31 Juli

Dorian Gray: Ich werde ewig leben

Kategorie: Schwarze Szene — Jahrgang: 20105 Kommentare

Filmplakat zum Film Dorian GrayDorian Gray ist reich und schön und der Traum der ewi­gen Jugend mani­fes­tiert sich in sei­ner Per­son. Sein Geheim­nis ist ein Por­trät, das statt sei­ner altert und in das sich die Spu­ren sei­ner Sün­den und Ver­bre­chen ein­schrei­ben. Wäh­rend Dorian Gray immer noch jung und makel­los erscheint, wird er immer maß­lo­ser und grau­sa­mer. Es ist der ein­zige Roman des iri­schen Schrift­stel­lers Oscar Wilde. Doch Dorian Gray sollte Syn­onym für all das wer­den, was den Zeit­geist um 1890 prägte. Der aus­prägte Hedo­nis­mus1 im Vik­to­ria­ni­schen Zeit­al­ter, die Deka­denz der eng­li­schen Ober­schicht und als Form von Lebens­hal­tung und Kunst­an­schau­ung unter der Flagge des Ästhetik.

Oscar Wilde selbst sollte das Buch ein paar Jahre spä­ter zum Ver­häng­nis wer­den. Wilde ging für dama­lige Ver­hält­nisse sehr offen mit sei­ner Homo­se­xua­li­tät um und erzürnte so den den Mar­quess von Queens­berry weil er unter ande­rem eine Bezie­hung zu sei­nem Sohn Lord Alfred Dou­glas unter­hielt. Der belei­digte Wilde in der Öffent­lich­keit als »posie­ren­den Homo­se­xu­el­len«, wor­auf­hin der ihn wegen Ver­leum­dung ver­klagte. Doch das Blatt wen­dete sich, Oscar Wilde wurde vom Klä­ger zum Ange­klag­ten. Offen­ba­run­gen aus sei­nem Pri­vat­le­ben wurde vom vor­mals Ange­klag­ten Queens­berry zur Ver­tei­di­gung ein­ge­setzt und  führ­ten letzt­end­lich zu einer Ver­ur­tei­lung wegen Unzucht.

Homo­se­xua­li­tät war im vik­to­ria­ni­schen Groß­bri­tan­nien nicht ver­pönt, son­dern sexu­el­len Hand­lun­gen zwi­schen Män­nern sogar unter Strafe gestellt2 was dazu führte, das der gebrand­markte Homo­se­xu­elle Oscar Wilde, der im Pro­zess genau wegen die­ser Unzucht ver­ur­teilt wurde zur unfrei­wil­li­gen Ikone einer Bewe­gung mutierte und der den Ste­reo­typ des homo­se­xu­el­len Man­nes nach­hal­tig prägte. Ein fei­ner eng­li­scher Humor, Wort­ge­wandt­heit, Lei­den­schaft für Ästhe­tik in Klei­dung und Innen­ein­rich­tung sowie eine exzen­tri­sche Per­sön­lich­keit sollte zm Beweis der Homo­se­xua­li­tät wer­den. Män­ner in Eng­land, die genau so leb­ten, wurde als »Oscar« beschimpft.

Aus der Geschichte des nicht altern­den Dorian Gray wurde ein Mythos. Er reifte zu Krank­heit3, die die see­li­sche Unfä­hig­keit beschreibt zu altern oder zu rei­fen, wor­aus ein gestör­tes Selbst­bild und die Ableh­nung der eige­nen Gestalt resul­tie­ren kann. Die Fol­gen in unse­rer heu­ti­gen Zeit las­sen sich an der Anzahl der Schön­heits­kli­ni­ken und Beau­ty­far­men able­sen. Mag sein, das sich das eben­falls in einem inten­si­ven Hang zur eige­nen Ver­gan­gen­heit äußert, wer weiß.

Die span­nende Geschichte hin­ge­gen beschäf­tigt auch immer wie­der die Fil­me­ma­cher. Gleich sechs mal wurde sie ver­filmt, erst 2009 als Kino­pro­duk­tion mit Colin Firth und Ben Bar­nes in den Haupt­rol­len, der trotz schlech­ter Kri­ti­ken: »Das Bild­nis des Dorian Gray ist ober­fläch­li­cher und schau­der­haft reak­tio­nä­rer Gothic-Horror, der die Narzissmus-Parabel des Ori­gi­nals bloß noch andeu­tet, mit einer spiel­freu­di­gen Nebendarsteller-Riege und schi­cker Aus­stat­tung aber immer­hin seicht unter­hält.»4 auch dem­nächst den Weg in mei­nen DVD-Player gehen wird, allein schon um dabei gewe­sen zu sein und viel­leicht fest­zu­stel­len, das es bes­ser war nicht ins Kino zu gehen.

(Bild via This isn’t hap­pi­ness)
  1. Eine nur an mate­ri­el­len Genüs­sen ori­en­tierte ego­is­ti­sche Lebens­ein­stel­lung. In die­sem Sinne wird der Begriff Hedo­nis­mus oft abwer­tend gebraucht und als Zei­chen der Deka­denz inter­pre­tiert []
  2. Der Cri­mi­nal Law Amend­ment Act von 1885 war eine Ergän­zung des bri­ti­schen Straf­ge­setz­bu­ches und rich­tete sich gegen Pro­sti­tu­tion und gleich­ge­schlecht­li­chen Ver­kehr. []
  3. Ver­glei­che Publi­ka­tio­nen zum Dorian-Gray-Syndrom, von B. Bro­sig und ande­ren Auto­ren, näher bezeich­net im Arti­kel bei Wiki­pe­dia []
  4. Filmstarts.de: Das Bild­nis des Dorian Gray. Film­kri­tik. []

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Schwarze Szene
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5 Kommentare

  1. Der (aktu­elle) Film ist für Lieb­ha­ber des Buches wirk­lich ein Alp­traum, schon alleine die genia­len — nen­nen wir es hier Zitate — von Lord Henry wer­den in einer der­ar­ti­gen lieb­lo­sen Art ein­ge­baut, dass es regel­recht an die Schmerz­grenze geht. Aber mehr will ich schon nicht ver­ra­ten, man muss bei vie­len Din­gen ja dann doch von selbst dahin­ter­kom­men, warum man es bes­ser nicht gemacht hätte ;).

