19 Januar

Cooltour - Zur Jugendszene 1985

Kategorie: Dunkle Vergangenheit — Jahrgang: 20108 Kommentare

Cover des Videos CoolturKöln, Alter War­te­saal. Die in fades Licht gehüllte Tanz­flä­che ist dicht von den soge­nann­ten Gruf­ties besie­delt, Fri­su­ren for­men ein erstaun­li­ches Bild das der Sky­line eine Metro­pole ähnelt. Glo­cken­ge­läut und der Klang einer Orgel bil­det den Eröffnungs-Choral in der Sams­tags Disco des Alten War­te­saals in Köln. Der Chor der nun die ehr­wür­di­gen Mau­ern unter den Glei­sen des Haupt­bahn­hofs zu Köln durch­flu­tet wirft ein bizar­res Licht auf die Men­schen die sich im Schein der bun­ten Lam­pen tum­meln. Sollte das etwa eine beson­ders moderne Form der christ­li­chen Glau­bens­aus­übung sein?

Für den Außen­ste­hen­den ist die Kom­bi­na­tion aus schwe­ren Kreu­zen, die man als Schmuck trägt und den größ­ten­teils schwar­zen Kla­mot­ten schwer zu ver­dauen. Für die Jugend­li­chen, die sich an die­sem Sams­tag Abend in der Dis­co­thek tref­fen ist es das ganz eigene Ver­ständ­nis von Ästhe­tik und nur Mit­tel zum Zweck die Auf­merk­sam­keit sei­nes Umfelds auf sich zu len­ken. Madonna hat es schließ­lich in ihrem 84er Video zu Like a Vir­gin vor­ge­macht, Billy Idol bringt mit sei­nem Video zu White Wed­ding die Sze­ne­ty­pi­schen Stil-Elemente auf den Punkt. Ein häm­mern­der Beat und sprü­hende Fun­ken zerei­ßen die andäch­tige Stim­mung, die Jugend­li­chen tan­zen wild zum trei­ben­den Rhyth­mus der Musik…

Fol­gen die Künst­ler nun der Strö­mung der Jugend, oder iden­ti­fi­zie­ren sich die Kids vor der Bühne mit den Künst­lern in dem sie ihren Style auf­neh­men? Die Frage lässt sich nicht abschlie­ßend klä­ren, doch das ist auch nicht das, was Tho­mas Schmitt mit sei­nem Film errei­chen möchte. Die Ein­lei­tung erklärt: »…Kids aus der Samstags-Disco des Alten War­te­saals, die schril­ler und exo­ti­scher gestylt denn je „No Future“ blöd fin­den und auf eine gere­gelte Zukunft hof­fen. „Etwas rich­ti­ges wer­den“ wol­len sie alle – am liebs­ten Mode­de­si­gner. Pro­test ist passé auch bei den jun­gen Kul­tur­schaf­fen­den aus der Sze­ne­kneipe Wave… ». Fünf Jahre zuvor, also 1980 drehte Schmitt ein Video mit dem Titel Ran­dale & Liebe, das die deut­schen Aus­läu­fer der Punk-Bewegung zeigt, die mit ihrem Pro­test die Fes­seln der eige­nen Ver­gan­gen­heit abschüt­teln wol­len und hof­fen das kalte und graue Sys­tem mit Pro­test zu ihren Guns­ten zu len­ken. Die Jugend 1985 zeigt da ein ande­res Bild und ist offen­bar auf ihr Aus­se­hen fixiert und schert sich nicht mehr um poli­ti­sche Inhalte.

Bild von Thomas Schmitt

Tho­mas Schmitt

Schmitt schreibt wei­ter: »Ange­sagt sind Selbst­ver­wirk­li­chung und Indi­vi­dua­li­tät. Sie machen Musik, Kunst und Mode, ange­trie­ben von dem Wunsch etwas Eige­nes zu ent­wi­ckeln, aber auch unter dem Druck, in einer Zeit zu leben, in der man kaum noch Neues schaf­fen kann, weil alles schon dage­we­sen ist. Sie wol­len Spaß in ihrem Leben haben und nicht stän­dig an Rake­ten­be­dro­hung und Umwelt­zer­stö­rung den­ken, denn den Glau­ben an die Wirk­sam­keit von poli­ti­schem Pro­test und Enga­ge­ment haben sie schon lange ver­lo­ren

Ein ver­link­tes Video bei YouTube run­dete die Sache für mich ab, meine Neu­gier war ent­facht und so setzte ich mich daran mir den Film zu besor­gen. Lei­der scheint das Werk in Ver­ges­sen­heit gera­ten zu sein und so habe ich das Video nur direkt von Tho­mas Schmitt bezie­hen können.

