4 Januar

Ratte macht die Fliege - Eiskalter Schock in London (5)

Kategorie: Dunkle Vergangenheit — Jahrgang: 201114 Kommentare

Ratte macht die Fliege»Auf­klä­rung in Bil­der« — unter die­sem Titel führte Deutsch­lands größte Jugend­zeit­schrift, die BRAVO, 1972 die Foto-Love-Romane ein. Neben der Unter­hal­tung soll­ten die bebil­der­ten Kurz­ge­schich­ten »neben viel Span­nung auch noch klare Fak­ten zu Auf­klä­rungs­the­men (brin­gen). Sex, Flir­ten, Kör­per­fra­gen, Ver­hü­tung und mehr — ver­packt in span­nende Geschich­ten!»1 Kein Thema der Jugend wurde aus­ge­las­sen, kein Trend über­sprun­gen und so kam es, das sich die Bravo 1987 auch den Gruf­ties zuwen­dete, nach­dem sie den Trend bereits in ande­ren Zusam­men­hän­gen für sich nutzte. Wie­der mit von der Par­tie ist Carla, die mitt­ler­weile 20 Jahre alt sein dürfte und bereits in Carla, die Schock-Friseuse eine Seite der Bravo füllte.

Diese Carla ist aber auch ein Mün­che­ner Wave– und Gothic­stru­del und hat gleich rei­hen­weise jun­gen Men­schen in das düs­tere Ver­der­ben gezo­gen. Nicht nur das viele den Arti­kel über sie ver­schlun­gen haben und ihrem Bei­spiel folg­ten, jetzt macht sich auch noch Kar­riere in einem der renom­mier­tes­ten Jugend-Foto-Romanen der 80er. Wir wol­len in der mehr­tei­li­gen Reihe beob­ach­ten, was aus Carla und ihren Freun­din­nen wird und wie die BRAVO die mora­li­sche Kurve kratzt.

Eis­kal­ter Schock in Lon­don (Teil 5)

»Dag­mar hat sich wegen ihres neuen Waver-Outfits total mit Timmy, ihrem Freund, zer­strit­ten. Eigent­lich tut der Krach bei­den leid, aber aus Stolz und Stur­heit reden sie anein­an­der vor­bei. Schluß mit Timmy, Zoff zu Hause, weil ihre Eltern abso­lut gegen ihr neues Sty­ling sind — das ist zuviel für Dag­mar. Die dreht durch und haut ab. Ihre Anlauf­sta­tion ist Vero, Dag­mars beste Freun­din. Die ist sofort mit von der Par­tie, als Dag­mar vor­schlägt, zu tür­men und Ratte in Lon­don zu besu­chen. »Ratte«, die wie eine Nonne geklei­dete Ober-Waverin, ist das Vor­bild von Dag­mar und Vero…«

Ja so war das. Wenn man Krach zu Hause hatte, ver­drückte man sich, am bes­ten gleich nach Lon­don. Oder nicht? Auch wenn das in der ein oder ande­ren Situa­tion dem ein oder ande­ren Jugend­li­chen in den Sinn gekom­men ist, war die tat­säch­li­che Aus­füh­rungs­rate aber ver­schwin­dend gering. Ich frage mich die ganze Zeit wo die bei­den die Kohle über­haupt her hat­ten? Gut, viel­leicht war auch nur meine Jugend finan­zi­ell nicht tro­cken­ge­legt.  Nichts desto trotz bleibt es der Bravo zu ver­dan­ken, das hier die jugend­li­chen Phan­ta­sien vor­ge­grif­fen wird. Jedes Mäd­chen in der glei­chen Situa­tion bekommt so zu sehen, wie es ist abzu­hauen um es viel­leicht davor zu bewah­ren es selbst zu ver­su­chen. Vor­aus­ge­setzt, die bei­den kom­men über­haupt noch ein­mal zurück. Abge­se­hen davon sehen wir hier ein paar prima Viel-Schnallen Pikes zu ent­spre­chen­dem Out­fit — sehr Wavig.

