5 August

Dokumentation (1985): So war das SO36

Kategorie: Schwarze Szene — Jahrgang: 20101 Kommentar

Nichts scheint fes­ter mit der Ber­li­ner Punk-Geschichte ver­bun­den zu sein, wie das SO36. Die his­to­ri­sche Halle im ehe­ma­li­gen Zustell­be­zirk 36, diente am 12. August 1978 einem zwei­tä­gi­gen Mau­er­b­au­fes­ti­val (wis­sende ach­ten auf das Datum), dem ers­ten Fes­ti­val der auf­stre­ben­den deut­schen Punk– und NDW-Szene.  Eigent­lich hatte so ziem­lich alles, was heute als Ursprung einer gan­zen und höchst umstrit­te­nen Musik­rich­tung gilt, im SO36 gespielt. Nicht vom Punk, son­dern von der Neuen Deut­schen Welle ist die Rede, dem deut­schen Bru­der des eng­li­schen New-Wave, der im spä­te­ren Ver­lauf durch musi­ka­li­sche Lächer­lich­kei­ten und Kom­mer­zia­li­sie­rung zur Phrase degra­diert wurde.

Aber da war das SO36 schon wie­der zu. 1983 über­nahm ein tür­ki­scher Päch­ter die Hallo, eröff­nete einen Hoch­zeits­saal, der aber noch im sel­ben Jahr vom Bau­amt geschlos­sen wurde. 1984 gab es dann eine Inter­na­tio­nale Bau­aus­stel­lung, die aber kurze Zeit spä­ter von den Ver­trie­be­nen Beset­zer des KuKuck1 gestürmt wurde. Das dul­dete die Obrig­keit bis etwa 1987, denn das »Zen­trum für Punk und Rock« war mehr und mehr als Aus­gangs­punkt von Stra­ßen­schlach­ten der Ber­li­ner Haus­be­set­zer­szene gewor­den, die meist auf der Ora­ni­en­straße aus­ge­tra­gen wurden.

Genug Geschichte. 1985 mach­ten Man­fred Jelin­ski und Jörg Butt­ge­reit eine Doku­men­ta­tion »So war das SO36«, die 1997 auch als Video erschien — ein Muss für jeden NDW His­to­ri­ker, der weiß, das die Neue Deut­sche Welle nichts mit bren­nen­den Taschen­lam­pen, ver­korks­ten Astro­nau­ten oder Luft­bal­lons zu tun hat. Werk­statt­kino fasst zusam­men: »Eine Hom­mage an den berühm­tes­ten Punk-Schuppen sei­ner Zeit. Die Kamera dicht am Gesche­hen, direkt vor der Bühne neben Schlag­werk, Gitarre und schwar­zen Leder­stie­feln. Die Kör­nig­keit des hoch­emp­find­li­chen Film­ma­te­ri­als (Super 8) im Pogotau­mel, flie­gende Bier­büch­sen im bun­ten Nebel aus Büh­nen­licht, Qualm und ver­duns­te­ten Schweiß und die authen­ti­sche Geräusch­ku­lisse erbit­ter­ter Fans. Mit Ein­stür­zen­den Neu­bau­ten, Lorenz Lorenz, Beton­combo, Die töd­li­che Doris, Mala­ria und vie­len ande­ren mehr.«

Warum schreibe ich dar­über? Bei mogreen gibt es dazu ein paar Film­se­quen­zen, die noch­mal so rich­ti­ges »So war es wohl frü­her« Gefühl ver­mit­teln, gewürzt mit Neid »Schade das ich nicht dabei gewe­sen bin« und einer Spur Mit­leid für die Musi­ker »Bier­dose an der Rübe müs­sen doch unheim­lich zwie­beln«. Hier die ganze Playlist:

httpv://www.youtube.com/view_play_list?p=DC2C95062F070338

(Bild­quelle: gnogongo.de)

  1. Das Kunst– und Kul­tur­zen­trum Kreuz­berg, das ehe­mals auf der Anhal­ter Straße in einem besetz­ten Haus gas­tierte. []

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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1 Kommentar

  1. Nice find! Nette Bands und alle ohne MacBook!

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