Neben dem visu­el­len Hoch­ge­nuss von Kla­mot­ten und Sty­ling bie­tet der Film noch Inter­views mit den ver­schie­dens­ten Ver­tre­tern. Neben den klas­si­schen Gruf­ties fin­den sich hier auch Waver, New Roman­tics und Batca­ver und wer­den zur ihrer Sicht der Dinge befragt. Obwohl Schmitt die Aus­sa­gen der Prot­ago­nis­ten im kur­zen Tea­ser auf Aus­se­hen und Sty­ling redu­ziert, hat der eigent­li­che Film mehr zu bie­ten und wirft ein ziem­lich genaues Bild auf die Jugend 85. Ob hier nun Kli­schees dar­ge­stellt wer­den, las­sen wir mal dahin­ge­stellt, wer aber erwar­tet tief­schür­fende Selbst­er­kennt­nis in den Köp­fen der 16–19 jäh­ri­gen zu fin­den wird damals wie heute ent­täuscht. Unter­schwel­lig lässt sich auch ver­mu­ten, das die Szene selbst für die meis­ten sei­ner Kli­schees selbst ver­ant­wort­lich ist. »Ich bin auch so ein biss­chen Sata­nisch, ich glaube also nicht an Jesus ich glaube eher an den Teu­fel…«, vor der fal­schen Kamera wird aus die­ser jugend­li­chen Selbst­ein­schät­zung schnell ein Vor­ur­teil, das glei­che geklei­dete in einen Topf wirft.

Doch andere Dinge wer­den deut­lich: Die meis­ten ent­wer­fen ihre Out­fits selbst, kom­bi­nie­ren geschickt viele mög­li­chen Klei­dungs­stile und zei­gen sich auch äußerst krea­tiv im Umgang mit Haar­spray. Man folgt noch kei­nen indus­tria­li­sierte Mode­dik­tat son­dern nimmt die Bands und Musi­ker als Vor­bild, den eige­nen Stil zu ent­wi­ckeln. Viele der Jugend­li­chen schei­nen aus gut bür­ger­li­chen Ver­hält­nis­sen zu stam­men und haben feste Vor­stel­lun­gen von der Zukunft. Das feh­len des Pro­tes­tes ist erst der Beginn der Spaß­kul­tur, die hier gezeigt wird und mün­det etwa 5 Jahre spä­ter in der Techno-Bewegung. Natür­lich kann hier nur die Ober­flä­che einer Szene gezeigt wer­den, die 1985 auch in Deutsch­land in ihrer Blüte stand und die schon viele fri­sche Sub­kul­tu­ren behei­ma­tet. Hier erzählt kein Spre­cher eine unre­flek­tierte Geschichte vol­ler Kli­schees und Vor­ur­teile, hier spre­chen die Jugend­li­chen selbst und zei­gen, wie ihre Welt 1985 aus­ge­se­hen hat.

Den wah­ren Kern ein­zel­ner Sze­nen kann und will die­ser Film nicht dar­stel­len, denn der ent­wi­ckelte sich stets außer­halb des Sicht­be­reichs der Umwelt und war immer schon auf einen klei­nen Kreis von Leu­ten beschränkt, die jeder ein­zel­nen Sub­kul­tur ihre Sub­stanz und Rich­tung gaben. Das Video ist heute, 25 Jahre nach sei­ner Pro­duk­tion für den WDR, ein Zeit­zeuge der sich mit mei­nen Erin­ne­run­gen deckt obwohl ich erst 4 Jahre spä­ter zum ers­ten mal in eine Dis­co­thek durfte. Ich denke, die meis­ten die diese Zeit erle­ben durf­ten wer­den das gezeigte Bild bestä­ti­gen können.

Cool­tour — zur Jugend­szene 1985

Kamera: Ste­phan Kös­ter, Man­fred Scheer
Ton: Heinz Zim­mer
Schnitt: Tho­mas Schmitt
Tech­nik: Adi Schell
Mit­ar­beit: Andrea Ahrens, Udo Stein­metz, Susanne Woerle
Pro­duk­ti­ons­lei­tung: Monika Sie­bert
Redak­tion: Dag­mar Sau­er­stein
Eine TAG/TRAUM Pro­duk­tion im Auf­trag des WDR / 1985 / 44 Min. (ARD 20:15 Uhr)

Erhält­lich als DVD direkt bei tho­mas schmitt film in Köln.

Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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8 Kommentare

  1. Zu put­zig… :)
    EInige Aus­schnitte dar­aus habe ich schon­mal gese­hen… ich glaube, nachts auf irgend­ei­nem Drit­ten Pro­gramm als es um die 80er ging. Kann aber auch sein, dass ich dort zufäl­lig den gan­zen Film gese­hen habe, war jeden­falls sehr unterhaltsam.

    Die …ähm… extra-ordinären Gesich­ter und Aus­sa­gen der drei Gruf­tis sind mir im Gedächt­nis geblie­ben, und ich weiß auch noch, dass man einen von ihnen (ich glaube, den »sata­ni­schen« [du meinst »sata­nis­tisch«, mein Junge, das ist was deut­lich ande­res…]) auch in einer schi­cken Totale gese­hen hat, vor dem glei­chen tris­ten Hin­ter­grund, beim Ver­such ganz ganz böse aus der Wäsche zu schauen. Mein Blick war jeden­falls eher nei­disch an den Pikes hän­gen geblieben ;)

  2. Ich finde es jedes mal fas­zi­nie­rend was wir uns noch alles aus der Ver­gan­gen­heit abgu­cken kön­nen. Die Neu­auf­lage alter Jugend­stile ist ja auch nichts schlim­mes, die TED’s haben das zu Beginn der 80er auch schon gemacht und durch ent­spre­chen­den Mehr­wert etwas ein­zig­ar­ti­ges dar­aus geformt. Vor allem sollte man sich abgu­cken, das wah­rer Stil nicht aus dem Kata­log kommt :)

    Ein Bild­schirm­foto von den hüb­schen Pikes lie­fere ich Dir bei nächs­ter Gele­gen­heit nach. Schon aus dem Drang der eige­nen Leidenschaft.

  3. Hmmmm…jo, die Out­fits erin­nern mich stark an die Mitte der 80er; ich denke gerade an meine Klas­sen­reise 1986 nach Ber­lin zurück, bei der mir beim ers­ten Ver­such die Ein­reise nach Ost­ber­lin wegen mei­nes Out­fits ver­wei­gert wurde (O-Ton dienst­ha­ben­der Kon­tro­letti am Check­point beim Abgleich des Perso-Fotos »Sind ihre Augen etwa schwarz ange­malt??« *g*), was nicht wei­ter tra­gisch war — auf diese Weise konnte ich mit einer net­ten Stutt­gar­ter Wave­rin namens Frauke den Tag in Kreuz­berg verbummeln.

    Den kur­zen Aus­schnitt der Doku dage­gen finde ich so nichts­sa­gend wie alles, was »Fil­me­ma­cher« und »Jour­na­lis­ten« bis­lang zu den The­men Wave, Gothic, Gruf­ties pro­du­ziert haben. Sicher­lich haben Teile »unse­rer« Szene damals am mie­sen Image mit­ge­wirkt. Die dama­li­gen Vor­würfe von »Teu­fels­an­be­tung«, »Kat­zen­schlach­ten bei Ritua­len« und »nächt­li­chen Mes­sen auf Fried­hö­fen« waren aus mei­ner Sicht an den Haa­ren her­bei­ge­zo­gen, aber letzt­lich genau das, was die Leute über uns lesen woll­ten und die Auf­la­gen der Medien stei­gen ließ. Es gab und gibt aus mei­ner Per­spek­tive nie nur einen ein­zel­nen, grup­pen­über­grei­fen­den Grund sich in schwarze Kla­mot­ten zu wer­fen, die Augen schwarz zu malen, die Haare wild zu sty­len und sich damit von der Masse der Leute abzu­he­ben. Bei mir war’s Frus­tra­tion, Depres­sion, die früh­reife Erkennt­nis, daß man mit der Herde läuft oder unter­geht. Koket­tiert haben Schwarze in all ihren Facet­ten schon immer mit Sata­nis­mus, Reli­gion, Okkul­tis­mus. Nicht zuletzt konnte man damals die träge Bevöl­ke­rung mit sol­chen (undurch­dach­ten) Äuße­run­gen auch noch ent­spre­chend scho­ckie­ren und sich ins Gespräch bringen.

    War es der Nord­deut­sche Rund­funk (NDR), der damals eine Doku­men­ta­tion namens »Gruf­ties — Ein Leben im Sarg« pro­du­ziert hat, die ich bei Erst­aus­strah­lung lei­der ver­paßt habe und gern end­lich mal sehen würde? Lei­der weiß ich nichts genaues zu Pro­du­zent und Herstellungsjahr.