Ratte macht die Fliege - Eiskalter Schock in London (Teil 5)

Wie ich bereits berich­tet habe, gibt es die Wren Street tat­säch­lich, sie liegt im heute recht male­ri­schen Cam­den Town unweit eine Hotels, das ich öfter für meine Auf­ent­halte benutze. Viel­leicht eine Idee für Location-Tourismus, Wren Street 9 auf­su­chen und gucken ob da noch ein Waver wohnt. Vero und Dag­mar machen der­weil Nägel mit Köp­fen, packen ihre Kof­fer und sind schon so gut wie auf dem Weg.  Jetzt wird es aber inter­es­sant, denn Ratte kommt in ihrem Out­fit als anschei­nend nicht wirk­lich an:

»Sag mal, dein Out­fit… ist das etwa ange­sagt in Ger­many?« — Ratte: »Klaro. Gothics nennt man das — aber das mußt du ja wirk­lich ken­nen, der Trend kommt doch aus Eng­land!« — »Das stimmt Ratte. Gothic — das war hier mal vor zwei Jah­ren ange­sagt!!!« — »Das schon… aber Gothic, das ist so out hier, daß die Leute schon einen Lach­krampf krie­gen, wenn sie das Wort bloß hören!!!« Ratte: »Also… waaaaaaaas???????? Das soll hier out sein??? Aber »Cure« und all die ande­ren Grup­pen wie »Dam­ned« und so — die sind doch alle voll im Saft!!« — »Na ja, weißt du, das ist mehr was für Kids. Die doch schon total ver­mark­tet. Bei uns steht keine mehr auf Cure oder Dam­ned«

Ratte macht die Fliege - Eiskalter Schock in London (Teil 5)

Bis auf den exzes­si­ven Gebrauch von Satz­zei­chen steckt hier viel Wahr­heit drin. Tat­säch­lich wehrte sich die Szene gegen die Begriff­lich­keit Gothic schon gleich nach­dem die Presse Anfang der 80er Musik, Men­schen und die Szene mit die­sem Wort ver­ein­nahmte. Musi­ker wie »The Cure« spra­chen sich schon recht früh dage­gen aus, Gothic zu sein. Im Grunde aber eine Schutz­re­ak­tion auf die begin­nende kom­mer­zi­elle Ver­ein­nah­mung des Begrif­fes. »Ich kenne eine Band die du nicht kennst und wenn du sie kennst, finde ich sie blöd.« So war das. 1987 war die Sze­ne­auf­spal­tung schon in vol­lem Gange. Inter­na­tio­nale Beach­tung und mas­si­ver Zulauf sorgte für einen schlei­chen­den Ver­fall. Und den­noch, Gothic sind trotz­dem einige geblie­ben, die damals so reden und sind heute als Alt-Grufts auf dem WGT zu treffen.

»Ratte ist ziem­lich geschockt von die­ser »Neu­ig­keit« — näm­lich daß ihr Out­fit, auf das sie doch so stolz war, in Lon­don längst ein alter Hut ist. Ratte sah sich als »Gothic«, als »goti­scher Mensch«, mys­tisch und an Magie glau­bend, mit einem abson­der­li­chen Fai­ble für Fried­höfe, Särge und Kir­chen. Wie auf­ge­setzt diese Maske ist, sieht man auch an die­sen zwei Fotos: links Ratte in vol­lem Sty­ling, per­fekt geschminkt, mit undurch­dring­li­chem Gesicht. Rechts Ratte oder bes­ser Carla, ein Tee­nie wie tau­send andere auch — von den rasier­ten Schlä­fen abge­se­hen…«

Ratte macht die Fliege - Eiskalter Schock in London

Die Begin­nende Rela­ti­vie­rung der Bravo »Hin­ter der Fas­sade steckt ein ganz nor­ma­ler Tee­nie« soll die Jugend­li­chen im Foto-Love-Roman wie­der auf den rich­ti­gen Weg zurück­füh­ren. Die schlei­chende Heroi­sie­rung von Carla aka Ratte konnte sie jedoch nicht stop­pen, die war bereits jetzt in aller Munde und auf den Schul­hö­fen der Repu­blik ein belieb­tes Thema. Wer ist Waver, wer ist Gothic, ist XYZ Gothic?« Fra­gen die einen beschäf­tigt haben. Ob Ratte den bevor­ste­hen­den Über­ra­schungs­be­such von Dag­mar und Vero über­ste­hen wird? Las­sen sich die bei­den durch die »Zustände« in dem Abbruch­haus end­gül­tig wach­rüt­teln? Wir blei­ben neugierig.

