2009Keine Kommentare

summer of the 80sBald hätte ich ver­ges­sen den Sum­mer of the 80s fort­zu­set­zen was ange­sichts des aktu­el­len Herbs­tes wohl mehr als sträf­lich anzu­se­hen ist. In der 2. Folge der Doku­men­ta­ti­ons­reihe geht es um zwei recht gegen­sätz­li­che The­men. Syn­t­hie­pop und New Romantic.

Wäh­rend Syn­t­hie­pop zum Mas­sen­kom­pa­ti­blen Medium auf­steigt, begin­nen sich tech­ni­sche Inno­va­tio­nen auch im Out­fit ihrer Anhän­ger zu spie­geln. Die Poli­ti­sie­rung der spä­ten 70er schlägt in eine voll­kom­mene Ästhe­ti­sie­rung um, an des­sen Spitze sich gestal­ten wie Steve Strange oder auch Boy George drän­gen. Ein Hauch von Kar­ne­val zieht durch die Club-Szene, vor allem im berühm­ten Lon­do­ner Blitz!-Club trifft sich die modisch extreme Advant­garde. Frei nach dem Motto: »Jetzt schmin­ken sich auch die Jungs« wird das gesamte modi­sche Geschlech­ter­kon­zept unse­rer Gesell­schaft auf den Kopf gestellt. Annie Lennox von den Euryth­mics prä­sen­tiert sich im Hosen­an­zug, wäh­rend Boy George nicht von einer Frau zu unter­schei­den ist.

Die Musik die­ser Zeit ist mini­ma­lis­tisch und beschränkt sie auf Klänge aus Syn­the­si­zern und Drum­com­pu­tern, die mit immer neuen Melo­dien den Markt erobern. Ame­rika ist out, Europa ist in. Nicht Ame­rika über­flu­tet den hie­si­gen Markt mit neuen Pro­duk­tio­nen son­dern umge­kehrt. Duran Duran erobert den Kon­ti­nent, Depe­che Mode fül­len das Rose­bowl Sta­dium — lange nach­dem die Beat­les und die Rol­ling Sto­nes für eine zweite bri­ti­sche Inva­sion sorgte.

Die USA erlebte ihre musi­ka­li­sche Revo­lu­tion, Rock hatte aus­ge­dient und begie­rig stürzte sich eine ganze Nation auf die Hel­den aus Über­see. Das kri­ti­sche Musik­jour­na­lis­ten von »Haircut-Bands« spra­chen und zu recht die Män­gel der Musik auf­deck­ten, inter­es­siert jetzt nie­man­den mehr. Optik und Auf­tritt wurde wich­ti­ger als die musi­ka­li­sche Qua­li­tät oder der Inhalt der Musik.

Blick man zurück wird man ein wenig weh­mü­tig, doch diese Ära löste sich sel­ber auf und wurde letzt­end­lich vom Rock, Hip-Hop und Rap bis zur Ver­ges­sen­heit auf­ge­löst, wäh­rend man sich in Europa wei­ter­hin den elek­tro­ni­schen Klän­gen in Form von Techno und Rave hin­gab. Die Doku­men­ta­tion ist daher eine gelun­gene Zeit­reise in die ästhe­ti­sche Revo­lu­tion der 80er, die sehr schön zeigt, wie ein Phä­no­men sich selbst ein­holt. Ein guter, wenn auch kein umfas­sen­der Blick in die Ent­ste­hung des Synthiepop.

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(Bild­quelle: arte.tv)

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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