    Aber an die­ser Stelle ein dickes Lob dafür, daß du so flei­ßig Mate­rial zusammenstellst…höchst amü­sant und unterhaltsam…und manch­mal kommt etwas Weh­mut auf. ;o)

  4. @Markus: Danke für die schöne Anek­dote zu Beginn dei­nes Kom­men­tars :) Ja, lei­der ist kein bes­se­rer Aus­schnitt ver­füg­bar, das gesamt Mate­rial ist bes­ser als der Trai­ler suggeriert.

    Es gab und gibt aus mei­ner Per­spek­tive nie nur einen ein­zel­nen, grup­pen­über­grei­fen­den Grund sich in schwarze Kla­mot­ten zu wer­fen, die Augen schwarz zu malen, die Haare wild zu sty­len und sich damit von der Masse der Leute abzu­he­ben. Bei mir war’s Frus­tra­tion, Depres­sion, die früh­reife Erkennt­nis, daß man mit der Herde läuft oder unter­geht. Koket­tiert haben Schwarze in all ihren Facet­ten schon immer mit Sata­nis­mus, Reli­gion, Okkul­tis­mus. Nicht zuletzt konnte man damals die träge Bevöl­ke­rung mit sol­chen (undurch­dach­ten) Äuße­run­gen auch noch ent­spre­chend scho­ckie­ren und sich ins Gespräch bringen.

    Danke für die Zusam­men­fas­sung, bes­ser kann man das eigent­lich nicht aus­drü­cken. Bei mir war’s die Auf­leh­nung gegen elter­li­che und gesell­schaft­li­che Kla­mot­ten­vor­ga­ben, da erschie­nen mir die Depe­che Mode Fans zu mei­ner Zeit am geeig­ne­tes­ten, spä­ter kam man dann auto­ma­tisch in die »gruf­tige« Schiene und liebte die Provokation :)

    Vie­len Dank für dein Lob, ich werde mich wei­ter­hin bemü­hen flei­ßig Mate­rial zu sam­meln und auch etwas für die NDR Doku­men­ta­tion in Erfah­rung zu brin­gen. Bis es soweit ist emp­fehle ich Dir die Kate­go­rien Schwarze Szene und im spe­zi­el­len Dunkle Ver­gan­gen­heit

  5. Ihr Lie­ben!!
    Hier mel­det sich mal jemand zu Wort, der 1985 im Alten War­te­saal Stamm­gast war und des­sen halbe Cli­que auf die­sem Video zu sehen ist.
    Dabei sein war alles und wer in die­sem Film zu Wort kam, hatte im Leben meist nicht viel zu erzaeh­len. Lei­der– die groess­ten Dumpf­ba­cken haben die groesste Kamer­a­pra­es­enz. Der Rest der Szene bestand doch haupt­sa­ech­lich aus Stu­den­ten und Schu­elern, die etwas mehr im Kopf hat­ten, als Haar­spray oder Schminke. Viele habe ich noch­mal wie­der­ge­se­hen, sie sind mitt­ler­weile Notare, Anwaelte, Aerzte oder auch Poli­ti­ker gewor­den…
    Gruf­ties nann­ten wir uns damals nicht!!! Wir waren die Frag­g­les (nach dem Muppets-Ableger die Frag­g­les), da wir die­sen Figuer­chen fri­suren­tech­nisch am aehn­lichs­ten sahen. Batca­ver??? Bei uns hies­sen die Psy­chos (Psycho­bil­lies).
    Also, lange Rede, kur­zer Sinn: Es war eine geile Zeit und wir hat­ten wirk­lich das Gefu­ehl, bei etwas abso­lut Neuem mit­ge­wirkt zu haben-und die­ses Gefu­ehl wird einem nie wie­der jemand neh­men koen­nen. Heute starrt einen fast nie­mand mehr an, wenn man mit schwar­zen Kla­mot­ten und abra­sier­ten Sei­ten rum­la­euft (zumin­dest nicht an der Schule, an der ich unter­richte), die Klei­dung laesst sich bequem im Inter­net bestel­len und der Fri­seur ist auch bes­tens infor­miert. Wir haben uns damals die Haare noch sel­ber schnei­den mues­sen, weil´s beim Fri­seur nur 08/15 oder Dau­er­welle gab. Extra­va­gante Haar­farbe?? Da musste schon Lebens­mit­tel­farbe oder (auch sehr beliebt) Auto­lack dann glau­ben. Kla­mot­ten wur­den selbst geschnei­dert, oder in Ams­ter­dam oder Lon­don gekauft.
    Jaja, ich weiß, fru­e­her war alles bes­ser (stimmt ja auch gar nicht), also Schluss mit Nost­al­gie. Es war geil und ich war mit­ten­drin! Und ich finde, es wird Zeit, den War­te­saal noch­mal gruf­tig wie­der­zu­be­le­ben! Ist eine super­scho­ene Loca­tion.
    So, wollte nur mal klar­stel­len, dass nicht alle Leute, die 1985 im War­te­saal waren, soooo bloed waren (und hab wahr­schein­lich selbst den blo­edes­ten Kom­men­tar dazu­ge­ge­ben). Auch heute ist es ja noch schick, eine Psy­chose zu haben…
    Der junge Mann mit den »sata­ni­schen« Anwand­lun­gen ist ueb­ri­gens nach der Erst­aus­strah­lung des Films ziem­lich ver­mo­ebelt wor­den!!!! (armer Wal­de­mar, aber Dumm­heit geho­ert nun mal ver­hauen)
    Gru­esse von einem Alt-Gruftie-Fraggle