Besucht auch die ande­ren Teile und erfahrt wie es wei­ter­geht oder gewe­sen ist (die Ver­lin­kung wird mit dem erschei­nen hier im Blog ergänzt):

  1. Aus dem Arti­kel: Span­nung in Serie: Die Romane in Bravo, abge­ru­fen am 06.11.2010 []

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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14 Kommentare

  1. Oh schön ein neuer Teil :D
    Nur dies­mal lei­der nicht so viele schöne Fri­su­ren ^^
    Lang­sam beginnt das Wort Gothic mir auch auf die ner­ven zu gehen. Tole­ranz ist zwar nicht schlecht, aber dann diese Ein­stel­lung das alles und jeder Gothic sein kann. Wenn man unbe­dingt in der Schub­lade sit­zen will, dann soll man sich mei­ner Mei­nung nach, auch ent­spre­chend klei­den und die Musik hören. Ich will ja nicht unbe­dingt jeman­dem was vor­schrei­ben, aber warum kann denn ein beson­ders nach­denk­li­cher Mensch nicht ein­fach beson­ders Nach­denk­lich sein, son­dern muss unbe­dingt Gothic sein, weil es ja seine Geis­tes­hal­tung ist!?
    Da is mir die Bezeich­nung Grufti doch viel lie­ber, ganz egal ob das frü­her als Spot oder als iro­ni­sche Eigen­be­zeich­nung ver­wen­det wurde.

  2. Ich hab mir in mei­nem gan­zen Leben noch nie Gedan­ken drü­ber gemacht, ob Gothic — oder wie auch immer man das in wel­chem Jahr­zehnt gerade genannt hat — in oder out oder drü­ber oder drun­ter ist. Wahr­schein­lich bin ich dies­be­züg­lich ein wenig nach­denk­li­cher Grufti, Gothic, nach­denk­li­cher Mensch mit ande­ren Hob­bys als Out­fits und Fri­su­ren. Darf ich trotz­dem noch mitspielen?

  3. […]Ich hab mir in mei­nem gan­zen Leben noch nie Gedan­ken drü­ber gemacht, ob Gothic – oder wie auch immer man das in wel­chem Jahr­zehnt gerade genannt hat – in oder out oder drü­ber oder drun­ter ist. […]

    Meine Rede. Zumin­dest jetzt ein­mal all­ge­mein auf den Stil bezo­gen. Rea­giere ich doch noch immer belei­digt, wenn mich jemand Gothic schimpft.
    Wer sich dazu beru­fen fühlt, mir zu erkläre, dass das was ich mache »in« oder »out« sei, der wird die Ant­wort nur in Form eines Ach­sel­zu­ckens bekom­men. Und zwar eines von ernst gemein­ter Gleich­gül­tig­keit. Natür­lich bewegt man sich auch in Mode­er­schei­nun­gen. Da man diese am bes­ten wahr­nimmt und dar­aus auch Ele­mente für sich ent­nimmt. Bewusst oder unbe­wusst. Doch diese Ele­mente werfe ich nicht vor lau­ter Schreck von mir, sowie ich merke dass diese plötz­lich von Ges­tern sind. Und für die auf­ge­klärte fri­sche Jugend nun so völ­lig uncool daher­kom­men. Halt­bar­keits­da­ten inter­es­sier­ten mich noch nie. Nicht ein­mal beim Essen. Ist doch alles nur eine Frage des Geschma­ckes. Ent­we­der es gefällt oder es gefällt nicht (mehr). Und auf diese Ent­schei­dung dür­fen nur zwei Per­so­nen Ein­fluss neh­men. Ich und der Arbeit­ge­ber. Wobei des­sen Macht­wort nur bis zum Fei­er­abend gilt. Nun gut…und eine gewisse Kom­pro­miss­be­reit­schaft gegen­über der Freun­din. Aber defi­ni­tiv keine Ambi­tio­nen, auf­grund irgend­wel­cher Trend­set­ter emo­tio­nal zu reagieren.

