6 Februar
Der letzte Funken Independent?
Als Independent noch Independent war, ging es um selbermachen und die Unabhängigkeit allen künstlerischen Ambitionen freien Lauf zu lassen. Kommerz war der Feind. Die sogenannten Indie-Labels sammelten unbekannte Künstler unter einem gemeinsamen Label und schufen so die Musikkultur die sich der Wahrnehmung der Major-Labels entzog. Zu rebellisch, zu gewagt oder auch zu kontrovers waren die Texte, die Musik nicht massentauglich und damit nicht rentabel genug. Doch die Zahl der Käufer stieg kontinuierlich und lockte letztendlich dann doch die Industrie. Mit neuen kleinen Labels gaukelte man Käufern und Künstlern Unabhängigkeit vor und schuf so einen neuen und erfolgreichen Markt. Indie war nicht länger vom Underground dominiert sondern längst in geschickten und profitgierigen Händen.
Was der Käufer heute unter dem Deckmäntelchen Indie angeboten bekommt, sind von Knebelverträgen gebeutelte Musiker die aus Angst ihre Lebensgrundlage zu verlieren in ein Abhängigkeitsschema geraten sind. Bei der Produktion neuer Musik achtet man auf maximale Kompatibilität mit Käufern, greift gezielt Trends auf und schwört einen umfangreichen Rattenschwanz auf die neue Taktik ein. Selbst DJs bekommen mittlerweile Auflage einen Titel x-mal zu spielen, weil sie sonst um ihre kostenlosen Freiexemplare gebracht werden. Ein Déjà-vu? Mag sein, vielleicht gibt es doch noch Hoffnung, denn die stirbt bekanntlich zuletzt:
2010 findet in ausgwählten Clubs in NRW das Independent Ruhr Festival statt, dass zum Selbstkostenpreis von 18,50€ Zutritt zu den Auftritten aller Bands und Künstlern gewährt. Vom 29.07.2010 bis zum 01.08.2010 findest du auf 9 Parties und 40 Konzerten das vielleicht letzte Fünkchen Independent. „Das Independent-Ruhr-Festival ist ein Underground-Event, dass Parties, Konzerte und andere Kulturveranstaltungen miteinander verbindet. Monotonie, Inhaltslosigkeit, Kommerz: Heute kann man sehr schnell depressiv werden. Aber man darf den Optimismus nicht verlieren, muss kreativ sein und für jede Situation eine Lösung suchen. Sich zurückbesinnen auf wahre Szene-Werte. Vor allem darf man das Lachen nicht verlieren.”
Eine kleine Revolution? So wünschen es sich jedenfalls die Macher. Alternative, Rock, Metal, Gothic, Industrial, Electro, die Bandbreite der auftretenden Bands ist breit, die Namen unbekannt und natürlich erscheint es mühselig den Klängen aller Bands habhaft zu werden. Was hat man also gemacht? Einen kostenlosen Sampler zusammengestellt, auf dem vielen der Musiker vertreten sind, ganz einfach eigentlich. Auf der Internetseite des Festivals kann man sich den Sampler downloaden. Empfehlung: Sampler hören, ein Bild machen und aus dem Programm des Festivals das richtige heraus suchen und für 18,50€ daran teilnehmen.
Die Tracklist:
- Painwords – Eigener Weg
- The Bratwurst – So Old Master
- Psycho Luna – Alles nur getan
- Caine – The Way
- Traumtänzer – Stigmata
- In Mitra Medusa Inri – Why can´t you sing at daylight
- Tiana – Mein Liebstes
- NTL – Fearless
- Die! – Still
- In Viro – Herzbrecher
- Schwarzblut – Muss es eine Trennung geben
- Project Rotten – Confessions Of A Killer