    P.S. Ich finde, in diese Szene wird viel zu viel rein­in­ter­pre­tiert! Wir hat­ten keine reli­gio­esen Hin­ter­gru­ende, wir hat­ten nicht mehr Stress mit den Eltern, als andere Teen­ager. Wir woll­ten abtan­zen und eine tolle Zeit mit­ein­an­der ver­brin­gen und fan­den die Musik ganz toll. Und ja! Wir waren tatsa­ech­lich gut drauf und sind nicht den gan­zen Tag tod­trau­rig rum­ge­lau­fen. Wir fan­den es schick, Fotos auf dem Fried­hof zu machen und Beklem­mungs­ge­fu­ehle zu bekom­men, wenn wir mit dem Bus an einer Kir­che vor­bei­ka­men. Aber nie­mand aus mei­ner Cli­que hatte Depres­sio­nen oder war schlecht drauf. Seht es mal nicht so hoch­wis­sen­schaft­lich son­dern ein­fach als Mode­er­schei­nung! Da unter­schei­den wir uns viel­leicht wirk­lich im Wesent­li­chen von den heu­ti­gen Gruf­ties. Damals hat es ein­fach nur Spaß gemacht, die lang­wei­li­gen Leute zu scho­cken und die Kla­mot­ten und Fri­su­ren finde ich heute noch so gut wie damals. (weils ein­fach gut aus­sieht!) Und die Musik war und bleibt eh THE BEST! (ewig leben die Lorries)

  6. @Coco68: Du glaubst gar nicht wie sehr ich mich freue, authen­ti­sches zu hören. Es ist manch­mal unglaub­lich schwer von solch einer Doku­men­ta­tion auf die tat­säch­li­chen Men­schen zu schlie­ßen.
    Ich stimme dem, was du schreibst unein­ge­schränkt zu, wie könnte ich auch ande­res, schließ­lich sind es Deine Erfah­run­gen :) Dei­nem Aus­klang (P.S.) kann ich nur bedingt nach­voll­zie­hen.
    Sicher würde ich Dir recht geben, wenn wir 1989 hät­ten, denn für die meis­ten war (und ist) Goth immer noch eine Mode­er­schei­nung. Par­al­lel dazu hat sich aber eine eigen­stän­dige Sub­kul­tur gebil­det, die abseits von modi­schen Atti­tü­den ein Lebens­ge­fühl dar­aus zauberte.

    Viele die nach ihrer Jugend der Lei­den­schaft für das düs­tere und dun­kel­ro­man­ti­sche treu geblie­ben sind machen es heute so »wissenschaftlich«.

    Der »schwarze Magnet« von 1985, wie du ihn toll beschreibst, hatte eine anzie­hende Wir­kung und dein »Seht es mal nicht so hoch­wis­sen­schaft­lich son­dern ein­fach als Mode­er­schei­nung!« hat immer noch Aktua­li­tät. Den meis­ten älte­ren sagt aber eher die »Ideo­lo­gi­sche« Schiene zu und weni­ger die modi­sche Abgren­zung so dass die schwarze Szene heute viel­sei­ti­ger ist, als je zuvor.

  7. Ich kann mich coco68 nur anschlie­ßen. War super geil im War­te­saal. Denke immer gerne wie­der daran zurück.

  8. Anmer­kung: »Ich finde, in diese Szene wird viel zu viel rein­in­ter­pre­tiert!« Defi­nitv. Sie hat sich seit dem ent­wi­ckelt, ist gereift und hat ihre eigene Exis­tenz mit Inhalt gefüllt. »Frü­her« war es viel prag­ma­ti­scher, das kann ich nur bestä­ti­gen. Wir wollte tan­zen, fei­ern und unter uns blei­ben, ein biss­chen auf­fal­len und auch pro­vo­zie­ren. Viel mehr war da nicht ;)

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