    […]Frau Braun?! Ja, hier ist Vero…eine Freun­din von ihrer Tochter…äh…Ich hätte gerne gewusst, wo Ratte in Lon­don zu errei­chen ist.[…]

    Ratte? Sie soll man sich das denn vor­stel­len. Stellte sich diese Carla nur als Ratte Braun oder Brauns Ratte vor, dass die bei­den sich nun in der Ver­le­gen­heit befin­den, zwar den Fami­li­en­name zu kenne aber vom Vor­na­men keine Ahnung zu haben. Oder waren die West­müt­ter der 80´er so der­art drauf, dass sie ihren Kin­dern sel­ber begeis­tert Tier­na­men gaben.
    Ich muss geste­hen, dass man in mei­ner Fami­lie lange und ver­zwei­felnd tele­fo­nie­ren kann, um die Adresse eines Guld­hans zu bekom­men. Was man heute dank der Glä­sern­heit ja auch gar nicht mehr muss. Wie dem auch sei, man würde dabei sicher­lich nur so lange abge­lenkt wer­den, bis die Fang­schal­tung instal­liert ist.

    Post scrip­tum: Abra­sierte Augen­brauen sind nicht gerade sehr kleidend.

  4. @Guldhan
    Ah Danke, ich bin ein­fach nicht drauf gekom­men was mir an dem Bild so komisch erscheint, aber die Augen­brauen warens ;D

    Und ich denke mal, dass in die­sem Fall »Ratte« ganz ein­fach auf ihren Spitz­na­men bestan­den hat, so dass die Mut­ter schon wusste wer gemeint ist. Oder sie hat nur eine Toch­ter und war nur etwas ver­wun­dert über den Namen Ratte, hat sich aber nichts wei­ter dabei gedacht.

    @Orphi
    Ich glaub du hast mich ein wenig miss­ver­stan­den ;)
    Natür­lich spielt die Lebens­ein­stel­lung eine wich­tige Rolle, was ich meinte war eben die­ses zwang­hafte sich selbst etti­kie­ren das man­che Leute an den Tag legen. Die wol­len dann unbe­dingt Gothic sein, aber hören weder die pas­sende Musik noch sehen sie so aus und ich finde dann muss man sich auch nicht unbe­dingt als Gothic bezeichnen.

  5. Zu Schat­ten:

    In der Tat. Die­ser kahl­ge­scho­rene Mona-Lisa-Blick wirkt immer etwas befremd­lich, ohne das man sofort weiß warum.

    In Sachen Ratte; mög­lich. Bin da wohl zu sehr Spieß­bür­ger. Nur traf ich bis jetzt noch keine Eltern, die mit der­art vor­nams­fer­nen Spitz­na­men ihres Nach­wuch­ses etwas hät­ten anfan­gen kön­nen. Ohne das Aus­schluss­ver­fah­ren anzuwenden.

    Oh Elend, ich merkte gerade, dass ich Teil 4 über­sah und nun fest­stel­len muss, dass der ver­meint­li­che Typ mit Iro Bri­gitte heißt… jeden­falls gab das auch das Puz­zel­stück zur Tole­ranz­schwelle der Rattenmutter.

  6. *lach* also ich bin eben­falls Augen­brau­englatze und schätze mich schockt der Anblick ein­fach zu wenig da ich mor­gens genauso aus­sehe — nur mit mehr Haar, in Länge und Flä­che :D
    Ich finde Ratte ohne Kriegs­be­ma­lung sogar sehr hübsch, wirkt elizabethanisch :)

    Einer­seits zuge­ge­be­ner­mas­sene in wenig ärger­lich, ande­re­seits aber auch amü­sant ist bei sol­chen Geschich­ten immer der Moral­apos­tel der mit­ten­drin dann beschwich­ti­gend sagt daß das alles ja sooo nor­male Teen­ager sind, und naja nach dem WGT sehen »wir« alle wie­der voll nor­mal aus und haben voll die nor­ma­len Jobs. Ja was sol­len »wir« denn tun wenn wir in nem ALter sind wo Rebel­lion gegen Eltern schon 10–20 Jahre vor­bei ist, aus­ser sei­nen Platz im Leben fin­den, sich bes­tens­mög­lich damit arran­gie­ren und das Gefühl anders zu sein im Her­zen wei­ter zu tra­gen? Wie der Ein­zelne das optisch aus­drückt, die­ses Gefühl, hat damit nicht unbe­dingt was zu tun. Schwarz tra­gen — ja, ok, aber schwarz ist ein wei­tes Feld und gar­nicht so uni­form wie Nörg­ler das immer anfüh­ren wollen :)