  2. Aha, jetzt weiß ich auch wie man einen eng­li­schen Mark­graf nennt :) Dachte schon du hast das mit die­ser infan­ti­len Band verwechselt.

    Der Film reizt mich auch, da ich letz­tes Jahr im Urlaub ein sehr inter­es­san­tes Gespräch von eini­gen Film/Theaterstudenten mit­ge­hört habe, die sich dar­über aus­ge­las­sen haben.

    Du kennst das Buch? Wür­dest du dann einen Ver­gleich hier veröffentlichen?

  3. Ein groß­ar­ti­ger Roman und ein guter Arti­kel, Spon­tis! Ich habe noch eini­ges Neues erfah­ren über Oscar Wilde — einen mei­ner Lieblingsschriftsteller.

    Ich habe den Film Anfang des Jah­res im Flug­zeug gese­hen. Er war schlecht. Ich fand schon die Schau­spie­ler­aus­wahl übel: Ben Bar­nes als Dorian Gray sah zwar wirk­lich ent­spre­chend gut aus, aber das war auch schon alles. Colin Firth fand ich schon optisch eine abso­lute Fehl­be­set­zung, aber er konnte auch den Cha­rak­ter, Spott, Zynis­mus und »Lebe­mann« von Lord Henry nicht im Ent­fern­tes­ten rüber­brin­gen. Und die ande­ren wesent­li­chen Cha­rak­tere (bis auf den Maler vllt.) waren auch irgend­wie schlecht gewählt oder haben schlecht gespielt. Ich stimme da mei­nem Vor­kom­men­ta­tor abso­lut zu. Wenn man über den Film über­haupt was Gutes sagen kann, so dass z.T. recht schöne Stim­mun­gen erzeugt wur­den, schön düs­ter. Aber das ist heut­zu­tage auch kein Kunst­stück mehr und es war nicht über­durch­schnitt­lich.
    Sorry für das harte Urteil. Aber das ist so ein »gro­ßes« Buch, da hat man an einen Film auch große Erwar­tun­gen — und da kann man nicht nur Mit­tel­maß liefern.

    Naja, schau ihn dir an, aber kauf ihn dir nicht. Wäre Geldverschwendung.

  4. @niemand: Danke für die War­nung, even­tu­ell werde ich meine Ansprü­che noch wei­ter run­ter­schrau­ben müs­sen um nicht ent­täuscht zu werden.

    @juliaL49: Es gibt eine Band mit dem glei­chen Namen? Nein, das Buch habe ich nicht im Ori­gi­nal gele­sen. Ich kenne die Geschichte darum und schätze Oscar Wilde als Quer­geist sei­ner Zeit. Aber viel­leicht wäre ein Ver­gleich inter­es­sant. Wobei sich mir die Frage stellt, was bes­ser ist. Zuerst das Buch oder der Film? In der Regel »ent­täuscht« ja der Film immer, da Bücher natür­lich sehr viel umfang­rei­cher erzäh­len und die Cha­rak­tere des Films nicht mehr wirk­lich zu denen pas­sen, die man sich nach dem Buch in sei­ner Phan­ta­sie aus­malt. Gleich­wer­tige Werke sind sel­ten, so kenn ich bis jetzt nur die Kom­bi­na­tion »Der Name der Rose« und »Ver­blen­dung« als Buch/Film Vergleich.

    @shan_dark: Vie­len Dank für die Blu­men, ich wollte den Film glück­li­cher­weise nur mie­ten. Wie ich bei Julia schon kom­men­tierte ist ein direk­ter Ver­gleich natür­lich schwie­rig. Ich denke aber schon aus der »Ent­fer­nung« das du mit dei­ner Ein­schät­zung Recht hast — allein die Cha­rak­tere aus der Vor­schau pas­sen nicht zu dem Bild was ich mir bis jetzt gemacht habe. Ich finde Wilde aber auch als zeit­ge­schicht­li­che Per­son äußerst inter­es­sant, wor­auf die­ser Arti­kel auch im eigent­lich beruht. Kennst du eine bes­sere fil­mi­sche Umset­zung der Roman­vor­lage? Immer­hin gibt es einige Fil­me­ma­cher die sich daran ver­sucht haben.

  5. Ich per­sön­lich kenne nur die Ver­fil­mung aus den 1940ern, die mir sehr gut gefal­len hat. Gerade die bis­sige Art Lord Hen­rys finde ich sehr unter­halt­sam.
    Müsste es als Billig-DVD zu einem Spott­preis geben.
    Ist aber natür­lich ein typi­sches Kind sei­ner Zeit und daher stel­len­weise nach moder­nen Maß­stä­ben etwas schlep­pend und lang­at­mig, aber ich kann mich nicht vor­stel­len, dass du vom moder­nen Popcorn-Kino ver­dor­ben bist :)

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