  7. @Schatten
    Mein Ent­set­zen bezog sich gar nicht so auf dei­nen Kom­men­tar. Ich sehe das genau wie du. Sich eine Marke auf­zu­kle­ben, auf der Gothic drauf­steht und Nutella drin ist, ist Blöd­sinn. Keine Ahnung, wozu das über­haupt gut sein soll. Nein, mein Ent­set­zen bezog sich auf diese gru­se­lige Geschichte, in der es um Pro­bleme geht, die ich ziem­lich däm­lich finde. Aber naja… die Bravo eben…

  8. @Rosa
    Sieht man ja auf dem Plu­der­ho­sen­bild, aber da weiß mans auch, weil es dabei steht ;)

    @Orphi
    Dann hab wohl ich dich missverstanden^^

    Ja die Bravo, die glei­che Zeit­schrift in der jetzt steht immer schwarz zu tra­gen is out, weil das ja voll emo ist XD

  9. Die Bravo »muss« eben mit der Zeit gehen und sich immer auf die aktu­elle Jugend ein­stel­len. Sie war noch nie ein Trend­set­ter, son­der nur ein Trend­ver­brei­ter. Ich gebe @Schatten aber ein Stück weit recht, der Begriff und seine Ver­wen­dung sind tat­säch­lich ner­vig, gerade in einem sol­chen Zusammenhang.

    Wie @Rosa das schon rich­tig anspricht, es steckt mehr hin­ter der Fas­sade. Jeden­falls bei eini­gen und das ist der Unter­schied zu die­ser Zeit. 1987 hatte sich Gothic noch nicht zu einem sol­chen »Lebens­ge­fühl« wie heute ent­wi­ckelt son­dern war mei­ner Ansicht nach tat­säch­lich nur ein Style der auf eine Musik­rich­tung rea­giert. Die ers­ten Jugend­li­chen wur­den Erwach­sen und blie­ben Schwarz. Das waren die ers­ten die ein Lebens­ge­fühl dar­aus machten.

    Und heute, ja heute ist die Szene so unter­schied­lich wie nie, allein schon wegen sei­ner Alters­struk­tur. @orphi bringt sich ja hier selbst als Bei­spiel. Und ja, sie darf noch mit­spie­len. Heute kann es nicht mehr darum gehen was Gothic und wer Gothic ist, diese Frage abschlie­ßend zu beant­wor­ten erscheint mir nahezu unmöglich.

  10. Es ist immer wie­der beein­dru­ckend, wie Du den Roman aus­ein­an­der­pflückst! Da Ratte a.k.a. Carla wohl immer noch nicht gefun­den ist, was hast Du denn bis­her unter­nom­men um die Dame zu fin­den? Konnte die Bravo-Redaktion sirk­lich nicht hel­fen? … Oder wollte sie nicht?

  11. Das muss doch jeder für sich selbst ent­schei­den, ob er lie­ber am Rande des Floors steht und inter­es­siert die Tan­zen­den beob­ach­tet oder ob er selbst aktiv mit­tan­zen möchte. Es kommt doch auch auf die per­sön­li­che Lebens­si­tua­tion an, was der »Akti­vi­täts­ra­dius« zulässt und wie man dem »facet­ten­rei­chen Schwarz« fröh­nen kann (Musik, Lite­ra­tur, etc). Des­halb gibt´s keine Schub­lade für »Gothic sein« und genau das macht doch sei­nen Reiz aus.

    Im übri­gen haben wir uns schon als Jugend­li­che über die Fest­stel­lung in der Love-Story, ob Gothic in oder out sei, fast tot­ge­lacht und die Bot­schaft mit dem erho­be­nen Zei­ge­fin­ger dahin­ter erkannt: »Kin­der, nicht jedem Trend hin­ter­her­lau­fen, lernt lie­ber was in der Schule und macht eine gute Ausbildung«.

    Sehe ich rich­tig, dass die Frage, wie sich die Haus­be­sit­zer nann­ten und wel­che Musik sie hör­ten, nicht geklärt wurde?

    Natür­lich gibt die BRAVO nichts über ihre Prot­ago­nis­ten preis. Ich hatte die Reda­kion wegen eini­ger gesuch­ter Arti­kel ange­schrie­ben und habe fol­gende Ant­wort erhalten:

    »Lei­der ist es uns nicht mög­lich […] einen Arti­kel zu suchen, da unser Archiv erst seit 2002 elek­tro­nisch erfasst wurde. […] Alle BRAVO-Ausgaben sind in der Deut­schen Natio­nal­bi­blio­thek Frank­furt gegen eine Gebühr ein­seh­bar. Auch in der Baye­ri­schen Staats­bi­blio­thek Mün­chen und in der Ham­bur­ger Staats­bi­blio­thek kann man alle BRAVO-Hefte gegen eine geringe Gebühr einsehen!«.

    Habe eine nette HP gefun­den mit Fotos von einem »ande­ren« Lon­don, so wie es der nor­male Tou­rist wohl nicht zu sehen bekommt:

    http://www.derelictlondon.com/home_page.htm

    Ob auch das Abriss­haus und die Toi­lette von Ratte & fri­ends mit dabei sind ;-) ?

    Und last but not least finde ich immer noch das Non­nenout­fit Car­las »rat­ten­scharf«! Aber bitte mit Schminke!

  12. @Postpunk: Vie­len Dank für die Blu­men. Meine erste Mail an die Bravo wurde bis­lang nicht beant­wor­tet, ich schrieb schon mal vor einer ganze Weile ein, jedoch noch ohne »Jour­na­lis­ti­sches Inter­esse« viel­leicht schi­cke ich noch­mal eine hin­ter­her, viel­leicht errei­che ich auf der Recher­che Schiene etwas.

    @Madame Mel: Ich nicke zustim­mend *nick*. Zum tan­zen gehört auch immer eine Por­tion Mut ;) Dar­über hin­aus siehst du es völ­lig rich­tig, das weder die Frage wie sich die Haus­be­set­zer nann­ten, noch wel­che Musik sie hör­ten geklärt wurde. Für alte Bravo-Artikel emp­fehle ich Dir auch das Archiv der Jugend­kul­tu­ren, die habe dort auch alle Aus­ga­ben. Aus­ga­ben mit schwar­zem Bezug aus den 80ern und 90ern habe ich auch ein paar, wie Dir sicher­lich nicht ent­gan­gen sein dürfte.
    Das Abriss­haus von Ratte ist heute gar kein Abriss­haus mehr, jeden­falls wenn man sich die Wren Street heute auch Google Street View ansieht. Der Link ist trotz­dem groß­ar­tig und ist auch schon in meine Book­marks gewan­dert um genau­es­tens unter die Lupe genom­men zu werden.

  13. @Robert
    Der Beob­ach­tende am Rande sieht manch­mal mehr, als wenn einer den Dance­floor vor lau­ter Leu­ten nicht mehr sieht;-)

    Das ist mir natür­lich nicht ent­gan­gen, des­halb bin ich ja auch auf dei­ner Seite gestran­det ;-) Bei Bravo hatte ich u.a. wegen dem Aus­stei­ger­be­richt von Vero nach­ge­fragt, aber da ich keine kon­krete Jah­res­zahl nen­nen kann und schon gar nicht, in wel­cher Aus­gabe das war, wird´s echt schwie­rig. Und ob ich in nächs­ter Zeit in die Biblio­thek komme, ist fraglich…

  14. @Madame Mel: Touché.

    Ich habe noch zahl­rei­che Arti­kel in der Reserve und hoffe Dich so als Lese­rin wei­ter glück­lich machen zu kön­nen :) Die Biblio­thek hat aber auch ein paar Ehren­amt­li­che, die für dich Recher­chie­ren, ver­ständ­li­cher­weise gegen einen klei­nen Obo­lus. Hier kos­tet es Dich nur ein vir­tu­el­les Lächeln ;)

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Trackbacks

  1. […] ich ehr­li­cher­weise auch nicht ver­leug­nen. Das führte bei mir zwar nicht dazu, dass ich mich wie „Ratte“ in der Bravo-Geschichte optisch in Extreme gestürzt habe, aber ich wollte so sein wie die aus den obe­ren Jahrgangsstufen, […]